Jahrgang.
Rendsburaer
M LŞL.
Mittwoch den 18. December
L8SO.
Do» diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder directe abgeliefert, oder unter der Bezeichnung; „An die Expedition
des Wochenblatts in Rendsburg," entgegengenomen werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. — Der Preis dieses Blattes
ist für Interessenten, denen es hier am Ortr zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., und wenn es oo» der Expedition abgeholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestellungen bei den Post
ämtern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten.
Tagesgeschichte.
Rußland und Polen.
Lemberg, den 7. Dec. Wie verlautet, ist vor
Kurzein im südlichen Rußland eine Verschwörung ent
deckt worden, weshalb mehrere Ofsiciere aus den Re
gimentern der russischen Militaircolonien verhaftet
wurden; anderen ist es gelungen, zu entfliehen und
sollen dieselben den Weg nach Asien und nach dem
Kaukasus eingeschlagen haben. Damit in Verbindung
steht die Absendung des Barons von Osten-Sacken,
Adjutanten des Fürsten Paskewitsch, nach Coustan-
tinopel. Derselbe soü den Auftrag haben, aus die
dortige Emigration ein wachsames Augenmerk zu
richten und den etwanigen Aufenthalt der desertirten
Ofsiciere zu ermitteln.
Von der polnischen Grenze, den 10. Dec.
Die russische Regierung sucht die an der galizischen
Grenze stehenden Truppen auf längere Zeit mit Pro
viant zu versehen, da nachträglich nicht unbedeutende
Mundvorräthe auf der warschau-krakauer Eisenbahn
iw ch. ;.?» ex ļà- lvedi rt würd ML äMLütUL,
wird viel Schlachtvieh dorthin gefahren.
Dänemark.
Kopenhagen, den 9. Decbr. Die „Berlmg-
sche Zta." sagt in Bezug auf die Angabe der ,,D.
Res.", daß in Olmütz beschlossen worden sei, nicht
allein die Herzcgthümer aufzufordern die Armee aus
ein Drittheil zu reduciren, sondern auch an Däne-
mark eine ähnliche Anforderung zustellen: sie müssen,
wenn diese Angabe nicht blos aus die Beruhigung
der Kriegsparthei in Preußen berechnet sei, sondern
wirklich von Seiten Deutschlands an Dänemark eine
solche Forderung gestellt werden würde, auf das hin-
weisen, was sie in dem Leitartikel ihrer Freitags-
nummer über Däneinarks gegenwärtige Stellung
Deutschland gegenüber gesagt habe. „Jedes Verlan
gen der erwähnten Beschaffenheit müsse auf das Be
stimmteste abgewiesen werden. Dänemark könne die
Armee nicht durch einen einzigen Mann reduciren,
so lange die Ausruhrsregierung Unterstützung und
Schutz bei den deutschen 'Regierungen finde, oder so
lange die Pacification durch deutsche Truppcn ge
schehen solle. Eine andere Sache wäre es, wenn
Holstein durch nicht-deutsche (russische würden wohl der
guten „Berlingschen" die genehmsten sein) besetzt
würde, aber so lange dies nicht geschieht, ist Däne
mark nicht sicher vor einem Ueberfall in seinem eig
nen Land. Es ist schon hart genug, daß die Pa
cification nicht des Landes rechtmäßigen Regenten
überlassen werde, aber so ist nun einmal die Be
stimmung des Friedensartikels; jedoch ein weiteres Zu-
geständniß von unserer Seite kann nicht gemacht
werden. Was man von Seiten der Aufrührer er
warten kann. davon geben die Angriffe auf unsere
Vorposten und Patrouillen den zureichenden Beweis.
Es ist daher eine abgemachte Sache, so lauge die
aufrührische Armee nicht aufgelöst (die „Berlingsche"
begnügt sich also nicht einmal mit einer Reduction)
und der König nicht in alle seine von allen Mäch
ten anerkannten Rechte eingesetzt ist, kann durchaus
keine Rede von neuen Unterhandlungen sein.,,
(Fr. Pr.)
—, den 13. Decbr. Die dänischen Blätter cnt-
halten'jetzt die Nachricht über den Wechsel im Ober
befehl in der schleswig-holsteinischen Armee, und
fassen dessen Bedeutung sehr verschieden aus. Die
„Berlingsche Zeitung" glaubt daraus und aus den
täglichen Vorpostcngefechten abnehmen zu können,
daß die Statthalterschaft keine friedlichen Absichten
hege und fordert die Regierung zur Vorsicht auf.
Hinsichtlich des Ölmützer Protocolls ineint sie, daß
die Unterhandlungen sich doch in die Länge ziehen
könnten, und wenn sie auch gern das Mißtrauen ge
gen die deutschen Regierungen aufgeben wolle, so
könne doch nur die Auflösung der Jnsurgentenarmee
ein sicherer Bürge für die Wiederherstellung des Frie
dens sein.
„Faedrelandet" zeigt sich durch die beabsichtigte
Sendung von Eommissaren nach Holstein und deren
an die Statthalterschaft zu stellenden Forderungen
jetzt mehr zufriedengestellt, selbst das Verlangen, daß
Dänemark nicht mehr Truppen in Schleswig auf
stellen solle als zur Erhaltung der Ordnung nöthig
sind, meint dies Blatt, werde auf kein Hinderniß
von Seiten der dänischen Regierung stoßen, da eine
Reduction durch die rauhe Jahreszeit und den Be
darf der Staatskasse wünschenswerth sei. Vorher
müsse aber die Statthalterschaft abgesetzt werden,
wovon die Olmützer Punctationen gar nichts sagten.
Dies deute darauf hin, daß, obgleich die Resultate
der Olmützer Conserenz etwas günstiger für Däne
mark seien als man anfangs geglaubt habe, die
deutschen Mächte doch durch die Ausrechthaltung des
revolutionären Zustandes in Holstein dem Könige
Concessionen abzwingen wollte". Da nun aber Däne-
marr beut -LrunvcvverynlliUß ■puquuiu mu/i. zu uut/c
treten wollte, so könnten diese sich nur aus Schles
wig beziehen. „Faedrelandet,, fordert daher ebenfalls
außerdem die Auflösung der Ausruhrsarmee, obgleich
es sehr richtig hinzusetzt, nicht in der Armee allein
bestehe die Macht Schleswig-Holsteins, sondern weit
mehr in der Stimmung der deutschen Nation. Das
sei die Macht, die für Dänemark gefährlich sei, die
es bei Friedericia nndJdstedt nicht überwunden habe,
und die man nicht mit Ausweisungen und Absetzun
gen ausrotten könne.
Im klebrigen glaubt „Fädrel." an die augenblick
liche Redlichkeit Preußens, die es durch die Abberu
fung seiner in der schleswig-holsteinischen Armee
dienenden Ofsiciere und Soldaten nicht allein, son
dern durch die Abberufung Willisens bewiesen habe,
denn daß der Wechsel im Oberbefehl in lleberein-
kunst mit der Statthalterschaft sei, sei nur ein Vor
geben.
Noch besser weiß aber „Kjöbenshavnsposten", die
bekanntlich Gras wachsen hören kann, über den Grund
der Verabschiedung Willisens Bescheid. Ihr zufolge
deutet diese auf ein nahes Ende des schleswig-hol
steinischen Widerstandes hin. Die Statthalterschaft
hätte keine Vorpostengefechte inehr gewollt, Willtsen
habe aber das Experimentiren nicht lassen können,
und da er am 7. wieder 21 dänische Gefangene ge
macht habe die Statthalterschaft ihm am selben Tage
den Abschied gegeben.
„Flyveposten" hingegen meint, der Abschied Willi-
sens beute darauf, daß die Insurgenten nächstens
einen Hauptangriff machen wollten.
Das Dampfschiff „Hertha" ist bestimmt, die Post
zwischen Warnemünde und Gjedserodde zu besorgen.
— Die „Dep. Tid." giebt eine Uebersicht über
die Kriegs-Entschädigungen in Jütland; von den be
willigten 1,700,000 Rbthlr. sind im Ganzen ausbe
zahlt 1,b40,9Iß, und zwar contant reichlich eine halbe
Million, das klebrige in königl. Obligationen. —
Das Gesetz über Ausstellung von 2 Millionen neuer
Creditscheine ist bereits den 11. d. Mts. erlassen:
dieselben werden in 2 Jahren, je mit einer Million,
nebst Zins eingelöst.
DeĶLşihêaà
Berlin. In Betreff des Commissariats für Holstein
schreibt die „Nat. Z.": Während nach einer viel ver
breiteten und auch von uns wiedergegebenen Nach
richt das Commissariat des. Grasen Leiningen und
des Generals v. Peucker für Curhesse», später auch
für Schleswig-Holäein ausgedehnt worden sein sollte,
wird uns jetzt aus sonst gut unterrichteter Duelle be
richtet, daß eine in dieser Beziehung obschwebende
Differenz zwischen Preußen und Oesterreich in ande
rer Weise ausgeglichen worden sei. Preußen gab
nämlich den olmützer Stipulationen anfänglich die
Auslegung, daß eine von beiden Theilen zu ernen
nende Commission zuerst Curhessen und hierauf erst
Holstein zu pacificiren habe. Der im Commando der
holsteinischen Armee eingetretene Wechsel scheint je
doch die preußische Regierung jetzt veranlaßt zu ha
ben, in die sofortige Absendung besonderer Commiffa-
rien nach Holstein zu willigen. Anfangs war Herr
v. Schleinitz, der frühere Minister des Auswärtigen
für diese Mission designirt, der jedoch abgelehnt hat.
Es heißt jetzt, daß General v. Lindheim die Erneu-
nung bereits angenommen habe. — In ihrer Abend
ausgabe vom 14ten berichtet die „Rat. Z.", die Er
nennung des General v. Lindheim werde ihr aus
anderer Quelle als bereits definitiv erfolgt bestätigt.
Carlsruhe, den 12. Dec. Die zweite Kam
mer hat dem Gesetzentwurf über die kknterstütznngs-
beiträge für diejenigen Unterofficiere und Soldaten
oer rorugr. pirußiscyci; rmv unvcrir VuiwrvUuppr,,,
welche in Baden durch Verwundung verstümmelt oder
sonst ganz erwerbsunfähig geworden sind, ohne Dis
cussion einstimmig ihre Zustimmung ertheilt. Nach
Maßgabe der behufs Anwendung des Gesetzes auf
gemachten Verzeichnisse sind von 318 Verwundeten
215 wieder erwerbsfähig geworden; von den übrigen
103 erhalten 18 Amputirte (13 Preußen, 2 Hessen,
3 Mecklenburger) jährlich für Lebensdauer aus der
badischen Staatscasse 100 Gulden zu der von ihrer
Regierung bewilligten Pension, und 85 erwerbsun
fähig gewordene (75 Preußen, 1 Würtemberger, 4
Hessen, 5 Mecklenburger) jährlich 50 Gulden, und
zwar vom 1. Januar 1851 an. — Der Großherzog
und die Prinzen Carl und Alexander von Hessen
sind gestern zum Besuche des Großherzogs hier ein
getroffen. (H. N.)
Kassel, den 9. December. Gestern soll dem
Vernehmen nach der Prediger von Heiligenrode bei
dem gewöhnlichen Gottesdienste in einer langen po
litischen Rede seine Pfarrkinder aufgefordert haben,
eine von ihm vorgelegte Ergebenheits-Adresse an das
Ministerium Hassenpflug zu unterschreiben. Er soll
diese Anforderung besonders darauf gestützt haben,
daß der Landesherr gerade dieser Gemeinde schon
bisher seine besondere Gnade geschenkt habe.. dsZ M
Folge dessen die Gemeinde auch ferner wie LiZHrr
von Einquartierung befreit bleiben werde u. s. K.
Solche und ähnliche Versprechungen hätten — wie
uns weiter mitgetheilt rst —ihre Wirkung nicht.verfehlt.
Lübeck, vom 10. Decbr. Aus Husum erfährt
man, daß auch daselbst in der Umgegend alle Niede
rungen von den Dänen unter Wasser gesetzt worden
sind, und daß das Letztere an einigen Stellen sogar
die Husum-Tönninger Chaussee übersteigen soll. Bei
eintretendem ernstlichen Frostwetter sollen die Dänen
Fliedrichstadt in seinem jetzigen zerschossenen Zustande
als eine unhaltbare Stellung ansehen, und scheinen
sie diesen Ort den Schleswig-Holsteinern, unter ge
nannter Eventualität bei einem etwaigen Angriff,
nicht weiter streitig machen zu wollen; die meisten
Kanonen von daher sind wenigstens schon vor acht
Tagen in Husum, und zwar zur Nachtzeit, ange
kommen. (R. Z.)
Schleswig-Holstein.
Kiel, den 14. Dec. In der gestrigen Sitzung
der Landesversammluug wurde die Aufhebung
der Stempelsteuer, vom 1. Januar 1851 an ge
rechnet, mit 63 gegen 7 Stimmen, zum Beschluß
, erhoben.