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NeNdsôNrgêr Tageblatt.
Svuualiend, Leu 21. Februar
1914
Der Blöztz WM kn EĢ Md Wski
. . AMWdWldWiM Rlchiiis!».
Ausschluß der Leffsutlichkeit der ganzen Tagung.
M e s e r i tz , 20. Febr. Der Prozeß gegen den
Grafen Mielzinsky ist ein großes Ereignis für die
kleine Stadt. Bereits um 8 Uhr früh strömt die
Bevölkerung zum Gerichtsgebäude, obwohl nur we
nige Einlaß finden. Die Kontrolle ist äußerst streng
und der Eintritt in den Sitzungssaal nur gegen
Einlaßkarten gestattet. Um 9 Uhr betritt der Ge
richtshof den Saal. Alsbald erscheint auch der An
geklagte, der sich leicht auf den ihn begleitenden
Hausarzt stützt. Aus Ersuchen des Letzteren wird
denl Angeklagten gestattet, sich zu setzen.
Bei Feststellung der Personalien ergibt sich,
daß der Angeklagte zweimal gerichtlich bestraft ist.
Einmal wegen Beleidigung des Grafen. Bninski
und dann im Jahre 1907 wegen Aufreizung der
Bevölkerung.
Rach Verlesung der Anklageschrift beantragt
der Staatsanwalt den Ausschluß der Oeffentlichkeit.
Der Verteidiger schließt sich ihm an und bemerkt
zur Begründung, der Graf hätte an und für sich
nichts gegen eine öffentliche Verhandlung. Es wür
den aber während der Verhandlung doch Dinge
berührt werden, die besser unter Ausschluß der
Oeffentlichkeit verhandelt würden.
Nach kurzer Beratung beschließt der Gerichts
hof den Ausschluß der Oeffentlichkeit für die ganze
Dauer des Prozesses und auch für die Presse.
Äs« StonÄg W tili Zchl Itjiiife
otnirteE
Frankfurt a. Main, 20. Febr. Die
Schriftstellerin Rosa Luxemburg wurde von der
hiesigen Strafkammer wegen Aufforderung zum Un
gehorsam gegen die Gesetze in zwei Fällen, began
gen in Versammlungen zu einen: Jahr G e-
f ä n g n i s verurteilt. Der Antrag des Staatsan
walts auf sofortige Verhaftung wegen Fluchtver
dachts wurde abgelehnt.
Frau Luxemburg soll die ihr in der Anklage
zur Last gelegten Straftaten in zwei Versamm-
lungsreden begangen haben, die sie am 25. und
26. September in dem Frankfurter Vorort Fechen
heim und in Frankfurt selbst gehalten hat. Sie
hat in beiden Versammlungen die Forderung des
Milizheeres aufgestellt, bei dem jedem Mann die
Waffe ausgehändigt werden müßte. Es könnte sich
aber der Fall ereignen, daß die Waffen eine Rich
tung nehmen, die die Herrschenden nicht wünschten.
Außerdem hatte sie noch eine Reihe anderer Aeuße
rungen getan, in denen zum Ungehorsam gegen die
Gesetze aufgefordert wurde. Rach der Anklage liegt
die Tat der Angeklagten um so schwerer, weil zur
zeit der Anklage ein Krieg nicht außerhalb des
Bereiches der Möglichkeit lag. Die Angeklagte sei
sich auch der Wirkung ihrer Worte voll bewußt ge-
wesen, es habe sich nicht um eine ungewollte Ent-
g>el,ung gehandelt, sondern vielmehr um einen
vorbedachten und genau berechneten Akt der Ueber-
legung.
DerrLscheN Reichstag»
/Nach einer Krankenkassenfrage des Fort
schrittlers Blnnck fragt der Abgeord
nete Bassermann s„l.) nach dem Gesund
heitszustand' des deutschen Heeres. Generalober
arzt Hoffmann erwidert, daft der Gesund
heitszustand durchaus gut.fei und zwar besser
als in der gleichen Zelt im Vorjahre. Von
731 000 Mann seien 18 610 Mann in Äazarett-
bchandlung. darunter auch diejenigen, die durch
Unfälle Verletzungen erlitten haben. Das wird'
mit Beifall quittiert und' der Marineetat geht
Weiter. Bassermann (nt.) gibt seiner Aner
kennung darüber Ausdruck, daft sich unsere Be
ziehungen zu England gebessert hätten. Von den
deutschen Diplomaten wünscht er mehr Rückgrat.
Heine Illusion, lein Ueberschwang. Etwas mehr
englische Nüchternheit. Es sei von der Marine
gut und gediegen gearbeitet worden. Das.müsse
auch in Zukunft so bleiben, da die Marine
ein wichtiges Instrument unserer Auslandspoli-
tik sei. 'Er und der konservative Nehbel be
dauern die Unfälle der Torpedos und Luftschiffe.
Doch haben sie die Ueberzeugung, daft kein Ver
schulden vorläge. Der Konservative meint, daft
die Abrüstungsverhandlungen wohl kaum greif
bare Resultate herbeiführen .werden. Jedenfalls
sei wohl an ein Bündnis mit England vorläufig
nicht zu denken. Der Ausländsdirnst müsse dau
ernd gepflegt werden. Diese Ansicht vertritt auch
Staatssekretär v. Tirpitz. Das sei eine poli
tische und eine militärische Notwendigkeit. In
den letzten Jahren sei freilich eine Konzentration
in den heimischen Gewässern notwendig gewesen.
Wenn erst die Auslandsschiffe alle gebaut seien,
könne man an eine würdige, ausreichende Aus
landsvertretung denken. Das sollte freilich im
Rahmen des Flottengesetzes geschehen, von des
sen politischer. Notwendigkeit das ganze deutsche
Volk durchdrungen sei. Auch.der Volksparteiler
Dr. Heckscher ist des Lobes voll. Er wünsche
eine richtige soziale und wirtschaftliche Stellung
für das Jngenieurkorps. Ein tüchtiger Unter
offiziersverband müsse herangebildet werden. Er
warnt — trotz der vom Volke als drückend em
pfundenen Rüstungslasten — vor einem Flotten-
'Feierjahr. Wasmuth (Rp.) und Herzog
(W. Vgg.) stimmen ril die gleiche Tonart ein.
V o g t h er r (soz.) fragt noch einmal nach- Brandts
Beziehungen zur Marineverwaltung. Er rügt«
die harten Strafen der Marine und nennt die
Motive der neuen Rüstungen, die nur im In
teresse der Rüstungslieferanten lägen, einen po
litischen Schwindel, wofür er sich ein,en Ordnungs
ruf .holt. o.şTirpitz erklärt dann noch einmal,
daft keinerlei Beziehungen zwischen Marinever
waltung und Rüstungsinterefsenten jemals bestan
den hätten. Die Strafen mühten sein. Man be
spricht dann die Kapitel „Seewarte und Obser
vatorien" und „Bekleidung". Noch wird auf die
vorzüglichen Erfahrungen hingewiesen, die inan
mit Uniformlieferungen von Handwerkern in
Bayern gemacht habe. Admiral v. Capelle
äuftert dazu die Zustimmung der Marineverwals
tung. Die Weiterberatung beginnt Sonnabend
um 10 Ahr.
IpilftllR
3m preussischen Abgeordnetenhause wurden
am Freitag zum Kapitel Polizeiverwaltungen in
der Provinz noch von verschiedenen Seiten Be
schwerden über die Handhabung des Polizeispit-
zelwesens geführt. Zuerst war es der Genosse
Le inert, der sich aus Myslowitz scheinbar um
fangreiches Material beschafft hat, vor allem über
die Verfehlungen eines Hapag-Vertreters und' die
Beziehungen zwischen der Geheimpolizei und' al
lerhand fragwürdigen Elementen, die man als
Lockspitzel beschäftigte. Dieses verbrecherisch« Trei
ben werde durch die Mehrheit des Hauses ge
deckt. Das forderte den wohlverdienten Ord
nungsruf des Präsidenten mit einem Sturm der
Entrüstung bei den bürgerlichen Parteien heraus.
Der Zentrumsabgeordnete Frank ging auf die
Kölner Polizeiverhältnisse ein und Korfanty
(Pole) auf oberschlesische Polizeivsrhältmjse. Mi-
nisterialdirettor Dr. F r e un d teilte mit, daft man
sowohl in Köln wie auch an anderer Stelle
die nötigen Maßregeln getroffen habe und das
Ministerium bereit sei, in jedem von einem Ab
geordneten angeregten Falle eine peinliche Nach
prüfung vorzunehmen. Nachdem inan den Stadt-
rezeftantrag des Konservativen von der Groe-
ben angenommen und den Braun'scheu Po-
lizeianttag abgelehnt hatte, kamen beim Kapitel
Geheimpolizei noch einmal Beschwerden über den
Mißbrauch des Spitzelwefens zur Sprache. Cs
waren die Genossen Paul und Adolf .Hoff
mann, die eine lange Reihe solcher Fälle zu
erzählen wussten. Der Minister bedauerte, daft
man ihn nicht darauf vorbereitet hatte, auf
die angeregten Fragen zu erwidern. '(£r stellte
den Fall Keiling richtig und erklärte ebenfalls!
seine Bereitwilligkeit, überall Untersuchungen an
zustellen, wo es nötig sei. Die Geheimpolizei aber
sei notwendig, solange es Verbrecher gäbe. Aüg.
Hirsch-Berlin (Soz.) brachte dann die Sprache
auf Strauftberg und die Fürsorgeerziehung, wo
seiner Ansicht nach vieles .nicht in Ordnung ist.
Ein -Regierungskommissar nahm die Handhabung
der Fürsorgeerziehung durch die entsprechenden
Behörden in Schutz. Am Sonnabend um 10 Uhr
beginnt die Weiterberatung.
««-ņrņķşşKsche SrÄķsļr.
Aden, 20. Febr. Pestverdacht. Der Post-
dampfer „Saisette", der den Postdienst zwischen
Bombay und Aden versieht, ist gestern hier ange
kommen. Das Schiff mußte jedoch den Häfen wie
der verlassen, ohne die Post an Bord genommen
zu haben, da an Bord des Schiffes eins Anzahl
pestverdächtiger Ratten bemerkt wurden.
GngkanS.
London, 19. Febr. Straßenemstnrz in Eng-
mà In der Kohlenbergwerk-Stadt Cradley
Heath nr Staffordshire stürzte heute der von
Schachten unterminierte Fahrdamm der Haupt
straße metertief ein. Hunderte von Häusern, Lä
den und Werkstätten wurden wie bei einem Erd
ölen schwer beschädigt. Die von panischem Schreck
befallenen Bewohner waren in den Baulichkeiten
eingeschlossen, bis sie von Rettungsmannschaften
befreit werden konnten. Der Schaden ist sehr be
deutend, Menschenleben sind glücklicherweise nicht
zu beklagen. <
__ London, 20. Febr. Bon der unmenschlichen
Behandlung in der Fremdenlegion. Gestern er
schienen vor dem Gericht in Berwick 3 Deserteure
der französischen Fremdenlegion, die von den eng
lischen Behörden verhaftet worden waren, weil
sie ohne Fahrkarte reiften. Sie erklärten, daß sie
wegen der unmenschlichen Behandlung in der
Fremdenlegion geflüchtet seien. Ihnen sei jedes
Mittel recht gewesen, um so viel Terrain als mög
lich zwischen sich und ihrem Regiment zu bringen.
Die Richter erkannten auf Freispruch.
KKìMktzļ.
— Erneu llrwaldspaß lesen wir in der „Kame
runer Post". Ein Elefant wurde am Weihnachts
abend von der Nordbahn abends zwischen .10 und
11 Uhr überfahren. Da der Kohlenwagen vor
die Maschine gekuppelt war, wurde der ganze Ten
der eingedrückt. Der Elefant wurde spater fünf
Kilometer vom Bahndamm entfernt gesehen, ist
aber plötzlich verschwunden und konnte trotz aller
Nachforschungen nicht mehr aufgefunden werden.
Der Unfall geschah bei Kilometer 96. — Die An
wohner werden ihn wohl — bestattet haben, vor
ausgesetzt, daß er nicht unversehrt geblieben ist.
Wird K'sà« iELtzsft..
* Geflügelzucht in Schleswig-Holstein. Dank
der Anregung und Förderung durch die Landwirt-
schaftskammer sind in der ganzen Provinz in reich
lich drei Jahren Zuchtstationen für Geflügel ins
Leben getreten. Die beiden ersten wurden im
Herbst 1910 errichtet, jetzt sind es schon 74. Die
Stationshalter führen Zuchtstämme und verpflich
ten sich durch Vertrag, die Eier dieser auserlesenen
Tiere zur Brut an Geflügelhalter in Schleswig-
Holstein abzugeben. Die Stationen verteilen sich
sehr ungleichmäßig über die Provinz. Der Osten
ist viel stärker beteiligt als der Westen und der
Mittelrücken nimmt eine Mittelstellung ein.
Die stärkste Besetzung weist der Kreis Hadersleben
mit 13 Stationen auf. Ihm kommt Lauenburg
mit 11 am nächsten. Die Kreise Schleswig und
Pinneberg stehen an 3. und 4. Stelle mit je 8 Sta
tionen. Der Kreis Rendsburg zählt 3 Sta-
iönert, von denen die im Forsthaus Luhnftedt
bei Nindorf die älteste ist. Sie wurde am 1. No
vember 1911 errichtet. In Nortorf entstand
am 1. November 1912 die zweite und am 1. No-
vemebr 1913 in H a ß m o o r die dritte. Die Sta
tionshalter sind der Königl. Förster Bratzgebauer,
Werkmeister Mager und Lehrer Mordhorst.
Rendsburg nimmt auf diesem Gebiet eine Mittel
stellung ein. Die größte Zahl der Kreise Schles
wig-Holsteins steht ungünstiger da als Rends
burg. Bis auf Neumünster scheiden alle Stadt
kreise,. Kiel, Flensburg, Altona, Wandsbek, aus.
Neumünster hat eine Station. Keine Stationen
weifen ferner die Kreise Bordesholm, Eckern
förde, Eiderftedt auf. Der Westen besitzt nur 14
Stationen. Das mittlere Schleswig-Holstein und
der Osten dagegen 60. Wie der Kreis Rendsburg
haben auch der Landkreis Flensburg, sowie Süder-
dithmarschen je drei Stationen. Die Stations-
Halter sind zumeist Lehrer, Förster, Postbeamte
und Handwerker. 1913 sind allein 20 neue Sta
tionen hinzugekommen. Man darf annehmen, daß
die Kreise und Landschaften, die bis jetzt abseits
'stehen, sich dieser Verbesserung der heimischen Ge
flügelzucht anschließen werden.
KlKFMAfSK.
Petersburg, 20. Febr. Von Petersburg nach
Pekirrg im Flugzeug. Die russische Regierung hat
dem Flieger Lanoir die Erlaubnis erteilt, einen
Flug von Petersburg nach Peking zu unterneh
men. ^ Der Flieger, der mit der Organisation der
russischen Militäraviatik betraut ist, beabsichtigt,
bei Beginn der Schneeschmelze, also etwa Ende
April, die Luftreise anzutreten. Lanoir hofft, die
11 000 Werft lange Strecke in einem Monat zu
rücklegen zu können. Er wird den Flug ohne
Passagier machen, und dabei einen russischen
Aeroplan mit einem Motor von 80 PS. benutzen.
ErkLvsrtktzLr.
BmU dB Z«W der EÄÄchlîÄà
des HŞ-arK«k Bsrse.
(Öij«£ Gewähr.) (Nachdruck verböte».)
Hauàrg. den 20 Februar 1914.
Das ungemein milde Wetter wird als ge
fährlich betrachtet, da ein Umschlag leicht Schaden
anrichten kann. Dies stimmt natürlich Verkäufer
zurückhaltend, wogegen die Nachfrage sich zwar
langsam, aber stetig ausbreitet. Im Lause der Wo
che liefen nur wenige Getreidedanipfer ein, so daß
Inhaber von Ware bessere Preise herausholen
können.
Weizen ging zu 1—2 Mk. höheren Preisen
an Exporteure — allerdings nur fiir fehlerfreie
Partien. Ausländischer Weizen gleichfalls höher.
Roggen war nur wenig am Markt und
stellt sich ebenfalls höher. Gerste preise haben sich
im Laufe der Woche um 1 Mk. gebessert.
M a i s wenig beachtet. Die neue Ernte von
Argentinien hat unter sehr günstigen Auspizien be
gonnen. Hafer in minderer Qualität reichlich an
geboten, schwer verkäuflich, wogegen fehlerfreie Par
tien schlank verkäuflich sind.
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der Spiritusbörse.
ŞpMtsS roh. Kartoffel
(in Mark per 100 Kilo à 100 %)
still Ohne Fatz.
RrgulierungSpreiz 28'/.
Febrnar GAd 29' ,
Febr,.-März Geld 29»/,
i«ÏI Şenbaņd-ŞpiàS je M 5.75 bbfetr
Rascher bi surer weg zur
wenn sÄwsciiiicli, sÄiaftes^ leicht erisiidet unä
litt und deren Erhaltung.
ist iS
ObiZe Störungen
und zur Erlaugarag von Kräften,
sich schon in wenigen Tagen günstig bemerkbar macht.
der sicfier© Weg zu neuer
Die Wirkung ist eine rasche, welche
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