Full text: Newspaper volume (1850)

vie Misêre, die jetzt im deutschen Öanbe graffirt, an 
die Ufer der Nordsee Kroaten und Slovaken, die 
einem deutschen Reiche dienen, schicken würde, so 
wäre das jedem Deutschen ein Messerstich in's Herz. 
Obwohl der Deutsche seiner Diplomatie jenes quous- 
que tau dem schon lange hätte zurufen sollen, obwohl 
es nicht zu erwarten steht, baß derselbe Deutsche, 
der einen Deutschen Bund zu seinem eigenen Spott 
und Hohn die undeutschesten Maaßregeln sanctioniren, 
der Churhessen besetzen und uns im Stiche läßt, 
leicht oder jeinals aufgebracht werden könnte, so 
giebt es doch Stellen, wo auch er verwundbar ist. 
Das Recht ist deren eine; das Recht, welches be 
reits halb Deutschland gegen die andere Hälfte in 
Waffen rief, und das, wenn es noch mehr gekränkt 
werden sollte, die andere Hälfte leicht mit dem an 
dern verbinden könnte, um beide gegen einen ge 
meinschaftlichen Feind, den des Verraths und der 
Unehre zu führen und aufzustacheln. — Ich wieder 
hole darum, daß es unser Glück sei, wenn wir uns 
an Deutschland anlehnen und auf das deutsche Ele 
ment in unserm Lande und Kampfe vertrauen. 
Als mich dieser Gedanke wieder mit der dunkeln 
Gegenwart ausgesöhnt hatte, klang mir jener ge 
sunde Volkswitz: 
„Bei Jmmervad kam der Dän' in des Teufels Bad" 
so deutsch und kräftig ins Ohr, als wäre er eben 
jetzt von unserm deutschen Heere erfunden und aus 
gesprochen, und als sollte sich seine Wahrheit des 
ehestens, wie vor crrca 425 Jahren bestätigen. Q»od 
Dii bene vertäut! — 
In der „Weserzeitung" theilt Adolph Stahr 
Bruchstücke aus Kinkels Briefe,l an 
seine Gattin 
mit, deren erstes folgendermaßen lautet: 
Spandau, Juni 1850. 
Was nun den Umstand betrifft, daß man 
Dir in Berlin den Zutritt zu mir verweigert hat, 
so gedenke ich Deinen Schmerz darum durch keine 
Trostgrunde abzustumpfen. 
Ich habe mich fleißig mit der Geschichte von 
Männern beschäftigt, die für ihre Ueberzeugung lit 
ten, habe namentlich in meinem Fache als Kirchen- 
historiker christliche Märtyrergeschichten studirt, nicht 
die fabelhaften Heiligenlegenden der katholischen Kirche, 
londern echte Gemeindebriefe und Berichte von Zeit 
genoffen. Unter diesen Märtyrern waren nicht blos 
Leute des duldenden Gehorsams, sondern auch solche, 
welche das Militär aufforderten, aus dem Dienste 
zu irvien, sich nicht zu st«li«n u. s. n>. - auch solche, 
die gewaltthätig Altäre zerbrachen und heidnische 
Götzenbilder in Tempeln zerschmetterten: also Ver 
brecher gegen das Staatsgesetz. Aber in keiner die 
ser Erzählungen habe ich gesunden, daß man den 
Freunden, Schülern, Verwandten den Besuch des 
Sträflings wehrte. Sokrates wurde frei von seinen 
Schülern und Freunden im Kerker besucht, und die 
sem Umstande verdankeil wir zwei der herzlichsten 
Platonischen Gespräche, den Kriton und Phädvn. 
Johannes der Täufer war im Kerker in steten Ver 
kehr mit seinen Schülern, und von Christi Kreuz 
trieb kein Kriegsknecht die Mutter hinweg. So hat 
auch Cyprianus stets Freundestrost bis zu feinem 
Schaffst genossen; denn ihre Gegner waren freilich 
Heiden. Daß man das Weib, das nach Christi 
Vorschrift ihren gefangenen Mann mit ihrem Kuß 
und ihrer Treue aufzurichten kommt, in einer neuen 
schrecklichen Phase seines Duldens*) fernhält, das 
ist historilch neu. Gefangene besuchen, zählt die Kirche 
unter die Werke der Barmherzigkeit, der christliche 
Staat verbietet es in seiner Hausordnung —! Sieh 
Liebe, das ist mein Trost, daß an meinem Beispiel 
der Welt einmal kund wird, welcher Art unsere 
Gesetze sind, und das System, aus dem sie fließen. 
Laß das gut sein und fasse Dich. Die Ge 
schichte hat mit wenig Meisterzügen von des Lactanz 
furchtbarer Feder jenen'' Galerius unauslöschlich in 
das Gedächniß der-schaudernden Menschheit einge 
zeichnet. Dieser Geschichte laß bas Wort entdecken 
das jenes Gesetz künftig bezeichnen wird. 
Daß der Dichter des „Otto der Schütz" um ei 
ner politischen That willen Wolle spult, oder Buch 
staben und Ziffern nachmalt"), das, Liebe, ist ein 
Faschingsstück im Style des Hans Sachs. Die Welt 
aber wird nichts so schnell satt, als die verkehrte 
Welt des Faschings. Allo laß gut sein und harre 
aus. 
Ich bin hier in einen Ton gekommen, den ich 
vermieden hätte, wäre ich nicht veranlaßt gewesen 
Deinen Brief zu beantworten. Ich werde nie wie 
der in diesen Ton fallen. — Lebe wohl, küsse die 
Kinder! 
*) ES ist die Versetzung in das Zuchthaus nach Spandau 
gemeint. 
ņ) Bezieht sich darauf, daß man Kinkel eine Zeitlang mit 
Abschreibe» von Rechnnngcn der Zuchthausvcrwaltung 
beschäftigte. Als Gnade erbat er sich wieder das Spul- 
rad, weil er dabei doch wenigstens denken konnte, wäh 
rend ihm jene Beschäftigung auch diesen Trost entzog. ; 
Girt Soldat über Lchlcswüz - .Holstein 
und Kurhessen 
(Aus der Weser-Zeitung.) 
Ein schleswig-holsteinischer Officier, der im vori 
gen Sommer die Weserzeitung und ihre Leser durch 
manchen vortrefflichen Beitrag erfreut hat, schickt uns 
den hier folgenden Brief, in welchem ein Soldat 
seines Bataillons sich über den Kamps in Schleswig- 
Holstein und in Kurhessen auSspricht. Unsere Leser 
werden sich an dem gesunden politischen Urtheil, an 
der vom Herzen kominenden Sprache in diesem Briefe 
eines gewöhnlichen Soldaten erfreuen. Der Schrei 
ber des Briefes, ehemals Unterofficier in Bayern, 
schreibt an seinen Schwager, Wachtmeister in bayri 
schen Diensten, der augenblicklich bei den „Bunbes- 
truppen" in Kurheffen steht. 
Cantonnement Habye, 17. Nov. 1850. 
Wir liegen noch immer im Schleswig'schen 
hart vor den dänischen Verschanzungen und führen — 
kleine Patrouillengefechte und Vorpostenneckereien aus 
genommen — ein faullenzendes Leben. Zwar fehlt 
es nicht an den vorhin erwähnten Gefechten, — und 
eben jetzt in diesem Augenblicke haben wir Bereit 
schaft, und müssen auf bas erste Zeichen, bas der 
Hornist giebt, ausrückten; es schallt starkes Gewehrfeuer 
von der Seite Breckendorfs zu uns herüber, wo sie 
stark an einander zu sein scheinen. — Indessen hat 
dieses nicht viel zu bedeuten; wenn wir dem Herrn 
Dänen scharf und anhaltend zu Leibe gehen, so macht 
er sich allemal eilig hinter seine Verschanzungen zurück, 
die ihm aber, so Gott will, sobald es stark gefriert, 
wenig mehr helfen sollen, indem wir dann die Treeue 
und die Schlei passire» können. 
Was uns am meisten freut, ist, daß die Oester- 
reicher uns zu entwaffnen kommen wollen; cs ist 
zu putzig und possirlich; nur möchte es sie diesen 
Winter — besonders wenn es Italiener sind — vor 
den Wällen Rendsburgs etwas stark an die Finger 
frieren. Wir bedauern aufrichtig, daß nicht Ihr 
(die Bayern) zu diesem ehrenvollen Auftrage aus 
ersehen seid: wir würden Euch dann die Gräber 
Euerer gefallenen bayer'schen Kameraden zeigen, die 
voriges Jahr in diesem Kampfe durch die Dänen 
sielen, und Ihr könntet dann dort Euere Andacht 
für die Ruhe der abgeschiedenen Seelen derselben 
verrichten. Ich zweifle keinen Augenblick daran, daß 
jich in der bayer'schcn Armee Osficiere, Unterofsiciere 
und Soldateil finden würden, die dieses Geschäft mit 
Freuden ausführten, denn ich kenne ja ihre Fröm 
migkeit. — Ihr seid jetzt leider verhindert diesen 
rühmlichen Zweck auszuführen, indem Ihr die edle 
Aufgabe zu lösen habt, einem deutschen Völkchen — 
das die Unverschämtheit batte sich nicht von einem 
gerichtlich ungrutlyelltkn rneve"rrgrcreii lassen zu 
wollen — dieşen mit militärischer Gewalt auszu 
zwingen. (— Hier folgen einige, von echt soldatischer 
Derbheit dictirte Ausbrüche des Zorns über Ebren- 
Hassenpflug. —) 
Wenn Du eine Parallele zwischen uns und Euch 
ziehest, treibt Dir die Scham nicht alles Blut in das 
Gesicht?! — Ich weiß so gut wie Du, daß Du und 
Deinesgleichen an dieser Schlechtigkeit nicht schuld 
und daß Ihr die letzten seid, die dagegen protestireu 
können! Dieser Vorwurf trifft Andere, die höher 
als Ihr gestellt sind; Ihr müßt Ordre pariren! 
Aber schaden kann bas Ziehen einer solchen Pa 
rallele auch nichts. Für was fechten wir, und für 
was jeid Jhr zu fechten be-reit!? — Wir fechten hier 
für die von einem deutschen Reichsseinde an 
gegriffenen und theilweise unterdrückten Rechte eines 
Volkes; wir fechten gegen einen regulirten, uns an 
Zahl überlegenen, geübten und listigen Feind! 
Gegen wen und für was sollt Ihr fechten? Ge 
gen ein wehrloses Volk, das sich nichts zu Schulden 
kommen ließ, als daß es die Befehle der — von 
einem Kurfürsten eingesetzten — Behörden vollzieht, 
bas unerschütterlich treu und fest an seiner be 
schworenen, von dem Kurfürsten und seinen Mi 
nistern schmählich gebrochenen Verfassung hielt, das 
sich nicht einen Rechtsbrnch zu Schulden kommen 
ließ; Ihr seid gekommen um eine Armee zu ent 
waffnen, die treu und fest an ihrem geschworenen 
Eide hielt, und die weder Drohungen noch Ver 
sprechungen bewegen konnten ihren Eid zu brechen 
und ihre Waffen gegen ihr schuldloses, arg gemiß 
handeltes Volk zu kehren; Ihr seid gekommen einen 
Fürsten — der an seinem Volke und Lande, an sei 
ner Armee und an der Versaffung meineidig gewor 
den — nicht wieder einzusetzen, o nein! er war nie 
vertrieben, sondern denselben in allem dem was er 
auf heillosen Rath — noch ferner Rechtswidriges 
unternehmen will, zu unterstützen; Ihr seid gekom- 
men: nicht um Recht und Gesetz ausrecht zu erhalten 
und demselben Achtung zu verschaffen; o nein! bei 
des wurde von dem Volke und dessen Behörden nie 
verletzt; Ihr seid vielmehr gekommen beides zu ver 
letzen und zu brechen, und jene, die es mit Füßen 
treten, zu schützen. Ihr seid ferner gekommen einen 
der schlechtesten Menschen, die je in Deutschland ezi- 
stirt haben, an das Staatsruder zu stellen, resp. an 
demselben zu erhalten; Ihr seid endlich gckoinmeu 
nothigenfalls für den Meineid, und all die 
Schlechtigkeiten; die derselbe consequent« Weise im 
Gefolge führt, zu fechten. 
Lieber Schwager! ich übertreibe nicht; nicht eine 
Sylbe nehme ich davon zurück; mich verblendet in 
dieser Sache keine Leidenschaft, und ich sehe daher 
ziemlich hell und ungetrübt. 
Nun siehe! wir beide sind Soldaten, beide'liegen wir 
im Felde und müssen stündlich bereit sein unser Leben 
und geraden Gliedmaßen in die Schanze zu schlagen; 
dies ist die Aehnlichkeit unseres Standes und Be 
rufes; wie himmelweit verschieden ist aber der Zweck, 
für den wir dieses thun! — Ich beneide Euch aber 
wahrlich nicht; wenn wir auch mit Lumpen bekleidet 
wären, Ihr aber in goldgestickten Uniformen einher- 
stolzirtet — was aber beiderseits nicht der Fall ist — 
so würde ich meine Lumpen doch nicht mit Euerer 
Uniform vertauschen, denn es unterliegt keinem Zwei 
fel, auf wessen Seite die Ehre ist. 
Wenn Ihr in einem solchen Kampfe nicht sieget, 
io darf Euch das nicht wundern, denn die Sache ist 
eine zu schlechte; solltet Ihr aber wider alles Erwar 
ten doch siegen, so ist es noch schlimmer; Ihr erntet 
dann die Verwünschungen und Flüche eines braven, 
schuldlosen, durch Euch gemißhandelten Volkes, was 
Euch gewiß keinen Segen bringen wird. 
Ehre könnt Ihr in dieser Sache keine verdienen, 
und wenn Ihr all die glänzenden Waffenthateu des 
Alterthums und der Neuzeit verdunkeln würdet; denn 
es ist ein trauriger Ruhm wenn man sagen muß: 
„Sie sochten mit einer Tapferkeit', die einer 
„bessern Sache würdig gewesen wäre!" 
Tapfer kann auch ein Räuber sein! 
Sammlung für tue hilfsbedürf 
tigen Friedrichstädter. 
Verzeichnis der Geber. 
(Fortsetzung.) 
Bei Zers sen: 
Von Justizrath Hasse 7 Mk. 8 ßl>: von L. Lohst 
15 Mk ; 'von L. Landt 30 Mk.; von einem Com- 
mitteemitgliede 10 Mk.; vom Kanonier Ädv. Wiggers 
5 Mk.; von Postmeister Hedde 7 Mk. 8ßl.; von den 
Meistern des Zimmeramts durch den Aeltermanit 
P. Michelsen 50 Mk.; P. S. Kaufmann 7 Mk 8 §1.; 
Peter Green 1.0 Mk.; N. N. 5 Mk.; von einem Un 
genannten 20 Mk.; N. N. 20 Mk. ; P. I. Hülst 
Wittwe 5 Mk.; I. G. Petersen 5 Mk.; Stine 
Folterberg 1 Mk., von einem Ungenannten 50 Mk.; 
von Capt. G. Thomsen aus Thielen d. Z. in New 
castle 30 Mrk.; von einem Ungenannten 30 Mrk.; 
von Fr. Postmeisterin Hedde 7 Mk. 8 ßl.; von den 
Unterofficieren Kröger und Frahm im 14. Bat., 
übergeben durch Herrn Obrist Fabricius 7 Mk. 8ßl., 
oo» Xiinmu Drän,»Mer 2 wn. 8 ßli;, von Adv. 
E Sievers 5 Mk.; von Wichmann u.Comp. 10 Mk.; 
von F. G. Jacobsen 15 Mk.; von H. Maas 5 Mk.; 
von C. A. v. Appen 5 Mk.; von Mad. Petersen 
5 Mk.; von Fritz Thöl 3 Mk. 12 ßl.; zusammen 
374 Mk. 12 ßl. 
Bei Junglöw: 
Von F. M. W. 5 Mk.; von I.H. Behrensen 2 Mk. 8 ßl. ; 
von H. Lehmann 50 Mk.; von C. Bock 2 Mk. 8ßl., 
von Andersen 2 Mk. 8 ßl.; von Schmelzkopf 1 Mk. 
4 ßl.; von Walbaum 5 Mk.; von F. N. Kruse 
2 Mk. 8 ßl.; von N. N. 5 Mk.; von D. Haß 
5 Mk.; zus. 81 Mk. 4 ßl. (Forts, folgt.) 
Intelligenz - Anzeigen. 
Heute wurde meine liebe Frau von einem gesunde,, Knabe,t 
glücklich entbunden. 
Rendsburg, den 3. Decbr. 1850. 
Cl>. Faller. 
Ì ï Î 
Rach einem kurzen Krankenlager ttarb au, 3. d. M. un 
sere geliebte Mutter 
Anna Mahlstedt ged. Schlieper, 
in, 78stcn Lebensjahre. Diesen für uns so harten Verlust 
verfehle» wir nicht Verwandten und Bekannten hicinit anzu 
zeigen. 
Rendsburg, den 3. December 1850. 
Die Geschwister der Verstorbene». 
Heu-Auction. 
Donnerstag, den 5. d. Mts., Vormittags von 
10 Uhr an, sollen auf drei Schiffe», welche beim 
neuen Löschplatz beim Altholsteinischcn Thore liegen, 
5400 Bund Heu, und darauf bei der Kalkbrennerei 
an der Obereider 2600 Bund Heu, in Cavelingen 
von 100 Bund, gegen baare Zahlung, in öffentlicher 
Auction verkauft werden. 
Rendsburg, den 3. December 1850. 
H. Haase, const. 
Am Montage den 0. December d. I. soll in den 
hiesigen Forsten eine Quantität Buchen und Eichen 
meistbietend verkauft werden. Kaufliebhäbcr wollen 
sich Morgens 0 Uhr im Hopfenkruge einsinden. 
Enikendorf, den 21, Nov. >850, 
Sc,ist.
	        
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