Full text: Ein Fall von Tetanus traumaticus, behandelt mit Injectionen von Hirnemulsion

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Zu einem ähnlichen Schluss gelangt Milchner,*) der 
nachwies, „dass der Zusammentritt von Gehirn und Tetanus 
gift ein rein chemischer ist und unabhängig ist von vitalen 
Vorgängen. Der bindende Körper ist in den Gehirnzellen 
in unlöslicher Form enthalten, derselbe reisst das Gift 
an sich und macht, wenn nur wenig Gift zugefügt war, die 
zwischenliegende Flüssigkeit giftfrei.“ 
Eine plausible Erklärung der Wirkungsweise der Hirn 
emulsion hat Wassermann gegeben. Er nimmt an, dass 
das Tetanusgift an die am leichtesten zu erreichende, also 
an die injizierte, im Blute zirkulierende Centrainervensub 
stanz geht und sich mit ihr verbindet. Das Gift wird also 
dadurch abgehalten, in das lebende Centralnervensystem des 
Tieres zu gehen und dieses krank zu machen, da es auf 
dem Wege dorthin schon Substanzen findet, mit denen es 
seine Affinität sättigen und eine für den Organismus un 
schädliche Doppelverbindung eingehen kann. Im weiteren 
Verlaufe sollen dann die giftbeladeuen Hirnpartikelchen 
durch die im Gefolge der Hirninjektion ausgewanderten 
Leukocyten unschädlich gemacht werden. 2 ) — 
M. S., 6 Jahre, Arbeiterkind, aufgeuommen am 15. 
Juli 1899. 
Anamnese: Eltern gesund, Patient lernte zur rechten 
Zeit laufen und sprechen, war bisher immer gesund gewesen. 
Am 3. Juli fiel Patient im Friedrichshain zu Berlin auf die 
linke Gesichtshälfte, ohne sich nach Aussage der Mutter 
eine sichtbare Verletzung zugezogen zu haben. Am näch 
sten Tage soll das linke Auge kleiner und der linke Mund 
winkel nach oben verzogen gewesen sein. Gleichzeitig klagte 
Patient über Behinderung beim Offnen des Mundes und des 
linken Auges, auch soll er sich häufig in die Zunge gebissen 
haben. Seit acht Tagen geht es Patient schlechter, er kann 
nur flüssige Nahrung zu sich nehmen. Seit vier Tagen be 
merkt die Mutter krampfhafte Zuckungen in der linken 
Gesichtshälfte, in dem linken Arme und Beine, die mit 
') Berl. klin. Wochenschrift, 1898, No. 17. 
2 ) Metsclmikoff u. Marie, Ann. de l inst. Pasteur 1898, No. 2.
	        
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