Rendsburg«
Jahrgang.
M m.
Sonnabend den 7. December
1850,
ŅĶ dlescnr äMmtc ctfciKutt reden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beitrage können entweder direct- abgeliefert, oder unter der Bereichnuna- An die Vruekitin»
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Deutschland.
Berlin, den 2. December. Die „Const. Ztg."
schreibt über die Resultate der in Olmütz zwi
schen Preußen und Oesterreich stattgefundenen Kon
ferenzen Folgendes: Fürst Schwarzenberg hat wobl
daran gethan, den Herrn Manteuffel auf österreichi
schem Grund und Boden ehrenvoll zu empfangen
und die österreichijchen Wachen vor ihm das Gewehr
präsentiren zu lassen. Herr von Manteuffel hat
seine Instruction ziemlich weit überschritten. Den
ersten Punct, freie Konferenzen an einem neutralen
Ort, hat Oesterreich zugegeben — die Cvnserenzen
werden in Dresden abgehalten werden. Die Auflö
sung des Bundestages während der Cvnserenzen hat
Fürst Schwarzenberg abgelehnt und Herr von Man
teuffel hat sich mit einer Vertagung desselben für
die Dauer der Conferenzcn einverstanden erklärt.
Gegen das alternirende Präsidium im weitern Bunde
hat Fürst Schwarzenberg österreichischer Seits nichts
einrußenden Sekunden, in dev die Erklärung hinzuge
fügt, daß Oesterreichs Verbündete damit nicht ein
verstanden wären; er könne daher nichts weiter
thun, als seine guten Dienste bei Baiern, Würtem-
berg und Sachsen versprechen, um diese zur Bewilli
gung des preußischen halben Präsidialrechts zu stim
men. Herr von Manteuffel war mit dieser Erklä
rung zufrieden. Das freie Unirungsrecht hat Fürst
Schwarzenberg zugestanden, aber aus Grundlage des
Art. 11 der Bundesacte. Er hat nicht verschwiegen
wie Oesterreich diesen Artikel verstehe. Herr v. Man
teuffel war zufrieden. Die dem Unirungsrechte, wel
ches Oesterreich bewilligen sollte, gegenüberstehende
Concession Preußens: der Eintritt Gesammtösterreichs
in den deulschen Bund — hat Fürst Schwarzenberg
nicht angenommen; er hat dieser Concession die Er
klärung entgegengestellt, Oesterreich werde mit so
vielen Provinzen in den Bund eintreten, als er es für-
zweckmäßig erachten werde. Die Theilung der Exe
kutivgewalt zwischen Oesterreich und Preußen soll an
genommen sein — vorbehaltlich des Zugeständnisses
seitens der Verbündeten Oesterreichs. — In der
hessischen Frage ist stipulirt, daß der Kurfürst nach
Caffel zurückkehre, wenn er glaube, dies durchführen
zu können. In diesem Falle würden die beiderseiti
gen Truppen Hessen räumen. Sei jedoch der
Kurfürst der Ansicht, dies nicht durchführen zu kön
nen, so werde eine gemeinschaftliche Occupation ein
treten. Nach Schleswig-Holstein gehen zwei Com-
miffäre, einer von Preußen, der andere von Oester
reich. um zunächst Waffenruhe herzustellen, sodann
den Frieden auszuführen. Die Kommissäre werden
von der Conferenz iustruirt und berichten au diese.
Weigert sich die Statthalterschaft den Commissaren
zu gehorchen, so hat Preußen nichts einzuwenden,
daß Oesterreich bewaffnet einschreitet. — Die Sisti-
rung der Rückgängigmachung der beiderseitigen Rü
stungen hängt von dem Antrage Preußens bei bet
Conferenz ab. Allein diese Stipulationen des Hin.
von Manteuffel wurden im vorgestrigen Miniiker-
rathe als der Instruction zuwider verworfen, in dem
gestrigen angenommen. Hr. v. Ladenberg hat seine
Entlassung gefordert. Zum Commissair für Holstein
ist preußischer Seits der General Brest ernannt,
nach Caffel hat sich Herr Niebuhr begeben, um den
Gemeinderath durch Androhung des bevorstehenden
Einmarsches der Baiern zur Abordnung einer De
putation nach Wilhelmsbad und zu dem Gelöbniß
der Steuerzahlung zu bewegen. Der Stand der
Dinge ist einfach und klar. Preußen hat Baden,
Rastatt und Hamburg aufgegeben, ohne dafür die
Räumung Hessens von den Bundcstruppen zu ver
lange». In Holstein ist die Intervention Oester
reichs in letzter Instanz zugegeben. Das Unirungs-
ucht ist nicht bewilligt, das halbe Präsidialrecht, dir
halbe Executive des Bundes für Preußen ist von
der Genehmigung Baierns abhängig gemacht —
die nicht erfolgen wird, und wenn sie erfolgt nur
wenig Ehre bringt; der Bundestag besteht fort.
— Diese Mittheilungen erklärt die „D. SR." in
ihrem Morgenblatte vom 3ten als „zum größten Theil
erlogen, zum andern Theile entstellt." Hingegen fügt
die „Const. Ztg." ebenfalls in ihrem Morgenblatte
vom 3ten zu ihrem obigen Berichte noch Folgendes
hinzu: Unser Bericht im Abendblatt über die Ergeb
nisse der olmützer Conferenz ist bedeutend hinter der
Wahrheit zurückgeblieben, indem er dieselben in einem
zu günstigen Licht darstellte. Der Curfürst von Hes
sen wird sofort von einem österreichischen und einem
preußifchen Bataillon begleitet in seine Hauptstadt
zurückkehren. Diele glückliche Rückkehr wird von dem
Vorgehen des österreich-baierischen Armcecorps unter
dem Fürsten von Thurn und Taxis begleitet sein.
Da Fürst Schwarzenberg categorisch erklärte, dap die
Executrousiruvven »{laittekÄ uusaeioaenen
Theilen des heffrjchen Landes erhalten noch zurückge
zogen werden könnten, so hat Hr. von Manteuffel
die Bereitwilligkeit Preußens erklärt, das Vorgehen
derselben durch die von den preußischen Truppen be
setzte Etappenstraße zu gestatten. Der gestrige Mi-
msterialralh, welcher unter dem Vorsitz Sr. Maj.
des Königs abgehalten worden ist, hat dieser Erklä
rung zugestimmt und ist die bejahende Antwort auf
telegraphischem Wege bereits nach Wien abgegangen.
Ein österreichischer und ein preußischer Commissair
werden die (nicht gestörte) gesetzliche Ordnung in
Hessen herstellen. Dagegen hat Oesterreich conccdirt,
daß die Truppen des Fürsten Thurn und Taxis
aufhören, Bundestruppen zu heißen. — An Schles
wig-Holstein wird die categorische Forderung gestellt
werden, sein H'eer aus ein Drittheil zu reduciren,
ohne daß die gleiche Forderung an Dänemark gestellt
würde. Wie schon gemeldet, werden zwei Commis
sarien von Oesterreich und Preußen diese Forderung
verbunden mit der einer unverzüglichen Waffenruhe
geltend machen. Demnächst sollen die Commrssäre
ein dem Bundesbeschluß von 1646 möglichst nahe
kommendes Arrangement herbeiführen.
—, den 3. Dec. Ueber die Instruction, welche
den nach Holstein zu entselldenben Commissären er
theilt werden soll, gehen der „Const. Ztg." folgende
nähere Mittheilungen zu, die sie der Quelle wegen
ihren Lesern nicht vorenthalten will, wenn sie auch
in einzelnen Puncten mit den aiiderweitig bekannt
gewordenen Nachrichten über denselben Gegenstand
nicht ganz übereinstimmen. Zunächst soll die Ş landes
herrliche Autorität des König-Herzogs wieder herge
stellt, also die Statthalterschaft beseitigt werden' Die
schleswigholsteinische Armee wird auf ein Drittheil
reducirt werden, während die dänische Armee entweder
ganz Schleswig räumt, »der doch bis zu der äußer
sten Gränze des nördlichen Schleswigs zurückgezogen
wird. Die staatsrechtliche Stellung der Herzogthü-
mer soll unverändert die durch die Verträge sanctio-
nirte bleiben, so nämlich, daß Schleswig zwar nicht
in den deutschen Bund, aber auch nicht in Däne
mark incorporirt wird. Holstein endlich wird der in
Dresden festzustellenden Bundesverfassung unterwor
fen werden. Wenn die Coinmissare in dieser Weise
die Pacification nicht erzielen, dann freilich wird
Preußen, wie bereits gemeldet, sich der österreichische»
Execution nicht widersetzen.
— Der „Const. Ztg." zufolge hat Herr v. Laden-
berg seine Entlassung erhalten und soll Hr. v. Man
teuffel zum Ministerpräsidenten ernannt sein.
—, den t. Dec. Beiin Beginn der heutigen
Sitzung sind die Kammern bis zum 3ten Januar
vertagt worden.
Wien. Der (ministerielle) „OesterreichischeCorre
spondent" bestätigt Bekanntes, wenn er meldet: „Es
hat nicht den Anschein, baß die Vollstreckung des
Bundesbeschlusfes in Betreff Holsteins durch Waffen
gewalt in der nächsten Zeit vor sich gehen werde.
Bei dem mehr als zweifelhaften Verhältnisse mit
Preußen kann man nicht wohl 30,000 Mann nach
Norddeutschland senden, während in Schlesien und
am rechten Elbufer gewaltige preußische Heeresmas
sen sich sammeln.
Brannschworg, den 30. Nov. Unter den,
der heute nach ihrer Vertagung wieder zusammen
getretenen Landesversammlung gemachten Vorlagen,
befindet sich eine Proposition von allgemeinerem In
teresse, nämlich die Bezahlung von Verpflegungsgel
der an die Herzogthümer. Darin theilt' die Re
gierung mit, daß 54,656 Thlr. 17 % Sgr. gefordert
seien. Wegen fehlender Belege habe die Regierung
bis diese eingegangen sein würden, abschläglich
30,000 Thlr. gezahlt, sie halte sich jedoch auch zur
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dw Abgeordnetenversammlung um einen Kredit von
50,000 Thlr. zu diesem Behufe.
Cassel, den 2. Dec. Auch heute sind Wieder
starte Truppenabtheilungen der Preußen — man
spricht von 2000 Mann hier angekommen. Immer
noch Märsche nach dem Süden und dabei die Frie
densnachrichten von Berlin und Wien aus. Mit der
einen Hand lassen sich Schwarzenberg und Man
teuffel freundschaftlich an, die andere zieht am
Schwerte — fürwahr eine komische Situation! Ja
wahrlich, der muthmaßllche Ausgang unserer Affaire
mit ihrer preußischen Hülfe streift ans Komische; —
und uns würgt der Schmerz in der Tiefe der Brust,
daß wir fast mitlachen möchten. In Geduld wollen
wir den letzten Beweis für den erschreckenden That
bestand abwarten, ehe wir unser ganzes Urtheil aus
sprechen.
— Die „D. R. meldet aus Berlin, daß der
Curfürst seine Rückkehr nach Cassel von einer Adresse
der casseler Stadt-Behörden ganz abhängig gemacht
habe.
Hamburg, den 4. December. Der Aufruf
für die curhessischen Officiere scheint auch hier vom
günstigen Erfolge gekrönt zu werden, indem vorge
stern bereits 4000 Mk. gezeichnet waren.
Schleswig-Holstein.
AuS.Holstein, den 1. December. Profeffor
Gervinus, welcher für die Statthalterschaft nach
London eine Mission übernommen hatte, ist bereits
zurückgekehrt und zuerst nach Kiel, von dort aber
nach Heidelberg gegangen. Er hat die Erklärung
von London mitgebracht, daß man, nachdem bereits
der Friedenstractat vom 2ten Juli d. I. abgeschloffen
und von sämmtlichen deutschen Regierungen ratificirt
sei, um so weniger etwas gegen die Ausführung die
ses Tractats haben könne,' als die Regierung Eng
lands die vermittelnde Macht bei diesem Tractat
sei. welche demselben mit unterzeichnet und demge
mäß auch für seine Ausführung nach Kräften zu
sorgen habe. Es sei die Ausführung lediglich
Sache der deutschen Regierungen unter einan
der und hierin werde sich England nicht ein-
mijchen, sondern es solle ihm einerlei sein, durch wen
und auf welche Weise der Art. 4 jenes Vertrages
(die Pacification betreffend) ausgeführt wird. Somit
war die Mission des Professors Gervinus erledigt.
England hat demnach jede active oder passive Be
theiligung abgelehnt.
Kiel, den 2. Dec. Der Ausschuß für die Emis
sion von Caffenscheinen zeigt durch eine Bekannt
machung von vorstehendem Datum an. daß auch
der Rest der nach der Verordnung, vom 31. Ortvbr.