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Aus See Stadt.
Rendsburg, 30. Mai.
*— Kirchenmusiktagllng. Der Plan für die
hier in Rendsburg in den Tagen vom 16. bis 19.
Juni stattfindende Kirchenmusiktagung liegt jetzt
bis in die Einzelheiten fest. Gottesdienste in litur
gischer Durcharbeitung werden gehalten von Pastor
Tonnefen-Rendsburg und Pastor Jversen-Reuen-
brook. Vorträge werden halten Pastor Voß-Kiet
über „Die Bedeutung früherer Kulturperioden für
die Gestaltung unserer Gottesdienste". Musikdirek
tor Johannsen-Kiel und Pastor Bertheau-Vargum
über „Das Orgelspiel als liturgischer Bestandteil
des Gottesdienstes. Zwei Kirchenkonzerte (Schütz
und Bach) sollen erfreuen und erbauen. Daneben
werden praktische Uebungen für Geistliche, Orga
nisten und Chordirigenten abgehalten. Alles
Nähere berichten die in allernächster Zeit zum Ver
sand kommenden Programme. Anmeldungen er
folgen an das .Kirchenbüro in Rendsburg, Prin-
zenstraße. Für Unterkunft gegen mäßige Entschä
digung wird gesorgt.
*X Bortrag über die Verhältnisse an Ruhr und
Rhein. Dem Verein für Handel, Handwerk und In
dustrie ist es gelungen, den aus dem Ruhraebiet aus
gewiesenen Stadtrat Dr. Kruse für einen öffentlichen
Vortrag am Donnerstag, den 31. Mai. abends 8 Uhr
im Germania-Hotel zu gewinnen. Es mutz begrüßt
werden, daß auch den Rendsburgern Gelegenheit ge
geben ist, aus den. Munde eines sehr guten Kenners
der Ruhrverhältnisse Schilderungen über die Vorgänge
an Rhein und Ruhr zu erhalten. Dr. Kruse ist von
Geburt Schleswig-Holsteiner und stammt aus Ran
trum bei Husum. Seit 4 Jahren gehört er dem Ma
gistrat in Recklinghausen als Mitglied an. Seine
Stellung brachte es mit sich, dafe er den französischen
Ruhreinbruch sozusagen in amtlichem Erleben durchge
macht hat. Ueber die Verhältnisse an Rhein und Ruhr
ist er daher aufs beste orientiert. Den französischen
Nachstellungen war Dr Kruse schon recht weit ausge
setzt Am Himmelfahrtstage wurde er schließlich in
aller Frühe von den Franzosen aus dem Bett geholt,
bis Mittag in Gewahrsam gehalten und dann im
Auto, von zwei Gendarmen bewacht, ins unbesetzte
Gebiet gekrackt. Seit dieser Ausweisung hat er sich
gänzlich der sa dringend nötigen Aufklärungsarbeit
hingegeben. Bereits in einer grasten Anzahl von
Städten hat er unter Spannung der Zuhörer vor
überfüllten Häusern gesvrochen, zuletzt in Flensburg.
Der starke Eindruck, den seine Vorträge hervorrufen,
beruht^ daraus, dafe er unbedingt sachlich spricht, in
lebendiger Schilderung nimmt er objektiv zu allen
Fragen und Vorgängen Stellung, ohne zu verzerren,
obne die unanaenehmen Erscheinungen zu verschweigen.
Die Ziibörer bekommen dadurch in der Tat ein zu
treffendes Bild von der Lage der Dinae, sie werden
aber auch erkennen, wie ungebeuer viel in dem Kampf
um das Ruhroebiet auf dem Spiel steht. Es steht da
her zu erwarten, dafe auch in Rendsburg die Beteili
gung an dem Vortrag stark wird. Es fei ausdrücklich
darauf hingewiesen, dafe es ein öffentlicher Vortrag
ist, an dem jeder Rendsburger Bürger teilnehmen
kann. Das Eintrittsgeld kann beliebig hoch bemessen
werden, beträgt jedoch mindestens 200 M. Der Üeber-
schufe ist für die Rubrtindcrhilfe bestimmt.
*— DienstjuSiläum. Am 1. Juni begeht
Eisenbahn-Ingenieur Ottenburg, Dienststellenvor-
fteher der Bahnmeisterei Rendsburg, sein 25jähri-
ges Dienstjubiläum.
** Das Konzert rheinischer Sänger, denen
ein sehr guter Ruf vorausgeht, sei noch einmal
in die Erinnerung gerufen. Es findet heute abend
(Beginn 8 Uhr) in der Stadthalle statt. Lieder
aus dem so reichen rheinischen Liederschatz wie aus
dem deutschen Liederschatz überhaupt werden vor
getragen. Als Solist wirkt der rheinische Konzert-
sänger I. Esser mit. Den wackeren Rheinländern,
die Strapazen durchzumachen hatten, bevor sie im
unbesetzten Deutschland waren und freier atmen
konnten, müßte ein sehr gut besuchtes Haus be-
fchieden fein.
*A Eine Bekanntmachung über Neufestsetzung
des Wertes der Natural- und Sachbezüge ab 1. 6.
1923 befindet sich im Anzeigenteil, und es fei dar
auf hingewiesen.
"D Geständige Diebe. Die vor einigen Tagen
von einer Streife der Schutzpolizei im Fockbeker
Gehölz festgenommenen Schäfer, Karnat und Post
haben eingestanden, das Eisen aus der Kiesgrube
in Fockbek entwendet zu haben. Außerdem hat
Schäfer zugegeben, zusammen mit einem noch flüch
tigen Kumpanen einen Einbruch bei dem Land
mann Pahl in Fockbek ausgeführt zu haben, wobei
ihnen Lebensmittel in die Hände fielen. Bereits
mehrere Male vorher haben sie aus der Kiesgrube
Alteisen entwendet, und dieses sowie die gestohle
nen Lebensmittel haben sie an den hiesigen Pro-
duktenhändler Johann Tiedemann verkauft, der
deshalb wegen Hehlerei ebenfalls in Haft geriet.
*0 Feuerlöschprobe. Am Freitagabend 6 Uhr
findet auf dem Paradeplatz eine Feuerlöschprobe
statt, veranstaltet von der hiesigen Freiwilligen
Feuerwehr und der Düngerfabrikwehr. Feuer
wehrleute und Interessenten werden besonders
darauf aufmerksam gemacht.
*A Der Zweimaster-Zeltzirkuo Belli, der gegen
wärtig mit gutem Eriolge in Schleswig gastiert, gibt
am Freitagabend auf dem Paradevlatz feine Eröff
nungsvorstellung. Zirkus Belli hat'Rendsburg schon
des öfteren besucht, zuletzt im Jahre 192«. Das Unter
nehmen verfügt trotz der Nöte der Zeit über ein reiches
und gutes Pkrdemateriat (34 Stück). Ueber die Lei
stungen der Artisten spricht sich die Vrovinzpresse lo
bend aus.
*A Eine Verfügung des Ministers des In
nern und des Finanzministers vom 20. 3. ordnet
an, daß auf Grund von Entschließungen des Land
tages über die Beamtenpolitik und des darauf fol
genden Beschlusses des Preußischen Staatsministe
riums die Bearbeitung der Pcrfonalangelegen-
heitcn stets nur von solchen Beamten, welche so
wohl eine hervorragende Sachkunde besitzen, wie
auch unbedingt zuverlässige Vertreter der republi
kanischen Verfassung sind, zu übertragen und die
Uebertragung in jedem Falle den genannten Mi
nistern vorzulegen sind.
* Ersatzleistung für Pakete von und nach Orten
des EinbruchgeSiets und des altbesetzten Gebiets. Es
wird vielfach Klage geführt, dafe die Ersatzleistung für
Pakete des Jnlandverkehrs von und nach Orten des
von den Franzosen und Belgiern besetzten Gebiets sich
hinauszieht, weil wegen der Eingriffe der fremden
Besatzung in das Beförderungswesen häufig nicht fest
gestellt werden kann, ob ein Verlust oder eine von der
'95,-
Ï00,-
1000,.
75,-
00,.
Der junge KMeuersn.
Von Joen Kruse.
,,Curst Le he, that moves my bones!" Diese
Erabschrift Shakespeares war Detlev von Liliencron
aus der Seele gesprochen. So sehr unterschiedlich ist
sein Ausruf: „Hand weg von meinem Leben!" von
ihr ja auch nicht. Ich erinnere mich, wie wir einmal
auf einem Spaziergang in der Umgebung Alt-Rahl-
stedts — es mag im Jahre 1907 gewesen sein, also
nicht gar lange vor dem Tode des Dichters — auf die
Verwünschung des Chatespearifchen Grabdenkmals zu
sprechen kamen und wie Liliencron mit tiefer Bitter
keit auch das Wort des schwarzgekleideten Dänenprin
zen zitierte, daß Alexanders Staub der Zapfen eines
Bierfasses geworden sei. Er schüttelte sich. Er dachte
mit einer seltsamen Mischung von Abneigung und Ge
nugtuung daran, dafe nun bald die Zeit der „Sämt
lichen Werke" für ihn gekommen sei und daß dann
auch die Nachlafeschnüffler den Staub seiner Werkstatt
aufrühren würden. Auf die „Totengräber der Lite
raturwissenschaft" war er nicht sonderlich gut zu spre
chen. Vielleicht auch deshalb nicht, weil er von ihnen
eine Zerstörung der Liliencronlegende befürchtete, die
sich allmählich gebildet hatte — und nicht ohne sein
eigenes Zutun. Denn er war durchaus der Meinung
Wilhelm Raabes über Dichterbiographien: „Je my
thischer, desto besser." Der Alte von Braunschweig tat
diese Aeußerung, als seine Freunde ihn veranlassen
wollten, eine etwas phantastische Darstellung seiner
Entwicklung zu berichtigen, die irgendwo zu seinem
70. Geburtstag erschienen war — und lächelte uner
gründlich dazu. Und seiner Meinung sind sie sicher
lich alle, die Dichter und Künstler. Dafe die wunder-
saure Erscheinung des Poggfreddichters noch besondere
Gründe haben mochte, die Nachlafeschnüffler schief an
zusehen, wäre nicht undenkbar. Sein Leben war
schwer, es brachte ihn in mancherlei Konflikte und
Notstände, die dann auch die geniusfeindlichen Ele
mente seines Wesens wachriefen und die — für seine
künstlerische Bedeutung belanglos — auf sein Leben
um so verhängnisvolleren Einfluß gewannen.
Aber die Gegenwart nimmt Dichterflüche nicht
ernst. Es ist ein Wunder, dafe sie Shakespeares Bann
wort bisher respektiert hat. Kellers Verwünschung
einer etwaigen neuen Ausgabe der Urform seines
grünen Heinrich hat nichts gefruchtet und seit Lilien
cron im Grabe liegt, guckt ihm die Literaturwissen
schaft in die Karten, dafe es eine Art hat. Von welch'
ironischem Humor ist die Tatsache, dafe es gerade eine
junge Dame sein mufe, die.ihm in ihrer (bei E. Ebe
ring-Berlin) soeben erschienenen Schrift „Detlev von
Liliencrons lyrische Anfänge" nachweist, wie sehr er
auch mit Beziehung auf sich selbst seiner Fabulierungs-
kunst habe die Zügel schießen lassen. Vielleicht regt
ihn diese Erfahrung drüben im Elysiuin zu noch ei
nem Poggfred-Cantus an. Denkbarer ist freilich, daß
er vor dieser firmen Philologin — ihr Name ist Dr.
Ilse Wichmann-Kiel — und ihrem gelehrten Apparat
den Rückzug in die innersten Gemächer des himmli
schen Poggfred antrat.
Im Ernst: Die sorusame Schrift der Verfasserin
enthüllt manches, was auch den Liliencronkenner, ja
selbst seine persönlichen Freunde überraschen wird.
Der junge Liliencron war ein ganz anderer Mensch,
als welchen der ältere ihn erscheinen liefe. Vor allem,
dieser junge Liliencron machte schon auf dem Gym
nasium und als Fähnrich und Leutnant unzählige Ver
se. Nicht gute — aber Verse immerhin. Und doch
behauptete der ältere Liliencron, dafe er erst im Al
ter von 33 Jahren die ersten Reime geschrieben habe?
Ebenso sagt die hergebrachte Liliencronlegende, daß
die erste Gedichtsammlung des Dichters als Protest ge
gen die weichliche und verschwommene Epigonenlyrik
der Eeibelzeit aufzufassen sei. Keine Spur! behauptet
Dr. Ilse Wichmann. Liliencron hat alle Urschriften
und Kladden seiner Gedichte sorgsam aufgehoben,' die
erste stammt aus dem Jahre 1861 — und damals war
Liliencron erst 17 Jahre alt. Sie weist es überzeu
gend an Hand seiner Niederschriften nach, die ihr die
Gattin des Dichters für ihre Studienzwecke anvertraut
hatte. Es stimmt auch keineswegs, dafe er mit Haut
und Haaren Soldat gewesen sei. Im Gegenteil: ver
schiedene Aufzeichnungen seiner Frühzeit ergeben, daß
er sich aus seinem Beruf wegsehnte. Er war Idealist
und Romantiker, voll Abscheu gegen den Materialis
mus und voll schwärmerischer Ideen. Den grüßten
Einfluß auf ihn hatte Lenau, der die ihm angeborene
Neigung zur Schwermut noch vertiefte. Was die
Form anbelangt, so galt ihm Platen als Meister.
Kleist verehrte er besonders, weil er in seinem tragi
schen Leben ein Spiegelbild des eigenen erblickte. Fer
ner schätzte er Eichendorff, Rückert und seine Lands
leute Storm und Eroth; von ihnen allen gibt es An
klänge in den mitgeteilten Gedichtproben, die zum gro
ßen Teil verblüffend schülerhaft, zu dilettantisch an
muten. In der Tat, dieser Dichter, der uns bei seinem
Hervortreten als die wunderbarste literarische Ano
malie erschien, nämlich als ein wirklich dichterischer
Naturalist, der uns eine Dichtung schenkte, die mit bei
nahe mystischer Originalität wirkte, ausgestattet mit
Zügen, die merkwürdig waren wie Offenbarungen und
voll der Kraft wunderbarer Einbildungskraft ohne
eine Spur von Anämie — jo farblos, so unpersönlich,
so eigenartlos dichtete er in seinen Anfängen? Ein
Gefühl der Enttäuschung will uns übermeistern. Aber
wir erkennen: nur ganz allmählich hat sich eine Li-
liencronsche Eigenart entwickelt und der eigentliche
Dichter kam überhaupt erst, wie auch unsere Lilien-
cronforscherin zugibt, im Jahre 1881/82 auf Pellworm
zuin Vorschein. Und dann hätte Liliencron ja im
Grunde mit seiner Behauptung Recht, daß er erst mit
35 Jahren zu dichten begonnen hätte? Gewiß hatte
er damals schon zahllose Verse geschrieben, aber erst
mußte er sich seinen Lehrmeistern entwachsen fühlen,
-post zu vertretende Beschädigung überhaupt vorliegt
und ein ordnungsmäßiges Ermittlungsverfahren zur
Zeit nicht durchführbar ist. Wenn auch nicht ausge-
schlosten ijt, daß manche der vermißten Sendungen noch
N.Uuterwegsorten lagern und noch nachträglich ihren
-bcjummuTtgscrt erreichen werden, so wird doch Wert
belegt, daß bk Absender in angemessener Frist
entschädigt werden, sofern sie nicht aus freien Stücken
die endgültige H-eststellung, ob ein Ersatzfall vorliegt,
abwarten wollen Dabei sollen die Postanstalten wie
>olgt verfahren Sind seit der Auflieferung mindestens
40 Tage verstrichen, so kann für Pakete aller Art des
inneren -aerkehrs von und nach Orten des Einbruchs-
gebiets oder des altbesetzten Gebiets ausnahmsweise
Eiyatz geleistet werden, wenn die Einlieferuna über
zeugend nachgewiesen ist und Absender sowie Empfän
ger glaubhaft erklärt haben, dafe die Pakete ihnen nicht
zugegangen sind. Weitere Voraussetzung für die Er
satzleistung ist, daß sich die Absender schriftlich zur Rück
gabe der Erfatzbetrage verpflichten, falls sich später
ergeben sollte, dag die Sendungen noch nachträalich
ausgehändigt worden |tnb, oder daß eine Ersatzpflicht
der Postverwaltung aus anderen Gründen überhaupt
nicht oder nicht in der Höhe der gezahlten Erfatzbeträqe
vorgelegen hat, und ferner, dafe die Persönlichkeit des
Absenders Gewahr für die Jnnehaltung dieser Ver-
PTjiffltw uiniimîmiini m mm«a
Surmen, Sport und Spiel.
Das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft in
Bcrlin. Dk Vor- und Zwischenrunde hat nunmehr
die Entscheidung zwischen Union-Oberschöneweide und
dem Hamburger Sport-Verein gelegt. Das Spiel fin
det am 10. Juni im Deutschen Stadion, Berlin-Erune-
wald, statt.
Haudel, Verkehr, Geldmarkt.
Abermalige Erhöhung der Walzeisen- und Guß-
fm Hinblick auf die in letzter Zeit eingetretene
erhebliche Martoerschlcchterung und Verteuerung der
Gestehungskosten hat der gemeinschaftliche Nichtpreis-
ausschug des Deutschen Stahlbundes nach eingehender
Erörterung eine Steigerung der Stahlbund-Ri'chtpreik
fur Thomasgüte um 31,7 Prozent vom 25. Mai ab
beschlossen. . Der Mehrpreis für Lieferung in Sie-
mens-Martins-Handelsgüte wurde auf 225 00« Jt für
Ş àlsen, ffit die übrigen Erzeugnisse entsprechend
festgesetzt. _ infolge stark erhöhter Steigerung der
Gestehungskosten hat der Verein Deutscher Eisen-
yießereieii Eiefeereiverband, die für die Zeit vom I.
bis 7. Mai geltenden Verkaufspreise ab 24. um 46
Proz. erhöht.
.Eine neue Stinncs-Beteiligung in Unaarn. Un
garischen Blattern zufolge verhandelt der Stinnes-
Künzern mit der Britisch-Ungarischen Bank zwecks An-
kaufs des in ihrem Portefeuille befindlichen Aktien-
pakets^ der Bauxit Aluminium-Erz- und Eruben-A.-G.
. . Dre Verluste bei der Nathenower Dampfmühlc,
eie zunächst auf 4 bis 5 Milliarden geschätzt wurden,
àiuukn sich nach den jetzigen Feststellungen auf 10 bis
11 Milliardeil Mark. In den Kreisen der Aktionäre
wird behauptet, daß der Aussichtsrat bereits im No
vember auf Unterschlagungen aufmerksam gemacht Wor
ten sei, der Aufsichtsrat dagegen selbst 'will erst im
April von den Unterschlagungen erfahren haben. Es
besteht Aussicht, dafe das Unternehmen, das bisher in
vollem Betrieb weiter gearbeitet hat, in jeder Bezie-
b'.'ii-- au riecht erbalten w 1 rd.
MKrdrderichte.
Itzehoe, 28. Mai. Auf dem gestriaen Ferkelmarkt
verlief der Handel wegen der geringen Zufuhr sehr
flott. Der Markt wurde zu erhöhten Preisen schnell
geräumt. Es waren ihm nur ca. 200 Stück Ferkel zu
geführt, gegen 280 Sillck in der vorigen Woche. Dir
streik zogen dnrchschnittlich um 1000 M das Pfund an.
Gezahlt wurden für gute leichte Ferkel das Stück 180-
bis 190 000 „fc, 8—10 Wochen alte Tiere 220—240 000
Riark, 10—13 Wochen 280—340 000 JL Nach Lcbcnd-
fku!tst)( wurden gute leichte Ferkel das Pfund m't
12)0—1330 ,11 gezahlt, gutgevflcgte schwere Tiere be
dangen 1160—1150 Jt. Während früher von Olden-
vurg Merkel und Läufcrschweine hier eingeführt wur
den waren heute von dort Händler hier am Marti
welche einen größeren Teil au,'kauften: die Ferkel sind
auch dort in der Umgegend sehr knapp.
Schlachtvichmattt vom 28. Mai.
Amtlicher Bericht.
Der Antrieb belief sich auf 4138 Schweine. Di-
Preije waren: I 6200, I, 6100—6200, 5900—6100
V 5800—5900 Jt, Sauen I 6000,’
IJ 3»00—ö700 Jt für das Piund Lebendgewicht. —
Handel war langsam. — Änlieferungsgebicte: Schles
wig-Holstein, Hannover, Mecklenburg.
Kälber. Antrieb: 1614. Die Preise waren-
I 3600-6200, II 4800—5500, III 3000-4000, IV 3200
bis 4000 Jt für das Piund Lebendgewicht. — Der
Handel war lebhaft. — Anliefcrungsgebktc: Schles
wig-Holstein, Hannover, Mecklenburg
„ . Hamburg den 26. Mai 1923.
Aļ> 1. 3«m .923 einschließlich sind bis auf weiterer
folgende Prämien festgesetzt:
für Rinder Ml,. 25 000.— per Strick
„ Schweine „ 12 000,— „ „
« Kälber M 5 000.— „
„ Schafe „ 2 509.— „
„ ausl. Schweine » 15 008.— „
» „ R-nder „ 25 000,— „ „
Hamburg-Altonaer Viehvrrsicherung
Gesellschaft mit beschränkter Hastpflicht.
Viehhsf SternschMZe.
mitgeteilt von 2ohs. Wiggers L Söhne, Pichkommifsionäre
in Hamburg, Schan-.enstr. 75. „Triton-Haus".
(Ohne Gewähr.)
Hamburg, den 29. Mai 1923.
Es wurde gezahlt für 50 kg Lebendgewicht
SchWeinemarLt.
al Fettschweine über 300 «... . 620000 Ji
b) beste schwere reine Sckweine üb. 260 U 610000-620000
c) mittelschwere Ware 200 bis 260 a 590000-610000 "
d) gute leichte Ware unter 200 u. . 580000-590000 "
e) geringere Ware 540000-570000
V beste Sauen 600000 "
g) geringere Sauen 550000-570000
Auftrieb: 4138 Stück.
Herkunft: Schleswig-Holstein, Hannover und Mecklenburg
Hiandel: Lebhaft. *
Kälbermarkt.
a) Doppellender ^
b) feinste Mastkälber (1. Qualität) . 560000-620000 ” ’
c) mittlere Mastkäiber (2. Qualität! , 430000-550000
d) geringere Mastkälber (3. Qualität) 360000-460000
e) Utichierne Kälber (4. Qualität) . . 320000-400000
Austrieb: 1614 Stück.
Herkunft: Schlcswig-Holltein, Hannover und Mecklenburg.
Käibcrmarkt: Lebhajt,
eh' er hervortreten mochte, ein Lyriker, dessen Seele
durch viele Alter und Gestalten gepilgert und der vor
allem von der Schwermut und dem Weltschmerz ge
nesen war. Und sowie das geschehen war, entfaltete
sich auch seine besondere Ursprünglichkeit und Unmit
telbarleit. Vielleicht ist es ihm also nicht zu verübeln,
wenn er erst von diesem Augenblick an sein Dichten
datiert wissen will. Von diesem Augenblick an fällt
von ihm auch alle Sentimentalität ab, für die der
junge Liliencron nach der Feststellung Dr. Ilse Wich-
manns sehr empfänglich war — und für die der äl
tere Liliencron, obwohl er immer etwas Hamletisches
behielt, nicht Spottworte genug finden konnte.
Wie diesen kargen Andeutungen entnommen wer
den mag, enthält das Büchlein mancherlei Interessan
tes und Ueberraschendes. Und doch: wozu bedarf mau
all dieser urkundlichen Genauigkeit über den Werde
gang eines Dichters? Man hat doch seine Dichtung!
alles, also was er geben wollte. W!e klug waren
doch Shakespeare und seine Zeitgenossen! Sie schrie
ben keine Tagebücher und sehr wenig Vrixfe — zum
großen Kummer der Schnitzelkräusler, die Goethe so
wacker ausgebeutet haben, daß sie über seine Lieb
schaften nachgerade besser Bescheid wissen, als der
Olympier selber. Soll nun auch in all die Geheim
nisse des Meisters Detlev eingedrungen werden? Ei
nen Anfang hat Dr. Ilse Wichmann gemacht, indem
sie verschiedene Eeheimrunen, die sich in seinen Ee-
dichtmanuspripten finden, zu deuten versuchte. Litera
turwissenschaft? Vortrefflich. Aber wie schwer ist der
Trennungsstrich zwischen Klatsch und Wissenschaft auf
diesem Gebiet zu ziehen! Und es gibt auch eine Wis
senschaft des nicht Wissenswerten ...
MZiLres
— Erslaufsport am Aeauator. Daß man in
der Kenja-Kolonie, die im früheren Britisch-Ost-
afrika in den Tropen liegt, nach Herzenslust dem
Eislaufsport huldigen kann, das ist eine Neuheit,
die viel Ueberraschendes hat. und es handelt sich
dabei nicht etwa um einen Sportpalast mit „künst
lichem Eis", sondern um richtiges Eis in winter
licher Hochgebirgsumgebung. Die englischen
Sportsleute beabsichtigen nämlich, einen leicht
gangbaren Weg bis in dis Hochgebirgsregion des
Kenja-Eebirges anzulegen, sodaß man in einer
bequemen Reise von 1K> Tagen in eine Höhe von
15 000 </sUß und in das Reich des ewigen Schnees
gelangt. Hier gibt es einen großen, stets zuge
frorenen See, auf dem man Schlittschuhlaufen
kann, und auch für Skilauf und Schlittenfahren
bietet sich ideale Gelegenheit. Die Bewohner von
Nairobi gelangen also rasch aus der Tropenhitze
des Aequatorgebietes in das arktische Klima des
Hochgebirges, und zwar fährt man mit dem ÄZa-
gen um 9 Uhr früh von Nairobi ab, macht um 5
Uhr nachmittags in einem komfortablen Hause
Rast und befindet sich am folgenden Morgen in
diesem Paradies des Wintersportes, wo man sich
von den tropischen Gluten nach Herzenslust erho
len kann.
— Eine romantische Erbschaft. Ein Vermö
gen von Millionen nicht etwa Papiermark, son
dern Pfund Sterling ist auf romantische Weise ei
nem in bescheidenen Verhältnissen lebenden Eng
länder zugefallen. Ter Glückspilz, der auf über
raschende Weise in den Besitz von 3 Millionen
Pfund gelangt, ist der Kapitän Harry Zeitun, ein
früherer Offizier des britischen Heeres, der sich
als Kaufmann und Reisender durchs Leben schlug.
Die Dame, die ihm „zum Dank für seine liebevolle
Sorgfalt und Anteilnahme" die Riesensumme hin
terlassen hat, ist eine reiche Amerikanerin, Mrs.
Julia Stowe Woods Davies, die Tochter des
schwerreichen Bankiers William Stowe Woods,
der Excelsior Springs in,Missouri gründete und
vor acht Jahren starb. Zeitun war eine Zeitlang
Sekretär der Dame, und als sie im Januar 1923
in Rom erkrankte, nahm er sich ihrer liebevoll an
und pflegte sie aufopfernd. Sie machte daraufhin
am 8. Mai 1922 ein Testament, in dem sie ihren
Sekretär zum alleinigen Erben ihrer amerikani
schen und englischen Besitzungen einsetzte, die einen
Wert von etwa 3 Millionen Pfund darstellen. Als
sie im Dezember vorigen Jahres starb, gelangte
Zeitun in den Besitz der Reichtümer, doch hat ihr
Mann das Testament vor den Geritchen von Mis
souri angefochten, und durch die Gerichtsverhand
lung wurde die Geschichte der romantischen Erb
schaft bekannt.
— Das höchste Honorar für eine «chaufpieler-
m. Eleonore Düse wird im kommenden Monat
an der Reuen Wiener Bühne in einigen ihrer
Hauptrollen auftreten. Sie soll das höchste Gast
spielshonorar beziehen, das je einem Künstler
selbst in diesen Milliardenzeiten gezahlt worden
ist. Sie erhält für den Abend 25 Millionen Kro-
ESSSEE
neu.
Luşirge Sàe.
Ach so! „Eine Dame wünscht den gnädigen §
zu sprechen."
„Wie sieht sie denn aus, diese Dame?"
„Wie die gnädige Frau."
„Dann sagen Sie ihr, ich bin nicht zu Hause."
— Zweifelhaftes Lob. „Es tut mir
daß Sie sich so viele Mühe geben", sagte M
einst, zu einem Sänger, der in seinem „Obe
beschäftigt war. „O bitte sehr, das macht nid
erwiderte der Künstler gefchnleichett, da er
für ein Lob hielt. „Doch, es macht sehr v
erklärte Weber. „Sie geben sich nämlich so
Mühe, lauter Roten zu singen, die nicht in
Partitur stehen,"