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Rendsvurger TsgeölM.
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Türkische SchmiegrrwüLLer.
Die Gegensatze zwischen östlicher und west
licher Kultur, zwischen der des Islam und den
Religionen des Abendlandes treten nirgends
schärfer zwage als in den Gebieten, die jedes
Jahr von den Reisenden aus Europa und Ame
rika besucht werden. Dies ist namentlich in
Kairo und Konstantinopel der Fall; wo sich
Fremde und Eingeborene in buntem Gemisch in
den Straßen bewegen und einem die klaffenden
Unterschiede so recht augensällig ins Bewußt
sein bringen. Hier wandelt die Modedame aus
Paris oder London in den neuesten Toiletten
nach dem „Dernier cri", neben der Araberin
oder Türkin in ihren einfachen schwarzen Ge
wändern mit dicht verhülltem Gesicht. Doch,
die Zeiten des Schleiers sind bei der oberen
Gesellschaft dort drüben bald vorbei. Die gro
ßen seidenen Pantoffeln, das gestickte Unterge
wand und das stark parfümierte Kopftuch fan
gen schon an, selbst in Konstantinopel seltener
zu werden, trotz aller Warnungen und Bitten
des Scheich-ul-Jslam, der unaufhörlich gegen
die europäische Mode losdonnert und sie aus
religiösen und sitckichen Gründen verdammt.
Den türkischen Modernismus vermag auch das
Oberhaupt der Mohammedaner auf die Dauer
nicht mehr aufzuhallen.
Nach außen hin wird sich dieser Modernis
mus bei den Türkinnen vielleicht schneller
durchsetzen als man annehmen möchte, trotz des
ausgesprochenen Konservativismus in der Tür
kei, der Traditionen höher hält als irgend ein
anderes Land. Das beweisen die militärischen
„Organisationen", das lehrt Handel und Wan
del, das offenbart das gesamte Verkehrsleben,
das erhellt aus tausenderlei künstlerischen und
wissenschaftlichen Dingen usw., das zeigt uns
vor allen Dingen das türkische Familienleben.
Gerade der Familiensinn, die Pflege des
„Familienkultus" hat von jeher bis auf den
heutigen Tag seine geradezu naive Reinheit und
Lauterkeit bewahrt. Der Europäer begreift das
nicht so ohne weiteres, kann es auch gar nicht
erfassen: die grundsätzliche Verschiedenheit von
Raffe und Religion bedingen es aber.
Als obersten Schutz der Familie hat der
Koran die Mutterschaft gepriesen. Mohammed
hat gesagt: „das Paradies liegt zu Füßen der
Mutter". Und das ist dem Türken (nicht von
den Mohammedanern im Allgemeinen sei hier
die Rede) heilig. Die Verehrung der Mutter
seitens jedes Türken ist ganz außerordentlich,
sei er Räuberhauptmann oder Pascha. Die
Mutter umgibt er mit Hochachtung und Liebe.
Der ist ein Ungeheuer, der es daran mangeln
ließe.
Und hieraus erklärt sich auch, daß der Tür
ke nächst seiner Mutier die Mutter seiner Frau,
seine Schwiegermutter am höchsten schätzt. Die
Schwiegermutter ist in der Türkei nicht wie bei
uns oder in anderen Ländern die Zielscheibe
ewigen Spottes, das dankbare Objekt des Witzes
und der Karrikatur, das in Wort und Bild,
auf der Bühne wie im Roman immer und im
mer wieder herhalten muß. Die türkischen
Schwiegermütter sind viel besser daran als ih
re europäischen Mitschwestern.
In der Türkei bringt bekanntlich nicht die
Braut dem Bräutigam eine Mitgift dar, son
dern umgekehrt. Die Mitgift gilt als Zeichen
der Huldigung der Eltern für die Auserwählte
seines Herzens; und daher sind Geldheiraten in
der Türkei unmöglich, die junge Türkin kann
niemals glauben, ihres Geldes wegen geheira
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Die von mir bislang benutzten Geschäftsräume
Verkauf des Hauses bis Ende ds. Tits. von mir
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sind, um solche tunlichst bis zum 20., März ganz zu ratssisers, nochmals im
Preise ermassigt.
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ket zu werden (wie es bei uns doch Vorkom
men soll): ihre Schönheit, ihr Reiz und ihre
soziale Stellung wiegen die Piaster auf, die
ihre Eltern für sie erhalten. Man bezeichnet das
in Deutschland wohl als „Kauf". So erscheint
es uns Europäern wenigstens, einem Türken
niemals. Und in Wirklichkeit soll es auch gar
keinen „Kauf" darstellen. Es ist eben geheiligte
Tradition, an der nicht gerüttelt werden darf.
Zugleich mit der jungen Frau zieht auch
ihre Mutter in das Haus des Türken ein.
Denn auch das ist nicht wahr, daß jeder Türke
etwa seinen Harem unterhält, wie man mei
stens anzunehmen geneigu ist. Es sind Ausnah
mefälle, wenn er mehrere Frauen hat. Das
können sich nur die ganz Reichen leisten.
Seiner Schwiegermutter, wenn sie nicht im
Hause ihres Gatten bleibt, oder bei einem an-
deren Kinde ist, überläßt der junge Ehemann
eigentlich die gesamte Besorgung des Haushalts.
Ihre Lebenserfahrung prädestiniert sie dazu,
und ihres Rats bedient man sich gerne in man
cherlei Beziehung. Ihr gebührt dafür im Hau
se aber auch der Ehrenplatz; sie ist die Herrin
des Herdes, die große „Gönnerin", deren Rat
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nd Zukunft I
Die schwarze Schrrrrr.
23) Kriminalroman von i. ©tonet.
(Nachdruck verboten.)
„Ich kenne kein anderes Motiv."
„Also gut, nehmen wft an, daß es ist, was
Sie glauben, aber da ist der Kreis derer, die
aus diesem Motiv heraus handeln könnten, ein
ganz winziger. Ich hatte nur zwei Bewerber.
In Linz, wo Papa seine letzten fünf Dienstjähre
zubrachte, warben ein Hauptmann von Schlemm
und der Notar Stöger uni mich. Diese beiden
Herren sind bereits. anderweitig verheiratet, ein
Beweis, daß sie meine Abweisung glücklich über-
wuuden haben — überdies sind es sehr an
ständige Menschen, an die hier nicht zu denken
ist."
„Nein, an diese zwei nicht. Aber ist niemals
einer in ihrem Leben aufgetaucht, der gar nicht
àm Werben gekommen^ ist, der es Ihnen aber
Aerken ließ, daß er eine Leidenschaft für Sie
gefaßt hat? Fräulein Nelli, verzeihen Sie die
se Fragen, sie sind mir ja selber so furchtbar
Reinlich. Aber mein Freund, der .Kommissär Lehr,
Und ein Detektiv, mit dem ich soeben über die
sen Brief redete, halten es im Interesse der litt»
Versuchung jenes Falles für notwendig, dem
Zchreiber jenes Briefes nachzuspüren. Nur des
halb muß ich Ihnen diese unangenehme Stunde
bereiten." . .
„Trösten Sie sich. Ich hatte schon unange-
n eh Niere Stunden. Also jetzt heißt es nachden
ken. Denn von der Voraitssetzung ausgehend,
daß dieser Brief “
„Sd) vergaß, Ihnen mitzuteilen, daß ich zwei
solcher Briese von fast gleichem Inhalt erhielt."
mit Ihres Onkels Verschwinden in ir
gend einem Zusammenhang stehen," vollendete
Nelli jetzt sehr lebhaft geworden und setzte dann
sinnend hinzu: „Aber wie soll denn das möglich
sein?"
„Es ist vielleicht gar nicht der Fall," ent-
gegnete Erlach, „aber Lehr und der Detektiv
meinen, man dürfe nichts, aber auch gar nichts
was sich auch nur im entferntesten auf den Ver-
schwundenen bezieht, unbeachtet lassen, und da
her —"
„— soll ich über meine Verehrer nachden
ken," setzte Nelli die stockende Rede Erlachs ruhig
fort. „Nun, mit der Revue werde ich bald fer
tig fein. Ich erinnere mich wirklich nicht."
„Aber, Fräulein Nelli, kenne ich doch schon
zwei außer den beiden bereits erwähnten und"
— er lächelte trübe — „meine Wenigkeit. Ei
ner gehört noch der glücklichen Linzer Zeit an,
der arme Keßler, der so früh sterben .mußte,
und Lorwin, der jetzt in Bosnien ist, von Herrn
Kreß ganz zu schweigen, der da drinnen mit Ih
rem Vater Politik treiben mutz und mich dabei
Halte mein großes
Lager
fertiger
Mobilie»
von einfacher
bis feinster AuS-
fährung
unter Garantie der Dauerhaftigkeit
besonders empfohlen.
Ständige Ausstellung
fertiger ŞalonS
Wohn- und Schlafzimmer.
Fr. HShling, TiWermißtt,
ohne Zweifel in den Mittelpunkt der Erde hin- >
unterwünscht."
„Diese drei kommen wohl hier nicht in Be
tracht," meinte Neili lächelnd.
„Gewiß nicht. Aber vielleicht, denken Sie
doch nach, Fräulein Nelli. Es braucht ein Mann
noch nie ein Wort zu einer Frau geredet zu ha
ben und sie weiß doch, daß er sie liebt. Gibt
es denn keinen solchen heimlichen Verehrer in
Ihrem Leben?"
Neili blickte plötzlich auf.
„Nun, Fräulein Neili?"
„Es gibt einen!"
„Ah!"
„Der mir anonym sinnige Blumensträuße
»^ÎMÄfflPtoBîSlÔu
..So!"
„Und Gedichte."
„Die Sie noch besitzen?"
„Nein!"
„Warum haben Sie diese Gedichte nicht
mehr?"
„Weil der schwüle, leidenschaftliche Ton mir
widerwärtig war, habe ich sie verbrannt. Ich
habe sechs- oder siebenmal solche Blumen- und
Eedichtsendungen erhalten. Die Blumen stabe ich
unserer Ress zur Verfügung gestellt, von den Ge-
drchteu habe ich nur zw>ei gelesen, die anderen
verbrannte ich ungelesen."
„Schade! Ist das auch eine Linzer Affäre?"
das erlebte ich in Mauer, da ha-
ein Jahr lang gewohnt, ehe wir
„O nein,
ben w>ir fast
nach Wien zogen."
„Das war also vor zwei Jahren?"
„Ja, vor zwei Jahren."
„Und seit damals hat sich dieser heimliche
Verehrer nicht mehr gerührt?"
, „Ich weiß nicht sicher, ob die Blumen, die
ich noch von Zeit zu Zeit erhalte, von ihm sind,
icdenfalls enthält er sich jetzt des Dichtens."
„Auf welche Weise bekamen Sie diese Sen
dungen ?"
„Nach Mauer wurden sie stets von Wien
aus per Post geschickt. Hier überbrachte sie ein
Drenstmann."
„Darf ich fragen, wo Sie in Mauer wohn
ten? Vielleicht gelingt es mir dort, dem Men-
fcheir auf die Spur zu kommen."
„In der Langen Gaffe wohnten wir, bei
etner Frau von Probst, der das Haus und ein
sehr unangenehmer Sohn gehört. Er ist nämlich
nicht nur häßlich, sondern auch anspruchsvoll."
„Inwiefern ist er letzteres?"
„Er will, trotzdem er in allem unbedeutend
ist, bemerkt werden, nimmt Posen an, redet ge
spreizt und gefällt sich in der Rolle des Welt-
schmerzlers."
Natürlich hat er Ihre Aufmerksamkeit auf
sich ziehen wollen."
„Wie die aller Welt, nicht mehr! Im übri-