der höchstmöglich metamorphosischen Gestalt über die
Bühne der Weltgeschichte; wird heute angestaunt we
gen seiner tief,innigen Speculations, wird morgen
beweint, weil er seine Bestimmung nicht zu erfüllen
vermag; wird heute belächelt, weil er sich freuen
kalln, daß die Weihnachtszeit ihn so gemüthvoll und
gemüthlich hinter dem Ofen überrascht, und wird
morgen wiederum wie eine Bedientenseele gehunzt
und gehudelt. Wenn wir nicht vergessen wollen, daß
in der That der Deutsche die Weltgeschichte mehr wie
irgend ein anderes Volk beschäftigt hat und woh
bedenken, daß auch die beiden andern der vier ihm
beigelegten Rollen von ihm je zur Zeit gespielt wor
den sind: so wird es inir Keiner verargen, wenn ich
frei heraussage, Deutschland spiele jetzt die Rolle des
Bedienten, aber desjenigen, der sich vorbereitet, diese
mit der Rolle des Hamlet zu vertauschen; und zwar
nicht desjenigen Hamlet, der seiner Ausgabe nicht ge
wachsen ist, sondern desjenigen, der fühlt, er sei stark
und würdig genug, um' die Welt-Reformation durch
und auszuführen. — Man wolle nicht über das ent.
letzliche Wort „Welt-Reformation" erstaunen, -und es
in eine Classe mit jenen von Pathos geschwängerten
Wörtern: „Völkerfrühling", „Freiheitsmorgen", „Für-
stenmvrd", und anderen Wörtern bringen, die man
jetzt bis zum Eckel in jedem demokratischen Clubb
ohne Sinn und Verstand klingen und singen hört;
man wolle nicht meinen, daß Welt-Reformation eine
Umkehr aller bisher bestehenden Verhältnisse bezwecke,
daß dieselbe etwa nur mit praktischer Bethätigung lenes
Wortes: „Fürstenblut soll fließen", welches ich neulich
in einem republikanischen Gedichte von Harro Harring
37 Mal auf drei Seiten las, bewirkt werden könne:—
nein, sondern man verstehe diese Welt-Reformation,
wie ich, im bildlichen und hyperbolischen Sinne und
verknüpfe dainit bloß den Begriff, daß Deutschland,
wie einst zu Luthers Zeit, einer allmählich im Laufe
der Geschichte aufgekeimten politischen Idee
die helle, blitzende Krone aussetzen werde. Und dieses
ist in der That nicht zu viel gesagt. Denn man be
denke doch und frage sich so: „welches Land wird
jetzt von allen Ländern Europas am meisten und am
tiefsten durch die Ideen der Zeit bewegt? — welches
Volk von allen Völkern Europas kann vermöge der
■ Tiefe und Wahrheit seines Gemüthes so warm und
still die schönen Blüthen unserer gegenwärtigen Ge
schichte in seinem Schooße entfalten? — welche von
allen Ideen, von welchen unser Jahrhundert getragen
ist, wird etwa nicht von den Deutschen aufgenommen,
nicht von ihnen gehegt und zur Entfaltung getrie
ben? — über welche Uebelstände, welche eine Pe
riode,. wie die unsere, stets-mit sich führt, klärt es
sich nicht am gründlichsten auf?" — Ich denke in der
■ That, man wird alle diese Fragen auf Deutschland
und denDcutschen anwenden und befriediaend beant-
wonen tonnen. Well ich in dieser Ro. ill. aber nur
im Allgemeinen ein Wort über die Stellung des
deutschen Volkes in der Geschichte unserer Tage habe
anführen wollen: so wird man mir es nicht verargen,
wenn ich von der gegenwärtigen allerdings trüben
Lage unseres großen Vaterlandes abgesehen habe und
den Blick auf die Zukunft gerichtet halte. Dabei
geh ich allerdings von dem aus, was jetzt in Deutsch
land vorhanden ist und knüpfe ,an die Entwicklung
an, welche sich aus den vorhandenen Elementen er
geben wirb. Ein gutes Element unter diesen ist das
des Geistes des Fortschrittes, der auf constitutio-
nelle Verfassung hinzielt. Constitutionelle Ver
fassung, unter welcher Form immer sic'Pch offenbare,
ist aber z. B. die, für welche auch in den wildesten
Zeiten der Athenischen Republik die ruhigsten und
edelsten Geister strebten, ein Xenophon, ein Plato
u. A.; sie ist die volksthü milche Vertretung, in
der nicht die Masse, die ewig blind ist, herrscht, son
dern der Verstand, die ratio, oder wie Plato ihn
nennt, der Philosoph, was aber hier eben nur als
die Aufklärung und Vernunft zu verstehen ist. Diese
Constitution aber ist es, nach welcher im Durchschnitt
jetzt die meisten Deutschen hinstreben. Dieselbe liegt
als Miitelstraße mitten inne zwischen der Reaction
und der demokratischen Republik, unter der sich die
für dieselbe begeisterten Anhänger gewiß, wenn sie
sich klar werden wollen, keine andere alseine ochlo-
kratische vorstellen und wünschen. Wirfreueäns,
daß diese Idee der constitutionelten Regierungsform,
deren nähere Gestalt wir freilich nicht anzugeben ver
mögen. welche aber vermuthlich, soweit man nach den
Verhältnissen zu urtheilen vermag, die vorliegen, eine
monarchisch-constitutionelle werden wird, in
Deutschland so tief Wurzel gefaßt hat, daß alle
Stämme des großen Vaterlandes, so verschieden sie
auch sonst gesonnen sein mögen, in ihr zusammen-
kominen. Deutschland ist in dieser Hinsicht durch und
durch zeitgemäß entwickelt, durch und durch, wenn
auch nicht jo lebhaft und ungestüm, angeregt und
angehaucht. Wohin wir uns wenden mögen — und
wir fragen die wirklich Edlen zunächst, Männer, wie
Gagern, Dahlmann, Droysen u. a. m. — finden wir
den Wunsch und^das Verlangen nach dieser Consti
tution; in der Spitze und in dem Schwanzstück des
deutschen Volkskörpers sind freilich die Schattenseiten
vorhanden, aber in dem Kern und der Mitte liegt
dieses. So sind wir unvermerkt dahin gekommen,
zu entdecken, daß selbst in der Rolle des Bediente»,
welche, wie wir scherzhaft sagten, der Deutsche nach
unserer Meinung gegenwärtig in seiner Geschichte
spielte, ein gesunder Inhalt stecke. Dieser Inhalt ist
aber dasjenige Moment in derselben, welches uns be
rechtigt, zu glauben, daß die angedeutete und näher
bezeichneteHamlet-Rolle, welche der Deutsche des ehestens
zu spielen übernehmen werde, eine segensvolle und
großartige sein werde. — Qilod alii quideni aliter
sentiunt. —
Intelligenz - Anzeigen.
Bekanntmachung.
Rach tz 3 des Patents vom 20. März 1807, we
gen Haltung der Hunde, soll zwischen Weihnachten
und Neujahr jeden Jahres das Zeichen, welches nach
tz 1 und 2 für jeden Hund (mit Ausnahme der be
ständig an der Kette liegenden) bei der Polizeibehörde
des Orts zu lösen ist, auf dem Polizeiainte gegen
desfällige Bescheinigung vorgezeigt werden, und ist
nach dem Kanzlei-Patent vom 24 Mai 1834 bei der
jedesmaligen jährlichen Vorzeigung, eben wie bei der
Löjung des Zeichens, die ded. ded. in die Armencasse
fließende Abgabe von 30 Schilling für jedes Zeichen
zu erlegen.
Vorstehende gesetzliche Bestimmungen werden un-
ter dem Hinzufügen hiedurch in Erinnerung gebracht,
daß nach dem §6 des erstgedachten Patents, Jeder,
welcher die jährliche Vorzeigung des Zeichens in der
vorgeschriebenen Zeit verabsäumt, die doppelte Ab
gabe zu entrichten hat.
Es wird ferner bemerkt, daß, wenn Jemand im
Laufe dieses Jahres einen Hund wieder abgeschafft
hat, solches unter Zurücklieferung des für selbigen
gelösten Zeichens behuf dessen Delirung, im Polizei
amte anzuzeigen ist, imgleiche» daß von Neujahr an
hinsichtllch der bis dahin nicht mit neuen Zeichen
versehenen Hunde nach Vorschrift des § 7 des erster
wähnten Patents wird verfahren werden.
Rendsburg im Polizeiamt, den 0. Decbr. 1850.
Ķrohll, const.
Hoļstemifche jEifenbahne«.
Frequenz
in der Woche vom 8. — 14. Dccbr. 1850
Altona - Kiel.
6,058 Personen 6,417 11 /3
Guterfracht 7,648 . 4 -
Personenverkehr von und nach
den Haltestellen im Monat
November 1850 Z26 - 6 .
für Eguipagen im November 31 - 8 .
für Hunde rni November.... gg . 6 ,
Geneigte Ebene in Altona.. 603 - 15 -
, 15,064 t,iÄ 2 /3
Elückstalt» Elmshorn.
kf t 7 P n J? ncn 543 :nĶ 8 si
für Hunde im November .... — » ļ ,
_ gg2 g
Rendsbiir,r NeutiiüNster.
2,218 Personen 2,110 »4 13/3
Gutcrfracht 3,209 . 4 -
Personenverkehr vom Halte
platz Bockelholm im Monat
November 97 . 3 -
fill Hunde im November.... 7 - — -
— 5,424 mĶ 4 /3
Altona, den 16. December 1850.
Die Direction
der Altona-Kieler Eisenbahngescllschaft.
Um für alle Lazarethe Rendsburgs eine möglichst
gleichmäßige Verthcilung der milden Gaben am Weih
nachtsabend zu bezwecken, so haben wir Unterzeichnete
uns alle dazu vereinigt, und bitten wir alle diejeni
gen. die geneigt sein dürften, uns kleine Gaben zu
zuwenden, Selbige vor dem 20. d. Mts. gefälligst
enden zu wollen.
Rendsburg, den 15. December 1850.
Charlotte Krohn. Amalie Schröder.
Julie Manch., _ Csroline Kn»bb c.
Caroline Kruse. Julie Krebs.
Pserdeauction.
Am uächsten Sonnabend, den 21sten d. M. Mit
tags 12 Uhr, läßt die Schleswig-Holsteinische Ar
tillerie-Brigade
circa irr Pferde
beim hiejlgen Reithause in öffentlicher Auction durch
den Unterzeichneten, unter Umständen gegen Kwöchige
Creditertheilung verkaufen. ' J
Rendsburg im Auditoriate der Schleswig-Hol-
stemischen Artillerie-Brigade, den 17. Dec. 1850.
43. Grilich.
Anzeige.
Mit /'»er reichen Auswahl von Jugendschrif-
t£'*' älanten, Bibeln und Gefanqbüchern,
Schrelb-und Zeiciincnvorlaqcn und einer ge
wählten Sammlung Mnftkalicn, empfiehlt sich
zum bevorstehenden Weihnachtsfeste
die Buchhandlung
von F. A. .Qbcrrerchck' Wwe.
Mon plus iiSfra
aller drolligen Bilderbücher für Kinder.
Das zur Verlaffenschaft der verstorbenen Wittwe
Mahlstedt gehörige, im hiesigen Neuwerk in der
Gmnenstraße unter Nrv. 386 belegene Haus mit
Zubehörungen, soll am nächsten Donnerstage den
19ten d. M., Vormittags 10 Uhr, an Ort und
Stelle, öffentlich verkauft werden.
Die Verkaufsbedingungen sind vorher bei dem
Färbermeister Herrn Büsing und bei mir einzu-
sehen.
Rendsburg, den 13. Decbr. 1850.
H. Haafe, const.
.Hausverkauf.
Am 20sten d. M., als am Freitage in der näch
sten Woche, Vormittags um 10 Uhr, soll das zur
Verlaffenlchast des verstorbenen hiesigen Bürgers
und Webermeisters B r i l l o w gehörige, in der Nencn-
straße unter Nr. 55 belegene Wohnhaus mit Zube-
hölungen, an Ort und Stelle öffentlich verkauft
werden.
Die Verkaufsbedingungen sind vorher bei mir
einzusehen.
Rendsburg, den 13. Decbr. 1850.
H .Haase, const.
Freitag dcrt SO. d. Mts., Nachmittags
3 llhr,
werden 2 Dragoner-Pferde, gegen baare Bezahlung
oder auf näher mit dem Unterzeichneten zu bereden
den Credit, vor dem hiesigen Provianthause in öffent
licher Auction versteigert werden.
'Rendsburg, den 17. December 1850.
Friederici,
Brigade - Auditeur.
hie seid st
empfiehlt außer seinem bekannten Waarenlager nach
folgende Artikel, als:
feinen gehechelten Lüneburger Flachs, feinen uuae-
hechelten Russischen Flachs;
alle Sorten gebleichten, gefärbten und ungebleichten
Twist, sowie
Englisches Maschinengarn in allen Nummern;
zu möglichst billigen Preisen. — Auch sind Pack-
matten bej demselben zu haben,
Der Tolpatsch
oder
Kinder, nehmt ein Beispiel dran!
Eine lehrreiche Geschichte mit lustigen bunten Bildern.
~ Ste Auflage! =
Verlag von C. W. B. Naumburg in Leipzig.
(Mit 2> colvrirten Holzschnitten in colorirten Umschlag geb.)
Preis: i Mk. 4 ßl.
Bon diesem drolligen Bilderbuche, das ganz nener-
lich bei der Kinderwelt ebenso in die Mode gekom
men, wie der bekannte „Struwelpeter", sind Exem
plare vorräthig in
A. Lehmkuhl s Buchhandlung,
Neuwerk, Paradeplatz Nr. 436.
^Ijtssm<jssstwm!u«c] mn Auvaftdcnfonds.
0 —
Die Sammlungen der 45sten bis47sten Woche vom
17tcn Novbr. bis zum 7ten Decbr. brachten:
a) Aus der Altstadt von 8 Gebern 3 Mk. 12 ßl.
b) Ans Neuwerk von 46 Gebern 44 „ 3 „
Außerdem eingegangen von E. Juda — „ 6 „
Bon einem Bombardier 2 „ 8 „
Summa 50 Mk.AÜH'
Im Ganzen sind jetzt eingegangen 3222 Mk. 8 14 ßl.
Rendsburg, den 16. Dec. 1850.
C. H. Jess, Cassirer.
(aoldbergersciie galv.-elcctr.
MilWiâîMîMlàl'n
à 5 wĶ - 3 mĶ [iß — 2 mĶ 8/J — i wĶ 4 /j
sind wieder vorräthig bei
S'. »#. ütfyea-i-eivhs- iVive*
in Rendsburg,