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Rendsburg«
Jahrgang >
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Mittwoch, den 4. December
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TageSgefchichte.
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Kopenhagen, vom 27. November. Capstan
C. van Dockum, Chef der Secacademie, ist vom Kö
nig zum Marineminister ernannt. Kammerherr Jr-
minger hatte gebeten, ihn der interimistisch über
nommenen Verwaltung des Marineministeriums zu
entheben.
Die „Berlingsche" zeigt sich sehr entrüstet über
die Antworten der Statthalterschaft an den Grafen
Thun und Herrn v. Radowitz und .meint, das einzige
und beste Mittel sei das vorrückende Executionshcer,
um so mehr, als dasselbe ans in solchen Sachen er
fahrenen Oesterreichern bestände.
„Hempels Avis" meldet aus Ny borg vom 24.
d. M., daß am Abend vorher die Fregatte „Gefion"
oder „Eckernförde", „wie sie in ihrer Erniedrigung
heißt", dort passirt und nun auf dem Wege nach
Bremerhaven sei.
Kopenhagen. dm 28.. Nov. „Fynens Avis"
läßt sich aus Hamburg solgenve ergötzliche Geschichte
schreiben: Die 1. Comp, des 1. Infanterie-Bataillons
der Insurgenten habe Meuterei gemacht und Frie
drich den Siebenten leben lassen. Zehn Mann, worunter
4 Unterofficiere, sitzen im strengen Arrest und die
übrige Mannschaft ist unter andere Bataillone ver
theilt. Aus demselben Grunde ist das 6. Jägercorps
aufgelös t und unter die fünf andern vertheilt wor
den. Die aus allen Ecken der Welt zusammgeström-
ten Freiwilligen in der Jnsurgentenarmee betragen
13.000 Mann.
„Flyvepostcn" berichtet, daß die Generalpostdirec-
tion darauf Bedacht sei, für den Winter außer der
Postcummunication zwischen Warnemüilde und Gjed-
serodde eine Dampfschiffverbindung zwischen Cuxha
ven und einem Hafen an der Westküste Jütlands zu
eröffnen.
„Kjöbenhavnsposten" versichert, in Bezug auf die
Angabe Altvnaer und Hamburger Blätter, baß man
nicht daran gedacht habe, eine Aufforderung an die
Statthalterschaft zu einer Zusammenkunft mit dem
Könige, bei dessen neulicher Anwesenheit in Flens
burg. zu erlassen. Im klebrigen findet „Kjöbenhavns-
Posten" nichts Auffallendes darin, wenn man einen
solchen Plan ausgeführt hätte. Die Statthalter
schaft behauptete ja im Namen des Königs zu han
deln, warum sollte sic sich nun nicht bei ihm ein-
sinden können, um seinen Rath und seine Anweisung
für ihre fernere Handlungsweise einzuholen? Des
Königs nächster Rath wäre dann nicht das dänische
Ministerium, sondern dessen Staatssecretär für Hol
stein und Lauenburg GrafReventlow-Criminil gewe
sen. und es könne weder formell noch rechtlich etwas
eingewandt werden gegen einen solchen Versuch zu
einer „Uebereinkunft", oder richtiger ausgedrückt, einer
Einholung von Instructionen Seitens der Statthal
terschaft, ob nun der Plan von dem König, dessen
nächsten Rathgebern, oder den Mitgliedern der Statt
halterschaft selbst ausgegangen wäre.
DeuLsMmrd.
Berlin. Roch eine Hinterthür, durch welche
sich Preußen einem Kampfe mit Oesterreich, die
ses sich einer Abhängigkeit vom Bundestage entzie
hen kan», hat sich eröffnet. Der Kurfürst von Hes
sen hat bei dem Bundestage darauf angetragen, daß
die Truppen Oesterreichs nnd Baierns so gut wie
die von Preußen sein Gebiet räumen. Wir glauben
nicht, daß in Folge dieses Antrages Kurhessen der
Occupation ledig werden wird, Denn der Kurfürst
kann seinem Volke nicht mehr als solcher, nicht mehr
ohne fremde Hülse gegenüberstehen. Eine Räumung
Kurhessens hieße das constitutionelle Princip in die
sem Lande wieder aufleben lassen, hieße die Frage
der Steuerverweigerung aufs Neue zu kräftiger Ent
wicklung herausrufen, den Gerichten ihre Gewalt zu
rückgeben, und alle die Beamten, welche den Weisun
gen Haffenpslugs gefolgt, mit diestm der Strafe über
antworten, hieße nn andern Falle, wenn sich die Go-
thaische Partei in Kurhessen zu einer verrätherischen
Vereinbarung bereit finden ließe — dieser verachte
ten Partei eine Gemeinsamkeit in der Herrschaft
gestatten.
Wir können also nicht annehmen, daß es mit
einer Räumung Kurhessens ernstlich gemeint sei.
Vielmehr würde jener Antrag des Kurfürsten Oester
reich nur freie Hand geben, mit Uebergehung des
Bundestages rein in seinem Namen zu Handelns und
zu gemeinsamen Maßregeln sich mit Preußen zu
verständigen. Diese beiderseitige Execution war es
aber, was der preußischen Politik von Ansang an
„vorschwebte".
Die „Boss. Ztg." glaubt , mittheilen zu können:
,,Bv» gur uiilerncyierer Sem wļro oèrsicherr, vag
alle Hoffnung vorhanden sei, daß der Gefahr einer
einseitigen Buudesexecutivn in Schleswig-Holstein
durch die Conferenzen in Olmütz werde' abgewehrt
werden."
Berlin Die Mobilmachung des Heeres erfor
dert außer den ersten ca. 20,000,000 Rthlr. betra
genden Kosten monatlich 7,000,000 baarc Auslagen.
Frankfurt, vom 26. November. Trotz der
getroffenen Vorkehrungsmaßregeln haben sich gestern
Abend die blutigen Raufereien zwischen Preußen r>nd
Baiern wiederholt. Von den ersten sollen vier ver
wundet sein, ein preußischer Husar so bedeutend, daß
man an seinem Aufkommen zweifelt.
Die „Oberpostamtzeitung" vom 26. enthält wie
der einmal einen Artikel des Herrn v. Blittersdorff,
der, wenn er selbst nur auf Combinationen basirt
sein sollte, doch in der That die richtigen Consequen-
zen aus der Wendung zeigt, welche die preußische
Politik in den letzten Tagen genommen, und mit
vollkommener Richtung den Weg andeutet, welchen
Preußen einzuschlagen gezwungen sein wird. Nach
dem Herr v. Blittersdorf durchgeführt, welche Hin
dernisse Preußen der Bundesexecution in Kurbessen
entgegenstelle, fährt er fort: „Dadurch wird der nächste
Zweck der Ernennung des Fürsten Gortschakoff als
kaiserl. russischen Gesandten bei dem deutschen Bund
vereitelt, und wenn dieses in der Absicht geschähe,
einen Tractat überhaupt nicht zum Vollzug kommen
zu lassen, so würde Rußland eine begründete Veran
lassung haben, sich über das Verfahren der preußi
schen Regierung auf das nachdrücklichste zu beschwe
ren. Wir können es uns kaum als möglich denken
daß Preußen, in dem Augenblick, wo es den gewag
ten Wurf gegen Oesterreich und die übrigen am
alten deutschen Bunde hängenden Staaten thut. ge
sonnen sein kann, auch noch die Feindschaft Ruß
lands aus sich zu laden. Denn das kann ihm nicht
zweifelhaft sein, daß Rußland die Beendigung der
holsteinischen Sache ernstlich will, und diejenige Macht
als seinen Feind betrachten wird, die jener Beendi
gung sich thatsächlich widersetzt. Wir glauben daher,
daß Preußen eine andere Absicht mit den gegen den
Bundestag gerichteten Schritten verbindet. Diese
kann nur darin bestehen, daß es dasjenige selbst thut,
was cs dem Bunde zli thun nicht gestatten will'.
Wir haben somit zu gewärtigen, baß die preußische
Regierung, wie auch schon die öffentlichen Blätter
gemeldet habe», bei der Statthalterschaft in Holstein
aus das nachdrücklichste einschreiten wird, um die
Einstellung der Feindseligkeiten und die Reducirung
der holsteinischen Armee herbeizuführen. Da in
Preußen mit der Entfernung des Herrn v. Radowitz
ein Systemswechsel eingetreten ist, und das jetzige
Ministerium sich nicht aus die Gothaer Partei, son
dern auf das specifische Preußenthum stützt, so kann
dies die preußische Regierung auch thun, ohne mit
sich in Widerspruch zu gerathen. Sie wird in Hol
stein eben so conservativ auftreten müssen, als sie
gezwungen ist, es im eigenen Lande zu thun. Nach
dem Preußen seine Qualität als Großmacht in die
erste Linie gestellt hat, kann es seine Politik nicht
von der der übrigen Großmächte trennen und wird
deshalb auch aufhören müssen, die Revolution in
Holstein zu begünstigen. Sollte daraus auch eine
Jmpopularität hervorgehen, so wird dieser Nach
theil dadurch reichlich ausgewogen, daß es sich Ruß
land gewogener machen kann, als es seither der Fall
gewesen ist. Man kann es sich nicht verhehlen, daß
Preußen den Erfolg seiner deutschen Politik haupt
sächlich daraus stellt, daß Rußland für eine gewisse
Linie hinaus aufhören müffe, seine Widersacher zu
unterstützen. Diese Linie ist diejenige, wo Preußen
offen und entschieden mit der Revolution gebrochen
hat, und nur noch seine svecistsch-vreußrscken 2«.
reresten, gestutzt aus die conservative» Elemente sei-
»es Staats, zu vertheidigen trachtet. Demnach müs
sen wir auch gewärtig sein, daß die preußische Re-
gierung Alles aufbieten wird, um bei den Verhand-
lungen des Landtags den Siez der specisisch-preußi-
scheu Partei sicher zu stellen. Gelänge ihr dieses
nicht, und sollte die Partei der Gothaer oder Unioni-
sten neuerdings ans Ruder gelangen, so würde nicht
nur Oesterreich, sondern auch Rußland gezwungen
sein, den Kampf mit Preußen auszunehmen, entstehe
daraus was da wolle. Wir haben geglaubt, diese
Andeutungen über die Motive, von denen die preu
ßische Regierung bei ihren neuesten Schlitten geleitet
sein könnte, nicht vorenthalten zu sollen. Ob wir
richtig gesehen haben, wird schon die nächste Zukunft
lehren." Allerdings, so schließt Hr. v. Blittersdorf
mit meisterhafter Bosheit, liegt das beste Mittel, den
Bundestag überflüssig zu machen, darin, wenn die
einzelnen deutschen Regierungen dasjenige selbst thun.
was im andern Fall der Bundestag zu thu» ver
pflichtet wäre.
Bremen, den 28. Nov. Das Committee für
Schleswig-Holstein hat, wie wir vernehmen, den bis
herigen Sendungen von resp. 10,000 und 50,000 Mk.
Beo. heute eine weitere Sendung von 30,000 Mk.
Bco., mit dem besonderen Wunsche der Verwendung
derselben für Verwundete und Hülfsbedürftige, folgen
lassen. Die größere Hälfte dieser letzteren Summe
ist von dem Frauenvereine, der sich noch so große
Verdienste um die Sammlung erworben hat, beige
steuert worden.
Wien, den 28. November. Nebst dem Fürsten
Schwarzenberg ist auch der russische Gesandte Meyen-
dorff zur Conscrenz mit Manteuffel nach Olmütz ab
gereist.
Ans der Provinz Sachsen, 27. Novbr.
In unserer Provinz herrscht ein großartiges kriege
risches Leben. Es wimmelt geradezu von Truppen.
In Magdeburg liegen große Massen und die Festung
ist vollständig in Bereitschaft gesetzt. Dasselbe gilt
von Wittenberg; diese arme Stadt hat sogar den
einzigen Schmuck in ihrer ganzen Umgebung, ihre
schöne Promenade, fallen sehen müssen, um das
Glacis frei zu machen. Der Bahnhof der Stadt,
der nur von Holz gebaut ist, liegt im Festungs-
Rayon, und es sind alle Vorbereitungen getroffen,
denselben in 24 Stunden vollständig' abtragen zu
können. In Torgau liegen 8000, in Halle 5000
Mann, und es werden noch mehr Truppen in letzterer
Stadt erwartet. In Dessau sollten am 25. Novem
ber preußische Truppen einrücken, wenigstens waren
sie dort angesagt; ob es geschehen, wissen wir nichts