versehen waren, wie glänzend sie bald in jeder Be
ziehung neben den bestgeschultesten Truppen Europas,
den Preußischen, standen und wie durchaus zwischen
unserem jungen Heer, vas an Geist jedem andern
überlegen war, auch in andrer Beziehung, in ma
terieller Ausstattung, und zwischen denjenigen
jedes andern Landes kein Unterschied mehr obwal
tete: • jo weiß man kaum, ob man mehr erstaunen
oder mehr sich freuen soll über das Riesenmäßige der
vollendeten Arbeit. Wir glauben, daß dieses Bei
spiel. welches unser Land in seinem heiligen Kampfe
sur sein Recht und seine Selbstständigkeit dem gan
zen Europa durch die wunderbar schnelle Orqanisa
lion seines Heeres gegeben hat, einestheils das Re
sultat der Verhältnisse, anderntheils die Blüthe und
Frucht des Volkswillens und Volksglaubens sei; daß
dieses Beilpiel aus dem doppelten Ineinandergreifen
einer zeitgemäßen Verwaltung und eines zeitgemäß
aufgeklärten Volkes hervorgegangen sei, daß dieses
Beispiel klarer und deutlicher, als irgend eine andere
Erscheinung der Gegenwart zeige und darlege, was
eine gut geleitete und vertretene Nation vermöge
Unser schleswig-holsteinisches Heer ist in dieser Hin
sicht ein wahres und ächtes Product unserer Feit
d. h. derjenigen Zeit, die sich wohl ihrer Bestimmung
bewußt ist, die nicht, wie die äußersten Rothen mei
nen, auf vollkommenste Democratie hinstrebt und die
ebenfalls nicht, wie die Reactionäre meinen auf voll
kommene Zurückführung ins Geleise von 1840 rurd
folgender Jahre hin zielt. Unser Heer ist das Pro
duct eines frei constrtutionellen Volkes welches
das Glück hatte mit einer gleich gesinnten'Landes-
verwaltung Hand in Hand zu gehen. Die ganze
Geschichte, wie unsere Armee entstanden, gebildet und
allmählich zu reiferer Gestalt fortgeschritten ist die
Bereitwilligkeit mit der sich die waffenfähige Bevöl
kerung in ihre Reihen drängte, die vielen Züge von
Aufopferung und Hingebung — sie sind ein leben
des Commentar dieses Geistes, der sich mündig fühlte
weil er als mündig behandelt wurde und der von
einer großen Idee der Freiheit und Nationalität ge
hoben wurde. Denn wenn freilich nicht zu läuqnen
ist, daß der nationale Kampf gegen die Däne» das
Heer zunächst schuf und zusammenhielt, so wird doch
Keiner, der die Zeit mit einigermaßen offenem Auge
betrachtet, verkennen können, daß die Idee. von wel-
chcr unser Jahrhundert getragen, nämlich die Idee
der freien Vertretung, ohne Einfluß auf diese
Epoche machende Heeresbildung nicht geblieben sei.
Athmet ja das Heer diesen Geist vom Gemeinen bis
zum General, leben wir ja doch in demselbei, von
Tag zu Tag, und stimmt doch jedweder, dem das
Auge nichi von der Feuerrotste der Nepuvlik geblen
det oder nicht von dem Nachtschatten der Reaction
verdunkelt ward, in den Ruf nach gesetzmäßiger Ver
tretung, nach entsprechender Vertheilung der Staats
lasten, nach allgemeiner Wehrpflicht, nach Schwurge
richten u. s w. durchaus und mit ganzem Herzen
mit ein. Ob aber wirklich jenseits dieser Güter,
welche ein Staat bieten kann, in einer Demokratie
auf breitester Basis noch andere werthvollere, be
glückendere geboten werden könnend — Nein, derar
tige Güter sind Schäume und Träume! —
Doch zurück von dieser kurzen Abschweifung und
hingeblickt auf die Armee, die sich wunderähnlich zu
einer wirklichen Armee gebildet sieht. Wir haben
hisher zuerst an den kläglichen Zustand unseres Heer
wesens vor dem Jahre 1848 erinnert, wir haben
zunächst gezeigt, oster vielmehr blos angedeutet, wie
unsere Armee und unter welchen Auspicien eine an
dere geworden sei und haben damit den ersten Theil
von dem, was wir wollten, abgemacht. Wir haben
gleichsain der Entstehungsgeschichte unserer Armee die
Zeit. in der wir leben, zur Folie untergelegt. Wir
haben bei unserm Heere nicht minder gefunden als
was in den Jahren 1808 — 1812 für die Bildung
der preußischen Armee sich zeigte und kund gab, und
was ihr lebendigen Bestand und volksthümlichen Halt
bot, nämlich dieses, daß die Verhältnisse nicht allein,
sondern auch der innerste Kern unsers Volkslebens
zur Schöpfung unseres Heeres hanptsächlich mitwirkte
und beitrug, daß somit unser Heer Landes wuchs
und Landesbaum im vollkommensten Sinne des
Wortes genannt werden kann. Wir schließen darum
diesen allgemeineren Theil der Betrachtung — dem
vielleicht ein speciellerer der Bildungsgeschichte des
Heeres folgen wird — mit dieser Hoffnung: Wie
wir sehen, daß die Armee progressiv in so bedeuten
dem Maaße zu derjenigen Höhe ihrer Entwicklung
bereits gekommen ist, daß sie der dänischen die Spitze
bieten kann, so dürfen wir hoffen, daß es nicht lange
dauern wird, daß sie die dänische hinter Wall und
Mauern aufsuche und ihr zeige, was sie sei und ver
möge. Wie wir trotz der Kunde, daß unsere Armee
eine junge, die dänische eine ältere, undwas Mili-.
tärbildung betrifft, einheitlichere sei. bemerken, daß
wir durch den einheitlicheren Geist unserer Armee
dem Feinde überlegen sind: so dürfen wir erwarten,
daß dieser Geist, welcher ja nur mit der Sache selbst
unterdrückt werden könnte, siegreich sich behaupte und
aus dem Kampfe hervortrete. Im Ganzen vermag
keine Thatsache, welche unsere Erhebung auszeichnet,
so mit Bewunderung zu erfüllen, als die Bildung
unserer Armee. Und wenn die vernünftige Berech
nung nicht täuscht, und wenn jenes post nubila
zààs zu irgend einer trostreichen Hoffnung be
rechtigt: so scheint der nächste Kampf, welcher mit
den Dänen stattfinden könnte, ein glücklicher und er-
so gleicher werden zu muffen. Möchte nur dies Re
sultat, welches mir so natürlich, wie eine Frucht aus
einem Kerne, aus dem bisherigen Verlauf der Bil
dung unseres Heeres hervorgehen zu muffen scheint
>ncht zu lange auf sich warten lassen; möchte es vol
lends nicht mit seiner Geburt erstickt werden. —
Städtische Angelegenheit.
Nachstehende Eingabe ist von 178 Bürgern un
terschrieben an den Magistrat eingereicht:
Rendsburg, den 18. Nov. 1850.
An
den hochlöblichen Magistrat.
.Wie wir hören ist der Magistrat, nach einem
Beschlusse des Stadtverordneten-Collegii wiederholt
von diesem ersucht worden, die Wahl eines dirigiren-
den Bürgermeisters beschleunigt vor sich gehen zu
lassen.
Da die Frist der Bewerbung ohnlängst abgelau-
sen ist und bisher keine Wahl vorgenommen ward,
so haben wir keinen Augenblick gezweifelt, daß, wie
wirres unter jetzigen Verhältnissen durchaus im In
teresse der Commüne erachten, von Vollziehung der
Wahl bis weiter abgesehen sei.
Ohne nun das Dringen des Stadtverordneten-
Evllegii auf die Wahl kritisiren zu wollen, und ohne
hier über die geringe Theilnahnie der Mitglieder
qiiesi. Collegii bei den Verhandlungen über dielen
wichtigen Gegenstand klagen zu wollen, sehen wir uns
doch genöthigt Zeugniß dafür abzulegen, daß es kei
neswegs der auch nur an Einstimmigkeit grenzende
Wunsch der Bürgerschaft ist, die Wahl jetzt unvvr-
züglich vorgenommen zu sehen, vielmehr wünschen
wir, die unterzeichneten Bürger und wir sind gewiß
hierin mit vielen unserer Mitbürger im Einklänge
zu sein, die beregte Wahl eines Bürgermeisters un
ter jetzigen Zeitverhältnissen nicht vorgenommen zu
sehen.
Wir sprechen diesen Wunsch nicht aus irgend
welcher Parther oder Privat-Rückstchten aus, sondern
wn haben hierbei lediglich das Interesse der Com-
mune un Auge. Es entspricht von diesem einzig
und allein in àtracht kommenden Gesichtspunkte die
jetzige Zeit der politischen Aufgeregtheit und Abspan-
nung Nicht der Wichtigkeit einer Handlung, wie die
V-ayl LMes diriairenden tix# er.nai>-ifL*rä ti>ì\4.
und ganz besonders auch unsere Commune es ist.
Hat doch schon die Theilnahme der hinter uns
liegende» Neuwahlen städtischer Behörden eine be-
dauernswerthe Abnahme in minder ergreifenden Fei
len gezeigt, wie viel mehr ist es nicht jetzt, bei der-
malige» Umständen als notorisch zu bezeichnen, daß
ff, > bei emer Wahl nicht die durchaus nothwendige
Betheiligung zeigen wird. Jedenfalls ist die Wahl
eines dirlgireuden Bürgermeisters ein zu wichtiger
Act um unter solchen Verhältnissen, ohne Nothwen
digkeit vorgenommen zu werden.
Würbe z. B. am anberaumten Wahltage nur ein
Kanonenschuß vom nahen Kampfplätze sich vernehmen
lassen, würden wir verwundete Brüder, Kinder sehen
welch fühlendem Gemüth wären Vorwürfe wegen
Nichtbetheiligung bei einer Wahlhandlung zu machen?
und dieses lind doch Ereignisse, welche täglich, ja
stündlich vorkommen können! Wir müssen cs ganz ent-
fchieden als gegen das Interesse der Commune bezeich
nen, wenn unter jolchen Umständen mehr beregte Wahl
jetzt in Vollzug gesetzt wird.
Wir glauben nicht nöthig zu haben weitere Gründe
gegen Beschleunigung der Wahl anzuführen. — Wir
tuchen aber auch vergebens nach dem Bedürfniß der
Beschleunigung der definitiven Besetzung des Bürger
meister-Amts. •
Wir freuen uns vielmehr dieses Amt interimi
stisch in den Händen eines anerkannt tüchtigen und
energischen Mannes zu sehen, der für bas Wohl
und Regelung der Verhältnisse unserer Commüne
mit rastlosem Eifer arbeitet, über dessen sachkundige
geregelte und rasche Leitung der städtischen Angele
genheiten nur eine Stimme sein kann.
Wir nehmen keinen Anstand es als ein Glück
für unsere Stadt zu bezeichnen, daß der Herr Ober-
gcrichisrath Es m aichfà diesen schweren Zeiten und
bei der Lage, worin unsere communalen Angelcgen-
helten sich befinden, an der Spitze unsers Magistrats
gestellt ist.
Ja wir würden es als höchst nachtheilig be
zeichnen, wenn durch Vornahme einer Neuwahl grabe
letzt die Wirksamkeit desselben unterbrochen würde
wo grade dessen Eifer und Energie in einem Stadia
jich befindet, der Commüne wohlthuend zu werden
und einstigem Nachfolger iin Amte eine gute feste
Grundlage für seine Wirksamkeit vorzubereiten
«zur eine Aussetzung der Wahl spricht uns schließ
lich auch noch der Grund, daß sich die Zahl tüchti
ger Bewerber um dieses wichtige Amt mehren kann
welches bet den Kriegszuständen bisher manckem
unmöglich gewesen sein mag.
Wir bitten demnach:
Ein hochlöblicher Magistrat wolle die Neu
wahl eines dirigircnbcn Bürgermeisters vor
läufig noch aussetzen und das jetzige Pro-
Şium im Interesse der Commune, noch
Ehmbicitzste
Eines . ,
ganz gehorsamste
(Folgen die Unterschriften.^
A'lssordcri«».; z«r Betheiligung an der
Bdayl eines 'Ssndtverordneten.
. Nach der neuen Städteordnung ist die Wahl un
lerer Vertreter in unsere Hände gelegt, aber leider
müssen wir sagen, findet dieses früher so sehnlichst
erwünschte Gesetz nicht die verdiente Anerkennung.
Bel der letzten Wahl haben trotz aller Bemühungen
von j000 stimmberechtigten Bürgern nur 70 ihre
Stimmen abgegeben. Wohin führt diese Lauheit^
X ^ bessern Bürger sich auch zurückziehen
und das Wohl der Stadt dem Zufall anheim fällt
Wollen wir das? - Wer das nicht w.ll der^ be-'
Wellige sich be, der nächste» Wahl am Montag, kn
J- d-, Mts. er gebe seine Stimme dem, den er am
tüchtigsten halt, unbekümmert ob sein Candidat durch
kommt oder nicht. Nur durch allgemeine Betheili
gung bei den Wahlen können die Bürger Rends-
bargs zeigen, daß sie würdig sind, die Städievrdnnng
besitzen. Einige Bürger.
Musikalisches
Einsender, welcher am letzten Mittwoch Abend
die von dem Herrn Stabtmnsikns Gödicke Hierselbst
wöchentlich veranstalteten musikalischen Soiree' im
Saale der Madame Dülfert besuchte, kann nicht
umhin, sein Befremden darüber auszusprechen, daß
jene Soireen nicht besser vom Publikum besucht war.
zumal die Leistungen des Orchesters sowohl als die
Wahl der einzelnen Musikstücke nichts j»' wünschen
übrig ließen, und einen Beweis der vorzüglichen
Tüchtigkeit und des musikalischen Geschmacks des
Herrn Mnsikdirectors Gödicke lieferten. Namentlich
fanden die „Serenade von Flotow" und die herrliche
Ouvertüre aus „König Yvelot von Adam" den à-
meinen Beifall des Publikums, indem diese Piecen
mit einer Präcision und Zartheit executirt wurden,
die einem jahrelang zusammenspielenden Orchester
Ehre gemacht hätten. Einsender hält es daber im
Interesse der Kunst für seine Pflicht, die mnsikali-
chen Soireen des Herrn Musikdirectors Gödicke
einer regeren Theilnahme des Publicums zu ein-
vk->kl->n . „
Ittl Kampf.
Der Feind drängt a» mit Macht, mit Macht —
»Ich halte Stand
Dem Vaterland" — Die Flinte tracht! -
»Hurrah dem Vaterland!"
Da trifft cs ihn; er sinkt ans'ö Knie.
Doch hält er Stand!
Die Flinte kracht! er ladet sic:
»Freiheit und Vaterland!
Und wieder trifft's; todt ist cr rwar,
Doch hielt er Stand,
Und wo er starb, klingt's immerdar:
„Freiheit und Vaterland."
B e v m ischtes.
Ueber die Flucht Kinkels wird dem „Magdeb
Eorr." geschrieben: Außer den beiden Aufsehern des
Zuchthauses zu Spandau, die in dem Verdacht stehen
gegen den Preis von 800 Thlr. den Züchtling in
Freiheit gejetzt zu haben, ist jetzt noch ein Gasiwirth
Krüger zur Untersuchung gezogen, bei dem sich fremde
Personen aufgehalten haben sollen, denen man die
Einleitung des ganzen Planes zuschreibt. Der Gast
wirth behauptet, diese Personen nicht zu kennen.
Kinkel ist durch mehrere Thüren, zu welchen mittelst
Wachs-Abdruckes Nachschlüssel angefertigt sein sollen
unter das Dach des Vordergebäudes gebracht worden
durch ein kleines Dachfenster, das noch jetzt zerbrochen
ist, aufs Dach gestiegen, und an einem Strick auf
die Straße herabgelassen worden. Der von dem
Strick angeblich herrührende Eindruck ist an der
Dachrinne bemerkbar. Daß die Aufseher der Nach
schlüssel bednrften, erklärt sich wohl daraus, daß zur
Nacht sämmtliche Schlüssel an den Inspector des
Zuchthauses abgeliefert werden müsst». Daß dcm
letzteren nichts zur Last falle, wird von allen Seiten
versichert. — Uebrigens soll Kinkel nicht, wie es An
fangs hieß, in Ofstciersuniform entflohen sein. Die
Vorderseite des Gebäudes wird merkwürdiger' Weise
des Nachts von gar keinem Posten bewacht, so daß
wohl eine Verkleidung gar nicht einmal nothwen
dig war.
P l a c rt t,
betreffend
die Errichtung eines Exannnattons-Col-
leginniS für Seeleute und einer Naviga
tionsschule in Kiel.
Nachdem es von k» Departements des Innern
und de» Finanzen unterm 19. d. M. verfügt worden,
daß einstweilen in Kiel ein Collegium behufs Ab-