Full text: Newspaper volume (1923, Bd. 1)

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Aus See Stadt. 
Rendsburg, 30. Mai. 
*— Kirchenmusiktagllng. Der Plan für die 
hier in Rendsburg in den Tagen vom 16. bis 19. 
Juni stattfindende Kirchenmusiktagung liegt jetzt 
bis in die Einzelheiten fest. Gottesdienste in litur 
gischer Durcharbeitung werden gehalten von Pastor 
Tonnefen-Rendsburg und Pastor Jversen-Reuen- 
brook. Vorträge werden halten Pastor Voß-Kiet 
über „Die Bedeutung früherer Kulturperioden für 
die Gestaltung unserer Gottesdienste". Musikdirek 
tor Johannsen-Kiel und Pastor Bertheau-Vargum 
über „Das Orgelspiel als liturgischer Bestandteil 
des Gottesdienstes. Zwei Kirchenkonzerte (Schütz 
und Bach) sollen erfreuen und erbauen. Daneben 
werden praktische Uebungen für Geistliche, Orga 
nisten und Chordirigenten abgehalten. Alles 
Nähere berichten die in allernächster Zeit zum Ver 
sand kommenden Programme. Anmeldungen er 
folgen an das .Kirchenbüro in Rendsburg, Prin- 
zenstraße. Für Unterkunft gegen mäßige Entschä 
digung wird gesorgt. 
*X Bortrag über die Verhältnisse an Ruhr und 
Rhein. Dem Verein für Handel, Handwerk und In 
dustrie ist es gelungen, den aus dem Ruhraebiet aus 
gewiesenen Stadtrat Dr. Kruse für einen öffentlichen 
Vortrag am Donnerstag, den 31. Mai. abends 8 Uhr 
im Germania-Hotel zu gewinnen. Es mutz begrüßt 
werden, daß auch den Rendsburgern Gelegenheit ge 
geben ist, aus den. Munde eines sehr guten Kenners 
der Ruhrverhältnisse Schilderungen über die Vorgänge 
an Rhein und Ruhr zu erhalten. Dr. Kruse ist von 
Geburt Schleswig-Holsteiner und stammt aus Ran 
trum bei Husum. Seit 4 Jahren gehört er dem Ma 
gistrat in Recklinghausen als Mitglied an. Seine 
Stellung brachte es mit sich, dafe er den französischen 
Ruhreinbruch sozusagen in amtlichem Erleben durchge 
macht hat. Ueber die Verhältnisse an Rhein und Ruhr 
ist er daher aufs beste orientiert. Den französischen 
Nachstellungen war Dr Kruse schon recht weit ausge 
setzt Am Himmelfahrtstage wurde er schließlich in 
aller Frühe von den Franzosen aus dem Bett geholt, 
bis Mittag in Gewahrsam gehalten und dann im 
Auto, von zwei Gendarmen bewacht, ins unbesetzte 
Gebiet gekrackt. Seit dieser Ausweisung hat er sich 
gänzlich der sa dringend nötigen Aufklärungsarbeit 
hingegeben. Bereits in einer grasten Anzahl von 
Städten hat er unter Spannung der Zuhörer vor 
überfüllten Häusern gesvrochen, zuletzt in Flensburg. 
Der starke Eindruck, den seine Vorträge hervorrufen, 
beruht^ daraus, dafe er unbedingt sachlich spricht, in 
lebendiger Schilderung nimmt er objektiv zu allen 
Fragen und Vorgängen Stellung, ohne zu verzerren, 
obne die unanaenehmen Erscheinungen zu verschweigen. 
Die Ziibörer bekommen dadurch in der Tat ein zu 
treffendes Bild von der Lage der Dinae, sie werden 
aber auch erkennen, wie ungebeuer viel in dem Kampf 
um das Ruhroebiet auf dem Spiel steht. Es steht da 
her zu erwarten, dafe auch in Rendsburg die Beteili 
gung an dem Vortrag stark wird. Es fei ausdrücklich 
darauf hingewiesen, dafe es ein öffentlicher Vortrag 
ist, an dem jeder Rendsburger Bürger teilnehmen 
kann. Das Eintrittsgeld kann beliebig hoch bemessen 
werden, beträgt jedoch mindestens 200 M. Der Üeber- 
schufe ist für die Rubrtindcrhilfe bestimmt. 
*— DienstjuSiläum. Am 1. Juni begeht 
Eisenbahn-Ingenieur Ottenburg, Dienststellenvor- 
fteher der Bahnmeisterei Rendsburg, sein 25jähri- 
ges Dienstjubiläum. 
** Das Konzert rheinischer Sänger, denen 
ein sehr guter Ruf vorausgeht, sei noch einmal 
in die Erinnerung gerufen. Es findet heute abend 
(Beginn 8 Uhr) in der Stadthalle statt. Lieder 
aus dem so reichen rheinischen Liederschatz wie aus 
dem deutschen Liederschatz überhaupt werden vor 
getragen. Als Solist wirkt der rheinische Konzert- 
sänger I. Esser mit. Den wackeren Rheinländern, 
die Strapazen durchzumachen hatten, bevor sie im 
unbesetzten Deutschland waren und freier atmen 
konnten, müßte ein sehr gut besuchtes Haus be- 
fchieden fein. 
*A Eine Bekanntmachung über Neufestsetzung 
des Wertes der Natural- und Sachbezüge ab 1. 6. 
1923 befindet sich im Anzeigenteil, und es fei dar 
auf hingewiesen. 
"D Geständige Diebe. Die vor einigen Tagen 
von einer Streife der Schutzpolizei im Fockbeker 
Gehölz festgenommenen Schäfer, Karnat und Post 
haben eingestanden, das Eisen aus der Kiesgrube 
in Fockbek entwendet zu haben. Außerdem hat 
Schäfer zugegeben, zusammen mit einem noch flüch 
tigen Kumpanen einen Einbruch bei dem Land 
mann Pahl in Fockbek ausgeführt zu haben, wobei 
ihnen Lebensmittel in die Hände fielen. Bereits 
mehrere Male vorher haben sie aus der Kiesgrube 
Alteisen entwendet, und dieses sowie die gestohle 
nen Lebensmittel haben sie an den hiesigen Pro- 
duktenhändler Johann Tiedemann verkauft, der 
deshalb wegen Hehlerei ebenfalls in Haft geriet. 
*0 Feuerlöschprobe. Am Freitagabend 6 Uhr 
findet auf dem Paradeplatz eine Feuerlöschprobe 
statt, veranstaltet von der hiesigen Freiwilligen 
Feuerwehr und der Düngerfabrikwehr. Feuer 
wehrleute und Interessenten werden besonders 
darauf aufmerksam gemacht. 
*A Der Zweimaster-Zeltzirkuo Belli, der gegen 
wärtig mit gutem Eriolge in Schleswig gastiert, gibt 
am Freitagabend auf dem Paradevlatz feine Eröff 
nungsvorstellung. Zirkus Belli hat'Rendsburg schon 
des öfteren besucht, zuletzt im Jahre 192«. Das Unter 
nehmen verfügt trotz der Nöte der Zeit über ein reiches 
und gutes Pkrdemateriat (34 Stück). Ueber die Lei 
stungen der Artisten spricht sich die Vrovinzpresse lo 
bend aus. 
*A Eine Verfügung des Ministers des In 
nern und des Finanzministers vom 20. 3. ordnet 
an, daß auf Grund von Entschließungen des Land 
tages über die Beamtenpolitik und des darauf fol 
genden Beschlusses des Preußischen Staatsministe 
riums die Bearbeitung der Pcrfonalangelegen- 
heitcn stets nur von solchen Beamten, welche so 
wohl eine hervorragende Sachkunde besitzen, wie 
auch unbedingt zuverlässige Vertreter der republi 
kanischen Verfassung sind, zu übertragen und die 
Uebertragung in jedem Falle den genannten Mi 
nistern vorzulegen sind. 
* Ersatzleistung für Pakete von und nach Orten 
des EinbruchgeSiets und des altbesetzten Gebiets. Es 
wird vielfach Klage geführt, dafe die Ersatzleistung für 
Pakete des Jnlandverkehrs von und nach Orten des 
von den Franzosen und Belgiern besetzten Gebiets sich 
hinauszieht, weil wegen der Eingriffe der fremden 
Besatzung in das Beförderungswesen häufig nicht fest 
gestellt werden kann, ob ein Verlust oder eine von der 
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1000,. 
75,- 
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Der junge KMeuersn. 
Von Joen Kruse. 
,,Curst Le he, that moves my bones!" Diese 
Erabschrift Shakespeares war Detlev von Liliencron 
aus der Seele gesprochen. So sehr unterschiedlich ist 
sein Ausruf: „Hand weg von meinem Leben!" von 
ihr ja auch nicht. Ich erinnere mich, wie wir einmal 
auf einem Spaziergang in der Umgebung Alt-Rahl- 
stedts — es mag im Jahre 1907 gewesen sein, also 
nicht gar lange vor dem Tode des Dichters — auf die 
Verwünschung des Chatespearifchen Grabdenkmals zu 
sprechen kamen und wie Liliencron mit tiefer Bitter 
keit auch das Wort des schwarzgekleideten Dänenprin 
zen zitierte, daß Alexanders Staub der Zapfen eines 
Bierfasses geworden sei. Er schüttelte sich. Er dachte 
mit einer seltsamen Mischung von Abneigung und Ge 
nugtuung daran, dafe nun bald die Zeit der „Sämt 
lichen Werke" für ihn gekommen sei und daß dann 
auch die Nachlafeschnüffler den Staub seiner Werkstatt 
aufrühren würden. Auf die „Totengräber der Lite 
raturwissenschaft" war er nicht sonderlich gut zu spre 
chen. Vielleicht auch deshalb nicht, weil er von ihnen 
eine Zerstörung der Liliencronlegende befürchtete, die 
sich allmählich gebildet hatte — und nicht ohne sein 
eigenes Zutun. Denn er war durchaus der Meinung 
Wilhelm Raabes über Dichterbiographien: „Je my 
thischer, desto besser." Der Alte von Braunschweig tat 
diese Aeußerung, als seine Freunde ihn veranlassen 
wollten, eine etwas phantastische Darstellung seiner 
Entwicklung zu berichtigen, die irgendwo zu seinem 
70. Geburtstag erschienen war — und lächelte uner 
gründlich dazu. Und seiner Meinung sind sie sicher 
lich alle, die Dichter und Künstler. Dafe die wunder- 
saure Erscheinung des Poggfreddichters noch besondere 
Gründe haben mochte, die Nachlafeschnüffler schief an 
zusehen, wäre nicht undenkbar. Sein Leben war 
schwer, es brachte ihn in mancherlei Konflikte und 
Notstände, die dann auch die geniusfeindlichen Ele 
mente seines Wesens wachriefen und die — für seine 
künstlerische Bedeutung belanglos — auf sein Leben 
um so verhängnisvolleren Einfluß gewannen. 
Aber die Gegenwart nimmt Dichterflüche nicht 
ernst. Es ist ein Wunder, dafe sie Shakespeares Bann 
wort bisher respektiert hat. Kellers Verwünschung 
einer etwaigen neuen Ausgabe der Urform seines 
grünen Heinrich hat nichts gefruchtet und seit Lilien 
cron im Grabe liegt, guckt ihm die Literaturwissen 
schaft in die Karten, dafe es eine Art hat. Von welch' 
ironischem Humor ist die Tatsache, dafe es gerade eine 
junge Dame sein mufe, die.ihm in ihrer (bei E. Ebe 
ring-Berlin) soeben erschienenen Schrift „Detlev von 
Liliencrons lyrische Anfänge" nachweist, wie sehr er 
auch mit Beziehung auf sich selbst seiner Fabulierungs- 
kunst habe die Zügel schießen lassen. Vielleicht regt 
ihn diese Erfahrung drüben im Elysiuin zu noch ei 
nem Poggfred-Cantus an. Denkbarer ist freilich, daß 
er vor dieser firmen Philologin — ihr Name ist Dr. 
Ilse Wichmann-Kiel — und ihrem gelehrten Apparat 
den Rückzug in die innersten Gemächer des himmli 
schen Poggfred antrat. 
Im Ernst: Die sorusame Schrift der Verfasserin 
enthüllt manches, was auch den Liliencronkenner, ja 
selbst seine persönlichen Freunde überraschen wird. 
Der junge Liliencron war ein ganz anderer Mensch, 
als welchen der ältere ihn erscheinen liefe. Vor allem, 
dieser junge Liliencron machte schon auf dem Gym 
nasium und als Fähnrich und Leutnant unzählige Ver 
se. Nicht gute — aber Verse immerhin. Und doch 
behauptete der ältere Liliencron, dafe er erst im Al 
ter von 33 Jahren die ersten Reime geschrieben habe? 
Ebenso sagt die hergebrachte Liliencronlegende, daß 
die erste Gedichtsammlung des Dichters als Protest ge 
gen die weichliche und verschwommene Epigonenlyrik 
der Eeibelzeit aufzufassen sei. Keine Spur! behauptet 
Dr. Ilse Wichmann. Liliencron hat alle Urschriften 
und Kladden seiner Gedichte sorgsam aufgehoben,' die 
erste stammt aus dem Jahre 1861 — und damals war 
Liliencron erst 17 Jahre alt. Sie weist es überzeu 
gend an Hand seiner Niederschriften nach, die ihr die 
Gattin des Dichters für ihre Studienzwecke anvertraut 
hatte. Es stimmt auch keineswegs, dafe er mit Haut 
und Haaren Soldat gewesen sei. Im Gegenteil: ver 
schiedene Aufzeichnungen seiner Frühzeit ergeben, daß 
er sich aus seinem Beruf wegsehnte. Er war Idealist 
und Romantiker, voll Abscheu gegen den Materialis 
mus und voll schwärmerischer Ideen. Den grüßten 
Einfluß auf ihn hatte Lenau, der die ihm angeborene 
Neigung zur Schwermut noch vertiefte. Was die 
Form anbelangt, so galt ihm Platen als Meister. 
Kleist verehrte er besonders, weil er in seinem tragi 
schen Leben ein Spiegelbild des eigenen erblickte. Fer 
ner schätzte er Eichendorff, Rückert und seine Lands 
leute Storm und Eroth; von ihnen allen gibt es An 
klänge in den mitgeteilten Gedichtproben, die zum gro 
ßen Teil verblüffend schülerhaft, zu dilettantisch an 
muten. In der Tat, dieser Dichter, der uns bei seinem 
Hervortreten als die wunderbarste literarische Ano 
malie erschien, nämlich als ein wirklich dichterischer 
Naturalist, der uns eine Dichtung schenkte, die mit bei 
nahe mystischer Originalität wirkte, ausgestattet mit 
Zügen, die merkwürdig waren wie Offenbarungen und 
voll der Kraft wunderbarer Einbildungskraft ohne 
eine Spur von Anämie — jo farblos, so unpersönlich, 
so eigenartlos dichtete er in seinen Anfängen? Ein 
Gefühl der Enttäuschung will uns übermeistern. Aber 
wir erkennen: nur ganz allmählich hat sich eine Li- 
liencronsche Eigenart entwickelt und der eigentliche 
Dichter kam überhaupt erst, wie auch unsere Lilien- 
cronforscherin zugibt, im Jahre 1881/82 auf Pellworm 
zuin Vorschein. Und dann hätte Liliencron ja im 
Grunde mit seiner Behauptung Recht, daß er erst mit 
35 Jahren zu dichten begonnen hätte? Gewiß hatte 
er damals schon zahllose Verse geschrieben, aber erst 
mußte er sich seinen Lehrmeistern entwachsen fühlen, 
-post zu vertretende Beschädigung überhaupt vorliegt 
und ein ordnungsmäßiges Ermittlungsverfahren zur 
Zeit nicht durchführbar ist. Wenn auch nicht ausge- 
schlosten ijt, daß manche der vermißten Sendungen noch 
N.Uuterwegsorten lagern und noch nachträglich ihren 
-bcjummuTtgscrt erreichen werden, so wird doch Wert 
belegt, daß bk Absender in angemessener Frist 
entschädigt werden, sofern sie nicht aus freien Stücken 
die endgültige H-eststellung, ob ein Ersatzfall vorliegt, 
abwarten wollen Dabei sollen die Postanstalten wie 
>olgt verfahren Sind seit der Auflieferung mindestens 
40 Tage verstrichen, so kann für Pakete aller Art des 
inneren -aerkehrs von und nach Orten des Einbruchs- 
gebiets oder des altbesetzten Gebiets ausnahmsweise 
Eiyatz geleistet werden, wenn die Einlieferuna über 
zeugend nachgewiesen ist und Absender sowie Empfän 
ger glaubhaft erklärt haben, dafe die Pakete ihnen nicht 
zugegangen sind. Weitere Voraussetzung für die Er 
satzleistung ist, daß sich die Absender schriftlich zur Rück 
gabe der Erfatzbetrage verpflichten, falls sich später 
ergeben sollte, dag die Sendungen noch nachträalich 
ausgehändigt worden |tnb, oder daß eine Ersatzpflicht 
der Postverwaltung aus anderen Gründen überhaupt 
nicht oder nicht in der Höhe der gezahlten Erfatzbeträqe 
vorgelegen hat, und ferner, dafe die Persönlichkeit des 
Absenders Gewahr für die Jnnehaltung dieser Ver- 
PTjiffltw uiniimîmiini m mm«a 
Surmen, Sport und Spiel. 
Das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft in 
Bcrlin. Dk Vor- und Zwischenrunde hat nunmehr 
die Entscheidung zwischen Union-Oberschöneweide und 
dem Hamburger Sport-Verein gelegt. Das Spiel fin 
det am 10. Juni im Deutschen Stadion, Berlin-Erune- 
wald, statt. 
Haudel, Verkehr, Geldmarkt. 
Abermalige Erhöhung der Walzeisen- und Guß- 
fm Hinblick auf die in letzter Zeit eingetretene 
erhebliche Martoerschlcchterung und Verteuerung der 
Gestehungskosten hat der gemeinschaftliche Nichtpreis- 
ausschug des Deutschen Stahlbundes nach eingehender 
Erörterung eine Steigerung der Stahlbund-Ri'chtpreik 
fur Thomasgüte um 31,7 Prozent vom 25. Mai ab 
beschlossen. . Der Mehrpreis für Lieferung in Sie- 
mens-Martins-Handelsgüte wurde auf 225 00« Jt für 
Ş àlsen, ffit die übrigen Erzeugnisse entsprechend 
festgesetzt. _ infolge stark erhöhter Steigerung der 
Gestehungskosten hat der Verein Deutscher Eisen- 
yießereieii Eiefeereiverband, die für die Zeit vom I. 
bis 7. Mai geltenden Verkaufspreise ab 24. um 46 
Proz. erhöht. 
.Eine neue Stinncs-Beteiligung in Unaarn. Un 
garischen Blattern zufolge verhandelt der Stinnes- 
Künzern mit der Britisch-Ungarischen Bank zwecks An- 
kaufs des in ihrem Portefeuille befindlichen Aktien- 
pakets^ der Bauxit Aluminium-Erz- und Eruben-A.-G. 
. . Dre Verluste bei der Nathenower Dampfmühlc, 
eie zunächst auf 4 bis 5 Milliarden geschätzt wurden, 
àiuukn sich nach den jetzigen Feststellungen auf 10 bis 
11 Milliardeil Mark. In den Kreisen der Aktionäre 
wird behauptet, daß der Aussichtsrat bereits im No 
vember auf Unterschlagungen aufmerksam gemacht Wor 
ten sei, der Aufsichtsrat dagegen selbst 'will erst im 
April von den Unterschlagungen erfahren haben. Es 
besteht Aussicht, dafe das Unternehmen, das bisher in 
vollem Betrieb weiter gearbeitet hat, in jeder Bezie- 
b'.'ii-- au riecht erbalten w 1 rd. 
MKrdrderichte. 
Itzehoe, 28. Mai. Auf dem gestriaen Ferkelmarkt 
verlief der Handel wegen der geringen Zufuhr sehr 
flott. Der Markt wurde zu erhöhten Preisen schnell 
geräumt. Es waren ihm nur ca. 200 Stück Ferkel zu 
geführt, gegen 280 Sillck in der vorigen Woche. Dir 
streik zogen dnrchschnittlich um 1000 M das Pfund an. 
Gezahlt wurden für gute leichte Ferkel das Stück 180- 
bis 190 000 „fc, 8—10 Wochen alte Tiere 220—240 000 
Riark, 10—13 Wochen 280—340 000 JL Nach Lcbcnd- 
fku!tst)( wurden gute leichte Ferkel das Pfund m't 
12)0—1330 ,11 gezahlt, gutgevflcgte schwere Tiere be 
dangen 1160—1150 Jt. Während früher von Olden- 
vurg Merkel und Läufcrschweine hier eingeführt wur 
den waren heute von dort Händler hier am Marti 
welche einen größeren Teil au,'kauften: die Ferkel sind 
auch dort in der Umgegend sehr knapp. 
Schlachtvichmattt vom 28. Mai. 
Amtlicher Bericht. 
Der Antrieb belief sich auf 4138 Schweine. Di- 
Preije waren: I 6200, I, 6100—6200, 5900—6100 
V 5800—5900 Jt, Sauen I 6000,’ 
IJ 3»00—ö700 Jt für das Piund Lebendgewicht. — 
Handel war langsam. — Änlieferungsgebicte: Schles 
wig-Holstein, Hannover, Mecklenburg. 
Kälber. Antrieb: 1614. Die Preise waren- 
I 3600-6200, II 4800—5500, III 3000-4000, IV 3200 
bis 4000 Jt für das Piund Lebendgewicht. — Der 
Handel war lebhaft. — Anliefcrungsgebktc: Schles 
wig-Holstein, Hannover, Mecklenburg 
„ . Hamburg den 26. Mai 1923. 
Aļ> 1. 3«m .923 einschließlich sind bis auf weiterer 
folgende Prämien festgesetzt: 
für Rinder Ml,. 25 000.— per Strick 
„ Schweine „ 12 000,— „ „ 
« Kälber M 5 000.— „ 
„ Schafe „ 2 509.— „ 
„ ausl. Schweine » 15 008.— „ 
» „ R-nder „ 25 000,— „ „ 
Hamburg-Altonaer Viehvrrsicherung 
Gesellschaft mit beschränkter Hastpflicht. 
Viehhsf SternschMZe. 
mitgeteilt von 2ohs. Wiggers L Söhne, Pichkommifsionäre 
in Hamburg, Schan-.enstr. 75. „Triton-Haus". 
(Ohne Gewähr.) 
Hamburg, den 29. Mai 1923. 
Es wurde gezahlt für 50 kg Lebendgewicht 
SchWeinemarLt. 
al Fettschweine über 300 «... . 620000 Ji 
b) beste schwere reine Sckweine üb. 260 U 610000-620000 
c) mittelschwere Ware 200 bis 260 a 590000-610000 " 
d) gute leichte Ware unter 200 u. . 580000-590000 " 
e) geringere Ware 540000-570000 
V beste Sauen 600000 " 
g) geringere Sauen 550000-570000 
Auftrieb: 4138 Stück. 
Herkunft: Schleswig-Holstein, Hannover und Mecklenburg 
Hiandel: Lebhaft. * 
Kälbermarkt. 
a) Doppellender ^ 
b) feinste Mastkälber (1. Qualität) . 560000-620000 ” ’ 
c) mittlere Mastkäiber (2. Qualität! , 430000-550000 
d) geringere Mastkälber (3. Qualität) 360000-460000 
e) Utichierne Kälber (4. Qualität) . . 320000-400000 
Austrieb: 1614 Stück. 
Herkunft: Schlcswig-Holltein, Hannover und Mecklenburg. 
Käibcrmarkt: Lebhajt, 
eh' er hervortreten mochte, ein Lyriker, dessen Seele 
durch viele Alter und Gestalten gepilgert und der vor 
allem von der Schwermut und dem Weltschmerz ge 
nesen war. Und sowie das geschehen war, entfaltete 
sich auch seine besondere Ursprünglichkeit und Unmit 
telbarleit. Vielleicht ist es ihm also nicht zu verübeln, 
wenn er erst von diesem Augenblick an sein Dichten 
datiert wissen will. Von diesem Augenblick an fällt 
von ihm auch alle Sentimentalität ab, für die der 
junge Liliencron nach der Feststellung Dr. Ilse Wich- 
manns sehr empfänglich war — und für die der äl 
tere Liliencron, obwohl er immer etwas Hamletisches 
behielt, nicht Spottworte genug finden konnte. 
Wie diesen kargen Andeutungen entnommen wer 
den mag, enthält das Büchlein mancherlei Interessan 
tes und Ueberraschendes. Und doch: wozu bedarf mau 
all dieser urkundlichen Genauigkeit über den Werde 
gang eines Dichters? Man hat doch seine Dichtung! 
alles, also was er geben wollte. W!e klug waren 
doch Shakespeare und seine Zeitgenossen! Sie schrie 
ben keine Tagebücher und sehr wenig Vrixfe — zum 
großen Kummer der Schnitzelkräusler, die Goethe so 
wacker ausgebeutet haben, daß sie über seine Lieb 
schaften nachgerade besser Bescheid wissen, als der 
Olympier selber. Soll nun auch in all die Geheim 
nisse des Meisters Detlev eingedrungen werden? Ei 
nen Anfang hat Dr. Ilse Wichmann gemacht, indem 
sie verschiedene Eeheimrunen, die sich in seinen Ee- 
dichtmanuspripten finden, zu deuten versuchte. Litera 
turwissenschaft? Vortrefflich. Aber wie schwer ist der 
Trennungsstrich zwischen Klatsch und Wissenschaft auf 
diesem Gebiet zu ziehen! Und es gibt auch eine Wis 
senschaft des nicht Wissenswerten ... 
MZiLres 
— Erslaufsport am Aeauator. Daß man in 
der Kenja-Kolonie, die im früheren Britisch-Ost- 
afrika in den Tropen liegt, nach Herzenslust dem 
Eislaufsport huldigen kann, das ist eine Neuheit, 
die viel Ueberraschendes hat. und es handelt sich 
dabei nicht etwa um einen Sportpalast mit „künst 
lichem Eis", sondern um richtiges Eis in winter 
licher Hochgebirgsumgebung. Die englischen 
Sportsleute beabsichtigen nämlich, einen leicht 
gangbaren Weg bis in dis Hochgebirgsregion des 
Kenja-Eebirges anzulegen, sodaß man in einer 
bequemen Reise von 1K> Tagen in eine Höhe von 
15 000 </sUß und in das Reich des ewigen Schnees 
gelangt. Hier gibt es einen großen, stets zuge 
frorenen See, auf dem man Schlittschuhlaufen 
kann, und auch für Skilauf und Schlittenfahren 
bietet sich ideale Gelegenheit. Die Bewohner von 
Nairobi gelangen also rasch aus der Tropenhitze 
des Aequatorgebietes in das arktische Klima des 
Hochgebirges, und zwar fährt man mit dem ÄZa- 
gen um 9 Uhr früh von Nairobi ab, macht um 5 
Uhr nachmittags in einem komfortablen Hause 
Rast und befindet sich am folgenden Morgen in 
diesem Paradies des Wintersportes, wo man sich 
von den tropischen Gluten nach Herzenslust erho 
len kann. 
— Eine romantische Erbschaft. Ein Vermö 
gen von Millionen nicht etwa Papiermark, son 
dern Pfund Sterling ist auf romantische Weise ei 
nem in bescheidenen Verhältnissen lebenden Eng 
länder zugefallen. Ter Glückspilz, der auf über 
raschende Weise in den Besitz von 3 Millionen 
Pfund gelangt, ist der Kapitän Harry Zeitun, ein 
früherer Offizier des britischen Heeres, der sich 
als Kaufmann und Reisender durchs Leben schlug. 
Die Dame, die ihm „zum Dank für seine liebevolle 
Sorgfalt und Anteilnahme" die Riesensumme hin 
terlassen hat, ist eine reiche Amerikanerin, Mrs. 
Julia Stowe Woods Davies, die Tochter des 
schwerreichen Bankiers William Stowe Woods, 
der Excelsior Springs in,Missouri gründete und 
vor acht Jahren starb. Zeitun war eine Zeitlang 
Sekretär der Dame, und als sie im Januar 1923 
in Rom erkrankte, nahm er sich ihrer liebevoll an 
und pflegte sie aufopfernd. Sie machte daraufhin 
am 8. Mai 1922 ein Testament, in dem sie ihren 
Sekretär zum alleinigen Erben ihrer amerikani 
schen und englischen Besitzungen einsetzte, die einen 
Wert von etwa 3 Millionen Pfund darstellen. Als 
sie im Dezember vorigen Jahres starb, gelangte 
Zeitun in den Besitz der Reichtümer, doch hat ihr 
Mann das Testament vor den Geritchen von Mis 
souri angefochten, und durch die Gerichtsverhand 
lung wurde die Geschichte der romantischen Erb 
schaft bekannt. 
— Das höchste Honorar für eine «chaufpieler- 
m. Eleonore Düse wird im kommenden Monat 
an der Reuen Wiener Bühne in einigen ihrer 
Hauptrollen auftreten. Sie soll das höchste Gast 
spielshonorar beziehen, das je einem Künstler 
selbst in diesen Milliardenzeiten gezahlt worden 
ist. Sie erhält für den Abend 25 Millionen Kro- 
ESSSEE 
neu. 
Luşirge Sàe. 
Ach so! „Eine Dame wünscht den gnädigen § 
zu sprechen." 
„Wie sieht sie denn aus, diese Dame?" 
„Wie die gnädige Frau." 
„Dann sagen Sie ihr, ich bin nicht zu Hause." 
— Zweifelhaftes Lob. „Es tut mir 
daß Sie sich so viele Mühe geben", sagte M 
einst, zu einem Sänger, der in seinem „Obe 
beschäftigt war. „O bitte sehr, das macht nid 
erwiderte der Künstler gefchnleichett, da er 
für ein Lob hielt. „Doch, es macht sehr v 
erklärte Weber. „Sie geben sich nämlich so 
Mühe, lauter Roten zu singen, die nicht in 
Partitur stehen,"
	        
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