zu den mobilen Massen die Festuugsgarnisouen hin
zurechnet, so dürste die Zahl von 300,000 Mann
eher zu gering als zu hoch angeschlagen sein. Die
Hauptstärke des mährisch-schlesischen Corps cvncentrirt
sich in der Gegend bei Troppau. Um Olmütz wer
den noch weitere Befestigungen angelegt, und cs ist in
den Kreis derselben auch ‘ das benachbarte Kloster
Hradisch gezogen worden. Nachrichten aus Prag mel
den, daß daselbst Vorbereitungen zu einem Feldspital
für 20,000, in Theresienstadt für 15,000 und in
Königgrätz und Josephstadt je 10,000 Mann ge
troffen werden. In Böhmen hat man sich aus An
laß der neuen Recrutirung bereit erklärt, 40,000
Mann, und zwar die Hälfte aus Landskosten, stellen
zu wollen. Die Festungen werben überall auf das
Genügendste mit Proviant versehen. So stehen die
Thatsachen.
München, den 21. Nov. Einige norddeut
sche Blätter brachten das Gerücht, Lieutenant v.
Bouteville sei ebenfalls aus dem schleswig-holstei
nischen Heere ausgetreten. Dies ist unrichtig. Der
selbe war einige Tage in Familiengeschäften m Mün
chen und ist heute wieder nach Holstein abgereist.
(H. N.)
Schleswig-Holstein.
In der „Köln. Ztg." sagt der alte Arndt: „Bü
cher genug hat Schleswig-Holstein gezogen und er
zogen. Zöge es so viele deutsche Schwerter für sich
aus der Scheide, so würde sein Kamps bald ausge
kochten sein. — Diese Worte zieht mir ein Büchlein
aus der Scheide des Herzens, ein kleines, nettes,
klares, für das Volk geschriebenes Büchlein mit dem
Titel: „Schleswig-Holstein. Sein Kampf, sein Recht,
seine Hoffnung. Sein Verfasser ist der Schnldirector
Braier in Oldenburg, wie denn die wackeren Olden
burger ihren theuren Nachbarn vor Vielen ein treue
stes deutsches Herz bewährten und bewährt haben.
Das Büchlein erzählt alle die langen und schlau be
rechneten Listen, Verletzungen, Uebervortheilungen
und hundertfältigen Betrügereien und Plackereien
der tückischen Dänen gegen die tapferen Friesen, An
geln und Sachsen, wie das immer giftiger geworden
sei mit der gewaltsamen Ausdringung der dänischen
Sprache, mit der Verschleppung der Verwaltung rmd
des Kriegswesens immer mehr nach Kopenhagen hin,
und so durch den Staatsbankerott vom Jahre 1815
(wobei nur die Herzogthümer um 19 Millionen be
trogen worden) bis zur Zerreißung der uralten Staats
bande und zur gewaltthätigen Einverleibung Schles
wigs in die sogenannte dänische Gesammt-Monarchie
und zu allen folgenden, bis heute fortgesetzten Der-
uatueï j um Frecheren uno Do>ere« |uuîļt|ûmuiii
sei.
Deutschland steht mit allen seinen gepreßten Her
zen und halbgezogenen Schwertern jetzt vor Schles
wig-Holstein und wartet fast eines jammervollen und
schändlichen Ausganges, welche Manche schon als
Möglichkeit fürchten, daß dem deutschlüsternen Oester
reich und seinen großdeutschlandssüchtigen und sou-
verainetätskranken Königen des sauberen bregenzer
Bündnisses erlaubt werden könne, mit wüsten Croa-
ten und Rothmäntler-Horden über ganz Deutschland
hinzumarschiren und den Dänen, deren schändliches
londoner Protocol! es mitunterschrieben hat, die freien
und tapferen Bewahrer und Vorkämpfer unserer
deutschesten Nordgrenze als ewige Knechte zu über
liefern. Deutschland kann sich doch die Möglichkeit
nicht denken, daß Preußen zu solchem schändlichen
Unheil gleichsam Gevatter stehen und seine und
Deutschlands Zukunft für immer in den diplomati
schen Sack schieben lassen könne, daß es die Weser
und die Elbe, und also seine letzten freien Zugänge
und Durchgänge zu den Meeren, mit den herrlichen
Elblanden und seinen freien, tapferen Söhnen, deren
einziges Unrecht vor den Despoten ist, daß sie nicht
.undeutsch werden wollen, unauflöslich, also für im
mer, mit der dänischen Monarchie vereinigen, d. h.
abtreten und von Deutschland losreißen lassen könne.
— Wäre das möglich, was alles wäre dann in
Deutschland nicht möglich? was wäre nicht erlaubt?
ja, was wäre jedem Manne, der noch ein Bißchen
* Herz in der Brust hat, dann nicht geboten? —
Wenn wir so auf diesen unseren November blicken,
aus diesen Turnmond des Jahres 1850, mögen wir
wohl der Worte gedenken, die im Jahre 1809 aus
des stolzen Spaniers Palafox Munde hervorgebro
chen. „Es ist die Zeit gekommen" — rief er —,
„too Spaniens Säuglinge in den Wiegen, wie Her
kules weiland nach Schlangen, nach Schwertern grei
fen, wo die Achtziger Narren werben und sich ein
bilden könnten, sie seien Zwanziger."
Kiel., vom 25. Novbr. „Wiedereröffnung der
Landesversammlung". Die Versammlung findet sich
von 12 Uhr an allmählig ein. Auch die Zuhörer
räume sind besetzt. Nach 1 Uhr eröffnet der Mini
ster des Innern die Sitzung mit der Aufforderung
an Regierungsrath Luders, als Alterspräsident, die
Einleitung zur Wahl eines Präsidenten zu treffen.
Zugleich zeigt er an, daß an die Stelle des gefalle
nen Abgeordneten Vollertsen für Norderdithmarschen
der Gutsbesitzer Westphal zunr Abgeordneten gewählt
und bereits in der Versammlung lgegenwärtig sei.
Herr Regierungsrath Luders nimmt darauf den Prä-
sidentenstuhl ini Besitz int eigentlichen Sinne des
Worts, und richtet sitzend einige Worte an die Ver
sammlung mit der Aufforderung zur Wahl eines
Präsidenten. Der frühere Präsident Bargum wird
darauf von 65 Stimmen mit 60 wieder gewählt.
Er erklärt, nachdem ec versichert, daß es sein Be
streben sein werde, durch Sorgsamkeit, Unpartheilig
keit und sonst nach Kräften das ihm abermals ge
schenkte Vertrauen zu rechtfertigen, im klebrigen dies
mal von diesem Platze aus nicht viele Worte machen
zu wollen. Zwar habe der Herr Alterspräsident ihn
gewissermaßen darauf hingewiesen, die Hoffnungen
und Befürchtungen, die uns in dieser Zeit erfüllen,
auszusprechen. Er glaube indeß er werde das nicht
können; die Hoffnungen und Befürchtungen seien bei
den Einzelnen zu verschieden, als daß er es sich an
maßen könnte sie in Worten zu fassen. „Unsere be
sondere Lage hat sich seitdem wir uns trennten, we
nig geändert. Unser Heer steht dem dänischen noch
in derselben Stellung gegenüber. Wir werden es
hoffentlich erfahren, weshalb die Unsrigen die Offen
sive nicht haben ergreifen können oder sollen. Zwar
von Süden scheint ein ernsthaftes Gewitter zu dro
hen. Wenn wir nun an die Berathung unserer Ge
schäfte gehen, die voraussichtlich nicht eine geringe
Zeit in Anspruch nehmen werden, so entsteht die Frage:
werden wir nicht gehindert werden an unserm gesetz
lichen Thun, durch deutsche Truppen; es könnten
zwar auch Kroaten sein. Ich hoffe indeß, es wird
zu einer solchen Schandthat nicht kommen. Ich hoffe
daß Deutschland es nicht zugeben werde, und wenn
ich diese Hoffnung ausspreche, so möchte ich, daß ich
deutsche Fürsten und das deutsche Volk nicht zu tren
nen nöthig hätte, wenn auch eine Trennnng jetzt ge
rechtfertigt erscheinen könnte. Indeß hat doch ein
deutscher Fürst, dessen Ahnen für deutsche Freiheit
und Recht zu kämpfen und zu sterben wußten, sich
unserer Sache angenommen. Wenn übrigens ein
Gewitter heraufzieht, so weiß Niemand, wo es ein
schlägt. Unsere Zukunft ist in Gottes Hand. Und
so schreiten wir denn zur Erfüllung unserer pflicht
mäßigen Thätigkeit." —
Bei der nun folgenden Wahl der Vicepräsidenten
wurde der Obergerichtsrath Mommsen zum ersten,
und der Dr. Gülich aus Schleswig zum zweiten
Vicepräsidenten gewählt.
Der Präsident verliest dann eine Mittheilung der
Regierung, aus der wir Folgendes hervorheben:
"Bei der Würdigung des von der Landesversamm
lung gestellten Antrags auf Amnestie der wegen po
litischer Vergehungen zur Untersuchung und zur Strafe
gezogenen Personen nrtt Ausnahme W* üandosncr-
1*4.) uiffvtü ^LUļtôàķsânsàH, gWļffstÄ Di ff,
gegen die Rechtspflege in der angegebenen Weise als
gerechtfertigt nicht erachten können.
Es ist ferner in Betracht gezogen worden, daß
die Sorge für die Erhaltung und Befestigung des
Vertrauens zu den Gerichten zu den wichtigsten
Pflichten der Staatsregierung gehört, dasselbe aber
eher erschüttert als gestärkt werden möchte, wenn die
Regierung auf Veranlassung eines geäußerten Miß
trauens gegen die Rechtspflege eine Anzahl anhän
giger Strafsachen der Entscheidung durch die Gerichte
entzöge. Die Statthalterschaft hat endlich in einer
Bewilligung der beantragten Amnestie ein geeignetes
Mittel zur Ausgleichung der in der Landesversamm
lung und überhaupt im Lande wie im ganzen deut
schen Vaterlande herrschenden verschiedenen politischen
Anschauungen und zur Versöhnung der diesen ver
schiedenen Ansichten anhängenden Personen nicht er
kennen können. Sie hält sich vielmehr verpflichtet,
allen politischen Ansichten gegenüber rücksichtslos gleiche
Gerechtigkeit zn lassen.
Von" vorstehenden Erwägungen geleitet, hat die
Statthalterschaft auf den gestellten Amnestieantrag
nicht eintreten zu können geglaubt, sondern ist viel
mehr der Ansicht, daß sie namentlich in Beziehung
auf die Rechtspflege und durch ein Festhalten an
dem regelmäßigen Geschäftsgänge und an dem un
abhängigen Walten der Rechtsordnung neben der
Leitung einer zweckmäßigen und zeitgemäßen Fort
bildung der Gesetzgebung die ihr gestellte Ausgabe
zu erfüllen habe. Uebrigens wird die Statthalter
schaft nach wie vor von der ihr zustehenden Befug-
niß Gebrauch machen- in vorkommenden Fällen auf
dem Wege der Begnadigung diejenigen Milderungen
erkannter Strafen eintreten zu lassen, welche eine
billige Berücksichtigung der mannigfach bewegten und
aufgeregten jüngsten Vergangenheit wie die noch
nicht befestigten Verhältnisse der Gegenwart erheischt
und gestattet.
Gesetzvorlagen von minderem Umfange zwar aber
doch auch von Wichtigkeit für die einzelnen Zweige
der Verwaltung werden außerdem noch der Versamm
lung von den betreffenden Departements zur Bera
thung und Beschlußnahme vorgelegt werden.
Der Vorschlag zum Staatshaushaltsetat für das
Jahr 1851 ist dem von der Vers, bestellten Aus
schüsse behändigt und wird in einer übersichtlichen
Zusammenstellung der Versammlung zugehen.
Die^ Regierung darf annehmen, daß' der Bundes
ausschuß hierüber und nicht minder der Finanzaus
schuß über die-Staatsrechnungsablage pr. 1849 der
Versammlung Bericht erstatten werden
Die Vorschüsse der Herzogthümer für die Verpfle
gung deutscher Truppen im Jahre 1849 sind seitdem
von der herzog!, nasfauischen Regierung zum Vollen,
von der großherzogl. badischen und fürstl. lippedet-
mold'schen Regierung theilweise zurückbezahlt. Die
Gesammtsumme der Rückzahlungen beträgt gegen
wärtig 329,725 Mk., welche zurückgestellt, mithin
zu den laufenden Ausgaben nicht verwendet worden.
Unsere Landessache ist noch ferner von Deutschen
im In- und Auslande durch freiwillige Beiträge
unterstützt. Vor Allem ist in dieser Beziehung der
ansehnliche Beitrag von der Stadt Bremen" von
250,000 Mk. in dankbarer Anerkennung hervorzuhe
ben. Die eingezahlte Gesammtsumme solcher Bei
träge belief sich am 23. d. M. auf 1,079596 Mk.
Für die freiwillige Anleihe sind ausgegeben 2974
Obligationen à 125 Mk. = 371,750 Mk., wovon
ungefähr der dritte Theil bereits eingezahlt'wor
den ist.
Bei der Ausführung der Gesetze vom 4. v. M.
ist soviel als nur immer thnnlich hingewirkt auf Er
reichung einer „gleichmäßigen Anwendung;" der auf
opfernde Patriotische Sinn des Landes hat sich auf's
Neue in der rühmlichsten Weise bewährt und die
Ausführung im hohen Grade erleichtert.
Die Anleihe vom Einkommen ergiebt die Summe
von 663,000 Mk., die Anleihe vom Vermögen
4,200,000 Mk. soweit Solches schon jetzt sich über
sehen läßt. Bon der Autorisation noch 14 pCt. der
Vermögensanleihe zu erheben, ist seither kein Ge
brauch gemacht worden.
Der Behalt der Hauptcasse betrug am 23. d.
M. 3,028,411 Mk., worunter von den neu zu emit-
tirenden Cassenscheinen von 1.250,000 Mk. sich be
finden 110,000 Mk.
Aus dem Voranschläge zum Staatshaushaltsetat
des Jahres 1851 ergiebt sich als muthmaßlicher
Ueberschuß und Cassen-Behalt vom Jahre 1850
4,616255 Mk.
Die in Uebereinstimmung mit dem Beschlusse der
L.-V. verfügte Ausprägung von Scheidemünze ist der
Vollendung nahe.
In dem Voranschläge zum Staatshaushaltsetat
für das J. 1851 haben zwar vom finanziellen Stand
punkte aus, welcher lediglich die Gegenwart ins Auge
zu fassen hatte, die Einnahmen aus dem Herzogthume
Schleswig wiewohl solche selbstverständlich aufgeführt,
nicht in Rechnung gebracht werden können. Die po
litischen und militärischen Verhältnisse berechtigen
aber zu der bestimmten Erwartung, daß eine bessere
Zukunft auf Grundlage der Landesrechte bevorsteht.
Eine gewaltsame Intervention, war allerdings in
Aussicht gestellt: gegenwärtig sind solche Besorgnisse
in die Ferne gerückt.
«ÖtLi-fc.*., wtfv JtVVUtlVU. V<U0U Vv (■
meinen Mittheilung der Departementschefs wurden
heute der Landesversammlung eine Reihe von Vor
lagen und Mittheilungen der einzelnen Departements
gemacht. Von Interesse ist hier zunächst eine kurze
Uebersicht des Budgets, welches dem in der vorigen
Diät bereits erwählten Ausschuß vorgelegt ist. Dem
nach sind die Einnahmen für 1851 veranschlagt auf
im Ganzen 11,114099 Mk.. die Ausgaben auf
11,160,442 Mk. 5 ßl. Zu der Einnahme kommt
der Kasfebehalt für 1850 mit 4,616,255, ergiebt ei
nen Ueberschuß von 4,569,911 Mk. 11 ßl. Sowohl
die Einnahmen aus Schleswig als^die Ausgaben für
dasselbe find in den angegebenen Summen nicht mit
enthalten. An Einnahmen für Schleswig pro 1851
sind abgezogen 6,030600, an Ausgaben 1,300,000.
— Im Einzelnen stellen sich die Ģittiralimett fol-
gendermaaßen: 1. Dep. der Finanzen: 1) Domänen
und Forsten 1,213,340 Mk. 9 % ßl; 2) Abgaben
1,634,320 Mk.; 3) Steuern,», directe 3,694,165 Mk.
2 ßl. und 6. indirecte 3,681,600 Mk.; 4) Postab
gaben 721,700 Mk.; 5) Einnahmen von Activen
115,099 Mk.; 6) Veränderliche und zufällige Ein
nahmen 304,600 Mk. — II. Departement des In
nern: 233,875 Mk. — ill. Departement der Justiz:
43,000 Mk. — Also Betrag der ordentlichen Ein
nahmen 1851: 11,644,699 Mk. — Dazu außeror,
deutliche Einnahmen 1851: Vermögensanleihe von
1 Procent 5,500,000 Mk., macht in Summa
17,144,699 Mk. Zieht man davon den Betrag der
ordentlichen Einnahmen für Schlesw. mit 4,530,600 M.,
und die Vermögensanleihe für dasselbe mit 1,500,000 M.,
zusammen 6,030,600 Mk. ab, so bleibt die oben an
gegebene Summe von 11,114,099 Mk. — Die
Ausgabe» sind im Einzelnen folgendermaßen cal-
culirt: A. Allgemeine Staatsausgaben: 1) Civilliste
des Landesherrn fehlt; 2) Apanagen der königlichen
und fürstlichen Personen 158,862, Mk. 8 ßl.; 3)
Statthalterschaft 18,000 Mk.; 4) Landcsversamm-
lung 118,000 Mk.; 5) Verzinsung der Staatsschuld
303,400 Mk.; 6) Verpflichtung aus eingezogenen
Activen 600 Mk. 6. Verwaltungs-Ausgaben: I. all
gemeine 194,078 Mk. 12 ßl. tl. besondere 1) Dep.
der auswärt. Angeleg. 100,000 Mk.; 2) Dep. der
Justiz 212,176 Mk. 9 ßl.; 3) Dep. / der geistl. und
Unterrichts-Angelegenheiten 404',586 Mk. 9 ßl.; 4)
Dep. des Innern 927,717 Mk. 8 ßl.; 5) Dep. der
Finanzen 3,313,595 Mk. 5 ßl.: — zusammen bis
jetzt 5,751,317 Mk. 3 ßl.; davon abgerechnet die
Ausgaben für Schleswig mit 1,300,000 Mk., bleibt
4,451,317 Mk.; dazu endlich noch 6) das Dep. des
Kriegswesens 6,709,125 Mk. % ßl., ergiebt die