wir sind nicht ohne Grund, wenn wir ein ähnliches
Schicksal am Ende für Schleswig-Holstein nahen sehen.
Doppelt traurig und doppelt schimpflich würde unsere
Niederlage für die Zukunft Deutschlands sein. Wenn
Deutschland seine eigenen Kinder preisgeben kann,
was soll dann noch gehofft werden? Wir standen
im Sommer 1848 hoch auf der Spitze der erwachten
freien Idee und hatten unter uns den festen Grund
des Rechtes, jo daß wir glaubten, wir würden nie
mals verloren sein können; — aber das Blatt hat
sich im Jahre 1850 gewendet und wir sind gegen
wärtig mit jener Idee im Ansehen, wenn auch nicht
im Rechte, gesunken. Unsere Lage ist augenblicklich
die eines Ringers gegen Fluth und Wellen. Ob wir
den geretteten Fuß werden ans Land setzen können,
oder ob wir von jenen verschlungen werben sollen—
das ist die Frage; es ist das schauervolle Sein oder
Nichtsein angewandt auf die politische Existenz eines
Volkes, auf den heiligen Bestand des Rechtes ans
den Sieg oder Untergang der Zeitidee, deren einziger
Träger Schleswig-Holstein annoch geblieben ist —
Doch was frommt und nützt es, ein Anathema
der Reaction und der feigen Diplomatie entgeqen-
schleudern? — laßt uns klar erkennen, daß wir in
der That bei dem allgemeinen Schwanken der Poli
tik, bei der Zweifelhaftigkeit unserer Lage am besten
und ehrenvollsten thun, wenn wir am Rechten halten
Schon manch ein Gewitter ist vorübergezogen, ohne'
einzuschlagen, schon mancher hat durch Beharrlichkeit
und festen Sinn am Ende Alles gewonnen Laßt
uns ein Beijpiel nehmen an dein Freiheitskriege der
Vereinigten Staaten; auch die standen lange so zwi
schen Beiden, bis endlich die treue Anhänglichkeit am
natürlichen Rechte die Wagjchaale zu ihren Gunsten
senkte. Mir ist, wenn ich auf die Staateil alle hin
sehe und die ganze Cabinetspolitik durchmustere der
jetzige Zustand ein so durchaus unnatürlicher,'daß
ich cs wie ein Axiom annehmen muß, es werde bin
nen Kurzem Alles, Alles sich wenden. An uns ist
es, diesen Glauben festzuhalten! '
Berichtigung, ^it dem Aufsätze „Nufere Lage" in der vo
rigen Nummer d. Bl. lese man im Anfange statt „heroro-
tischen" horazischen und eben vorher statt „Hervorthun"
Heroenthilm-
-j- Summarische Beiträge.
Es ist kein Vergnügen, an einem Sonntag-Nach-
mittag irgendwo zu gehen, wo sich die noble Welt
bewegt. Dies Spreitzen, Kokettiren und Zieren der
Danien und Herren; diese Sucht, so geputzt" als mög
lich zu erscheinen, um nicht zu fürchten, daß eine
andere Person ein Lappe» Flitter mehr trage; diese
Oberflächlichkeit, die jedes tiefere Gefühl und jeden
schönern Ģrdankcn verscheucht^ diese Bvl»ietl/cit, vir,
wenn auch der Himmel den schönsten Tag über die
Natur ausgegossen hat, mehr Gefallen an einem sei
denen Shawl hat, als am blauen Himmel; diese
Aergerniß, welche lieber auf eine geschniegelte Schnei
derpuppe sieht, als auf die frische Umgebung rings
umher; diese Unterhaltung über Theater, Bälle, Con
certe, welche, wie eine Pfenningspfeife ein Concert,
die Musik der Natur übertönt; dieses Complunenten-
machen, dieses Biegen und Sich Schmiegen, diese
Diener in allen Winkeln, dieses Galant- uuo Spröde
thun; dieses Arm in Arm Dahertrotten, während zu
Hause die Strümpfe liegen, die noch nicht gestopft
sind; alles dies und nebenbei der Verfall der Sitten,
das Gebrechen des Hochmuths und der Eitelkeit, der
Neid, die Selbstsucht, es vermag nicht froh und'hei
ter zu stimmen, es zieht dem Auge vorbei wie ein
verwirrender St. Veits-Tanz, ist wie Polterabend-
Musik vor der Hochzeit, auf der Sünde und Schande
sich umarmen. Vielmehr bietet eine Spaziertour ein
ebenso klares Bild von der Zerrissenheit unserer Tage,
als die Presse, diese ephemere Geschichte der Gegen
wart. Wenn man nur mit etwas Verstand oder
Phantasie umschaut, so wird man auch, wie man
spazieren geht, entdecken, daß nicht eben der unglück
selige Zustand des Proletariats die Hauptader ist,
welche unsere Zeit bluten läßt, sondern daß der Ver
fall der Sitten, der Contrast der innern gegen die
äußere Natur der Verhältnisse im Leben, die wenig
feste Religiösität, ja der völlige Verlust derselben,
daß mit einem Worte der Umstand, daß der heutige
Mensch seine Achtung vor dem verlor, worin der
frühere seinen höchsten Trost fand, die Hauptquelle
bilden, die den ^schlämm und den Schinutz zurückge
lassen hat, nachdem jre aus ihrem Bette abgelaufen
ist, und die, wenn ihr nicht ein neuer Graben ge
öffnet wird, nicht eine von den vielen und schönen
Segnungen wahrzumachen droht, auf die uns unsere
Zeit mit Recht hat hoffen lassen. Wir haben von
den Wohlthaten unsrer Zeit nur Staubregen, dahin
gegen von den Nachtheilen derselben einen ganzen
Löoltenbruch empfunden. Derselbe zeigt sich nicht
allein daran, daß die Revolution von 1848 durchaus
erfolglos geblieben ist, sondern auch daran, daß in
den bürgerlichen Verhältnissen Geiz, Verschwendung,
Putzsucht, Gleichgültigkeit nach wie vor und nur
stärker wuchern.
Wohl ist das Gefühl über diese Verwirrung un
serer Tage ein heiliges und nahe liegt der Wunsch,
für die Menschheit ein neues Zeichen aufzurichten,
ans dem sie Tsvst und Hoffnung schöpfen mag. Und
wenn die Geschichte eine fortwährende, ewige sEnt
wicklung zu einem endlichen höchsten Ziele ist, ' wenn
nicht ein Jahrhundert in neuer Form die längst be
kannten, längst in ihrem Wesen vorhandenen Erschei
nungen vergangener Jahrhunderte nur auffrischt, wenn
Stufen aufwärts führen und wenn hinter uns keine
todten Beispiele und vor uns keine fruchtlosen Hoff
nungen liegen: so ist es die höchste Pflicht, daß man
sich m den Geist unserer Zeit versenke, die Säulen
höher führe, dre schon stehen am Tempel unseres Jahr
hunderts und daß man, zunächst aus der bunten Menge
von Tagesfragen heraustretend, sich auf die Höhe der
Zeit stelle und nach dem Kern derselben, dem reli
giösen Bewußtsein der Völker frage und sich
über dasselbe unterrichte und klar werde. An welcher
Idee können die Herzen für neue Säcula erwärmt
werden? an welcher Religion neue Staatsformen
aufgebaut werden? Unser Glaube oder den wir da
für halten, genügt nicht; die Symbolik der Vergan
genheit ist todt, das Christenthum, wie es bestanden
hat, ehe die neue Zeit anfing, ist verödet, trostlos
und fällt ab wie Herbstlaub. Ja, in diesem Augen
blicke hat das Geld so überwiegend alle Verhältnisse
unter sich, daß die Religion, gesetzt auch sie fände in
den Herzen noch Wurzel, vor seiner Macht kaum auf
kommen kann.
Wähln,«»triebe «mb Wahlzustäude.
(Zwiegespräch.)
C. Na — Sie gehen heute doch hin und wählen
einen Stadtverordneten?
H. Nein — so lange der — ich weiß nicht wie er
heißt — da mit seinen Beisitzern sitzt und, außer
dem Wahlcollegio, förmlich Protocol! führt, geh'
ich nicht wieder hin zu wählen.
C. Das ist doch kein Grund, Ihr Wahlrecht unaus-
geübt zu lassen! —
H. Ja, wenn ich hingehe, so wähle ich ihn — den
wie heißt er noch — der da immer im Sopha
sitzt und jeden aufschreibt.
C. Aber da Sie nicht wissen, wie der Mann heißt,
so werden Sie ja auch nicht wissen ob er Bürger
und also wählbar ober nicht ist. — Sie können
allerdings den Mann bezeichnen. Wenn es sich
dann aber ergiebt, daß er nicht Bürger ist, was
man ja glauben muß, da Sie den Namen sonst
doch in dem ausgelegten Verzeichniß hätten sehen
können, so wählen Sie doch einen der andern Can-
didaten.
H. Ich finde im Local-Statut nur ein, aus Mitglie-
dern des Magistrats und Stadtverordneten beste
hendes, Wahlcollegium und will nur vor solchem
wählen.
E. Ja — da finden Sie denn auch im Local-Statut nur
daß şwäbtt werde» soll — ni.cht ft.iü sich
zugleich durch Taback- und Cigarrenrauchen die
Zeit vertreiben soll.
H. Freilich auch dieses finde ich durchaus nicht in der
Ordnung, so gut wie aus allen öffentlichen Plätzen
das Rauchen untersagt ist und der Anstand bei
jeder öffentlichen Handlung es verbietet, ebenso
kann ich dieses nur als unzuläßig und gegen die
Würde des Acts, der Wähler und des Wahlorts
finden. Aber sogar bei der letzten Wahl in der
Gerichtsstnbe selbst war beides nicht mal ver
mieden.
E. Ich kann nicht viel davon sagen, aber das sind
Märzerrungenschaften; indeß werden Sie solches
nur als Auswüchse bezeichnen.
H. Ja anders ist solches nichts und so lange der
gleichen nicht unterbleibt, werde ich mich nicht bei
den Wahlen betheiligen, und so geht es manchen
meiner Bekannten, die nicht Lust haben, ihre Na
men an beliebigen Orten aufgehangen und damit
demonstriren zu sehen.
C. Aber das Gesetz ist ja von den Bürgern selbst
mit berathen und beschlossen.
H. Gerade darum will ich dasselbe um so höher ge
achtet und in keiner Weise herabgewürdigt und
mißbraucht sehen.
lVI.
** Sehr wünschenswert!) wäre cs, für die Herstel
lung des Jungfernstiegs etwas Nachhaltiges geschehen
zu sehen. Diese Hauptsußpassage zwischen Alt
stadt und Neuwerk ist bei der jetzigen nassen Witte
rung fast unpassirbar. Es ist anzuerkennen, wenn wie
jüngst durch Ausfüllung der Löcher mit Grand die
nöthigste Abhülfe geschieht. Ohne Andauer dieser
Besserungen verschwinden solche nur zu bald durch
die Ungunst der Umstände.
" Die Wichtigkeit dieser Passage dürfte verdienen,
daß etwas Besonderes geschähe, welches unsers Er
achtens darin bestehen könnte, daß der ganze Jung
fernstieg eine neue erhöhte abgerundete Nebcr-
lage von entsprechenden, Kies oder Grand (nur kein
Bauschutt) bekäme. — Eine solche, verbunden mit
einer zweckmäßigen Aufsicht, müßte nach unserm Er
messen durch die lebhafte Fußpassage unterstützt, bald
einen guten haltbaren Weg geben. Sollte cs hier
an Material fehlen, so dürfte' solches per Eisenbahn leicht
herbeigeschafft sein. Es würde dieses zwar eine etwas
kostspielige Besserung sein, allein dieselbe dürfte durch
Zeit und Umstände sich rechtfertigen. —r—
Intelligenz - Anzeigen.
Kirchliche Anzeige.
Am «-oimtage de» 15. Decbr. predige» in hiesiger Kirche:
Um Vormittags - Gottesdienste Herr Propst Callise».
Im Nachmittags-Gottesdienste Herr Pastor Baleman».
Bekanntmachung.
Nach tz 3 des Patents vom 20. März 1807, we
gen Haltung der Hunde, soll zwischen Weihnachten
und Neujahr jeden Jahres das Zeichen, welches micb
§ 1 und 2 für jeden Hund (mit Ausnahme der be
ständig an der Kette liegenden) bei der Polizeibehörde
des Orts zu lösen ist, auf dem Polizeiamte gegen
desfällige Bescheinigung vorgezeigt werden, und ist
nach dem Kanzlei-Patent vom 24 Mai 1834 bei der
ledesmaligen jährlichen Vorzeigung, eben wie bei der
Lösung des Zeichens, die ded. ded. in die Armencaffe
fließende Abgabe von 30 Schilling für jedes Zeichen
zu erlegen.
Vorstehende gesetzliche Bestimmungen werden un
ter dem Hinzufügen hiedurch in Erinnerung gebracht
daß nach dem §6 des erstgedachten Patents, Jeder'
welcher die jährliche Vorzeigung des Zeichens in der
vorgeschriebenen Zeit verabsäumt, die doppelte Ab
gabe zu entrichten hat.
Es wird ferner bemerkt, daß, wenn Jemand in,
Lause dieses Jahres einen Hund wieder abgeschafft
hat, solches unter Zurücklieferung des für selbigen
gelösten Zeichens bchus dessen Delirung, im Polizei
amte anzuzeigen ist, imgleichen daß von Neujahr an
hinsichtlich der bis dahin nicht mit neuen Zeichen
versehenen Hunde nach Vorschrift des tz 7 des erster
wähnten Patents wird verfahren werden.
Rendsburg im Polizeiamt, den 6. Decbr. 1850.
Kroll,», const.
AķZetèsN
am Montag, den 16. d. M., und folgenden Tagen
auf dem hiesigen Militair-Montirungs-Depot über
alte Milltair-Effecten, Waffenröcke, Hosen, Mäntel,
Lederzeug, Messing und sonstige Gegenstände, gegen
comptante Bezahlung, unter Umständen gegen Be
willigung eines 3wöchigen Credits.
Rendsburg, den 9. December 1850.
Luders,
Garnisons-Auditeur.
Um für alle Lazarethe Rendsburgs eine möglichst
gleichmäßige Vertheilung der milden Gaben am Weih
nachtsabend zu bezweckeil, fo haben wir Unterzeichnete
""k şşPaşşPêrelnigl, und bitten um milde Gaben
und Geldbeiträge, zu dein benannten Zwecke, und ist
berei^de Ö0K un3 ber Entgegennahme derselben
Rendsburg, den 11. December 1850.
Charlotte Krohn. Amalie Schröder
Julie Mauch. Caroline Knobbe.
Caroline Kruse. Julie Krebs.
dĶÄâîîîâî.
Das zur Verlassenschaft der verstorbenen Wittwe
Mahlstedt gehörige, im hiesigen Neuwerk in der
Grunenstraße unter Nrv. 386 belegene Haus mit
Ziibehörungen, soll am nächsten Donnerstage den
I9ten d. M., Vormittags 10 Uhr, an Ort und
Stelle, öffentlich verkauft werden.
Die Verkaufsbedingungen sind vorher bei dem
Färbermeister Herrn Büsing und bei mir einzu
sehen. 3
Rendsburg, den 13. Decbr. 1850.
»H- .Hrrase, const.
.Hausverkarrf.
Am 20sten d. M., als am Freitage in der näch-
sten Woche, Vormittags um 10 Uhr, soll das zur
Verlassenschaft des verstorbenen hiesigen Bürgers
und Webermeisters B r i l l ö w gehörige, in ber Neuen
straße unter Nr. 55 belegene Wohnhaus mit Zube
hörungen, an Ort und Stelle öffentlich verkauft
werden.
Die Verkaufsbedingungen sind vorher bei mir
einzusehen.
Rendsburg, den 13. Decbr. 1850.
H. Haase, const.
Empfehlung
Zum bevorstehenden Weihnachtsfeste empfehle ich
dem geehrten Publikum mein wohlaffortirtes
MlrriöÄMÄ -- ŞBÄB'äà
bestens.
C. G. B». Bönig, !
Altona, Königstraße Nr. 26.
Feine Hof-Stoppelbutter
in 14 Tonnen à ü. 9 ß.
Ä. F. Seyet,
Stegenbrücke Nro, 485,