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123. Jahrgang
!23. Jahrgang
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Pädagogische Akademie
und
kultureller genius loci.
Im Hauptausschuh des preußischen Land
tages nahm Ministerialdirektor Kaestner zur
Frage der Junglehrerversorgung Stellung.
Aus seinen Ausführungen ergab sich, daß in
den nächsten Jahren mit einem Mangel an
Junglehrern gerechnet wird. Mit besonde
rem Nachdruck wies Kaestner daraus hin, daß
schon um deswillen das begonnene Werk der
Pädagogische» Akademien schnell zu einer vol
len Ausgestaltung kommen müsse. Wer die
sen Ausbau nicht fördere, mache sich mitver-
antmortlich an dem kommenden Lehrerman
gel. Wenn man bedenke, daß 210 Millionen
NM. erforderlich wären, um allen preußischen
Volksschulen den wirklich wünschenswerten
Raum zu schaffen, und wenn man wüßte, wie
schwer die Beschaffung solcher Summen heute
sei, müsse man auch sofort einsehen, daß der
Aufbau nur langsam erfolgen könne. Er
wies darauf hin, daß der Landtag immer wie
der mit Recht verlangt habe, den weiblichen
Einfluß in der Schule zu verstärken. Er emp
fahl dringend die Annahme eines Antrages,
die von dem Fonds der Volkshochschulen ge
strichenen 28 000 RM. wieder in den Etat ein
zusetzen.
Ministerialdirigent Wende sprach sodann
noch über eine Reihe von Fragen, die die Pä
dagogischen Akademien betreffen. Er betonte,
daß für die Ortswahl maßgebend sein müsse
eine gewisse Breite des kulturellen Niveaus
der Gemeinde, in der die Pädagogische Akade
mie leben solle. Wenn man diese Forderung
aber ernsthaft stelle, komme man notwendig
dazu, die Akademien in größere Städte, äu
ßerstenfalls in Mittelstädte zu legen.
lionen zu. Weiterhin bestimmten die kürzlich
getroffenen Abmachungen zwischen der deut
schen und französischen Regierung, daß die
deutschen Besitzungen in Elsaß-Lothringen
und Marokko nur unter der Voraussetzung
den deutschen Staatsbürgern zurückgegeben
werden könnten, daß keine politischen und
anderen Gesichtspunkte dagegen sprächen.
8- Schmidt-Wodber begründet
der sich übrigens zu einer Art Eeheimwisscnjchaft
weniger Sachreferenten entwickelt hat, jetzt grund
sätzlich zu betreiben, wie man von allen Seiten
wünscht. Es muß deshalb eine vorläufige Lösung
gefunden werden, und hier spielt der Verteilungs
schlüssel eine entscheidende Rolle. Im Vorder
grund steht der Plan, der Verteilung nicht die
Höhe der einzelnen Haushaltsdefizite der Länder
zugrunde zulegen, sondern die Steuerkraft.
Es wird verhandelt.
M Folketing hatte gestern der deutsche Abge-
Schmidt-Wodder Gelegenheit, seine Schul-
* n erster Lesung zu vertreten. Die Der-
veil "îņgen hatten sich so lange hinausgezögert,
dì^.ņach der ersten Verhandlung in der vorigen
^tagsperiode der dänische Reichstag ausgelöst
Wt UtT ^ ^ Vorlage in dieser Periode wegen der
-^^ņkung des Unterrichtsministers Borgbjerg
^ vertagt werden mußte. Böser Wille hat
vorgelegen. Der deutsche. Vertreter be-
^ "ete die wesentlichsten Punkte der Vorlage noch
' ,IU - Vor allem wünsche man eine Verselbftän-
<in i lcr deutschen Schulen. Diese rühre nicht
f* 0 Cc h b^uverämtät des dänischen Staates, sondern
î° r 8 en ' Reibungen zu vermeiden. Am
Mit Ģ^srecht des Staates werde ausdrücklich festge-
Für die kommunalen deutschen Schulen sei
şà weiterte selbständige Verwaltung durch Er-
ļjņl^ļS eigener deutscher Schulkommissionen er-
Şch, für die Privatschulcn größere finanzielle
von- Staat. Eigene deutsche Schul-
î>? ^'Esioneu seien eine Selbstfolge, wen-- man an-
daß ein besonderes Geistesleben nur von
k !l gepflegt werden kann, die darin wurzeln.
ş^ì'devte der deutsche Abgeordnete, daß über-
Mehrausgaben, die durch ein deutsches
1 ^fen entständen, vom Staate zu tragen seien.
^ stärkere Finanzierung der Privatschulen recht-
^utm der Erwägung heraus, daß private
^eit f? Şchulen eigentlich keine pàate Angelegen-
wie im übrigen Dänemark, sondern ein
şigtes Bedürfnis eines deutschen Volksteiles.
I’Wf " S * rQ * Redner dafür ein, daß die Mög-
şà höhere deutsche Schulen gegeben werden
^Uhvi 8obe nur wenige europäische Staaten m-t
Minderheiten, wo diese Gelegenheit nicht
r?! 1 v'evde. und in Nordschleswig spreche noch
"wische Tradition mit, daß das deutsche und
Ņolk sich gegenseitig in ihrer Kultur be-
Auch sei es nur billig, bei den verhält-
Hz r^^'g hohen Aufwendungen des dänischen Staa-
^ d Şhore dänische Schulen, diese Mittel auch
!->ss^ Zutschen höheren Schulen zugute kommen zu
‘ Schmi-dt-Wodder schloß mit der Hoffnung,
^mn zu einer Regelung der Angelegenheit
In einer der holländischen Regierung über
mittelten Denkschrift der Ersten Kammer, in der
das Ergebnis der Kommissionsberatungen der
Ersten Kammer über den Haushaltsplan des Mi
nisteriums des Auswärtigen niedergelegt ist, wird
dem Außenminister die Anregung unterbreitet,
daß Holland unter Umständen im Einverständnis
mit den anderen, frsther neutralen > Staaten in
Genf darauf hinwirken solle, daß Deutschland ein
Kolonialmandat übertragen werde.
Kur 3 Blifltatften Sttmfen denifftes
Qigenfnm in FrMmch Jiptiigt!“
Deutschlands Benachteiligung im Liquidations-
abkommen.
Im Auswärtigen Ausschuß der französi
schen Kammer berichtete der Abgeordnete Du
bois, der frühere Vorsitzende der Reparati
onskommission. über die Liquidierung des
deutschen Eigentums in Frankreich auf Grund
der Artikel 296 und 297 des Versailler Frie
densvertrages, insbesondere über die Liqui
dierung in Elsaß und Lothringen und Ma
rokko auf Grund des Joungplanes. Dubois
gab die Erklärung ab, daß die französische
Regierung ans dem liquidierten de,rissen
Eigentum einen Ertrag von 3 Milliarden
Franken erhalten habe, die sie zur Entschädi
gung ihrer eigenen Staatsbürger verwandt
habe. Auf Gründ der Regelung des Mnttg-
planes fielen Deutschland nur einige 18 Mil-
toptM ln 3äîl
Der Anschlag auf den „Popolo di Triefte".
(Eig. Funkmeldung.)
TU. Rom, 13. Febr.
Der bei dein Attentat auf den Popolo di Triefte"
verwundete Journalist ist in der vergangenen
Nach- gestorben. Der Zustand der übrigen Ver
wundeten hat sich gebessert. Die Erregung in
Italien über den Anschlag wächst von Tag zu Tag.
Aus allen Gegenden treffen in Triest Solidari
tätskundgebungen ein. Man ist überzeugt, daß
es sich um ein politisches Attentat handelt, das
nicht so sehr gegen den Faschismus gerichtet ist,
als nationale Hintergründe hat.
Eingehende Aufklärung zur
BoindenaLLenàts-AngelsgenheiL,
Wenn man statt des Begriffs der Breite
den gleich irtigen der Diese setzt, so wird man
in Erinnerung an die grundsätzliche«
Auseinandersetzungen um den Standort der
zweiten Pädagogischen Akademie in Schles
wig-Holstein nach wie vor darauf fußen müs
sen, daß eine Kreisstadt ebenso gut in kul
tureller Hinsicht ihren genius loci haben kann
wie eine größere Stadt. Menschenzahl, eine
Reihe Theatervorstellungen in der Woche oder
einige Sammlungen mehr bedingen doch nicht
allein oder ausschlaggebend den Wert des
Knlturfnndus. Sondern dazu sind auch an
dere Begriffe zu rechnen, z. B. Tradition und
namentlich in schleswig-holsteinischer At
mosphäre die Dorfnähe zwecks wechselseitigen
Einflusses, wenigstens soweit die zweste der
Pädagogischen Akademien in unserer Pro
vinz in Betracht kommt („kam" kann man ja
heute leider sagen).
Es ist halt oft ein Unterschied zwischen
der Gefühlswelt und Einstellung in Berlin
und draußen im Lande. #
davon gesprochen worden, daß die Bauern für
derartige Unternehmen eigentlich zu ungeschickt
seien. Man habe erwogen, ob man nicht andere
Kreise hinzuziehen wolle. Daraus ergäbe sich, daß
zu diesem Zeitpunkt Putschisten nicht mitgewirkt
haben. Die Dauern seien der Meinung gewesen,
daß das Attentat auf dos Reichstagsgebäude eine
Art Konkurrenzunternehmen sei, das gegen ihren
Willen gemacht worden sei. Es scheine, daß aus den
Kreisen der Bombenattentäter einer oder mehrere
eine Spritzfahrt nach Berlin gemacht hätten. D?e
in Berlin gelegten Bomben seien aus derselben Fa
brik. Das übriggebliebene Metall deute hinsichtlich
der Zeitzünder und allem anderen auf die gleiche
Konstruktion hin, so daß man daraus schließen
müsse, daß auch dieses Attentat von Leuten aus den
Kreisen der holsteinischen Attentäter verübt worden
sei. Es bestehe der dringende Verdacht, daß die füh
renden Köpfe der Bombenlegung Claus Hein, der
lange Jahre auf der Scholle gesessen habe und der
Erfahrung in solchen Dingen in Meriko gesammelt
hatte, sowie Herbert Volck. der ein abenteuerliches
Leben im Kriege hinter sich habe, gewesen seien.
Beide haben eine straffe Organisation unter dem
Namen „Schutz von Boden und Flur" geschaffen.
Die Svitzen haben sich zunächst gegen die Steuer
behörde gerichtet. Cs sollte die Bauernschaft aus
ihrer Lethargie erweckt werden. Durch Terrorakte
wollte man die Behörden zum Nachgeben bewegen.
Die Ermittlungen in der Bombenaffäre seien
formell noch nicht abgeschlossen. Die Voruntersu
chung erstrecke sich gegen 43 Personen. Wenn der
größte Teil der Beschuldigten auch aus der Haft
entlassen worden sei, so geschah das in den meisten
Fällen, weil die Schuldfrage und der Tatbestand
restlos aufgeklärt und eine Fluchtgefahr ausge
schlossen war.
Rechtsanwalt Dr. Apfel erklärte nunmehr,
daß er auf Grund der Ausführungen des Unter
suchungsrichters den Angeklagten empfehlen werde,
eine Erklärung abzugeben, daß die Reichswehr we
der direkt noch indirekt Auftraggeberin der Bom-
benlcgsr gewesen sei. Staatsanwaltschaftsrat Dr.
Eichholz erklärte sich bereit, einer Vertagung zuzu
stimmen. um Vergleichsverhandlungen zwecks Rück
nahme des Strafantrages zu gewähren.
Dem Nordischen Nachrichtendienst wird aus
Berlin gemeldet: In dem Prozeß gegen die „Rote
Fahne" wegen Beleidigung der Reichswehr vor dem
Schöffengericht Berlin-Mitte machte der .Untersu
chungsrichter Dr. Masur als Zeuge Angaben über
den Stand der Ermittlungsverfahren in der Vom-
benangelegenheit. Dr. Matur, dem der Landge-
richtsprästdent Aussagegenehmigung erteilt hatte,
begründete, mit aller Bestimmtheit könne er erklä
ren, daß die Ermittlungen keinerlei Beziehungen
irgend einer Stelle mit den Bombenattentätern er
geben hätten. Die Attentate seien aus einer reinen
Bauernbewegung heraus entstanden. Ursprünglich
sei die Landvolkbewegung hervorgegangen aus W>-
derständen gegen die Steuerbehörden,, die wegen
rückständiger Steuern das Vieh von den Höfen ge
holt hätten. Es habe sich eine Kampforganisation
gemäßigter Richtung gebildet, die eine Nothilfe ins
Leben gerufen habe. Aus diesen Kreisen sei eia
aktiverer Teil ausgeschieden, der es jetzt mit Gewalt
versuchen wollte. In einer Bersammlnng bei Sa-
gebicl in Hamburg sei zum ersten Mal der Gedanke
an Gewalt zum Ausdruck gekommen. Bald darauf
sei die erste Bombe geplatzt. Matthes und Wesch.e
hätten für das Attentat ein Auto gemietet. Dieses
Attentat sei aus der Erregung der Bauernschaft
heraus geschehen. Der Sprengstoff war regulär
aus einer Dresdener Sprengstoffabrik bezogen wor
den. Das Metall für diese Sprengstoffe stamme
von einem Einbruch, der im Januar in der Pulver
kammer in Mühlheim unternommen worden war,
her. Bei den weiteren Sprengstoffattentaten fei
nach derselben Methode gearbeitet worden. Eine
Verbindung mit der Reichswehr sei nicht festgestellt
worden. Es seien weder Sprengstoffe noch Spreng
kapseln von der Reichswehr geliefert oder bezogen
worden. Es sei auch nicht festgestellt, daß Angehö
rige der Reichswehr bei den Attentaten in Holstein,
die dann bald auf Hannover und Oldenburg über
griffen. mitgewirkt hätten. Don der Organisation
„Eonsul" wäre überhaupt nie die Rede gewesen.
Später sei der Gedanke in der Bewegung auf
getaucht, eine größere Finanzbasis zu schaffen. Man
habe versucht, einen Herrn zur Begünstigung der
Bestrebungen zu bewegen; dieser habe aber str'kt
abgelehnt. Rach den Lüneburger Attentaten sei
Unterrichtsministcr Borgbjerg
fein nach feiner Anschauung es möglich
lion, n'Ş' über eine Reihe von Wünschen, die
Äschen Vertreter geäußert seien, zu einigen.
f%-j Ģich nicht alle annehmbar erschienen. Er
^ hi* üü) lebhaft mit der Materie beschäftigt
.Gerbst mit den führenden Schulmännern in
dey, cJ lcstu ’9 Verhandlungen gepflogen. Er werde
i» tz,T"5schuß positive Vorschläge unterbreiten, die
l>kd,^ņņen gäben, wozu die Regierung bereit sei,
şy Qs anders geordnet wünsche.
^ah^tz^ Parteiführer bezogen sich in ihrer Stellung-
'tonfch, 0lt f 'sire Ausführungen bei der ersten Be-
Von allen Seiten wurde zum Ausdruck
S w man bereit fei, zu verhandeln, und
^şfc, ju einem günstigen Ergebnis zu
^ifen„* ^ķlage würd« einem Ausschvß von 15
ern überwiesen.
ZUM ¥* AmMen in 3n5o-
chim.
Meuterer im Verein mit Zivilisten.
WTV. Paris. 12. Febr. Nach Berichten, die
beim Kolonialministerinm eingetroffen sind, haben
in der Nacht zum Montag etwa 200 Tonkinfchützen
und 60 eingeborene Zivilisten, die revolutionären
Vereinigungen angehören, das Zeltlager von
Henbai in Tonkin, wo ein Bataillon in Garnison
liegt, angegriffen. Auf französischer Seite wur
den zwei Offiziere, drei Unteroffiziere und fünf
annamitische Soldaten getötet, zwei Offiziere, drei
Unteroffiziere und sechs annamitische Soldaten
verwundet. Am frühen Vormittag war die Ord
nung wiederhergestellt, nachdem eine Truppen
abteilung aus Hanoi das Zeltlager besetzt hatte.
Die aufständischen Zivilisten und Schützen sind in
den Urwald geflohen. In der gleichen Nacht
wurde auch der Militärpostcn in Hung Hoa an
gegriffen.
WTB. London, 12. Febr. Der 21jährige
Nechtsanwaltsgehilfe Frank Biggs, der am 1. Fe
bruar im Indischen Saal des Britischen Mujenms
die Bombe niedergelegt hatte, wurde heute zu
einer Geldstrafe von 28 Pfund Sterling oder zwei
Monaten Gefängnis verurteilt.
>IW 8elung hinaus einen Zuschuß vom Reich
Qtte t tt Jlfüffen. Die Kürze der Zeit macht es
ìoglich, die Reform des Finanzausgleichs.