Montag, den 3. Marz
Beilage der Schleswļg.Holsteļnîschen Landeszeftuny (Rendsburger Tageblatt)
einen tiefen Eindruck hinterlaifen hatte, widmete
sich von diesem Tage an mit großem Eifer dem
Studium dieies Problems.
Nach längeren Ueberlegungen und Versuchen
hatte er das Prinzip entdeckt, das er für seine Er
findung in Anwendung brachte. Er benutzte die
durch Bewegung eines Gaies erzeugte Reibung da-
zu, um einen schwacheil elektrischen Strom zu erzeu
gen, den er dann mit Hilfe einer alten Radioröhre
so weit verstärkte, bis hierdurch ein Warnuugs-
zeichen ausgelöst wurde. Bei Vorführung »eines
Apparates, den er Magic Box (Wunderkastertt,
nennt und der in seinem Innern zwei Lampen
eine rote und eine grüne, enthält, benutzte Pritchard
Kohlenoxydgas, das in einem Verhältnis von
1 :2000 mit Luft gemilcht war. Das Gas bracht
die brennende grüne Lampe zum Erloschen, wäh
rend an ihrer Stelle die rote Lampe aufleuchtete
und außerdem eilt Glockenzeichen ausgelöst wurde
Pritchard will mit seinem Apparat, dem von
Sachverständigen große praktische Bedeutung beige
messen wird, bereits 86 verschiedene Gase entdeckt
haben. Er beabsichtigt, den Apparat durch weitere
Experimente io auszubauen und zu verfeinern, daß
er jedes Giftgas, dos in einem Kriege benutzt wer
den dürfte, mit ihn» entdecken kann. Mit einem
einzigen Apparat könnten nach Auslagen des Er
finders in ganz London zahlreiche Lichter zum Er
glühe»» und Glocken zum Ertönen gebracht und die
englische Hauptstadt somit vor einem Gasangriff
gewarnt werden.
kumeiitenşammlung bei dem Verkauf mindestens
einen Erlös von einer Million Dollars erbringen
wird.
ihre Besitzer in den benachbarten Lokalen amüsier
ten. Ein Schutzmann hatte die Aufsicht. Da sah
er, wie sich zwei Männer angelegentlich um das
Hinterrad eines Wagens bemühten. „Na. Platt
fuß?" meinte er wohlwollend. Die beiden Männer
schienen einen Augenlbick überrascht zu sein. doch
dann sagte einer freundlich: „Ja, leider, wir müs
sen das Rad abnehmen." Dann kramte er unter
dem Führersitz und holte eiiren Wagenheber her
aus. Ein paar Minuten später stand das Vehikel
auf drei Rädern und auf dem Wagenheber Die
beiden Männer untersuchten das anscheinend be
schädigte vierte Rad, und dann meinte einer zu
dem interessiert zusehenden Schutzinann: „Wir
müssen das Ding zur nächsten Garage bringen,
weil wir keinen Ettatzreifer» haben. Wollen Sie
nicht so freundlich sein und aufpasien. damit uns
keiner -einen Streich spielt und den Wagenheber
herunterdreht?" Der freundliche Schutzmann war
natürlich einverstanden Ein paar Minuten später
kam ein Herr, öffnete die Wagentür und wollte
sich hinter das Steuer setzen. „He," meinte der
Schutzmann, „was wollen Sie mit dem Wagen?"
Der andere war sehr erstaunt: „Rach Haute fahren
natürlich." Der Schutzmann freute sich königlich
über den Fang: „Bleiben Sie schön hier! Erstens
können Sie mit drei Rädern niiht fahren, und
zweitens werden hier keine Wagen gestohlen." —
„Wagen gestohlen!" regte sich der andere auf. „Ich
werde doch meinen eigenen Wagen fahren dürfen!"
Jetzt ging dem armen Schutzmann ein Licht auf,
und als der andere seine Pavtere vorzeigen konnte,
da wußte er, daß er zwei Dieben bei der Arbeit
zugesehen hatte und ihnen gewissermaßen noch be
hilflich gewesen war Um den wütenden Autobe
sitzer wenigstens etwas zu trösten, war der Biedere
bereit zu warten und auf den Wagen zu achten,
während der Bestohlene zur nächsten Garage lief,
um H»tte zu holen. Leider mußte der Hilsswagen
dieses Unternehmens in der gleichen Nacht noch
ein paarmal in Tätigkeit treten, denn die Diebe
schienen sich ihrem Hebler gegenüber zur Lieferung
einer ganzen Ladung Räder verpflichtet zu haben.
Ämsd mè Menßch.
, , Kleber Veränderungen in den Lebensgewohn-
^äen unserer Singvögel, namentlich solcher, die
J’ ^ņgem Anschluß an den Menschen zu ausgespro
chen Eartenvögeln geworden sind, hat man schon
«ncherlei seltsame Dinge erfahren, die biologisch
pch bemerkenswert sind. Dies gilt namentlich
jjj* die Schwarzdrossel oder Amsel, einen unserer
ächtesten Sänger, die sich ja aus einem mein
gaschenen Waldvogel vielfach zu einem ausge-
''Gchenen Gartenoogel umgewandelt hat. Seit
^ m Einzug in den Garten und Park hat sie viel
°>t ihren ursprünglichen Lebensgewohnheiten ab-
Allerdings ist sie trotz der weitesten Ge-
°mmng an den Menschen immer noch ein im
c»>.nde recht vorsichtiger Vogel geblieben. Beson-
interessant sind Abänderungen im Nestbau,
şîe die neuerlichen Lebensgewohnheiten des
mit sich gebracht haben. So verwenden
aiiche Amieln überhaupt keine Erde mehr im
njŗ f ' îettl ihres Nestes oder als Stützwand, sondern
^l-en jetzt gern auf dem Boden oder nahe daran,
-porigen Frühjahr konnte ich beobachten, daß
ļ, 1 ’ 5 vchwarzamsel ihr Nest auf einem ZierbLum-
."richtete, das der Ungunst der Witterungs-
llltniise wegen noch recht spät an keinem Win-
dtandort in einer Torballe belassen worden war.
d ê!e Halle wird oft begangen, auch häufig be-
6;« ren ’ unö trotzdem scheute sich der Vogel nicht,
ch r zu brüten und sein Nest auf einem Oleander-
jņ'-'nchen zu errichten. Ist schon dieser Nestbau
jg verschlossenen Torhalle merkwürdig, ko
noch als BeGnderheit hinzu, daß der kecke
wL fein Drutgeschäft ruhig fortsetzte, als man
Baum nach einigen Tagen auf seinen Som-
ŗpiatz. in den Vorhof an der Straße stellte. Der
stöf iieß sich in seinem Brutgeschäft auch nicht
»&>!»"' ® enn der Baum begossen wurde. Die»e
^ igebende Anpassung ist auch dem Biologen und
Dg.^ŗşreund auffallend und erfreulich zugleich.
ZUM Lächeln mb Lachem
Kathederblüten.
„Ich habe noch gestern mit Ihrem Herrn Klaff
senkehrer gesprochen und er hat auch gesagt: Etz
sind nur sechs Schüler, die es verdienen, in der
Prima zu sitzen, und diese sechs kann man an
den fünf Fingern abzählen, und das stirb Müller
und Schmidt und sonst keiner."
„Meier! Hundertmal habe ich euch nun ge
sagt, es gibt keine größere und kleinere Hälfte.
Zwei Hälften sind einander stets gleich. Aber ich
sehe, die größere Hälfte von euch kapierts ja doch
nicht!"
öucherNskh.
Otto Schreiber: Im Schatten des Gala fate. Ņata-
ao!lisch.es, Allzuvatagoirisches. Brunnen-Verlag
Karl Winckler, Berlin SW. 48. Preis brosck».
4, Leinen 6 R-kt.
Drei Abenteuerjahre schwersten Kalibers Hai
Otto Schreiber in Patagonien durchgekämpft. Wie
ein Halbwilder ist er durch die Dornbüsche gekro
chen, mager wie eine Katze, unverwüstlich wie
Bleyles Knabenanzüge und mit romantischen
Ideen angefüllt bis dahin, wo vor Jahren mal der
Stehkragen gesessen hat. Er hat Schafe gehütet
und Pferde gezähmt, Brunnen gegraben und Wind
mühlen montiert, Strauße gesagt und Kloiettröh-
ren gelegt. Aus dem Gringo ist ein Gaucho gewor
den, fast so braun wie ein Indianer und sicher so
echt wie er. Die romantischen Ideen sind ihm bis
auf eine abhanden gekommen, das ist die nrerk-
würdige Liebe zu dieser kahlen südamerikanischcn
Landschaft, durch deren Oede ewig Stürme brau
sen. Er hat vom Calaşatestrauch gegessen, dessen
Beeren Zauberbeeren sind und jeden, der einmal
das Land betrat und es verlassen will, zum Aus
harren zwingt, und wenn er scheidet, mit einer
rätselhaften und unbezwinglichen Sehnsucht er
füllt. Freilich glauben wir, sobald »vir die hin
reißend frischen und anschaulichen Schilberuirgen
Schreibers lesen: es ist »richt bloß das Land, das
ihn festhält: es ist das »vunderbare Gefühl der
Freiheit, des Rauines. Hier hat der Mensch, der
aus unserm übervölkerten Eurova kommt. »roch
Platz. Hier kam» er tun und lassen, ivas er will.
Hier ist er an» sich selbst und seine Kraft gestellt.
In diesem »veilen irnd einsamen Lande gibt cs
Autos, aber keine Hast, Arbeit, aber keine Hetze.
Es »st das Uebcrmorgenlanü, rvo man schon etwas
tat, wenn mau da ist uuo wo bas weile Wort pa-
crenda. 5. h. Geduld und Ruhe. kautet. Es ist
nîŞ wichtig unter der Tonne, als daß man frei
ist, und nichts n»t was entern k«şne Freude wacht.
Das ist die Entschädigung für Gefahren und Ent
behrungen, Lohn genug für Männer der Wildnis.
BNAîe f dt
Ein britisches Kriegsarchiv an Amerika verkauft.
Auf der diesjährigen Nationalseier zu Wa
shington wurde zur Ueber ra'chuirg der Teilnehmer
besonnt gegeben, daß 20 000 Dokumente, die die
Heeresberichte des britischen Generalstabes in
Amerika während dos U na b h äug» gdut skr »ege s
umfassen, von dern bekannten amerikanischen An
tiquar Dr Rosenbach nach Amerika überführt
worden sind. Cr erwarb die bedeutsame Samm
lung von der „Royal Institution of Great Bri
tain" für eine Summe, die nicht genannt wird,
aber den Betrag von 50 000 Pfund Sterling über
steigen soll. Das wertvollste Stück der Sammlung
bildet General Bourgoynes vertraulicher Bericht
über die Gründe, die die britische Armee zur Ur-
bergabe zwangen. Die Heeresberichte enthalten
69 von Washington selbst geschriebene Briese an
die britischen Offiziere und sollen meistbietend
versteigert werden. Die Papiere wurden von
Lord Dorchester gesammelt, der im Jahre 1782
zum Oberkommandierenden der britischen Streit-
kräfte in Amerika ernannt worden war. Ueber
den Wert der Sammlung spricht sich Dr. Rosenbach
nicht aus, Sachverständige auf dieiein Gebiet ge
ben aber der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Do-
AskvmMche ®iiEi vsr dlflpfsm,,
Eine Erfindung, der zur Verhütung von Gru-
bensxplosionen wie auch sonstigen Gasexplosionen
größte Bedeutung zukommen kann, »st von einen
neunzehnjährigen Londoner Laboratorinmsarbeiter
gemacht worden. Der junge Arbeiter, naniens
Pritchard, war auf recht eigenartige Werke zu fei
ner Erfindung angeregt worden. Im Juli vergan
genen Jahres hörte er »Mş.'ndfunk einen Vor
trag über Unglückssälle in Kohlengruben und er
fuhr durch den Redner, daß es auf der Welt bisher
noch kein wirksames Mittel zur Verhütung von
Grnbenexplosionen gäbe. Pr'tckxrvd, bei dem die
Schilderung von schweren Bergwerkskatastrophen
nicht so viel, sondern
nur so WM wenig genügt vollkommen
zu einer gründlichen Reinigung Ihrer
Zahns. Eine Tube reicht 3 X solange.
den gewesen, überwand man ain besten mit sich
allein.
Mehr als einmal kam Erik der Gedanke:
Warum »villst du die Aussprache mit Beugt Sjö-
berg, d»e ja unvermeidlich ist, auf die lairge Bank
schieben? Gebricht es dir etwa an Mut, ihr»» die
furchtbare Wahrheit ins Gesicht zu schleudern?
Gehörte den»» wirklich so viel M»»t dazu, einen
Verbrecher zu entlarven? Nein! seiner Meinung
»»ach »vor es viel schwerer, mit dem Bewußtsein ver
brecherischer Tatei» mehr als zwei Jahrzehnte lang
die Rolle des Biedermannes zu spielen.
Nun. diese Maske wollte er ihm wenigstens un
ter vier Augen ein für allenral vorn Gesicht reißen.
Erik wußte es wohl: Sjöbevg besaß ein bedeutendes
Privatvermögen. Er hatte es aus den Erträgen der
Fabrik angesammelt, deren Aufschwung einzig und
allem das Werk seines Paters 'war. D»e Teilhaber,
schart mußte gelöst werden. Niemals mehr durften
die Namen Dahlgren und Sjöberg nebeneinander
stehen! Das »var er dem Andenken seines Vaters
schuldig, daß er den Name»» eines Verbrechers von
den» makellosen Firmenschild ausinerzte.
Wäre doch Axel hier! Konirte er ohne des
Bruders Zustimmung i'o wichtige Entscheidungen
treffen? Wird Axel geneigt sein, Berrgt Sjöberg,
dem er niemals getraut hatte, so leichten Kaufes mit
einem blauer» Auge entkornrnen zu lasten? Würde
er nicht zum wenigsten daraus bestehen, daß er einen
Teil seines Privatvermögens, das ja auf unehrliche
Weise erworben war, wieder an die rechtmäßigen
Eigentümer herausgab?
Berrgt Sjöberg verdiente gewiß keine Schonung,
Erik sagte sich dies immer und immer wieder. Aber
sollte die unschuldige Ingeborg ihr Leber» lang unter
der Sünde des Paters leiden?
Er »nutzte Axel zu bestimmen versuchen, daß er
sich nicht auf den Nechtsstandpunkt stellte. Insofern
war es vielleicht gut, daß er no»h einige Zeit hier
bleiben mußte. Inzwischen konnte er sich genau über
legen, irr welcher Weise die A use in andersetz ung mit
Berrgt Sjöberg erfolgen »nußte, ohne unnötigen
Staub aufzuwirbeln.
Unter solchen Gedanken schlief Erik endlich ein.
uirb als er am Morgen erroachte, da lachte die Sonne
in das Zimmer hinein. Ja, die Sonne würde chm
Jahr um Jahr scheinen, bis er einmal aus dem
Leber» schied. Aber die Sonire »eines Glückes war
untergegairgen und würde nie wieder aufgehen.
der soeben im Begriffe stand, zu »einem Pachchofe
zurückzukehren. Er wrnkte ihn auf die Seite.
„Denken Sie sich, Vater Larsson, die Ucberra-
schungen, die wir heute »»acht erlebten, scheinen noch
nicht abgeschlossen zu sein! Wissen Sie vielleicht, wie
Ihre Enkelin heißt? Daß sie sich in Stockholm auf
hält, sagten Sie mir bereits. Auch den Name»»
nannten Sie damals, aber ich habe ihn leider ver
gessen."
Forschend ruhten die Augen des Akten auf
Eriks Gesicht. Die Runzeln und Furchen m seinem
Antlitz hatten sich in dieser Nacht noch vertieft. Die
Augen schienen sich an das Licht des Tages »riicht ge
wöhnen zu können. Unruhig flackerird irrte»» die
Blicke ünrher, als hätte nichts auf Erden mehr Kraft
genilg, sie auch nrir für kurze Zeit festzuhalten.
„Dagmar Hie!mar heißt sie!" gab er fast schroff
zur Antwort; „aber was soll das? Warum frage»»
Sie?"
„Daganor Hjelnior! Das stimmt! Mein Bru
der hat eine Dagmar Hjelrnar gefunden! Er durste
ihr einen Dienst erweisen und hat sie seither öfter
wiedergesehen."
Da »var cs »nit der kühlen Ruhe des Alten vor
über. Erregt packte er Eriks Arm und fragte: „Wo
— wo ist meine Eirkelin. damit ich sie holen kann?
Nicht läriger soll sie im Großstadttrubel sich herum
stoßen lassen! Bei mir ist ihr Platz!"
„Leider hat nrir mein Bruder die Wohnung
Ihrer Enkelin nicht verrate»». Er konnte ja auch
nicht wissen, daß diese Dagmar wirklich mit Ihnen
verwandt ist. Nur aus den» Grunde kam er auf die
Vermutung, daß io etwas möglich sei, weil ich ihm
davon geschrieben habe. Ehe er »»»eine Antwort er
hält, vergehen immerhin einige Tage. Und dann
müssen auch wir wieder geraume Zeit warten."
„Köuiren Sie nicht telegraphieren?"
„Gewiß! Das geht. Stellen Sie mir einen Bo
ten zur Verfügung, der das Telegramm zur Post
bringt, dann können wir irr einigen Stunden Ant
wort haben."
Wie ein Jüngling eilte Larffon davon, und
schon in kurzer Zeit kehrte er »irrt einem Knechte zu-
rück. Vor Unruhe vermocht der Alte kaum still zu
stehen. Cr »chärtte dein Knechte größte Eile ein-
Da»»»» wandte er sich an Erik: „Ich bleibe solange
hier oben, bis die Antwort kommt. Hoffentlich
dauert es nicht allzu lange."
(Fortsetzung folgt.)
Mußte das w-rklich sein? Gab es denn tcine
Möglichkeit, eiire Vereinigung »nit Ingeborg zu er
reichen?
Nein, des Vaters schwere Schuld schied sic für
immer. Und »veirn sie sich auch noch so »'ehr liebten,
noch so uari'chuldig an den Ereignissen der Vergan
genheit waren: es schien doch ausgeschlossen, daß
der Sohr» des Ermordeten die Tochter des Mör
ders heiratete. Schon der Gedanke daran »»rar Tor
heit!
Wie aber würde Ingeborg die Kunde aufneh
men? Mußte sie nicht denken, er habe mit ihr nur
ein frevles Spiel getrieben, als er sie seiner Liehe
versicherte, sie um ihre Hand zum Lebensbunde bai?
Denn unmöglich konnte er ihr den wahren
Grund lagen, der sie trennte. Täte er das, so bräche
er ihr das Herz.
Aber wird sie weniger leiden, wenn sie ihn für
untreu halt? Könnte feine Liebe ihr nicht über die
schwere Enttäuschung hinweghelfen, die sie an» Pater
erlebte?
Es wäre immerhin möglich. Aber es hieße doch,
das Schicksal herausfordern, wollte er an einer so
unnatürlichen Verbindung festhalten. Das hatte
sogar der skrupellose Berrgt Sjöberg einpsunben,
-dem ganz gewiß weiche Gemutsregungen freind wa
ren. Darum hatte er sich gegen die Verlobung ge
sträubt, die h» jeder Beziehung vorteilhaft war.
Die Notwendigkeit, seine Zustimmung dazu verta
gen zu müssen, hatte ihn so erschüttert, daß er dar
über kraark geworden war.
Ein Bote brachte die Postsachen. Erik suchte
gewohnheitsmäßig »»ach einem Briefe von Ingeborg.
Vergebens! Heute wußte er es, sie schrieb nicht,
weil der Vater es nicht haben wollte.
Llber ein Schreiben Axels war dabei. Der Bru
der ließ für gewöhnlich »richt allzuviel von sich hö
ren. Es mußte sich um wichtige Dinge handeln,
wenn er schrieb. Als Erik der» Brief las, nrußte
er trotz »feiner ernsten Stimmung lächeln. Sieh an,
den guten Axel hat es also anscheinend auch er
wischt! Der schwärmte ja vön dern Mädchen, das er
durch eiiren Zufall keirnen gelernt hatte, in den höch
sten Tönen.
Dann aber »vurde Erik stutzig. Wäre es denn
wirklich möglich, daß »ein Bruder Larffons Enkelin
gefunden haben sollte? Nur einer konnte ihm Ant
wort airs diese Frage geben: Lars Larsson selbst.
Erik eilte unverzüglich zu dem alte»» Pächter.
frişeborg und Dagmar
Verlag Alfred Bechthold
' (Nachdruck verboten.)
ļjj Dagmar huschte zu der strengen Frau hin uird
mit der Hand aus das Zirmner, in den» Sjöberg
allein saß. Da glätteten sich sogleich die Wogen
s,^ Erregung, und mit freundlichem Lächeln sagte
' -.Lassen Sie sich nur nicht stören liebe Dagmar!"
tz-. Das Mädchen raunte ihr zu: „Herr Sjöberg
Sie zu sprechen."
z "Ach, Herr Sjöberg! Wie i'chön, daß er urrs
jvl > rnieder einrnal mit seinen» Besuche beehrt! In,
' ’ ^ hohen Gast muß ich schon persönlich begrüßen!"
Şsgleich begab sie sich in das Nebenzimmer.
| 0ļ 9mQr ober stand da w»e von einen» Traume ust*
unb preßte die Hände gegen das stürm»»'ch
Herz. Würde ihre Hoffnung sich erfüllen?
ihr das Glück endlich eininal »rach so vielen
Leildenstagen ein weni-g zulächeln?
g Geraume Zeit mußte sie warten. Wie dieses
zwischen Furcht und Hoffmurg sie per»
Endlich erschien Frau Gyllenborg r»ud sagte:
&.^b» Sjöberg zu Gefallen haà »ch keine Einrven-
1>j n 9m» gemacht, daß Sie so plötzlich und ohne Kün-
1jJ Uri 8 mein Haus verlassen. Dcirken Sie aber
daran, welches Vertrauen Herr Sjöberg
lchenkt! Sollten Sie sich dessen als unrvert
Hi«, îşei», dann finden Sie bei inir kein Unterkonr-
"N inehr,"
Du beglückt eilte Dagmar in ihr Kümrrrerchsn.
erstenmale nach langer Zeit lachte sie wieder.
1(w ^ährend sie ihre Habseltgkeiten zusammenpackte,
şi« einmal ums andere: „Lieber will ich betteln,
größten Demütigungen erdulden als daß ich »roch
Ķl in diei'ern Hause Unterkorrriuen suchte!"
»er» ^otz der Aufregungen der vergairgenei» Nacht
^rte Erix Dahlgre»» a-rn Morgen des nächsten
°in so unabweisbares Schlafbedürfms. daß er
f»»t 'l lt hastig von Lars Larsson verabschiedete, ihn
!tf)U C ' n gegebenes Versprechen erinnerte »rnd dann
ì »ein Lager aufsuchte. Vielleicht tat er das
èjyî, dein Grunde, um jeder Begegnung »nit
' Menschen auszirweichei». Erlebiriffe vor» der
' sie ihm in àr vergangenen ölacht beschie-