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Rendsburger
Jahrgang.
M 104,
Sonnabend den 28. December
1850.
ist für Jiitcrcffcnten, denen es hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich t»v »nv wenn es von der Erpedltion abgeholt wir!
ämtern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten.
Tagesgefchichte.
Großbritannien.
London, den 21. December. In seinem Bör-
sen-Artikel berichtet der „Globe", aus anscheinend
guter Quelle sei die Nachricht eingegangen, daß,
Preußen demnächst eine Anleihe in London contra-
hiren werde. Der „Globe" meint, daß dasselbe auch
wohl von Seiten Dänemarks ün Frühjahr geschehen
werde.
Deutschland.
Wien, den 20. Dec. Das k. k. Feldzeugamt
hat die Weisung erhalten, neuerdings 50 schwere
«beschütze aus der Eisenbahn nach Olmütz zu schaffen,
die zur Armirung dieser Festung noch erforderlich
sind, was übrigens als Beweis bienen mag, daß die
Rüstungen in den Grenzländern gegen Preußen noch
,innrer nicht eingestellt sind, besonders wird Olmütz
große Aufmerksamkeit geschenkt und schreiten die Ar-
'-„s-ar? . .s>. t.-.vto—. i - —.....
Herstellung eines verschanzten Lagers handelt und
Olmütz als Schutzmauer Wiens gegen ein preußi
sches Jnvasionsheer eine ganz vorzügliche Stärke er
halten soll. — Der Rückzug der Truppen aus den
Nordprovinzen geht nur sehr langsam von statten,
und man scheint sich in dieser Hinsicht eben nicht
beeilen zu wollen, sondern wird vor Allem die Re
sultate der Dresdener Conferenzen abwarten, welche
allerdings des Zündstoffs genug enthalten, um Vor
sicht nothwendig zu machen.
Kassel, den 21. Dec. In der heute ausgege
benen Nummer der Gesetzsammlung befindet sich wie
die „B.-H." meldet, ein „Ausschreiben des Gesammt-
ministeriums v. 18. December, die Bestellung eines
anderweitigen Commissars für die obere Leitung des
von der deutschen Bundesversammlung angeordneten
Dollstrcckungsverfahrcns für Kurhessen betreffend,"
wonach zur allgemeinen Kenntniß gebracht wird, daß
durch Beschluß der Bundesversammlung an die Stelle
des abberufenen bisherigen Civil-Commissars, Gra
sen v. Rechberg nunmehr der k. k. österreichische F.-
M.-L. Graf v. Leiningen - Westerburg zum Eivil-
Commissar für die obere Leitung des von der Bun
desversammlung angeordneten Bollstreckungsverfahrens
in Kurhessen bestellt worden.
Man zweifelt sehr daran, daß die Nachgiebigkeit
des Oberappellationsgerichts, in Betreff der Abwen
dung einer Execution, den gehofften Erfolg haben
wird; heute Morgen ist die preußische Besatzung der
Stadt, mit Ausnahme eines Bataillons, des 13ten
Infanterie-Regiments, von hier auf dem Wege nach
Westphalen ausmarschirt; das zurückbgebliebene ist
heute Nachmittag in die obern Theile der Stadt
einquartiert.
Heute hat Herr v. Pcucker die Osficiere der
Bürgergarde zu sich entboten und sie aufgefordert,
die freiwillige Entwaffnung der Bürgergarbe zu be
wirken, damit dieselbe nicht durch die fremden Trup
pen zu geschehen brauche. Die Ofsiciere der Bürger-
garde haben sich dessen aber standhaft geweigert. Hr.
v. Penckcr hat ihnen dann angekündigt, daß morgen
6000 Mann Baiern hier einrücken würden. Die
Quartiermacher sind bereits hier eingetroffen.
Der Herausgeber und einer der Redacteure der
„N. Hess. Zeitung", bi c Herren Oetker und Pfaff,
haben sich ebenso wie die der „Hornisse", die Herren
Dr. Kellner und H. Heise von hier fortbegeben und
gedenken ihre Blätter, im Faste deren Forterscheinen
dahier Hindernisse bereist) werden, auswärts heraus
zugeben.
Nach einer telegraphischen Depesche der „B.-H."
aus Kassel vom 23. December Abends hätten die
Bayern, welche die Stadt besetzt hatten, dieselbe
wieder geräumt.
Berlin, den 23. Decbr. Der zum preußischen
Commissar für die holsteinische Angelegenheit ernannte
General v. Thümen befindet sich bereits hier, um
seine Mission vorzubereiten und dürste in den näch
sten Tagen nach Kiel abgehen. Der österr. Commis
sar ist noch nicht ernannt. (D. R.)
Die „N. P. Z." behauptet etwas abweichend:
Der General von Thümen, der sich behufs der für
seine Sendung nach Holstein zu empfangenden In
structionen hier aufhält, wird erst abreisen, wenn der
österreich. Commissar für Holstein ernannt sein wird,
was bisher noch nicht der Fall ist.
Der Etat für das Jahr 1851 weist an direkten
Steuer-Einnahmen die Summe von 20,361,750 Thlr.
nach. Die Einnahme an direkten Steuern pro 1850
betrug 20,339,180 Thlr. Es ist demnach im näch
sten Jahre eine Mehreinnahme von 22,570 Thlr.
im Verhältniß zu den diesjährigen Einnahmen.
—, den 22. Dec. Mit herzzerreißenden Nach
richten aus Curbeffen gleichzeitig trifft uns die Kunde
w» win im vcii rieiviiiiirichauneulenanl Legedicz er
gangenen Befehl, sich mit seinem, an der hessischen
Südgrenze ausgestellten Corps nach Holstein marsch
fertig zu halten. Wir dürfen dieser Kunde den
Glauben nicht versagen; jetzt ist in Preußen Unmög
liches möglich. Ganz kürzlich hat zwischen Herrn
Manteuffel und Herrn Prokesch eine wichtige Confe-
renz stattgehabt, deren Gegenstand die schleswig-hol
steinische Sache war. Der Befehl an Legedicz kommt
gewissen Leuten nicht unerwartet. Hinter die Punc-
tation von Olmütz ist „der Starke schon mehrere
Schritte zurückgewichen." Es gibt kein uv» plus
ultra für solche Stärke.
—, den 21. December. An die Herren Fürst
Schwarzenberg und von Manteuffel ist aus Dresden
die Einladung ergangen, ihre Wohnung in dem k.
Schlosse, in dem s. g. Prinzessinpalais zu nehmen.
Die „Weserzeitung" schreibt:
Hannover, den 20. Dec. Wir glauben aus
äußerst achtbarer Quelle versichern zu können, daß
in Dresden eine imposante Macht (?) für die Sache
der Herzogthümer in die Schranken treten wird, und
wir glauben annehmen zu dürfen, daß der in den
letzten Wochen zwischen den Cabinetten der norddeut
schen Höfe unterhaltene rege Courier- und Noten
wechsel vorzugsweise sich darum gedreht habe, ein
gleichmäßiges und gemeustchaftliches Verfahren in
dieser Beziehung vorzubereiten.
Posen, den 20. Dec. Gestern ist von verschie
denen Punkten der polnischen Grenze die Meldung
hier eingegangen, daß nicht bloß Kalisch, sondern
auch die übrigen Grenzstädte für den Winter wieder
mit starken militärischen Besatzungen belegt werden
sollen Das dazu designirte russische Truppencorps
sammelt sich bereits in der Stadt Plock, von wo
aus die Dislocation stattfindet.
Frankfurt, den 20. Dec. Der von unserer
menschenfreundlichen Frauenwelt für die Nothleiden
den in Schleswig - Holstein veranstaltete und vorge
stern geschloffene Bazar, hat während der beiden Tage
seiner Eröffnung einen Ertrag von mehreren Tau
send Gulden geliefert. Da indessen die von den
schleswig-holsteinischen Frauenveceinen angemeldeten
Handarbeiten (510 Nummern und 60 Arbeiten von
Kindern) erst am Mittwoch Abend hier eintrafen, so
wird der Bazar heute noch einmal von 10 — 4 Uhr
in den schön decorirten Sälen des Sarasinschen Hau
ses geöffnet sein. Es wird bemerkt, daß die einge
sandten Arbeiten der schleswig-holsteinischen Frauen
und Jungfrauen von so selten gesehener Schönheit
sind, daß sie als wirkliche Kunstwerke zu betrachten
und als solche die Ausstellung, welche am 17. u.18. d.M.
statt hatte, noch weit übertreffen. — Für die zum
Vortheil der deutschen Flüchtlinge veranstaltete Ge-
schenke-Verloosung, zu welcher 8—900 verschiedene
Gegenstände eingeliefert wurden und die gestern Abend
stattfand, sind 9900 Loose zu 3 Kreuzer abgesetzt
worden.
Dresden, den 24. Dec. Heute Vormittag um
10 Uhr hielt die Conferenz eine Versammlung zur
Vornahme der Prüfung der Vollmachten. Die nächste
Sitzung findet übermorgen statt. In der geistigen
Eröffnungssitzung sprachen außer dem Fürsten Schwar
zenberg auch die Minister v. Beust und v. Manteuf
fel ihre Hoffnungen wegen Erhaltung des Friedens
und der Eintracht aus. Minister v. d. Pfordten
kündigte eine Vorlage Bayerns an, welche die Ver
tretung des deutschen Volkes beim Bunde befürwor-
ten soll. Kurhessen, Mecklenburg-Schwerin, Olden
burg und mehrere Kleinstaaten waren noch nicht ver
treten.
Hamburg, den 23. Dec. Die „Const. Ztg."
machte neulich" auf ein Urtheil der „Espana", des
Organs von Narvaez, dem spanischen Ministerpräst-
w»tt„, vuvuiu; Hufmeiriaiu, oaß sie den Abdruck des
selben aus Gründen, die für uns nicht dieselbe Be
deutung haben, sich versagen zu müffen erklärte. Da
wir glauben, daß es für unsere Leser von Interesse
sein wird, zu vernehmen, wie sogar in Spanien, in
den gebildetsten Kreisen von Madrid, über die Regie
rung und den König von Preußen gedacht wird, so
stehen wir nicht an, dieses Urtheil des ministeriellen
Blattes mitzutheilen:
Madrid, den 8. Dec. Man kennt jetzt schon
den Weg. den Preußen verfolgte, als es plötzlich
sein Heer auf den Kriegsfuß setzte. Eines der preuß.
Regierungsorgane in der Presse bezeichnet ihn dahin,
daß Preußen niemals die Absicht gehabt habe, Krieg
zu beginnen, sondern nur seinen diplomatischen Ver
handlungen Achtung zu verschaffen. Diese Explica-
tron ist eben so nur scheinbar als unschuldig. Um
seinen Verhandlungen Nachdruck und Achtung zu ver
schaffen, war es nöthig, daß seine Gegner Preußen
entschlossen zum Krieg glaubten; aber verkündigen,
daß man den Frieden wolle und doch zu glauben,
daß man gleichzeitig seinen Gegnern Furcht einjagen
könne, ist ein Gedanke, der nur in der wankelmüthi-
gen Einbildungskraft des Königs Friedrichs Wilhelms
entspringen konnte. Als Hr. Thiers im Jahre 1840
die grüßen Rüstungen entrüsten ließ, um Europa zu
bedrohen, unterließ er wenigstens nicht, durch seine
osficiellen Organe überall den Krieg predigen zu las.
sen. Es ist zwar wahr, Europa kümmerte sich da
mals nicht viel um seine Worte, aber jener Minister
spielte wenigstens seine Komödie so gut als nur ir-
gend konnte.
Preußen hingegen würde sonach jetzt 300 — 400
Mill. Realen aus bloßer Laune verschleudern. Aber die
Zeitungen aus Berlin kommen mit der eigentlichen
Bewandtniß der Sache nicht recht heraus. Positiv
ist vielmehr, daß der König von Preußen zuerst wirk
lich an den Krieg dachte; am folgenden Tage hielt,
er jedoch den Frieden für besser, und am" dritten
wollte ihm endlich weder der Krieg noch der Frie
den recht zusagen. Auf diese Weist hat sich denn
Preußen in eine ungemein lächerliche Stellung ge
bracht. Es hätte allerdings gar nichts Befremden
des mehr dargeboten, wenn Preußen um den Krieg
zu vermeiden, sich resignirt im Frieden von seinen
Gegnern daS Gesetz hätte vorschreiben lassen; aber
sich üon Cassel zurückzuziehen und die Waffen im
Arm mit einem Heer von 400,000 Mann der Wie-
dcrherstellung des Bundestags, der österreichischen
Intervention in Holstein und so vielen anderen Dingen
zuzusehen, gegen welche es abermals und abermals