Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 1)

:htcr reichlich zweistündigen Besprechung wur 
de gegen ly 2 Uhr nachm, die Wahl getätigt. 
Von den 88 gültigen Stimmen erhielten: 
Amtsgerichtsrat Dr. Noöe-Altona (Kl.-Flott- 
6ef) 53 Stimmen, Rechtsanwalt Dr. Macht- 
Kiel 27 Stimmen und Bürgermeister Rohde- 
Jtzehoc 8 Stimmen. Dr. Rode-Altona ist so 
mit zum 1. Vorsitzenden des Landesverbandes 
Schleswig-Holstein der Deutschen Volkspartei 
gewählt. Das Ergebnis wurde mit großem 
Beifall aufgenommen. Sowohl Dr. Rode als 
auch der Reichstagsabgeordnete Geheimrat 
Dr. Runkel waren Gegenstand großer Sym 
pathiekundgebungen. In einem längeren Bor 
trag sprach Dr. Runkel über das Thema: „Die 
Problematik der Haager Konferenz." Er 
nahm dabei ausführlich Stellikng zu den Er 
gebnissen derselben und zu den evtl. Auswir 
kungen. 
* * * 
Kohlenoxydgas-, 
keine LebensmitielvergisLimg. 
Altona, 25. Jan. Zu den dieserTage ge 
meldeten beiden Todesfällen in Stellingen, 
die zunächst auf Lebensmittelvergiftung zu 
rückgeführt wurden, kann jetzt berichtet wer 
den, daß die Obduktion der Leichen einwand 
frei Kohlenoxydgasvergiftung ergeben hat, 
hervorgerufen durch einen undicht gewordenen 
eisernen Ofen. 
Kinder als Eifenbahnsrevler. 
Kiel, 26. Jan. Von spielenden Kindern 
waren am Sonnabend auf ein Anschlußgleis 
zwischen Oppenöorfer Weiche und Munitions 
depot Neumühlen-Dietrichsdorf Steine gelegt 
worden. Eine alleine fahrende Lokomotive 
räumte das Hindernis weg, ohne daß Schaden 
entstand. Die Polizei fordert alle Eltern auf, 
ihre Kinder vor solchem unbedachten Tun zu 
warnen. 
Vad Segeberg, 25. Jan. Maschinenfabrik zu 
sammengebrochen. Nachdem erst kürzlich die äl 
teste Fabrik land-wirtschaftlicher Maschinen am 
Ort der schweren Wirtschaftslage erlegen ist, ist 
nun auch die Maschinenfabrik von Erüter (Kl. 
Niendorf) zusa-mmeu-Fsbrochen. Die Firma hat 
Konkurs angemeldet. Beide Zusammenbrüche 
hängen mit der allgemein bedrängten Lage der 
Landwirtschaft zusammen, 
Garstedt, 25. Jan. Wieder neue Geflügeldieb 
stähle. Die Serie der Geslügeldiebstähle, die in 
der letzten Zeit unterbrochen schien, hat schon wie 
der ihre Fortsetzung gefunden. In Garstedterfä 
und Glashütte sind zwei neue Einbrüche zu ver 
zeichnen; in einem Fall wurden 36 Hühner ent 
wendet. 
kt. Glückstadt, 24. Jan. In der Sitzung der 
städtischen Kollegien sand zunächst die Einführung 
der neuen Stadtverordneten Studienrat Dencher, 
Buchdrucker M. Koch lBürg.j und Lagerarbeiter 
Evert und Buchdrucker Haussen tSoz.s statt. Die 
selben rücken aus der Liste für die zu Stadträten 
gewählten bisherigen Stadtverordneten Augustin, 
Rößler, Otto und Schön nach. Es folgten in der 
inzwischen eingelegten Tagung der Stadtverord 
neten Kommissionswahlen. Nach Wiederaufnahme 
der gemeinsamen Tagung teilte der Bürgermeister 
mit, baß die Wahl des Stadtrats Otto zum Bei 
geordneten vom Regierungspräsidenten bestätigt 
worden ist. Vom Wohlfahrtsminister ist für den 
Ban des neuen Krankenhauses eine Beihilfe von 
8000 N-ll bewilligt worden. Die am 7. 11. 28 be 
schlossene Aufnahme einer Anleihe von 28 000 diM 
von der Landesversicherungsanstalt ist vom Be 
zirksausschuß genehmigt. — Zugestimmt wurde 
einem Stromlieferungsvertrage mit den Schles 
wig-Holsteinischen Farbwerken, die unter Abschaf 
fung des Dampfbetriebes sich auf elektrischen Be 
trieb umstellen mit der Einschränkung, daß, wenn 
die Abnahme von 25 000 Kilowatt nicht erreicht 
werden sollte, der Staffeltarif anzuwenden ist. Der 
Vertrag soll rückwirkend vom 1. Juli 1829 an in 
Kraft treten. — Bei der Vorlage wegen ander 
weitiger Festsetzung der Preise für Bäder in der 
städtischen Warmbadeanstalt, die eine Herabsetzung 
der Bäder an bestimmten Wochentagen vorsah, 
entstand Dissens. — Seitens der Erwerbslosen 
war ein Antrag auf Gewährung einer Wintcrbet- 
yilfe gestellt. Beantragt war eine bare Hilfe und 
außerdem Belieferung mit Freifeuerung und Er 
mäßigung der Strom- und Gaspreise. Vom Vor 
sitzenden wurde ausgeführt, daß die Varbeihilfe 
der 225 Erwerbslosen den Betrag von 6—7000 R-ä 
erfordern würde. Die generelle Unterstützung 
wurde abgelehnt: der Erwerbslosenausschuß soll 
der sozialen Fürsorge eine Liste der Bedürftigen 
vorlegen, die sodann bedacht werden sollen. — Von 
den Banlustigen Heinr. Petersen, Lüüemann, 
Kasten und Klotz jun. lagen Anträge auf Hergäbe 
von Hauszinssteuergelöern und Bauplätzen vor. 
Da es sich hierbei um den Abbruch der ehem. 
Dösselschen Kate handelt, über deren Preis die 
Meinungen auseinandergingen, soll zunächst mit 
einigen Beteiligten verhandelt werden. — Den 
wesentlichsten Punkt der Tagesordnung betraf die 
Grnnöwasserversorgung und die Bereitstellung der 
Mittel für die Vorarbeiten hierzu. Ueber das 
Projekt und eine sich damit befassende Sitzung be- 
richteten wir vor kurzem. Heute handelte es sich 
um weitere Klärung dieser für unsere Stadt so 
bedeutsamen Frage. Nach längerer Aussprache ließ 
die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft durch ihren 
Wortführer M. Thießen zu der Frage die folgende 
Erklärung abgeben: „Die Fraktion steht der 
Grundwasserversorgung ,aus der Kremperheide 
durchaus freundlich gegenüber und hält sie für 
sehr wünschens- und erstrebenswert. Sie erachtet 
es jedoch bei der zu erwartenden neuen Belastung 
der Stadt für notwendig, daß, bevor Ausgaben 
irgendwelcher Art beschlossen werden, die Ausbrin 
gung der Mittel vorher nachgewiesen wird. Auch 
die Bewilligung der für die hydrologischen Vor 
untersuchungen nötigen Gelder ln Höhe von 
15 000 halten wir vorläufig nicht für erforder 
lich, da kein Zweifel besteht, daß die Grundwasser 
versorgung aus der Kremperheide aus Grund der 
Untersuchungen beim Bau des Kremper Wasser 
werks möglich ist. Wir beantragen daher, den 
Magistrat zu ersuchen, einen vollständigen Bau 
plan mit dem Nachweis der Ausbringung der Gel 
der vorzulegen. Dabei betrachten wir es als 
einen wesentlichen Bestandteil der Vorlage, daß 
die feste Zusicherung der Beihilfen aus öffentlichen 
^Mitteln vorliegt, bevor die endgültige Beschluss? 
sassung über ein so schwerwiegendes Projekt er 
folgt. Wir erkennen dankbar an, daß die Kreis 
verwaltung in großzügiger Weise ein zinsloses 
Darlehen in Höhe von 15 000 RUl für die Vor 
arbeiten zur Verfügung gestellt hat. Ferner ist 
die Einwohnerschaft der Stadt vorher genügend 
aufzuklären, damit es jedem Einzelnen möglich ist, 
sich über die zu erwartenden laufenden Mehraus 
gaben jeder Haushaltung ein klares Bild zu ver 
schaffen. Des weiteren erachten wir cs als unbe 
dingt notwendig, mit den evtl, zu versorgenden 
Landgemeinden schon vorher feste Abkommen zu 
treffen, damit jedwede Ueüerschreitung der Vor 
anschläge vermieden werden." — Beschlossen wurde, 
den Magistrat zu beauftragen, die zu den erforder 
lichen Vorarbeiten für die Grundwasserversor 
gung der Stadt nötigen Mittel bestmöglichst zu 
beschaffen. Den Kollegien soll das Ergebnis dieser 
Schritte unterbreitet werden: ihre endgültige Stel 
lungnahme, auch hinsichtlich der Vorarbeiten, be 
halten sich die Kollegien vor. 
es. Bast Bramsteht, 25. Jan. Sävgcr- 
jnbilänw. Seit 40 Jahren gehört Tischler 
meister Adolf Kröger dem Sängerchor der 
hiesigen Liedertafel an und 24 Jahre verwal 
tet er den Posten des Kassierers. Der Ver 
ein ernannte ihn auf Grund seiner Verdienste 
zum Ehrenmitglied. — Die Malerfachschule, 
die hier Ansang Januar unter der Leitung 
des Malers I. Struve eröffnet wurde, wurde 
am Sonnabend mit einer Ausstellung der in 
ihr gefertigten Arbeiten geschlossen. Die fast 
vollzählig erschienenen Malermeister ans dem 
Westen des Kreises Segeverg äußerten sich 
sehr befriedigt über die Leistungen. Besucht 
wurde die Schule von 18 jungen Leuten aus 
den Kirchsvielen Bramstedt, Kaltenkirchen 
nnd Henstedt. 
wk. Kiel. 26. Jan, Die vielumtämpfte Sen 
senfahne des Landvoks, die im August zu den Zu 
sammenstößen in Neumünster führte, sollte, wie 
berichtet wurde, durch eine Abordnung der Stadt 
Neumünster an die Vertreter des Landvolks zurück 
gegeben werden, und es sollten auch bereits ent 
sprechende Verhandlungen, die aber inzwischen be 
stritten wurden, stattgefunden haben. Hierzu ist 
zu berichten, daß die Sensenfahne immer noch be 
schlagnahmt und vor kurzem wohlverpackt nach Kiel 
überfsthrt worden ist, wo sie von der Staatsan 
waltschaft in Verwahrung genommen wurde. Eine 
Freigabe kann überhaupt erst dann erfolgen, wenn 
in dem Neumünster-Prozeß eine endgültige Ent 
scheidung vorliegt, was bis jetzt noch nicht der Fall 
ist, da bekanntlich von der Staatsanwaltschaft, wie 
auch von der als Nebenklägerin zugelassenen Neu- 
münsterschen Polizeibehörde gegen das Urteil des 
Schöffengerichts Berufung eingelegt ist. Das Ur 
teil hat also noch nicht Rechtskraft erlangt. 
npd. Kiel. 25. Jan. Die Bengt-Verg-Fots- 
Ausstellung im Kieler Thaulowmuseum, dis bis 
Sonnabend von 14 000 Personen besucht wurde, 
wird bis Donnerstag verlängert. 
Neumünstsr, 25. Jan. Tödliche Folgen 
ernes Unfalls.. Im hiesigen Krankenhaus 
starb eine Frau K. aus Brokstedt, die Weih 
nacht bei dem damals herrschenden Glatteis 
gestürzt war und schwere Brüche davongerra- 
gen hatte, welche bei dem hohen Alter der 
Verunglückten nicht mehr zu heilen waren. 
x. Neunrünster, 27. Jan. Zur Einweihung 
des neuen Krankenhauses, das bekanntlich den 
Namen Friedr.-Ebert-Krankenhaus erhalten 
hat, sind geladen worden: Die Witwe und der 
Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten, der 
Reichstagspräsident Löbe nnd der Rcichsin- 
nenminister. Wer von den Geladenen kom 
men wird, steht noch nicht fest. — Ein Umzug 
der .KomMunisten in einer Stärke von etwa 
300 Teilnehmern mußte von der Polizei ge 
waltsam aufgelöst werden. Wie es heißt, sol 
len 25 Mann Schutzpolizei vorübergehend nach 
Neumünster verlegt werden. — Zwei Ein 
brüche wurden in letzter Nacht verübt, und 
zwar wurden dem Schlächtermeister Todt am 
Schlensberg erhebliche Mengen Wurstwaren, 
aus der Schuhmacherwerkstatt in der Berufs 
schule am alten Friedhof Schuhwaren und 
Werkzeuge entwendet. Die Diebe entkamen 
unerkannt. 
aa. Kreis Bordesholm, 26. Jan. Bestä 
tigte Gemeindevorsteher- bezw. Gemeinöevor- 
steher-Stcllvertreterwahlen. Außer bereits 
mitgeteilten Wahlen wurden ferner bestätigt 
in Kleinbarkau Hufner Richard Hallmann 
zum Gemeindevorsteher, Malermeister Ernst 
Schmidt zum Gemeindevorsteher-Stellvertre 
ter, in Bvksee Landmann Hinrich Arp zum 
Gemeindevorsteher, Schmiedemeister Johan 
nes Liedtke zum Stellvertreter, in Molfsee 
Hufner Hinrich Delfs zum Gemeindevorsteher, 
Landmann Johann Delfs zum Stellvertreter, 
in Latendorf Landmann Rudolf Lindemann 
zum Gemeindevorsteher, Landmann Wolf Fil 
ter zum Stellvertreter, in Klein-Flintbek 
Landmann Karl Johannes Schlotfeldt zum 
Gemeindevorsteher, Landmann August Brock- 
stedt. zum Stellvertreter, in Schönhorst Land 
mann Wilhelm Storjohann zum Gemeinde- 
Es ist auffallend, daß in den letzten Jahrzehn 
ten sich die Hochflutschäden im Eidergebiet immer 
häufiger wiederholen und daß schon eine kleinere 
Sturmflut in der Nordsee genügt, um gleich mehr 
fache Deichbrüche und Ueberschwemmungen in den 
Eiderniederungen anzurichten. So interessierte es 
mich, einmal solche Schäden, sowie die Eiderdeiche 
selbst in Augenschein zu nehmen und dazu hatte ich 
im Herbst 1928, nachdem am 17. Nov. die schweren 
Sturmflutschäden entstanden waren, Gelegenheit, 
nach dem Dorfe Dielen, dem Tielener Koog und 
dem Tielenhemmer Koog hin einen Abstecher zu 
machen. 
Die Tielener Koog war damals, wie auch jetzt 
wieder, völlig überschwemmt, und es ragten überall 
nur die Hecktore aus dem Wasser hervor. Am mei 
sten war es mir darum zu tun, den Tielenhemmer 
Koog auf der Dithmarscher Seite zu sehen. Hier 
waren keine Schäden entstanden, doch war das 
Wasser so hoch gewesen, daß das Treibst! (der Teek- 
wall) nur eben unterhalb der Deichkrone und zum 
Teil auf derselben lag. Dieser Koog ist im Jahre 
!623 eingedeicht.*) Mein Augenmerk war deshalb 
besonders darauf gerichtet, die Geländehöhe des 
Kooges im Verhältnis zum Mittelhochwasser (M. 
h. W.) in der Eider zu ermitteln, ob sich vielleicht 
daraus eine Niveauverschiebung feststellen läßt. 
Beim Nivellementsfestpunkt Nr. 17. bei Ttelen- 
miner Fähre, konnte ich in einfachster Weist ein-ge 
pöhenmessungen machen, deren Ergebnisse alle aus 
untenstehender Zeichnung, welche jedoch nur in den 
höhen maßstäblich ist, ersichtlich sind. Hiernach er 
gibt sich nach dem Festpunkt Nr. 17, der 1,347 m 
über NN liegt, eine Deichhöhc von 3,50 m 4- NN, 
tine Geländehöhe im Kooge von 0,20 m + NN und 
eine Geländehöhe des Vorlandes am Eiderstrom 
von 1,40 m 4- NN. Da dos Mittelhochwasser in der 
Eider bei Tönning 1,25 m, bei Pahlhude 1,08 rn 
und bei Rendsburg 0,88 m über NN ist. so können 
.'ir damit rechnen, daß es bei Tielenhemmer Fähre 
etwa 1.00—1,05 m Uber NN liegt. Demnach würde, 
wie auch aus der Zeichnung ersichtlich, falls beim Tie- 
«enhemmer Koog der Deich zerstört wäre, schon jede 
gewöhnliche Flut das Gelände um 80 cm überflu 
ten. Das Borland liegt dagegen etwa 40 cm über 
M H. W. Die'es ist also seit der Eindeichung 1623 
um 1.20 m höher gelandet. 
Der heutige Tielenhemmer Koog ist ursprüng 
lich eine Eiderinstl gewesen und gehörte zu der Tie- 
lenburg, die an der Stelle des jetzigen Bauernhofes 
Vsrr NrröeeKÄ Drrkch. Mm'şşMNhĢZr b*i Hàm. 
gleichen Namens lag. Als die Burg 1500 geschleift 
wurde, wurde das Land aufgeteilt. Dies geschah 
nochmals im Jahre 1568. Die Aufteilungen setzen 
einen Nutzwert des Landes voraus. Deshalb muß 
seine Oberfläche damals über damaligem M. H. W. 
der Eider gelegen haben. Die Gelündehöhe wird 
auch z. Zt. der Eindeichung 1623, wenn stellenweise 
vielleicht nur wenig, aber immerhin über damaligem 
M. H. W. gelegen haben. Jedenfalls sind die Fluß- 
nstr, in denen die Deiche gebaut sind, im gleichen 
Höhenverhältnis zum M. H. W. gewesen wie die 
jetzigen Vorlandsfächen zum heutigen M. H. W., 
nämlich etwa 40 cm über M. H. W. Somit ergibt 
sich, wie es auch die Zeichnung verständlich macht, 
daß vor 300 Jahren in diesem Gebiet das M. H. W. 
in der Eider um etwa 1,20 m niedriger gewesen ist. 
Solche Niveauverschiebung, wie ich sie hier ge 
funden habe, wird sich an vielen Stellen an der Ei 
der nachweisen lassen. Ich habe sie übrigens auch, 
in etwas geringerem Maße bei Friedrich-stadt**) 
gefunden. Selbst an der Mündung der Elder bei 
Tönning sehen wir das Gleiche wie beim Tielen- 
hemmer Koog. Der nordöstlich vo^ Tönning le 
gende Süder-Friedrichs-Koog ist nämlich im Jahre 
1613 eingedeicht. Die Landfläche wird vorher als 
„Außendeich" (nach Eckermann) natürlich über M. 
H. W. gelegen haben. Rach dem Meßtischblatt 354 
„Tönning" ist hier die Geländehöhe mit 0,5 m + 
NN angegeben, während auf dem davor liegenden 
Oldensworther Vorland die Höhen mit 2,1 m + 
NN verzeichnet sind. Da das M. H. W. bei Tön 
ning 1,25 m + NN ist, so ergibt sich, daß das Vor 
land hier 0,85 m über M. W. H. und die Gelände- 
**) Jahrbuch 15 des Nordfr. Vereins für Heimatkunde. 
Seite 97. 
höhe des Kooges 0,75 in unter M. H. W. liegt. 
Wenn wir auch nur annehmen, daß das „Außen 
deichsland" vor der Eindeichung 1613 nur 25—15 
cm über damaligem M. H. W. gelegen hätte, so be 
trägt dann auch hier der Sentungsbetrag seitdem 
1,00—1,20 m in 316 Jahren — 31—36 cm im Jahr 
hundert. Diese Senkung ist gleichfalls und auch im 
fast gleichen Maße an anderen Orlen in Nord- und 
Ostfriesland festgestellt. So lange die Frage, ob 
das Land sinkt oder das Mittelhochwasser steigt, 
noch nicht geklärt ist, sind die Benennungen dieses 
geologischen Vorganges, nämlich „Landsenkung" 
oder „steigender Meeresspiegel", beide richüg und 
ihre Wahl ist gleichgültig, da es uns auf den End 
effekt, nämlich die ungünstigere Lage des Landes 
zum M. H. W., ankommt. Sowie also das M. H. 
W. an der Nordseeküstr gestiegen ist, so muß es auch 
in der Eider mitsteigen. Danach müssen bei Sturm 
fluten die Wassermassen auch hier einen immer hö 
heren Höchstwasserstand erreichen und sich die Ge 
fahren für die Eiderniederungen fortgesetzt ver 
größern. 
Die schwerwiegende und verhängnisvolle Aus 
wirkung der wahrscheinlich auch heute immer noch 
anhaltenden Landsenckung wird uns am besten ver 
ständlich, wenn wir uns einmal das Gegenteil vor 
stellen, nämlich, daß sich das Land höbe bezw. das 
Mittelhochwasser niedriger im Verhältnis zur 
Landoberfläche würde. 
Wenn also in den letzten 300 Jahren das M. 
H. W. in der Eider statt, wie es tatsächlich der Fall 
ist, 1,00—1,20 m höher, um soviel niedriger ge 
worden wäre, so brauchen die einmal gebauten 
Deiche gar nicht erhöht zu werden, Deichbrüche 
*) Geschichtliches siehe: Marten und Mäckelmann, ®e. 
würden nicht mehr vorkommen. Die Entwässerung 
der Köge würde ganz von selbst immer besser wer 
den. Das Bauen von Schöpfwerken käme nicht 
mehr in Frage. Das Strombett der Eider würde 
statt jetzt größer, immer schmäler geworden sein- 
Ihre Ufer würden immer weniger angegriffen, so 
daß Uferbefestigungen und Buschlahnungen immer 
weniger gemacht zu werden brauchen, und wir hät 
ten keine Veranlassung, die Eider noch abzudäm 
men. 
Wäre auch nur das Verhältnis des M. H. W- 
in der Eider zur Gelündehöhe seit auch nur 300 
Jahren unverändert geblieben, so wären diese kata 
strophalen Zustünde, wie sie jetzt vorliegen, eben 
falls nicht vorhanden. 
Da aber zur Zeit keine Anzeichen erkennbar 
sind, daß das Untertauchen des Landes aufhöre» 
wird, so bleibt gar nichts anderes iwAg, als die 
Eider abzudämmen. 
Das andere Projekt der Eiderregulierung, wo 
bei beabsichtigt wird, die Eider offen zu lassen, 
dürfte wohl noch wenig Erfolgsaussicht haben. Da 
die Flußlänge von Tönning bis Rendsburg 100 
Klni. beträgt, so wären fast 200 Klm. Deiche, zum 
Teil erheblich, mit ungeheurem Kostenaufwand zu 
verstärken. Zur besseren Entwässerung der ganze» 
Eidergebiete wäre dadurch dabei nicht das geringste 
gewonnen. Ein Schöpfwerk nach dem andern müßte 
dazu in Zukunft gebaut werden. Die Deiche müssen 
auch noch dem Sackungs- und Senkungsbetrag ent 
sprechend fortgesetzt erhöht werden. 
Bei einer Abdämmung der Eider dagegen lässt 
sich der mittlere Wasserspiegel etwa 1.50—2,00 m 
und mehr unter der jetzigen M. H. W.-Linie halten, 
so daß das Waffe,x aus den Kögen ohne Unter 
brechung abfließen kann. Die Entwässerung wird 
dadurch wesentlich gebessert. Die Instandhaltungs 
kosten der Deiche, Schleusen und Uferbefestigungen 
werden nur noch sehr gering sein. 
Auf die Finanzierung einer Abdämmung will 
ich nicht eingehen. Ich halte aber ein solches Knl- 
turwerl für ein produktives Unternehmen, weicht 
die Landgewinnung im Wattenmeer, wie die Ur 
barmachung von Heide und Moorland und soga^ 
die Eindeichung von neuen Kögen weit in de» 
Schatten stellt. Es ist darum dringend erforderlich- 
alle Hebel in Bewegung zu fetzen, daß endlich mit 
dem Werk begonnen wird, denn die Gefahr für 
Eidergebiete mit ihren völlig unzulänglichen Deicht" 
ist wirklich vorhanden, denn zu jeder Zeit kann eint 
Kcckasirophe eintreten, die alle bisherigen weit übe»' 
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