Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 1)

Krupps Gußstahlsabrik. 
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den durch 13 000 Bergarbeiter jährlich 16 Millionen Tonnen 
Kohlen zu Tage gefördert. Nach dem Ruhrübergange er 
reichen wir in wenigen Minuten die alte Stadt Essen selbst, 
wo wir eine Fabrikanlage finden, der nach Größe, Arbeiterzahl, 
Leistungen und Geschäftsumsatz sich keine in der Welt. selbst 
nicht in England, an die Seite stellen kann. Es ist die 
Gußstahlfabrik von Krupp, den man nicht mit Unrecht 
den „Gußstahl- oder Kanonen-König" genannt hat. Ihren 
Weltruf verdankt diese Firma einem besonderen Verfahren 
zur Herstellung eines vortrefflichen Gußstahls. Unerreicht an 
Härte und Dauerhaftigkeit sind besonders die Kurbelachsen für 
die riesigen Schraubendampfer, sowie die Reifen für Lokomotiv- 
räder. Aber auch die anderen Fabrikate von Krupp haben auf 
allen Ausstellungen die höchsten Ehren und Anerkennungen er 
halten. Im Jahre 1849 machte Krupp die ersten Gußstahl 
geschütze. Wegen ihrer Kostspieligkeit fanden sie lange Zeit keine 
Abnehmer in Deutschland. Der Vizekönig von Ägypten war 
der erste, welcher den Ankauf solcher Geschütze bewerkstelligte. 
Dann folgte Rußland, Preußen, welches nach und nach seine 
ganze Artillerie mit Gußstahlkanonen ausrüstete, und andere 
Staaten. Die größte Ausdehnung hat das von Krupp in 
Paris ausgestellte Riesengeschütz (Tausendpfünder), welches 
50 000 kg wog. — Wenn man das Krupp'sche Etablissement 
gewöhnlich nur als ohnegleichen dastehende Werkstatt von Ge 
schützen bewundern hört, so ist dasselbe in Leistungen zu fried 
lichen Zwecken nicht minder großartig. Die Einrichtungen der 
Fabrik ermöglichen die jährliche Produktion von 800 000 Ztrn. 
Eisenbahnschienen, ohne andere Fabrikationszweige dadurch zu 
beschränken. Der Kohlenverbrauch beträgt mehr als 30 000 Ztr. 
täglich. 
Die Werkstätten sind streng abgeschlossen; über den inneren 
Betrieb wird den Fremden gegenüber das größte Schweigen 
beobachtet. Die Arbeiter werden auf das Sorgfältigste beauf 
sichtigt und bekommen selbst nie andere Räume zu sehen als 
die, in denen sie beschäftigt sind. Außerdem wird die Pflicht 
treue der höheren Arbeiter von seiten der Direktion in sehr ge 
schickter Weise durch besondere Belohnungen wach gehalten. Alle 
Fabrikräume sind eingefriedigt. Eine chinesische Mauer aus 
Steinen und Holzwerk umgiebt die ganze Gebäude-Masse. An 
allen Eingängen halten Thürhüter in besonderen Häuschen Tag
	        
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