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78stcr Jahrgang.
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Als belletristisch- Beilage wird dem Blatte wöchentlich einmal die „Jllustrtrtc Familicn-Zeitunz' detzeg-d-n
als landwirthschaftliche Beilage monatlich »Der Laildwirth".
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Mttwoch.
Sa :ZÄ.
22. Mril 1885
C Rundschau.
Der am 14, April wieder zusammengetretene
deutsche Reichstag begann seine Arbeiten mit der
Fortsetzung der Berathung der Zolliarifnovelle.
Er setzte dieselbe aber bald bis zum 16. April
»Us um andere auf der Tagesordnung stehende
Angelegenheiten zur Erledigung zu bringen D.e
Anträge Munkcl und Reichensperger auf Wieder-
einsührung der Berufung in Strafsachen wurde»
»ach kurzer Debatte und nachdem der Staats-
s-kretair von Sch-lling über die diesbezügliche»
Absichten des Reichskanzlers einige Erklärungen
abgegeben hatte, durch den Utberpn^ |»r
fachen Tagesordnung erledigt. Dl- zweite Lesung
des Antrags, betreffend die Entschädigung für im
gerichtlichen Wiederaufnahme • Verfahren s«,ge
sprochene Personen, endete mit dem Beschluß aus
Vornahme einer Kommissionsberaihung. Die
Reichsbeamtengesktznovelle, welche ^ eine straffe
Handhabung der Beamiendtsctpltn »» Auge ha
wurde gegen die Stimmen der Konservativen un
der Siationalliberalen abgelehnt. Hierauf würd
die Beratbung der Zolltarifnovelle fortgesetzt. X\t
vorgeschlagenen Zolle auf Asbest, Cement, Clcho-
rien, Branntwein (von 48 auf 80 Mk. erhöh ),
Fisch, Geflügel, Wild, Honig etc. wurden geneb-
niigt. Der von Schorlemer-Alst beantragte Zoll
aus Kunstbutler wurde abgelehnt. — Das preuß.
Abgeordnetenhaus genehmigte das von den Frei-
konservativen und Nationalliberalen eingebrachte
Lehrcrpensiviisgesetz nach den Kouimissionsbeschlüffen
endgültig, und zwar mit sehr großer Mehrheit.
Die Regierung wird demselben jedoch ihre Zu
stimmung nicht ertheilen, weil das Haus daS
Mari,»um des auf di- Staatskasse zu übernehmen,
den Pensionsbetrags auf.750 Mk. festgesetzt hat,
anstatt auf nur 600 Mk. Di- Petition der Lehrer
der höheren preuß. Lehranstalten um Gleich,tellung
im Rang mit de» Richtern erster Instanz wurde
der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen.
— Der» Bundesrath ging nicht nur der Entwurf
eines Auslicferungsvertrags mit Rußland, sondern
auch ein Gesetzentwurf betreffend die Fürsorge für
die Beamten und deren Hinterbliebene, in Folge
von Unfällen im Dienste, zu. Dieser Gesetzentwurf
ist eine Ergänzung des Unfallvcrsicherungsgesetzes.
Gegen den Entwurf eines deutsch« russischen Aus
lies e r u n g ê Vertrags machte die ganze unabhängige
Presse bereits entschieden Front und sprach die
Erwartung aus, daß der Reichstag ihn ablehnen
werde. — Herr von Schorlemer-Alst hat, wie er
seinen Wählern mittheilte, sein Reichstagsmandat
aus Gesundhcilsrücksichtkn niedergelegt. Sein
uv.«dar iür's preuß. Abgeordnetenhaus wird er
^ ^»-ballen Die „SchutzzöllnerischeBereinigung"
ktlr ìm àn ihrer tüchtigsten Anwälte di
Sv« verloren. - Di- „Nordd. allg.
Rn'" ,peilte als bestimmt mit. daß der Kanzler
d^Absich. ege, die Zinsen des „Restes der Bis
marckspende" (ca. 50.000 Mk.) speziell für Kandi
dat eii und Studenten des hoher» Lehramts zu
stifte», da die Summe zu einer Verwendung für
sozialpolitische Zwecke viel zu klein sei.
Die österretchlsch-ungarische Reichsregierung soll,
gemeinsam mit der Berliner, im Sinne einer
friedlichen Beilegung des englisch-russischen Grenz-
streiies Anstrengungen machen, und für den äußer
sten Fall sollen sich die Anstrengungen der Diplo
matie darauf richten, den Krieg zu localisiren.
— Das Bismarckffche Project einer Alters- und
Jnvaliditätsversicherung hat auf den Wiener Gc-
rneinderath ansteckend gewirkt. In demselben
wurde soeben die Gründung eines allgemeinen
Versorgungsinstituts und einer allgemeinen Kran
ken- und Invaliden - Kasse für Angehörige der
Stadt Wie» beantragt. Der Vorschlag, der sich
also nicht auf die Lohnarbeiterkasse beschränkt,
scheint auf allgemeine Sympathie gestoßen zu sein.
Die französischen Republikaner sind sehr mißge
stimmt über die Schlappe, welche sie bei den so
eben in 5 Departements vorgenommenen 7 Genc-
ralrathswahlen erlitten haben. Die Monarchisten
hatten von den 7 in Frage kommende» Sitzen
bisher nur 2 inne, sie gewannen jetzt aber noch
3 hinzu. Der Umstand, daß die geschlagenen
republikanischen Kandidaten der opportunistischen
tkhlmals gambettistischen) Partei angehöre», bildet
für die radikalen und die gemäßigten Republikaner
einen kleine» Trost. Der Finanzminister des neuen
Ministeriums, Clamagera», fühlte sich schon ver
anlaßt, ans dem Kabinet auszutreteii, und zwar
wegen Meinungsdifferenzen mit den übrigen
Portefeuille - Inhabern. Sein Nachfolger heißt
Sadicarnot. Zum Arbeitsminister wurde Dèmoîe
ernannt. — Trotzdem die Regierungen von Frank
reich und China sich auf Grund der Friedens
präliminarien vereinbarten, die Feindseligkeiten
einzustellen, scheinen die chinesischen Truppen in
Tongkin vor einigen Tagen noch nicht dahin in-
struirt gewesen zu sein. Denn General Brière
berichtete, daß die französischen Truppen an ver
schiedenen Punkten chinesische Angriffe abgeschlagen
haben.
Die in London angelangte neueste „russische
Antwort" soll in der Form sehr friedfertig gehal
ten sein, aber die Abtretung rer Stadt Pendscheh
von Seilen Afghanistans an Rußland verlangen.
Pian ist gespannt, ob sich England dazu verstehe»
wird. Durch ein solches Zugeständniß würde der
Friede allerdings erhalten bleibe». In einigen
Jahren aber würde Rußland ohne Zweifel eine
weitere Gebietsabtretung fordern und so weiter,
bis seine Truppen an der indischen Grenze ange
langt sein würden, und schließlich würde der
Zweikampf doch nicht zu umgehen sein. Je länger
derselbe verschoben wird, desto geringer werden
die Siegeschancen für England. — General
Kvmarow soll in Pendscheh bereits eine provisorische
Regierung eingesetzt habe», worin im Grunde eine
neue Provocation liegt. England setzt seine Rü
stungen übrigens mit vermehrtem Eifer fort.
Lord Dnfferin hielt in Lahore, nach seiner
Rückkunft von Rawul Pindi, vor den versammel
ten indischen Fürsten eine Rede, die darin gipfelte,
daß er England als friedferlig, Rußland als
Friedensstörer hinstellte. Die „Moskauer Zig."
aber antwortete darauf: „Umgekehrt wird ein
Schub daraus. Denn England rüstet mit alle»
Mitteln, während Rußland in letzter Zeit keinen
Mann kriegsfcrtig machte." Das genannte
panslawistische Blatt verschwieg aber, daß die
jenigen russischen Truppen, welche bei einen« Krieg
gegen England zur Verwendung kommen, längst
kriegsbereit sind. — 3» den afghanische» Moscheen
wird von den Mollahs der heilige Krieg gegen
die Russen gepredigt, die sich dadurch aber schwer
lich imponiren lassen werden. —
Berlin. Dem Reichstag sind bis jetzt die Be
schlüsse der Jinpfkommission zugegangen;
eS ist dies vielleicht das umfassendste Schriftstück
des Reichstages (92 Druckbogen mit 365 Quart-
seiten). Die Beschlüsse der 3mpfkommission. be
treffend den physiologischen und pathologischen
Stand der Jmpffrage, lauten:
II Das einmalige Neberslehen der Pockeickrankheit ver-
leiht mit seltenen Ausnahmen Schutz gegen ein nochina-
tiges Pefalleitwerviii derselben.
2> Die Impfung mit Vaccine ist im Stande, einen
ähniicbcn Schutz zu bewirken.
3) Die Dauer des durch Impfung erzielten Schutzes
gegen Pocken schwankt innerhalb weiter Grenzen, beträgt
aber im Durchschnitt zehn Jahre.
4) Um kitten ausreichende» Jmpkichtch zu erzielen, sind
mindestens zwei entw:ckelte Jmpfpocken erforderlich. _
5! ES bedarf einer Wiederimpfung nach Ablauf von
zehn Jahren nach der ersten Impfung.
6) DnS Geimpfisem der Umgebuitß erhöht den rela
tiven Schutz welchen der Einzelne gegen die Pocken-
ktankheit erworben hat, und die Impfung gewährt dem-
nach nicht nur einen ittdividnelien, sondern auch allge
meinen Nutzen in Bezug aus Pockengefahr.
71 Die ompfung kann unter Umständen mit Gefahr
sät den Impfling verblenden sein. Bei der Impfung mit
Meuschenltzntphe ist die Gefahr der Uebertragung von
Syphilis. obwohl außerordentlich geriito, doch nicht gänz
lich anSgeschioffen, Von otiberen Jmpfschädigungeu kom
men nachweisbar nur accidentielle Wundkrankheilen vor.
Alte diese Gefahren können durch sorgfältige Ausführung
der Impfung acts einen so geringen Umfang beschränkt
werden, daß der Nutzen der Impfung den evenineUcn
Schaden derselben unendlich überwiegt,
8) Seit Einführung der Impfung hat sich keine wissen-
schafttich nachweisbare Zunahme bestimmter Krankheiten
oder der Sterblichkeit im Allgemeinen geUcnd gemacht,
welche als elite Folge der Impfung anzusehen wäre,
Köln, 17, April. In her gestrigen Stadlraths-
sitzunz erreg!- gelegentlich einer Debatte über Vie
Provinzialumlage die Mittheilung Aufsehen, daß
von der durch die Rheinprovinz aufzubringenden
St a atsste uer von 3,180,000 Mk. Köln allein
370,000 Mk., also ungefähr '/a der ganzen Um
lage tragen müsse, während unsere Stadt nur
*/ 2 s der Bevölkerung und V40 der Vertretung
der Provinz in den iegislaliven Körperschaften
habe. Köln mit seinen 153,000 Einwohner»
bringt gerade so viel Slaatssteuer auf, als Düssel
dorf. Elberfeld. Barmen und Crefeld mit insge
sammt 405,000 Einwohnern zusantmeii.
Lieutenant Schnitze, Chef der deutschen Expe
dition am Kongo, ist gestorbcii.
Von der Elbe, im April, Ueber die Zukunft
des Erv ort s lebenden Viehs nach England und
über die Vortheile, welche der F le is ch versand
gegenüber dem Vieh - Export gewähren würde,
spricht sich Herr Claus Olde. Hamburg in einer
an die landwirthschaftliche Thierzucht gerichteten
Zuschrift wie folgt aus: „Wir werden meiner
Ansicht nach über kurz oder lang auf den Stand
punkt gelangen, daß überhaupt kein lebendes Stück
Vieh niebr in England eingeführt werden darf;
wann dies in Erfüllung tritt, ist allerdings eine
Frage der Zeit, ich persönlich glaube, daß dieser
Augenblick nicht mehr fern sein wird. Die Ein-
richtungen der Schiffe zum Frischfleisch-Versand
wären sehr leicht hergestellt, und ohne Frage würde
Hamburg der größte und geeignetste Erporthafen
für Fleisch-Versendungen sein. Die erforderlichen
Vorbedingungen sind genügend vorhanden, und
für die vortheilhafte Verwerlhung der Abfälle rc.
böte diese große Handelsstadt die günstigsten Ver
hältnisse. Es laufen gegenwärtig bereits all
wöchentlich Schiffe nach jedem englischen Hafen
aus, und ist anzunehnien, daß die Versendungs
kosten sich sehr mäßig normieren würden, selbst
verständlich ganz erheblich niedriger, wie die Fracht-
spesen für lebendes Vieh.
-V Neumünster, 20. April. 3» letzter Nacht
ist das Dorf Schmaleusee bei Bornhöved von
einem schweren Unglück heimgesucht. Es hat ein
Schadenfeuer dort 18—20 Gebäude in Schutt
und Asche gelegt. Uns wird mitgetheilt, daß auch
verschiedenes Vieh in den Flammen umgekommen
sein soll, ebenso wird erzählt, daß eine alte Frau
in dem Feuer ihren Tod sand. Hoffentlich haben
die Gerüchte übertriebe». Die freiwillige Feuer
wehr von Bornhöved war an die Brandstelle geeilt,
aber auch ihre energische Thätigkeit konnte dem
weilen Umsichgreifen des Feuers nicht hindernd
in den Weg treten. — In einer gestern Abend
abgehaltenen gut besuchten Versammlung sprachen
Dr. med. Barlach, Amtsrichter Groth und Pastor
Braune über den Mißbrauch deS Alkohols. Im
Anschluß an die Versammlung ward ein Zweig
verein des Prvvinzialvereins gegen den Alkoholis
mus gegründet. Zum provisorischen Ausschuß
wählte nian die Herren Bürgermeister Schlichting,
Amtsrichter Groth, Pastor Riewerts, Dr. Barlach
und Fabrikant Ernst Kracht. — Die Bauthätigkeit
wird hier in der kommenden Saison eine recht
lebhafte. An öffentlichen Gebäuden wird das
Posthaus und ein Schulbau ausgeführt, aber auch
eine ganze Reihe privater Bauten werden in An
griff genommen. Es unterliegt aber keinem Zweifel,
daß sämmtliche neuen Wohnungen sehr bald ver
griffen sein werden. — Unsere Stadtvertretung
hat in ihrer letzten Sitzung die Summe von
1400 Mk. für einen Desinficier-Ofen und 2800 Mk.
nach Forderung der Gesundheitskommission für ein
Baracken-Lazareth, welches für den Fall des Auf
tretens der Cholera ausgeführt werden soll bewilligt.
Kappeln, 17. April. Das Sommerscinester der
hiesigen landwirthschaftlichen Lehranstalt ist gestern
mit im Ganzen 92 Schülern eröffnet worden.
Von denselben kommen 70 auf die Rcalklassen
und 22 auf die Fachschule.
Itzehoe. Der Frühjahrsviehmarkt am 17. war
mit ca. 2000 Stück Magcrvieh beschickt. Trotz
viel Publikums blieb der Handel recht flau, da
die Forderungen sehr hoch waren. Ochsen, 2'/r
3ahr alt, wltrden je »ach Güte mit 70 bis 100
Thalern bezahlt. Es blieb sehr viel Vieh un
verkauft.
G Kiel, 20. April. Am Freitage voriger Woche
hatte der Vorstand des hiesigen ThicrschutzvereinS
ein Pferdefleisch-Effen arrangirt, an welchem außer
den Mitgliedern des Vorstandes auch »och mehrere
andere Herren kheilnahntcn. Das Essen bestand
aus einem Filetbraten und einem Sauerbraten,
die, in vorzüglicher Küche äußerst schmackhaft be
reitet, den Theilnehmirn prächtig mundeten. Das
Urtheil ging bei Tische einstimmig dahin, daß es
ohne Vvrwissen des Richligen nicht leicht sei zu
ZZerunsckte Notizen.
Der Branntwein - Verbrauch in >Lchweden,
welcher sich vor 30 3ahren auf 36 Millionen
Kannen beites, ist 1882 auf >4 Millionen Kannen
gesunken, obgleich die Bevölkerung se,idem um
1 !00 000 Personen gestiegen ist. In, schwedischen
Reichstag ist von dem Abgeordnelen Hedni ,-tzt
der Antrag gestellt, ein Fünftel aller Brannt
weins-Abgaben zur Bildung etnes Arbeuer-Ver-
slcherungs-Fonds anzusammeln.
(Der Letzte vom vierten Regiment.) Man
schreibt der Wiener „Deutschen Ztg." aus L e m-
bera- Gestern, den 13. d. M.. wurde hter der
letzte noch am Leben gewesen- Held des aus dem
polnischen November-Ausstande 1830 bekannten
Vierten Regiments, Julius Tarnawa Malczewskt,
unter aroßer Theilnahme der Bevölkerung zu Grabe
getraaen Derselbe war Kapitän des Reglments
gewesen und machte die Campagne bis zum Ueber-
trim'der polnische» Armee auf preußisches Geb.ei
mit. Als die Leiche aus dem Trau-rhause auf
den Leichenwagen gehoben wurde, spielte d e städ
tische Kapelle di- Weisen des bekannten polnischen
Rationalliedes: „Zu Warschau sch«u«n Tausend
auf den Knieen", welches dl- Volksmenge -nt
blößten Hauptes anhörte. Am "ķ"? '
widmete der Schriftsteller Ladislaus B-lza d >n
Verblichenen einen warm empfundenen 9i“* ÏU T-
Seulingen, 15. April. (Ein rabiater Be.g-ord.
neter.) In der letzten Sylvesternacht war .
hiesige Nachtwächter Bodmann von dem Beige
ordneten (!) Hagemann mit einem Knittel schwer
mißhandelt worden, und zwar deshalb, weil ersterer,
seiner Pflicht als Beamter nachkommend, dem Hagc-
Mann untersagt hatte, auf der Straße mit einer
Büchse zu schießen. In der letzten Sitzung des
Schöffengerichts zu Duderstadt wurde nun über
diese Sache verhandelt, und erhielt Hagemann
eine Gesängnißstrafe von 3 Monaten.
— Die Ballon-Abtheilung, die jüngste Truppe
»nserer Armee, hat neulich Abend vom Garten
des „Schwarzen Adlers" in Schöneberg (bei
Berlin) aus zum ersten Male größere Versuche
mit der Anwendung des elektrischen Lichtes im
Dienste der Luftschifffahrt unternommen. Scho»
um 4 Uhr früh waren die Mannschciften der 'Ab
theilung nach Sck'Lneberg marschirt. Sie hatten
den vom Detachement selbst gefertigten Ballon
„Barbara" mit sich geführt, welcher bei >200 cbm
Inhalt 4 Personen zu tragen vermag. Die
Füllung des mächtigen Ballons ging eracl von
Siallen und Mittags konnten die Capiivfahrlen
(bei denen der Ballon mittelst Kabel Verbindung
mit dcni Erdboden hat) ihren Anfang nebmen.
Der Ballon stieg während des Tages 13mak auf
und nieder. Um 7 Uhr begann endlich der in
teressanteste Theil der großen Uebung, der Versuch
mil dem elektrischen Licht. Es handelt sich hier
bei um die für die Kriegführenden überaus wich
tige Aufgabe, vom Ballon aus Theile des Erd
bodens elektrisch zu beleuchten, um Truppenbe
wegungen auch bei Nacht beobachten zu können.
Das Detachement hatte bereits früher einmal bei
Chariotlenburg einen kleineren Versuch ähnlicher
Art angestellt, man hatte sich damals der Glüh
lampe bedient. Die Versuche hallen jedoch nicht
voll befriedigt, sodaß man diesmal das Bvgcnlicht
benutzte. Die Lampe selbst war mit einem Re
flector versehen welcher gestattete, dem starken
Lichtstrahl eine bestimmte Richtung zu geben.
Der Verkehr mit den am Auffahrtsorte zurück
bleibenden Of steteren wurde von der Gondel aus
durch ein Telephon vermittelt, dessen Leitung in
dem Kabel eingeschlossen war. Der Ballon, der
am Tage Höhen bis 600 m erreicht halte, stieg
nur 60 m. Die Wirkung des elektrischen Lichtes
war eine geradezu überraschende; selbst ans weite
Entfernungen hin konnte von der Gondel aus daS
Gelände ganz genau beobachtet werden.
— Eine Art Eitelkeitssteuer besitzt Frankreich.
Daselbst bezahlt ein Jeder, dein ei» ausländischer
Orden verliehe» wird, für die Erlaubniß, denselben
annehmen und tragen zu dürfen, eine Abgabe.
Die Abgabe beträgt laut Verfügung vom I4ten
April 1884 für einen im Knopfloch zu tragenden
Orden 100, für einen Halsorden 150. für einen
Orden mit Stern 200, für ein Großkreuz oder
eine en eelinrpe zu tragende Dekorativ» 300 Frcs.
In New Purk stürzten am 14. d. acht fünf
stöckige Wohnhäuser, die im Bau begriffen und
nahezu fertig waren, infolge mangelhafter Funda
mente ein. Eine Anzahl von Arbeitern wurde
unter den Trümmern begraben, und 17 derselben
trugen Verletzungen davon, von denen einige einen
tödtlicheii Ausgang nehntcn dürften. Außerdem
werden sechs andere Arbeiter noch verntißt.
— In der letzten Schwurgerichtsperiode in
Elbing wurde der Gastwirih Grunwald durch ein
Versehen der Geschworeucu wegen Brandstiftung
vcrurtheilt, während bei korrekter Abgabe des Ver
dikts die Freisprechung hätte etfolgcn müssen, Die
Geschworenen hatten nur mit 7 gegen 5 Stimmen
die Schuldfrage bejaht, und es war in diesem
Falle nach der jetzigen Strafprozeßordnung der
Spruch auf Nichtschuldig abzugeben. Trotzdem
war er aus schuldig ohne Hinzufügung der
Stimmkuzahl abgegeben, und daraufhin die Ver-
urtheilung erfolgt. Erst am folgenden Tage kam
das Versehen zum Vorschein ttnd wurde gerichtlich
konstatirt; das Urtheil war aber jetzt nicht
mehr zu ändern, und es blieb nur der Gnaden
weg offen. Wie die „Eib. Ztg." meldet! ist nun
aber auch das Gnadengesuch zurückgewiesen, und
der aus Versehen Verurtheilte muß die Strafe
antreten. (!?)
— Die Einfuhr von lebendem Vieh, schreibt
man aus England, wird von Jahr zu Jahr
schwächer und sank beim Schafvieh für die Mo-
natc Januar und Februar von >47,341 Stück
im Jahre 1883 auf 122,302 Stück im Jahre
1884 und 54,339 Stück im Jahre 1885. Im
Zusammenhange damit nimmt die Einfuhr von
Fleisch beständig zu. Es wurden in England
während der Monate Januar und Februar einge
führt: 1883 >884 1865
etr. Ctr. Ctr.
Frisches Rindfleisch 126,200 149.371 172,928
Frisches Hammelst. 42,530 87,929 96,294
Schinken 130,520 137,855 180,121
Geräuch. Schwelltest. 646,880 609,105 719,058
Gesalz. Schweines!. 76,997 70,347 82,915
Frisches Schwelltest, 10,817 15,111 16,243
Neuseeland überschwemmt den Londoner Markt
mit seinen ausgeschlachteten Hammeln und doch
heißt es, daß dieser Handel noch in den Kinder
schuhen 'stecke. In der Fleischhalle wird das Pfund
en gros mit 5 bis 5'/, cl abgegeben; im Detail-
Verkauf kostet das Pfnnd 6 bis 7 '/ 2 d, und ist
somit etwa 25 pCt, billiger als das englische
Hammelfleisch, Das Publikum gewöhnt sich immer
niehr an das australische Fleisch, und selbst
die City-Kaufleute, die noch vor zwei Jahren mit
Verachtung auf „das miserable Zeug" herab-
biicklen, besorgen jetzt schon ihre Einkäufe in den
großen Verkaufsläden, welche in Leadcnhall-Market,
im Herzen der City, von de» Neuseeländer Fleisch.
Erpvrt - Gesellschaften errichtet worden sind.
Mancher zieh! heute das ausgewachsenere Fleisch
der gegenfüßlerischen Schafe jenem der frühreifen,
jung geschlachteten englischen Hammel vor.
Aus Paris schreibt man dem B. B. C,: Ein
Professor der Medizin zeigt an, er werde für die
Studenten einen praktischen Kursus im — Kochen
geben, da seiner Meinung nach die Zubereitung
der Krankenkost und sogar auch diejenige für
Gesunde ein ebenso wichtiges Moment in der
Heilkunde bilde, als die Zusammensetzung der
Medikamente, ja, daß es eine Pflicht jedes Arztes
sei, zu erlernen, die vorzuschreibende Diät auch
praktisch anzuweisen.