Sind Hîimorrhoiden
heilbar?
Ja und nein? Wenn ein Hämorrhoiden-
kranker dieses wirklich ernste Leiden vernachläs-
kigt, wird es ihm immer größere Qual bereiten.
Die anfangs unbedeutenden Knoten am Darm
wachsen, sie wandern in den Darm hinein und
Platzen schließlich auf. Dann besteht die Gefahr,
daß Blutgerinnsel in die Blutbahnen kommen
Und dort üu sehr gefährlichen Verstopfungen füh
ren. Es kommt hinzu, daß die Schmerzen, das
Brennen und das Jucken der erkrankten Teile im
mer unerträglicher werden und den Kranken kör
perlich und seelisch zugrunde richten. Schließlich
bleibt dem verzweifelten Patienten nur noch
übrig, sich auf dem Wege der Operation unsichere
Heilung zu verschaffen.
Muß das sein? In den meisten Fällen: Nein!
Denn Hämorhoiden, rechtzeitig als solche erkannt
und sachgemäß behandelt, können mit großer Aus
sicht auf Erfolg auch ohne Operation beseitigt
werden. Neben peinlicher Sauberkeit m u ß e i n e
geeignete Salbe zur Anwendung
kommen.diedieKnotenzurSchrump-
fung bringt, die Schmerzen lindert,
die Entzündungen beseitigt. Die be
währte H u m i d o n - Salbe verbindet alle diese
Eigenschaften in hervorragendem Maße. Schon
nach ganz kurzer Anwendung läßt das Jucken und
Brennen nach. Damit ist schon viel gewonnen:
denn fällt der Juckreiz fort, so verringert sich auch
die Gefahr weitergetragener Infektionen. Nun
erst kann der Heilungsprozeß beginnen.
Die Humidon-Salbe wird seit Jahren auch in ver
zweifelten Fällen gebraucht, und unzählige Kranke
bezeugen, daß sie fast Wunderdiensto geleistet hat.
Aber die Humidon-Kur ist keine Wunderkur,
sondern das Resultat einer wissenschaftlich wohl
durchdachten Arbeit. In dieser Salbest nd
alle Stoffe vereint, die diese
tückische Krankheit erfolgreichzu be -
k a m pfen geeignet sind. Die Humidon-
Eesellschaft will überzeugen und nicht überreden.
Sie erhalten durch die Versandapotheke umsonst
eine ausreichende Probe Humidon nebst ärztlicher
Aufklärungsschrift über Hämorrhoidenleiden. Die
sen kostenlosen Versuch ist jeder seiner Gesundheit
schuldig. . lieberzeugen Sie sich am besten selbst
und schreiben Sie sofort, ehe Sie es vergehen, nach
Probe und Broschüre an die Humidon-Eesellschaft,
Berlin W 8, Block 129.
Die Wirtschattspariei beredet im
Reichstag eine Ueberraschimg.
Neprrblikschzchgesetz mit 265 gegen
156 Stimmen angensmmen.
AlieÄssetzW tzerBkiMdW
Die gestrige Reichstagssttzung trug insofern
^nen ganz besonderen Charakter, als es eine Cit
ing ohne Reden war. Nur Abstimmungen standen
«Uf der Tagesordnung, nämlich die zurückgestellte
Şchluhabstimmung über das Neichsministergefetz u.
als Abschluß der dritten Lesung vorzunehmen
den Abstimmungen über das Republic chutzgesetz.
^ei dieiem Gesetz lagen von den Deutschuationalen
Kommunisten Anträge auf Aussetzung der Ber
andung vor, denen prompt ein sozialdemokrati
scher Antrag auf Dringlichkeitserklürung folgte. Der
Hergang, den man >chon bei der Derabichiedung der
ckounggeietze erlebte, hat sich also nach kurzer Zeit
wiederholt. Es scheint zu einer neuen parlamenta-
^chen Uebung werden zu sollen, daß die in der
Minderheit gebliebene Opposition als letztes Mittel
Ausietzungsantrag benutzt, der schon angenom
men ist. wenn ein Drittel der anwesenden Abgeord
neten sich dafür erklärt. Der mit dem Dringlich-
^tsbeichluß geführte Gegenzug der Mehrheit be-
wrkt dann, daß zwar eine längere Verzögerung
"er Inkraftsetzung des Gesetzes verhindert werden
aber nur für den Fall, daß sich der Reichsrat
Dringlichkeitserklärung anschließt und daß dann
"er Reichspräsident von sich aus die Verkündung so
gleich vornimmt. Letzten Endes würde also die-e
dahin führen, daß der Reichstag einen Teil
leiner Machtvollkommenheit an die übrigen Fak
iren der Gesetzgebung abgeben muß, wenn die Op
position gegen eine Vorlage mindestens ein Drittel
"cr Abgeordneten hinter sich hat.
Beim Republikschutzgesetz war das in der geft-
"gen^ Sitzung nicht der Fall. Do die Wirtschafts-
Partei zwar gegen das Republikschutzgesetz, aber nicht
mr die Aussetzung der Verkündung stimmte, war
gas erforderliche Drittel nicht erreicht, und über den
Eknrglichkeitsantrag brauchte erst gar nicht abge-
plMm.t zu werden.
Das Republikschutzgesetz selbst wurde nach Ab
lehnung aller Aenderungsanträge in der Schluß-
abstimmung mit 268 gegen 180 Stimmen unter
Pfui-Rufen der Kommunisten angenommen.
Dafür stimmen nur die Regierungsparteien.
, Die einzelnen Paragraphen wurden meist in
Einfacher Abstimmung erledigt.
. 8 6, der besagt, daß mit Gefängnis nicht unter
Monaten eventuell noch mit Geldbuße bestraft
^rd, wer einen Reichs- oder Länderminister, einen
^>chs- oder Staatspräsidenten verächtlich macht,
ganso, wer zu Gewalttätigkeiten gegen einen poli-
>Ichen Gegner wegen dessen politischer Betätigung
Aufreizt, wurde in namentlicher Abstimmung mit
gegen 151 Stimmen angenommen. In der Op-
pasition befanden sich Deutschnotionale. Christlich
st, onale, Kommunisten, Wirtschastspartei lind Ra-
avnalsozialisten.
Z 10. der die Bestimmungen über die Auflösung
politischen Vereinen enthält, wurde mit 266 ge-
148 Stimmen angenommen.
Dis Neberrmschrmg
pachte di« Abstimmung über die deutschuationalen
kommunistischen Anträge auf Aussetzung der
Erkundung des Gesetzes. Das für Annahme sol-
Anträge erforderliche Drittel der Abgeordneten
die Opposition bei früheren Abstimmungen
^fbrìngen können, da die Wirtschaftspartei mit der
fîîchts. und Linksopposition gestimmt hatte. Dies
el aber erschien die Wirtschaftspartei zur Abstim
mung nicht im Saale. Der Aussetzungsantrag
M'kd mit 288 gegen 120 Stimmen abgelehnt. Da-
war das Gesetz zum Schutze der Republik end-
Ņìltig angenommen.
Das Neichsministergefetz wurde in der noment-
?4en Schlußabstimmung mit 340 gegen 70 Stim
mn bei 5 Stimmenthaltungen angenommen. Ls
î^damit die für verfaffungsändernde Gesetze not-
M^ckdig« qualifizierte Mehrheit erreicht worden. Das
in diesem Falle nötig, denn namentlich in den
Stimmungen über die aus dem Beamtenstand her-
?wgegangenen Minister kann man eine Aenderung
J? 1 den Beamten in der Verfassung gewährten
V erblicken.
^ Ein Vorschlag des Präsidenten, sofort den von
tri Regierungsparteien eingebrachten
Antrag auf öffentlichen Anschlag der Kund
gebung des Neichspräsidenteu
ilh
W' Boungplan zu beraten, scheiterte an dem Ein-
ch von nationalsozialistischen und deutschnatio-
w
ļļļ^n Abgeordneten. Der Antrag steht nun an er-
ļ? Stelle auf der Tagesordnung der Mittwoch-
die um u Uhr beginnt. Am Mittwoch kom
men auch die Zoll- und Steuervorlagen der Regie
rung zur ersten Beratung.
- " »
Preußischer LauötUD.
Die Verlängerung der Grund- und Hauszinssteuer.
— Befristete Freistellung der Landwirtschaft von
der Grundsteuer? — Die Auflösung der
Fideikommisse.
Der preußische Landtag überwies die Novelle zur
Geschäftsordnung in die Ausschußüeratung, die in
Konsequenz des kommunistischen Auftretens im Haupt-
ausschuß auch dem Ausschutzvorsitzenden das Recht ge
ben will, widersetzliche Abgeordnete aus dem Saale zu
weisen. Gleichfalls debattelos wurde in der Schluß-
abstimmung das Zentrumsinitiativgesetz angenommen,
das die Altersgrenze für Hochschullehrer vom 65. auf
das 68. Lebensjahr hinaussetzt und das am 31. März
1930 in Kraft treten soll.
In gemeinsamer Debatte erledigte das Haus dann
die zweite Lesung der Verlängerung der Grund- und
Hauszinssteuer bis 31. März 1931. Die Abstimmungen
hierüber erfolgen am Mittwoch. Im Ausschuß sind
alle Aenderungsanträge zu diesen beiden Regierungs
vorlagen abgelehnt worden.
Abg. Schulze-Stapen (DR.) forderte Freistellung
der Landwirtschaft auf ein Jahr von der Steuerpflicht.
— Abg. Jakoby-Rafsauf (Z.) wies darauf hin. daß
gerade die Landwirtschaft nach Annahme des Aoung-
plans durch Wegfall der Rentenbanklasten eine Steuer
erleichterung von 6—9 Proz. der Steuerhöhe erhalte.
— Dr. von Eqnern (BVP.) verlangte zahlreiche Er
leichterungen für Neubauten bei der Hauszinssteuer
und gleichfalls „vorläufige Freistellung" der Landwirt
schaft von der Grundsteuer. — Abg. Falk (DDP.) be
dauerte auch im Interesse eines Grenzfonds, Steuer
ausfallsanträgen nicht zustimmen zu können. Die
Abgg. Oberdörster (KPD.) und Mentz (WP.) lehnten
die Realsteuern ab. Der Wirtschaftsparteiler verlangte
endliche Durchführung des Artikels 164, der den Schutz
des Mittelstandes ausspricht.
Im Landtag begann dann noch die zweite Bera
tung der Novelle zur Verordnung über die Auslösung
der Fideikommisse. Nach einem Antrag der Regie
rungsparteien dürfte endgültiger Termin für die Auf
lösung des gebundenen Besitzes in Preußen der 1. Juli
1938 werden.
Am Mittwoch findet die Abstimmung über das
kommunistische Mißtrauensvotum gegen Minister Hirt-
siefer statt.
Der auffällige Rückzug Moskaus
in der Agrarfrage.
Neue Anordnungen: Besteuerung der KoAekLiv wirtschaften, Steuer
begünstigung der freien Bauerurvirtschalten.
Wir haben schon vor einigen Tagen über den
auffälligen Schritt Moskaus in der Agrarfrage
berichtet, ein auffälliger Rückzug, der nur zu ver
stehen ist, wenn die Machthaber eingesehen haben,
daß sie bei weiterer Vortreibung der Kollektivwirt
schaft Rußland an das Hungertuch und das System
zum Zusammenbruch bringen. Das bolschewistische
Dogma ist damit am russischen Bauern gescheitert.
Wie stark das Steuer von Moskau herumgeworfen
wird und wie bedenklich die Lage demnach gewor
den sein muß, geht aus der folgenden Meldung
hervor, die geradezu eine Begünstigung der Eigen
wirtschaft auf steuerlichem und volkswirtschaft
lichem Gebiet vorsieht. Die jetzigen Vorgänge in
Rußland mögen zugleich eine ernste Warnung in
Westeuropa sein, den Bauern und die Landwirt
schaft fürsorglicher als bisher zu behandeln und sie
nicht durch falsche Maßnahmen in eine Lage zu
bringen, die Staat und Gesellschaft gleicherweise
in Gefahr bringen könnte. Auch in dieser Bezie
hung sind die Vorgänge in Rußland von wesent
licher Bedeutung. Die Meldung selbst bringt fol
gende auffällige Maßnahmen der Moskauer Macht
haber zur Kennlnis:
Moskau, den 17. März 1930.
Nachdem die Flucht in die Kollektivwirtschaf
ten durch die Beschlüsse des Polibüros abgestopft
wurde, sind nunmehr nach Moskauer Meldungen
neue Verordnungen erlassen worden, die den
Wunsch erkennen lassen, den bestehenden Kollektiv
wirtschaften zunächst eine satzungsmäßige Grund
lage zu geben.
Zu gleicher Zeit wird eine Verordnung des
Rates der Volkskommissare bekanntgegeben, die die
bisherige Steuerfreiheit der Kollektivwirtschaften
aufhebt und erklärt, daß jeder Kollektivbetrieb
entsprechend seinem Rechenschaftsbericht besteuert
werden wird. Steuerfreiheit bezw. Herabsetzung
der Steuern ist für solche Betriebe vorgesehen, die
hauptsächlich für die Ausfuhr arbeiten. Eine Aen
derung gegenüber den bisherigen Steuermethoden
bedeutet weiterhin die Feststellung der Verord
nung, daß die Eigenwirtschaften der Klein- und
Mittelbauern unter bestimmten Voraussetzungen
völlig steuerfrei seien, und daß alle Maßnahmen
ergriffen werden müssen, um diese Steuerfreiheit
zur Sicherstellung der bäuerlichen Eigenwirtschaf
ten für die Zukunft zu gewährleisten.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der Rai
der Volkskommissare am Sonntag unter Vorsitz
Rykows einen Beschluß gefaßt, der die Beziehun
gen zwischen den kollektiven Bauernwirtschaften
und ihren Mitgliedern im einzelnen regelt. Nach
diesem Beschluß soll jede einzelne Bauernkollektio-
wrrtschaft von einem Ausschuß geleitet werden,
der von den Kollektivbauern gewählt sein muß.
Der Beschluß sieht weiter vor, daß Ernennungen
von Kommunisten zu offiziellen Leitern der kol
lektiven Bauernwirtschaften ungesetzlich seien, und
daß etwa bereits ernannte Kommunisten sofort
von ihren Posten entfernt werden müssen. Wenn
ein Mitglied der kollektiven Vauernwirtfchaft aus
dem Kollektiv ausscheiden will, dürfen ihm durch
die Behörden keinerlei Schwierigkeiten gemacht
werden. Dieser Teil des Beschlusses scheint sich
aber nur auf den Fall zu beziehen, daß Mitglie
der der Kollektivwirtschaften nach den Städten
als Industriearbeiter übersiedeln wollen.
ļhrkagos Schrnugglerkönig aus örrn Gefängnis
einlassen.
kürz. Ter König der
1. Mäl
t, oer berüchtigte Banden-
Philadelphia. 18.
Chikagoer Unterwelt,
führer Al Capone, „das Narbengesicht",
ist gestern um 16 Uhr unter allergrößten Vor
sichtsmaßnahmen und in äußerster Heimlich
keit aus dem Gefängnis entlassen worden.
Während eine große Menschenmenge, unter
ihnen eine große Zahl Zeitnngsrcporter. am
Tore des Gefängnisses, in dem Al Capone
seine erste und bisher einzige Gefängnis
strafe wegen verbotenen Waffentragens ver
büßte, wartete, ließen die Gefängnisbehörden
den Verbrecherkönig bei Tagesanbruch heim
lich in ein 50 Kilometer entferntes Gefäng
nis bringen. Bon hier aus wurde er um
16 Uhr entlassen. Die Tatsache seiner Ent
lassung gab man jedoch erst um 20 Uhr be
kannt.
Al Capone ist das Haupt einer über ganz
Amerika verbreiteten Alkoholschmuggler-
baude. Im Kampfe 'rni die Prohibi
tionsgesetze und in der Bekämpfung miß
liebiger Koukui »z schreckt diese Bande
auch vor den schärfsten Gewalttaten nicht
zurück.
Fast täglich fordert der unterirdische Vanden-
krieg in Chikago Todesopfer» trotzdem hat
man Al Capone nie etwas nachweisen kön
nen. Seine Verhaftung vor zehn Monaten
war eigentlich mehr ein freiwilliges Sichstel-
len Al Capones, der das kleine Delikt des
unbefugten Waffcntragens eingestand und sich
dadurch für einige Zeit von seinen Verfol
gern aus den gegnerischen Banden in dem
Gefängnis in beste Sicherheit brachte. Die
Heimlichkeit seiner Freilassung ist wohl auch
darauf zurückzuführen, daß Al Capone kaum
vor einem Attentat von Mitgliedern einer
anderen Bande sicher gewesen wäre. Wo sich
Al Capone gegenwärtig aufhält, ist unbe
kannt. Man vermutet, daß er sich nach sei
ner alten Wirkungsstätte nach Chikago zu
rückbegeben hat.
Al Capone, der sich ein Millionenvermö
gen erworben hatte, kann sich, will er sich
nicht der Rache seiner eigenen Anhänger
aussetzen, nicht mehr ans dem Verbrecher-
leben zurückziehen.
Bezeichnend dafür ist seine Antwort, die er
kürzlich auf die Frage gab. ob er nach Ab
büßung der Strafe nicht seine Verbrecher-
tätigkeit aufgeben wollte. Sie lautete: Ich
wünschte, ich könnte es.
Chikago, 18. März. Im unterirdischen
Krieg der Schmugglerbanden in Chikago ist
schon wieder ein Todesopfer zu verzeichnen.
Ein als Alkoholschmuggler bekannter Mann
namens P. Bicas wurde heute nacht mit fünf
Schüssen im Kopf tot aufgefunden. Tie
Leiche war von unbekannten Tätern aus
einem Auto geworfen worden, mit dem sie
in rasender Schnelligkeit flüchteten und ent
kamen. Anscheinend zur Begrüßung des aus
dem Gefängnis entlassenen Bandenführers
Al Capone haben die Verbrecher in den letz
ten Tagen eine erhöhte Aktivität entfaltet.
Der heute Ermordete ist das dritte Todes
opfer dieses erbitterten Kampfes innerhalb
von drei Tagen.
* . *
Schottland will drahtlose Autonomie.
„Drahtlose Autonomie für Schottland": in
dieser Forderung gipfelte ein Vortrag in Aber
deen, der sich der teöbaften Zustimmung der An
wesenden erfreute. „Die Einführung des Rund
funks", führte der Redner aus, „war zweifellos
ein Segen für das Land. Darüber aber darf die
ernste Gefahr nicht ütersehen werden, von der das
nationale Leben uns die völkische Eigenart der
Schotten bedroht sind. Das Englisch, das den
Bewohnern unserer Bergdörfer und Landstädtchen
aus der Luft übermittelt wird, ist das der eng
lischen gebildeten Klasse, das mit feinem Oxford
akzent unsere einfachen Landleute fremd anmuten
muß. Unwillkürlich drängt sich dabK der Ge
danke auf, was sich die bescheidenen Leute aus
den schottischen Dörfern wohl dabei denken mögen.
Sie müssen zu dem Schluß kommen, daß ihre eigene
Sprache aus dem Gedächtnis ausgelöscht ist, und
daß die schottische Muttersprache im Leben der
Gebildeten keinen Platz mehr finoet. Es ist hohe
Zeit, daß diese Angelegenheit einmal auch unter
dem patriotischen Gesichtswinkel und vom Stand
punkt höherer, nationaler Forderungen betrachtet
wird. Was uns nottut, ist eine sprachliche Auto
nomie für unser Nundfunkwesen, das der ßhotti-
schen Eigenart mehr zu ihrem Recht rerhilft, als
es bisher der Fall ist."
Poitiers und Chatellerauld unter Wasser.
TU. Paris, 18. März. sEig. Funkmelög.)
Aus Poitiers wird gemeldet, daß nach den an
haltenden Regenfällen der letzten Tage der
Wasserstand des Chain derart gestiegen ist,
daß am Montag die nutere» Stadtteile von
Poitiers unter Wasser gesetzt wurden. In
der Umgebung von Poitiers ist der Verkehr
auf zahlreichen Chausseen und Landstraßen
unterbrochen. In şiatellcranld stehen nach
dem Ansteigen der Vienne ebenfalls die tie
fer gelegenen Stadtteile unter Wasser.
RWptzMch.
O'Connell, James F.: »Elf Jahre in Australien und aus
der Insel Ponape". Erlebnisse eines irischen Matrosen in
den Jahren 1822—1833. Aus dem Englischen überseht und
herausgegeben von Professor Dr. Paul Hambruch. Mit einer
Karte und 43 Abbildungen auf Tafeln. (Verlag Scherl, Der-
lin). Ganzleinen 5 'SiM. Aus der Fülle der Werke über die
Südsee ragt das Erlebnisbuch eines irischen Matrosen hervor.
Dieser Matrose, ler Ansang des neunzehnten Jahrhunderts
mit einem Sträflingsschiff nach Australien fuhr, wurde bei
einer Reise im Jahre 1826 nach der Insel Ponape verschla
gen. Er lebte dort unter den Eingeborenen bis zum Jahre
1833, wo ihn ein vorüberfahrendes Schiff von der Insel er
löste. Seine Aufzeichnungen über die Südsee-Insulaner stnd
noch heute eine wichtige Fundgrube für die Verhältnisse auf
Ponape. Besonders interessant ist das Buch für uns, da
Ponape einst in deutschem Besitz wzr. Das Buch hat ein
merkwürdiges Schicksal gehabt: es existiert lediglich noch das
Handexemplar des Verfassers in der Kongreckbibliothek in
Washington. England selbst dürfte ein nicht geringes Inter
esse daran gehabt haben, alle erreichbaren Exemplare zu ver-
Nichten, da der Verfasser in dem Teil seines Werkes über
Australien recht offenherzig über die „Sträflinge", mit denen
England damals dieses Land besiedelt«, spricht. Die vor
zügliche Uebersetzung besorgte Prof. Hambruch, der die Süd-
se« aus eigener Anschauung kennt. Das flüssig geschriebene,
mit interessanten Abbildungen versehene Werk wird viel«
Freunde finden.
Versailles, 28. Juni 1919. Diese Aufschrift fand der Be
richterstatter der »Kölnischen Illustrierten Zeitung", der in
deren Auftrag die Provinz Grenzmark Posen-Westprcußen,
das Danziger Staatsgebiet und das Weichfelgrenzland bereiste,
auf einem Grenzstein in der Gegend von Schneidemühl. Das
Datum ist der Tag, an dem der Wahnsinn des Polnischen
Korridors festgelegt wurde. Besser noch als Zeitungsartikel
zeigen die Aufnahmen die Not des deutschen Ercnzlandes,
dessen Handel und Wandel aufs schwerste daniederliegen, und
in dem Straßen und Eisenbahnlinien, Brücken und Besitz,
tümer durch sinnlosen Machtspurch zerschnitten wurden.
Die niederdeutsche Grundsrage. Alle guten und begei
sterten Reden über die Pflege der plattdeutschen Sprache,
alles noch so gründliche Wissen um die sichtbaren Ausdrucks-
formen niederdutschen Wesens helfen uns nicht weiter, wenn
darüber der Urgrund, der alles dies hervorgebracht hat und
immer wieder hervorbringen muß: der niederdeutsche
Mensch selbst, vergessen wird. Er muß Ausgang und Ziel
aller Heimatbewegung sein. Das Problem des niederdeut
schen Menschen ist in seinem Grunde ein ethisches Problem.
Die Heimat soll nicht nur ein nur an Sonntagen oder an
gemütlichen Feierstunden und festlichen Vereinsveranstaltun
gen zu erstrebendes Jdealsein, sondern unser fester innerer
Besitz, die sittliche Kraft unseres Lebens. Diese Fragen be-
handelt Fritz Specht in einem aufrüttelnden Aufsatz im
Märzheft der Zeitschrift »Nicdersachscn", verbunden mit
„Tide" und „Schimmelreiter". (Eavl Schüneman, Verlag,
Bremen). Preis des Heftes 66 Pfg.