Die Behandlung eines metrischen Gegenstandes aus dem Gebiete der neueren ratur hat gegenwärtig hei uns auf Beifall und Interesse wenig zu rechnen . Während die Franzosen und Italicner die . Formen ihrer Poesie mit Eifer studiren und bis ins Einzelnste kennen lehren , während auch in Deutschland im 17 . , ja noch im 18 . hundertc den Formen der gleichzeitigen Dichtung eine gründliche Theilnahme zugewandt ward und während wir in den Werken der Griechen und Römer , auch in den romanischen und deutschen Schriften des Mittelalters dem Metrischen eine minutiöse Aufmerksamkeit zu schenken nicht verschmähen , gehört es unserer neueren Literatur gegenüber heut zu Tage fast zum guten Ton , die Formfrage als Bagatelle zu behandeln . Unter den Literarhistorikern ist Koberstein fast der einzige , der sie mit Gelehrsamkeit und Gründlichkeit in den Kreis seiner Beobachtungen gezogen hat . Es entspringt diese Vernachlässigung allerdings aus einer wohl erklärlichen und an sich sehr erfreulichen Ersuche . Die letzte Periode unserer Literatur hat uns einen so reichen Inhalt liefert , es sind in ihr die wichtigsten Fragen des menschlichen Geistes , die tiefsten teressen des Gemüthes in so genialer Weise zur Erörterung gekommen , dass man , gerissen von dieser , es für ziemlich gleichgültig hält , auf die äusseren Formen der kleidung irgend ein Gewicht zu legen . Man sieht , es ist dies noch der Standpunkt des naiv Geniessenden , der es noch nicht zu vollständiger Objectivirung des Eindruckes und zur Zerlegung desselben in seine Factoren gebracht hat ; und dass wir meistens noch auf diesem Standpunkte stehen , zeigt , wie sehr wir mit allen Fasern unserer geistigen Existenz noch in der grossen Periode wurzeln , die wir neu die klassische unserer
Literatur zu nennen pflegen . Wollen wir aber zu einer wirklichen Wissenschaft von dieser gelangen , so müssen wir jenen dilettantischen Standpunkt aufzugeben versuchen und vor Allem zunächst die Formen ins Auge fassen , in denen jener geniale Inhalt dergelegt worden ist .
Auch ist der Gegenstand nicht so ganz des Interesses haar , wie er Manchem wohl erscheinen möchte . Man muss nur zweierlei nicht vergessen ; man muss die Formen mal in ihrem weltgeschichtlichen Zusammenhange , sodann in ihrer individuellen deutung auffassen . Beides soll im Nachstehenden an einem Versmaasse geschehen , dessen sich Goethe vielfach bedient hat , dem fünffüssigen Iambus . Manches weist für eine Schrift , die dem Andenken Goethe's gewidmet ist , gerade auf diesen Vers hin .
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