Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 1)

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Nr. 22 
Zur Unterhaltung 
Beilage der Schleswig.Holsteinischen Landes?,eitung sRendsburger Tageblatt) 
Der Llngiücksftug -er „dtaüa“. 
r-, den nächsten Tagen erscheint ein ausfiihr- 
lyes Werk des Generals Nobile, das er den 
Rechenschaftsbericht der „Jtalia"-Expedition 
nnt. Angefangen von den ersten Unterredun- 
» n, in denen der Gedanke einer neuen Nordpol- 
kpsdition auftauchte, bis zur Rückkehr der Teil- 
Şhmer nach Rom nach der Katastrophe und den 
Malvollen Tagen auf dem Packeise enthält das 
, uch alle Einzelheiten, die, soweit nur irgend mög- 
durch Tatsachenmaterial und Dokumente be- 
^8t sind. Mit Genehmigung des Verlages (Union 
putsche Verlagsgesellschaft, Berlin) bringen wir 
M dem Buche nachstehenden Auszug aus dem 
Kapitel: 
Wir treiben wieder nach Südosten 
Ņ, Ņonr 3. bis 6. Juni wurde unsere moralische 
^lderstandskraft auf eine harte Probe gestellt. 
M neuer Nordwestwind kam auf, wehte unauf- 
Mrlich und trieb uns daher wieder nach Südosten, 
ämer weiter sahen wir die Foyn-Jnseln ent 
schwinden. 
Dieser Nordwestwind, der uns in den ersten 
Ugen nach der Katastrophe nach unserem Er- 
Men in die Nähe von Land Hintrieb, war jetzt 
Ujer gefürchtetster Feind, da er uns forttrug von 
Gebiet des Nordkaps, das man sich als 
Utzerste Grenze für die Hilfsaktionen gesteckt 
Mtte. Wie lange würde dieses neue Treiben nach 
udosten dauern? Unendlich lange schien es. 
. îagi, der vor dem Zelt seine heruntergefallenen 
ntennnen aufsammelte, ging leise murmelnd hin 
Md her. Aber er bezwang seine Wut, und neben 
"M leisen, unverständlichen Flüchen vernahm man 
. ur hin und wieder ein gutes Wort über „zu 
Mmmen Wind". 
Wenn dieser „zu dumme Wind" sehr stark 
^hte, so daß die Insel schnell unseren Blicken 
Uîchwand, empfanden wir, ich möchte es „einen 
psychischen Eindruck des'Windes" nennen. Eine 
Empfindung, die sich noch steigerte, wenn das hef 
ige Klappern unserer Zeltwände uns lehrte, dag 
leine Heftigkeit noch zunahm. ' 
Als ob wir mit Segeln navigierten, so kamen 
vnr uns vor! 
Tatsächlich aber war die Situation folgende: 
^as Packeis bewegte sich je nach der Stärke der 
^rise, es war wie ein schweigendes Uebereinkom- 
Men. Die Seitenwände des Zeltes blühten sich 
»ann und schlugen hin und her, ihr Rhythmus 
Mang quälend in unsere Hirne und verschlimmerte 
ņ«ch mehr die trostlosen sonnenarmen Stunden auf 
aem Packeis. 
Ganz mechanisch sandte Diagi immer noch un- 
mre zwecklosen Hilferufe aus, dis sich'jetzt nur 
Mch in großen Zwischenräumen vernehmen ließen. 
„, r war nervös und reizbar. Fast schien es, als 
® r an seinen eigenen Fähigkeiten zweifelte. Ver 
zweifelt sagten wir uns immer wieder: „Man hört 
Ms nicht und dabei treiben wir immer weiter nach 
^Udosten". Ich erinnerte mich jetzt häufig daran. 
Me Malmgreen mir auf der Karte gezeigt hatte, 
c te wir trotz aller Umwege doch immer wieder die 
oauptrichtung auf das Franz-Joseph-Land hatten. 
Ich versuchte, uns Mut zuzusprechen, aber alle 
^ gen in stiller Verzweiflung ihren Obliegenhei- 
M. nach. Und doch durften wir auf die göttliche 
Ersetzung vertrauen. Denn wir hatten schon bis- 
Mr wahrlich eine wunderbare Rettung erfahren, 
wott hatte uns nicht nur im Augenblick der Ka 
tastrophe nicht umkommen lasten, sondern wir hat- 
Mn auch Lebensmittel gefunden, um noch zwei 
Monate leben zu können. Sollten wir hier wirk- 
"w nur noch einige entbehrungsreiche Wochen aui 
Packeis erleben, um dann zu sterben? Waren 
-'chi Millionen Menschen in der Welt, die für uns 
Meten? Und ich für meine Person habe immer 
n dis Wirkung solcher Gebete geglaubt. Vor al- 
schienen mir immer die Gebete der Kinder 
°U wohlgefällig zu sein. Ich erzählte meinen 
Kameraden, daß ich selber als Bub von neun 
lehren mit Tränen in der Stimme und im Ver 
alten auf die göttliche Vorsehung innige Gebete 
Himmel sandte, daß meine Mutter, die ope- 
^Mt werden sollte, wieder genesen möchte. Ich 
M fest davon überzeugt, daß eine so flehentliche 
"te erfüllt werden müßte, und>der Wunsch des 
g schuldigen Kindes ging damals tatsächlich in 
. mllung. Auch jetzt glaubte ich fest daran, daß 
‘ n tgc und ehrliche Gebete zu unserer Rettung bei- 
Mgen könnten. 
!tfi ^îeser feste Glaube half mir über manche 
Mvere Stunde hinweg, und ich glaube, daß es vor 
m Cecioni ähnlich ging Aber auch Biagi und 
chlieri nahmen, wenn ihre Verzweiflung allzu 
wurde, Zuflucht zum Gebet. Nur Trojani 
Ut? nie beten, und es gelang auch keinem von 
ihm je ein einziges Lächeln abzuringen. 
0 '*!£ Obliegenheiten erfüllte er schweigend und 
^wîssenhaft und sein Eifer überraschte uns oft. 
Tp-r/ reute ich mich, daß ich gerade ihn auch als 
"ihaber ausgesucht hatte. Auch er versuchte alles, 
linsere Cristen,zmöglichkeiten zu erhöhen, aber 
weniger, weil er glaubte, daß wir dadurch noch 
mehr Aussicht auf Rettung hatten, als aus mora 
lischer Verpflichtung. 
Es ist natürlich, daß meine Kameraden nicht 
so sehr moralisch nindergedrückt waren wie ich sel 
ber. Trotzdem ich ihnen allen immer wieder die 
Risiken und Gefahren einer solchen Expedition vor 
gehalten und klargemacht hatte, hatte doch wohl 
keiner so sehr die Möglichkeit einer Katastrophe 
ins Auge gefaßt wie ich selber. Ich entnahm das 
aus gelegentlichen Gesprächen auf dem Packeis. 
Und das beunruhigte mich unendlich. Mich selber 
hatte die Katastrophe keineswegs unvorbereitet 
getroffen, denn nur zu genau war ich mir über alle 
Eventualitäten klar gewesen. Die schlimmste Ent 
scheidung hatte für mich in dem Entschluß gelegen, 
ob man eine solche Expedition unternehmen sollte 
oder nicht. Tage und Nächte hindurch ging ich das 
Für und Wider im Geiste durch und fragte mich 
immer wieder, was das. richtigste sei. Auch wußte 
ich nicht, ob ich es veranworten könnte, meine Fa 
milie in Angst und Sorge zu stürzen. Aber alle 
diese Ueberlegungen hatten doch dazu geführt, daß 
ich mich mit gutem Gewissen zu der Expedition 
entschlossen hatte. Ich hatte hierauf meine An 
gelegenheiten geordnet, so, als ob ich bestimmt 
nicht wiederkehren würde. Denn der Tod gehörte 
ja keineswegs zu den Unwahrscheinlichkeiten. Im 
Gegenteil, er gehörte mit zu den Möglichkeiten. 
Jedesmal, wenn wir in Kingsbai starteten, hatte 
ich zu mir selber gesagt: „Vielleicht kommen wir 
nicht wieder", und mir schien darin nichts Un 
natürliches. Ich fand sogar in dem Risiko des Un 
ternehmens einen besonderen Reiz. 
Zu meinen Kameraden sagte ich: „Wenn wir 
Hier sterben müssen, so können wir es in dem 
ruhigen Bewußtsein tun, unsere Pflicht erfüllt zu 
haben. ^ Das Programm, das wir uns gestellt 
haben, ist fast erfüllt. 134 Stunden hindurch haben 
wir die Polarkalotte überflogen, und fast immer 
über bisher unerforschten Regionen. Unsere Ex 
pedition war die erste, auf einem Luftschiff unter 
nommene, die ein wissenschaftliches Gepräge hatte 
Ein großer Teil unseres Erfolges und unserer 
Forschungsresultate sind sichergestellt, auch wenn 
wir untergehen. Auch die Mission des Oberhaup 
tes der Römisch-Katholischen Kirche haben wir er 
füllt, wir haben das Kreuz Christi an den nörd 
lichsten Punkt der Erde getragen. Mit ihm haben 
wir die Trikolore unseres Vaterlandes abgewor 
fen. Ganz Italien weiß das. Es ist wahr, das 
sind nur Symbole, aber heilige Gleichnisse, die un 
serem würdigen Unternehmen Schönheit und Poe 
sie verleihen." 
So sprach ich zu meinen Kameraden, während 
mich die Verletzung an die Zeltwand in der hin 
tersten Ecke des Zeltes gebannt hielt. In tief 
stem Herzen empfand ich ein über das gewöhnliche 
Matz hinaus gesteigertes erhabenes Gefühl. In 
den zwei vergangenen Monaten höchster Befriedi 
gung und tiefster Verzweiflung hatten wir Un 
gewöhnliche» erlebt! Poesie lag in unseren Flügen. 
Poesie in den Geduld erfordernden Arbeiten Pon- 
tremolis und Behouneks. die während der ganzen 
Flüge unermüdlich geschafft hatten, Poesie darin, 
daß wir das Kreuz Christi an den Nordpol führ 
ten, jenes höchste Symbol der Religion. 
Und hatte nicht die ganze Welt einen Hauch 
dieser Poesie gespürt? Menschen der verschieden 
sten Anschauungen und verschiedensten Charakters 
hatte dann unser Verschwinden erregt. Nun wür 
den zahllose Angehörige verschiedenster Nationen 
Hilfsaktionen einleiten. 
„Vor allem", fuhr ich fort, „haben wir unsere 
Pflicht erfüllt. In Italien wird man sich liebevoll 
unserer Familien annehmen". Auch waren ja un- 
ere Angehörigen im Falle unseres Todes wenig 
stens materiell sichergestellt. Und dann würde 
ihnen der Stolz auf die Leistungen der Verstor 
benen die Trauer ein klein wenig erleichtern. Alles 
dieses sagte ich meinen Kameraden. Meine Worte 
chienen das auszudrücken, was sie selber empfan 
den. Die Gesichter hellten sich auf, und sogar Tro- 
anis Ausdruck war für Momente weniger düster. 
Vigliri, Behounek und Biagi waren wohl ernit, 
aber nicht traurig. An keinem von ihnen war 
jener finstere Pessimismus zu merken, der Tro- 
ani beherrschte. Was uns allen not tat, war. daß 
uns Schuhzeug fehlte. Die „Finsko" waren all 
mählich durch die Nässe unbrauchbar geworden, und 
mit ihnen während der Wachtzeit im Schnee auf- 
und abzugehen, war recht mühsam. 
Schon an sich war eine Wache in Kälte, Wind 
und Nebel nichts weniger als angenehm, am 
schlimmsten aber wurde es empfunden, daß man 
mitten aus dem Schlaf heraus, der uns wenigstens 
für kurze Zeit unsere Lage vergessen ließ/ auf 
Wache gehen mußte. Zwei bis drei Stunden 
achtete man dann aufmerksam auf jede kleine Be 
wegung des Eises und wartete gespannt auf di? 
Annäherung von Bären. Vigliri und Trojani be 
schäftigten sich dann mit dem Umgraben des 
mà Creme wundervoll kühlend wirkt bei Juckreiz der Kaut und gleichzeitig eine vorzügliche UnterTage"für”Puder ïst. ‘Der^naähaltige Duft gleuhrelnem "aulrîsch‘ge^ 
î'ids^àlŞStrauô von Veilchen Maiglöckchen und Fheder, ohne jenen berüchtigten Moschusgeruch, den die vornehme Welt verabscheut. — Creme Leodor: Tube 60 Pr., große 
1 Mk. — Leodor-Edel-Seife: Stuck 50 Pf, — In allen Chlorodont-Verkaufsstellen zu haben. 
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en 
Schnees, immer noch in der Hoffnung, Lebensmit 
tel oder andere nützliche Dinge aufzufinden. 
Meistens war die Suche vergebens, aber es kam 
doch manchmal vor, daß noch ein winziges Stück 
Schokolade erbeutet wurde oder eine Dose Pemmi- 
kan, die wir dann befriedigt zu unseren Vorräten 
legten. Behounek dagegen blieb während der Zeit 
der Wache unbeweglich auf dem gleichen Fleck 
stehen, nachdem er einmal, als er seine Wachsam 
keit weit über die Grenzen unseres Eisblockes aus 
gedehnt hatte, in einen Kanal gefallen war. Das 
war eine üble Sache, da wir keine Sachen zu wech 
seln besaßen. Nun zog er es vor, stillzustehen 
Oft beunruhigte es mich, ihn nicht hin- und her 
gehen zu hören, und in der Furcht, ihm könnte et 
was zugestoßen sein, fragte ich dann: „Nichts 
Neues, Behounek?" — „Nichts", antwortete er 
dann gelassen. 
Fröhlicher als die anderen, wenn man eine 
gewisse Lebhaftigkeit, die wir hin und wieder zeig 
ten, überhaupt als Fröhlichkeit bezeichnen kann, 
war Biagi. Trotzdem er keinerlei Hoffnung mehr 
auf das Radio hatte, vertraute er immer noch auf 
ein gutes Ende. Eine Zuversicht, die ihm in dem 
Augenblick gekommen war, als sich die drei ande 
ren in Marsch gesetzt hatten, um die Küste zu er 
reichen. Ganz verwundert war ich, als ich ihn 
eines Morgens, als „der zu dumme Wind" aus 
Nordosten nicht wehte und wir die Inseln sehen 
konnten, das Volkslied summen hörte: „Eina, la 
mia bella Ginn!" Die Stimmung Biagis wirkte 
ansteckend auf uns anders, und Trojani stimmte 
ein. Zum erstenmal hörte ich, daß er eine wun 
dervolle. Stimme hatte, die mich dazu veranlaßte, 
ihm herzlich zu applaudieren. 
Erfreut über diese unerwartete Heiterkeit ließ 
ich den beiden Sängern eine Sonderration Zucker 
zuteilen, um sie damit zu ermuntern, öfter ihren 
Gesang zu wiederholen. Aber leider verstummte 
schon am nächsten Tage wieder jener Gesang und 
alle Freude war dahin, denn erneut wurden wir 
nach Südosten getrieben. 
Wie zu Anfang des Kapitels schon erwähnt, 
bemächtigte sich unserer große Niedergeschlagenheit, 
als wir in der Zeit vom 3. bis 6 Juli fortgesetzt 
nach Südosten abgetrieben wurden. Immer wie 
der spähten wir angstvoll, ob sich nicht die Inseln 
zwischen den Wolken am Horizont sehen ließen. 
Viglieri machte wiederholte Beobachtungen in der 
Hoffnung, daß wir unbemerkt wieder in anderer 
Richtung versetzt wurden. Leider war dies nicht 
der Fall. Kein Sonnenstrahl ließ sich blicken und 
wenn es wirklich einmal etwas klarer wurde, muß 
ten wir zu unserem Schrecken feststellen, daß wir 
immer weiter von den Inseln abgetrieben wurden 
Dagegen entdeckten wir mittels des Fernglases die 
Umrisse von Kap Leigh-Smith. 
Der Gedanke quälte mich, wo wir wohl enden 
würden? Vielleicht würden wir in eitrigen Tagen 
die Leigh-Smith-Spitze erreicht haben. Indem 
wir nach Slldosten trieben, entfernten wir uns 
also auch immer weiter von dem Nordostland. Da 
mit verschwand die letzte Hoffnung, daß uns ir 
gendwelche Hilfsaktionen noch lebend auffinden 
könnten. Das Radio konnte uns jetzt gar nichts 
mehr nutzen, denn wenn der Sender wirkliche zu 
schwach für weitere Strecken war, so konnte er jetzt 
bei noch größerer Entfernung unmöglich gehört 
werden. Was tun? Diese angstvolle Frage las 
jeder auf dem Gesicht des anderen. Ich sah mei 
nem eigenen Tode ruhig entgegen; aber unerträg 
lich war der Gedanke, daß meine Kameraden auch 
umkommen sollten. Wie gesagt, wenn wir noch 
weiter nach Osten trieben, war keine Hoffnung 
mehr auf das Radio. Ich wollte dann darauf be 
stehen, daß meine Gefährten auf alle Fälle als 
letzten Ausweg noch versuchen sollten, die Küste zu 
erreichen, so aussichtslos auch solcher Marsch schien, 
-dch verstand, daß wir beiden Verletzten eine große 
Belastung für die übrigen vier bilden mußten, und 
deshalb wollte ich sie van uns befreien. 
In mir reifte ein Entschluß. „Wenn wir wei 
ter nach Südosten treiben, würde ich, sowie wir in 
die Nähe — also ungefähr zehn Meilen — von 
Kap Leigh-Lmith kämen, Viglieri auftragen, uns 
mit Trojani, Behounek und Biagi zu verlassen und 
sich in Richtung des Festlandes in Marsch zu setzen. 
Alle Schwierigkeiten eines solchen Marsches wür 
den sie gern in der Hoffnung auf Rettung auf sich 
nehmen. Für Cecioni wollte ich sorgen. Cecioni ! 
war bedeutend ruhiger geworden, die Absicht, mit 
ihm allein zurückzubleiben, schien nicht mehr so 
schwer auszuführen wie vorher. Er hatte sich 
scheinbar in sein Schicksal ergeben. Mit dem Fort 
gang der drei Kameraden war die gefährlichste 
Krise überwunden. Er dachte jetzt nicht mehr dar 
an. daß man ihn als Verwundeten auf einen 
Marsch mitnehmen sollte. Einmal hatte er noch 
davon gesprochen, das war an dem Tage, nachdem 
uns Mariano, Zappi und Malmgreen verlassen 
hatten und einer mit dem Fernglas festzustellen 
glaubte, daß sie wieder zurückkehrten. In Cecioni 
war sofort der Gedanke wach geworden, daß sie den 
Kanal bis fast zur Insel verfolgten hätten und 
nun kämen, auch uns zu holen, wie sie es für die- 
Monkag, den 27. Januar 
sen Fall versprochen hatten. „Sie kommen zurück, 
sie kommen, uns holen!" jubelte er, und seine 
Augen glühten vor Erregung und Freude. „Nein, 
sie kommen nicht!" hatte ich fast hart gesagt, um 
diese Hoffnung gleich im Keim zu ersticken. 
Seitdem hatte er nie wieder davon gesprochen. 
Eine ergebene Ruhe war über ihn gekommen. Es 
würde nicht mehr schwer sein, ihn von der Not 
wendigkeit, hier mit mir allein zurückzubleiben, zu 
überzeugen. 
Eindringlich sprach ich zu ihm, daß wir nicht 
das Recht dazu Hütten, unseren Kameraden die 
letzte Möglichkeit auf Rettung dadurch zu nehmen, 
daß wir sie an uns fesselten. Wir müßten sie gehen 
lassen, zureden müßten wir ihnen dazu, auch wenn 
sie nicht wollen. Wenn wir beide allein sein wür 
den, würde es nicht so furchtbar sein, wie er es sich 
jetzt vorstellte. Cecioni widersprach mir, aber sein 
Ton ließ vermuten, daß er doch noch zu überreden 
wäre. Die größte Schwierigkeit schien also über 
wunden. 
Ich glaube, daß der Gedanke, meine gesunden 
Kameraden fortzuschicken, wenn ein Hierbleiben 
den sicheren Tod bedeuten würde, nicht nur von 
Pflichtgefühl diktiert war, sondern weil es mir un 
erträglich sein würde, Zeuge ihrer Verzweiflung 
zu sein. Die gleiche Empfindung bestimmte mich 
auch dazu, mir vorzunehmen, wenn Cecioni und ich 
allein bleiben würden, mich von ihm zu trennen, 
wenn ich mein Ende nahen sähe, um allein zu 
sterben. 
Die Vorstellung des Sterbens schreckte mich 
selber nicht einen Augenblick. Ich war fest davon 
überzeugt, daß der Hungertod in der Stille der 
Eiswüste nicht schmerzlich sein würde. Ein sanftes 
Hinüberschlummern vom Leben zum Tode erwar 
tete uns. Ein solcher Tod hatte gewiß nichts Furcht 
bares, wenn man allein war und nicht das lang 
same Hinsterben seiner lieben Kameraden mit an 
sehen mußte. So kam mir auch nie der Gedanke, 
selbst Hand an mein Leben zu legen, obgleich die 
Pistole fast herausfordernd an der Zeltstange hing. 
Nachdem ich mit Cecioni gesprochen hatte, 
redete ich mit Behounek und Trojani. Biagi und 
Viglieri stimmten ohne weiteres meinen Entschei 
dungen zu. „Ich tue, was Sie bestimmen", sagte 
Trojani. 
Behounek, den ich fragte, ob er sich imstande 
fühle, einen längeren Marsch zu unternehmen, 
meinte: ich verstehe nicht, warum Sie mich fragen: 
Ich bin bisher bei Ihnen geblieben und werde Sie 
auch jetzt nicht verlassen". 
Ich glaube, den Charakter des jungen Gelehr 
ten genügend zu kennen, um doch noch hoffen zu 
können, daß er seine Absicht ändere. Vorläufig 
beruhigte ich mich dabei, daß ja noch Zeit wäre, 
denn das Kap Leigh-Smith war noch weit ent 
fern, und erst dann, wenn wir ihm sehr nahe sein 
würden, wollte ich auf meiner Anordnung be 
stehen, Cecioni und mich zu verlassen. Vielleicht 
hörte aber jemand inzwischen unsere Hilferufe. 
Noch heute erinnere ich mich mit Bewegung 
der Antwort Behouneks. Nie hatte ich daran ge 
zweifelt, einen überaus edlen Menschen in ihm zu 
kennen, und bewunderte immer seine unerschütter 
liche Ruhe, die er bis zu diesem Augenblick ge 
zeigt hatte. Nie bemerkte ich bei ihm ein Zeichen 
von Mutlosigkeit. Nachdem uns die drei verlassen 
hatten, sah ich ihn oft lächeln, hauptsächlich dann, 
wenn er mich bitten kam, noch ein Stücken Butter 
zum Kochen herauszugeben. 
Ich sehe ihn heute noch wie damals vor mir: 
Durchnäßt, voll Schweiß, mit rußgeschwärzten 
Fingern. Gleich nach der Katastrophe hatte er aus 
dem Schnee seine Instrumente aufgesammelt und 
in Ordnung gebracht und sofort die durch den 
Sturz unterbrochenen Beobachtungen wieder auf 
genommen. Als ich ihn einige Tage nach der Ka 
tastrophe fragte, ob er hier auf dem Packeis Mes 
sungen machen könnte, hatte er mir freudestrahlend 
geantwortet: 
, „Mais out, man general, j'ai repris les obser 
vation, il y a quelques jours", („Natürlich, Herr 
General, ich habe sie schon schon seit einigen Tagen 
wieder aufgenommen".) 
Auch Archimedes setzte seine Berechnungen 
ruhig weiter fort, nachdem die feindlichen Soldaten 
in sein Haus eingefallen waren! — 
Selbst in unserer sorgenvollen Lage hätte er 
daran gedacht, einige Filmrollen zu trocknen, die 
wertvolle Denkmale unseres letzten Fluges be 
deuteten. 
In einem ersten Hotel von Plymouth bedient 
unter anderen auch ein recht behäbiger Oberkellner 
Dieter hat unter teilten Stammgästen einen Herrn, 
der sich eines noch bedeutenderen Leibesumfanges 
rühmen kann. Das Gewicht beider war ein fort 
währender Grund zum Scherze, für den Kellner 
aber von großer Tragweite, da er am letzten eines 
jeden Monats als Trinkgeld stets den Unterschied 
zwischen den beiden Gewichten — für jedes Pfund 
einen Schilling — erhielt. Augenblicklich wiegt der 
Gast über 40 Pfund mehr als der Kellner, so daß 
dieser sehr zufrieden lein kann. 
und des Gesichts. sdimerzhaftem Brennen sowie Röte und Juckreiz der 
Haut, unschöner Hautfarbe und Teintfehlern verwendet man am besten 
die schneeig-weiße, fettfreie, glyzerinhaltige Creme Leodor, welche den 
Händen und dem Gesicht jene matte Weiße verleiht, die der vornehmen 
Dame erwünscht ist. Ein besonderer Vorteil liegt auch darin, daß diese
	        
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