Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 1)

Hr. SS 
Zweites Matt 
Mittwoch. 
11 März 
Beschlüsse Ses NsKAZhArger 
KrêisamÄşşchêĢs. 
Es wurde beschlossen, den Ausbau der 
Teilstrecken Legan—Haale als Nedcnlaud- 
straßc Legan—Gokels dem Tiefüamnrternch- 
mer Mar Rohwer in Rendsburg zu übertra- 
gen. — Einer Polizeiverordnung des Land 
rats betreffend Sperrung des Verlüuduugs- 
weges Mcezen—Bucken für Sraftfahrzeuge 
aller Art mit einem Gesamtgewicht von mehr 
als 3 Tonnen und für Fuhrwerke aller Art 
von mehr als 2 Tonnen Gesamtgewicht wurde 
zugestimmt. — Genehmigt wurden Beschlüsse 
der Gemeindevertretungen Hoyenwestedt, 
Schenefeld, Jevcnstedt und Borgdors-See- 
dors aus Aufnahme von Anleihen. — Ter 
Ehefrau Helene Hansen in Baalermoor wurde 
die Erlaubnis zum Betrieb der Gastwirtschaft 
erteilt für das frühere Schrodersche Wirt 
schaftsgewese. — Der Hollllerschen Carlshütte 
in Rendsburg wurde der Ausbau der Gie 
ßerei 7 genehmigt. — Ferner wurde verhan 
delt und entschieden über eine größere Anzahl 
Fürsorge- und Steuer-sachen. 
*■ * 
* 
Schwerer HnfsH auf dem Ichrmä 
Am Montagabend gegsri 9 Uhr wurde auf dem 
Jahrmarkt ein ISjähriges junges Mädchen aus der 
Baronstraße gegen ein in Fahrt befindliches Karus 
sell gestoßen. Dabei erlitt es Kopf- u. Beinverlet 
zungen und eine Gehirnerschütterung. Durch die 
Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde es ins 
städtische Krankenhaus überführt. 
* * 
* 
UnUll tim Schülers hm %mm. 
Ein Quartaner kam beim Turnen in der Turn 
halle des Gymnasiums zu Fall und zog sich eine Ge 
hirnerschütterung zu. Er wurde durch das Sani- 
ļätsauto der Freiwilligen Sanitütskolonne vom 
Noten Kreuz in die elterliche Wohnung überführt. 
t W 
* 
* Zollbcamten-Tagung. Am Sonnabend und 
Sonntag hielt der Gesamtvorstand des Bszirksver- 
bandes Schleswig-Holstein im Bunde Deutscher 
Rcichszollbeamten in der Schweizerhalle eine Sitzung 
ab. Sonnabendabend sprach der erste Vorsitzende 
des Verbandes. Oberzollsekretär Leffler, Altona, 
über die allgemeinen Follbeamtcnbelange. Die Mit 
glieder des Vereins Rendsburg waren zu dieser 
Versammlung recht zahlreich erschienen. Leffler 
ging in seinen Ausführungen eingehend auf die Ab 
lösung der Grcnzaufsichtsbeamten ein. Acht und 
mehr Jahre verrichten die Grenzbeomten den Grenz 
aussichtsdienst bei Tag und Nacht. Kein Wetter 
dürfe den Grenzaufsichtsbeomten an der Ausübung 
seines Dienstes hindern;' stets müßten sie auf dem 
Posten sein zum Wohle der deutschen Wirtschaft. 
Trotzdem von Reichstag und Reichsregierung Ne 
Notwendigkeit für die schnellere Ablösung von der 
Grenze anerkannt sei, liege die vom Reichstag ge 
forderte Denkschrift noch im Schoße der Reichsregie 
rung. Die Grenzaufnchtsbeamtsn fordern, daß Sie 
Ablösungsfrage endlich geregelt wird. Redner ging 
auf die ungerechte Einstufung der Zollbeamten ein 
und schilderte die schlechten Besörderungsverhält- 
nisie. Sodann befaßte er sich allgemein mit den 
Fragen des Berufsbeamtentums und wies nach, daß 
nur das Derufsbeamtentum in seiner jetzigen Ge 
stalt die Gewähr für eine parteipolitisch-neutrale 
Verwaltung biete. Die Beamten seien nicht Diener 
einer Gruppe oder Partei, sondern Diener des deut 
schen Volkes. In der Sitzung am Sonntag stan 
den Antrage und Organisationsfragen zur Bera 
tung. 
* Zu einer Kundgebung gegen den Joung- 
plarr versammelten sich auch in Rendsburg die 
Vertreter der iw Widerstandsblock vereinig 
ten nationalen Jugendverbände am Montag 
im Schützenhofpark. Lodernde Fackeln im Dun 
kel der Nacht gaben der Veranstaltung einen 
ernsten feierlichen Rahmen. Die düster herab 
hängende schwarze Fahne bekundete die Not 
zeit LeS deutschen Volkes. Nachdem in einer 
Ansprache der Aoungplan als Versklavuugs- 
instrument in feiner charaktcr- und wirt 
schaftsvernichtenden Wirkung kurz gekenn 
zeichnet war, sang die Versammlung das Lied 
„Der Gott der Eisen wachsen ließ". Hierauf er 
griffen Vertreter der nationalen Jugend das 
Bort, um feierlich und nachdrücklich zu erklä 
ren, daß die deutsche Jugend an einem niedri 
gen Machwerk wie den Aoungplan keinen An- 
' teil habe und sich davon los und ledig sage. 
Niemals werde die deutsche Jugend diese Ver 
pflichtung anerkennen, die ein feiges Geschlecht 
von sich auf seine Kinder und Kindeskinder 
abzuwälzen suche. Das Diktat von Versailles, 
das Locarnoabkommen, der Damcspakt, 
Aoungplan, Polenvertrag seien für sic nur 
Papierfchen ohne irgendwelche rechtliche Bin 
dung. Zur Unterstreichung dessen erfolgte dann 
Vach einer begeisternngdurchglühten Fcuerrede 
die Verbrennung dieser Pakte ans dem inzwi 
schen zu hellen Flammen angefachten Scheiter 
haufen. Die Versammlung schloß mit einem 
»Hoch" ans das dritte Reich und der 4. Strophe 
des Deutschlandliedes. 
Rendsburg, den 19. März 1930. 
* Nachprüfung aller polizeilichen Verbots- und 
Gebotstafel». Unter Bezugnahme auf den Rund- 
erlaß vom 20. Februar, durch den die von den 
Oberpräsidcnten, Regierungspräsidenten, Landrä 
ten und Ortspolizeibchörden vor dem 1. Januar 
1900 erlassenen Polizeiverordnungen, soweit sie 
nicht die Strom-, Schiffahrts- oder Hafenpolizei be 
treffen, mit Wirkung vom 1. Mai d. I. außer Kraft 
gesetzt sind, ersucht der Preußische Minister des In 
nern soeben in einem neuen Erlaß die Nachgeord 
neten Behörden, bis zum 15. April d. I. durch ein 
gehende Nachprüfungen an Ort und Stelle festzu 
stellen, ob die an den Häusern, Straßen usw. an 
gebrachten polizeilichen Verbots- und Gebotstafeln 
noch weiter zu Recht bestehen oder durch die Außer 
kraftsetzung der genannten Polizeiverordnungen 
überholt sind. Wie der Amtliche Preußische Presse 
dienst mitteilt, sind die überholten Gebots- und Ver 
botstafeln zu entfernen. Gleichzeitig ersucht der 
Minister nachzuprüfen, ob die noch weiterhin erfor 
derlichen Gebots- und Verbotstafeln gut lesbar und 
zweckmäßig angebracht sind. Nötigenfalls ist das 
Erforderliche unverzüglich zu veranlassen. 
* Kontrollitrcifcn von Registrierkassen aufbe 
wahren. In einem Urteil des Reichsfinanzhofs 
vom 27. September 1929 — VA 495/29 — wird 
nach Mitteilung der Deutschen Beamtenbund-Kor 
respondenz folgendes ausgeführt: Im Steuerbe 
scheid ist gemäß 8 210 Abs. 8 AO die Feststellung 
der schuldhaften Verletzung von Stouerpflichten 
wegen Nichtaufbewahrung der Kontrollstreifen der 
Registrierkassen enthalten. Der Einspruch des Be 
schwerdeführers wurde als unbegründet zurückge 
wiesen. Das Berufungsgericht hat die Schätzung 
für zulässig und notwendig erachtet. Der Rechts- 
beschwerde beim Reichsfinanzhof war der Erfolg 
zu versagen. Im vorliegenden Falle handelt es 
sich darum, ob die Schätzung des Umsatzes des Be 
schwerdeführers zulässig und geboten ist. Beide 
Fragen sind zu bejahen. Ohne Rechtsirrtum fol 
gert das Derufungsurteil aus der Höhe des Wa- 
reneinkaufs und des ortsüblichen Eşşinnausichla- 
ges die sachliche Unrichtigkeit der Buchaufzeichnun 
gen des Beschwerdeführers. Gemäß § 162 Abf. 8 
AO sollen Bücher, Aufzeichnungen usw. aufbewahrt 
werden. K 162 Abs. 9 schreibt ferner vor, daß das 
Finanzamt prüfen kann, ob Bücher, Aufzeichnungen 
usw. fortlaufend, vollständig, formell und sachlich 
richtig geführt werden. Es kann keinem Zweifel 
unterliegen, daß die Kontrollstreifen einer Regi 
strierkasse grundsätzlich unter den Begriss „Aus 
zeichnungen" Fallen; sie müssen daher grundsätzlich 
von deni Steuerpflichtigen aufbewahrt und zur 
Nachprüfung durch das Finanzamt bereit gehal 
ten werden. Hierbei darf allerdings eine eng 
herzige Auslegung und Ueberspannung dieser Vor 
schriften nicht Platz greifen; es ist vielmehr den 
wirtschaftlichen Notwendigkeiten nach Möglichkeit 
Rechnung zu tragetl. 
j Vereins-Anzeiger 
Am 22. und 23. März 1930 
»68eif hä io Her 8ÄM! 
Briefe mr die Schrîftleîtsrrrg. 
4M* Schrļfttàmg stem bte ©enisling dieser Subtil, s». 
weit *s der Raum zuläßt, den Leser» zur Besprechung von 
Angelegenheiten allgemeinen öffentlichen Interesse» zur Ver 
fügung, verwahrt sich aber ausdrücklich dagegen, mit dem In. 
halt identifiziert zu werden und übernimmt dafür keinerlei 
Verantwortung. Eie behält sich vor. bei Linseiidungen, di, 
«ach ihrer Ansicht über da» Matz de» Sachlichen hinausgehen. 
Smsöim bei». Streichungen vorzunehmen. 
Volkstrauertag und Rundfunkgottesdienst. 
Ausgerechnet am Dolkstrauertag gab es zu der 
gewohnten Stunde keine Uebertragnng des Ge- 
meindegottcsdienstes! Das sind wir sonst gewohnt 
und sind dankbar dafür, daß wir den Gemeinde- 
gottesdienst hören können. Traut man der Kirche 
nicht zu, am Volkstrauertag einen Gottesdienst zu 
halten? Die Uebertragnng um 9 Uhr aus Hanno 
ver war kein Gemeindegottesdienst. Wir waren ge 
zwungen, statt der kirchlichen Feier mit Gottes Wort 
eine politische Feier zu hören, die doch parteimäßig 
eingestellt ist. Wir bitten dringend, auch an Dolks- 
trauertagcn und air sonstigen Togen, wo das ganze 
Volk, auch das kirchliche, mitfeiern will, den gewohn 
ten Gottesdienst zur gewohnten Zeit zu geben. E. 
* 
Zu meinem größten Erstaunen hatte am Sonn 
tag die Novag den gewohnten Kieler Gottesdienst 
abgesetzt und uns dafür eine politische Feier be 
schert! Als ungenügender Ersaß wurde zu der völ 
lig unpassenden Zeit um 9 Uhr eine nicht gottes 
dienstliche Feier aus Hannover geboten. Sollen bei 
uns jetzt auch bolschewistische Zustünde eingeführt 
werden? n. 
Wt §Ş her ŞàMWMMZ. 
In Nr. 64 der Schlesw.-Holst. Landeszeitung 
werden von Herrn Haagen-Elsdorf in einem Artikel 
Schleswig-Holstein. 
ten von Wilnowski und des Landtagsmar 
schalls Graf Reventlou-Damp vom Rathanse 
zur Nikolaikirche, um am Gottesdienst teilzu 
nehmen. Um lVs Uhr traten dann die Ab 
geordneten zusammen, und zwar in der Aula 
der Universität, um die Botschaft des Ober- 
präsidenten entgegenzunehmen, und das Prä 
sidium zu wähle,r. Wiedergewählt wurde der 
langjährige Präsident Graf Reventlou, der 
mit Geschick und öfter hervortretendem feine« 
Humor die Verhandlungen leitete. Sein 
Stellvertreter wurde der Kieler Oberbürger- 
Meister Dr. Fuß, bekanntlich auch ein ausge 
zeichneter Berhandlltngsleiter. Mit der Fest 
setzung der Tagesordnung für den Montag 
ivar dann die erste Sitzung erledigt. 
* » 
3a lea NsànsMea. 
Kundgebung der Staatsanwaltschaft 
Von der Oberstaatsanwaltschaft Altona 
wird im Einvernehmen mit dem Oberstaats 
anwalt ill Kiel folgende Bekanntmachung ver 
öffentlicht: 
Am 15. März wurden in Bad Oldesloe 
und Neumünster erneut Sprengladungen, die 
in einen Koffer eingebaut waren, gefunden, 
die nach der Art ihrer Anordnung und weiter 
ihrer Anbringung geeignet waren, diesmal 
in erhöhtem Matze Menschenleben zu gefähr 
den. In Bad Oldesloe wurde um 6.30 Uhr 
von einer im Stadthaus beschäftigten Person 
ein dort in den Kohlenkeller herabgelassener 
Koffer in einem Ausmaße von 15:32:14 cm 
vorgefunden, der eingebaut eine Sprengstoff- 
ladung enthielt, die mittels eines elektrischen 
Gasanzünders zur Explosion gebracht werden 
sollte. Ter Koffer mar mit einer neuen, 
etwa 9 Meter langen, 4 Millimeter starken 
Gardinenschnur seine schwarze Schnur mit 
eingewebten gelbgolden-blauen und hellgrün 
neu Wollfäden) in den Keller heruntergelaşi 
sen. — In Nenmünster ist der Koffer in den 
Kohlenschacht des Finanzamts hingestellt 
morden, so daß er knapp zu sehen war. Der 
für diesen Anschlag verwandte Koffer ist ge 
nau derselbe fauch in seiner inneren Konstruk 
tions wie der bei dem Anschlag in Bad Ol 
desloe verwandte. Er besteht aus braunem 
Pappmachee mit aufgesetzten Fibre-Ecken, 
blanken Messingschlössern und ist anscheinend 
für diesen Zweck besonders beschafft worden. 
Es ist zu vermuten, daß die untergestellten 
Sprengstoffladnngen auf den an derselben 
Strecke liegenden Orten Bad Oldesloe und 
Neumünster von den gleichen Tätern irnter- 
gcbracht morden sind. 
Wer kann über die Herkunft der Koffer 
und ihre mutmaßlichen Beförderer etwas be 
kunden? 
Wo ist die verwandte Gardinenschnur ge 
kauft worden? 
Wo sind in letzter Zeit mehrere Z-Ple- 
nity-Gasanzünder gekauft worden? 
Wo ist eine Weckuhr sDurchmesser ca. 10 
Zentimeter auf der Vorderseite) repariert 
worden? (Reparaturnummer 4397.) 
Die Verteilung der ausgesetzten Beloh 
nung erfolgt unter Ausschluß des Rechts 
weges. Zweckdienliche Mitteilungen, die 
streng vertraulich behandelt werden und die 
mich jede Polizeiverwaltung entgegennimmt, 
sind zu richten: 
an das Polizeipräsidium Altona, Sonücrkom- 
mission Schramm/Mühlfriedel, Fernsprecher 
0 2 1102, — an das Polizeipräsidium Kiel, 
Kriminalkommissar Köhler, Fernsprecher 
Kiel 4300, — an das Polizeipräsidium Flens 
burg, Kriminalrat Braun, Fernsprecher 
Flensburg 2590, — ferner an die Staatsan 
waltschaften in Altona zu 5 Pol. I. 93/30, 
Fernsprecher v 2 1151, in Kiel zu 4 I. 177/30. 
Fernsprecher Kiel 6441. 
« « 
• 
tb. Schacht-Andorf. 18. März. Gemeinde» 
vertrctersitzuug. Am 17. März fand eine Ge- 
meinöevertretersitzung statt, in der zunächst 
beschlossen wurde, über die eingegangenen An 
träge airs Steuerstundung im Anschluß an die 
öffentliche Sitzung vertraulich zu verhandeln? 
Danach wurde nach ergiebiger Aussprache die 
Einlegung eines fünften Steuervicrrelsahrcs 
für das lausende Rechnungsjahr beschlossen. 
Es lveröen demnach für die gemeindlichen W- 
gaben an Zuschlägen zur Grunüvermögens- 
steuer statt 250 % 312,5 % und zur Gewerbe 
kapitalssteuer lmd Gewerbe-Ertragsstener, 
statt 300 % 875 % für das gegenwärtige Rech 
nungsjahr erhoben, lieber die Wcitcrverpach- 
tung des von der Audorfer Land- und Jndu- 
strie-Gesellschaft erworbenen Gemeindelandes 
wird bekannt gegeben: Die Pachtzeit für das 
neuerworbene Land läuft bis zum Herbst. Das 
Pachtverhältnis soll bis dahin bestehen bleiben. 
Dann soll weiteres beschlossen werden. Der 
Sozialdemokratische Ortsverein hat Antrag 
auf Neuwahl eines Mitgliedes in den Aus- 
sichtsrat der Kreissieölungsgenossenschaft ge 
stellt. Nach Ausführungen des Gemeindevor 
stehers werden die Aufsichtsratsmitglieder von 
den Gesellschaften der Kreissiedlnngsgesell- 
schast gestellt. Die Angelegenheit ist also nicht 
Sache der Gemeindevertretung, wird schließlich 
bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt. Der/ 
Richt 18. foulen 181- Prszeat 
PMiWOeaern. 
Kiel, 18. März. Wie mitgeteilt, sollte nach 
dem Voranschlag der Provinzialverwaltung 
die Provinzialstcner von 13 auf 18 Prozent 
erhöht werden. Wie jetzt aber bekannt gegeben 
wird, hat sich infolge eines Schreibfehlers ein 
Rechnirngsfehler ergeben, der eine Erhöhung 
ans 18j,-2 Prozent erfordert.' 
Sie feiirtet let WWW 
is PmWŞaet ai 31. Ptsz. 
Kiel. 18. März. Zur Deckung des Fehl 
betrages im Provinzialetat von rund sieben 
Millionen RM. ist ein Zuschlag von 18,475 
Prozent gegen 15 Prozent im Vorjahre er 
forderlich. Die Provinzialsteuer soll nach 
den Vorschlügen des Provinzialausschusses 
also um SVj Prozent erhöht werden. Das 
ergibt für die einzelnen Gemeinden folgende 
Betrüge: Altona 1412 500 RM.. Flensburg- 
Stadt 389 463 RM.. Kiel 1250 665 RM., Neu 
münster 218 393 RM., Wandsbek 226 725 RM., 
Vordesholm 123 542 RM.. Eckernsöröe 136 962 
RM.. Eiderstedt 82 879 RM.. Flensburg-Land 
135 390 RM., Husum 171171 RM., Norder 
dithmarschen 206 310 RM.. Oldenburg 166 681 
RM.. Pinneberg 468 064 RM., Plön 187 854 
RM., Rendsburg 260183 RM., Schlswig 
255 214 NM., Segeberg 152 548 NM.. Stein 
burg 406 893 NM., Stormarn 413 391 RM., 
Süderdithmarschen 200 010 RM.. Süötondern 
137177 RM. Gesamt 6 998 957 RM. Zn dck- 
kender Fehlbetrag 6 999 000 RM. 
' * 
Die Wßliedek des PrisWslrites. 
Kiel. 18. März. Nach einer amtlichen Mit 
teilung des Vorsitzenden des Provinzialrates sind 
in der Provinzialansschntzsitzung am 29. Januar 
zu Mitgliedern und stellvertretenden Mitgliedern 
des Pravinzialrates gewählt: 
Mitglieder: 1. Oberbürgermeister Dr. Lue- 
ken-Kiel, 2. Eenerallandschastsdirektor Dr. Graf 
zu Rantzau-Rastorf. 3. Vizepräsident des Ober 
landesgerichts i. R. Dr. Luders-Kiel, 4. Oberbür 
germeister Brauer-Altona, 5. Parteisekretär Rich. 
Hansen-Kiel. 
- 1. Stellvertreter: 1. Kaufmann Köpke- 
Wandsbek, 2. Hufner Bruhn-Fitzen bei Büchen, 
3. Landwirt Hans Beeck-Spersdick bei Windber 
gen, 4. Senator Dr. Lamp'l-Altona. 5. Gemeinde 
vorsteher Jacobs-Büdelsdors. 
2. Stellvertreter: 1. Mllhlenindustrieller 
Korndörfer-Altona, 2. Hofbesitzer Eottburgsen- 
Osterhusum. 3. Oberbürgermeister Echmidt-Neu- 
münster, 4. Angestellter Paul Brando-Altona. 5. 
Stadtrat Haderlandt-Flensburg. 
* * * 
Ein Jubiläum dss Prrwmzial- 
Lrmdtages. 
Am 19. März 1905, also heute vor 25 
Jahren, trat der schleswig-holsteinische Pro- 
vinzial-Landtag, der bis dahin in Schleswig 
getagt hatte, zum ersten Male in Kiel zusam 
men. In feierlichem Zuge zogen die Abge 
ordneten unter Vorantritt des Oüerpräsiden- 
zur Frage der Eiderabdämmung Bödenken gegen 
eine Abdämmung der Eider ausgesprochen. 
Es ist nicht zu verstehen, daß noch immer wieder 
Bewohner der Eiderniederung dadurch dem Pro 
jekt hindernd in den Weg treten, daß sie Bedenken 
an die Oeffentlichkeit bringen, die dem Eigennutz 
und der Selbstsucht entstammen und nicht zur Ent 
wicklung des Projektes dienen und somit der Ge 
samtheit schaden. Cs sind in dem Artikel Angaben 
gemacht, die früher wohl zutreffend waren, aber 
jetzt langst veraltet sind. Wir hier in Friedrichs 
graben haben in den letzten Jahren genügend von 
dem Schlickwasser gehabt und auch die Wirkung der 
abgelagerten Schlickmassen deutlich gespürt, aber 
leider zu unserem Schaden, denn alle guten Gräser 
und Klee werden von den Schlickmassen erstickt und 
was der Schlick leben läßt. vernichtet der Salzgehalt 
des Wassers, da die Sturmfluttiden fast immer 
Salz-wasser führen. In seinen Ausführungen denkt 
der Einsender anscheinend nur an sich selbst, oder 
ist ihm vielleicht die Lage der Bewohner in den 
angrenzenden bewohnten Kögen unbekannt? Für 
diese kann nur eine Abdämmung der Eider in Frage 
kommen, natürlich auch nur im Rahmen der Trag- 
barleit, das wäre aber eine Sache, deren Regelung 
noch bevorsteht. Jedenfalls wird allen Besitzern 
nur eine Wohnstatt in den Kögen bleiben, wenn mit 
einer baldigen Inangriffnahme der Llbdäm- 
ncung gerechnet werden kann, denn eine Bedeichung, 
die dem Land und den Besitzern sicheren Wasserschutz 
gewährt, ist in Anbetracht de^s Bodens und ange 
sichts der großen Verschuldung, nicht mehr möglich. 
Es wäre zu begrüßen, wenn eine baldige Inangriff 
nahme der Abdämmung vorgenommen würde, da 
mit sie für viele, in finanzieller wie in wirtschaft 
licher Hinsicht, nicht zu spät komint. 
H. Kuhrt, Friedrichsgrabcn.
	        
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