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Nr. 22
Zur Unterhaltung
Beilage der Schleswig.Holsteinischen Landes?,eitung sRendsburger Tageblatt)
Der Llngiücksftug -er „dtaüa“.
r-, den nächsten Tagen erscheint ein ausfiihr-
lyes Werk des Generals Nobile, das er den
Rechenschaftsbericht der „Jtalia"-Expedition
nnt. Angefangen von den ersten Unterredun-
» n, in denen der Gedanke einer neuen Nordpol-
kpsdition auftauchte, bis zur Rückkehr der Teil-
Şhmer nach Rom nach der Katastrophe und den
Malvollen Tagen auf dem Packeise enthält das
, uch alle Einzelheiten, die, soweit nur irgend mög-
durch Tatsachenmaterial und Dokumente be-
^8t sind. Mit Genehmigung des Verlages (Union
putsche Verlagsgesellschaft, Berlin) bringen wir
M dem Buche nachstehenden Auszug aus dem
Kapitel:
Wir treiben wieder nach Südosten
Ņ, Ņonr 3. bis 6. Juni wurde unsere moralische
^lderstandskraft auf eine harte Probe gestellt.
M neuer Nordwestwind kam auf, wehte unauf-
Mrlich und trieb uns daher wieder nach Südosten,
ämer weiter sahen wir die Foyn-Jnseln ent
schwinden.
Dieser Nordwestwind, der uns in den ersten
Ugen nach der Katastrophe nach unserem Er-
Men in die Nähe von Land Hintrieb, war jetzt
Ujer gefürchtetster Feind, da er uns forttrug von
Gebiet des Nordkaps, das man sich als
Utzerste Grenze für die Hilfsaktionen gesteckt
Mtte. Wie lange würde dieses neue Treiben nach
udosten dauern? Unendlich lange schien es.
. îagi, der vor dem Zelt seine heruntergefallenen
ntennnen aufsammelte, ging leise murmelnd hin
Md her. Aber er bezwang seine Wut, und neben
"M leisen, unverständlichen Flüchen vernahm man
. ur hin und wieder ein gutes Wort über „zu
Mmmen Wind".
Wenn dieser „zu dumme Wind" sehr stark
^hte, so daß die Insel schnell unseren Blicken
Uîchwand, empfanden wir, ich möchte es „einen
psychischen Eindruck des'Windes" nennen. Eine
Empfindung, die sich noch steigerte, wenn das hef
ige Klappern unserer Zeltwände uns lehrte, dag
leine Heftigkeit noch zunahm. '
Als ob wir mit Segeln navigierten, so kamen
vnr uns vor!
Tatsächlich aber war die Situation folgende:
^as Packeis bewegte sich je nach der Stärke der
^rise, es war wie ein schweigendes Uebereinkom-
Men. Die Seitenwände des Zeltes blühten sich
»ann und schlugen hin und her, ihr Rhythmus
Mang quälend in unsere Hirne und verschlimmerte
ņ«ch mehr die trostlosen sonnenarmen Stunden auf
aem Packeis.
Ganz mechanisch sandte Diagi immer noch un-
mre zwecklosen Hilferufe aus, dis sich'jetzt nur
Mch in großen Zwischenräumen vernehmen ließen.
„, r war nervös und reizbar. Fast schien es, als
® r an seinen eigenen Fähigkeiten zweifelte. Ver
zweifelt sagten wir uns immer wieder: „Man hört
Ms nicht und dabei treiben wir immer weiter nach
^Udosten". Ich erinnerte mich jetzt häufig daran.
Me Malmgreen mir auf der Karte gezeigt hatte,
c te wir trotz aller Umwege doch immer wieder die
oauptrichtung auf das Franz-Joseph-Land hatten.
Ich versuchte, uns Mut zuzusprechen, aber alle
^ gen in stiller Verzweiflung ihren Obliegenhei-
M. nach. Und doch durften wir auf die göttliche
Ersetzung vertrauen. Denn wir hatten schon bis-
Mr wahrlich eine wunderbare Rettung erfahren,
wott hatte uns nicht nur im Augenblick der Ka
tastrophe nicht umkommen lasten, sondern wir hat-
Mn auch Lebensmittel gefunden, um noch zwei
Monate leben zu können. Sollten wir hier wirk-
"w nur noch einige entbehrungsreiche Wochen aui
Packeis erleben, um dann zu sterben? Waren
-'chi Millionen Menschen in der Welt, die für uns
Meten? Und ich für meine Person habe immer
n dis Wirkung solcher Gebete geglaubt. Vor al-
schienen mir immer die Gebete der Kinder
°U wohlgefällig zu sein. Ich erzählte meinen
Kameraden, daß ich selber als Bub von neun
lehren mit Tränen in der Stimme und im Ver
alten auf die göttliche Vorsehung innige Gebete
Himmel sandte, daß meine Mutter, die ope-
^Mt werden sollte, wieder genesen möchte. Ich
M fest davon überzeugt, daß eine so flehentliche
"te erfüllt werden müßte, und>der Wunsch des
g schuldigen Kindes ging damals tatsächlich in
. mllung. Auch jetzt glaubte ich fest daran, daß
‘ n tgc und ehrliche Gebete zu unserer Rettung bei-
Mgen könnten.
!tfi ^îeser feste Glaube half mir über manche
Mvere Stunde hinweg, und ich glaube, daß es vor
m Cecioni ähnlich ging Aber auch Biagi und
chlieri nahmen, wenn ihre Verzweiflung allzu
wurde, Zuflucht zum Gebet. Nur Trojani
Ut? nie beten, und es gelang auch keinem von
ihm je ein einziges Lächeln abzuringen.
0 '*!£ Obliegenheiten erfüllte er schweigend und
^wîssenhaft und sein Eifer überraschte uns oft.
Tp-r/ reute ich mich, daß ich gerade ihn auch als
"ihaber ausgesucht hatte. Auch er versuchte alles,
linsere Cristen,zmöglichkeiten zu erhöhen, aber
weniger, weil er glaubte, daß wir dadurch noch
mehr Aussicht auf Rettung hatten, als aus mora
lischer Verpflichtung.
Es ist natürlich, daß meine Kameraden nicht
so sehr moralisch nindergedrückt waren wie ich sel
ber. Trotzdem ich ihnen allen immer wieder die
Risiken und Gefahren einer solchen Expedition vor
gehalten und klargemacht hatte, hatte doch wohl
keiner so sehr die Möglichkeit einer Katastrophe
ins Auge gefaßt wie ich selber. Ich entnahm das
aus gelegentlichen Gesprächen auf dem Packeis.
Und das beunruhigte mich unendlich. Mich selber
hatte die Katastrophe keineswegs unvorbereitet
getroffen, denn nur zu genau war ich mir über alle
Eventualitäten klar gewesen. Die schlimmste Ent
scheidung hatte für mich in dem Entschluß gelegen,
ob man eine solche Expedition unternehmen sollte
oder nicht. Tage und Nächte hindurch ging ich das
Für und Wider im Geiste durch und fragte mich
immer wieder, was das. richtigste sei. Auch wußte
ich nicht, ob ich es veranworten könnte, meine Fa
milie in Angst und Sorge zu stürzen. Aber alle
diese Ueberlegungen hatten doch dazu geführt, daß
ich mich mit gutem Gewissen zu der Expedition
entschlossen hatte. Ich hatte hierauf meine An
gelegenheiten geordnet, so, als ob ich bestimmt
nicht wiederkehren würde. Denn der Tod gehörte
ja keineswegs zu den Unwahrscheinlichkeiten. Im
Gegenteil, er gehörte mit zu den Möglichkeiten.
Jedesmal, wenn wir in Kingsbai starteten, hatte
ich zu mir selber gesagt: „Vielleicht kommen wir
nicht wieder", und mir schien darin nichts Un
natürliches. Ich fand sogar in dem Risiko des Un
ternehmens einen besonderen Reiz.
Zu meinen Kameraden sagte ich: „Wenn wir
Hier sterben müssen, so können wir es in dem
ruhigen Bewußtsein tun, unsere Pflicht erfüllt zu
haben. ^ Das Programm, das wir uns gestellt
haben, ist fast erfüllt. 134 Stunden hindurch haben
wir die Polarkalotte überflogen, und fast immer
über bisher unerforschten Regionen. Unsere Ex
pedition war die erste, auf einem Luftschiff unter
nommene, die ein wissenschaftliches Gepräge hatte
Ein großer Teil unseres Erfolges und unserer
Forschungsresultate sind sichergestellt, auch wenn
wir untergehen. Auch die Mission des Oberhaup
tes der Römisch-Katholischen Kirche haben wir er
füllt, wir haben das Kreuz Christi an den nörd
lichsten Punkt der Erde getragen. Mit ihm haben
wir die Trikolore unseres Vaterlandes abgewor
fen. Ganz Italien weiß das. Es ist wahr, das
sind nur Symbole, aber heilige Gleichnisse, die un
serem würdigen Unternehmen Schönheit und Poe
sie verleihen."
So sprach ich zu meinen Kameraden, während
mich die Verletzung an die Zeltwand in der hin
tersten Ecke des Zeltes gebannt hielt. In tief
stem Herzen empfand ich ein über das gewöhnliche
Matz hinaus gesteigertes erhabenes Gefühl. In
den zwei vergangenen Monaten höchster Befriedi
gung und tiefster Verzweiflung hatten wir Un
gewöhnliche» erlebt! Poesie lag in unseren Flügen.
Poesie in den Geduld erfordernden Arbeiten Pon-
tremolis und Behouneks. die während der ganzen
Flüge unermüdlich geschafft hatten, Poesie darin,
daß wir das Kreuz Christi an den Nordpol führ
ten, jenes höchste Symbol der Religion.
Und hatte nicht die ganze Welt einen Hauch
dieser Poesie gespürt? Menschen der verschieden
sten Anschauungen und verschiedensten Charakters
hatte dann unser Verschwinden erregt. Nun wür
den zahllose Angehörige verschiedenster Nationen
Hilfsaktionen einleiten.
„Vor allem", fuhr ich fort, „haben wir unsere
Pflicht erfüllt. In Italien wird man sich liebevoll
unserer Familien annehmen". Auch waren ja un-
ere Angehörigen im Falle unseres Todes wenig
stens materiell sichergestellt. Und dann würde
ihnen der Stolz auf die Leistungen der Verstor
benen die Trauer ein klein wenig erleichtern. Alles
dieses sagte ich meinen Kameraden. Meine Worte
chienen das auszudrücken, was sie selber empfan
den. Die Gesichter hellten sich auf, und sogar Tro-
anis Ausdruck war für Momente weniger düster.
Vigliri, Behounek und Biagi waren wohl ernit,
aber nicht traurig. An keinem von ihnen war
jener finstere Pessimismus zu merken, der Tro-
ani beherrschte. Was uns allen not tat, war. daß
uns Schuhzeug fehlte. Die „Finsko" waren all
mählich durch die Nässe unbrauchbar geworden, und
mit ihnen während der Wachtzeit im Schnee auf-
und abzugehen, war recht mühsam.
Schon an sich war eine Wache in Kälte, Wind
und Nebel nichts weniger als angenehm, am
schlimmsten aber wurde es empfunden, daß man
mitten aus dem Schlaf heraus, der uns wenigstens
für kurze Zeit unsere Lage vergessen ließ/ auf
Wache gehen mußte. Zwei bis drei Stunden
achtete man dann aufmerksam auf jede kleine Be
wegung des Eises und wartete gespannt auf di?
Annäherung von Bären. Vigliri und Trojani be
schäftigten sich dann mit dem Umgraben des
mà Creme wundervoll kühlend wirkt bei Juckreiz der Kaut und gleichzeitig eine vorzügliche UnterTage"für”Puder ïst. ‘Der^naähaltige Duft gleuhrelnem "aulrîsch‘ge^
î'ids^àlŞStrauô von Veilchen Maiglöckchen und Fheder, ohne jenen berüchtigten Moschusgeruch, den die vornehme Welt verabscheut. — Creme Leodor: Tube 60 Pr., große
1 Mk. — Leodor-Edel-Seife: Stuck 50 Pf, — In allen Chlorodont-Verkaufsstellen zu haben.
Pi D
en
Schnees, immer noch in der Hoffnung, Lebensmit
tel oder andere nützliche Dinge aufzufinden.
Meistens war die Suche vergebens, aber es kam
doch manchmal vor, daß noch ein winziges Stück
Schokolade erbeutet wurde oder eine Dose Pemmi-
kan, die wir dann befriedigt zu unseren Vorräten
legten. Behounek dagegen blieb während der Zeit
der Wache unbeweglich auf dem gleichen Fleck
stehen, nachdem er einmal, als er seine Wachsam
keit weit über die Grenzen unseres Eisblockes aus
gedehnt hatte, in einen Kanal gefallen war. Das
war eine üble Sache, da wir keine Sachen zu wech
seln besaßen. Nun zog er es vor, stillzustehen
Oft beunruhigte es mich, ihn nicht hin- und her
gehen zu hören, und in der Furcht, ihm könnte et
was zugestoßen sein, fragte ich dann: „Nichts
Neues, Behounek?" — „Nichts", antwortete er
dann gelassen.
Fröhlicher als die anderen, wenn man eine
gewisse Lebhaftigkeit, die wir hin und wieder zeig
ten, überhaupt als Fröhlichkeit bezeichnen kann,
war Biagi. Trotzdem er keinerlei Hoffnung mehr
auf das Radio hatte, vertraute er immer noch auf
ein gutes Ende. Eine Zuversicht, die ihm in dem
Augenblick gekommen war, als sich die drei ande
ren in Marsch gesetzt hatten, um die Küste zu er
reichen. Ganz verwundert war ich, als ich ihn
eines Morgens, als „der zu dumme Wind" aus
Nordosten nicht wehte und wir die Inseln sehen
konnten, das Volkslied summen hörte: „Eina, la
mia bella Ginn!" Die Stimmung Biagis wirkte
ansteckend auf uns anders, und Trojani stimmte
ein. Zum erstenmal hörte ich, daß er eine wun
dervolle. Stimme hatte, die mich dazu veranlaßte,
ihm herzlich zu applaudieren.
Erfreut über diese unerwartete Heiterkeit ließ
ich den beiden Sängern eine Sonderration Zucker
zuteilen, um sie damit zu ermuntern, öfter ihren
Gesang zu wiederholen. Aber leider verstummte
schon am nächsten Tage wieder jener Gesang und
alle Freude war dahin, denn erneut wurden wir
nach Südosten getrieben.
Wie zu Anfang des Kapitels schon erwähnt,
bemächtigte sich unserer große Niedergeschlagenheit,
als wir in der Zeit vom 3. bis 6 Juli fortgesetzt
nach Südosten abgetrieben wurden. Immer wie
der spähten wir angstvoll, ob sich nicht die Inseln
zwischen den Wolken am Horizont sehen ließen.
Viglieri machte wiederholte Beobachtungen in der
Hoffnung, daß wir unbemerkt wieder in anderer
Richtung versetzt wurden. Leider war dies nicht
der Fall. Kein Sonnenstrahl ließ sich blicken und
wenn es wirklich einmal etwas klarer wurde, muß
ten wir zu unserem Schrecken feststellen, daß wir
immer weiter von den Inseln abgetrieben wurden
Dagegen entdeckten wir mittels des Fernglases die
Umrisse von Kap Leigh-Smith.
Der Gedanke quälte mich, wo wir wohl enden
würden? Vielleicht würden wir in eitrigen Tagen
die Leigh-Smith-Spitze erreicht haben. Indem
wir nach Slldosten trieben, entfernten wir uns
also auch immer weiter von dem Nordostland. Da
mit verschwand die letzte Hoffnung, daß uns ir
gendwelche Hilfsaktionen noch lebend auffinden
könnten. Das Radio konnte uns jetzt gar nichts
mehr nutzen, denn wenn der Sender wirkliche zu
schwach für weitere Strecken war, so konnte er jetzt
bei noch größerer Entfernung unmöglich gehört
werden. Was tun? Diese angstvolle Frage las
jeder auf dem Gesicht des anderen. Ich sah mei
nem eigenen Tode ruhig entgegen; aber unerträg
lich war der Gedanke, daß meine Kameraden auch
umkommen sollten. Wie gesagt, wenn wir noch
weiter nach Osten trieben, war keine Hoffnung
mehr auf das Radio. Ich wollte dann darauf be
stehen, daß meine Gefährten auf alle Fälle als
letzten Ausweg noch versuchen sollten, die Küste zu
erreichen, so aussichtslos auch solcher Marsch schien,
-dch verstand, daß wir beiden Verletzten eine große
Belastung für die übrigen vier bilden mußten, und
deshalb wollte ich sie van uns befreien.
In mir reifte ein Entschluß. „Wenn wir wei
ter nach Südosten treiben, würde ich, sowie wir in
die Nähe — also ungefähr zehn Meilen — von
Kap Leigh-Lmith kämen, Viglieri auftragen, uns
mit Trojani, Behounek und Biagi zu verlassen und
sich in Richtung des Festlandes in Marsch zu setzen.
Alle Schwierigkeiten eines solchen Marsches wür
den sie gern in der Hoffnung auf Rettung auf sich
nehmen. Für Cecioni wollte ich sorgen. Cecioni !
war bedeutend ruhiger geworden, die Absicht, mit
ihm allein zurückzubleiben, schien nicht mehr so
schwer auszuführen wie vorher. Er hatte sich
scheinbar in sein Schicksal ergeben. Mit dem Fort
gang der drei Kameraden war die gefährlichste
Krise überwunden. Er dachte jetzt nicht mehr dar
an. daß man ihn als Verwundeten auf einen
Marsch mitnehmen sollte. Einmal hatte er noch
davon gesprochen, das war an dem Tage, nachdem
uns Mariano, Zappi und Malmgreen verlassen
hatten und einer mit dem Fernglas festzustellen
glaubte, daß sie wieder zurückkehrten. In Cecioni
war sofort der Gedanke wach geworden, daß sie den
Kanal bis fast zur Insel verfolgten hätten und
nun kämen, auch uns zu holen, wie sie es für die-
Monkag, den 27. Januar
sen Fall versprochen hatten. „Sie kommen zurück,
sie kommen, uns holen!" jubelte er, und seine
Augen glühten vor Erregung und Freude. „Nein,
sie kommen nicht!" hatte ich fast hart gesagt, um
diese Hoffnung gleich im Keim zu ersticken.
Seitdem hatte er nie wieder davon gesprochen.
Eine ergebene Ruhe war über ihn gekommen. Es
würde nicht mehr schwer sein, ihn von der Not
wendigkeit, hier mit mir allein zurückzubleiben, zu
überzeugen.
Eindringlich sprach ich zu ihm, daß wir nicht
das Recht dazu Hütten, unseren Kameraden die
letzte Möglichkeit auf Rettung dadurch zu nehmen,
daß wir sie an uns fesselten. Wir müßten sie gehen
lassen, zureden müßten wir ihnen dazu, auch wenn
sie nicht wollen. Wenn wir beide allein sein wür
den, würde es nicht so furchtbar sein, wie er es sich
jetzt vorstellte. Cecioni widersprach mir, aber sein
Ton ließ vermuten, daß er doch noch zu überreden
wäre. Die größte Schwierigkeit schien also über
wunden.
Ich glaube, daß der Gedanke, meine gesunden
Kameraden fortzuschicken, wenn ein Hierbleiben
den sicheren Tod bedeuten würde, nicht nur von
Pflichtgefühl diktiert war, sondern weil es mir un
erträglich sein würde, Zeuge ihrer Verzweiflung
zu sein. Die gleiche Empfindung bestimmte mich
auch dazu, mir vorzunehmen, wenn Cecioni und ich
allein bleiben würden, mich von ihm zu trennen,
wenn ich mein Ende nahen sähe, um allein zu
sterben.
Die Vorstellung des Sterbens schreckte mich
selber nicht einen Augenblick. Ich war fest davon
überzeugt, daß der Hungertod in der Stille der
Eiswüste nicht schmerzlich sein würde. Ein sanftes
Hinüberschlummern vom Leben zum Tode erwar
tete uns. Ein solcher Tod hatte gewiß nichts Furcht
bares, wenn man allein war und nicht das lang
same Hinsterben seiner lieben Kameraden mit an
sehen mußte. So kam mir auch nie der Gedanke,
selbst Hand an mein Leben zu legen, obgleich die
Pistole fast herausfordernd an der Zeltstange hing.
Nachdem ich mit Cecioni gesprochen hatte,
redete ich mit Behounek und Trojani. Biagi und
Viglieri stimmten ohne weiteres meinen Entschei
dungen zu. „Ich tue, was Sie bestimmen", sagte
Trojani.
Behounek, den ich fragte, ob er sich imstande
fühle, einen längeren Marsch zu unternehmen,
meinte: ich verstehe nicht, warum Sie mich fragen:
Ich bin bisher bei Ihnen geblieben und werde Sie
auch jetzt nicht verlassen".
Ich glaube, den Charakter des jungen Gelehr
ten genügend zu kennen, um doch noch hoffen zu
können, daß er seine Absicht ändere. Vorläufig
beruhigte ich mich dabei, daß ja noch Zeit wäre,
denn das Kap Leigh-Smith war noch weit ent
fern, und erst dann, wenn wir ihm sehr nahe sein
würden, wollte ich auf meiner Anordnung be
stehen, Cecioni und mich zu verlassen. Vielleicht
hörte aber jemand inzwischen unsere Hilferufe.
Noch heute erinnere ich mich mit Bewegung
der Antwort Behouneks. Nie hatte ich daran ge
zweifelt, einen überaus edlen Menschen in ihm zu
kennen, und bewunderte immer seine unerschütter
liche Ruhe, die er bis zu diesem Augenblick ge
zeigt hatte. Nie bemerkte ich bei ihm ein Zeichen
von Mutlosigkeit. Nachdem uns die drei verlassen
hatten, sah ich ihn oft lächeln, hauptsächlich dann,
wenn er mich bitten kam, noch ein Stücken Butter
zum Kochen herauszugeben.
Ich sehe ihn heute noch wie damals vor mir:
Durchnäßt, voll Schweiß, mit rußgeschwärzten
Fingern. Gleich nach der Katastrophe hatte er aus
dem Schnee seine Instrumente aufgesammelt und
in Ordnung gebracht und sofort die durch den
Sturz unterbrochenen Beobachtungen wieder auf
genommen. Als ich ihn einige Tage nach der Ka
tastrophe fragte, ob er hier auf dem Packeis Mes
sungen machen könnte, hatte er mir freudestrahlend
geantwortet:
, „Mais out, man general, j'ai repris les obser
vation, il y a quelques jours", („Natürlich, Herr
General, ich habe sie schon schon seit einigen Tagen
wieder aufgenommen".)
Auch Archimedes setzte seine Berechnungen
ruhig weiter fort, nachdem die feindlichen Soldaten
in sein Haus eingefallen waren! —
Selbst in unserer sorgenvollen Lage hätte er
daran gedacht, einige Filmrollen zu trocknen, die
wertvolle Denkmale unseres letzten Fluges be
deuteten.
In einem ersten Hotel von Plymouth bedient
unter anderen auch ein recht behäbiger Oberkellner
Dieter hat unter teilten Stammgästen einen Herrn,
der sich eines noch bedeutenderen Leibesumfanges
rühmen kann. Das Gewicht beider war ein fort
währender Grund zum Scherze, für den Kellner
aber von großer Tragweite, da er am letzten eines
jeden Monats als Trinkgeld stets den Unterschied
zwischen den beiden Gewichten — für jedes Pfund
einen Schilling — erhielt. Augenblicklich wiegt der
Gast über 40 Pfund mehr als der Kellner, so daß
dieser sehr zufrieden lein kann.
und des Gesichts. sdimerzhaftem Brennen sowie Röte und Juckreiz der
Haut, unschöner Hautfarbe und Teintfehlern verwendet man am besten
die schneeig-weiße, fettfreie, glyzerinhaltige Creme Leodor, welche den
Händen und dem Gesicht jene matte Weiße verleiht, die der vornehmen
Dame erwünscht ist. Ein besonderer Vorteil liegt auch darin, daß diese