Full text: Newspaper volume (1885)

UbvouementSpreiS: 
Hieneljährlich 2 JL — frei ins Haus geliefert 2 Ji 15 
- für Auswärtige, die das Blatt durch die Post 
beziehen 2 JL 25 ^ incl. Postprovisiou tc., jedoch ohne 
Bestellgeld. 
78stcr Jahrgang. 
Erscheint Mittwoch und Sonnabend Morgens. 
Als belletristisch- Beilage wird dem Blatte wöchentlich einmal die „Jllustrtrtc Familicn-Zeitunz' detzeg-d-n 
als landwirthschaftliche Beilage monatlich »Der Laildwirth". 
JņsertioĢreiķ: 
Für die Corpuszcile 15 für die Petitzeile 10 ^ 
Anzeigen werden für die Mittwoch-Rr. bit Dienstag 
für die Sonnabend-Nr. bis Freitag, Mttags 12 Uhr 
erbeten. 
Mttwoch. 
Sa :ZÄ. 
22. Mril 1885 
C Rundschau. 
Der am 14, April wieder zusammengetretene 
deutsche Reichstag begann seine Arbeiten mit der 
Fortsetzung der Berathung der Zolliarifnovelle. 
Er setzte dieselbe aber bald bis zum 16. April 
»Us um andere auf der Tagesordnung stehende 
Angelegenheiten zur Erledigung zu bringen D.e 
Anträge Munkcl und Reichensperger auf Wieder- 
einsührung der Berufung in Strafsachen wurde» 
»ach kurzer Debatte und nachdem der Staats- 
s-kretair von Sch-lling über die diesbezügliche» 
Absichten des Reichskanzlers einige Erklärungen 
abgegeben hatte, durch den Utberpn^ |»r 
fachen Tagesordnung erledigt. Dl- zweite Lesung 
des Antrags, betreffend die Entschädigung für im 
gerichtlichen Wiederaufnahme • Verfahren s«,ge 
sprochene Personen, endete mit dem Beschluß aus 
Vornahme einer Kommissionsberaihung. Die 
Reichsbeamtengesktznovelle, welche ^ eine straffe 
Handhabung der Beamiendtsctpltn »» Auge ha 
wurde gegen die Stimmen der Konservativen un 
der Siationalliberalen abgelehnt. Hierauf würd 
die Beratbung der Zolltarifnovelle fortgesetzt. X\t 
vorgeschlagenen Zolle auf Asbest, Cement, Clcho- 
rien, Branntwein (von 48 auf 80 Mk. erhöh ), 
Fisch, Geflügel, Wild, Honig etc. wurden geneb- 
niigt. Der von Schorlemer-Alst beantragte Zoll 
aus Kunstbutler wurde abgelehnt. — Das preuß. 
Abgeordnetenhaus genehmigte das von den Frei- 
konservativen und Nationalliberalen eingebrachte 
Lehrcrpensiviisgesetz nach den Kouimissionsbeschlüffen 
endgültig, und zwar mit sehr großer Mehrheit. 
Die Regierung wird demselben jedoch ihre Zu 
stimmung nicht ertheilen, weil das Haus daS 
Mari,»um des auf di- Staatskasse zu übernehmen, 
den Pensionsbetrags auf.750 Mk. festgesetzt hat, 
anstatt auf nur 600 Mk. Di- Petition der Lehrer 
der höheren preuß. Lehranstalten um Gleich,tellung 
im Rang mit de» Richtern erster Instanz wurde 
der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. 
— Der» Bundesrath ging nicht nur der Entwurf 
eines Auslicferungsvertrags mit Rußland, sondern 
auch ein Gesetzentwurf betreffend die Fürsorge für 
die Beamten und deren Hinterbliebene, in Folge 
von Unfällen im Dienste, zu. Dieser Gesetzentwurf 
ist eine Ergänzung des Unfallvcrsicherungsgesetzes. 
Gegen den Entwurf eines deutsch« russischen Aus 
lies e r u n g ê Vertrags machte die ganze unabhängige 
Presse bereits entschieden Front und sprach die 
Erwartung aus, daß der Reichstag ihn ablehnen 
werde. — Herr von Schorlemer-Alst hat, wie er 
seinen Wählern mittheilte, sein Reichstagsmandat 
aus Gesundhcilsrücksichtkn niedergelegt. Sein 
uv.«dar iür's preuß. Abgeordnetenhaus wird er 
^ ^»-ballen Die „SchutzzöllnerischeBereinigung" 
ktlr ìm àn ihrer tüchtigsten Anwälte di 
Sv« verloren. - Di- „Nordd. allg. 
Rn'" ,peilte als bestimmt mit. daß der Kanzler 
d^Absich. ege, die Zinsen des „Restes der Bis 
marckspende" (ca. 50.000 Mk.) speziell für Kandi 
dat eii und Studenten des hoher» Lehramts zu 
stifte», da die Summe zu einer Verwendung für 
sozialpolitische Zwecke viel zu klein sei. 
Die österretchlsch-ungarische Reichsregierung soll, 
gemeinsam mit der Berliner, im Sinne einer 
friedlichen Beilegung des englisch-russischen Grenz- 
streiies Anstrengungen machen, und für den äußer 
sten Fall sollen sich die Anstrengungen der Diplo 
matie darauf richten, den Krieg zu localisiren. 
— Das Bismarckffche Project einer Alters- und 
Jnvaliditätsversicherung hat auf den Wiener Gc- 
rneinderath ansteckend gewirkt. In demselben 
wurde soeben die Gründung eines allgemeinen 
Versorgungsinstituts und einer allgemeinen Kran 
ken- und Invaliden - Kasse für Angehörige der 
Stadt Wie» beantragt. Der Vorschlag, der sich 
also nicht auf die Lohnarbeiterkasse beschränkt, 
scheint auf allgemeine Sympathie gestoßen zu sein. 
Die französischen Republikaner sind sehr mißge 
stimmt über die Schlappe, welche sie bei den so 
eben in 5 Departements vorgenommenen 7 Genc- 
ralrathswahlen erlitten haben. Die Monarchisten 
hatten von den 7 in Frage kommende» Sitzen 
bisher nur 2 inne, sie gewannen jetzt aber noch 
3 hinzu. Der Umstand, daß die geschlagenen 
republikanischen Kandidaten der opportunistischen 
tkhlmals gambettistischen) Partei angehöre», bildet 
für die radikalen und die gemäßigten Republikaner 
einen kleine» Trost. Der Finanzminister des neuen 
Ministeriums, Clamagera», fühlte sich schon ver 
anlaßt, ans dem Kabinet auszutreteii, und zwar 
wegen Meinungsdifferenzen mit den übrigen 
Portefeuille - Inhabern. Sein Nachfolger heißt 
Sadicarnot. Zum Arbeitsminister wurde Dèmoîe 
ernannt. — Trotzdem die Regierungen von Frank 
reich und China sich auf Grund der Friedens 
präliminarien vereinbarten, die Feindseligkeiten 
einzustellen, scheinen die chinesischen Truppen in 
Tongkin vor einigen Tagen noch nicht dahin in- 
struirt gewesen zu sein. Denn General Brière 
berichtete, daß die französischen Truppen an ver 
schiedenen Punkten chinesische Angriffe abgeschlagen 
haben. 
Die in London angelangte neueste „russische 
Antwort" soll in der Form sehr friedfertig gehal 
ten sein, aber die Abtretung rer Stadt Pendscheh 
von Seilen Afghanistans an Rußland verlangen. 
Pian ist gespannt, ob sich England dazu verstehe» 
wird. Durch ein solches Zugeständniß würde der 
Friede allerdings erhalten bleibe». In einigen 
Jahren aber würde Rußland ohne Zweifel eine 
weitere Gebietsabtretung fordern und so weiter, 
bis seine Truppen an der indischen Grenze ange 
langt sein würden, und schließlich würde der 
Zweikampf doch nicht zu umgehen sein. Je länger 
derselbe verschoben wird, desto geringer werden 
die Siegeschancen für England. — General 
Kvmarow soll in Pendscheh bereits eine provisorische 
Regierung eingesetzt habe», worin im Grunde eine 
neue Provocation liegt. England setzt seine Rü 
stungen übrigens mit vermehrtem Eifer fort. 
Lord Dnfferin hielt in Lahore, nach seiner 
Rückkunft von Rawul Pindi, vor den versammel 
ten indischen Fürsten eine Rede, die darin gipfelte, 
daß er England als friedferlig, Rußland als 
Friedensstörer hinstellte. Die „Moskauer Zig." 
aber antwortete darauf: „Umgekehrt wird ein 
Schub daraus. Denn England rüstet mit alle» 
Mitteln, während Rußland in letzter Zeit keinen 
Mann kriegsfcrtig machte." Das genannte 
panslawistische Blatt verschwieg aber, daß die 
jenigen russischen Truppen, welche bei einen« Krieg 
gegen England zur Verwendung kommen, längst 
kriegsbereit sind. — 3» den afghanische» Moscheen 
wird von den Mollahs der heilige Krieg gegen 
die Russen gepredigt, die sich dadurch aber schwer 
lich imponiren lassen werden. — 
Berlin. Dem Reichstag sind bis jetzt die Be 
schlüsse der Jinpfkommission zugegangen; 
eS ist dies vielleicht das umfassendste Schriftstück 
des Reichstages (92 Druckbogen mit 365 Quart- 
seiten). Die Beschlüsse der 3mpfkommission. be 
treffend den physiologischen und pathologischen 
Stand der Jmpffrage, lauten: 
II Das einmalige Neberslehen der Pockeickrankheit ver- 
leiht mit seltenen Ausnahmen Schutz gegen ein nochina- 
tiges Pefalleitwerviii derselben. 
2> Die Impfung mit Vaccine ist im Stande, einen 
ähniicbcn Schutz zu bewirken. 
3) Die Dauer des durch Impfung erzielten Schutzes 
gegen Pocken schwankt innerhalb weiter Grenzen, beträgt 
aber im Durchschnitt zehn Jahre. 
4) Um kitten ausreichende» Jmpkichtch zu erzielen, sind 
mindestens zwei entw:ckelte Jmpfpocken erforderlich. _ 
5! ES bedarf einer Wiederimpfung nach Ablauf von 
zehn Jahren nach der ersten Impfung. 
6) DnS Geimpfisem der Umgebuitß erhöht den rela 
tiven Schutz welchen der Einzelne gegen die Pocken- 
ktankheit erworben hat, und die Impfung gewährt dem- 
nach nicht nur einen ittdividnelien, sondern auch allge 
meinen Nutzen in Bezug aus Pockengefahr. 
71 Die ompfung kann unter Umständen mit Gefahr 
sät den Impfling verblenden sein. Bei der Impfung mit 
Meuschenltzntphe ist die Gefahr der Uebertragung von 
Syphilis. obwohl außerordentlich geriito, doch nicht gänz 
lich anSgeschioffen, Von otiberen Jmpfschädigungeu kom 
men nachweisbar nur accidentielle Wundkrankheilen vor. 
Alte diese Gefahren können durch sorgfältige Ausführung 
der Impfung acts einen so geringen Umfang beschränkt 
werden, daß der Nutzen der Impfung den evenineUcn 
Schaden derselben unendlich überwiegt, 
8) Seit Einführung der Impfung hat sich keine wissen- 
schafttich nachweisbare Zunahme bestimmter Krankheiten 
oder der Sterblichkeit im Allgemeinen geUcnd gemacht, 
welche als elite Folge der Impfung anzusehen wäre, 
Köln, 17, April. In her gestrigen Stadlraths- 
sitzunz erreg!- gelegentlich einer Debatte über Vie 
Provinzialumlage die Mittheilung Aufsehen, daß 
von der durch die Rheinprovinz aufzubringenden 
St a atsste uer von 3,180,000 Mk. Köln allein 
370,000 Mk., also ungefähr '/a der ganzen Um 
lage tragen müsse, während unsere Stadt nur 
*/ 2 s der Bevölkerung und V40 der Vertretung 
der Provinz in den iegislaliven Körperschaften 
habe. Köln mit seinen 153,000 Einwohner» 
bringt gerade so viel Slaatssteuer auf, als Düssel 
dorf. Elberfeld. Barmen und Crefeld mit insge 
sammt 405,000 Einwohnern zusantmeii. 
Lieutenant Schnitze, Chef der deutschen Expe 
dition am Kongo, ist gestorbcii. 
Von der Elbe, im April, Ueber die Zukunft 
des Erv ort s lebenden Viehs nach England und 
über die Vortheile, welche der F le is ch versand 
gegenüber dem Vieh - Export gewähren würde, 
spricht sich Herr Claus Olde. Hamburg in einer 
an die landwirthschaftliche Thierzucht gerichteten 
Zuschrift wie folgt aus: „Wir werden meiner 
Ansicht nach über kurz oder lang auf den Stand 
punkt gelangen, daß überhaupt kein lebendes Stück 
Vieh niebr in England eingeführt werden darf; 
wann dies in Erfüllung tritt, ist allerdings eine 
Frage der Zeit, ich persönlich glaube, daß dieser 
Augenblick nicht mehr fern sein wird. Die Ein- 
richtungen der Schiffe zum Frischfleisch-Versand 
wären sehr leicht hergestellt, und ohne Frage würde 
Hamburg der größte und geeignetste Erporthafen 
für Fleisch-Versendungen sein. Die erforderlichen 
Vorbedingungen sind genügend vorhanden, und 
für die vortheilhafte Verwerlhung der Abfälle rc. 
böte diese große Handelsstadt die günstigsten Ver 
hältnisse. Es laufen gegenwärtig bereits all 
wöchentlich Schiffe nach jedem englischen Hafen 
aus, und ist anzunehnien, daß die Versendungs 
kosten sich sehr mäßig normieren würden, selbst 
verständlich ganz erheblich niedriger, wie die Fracht- 
spesen für lebendes Vieh. 
-V Neumünster, 20. April. 3» letzter Nacht 
ist das Dorf Schmaleusee bei Bornhöved von 
einem schweren Unglück heimgesucht. Es hat ein 
Schadenfeuer dort 18—20 Gebäude in Schutt 
und Asche gelegt. Uns wird mitgetheilt, daß auch 
verschiedenes Vieh in den Flammen umgekommen 
sein soll, ebenso wird erzählt, daß eine alte Frau 
in dem Feuer ihren Tod sand. Hoffentlich haben 
die Gerüchte übertriebe». Die freiwillige Feuer 
wehr von Bornhöved war an die Brandstelle geeilt, 
aber auch ihre energische Thätigkeit konnte dem 
weilen Umsichgreifen des Feuers nicht hindernd 
in den Weg treten. — In einer gestern Abend 
abgehaltenen gut besuchten Versammlung sprachen 
Dr. med. Barlach, Amtsrichter Groth und Pastor 
Braune über den Mißbrauch deS Alkohols. Im 
Anschluß an die Versammlung ward ein Zweig 
verein des Prvvinzialvereins gegen den Alkoholis 
mus gegründet. Zum provisorischen Ausschuß 
wählte nian die Herren Bürgermeister Schlichting, 
Amtsrichter Groth, Pastor Riewerts, Dr. Barlach 
und Fabrikant Ernst Kracht. — Die Bauthätigkeit 
wird hier in der kommenden Saison eine recht 
lebhafte. An öffentlichen Gebäuden wird das 
Posthaus und ein Schulbau ausgeführt, aber auch 
eine ganze Reihe privater Bauten werden in An 
griff genommen. Es unterliegt aber keinem Zweifel, 
daß sämmtliche neuen Wohnungen sehr bald ver 
griffen sein werden. — Unsere Stadtvertretung 
hat in ihrer letzten Sitzung die Summe von 
1400 Mk. für einen Desinficier-Ofen und 2800 Mk. 
nach Forderung der Gesundheitskommission für ein 
Baracken-Lazareth, welches für den Fall des Auf 
tretens der Cholera ausgeführt werden soll bewilligt. 
Kappeln, 17. April. Das Sommerscinester der 
hiesigen landwirthschaftlichen Lehranstalt ist gestern 
mit im Ganzen 92 Schülern eröffnet worden. 
Von denselben kommen 70 auf die Rcalklassen 
und 22 auf die Fachschule. 
Itzehoe. Der Frühjahrsviehmarkt am 17. war 
mit ca. 2000 Stück Magcrvieh beschickt. Trotz 
viel Publikums blieb der Handel recht flau, da 
die Forderungen sehr hoch waren. Ochsen, 2'/r 
3ahr alt, wltrden je »ach Güte mit 70 bis 100 
Thalern bezahlt. Es blieb sehr viel Vieh un 
verkauft. 
G Kiel, 20. April. Am Freitage voriger Woche 
hatte der Vorstand des hiesigen ThicrschutzvereinS 
ein Pferdefleisch-Effen arrangirt, an welchem außer 
den Mitgliedern des Vorstandes auch »och mehrere 
andere Herren kheilnahntcn. Das Essen bestand 
aus einem Filetbraten und einem Sauerbraten, 
die, in vorzüglicher Küche äußerst schmackhaft be 
reitet, den Theilnehmirn prächtig mundeten. Das 
Urtheil ging bei Tische einstimmig dahin, daß es 
ohne Vvrwissen des Richligen nicht leicht sei zu 
ZZerunsckte Notizen. 
Der Branntwein - Verbrauch in >Lchweden, 
welcher sich vor 30 3ahren auf 36 Millionen 
Kannen beites, ist 1882 auf >4 Millionen Kannen 
gesunken, obgleich die Bevölkerung se,idem um 
1 !00 000 Personen gestiegen ist. In, schwedischen 
Reichstag ist von dem Abgeordnelen Hedni ,-tzt 
der Antrag gestellt, ein Fünftel aller Brannt 
weins-Abgaben zur Bildung etnes Arbeuer-Ver- 
slcherungs-Fonds anzusammeln. 
(Der Letzte vom vierten Regiment.) Man 
schreibt der Wiener „Deutschen Ztg." aus L e m- 
bera- Gestern, den 13. d. M.. wurde hter der 
letzte noch am Leben gewesen- Held des aus dem 
polnischen November-Ausstande 1830 bekannten 
Vierten Regiments, Julius Tarnawa Malczewskt, 
unter aroßer Theilnahme der Bevölkerung zu Grabe 
getraaen Derselbe war Kapitän des Reglments 
gewesen und machte die Campagne bis zum Ueber- 
trim'der polnische» Armee auf preußisches Geb.ei 
mit. Als die Leiche aus dem Trau-rhause auf 
den Leichenwagen gehoben wurde, spielte d e städ 
tische Kapelle di- Weisen des bekannten polnischen 
Rationalliedes: „Zu Warschau sch«u«n Tausend 
auf den Knieen", welches dl- Volksmenge -nt 
blößten Hauptes anhörte. Am "ķ"? ' 
widmete der Schriftsteller Ladislaus B-lza d >n 
Verblichenen einen warm empfundenen 9i“* ÏU T- 
Seulingen, 15. April. (Ein rabiater Be.g-ord. 
neter.) In der letzten Sylvesternacht war . 
hiesige Nachtwächter Bodmann von dem Beige 
ordneten (!) Hagemann mit einem Knittel schwer 
mißhandelt worden, und zwar deshalb, weil ersterer, 
seiner Pflicht als Beamter nachkommend, dem Hagc- 
Mann untersagt hatte, auf der Straße mit einer 
Büchse zu schießen. In der letzten Sitzung des 
Schöffengerichts zu Duderstadt wurde nun über 
diese Sache verhandelt, und erhielt Hagemann 
eine Gesängnißstrafe von 3 Monaten. 
— Die Ballon-Abtheilung, die jüngste Truppe 
»nserer Armee, hat neulich Abend vom Garten 
des „Schwarzen Adlers" in Schöneberg (bei 
Berlin) aus zum ersten Male größere Versuche 
mit der Anwendung des elektrischen Lichtes im 
Dienste der Luftschifffahrt unternommen. Scho» 
um 4 Uhr früh waren die Mannschciften der 'Ab 
theilung nach Sck'Lneberg marschirt. Sie hatten 
den vom Detachement selbst gefertigten Ballon 
„Barbara" mit sich geführt, welcher bei >200 cbm 
Inhalt 4 Personen zu tragen vermag. Die 
Füllung des mächtigen Ballons ging eracl von 
Siallen und Mittags konnten die Capiivfahrlen 
(bei denen der Ballon mittelst Kabel Verbindung 
mit dcni Erdboden hat) ihren Anfang nebmen. 
Der Ballon stieg während des Tages 13mak auf 
und nieder. Um 7 Uhr begann endlich der in 
teressanteste Theil der großen Uebung, der Versuch 
mil dem elektrischen Licht. Es handelt sich hier 
bei um die für die Kriegführenden überaus wich 
tige Aufgabe, vom Ballon aus Theile des Erd 
bodens elektrisch zu beleuchten, um Truppenbe 
wegungen auch bei Nacht beobachten zu können. 
Das Detachement hatte bereits früher einmal bei 
Chariotlenburg einen kleineren Versuch ähnlicher 
Art angestellt, man hatte sich damals der Glüh 
lampe bedient. Die Versuche hallen jedoch nicht 
voll befriedigt, sodaß man diesmal das Bvgcnlicht 
benutzte. Die Lampe selbst war mit einem Re 
flector versehen welcher gestattete, dem starken 
Lichtstrahl eine bestimmte Richtung zu geben. 
Der Verkehr mit den am Auffahrtsorte zurück 
bleibenden Of steteren wurde von der Gondel aus 
durch ein Telephon vermittelt, dessen Leitung in 
dem Kabel eingeschlossen war. Der Ballon, der 
am Tage Höhen bis 600 m erreicht halte, stieg 
nur 60 m. Die Wirkung des elektrischen Lichtes 
war eine geradezu überraschende; selbst ans weite 
Entfernungen hin konnte von der Gondel aus daS 
Gelände ganz genau beobachtet werden. 
— Eine Art Eitelkeitssteuer besitzt Frankreich. 
Daselbst bezahlt ein Jeder, dein ei» ausländischer 
Orden verliehe» wird, für die Erlaubniß, denselben 
annehmen und tragen zu dürfen, eine Abgabe. 
Die Abgabe beträgt laut Verfügung vom I4ten 
April 1884 für einen im Knopfloch zu tragenden 
Orden 100, für einen Halsorden 150. für einen 
Orden mit Stern 200, für ein Großkreuz oder 
eine en eelinrpe zu tragende Dekorativ» 300 Frcs. 
In New Purk stürzten am 14. d. acht fünf 
stöckige Wohnhäuser, die im Bau begriffen und 
nahezu fertig waren, infolge mangelhafter Funda 
mente ein. Eine Anzahl von Arbeitern wurde 
unter den Trümmern begraben, und 17 derselben 
trugen Verletzungen davon, von denen einige einen 
tödtlicheii Ausgang nehntcn dürften. Außerdem 
werden sechs andere Arbeiter noch verntißt. 
— In der letzten Schwurgerichtsperiode in 
Elbing wurde der Gastwirih Grunwald durch ein 
Versehen der Geschworeucu wegen Brandstiftung 
vcrurtheilt, während bei korrekter Abgabe des Ver 
dikts die Freisprechung hätte etfolgcn müssen, Die 
Geschworenen hatten nur mit 7 gegen 5 Stimmen 
die Schuldfrage bejaht, und es war in diesem 
Falle nach der jetzigen Strafprozeßordnung der 
Spruch auf Nichtschuldig abzugeben. Trotzdem 
war er aus schuldig ohne Hinzufügung der 
Stimmkuzahl abgegeben, und daraufhin die Ver- 
urtheilung erfolgt. Erst am folgenden Tage kam 
das Versehen zum Vorschein ttnd wurde gerichtlich 
konstatirt; das Urtheil war aber jetzt nicht 
mehr zu ändern, und es blieb nur der Gnaden 
weg offen. Wie die „Eib. Ztg." meldet! ist nun 
aber auch das Gnadengesuch zurückgewiesen, und 
der aus Versehen Verurtheilte muß die Strafe 
antreten. (!?) 
— Die Einfuhr von lebendem Vieh, schreibt 
man aus England, wird von Jahr zu Jahr 
schwächer und sank beim Schafvieh für die Mo- 
natc Januar und Februar von >47,341 Stück 
im Jahre 1883 auf 122,302 Stück im Jahre 
1884 und 54,339 Stück im Jahre 1885. Im 
Zusammenhange damit nimmt die Einfuhr von 
Fleisch beständig zu. Es wurden in England 
während der Monate Januar und Februar einge 
führt: 1883 >884 1865 
etr. Ctr. Ctr. 
Frisches Rindfleisch 126,200 149.371 172,928 
Frisches Hammelst. 42,530 87,929 96,294 
Schinken 130,520 137,855 180,121 
Geräuch. Schwelltest. 646,880 609,105 719,058 
Gesalz. Schweines!. 76,997 70,347 82,915 
Frisches Schwelltest, 10,817 15,111 16,243 
Neuseeland überschwemmt den Londoner Markt 
mit seinen ausgeschlachteten Hammeln und doch 
heißt es, daß dieser Handel noch in den Kinder 
schuhen 'stecke. In der Fleischhalle wird das Pfund 
en gros mit 5 bis 5'/, cl abgegeben; im Detail- 
Verkauf kostet das Pfnnd 6 bis 7 '/ 2 d, und ist 
somit etwa 25 pCt, billiger als das englische 
Hammelfleisch, Das Publikum gewöhnt sich immer 
niehr an das australische Fleisch, und selbst 
die City-Kaufleute, die noch vor zwei Jahren mit 
Verachtung auf „das miserable Zeug" herab- 
biicklen, besorgen jetzt schon ihre Einkäufe in den 
großen Verkaufsläden, welche in Leadcnhall-Market, 
im Herzen der City, von de» Neuseeländer Fleisch. 
Erpvrt - Gesellschaften errichtet worden sind. 
Mancher zieh! heute das ausgewachsenere Fleisch 
der gegenfüßlerischen Schafe jenem der frühreifen, 
jung geschlachteten englischen Hammel vor. 
Aus Paris schreibt man dem B. B. C,: Ein 
Professor der Medizin zeigt an, er werde für die 
Studenten einen praktischen Kursus im — Kochen 
geben, da seiner Meinung nach die Zubereitung 
der Krankenkost und sogar auch diejenige für 
Gesunde ein ebenso wichtiges Moment in der 
Heilkunde bilde, als die Zusammensetzung der 
Medikamente, ja, daß es eine Pflicht jedes Arztes 
sei, zu erlernen, die vorzuschreibende Diät auch 
praktisch anzuweisen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.