Full text : Newspaper volume (1919, Bd. 4)

ïtî  Pari-.
Paris.  29.  Dez.  (Eig.  Drahtbericht.)

ll2.  Jahrgang.

ZchiESMîg-KolşiSînLschs  LarîdSszSiiung

112.  Jahrgang.

Dir  ^rthjrilļ  eUt  derer,  Kaum  £0  Ps..  tfi»  Lnzeîge«  mrtņ  fcct»
gubrifeen;  Tiermordt.  Äaufgelud}*,  ©erbeute,  Ltellengetuch«,
^reļlenanyedore,  Mietgesuche.  Dennietungev  L0  Pî^.  fur  AeLlame»
l*SO  Dî.  şi  Der  bet  Wiederholungen  gewahrte  Nachlaß  kommt
à  şisrtşall.  wenn  der  Betrag  nicht  mnerhalb  30  Tagen  ^sch  dem
Aatuip  der  Rechnung  in  dar  eingeht,  insbesondere  kommt  der
der  Kouàîrn  mrd  eingeklagte»  Beträgen  t»  Forrjä

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  oder  Nachllcierung  der  Zeitung  oder  auf
Rückzahlung  des  Bezugspreises.

l',WVVWWiAMWM)‘A\WAV

Nr.  297

Sonnabend,  örn  26.  Dezember

1619.

..  : Wê"  Infolge  eines  Unfalles  im  Elektrizi«
^wert  tonnte  heute  tein  Strom  aibgegsben  wer»
was  in  den  Betrieb  der  Zeitung  durch  jett»
Eilige  Auefchaltung  des  SetzmaschinenLetrieb-s
şir  störend  eingriff.  iodatz  wir  uns  heute  aut  das
^Erstķ  beschränken  muffen.  Ein  großer  Teil  des
Liegenden  DrahtnaUirichten»  und  sonstigen  2M*
mutzte  deshalb  zurückbleiben.

9Bir  teilen  mit.  dass  di«  «Niederdeutsche»  Hei»
Z^tlocken"  diesmal  statt  wie  üblich  am  Freitag
Dienstag,  den  23.  Dezember.  beigelegt  werden
damit  sie  auch  in  den  weiter  entfernt  liegen,
ņ  Orten  für  di«  Weihnachtstag«  vorliegt.

Frage  des  Aufbaues  eines  deutschen  Einheits»
staates.
^  Revolution  in  Spanien.  Die  zunehmenden
Unruhen  in  Madrid.  Die  Ankündigung  des
bevorstehenden  Endes  der  Monarchie  durch  die
^  Sozialisten.
^nkreich  hat  die  Wiederaufbaukosten  mit  130
.  Milliarden  berechnet.
/r  Gastwirtstreik  in  Berlin  hält  an.

Alein-Aşien  Lie  Lchatzkrsts
Europas.

.  Es  Ģ  nicht  nur  der  kolonial«,  Politik  wegen,
j  &  England  und  Frankreich  sich  um  die  Vorherrschaft
ì  Kleinasien  streiten  Zn  Anen  stand  nicht  nur  die
Zìļge  der  Völker  Die  Alten  hatten  bereits  ein  Sprichst, ­
  das  die  dortrgen  Verhältnisse  kennzeichnet  und
bst  beiden  Westmächt»  wohl  genau  kennen  müssen.
ü<  scheinen  ft*  !ehr  nach  ihm  zu  richte,«.  Tr
^Die  Euter  dieser  Welt  sind  in  10  Teile  ge--
 llL  Neun  von  ihnen  find  In  Syrien  zu  finden.

n  zehnten  findet  man  über  den  ganzen  Erdball  ver-1

  ..  O'-t-litest  s  i  W..  Ö M.V/JV..  VV4.-'!
 !t “  Nun  sind  seit  den  Zeiten  des  römischen  Kaiier-'î'cheg

  die  Zeiten  auch  für  Allen  und  namentlich  für
'-êïtt  aK,-..  .  Jim  QT?  f«  Arts  mtîft

knallen  anders  geworden.  Manches  liegt  dort  wüst
brach,  was  einst  ein«  blühende  Flur  war.  Man
»,  jedoch  im  westlichen  Europa  nur  allzugewöhnt.
^  'ckallrn  als  ein  Land  ohne  Kulturen  und  natürliche
^chtümei  zu  betrachten,  und  das  ist  ein  großer  Irr-;
  "t,  tDi»  di«  AusdehnllNgspolitik  unserer  Widersacher
?uch  beweist.  Die  astatische  Türkei  besteht  au»  sechs
^kieren  Gebieten.  deren  beite«  Anatolien  ist.  Dort
^"d«n  oder  können  all«  Produkt«  erzeugt  wrrden,
^  h>  den  Ländern  rings  um  das  Mittelmeer  gehan-.
  und  gebraucht  werden.  Der  anatolssche  Boden
^äußerst  fruchtbar,  dar  Klima  ein  so  gutes,  daß  dort
j  ìķr  als  irgendwo  geerntet  werden  kann,  an  meh-Orten
  selbst  zweimal  im  Jahr».  Die  beiden
Hütete  von  Erzerum  und  Djerbekr.  di«  zusammen
s  ^«flien  bilden,  haben  zwar  iehr  dürre  Bergrücken
^  groß«  EewSllei,  dooch  auch  sehr  fruchtbar«  Täler.
in  den  höher  gelegenen  Teilen  finden  stch
l  ocken  vor.  die  leicht  zu  bebauen  wären  Syrien
in  leivev  nördlich  gelegenen  Teilen  unübersehbare
^nbereion.  die  mik  Korn  bestellt  stnb  Der  Süden
v'elumstrittenen  Landes  besitzt  bereits  ein  iast
Fisches  Ki,ma  Würde  dort  viektische  Bcwässr-^
  ņgsoniagk  geichaiien  werden,  so  würden  die  Landen ­
  zwsschen  dem  Libanon  und  Ami-Libanon  zu

Achtbarsten  Gebieten  der  W-lt  gehören.  Der  Bo.
^  şşt  dort  ein  so  ausgezeichneter  und  die  Tempera-5m.
  * tn *  ,0  herrliche,  daß  fast  allerorten  das  ganze
>^r  hindurch  gesät  und  geerntet  werden  kann.  Das

H  "ran  wurde  einstens  di«  Kornkammer  des  römischen
9enannt  Die  Täler  von  Ehaur  und  Tiberias

ìm  Altertum  lehr  fruchtbar  gewesen  Am  Fuße
ş  Taurus,  nördlich  von  Syrien.  îm  sogenannten
^?'^'^rmenien.  pedeihr  Baumwolle  in  einer  solchen
i,j  >  daß  selbst  Aegypten  dielen  Konkurrenten  Michh,.
  weiter  südlich  ist  Zucker  zu  ernten.  Die  dort  vorjj
  zahlreichen  Ruinen  aus  römischer  und  by-3eit
  beweisen,  daß  dieses  Land  dereinst  in
Big,,  gestanden  hat.  Selbst  Arabien,  das  in^
^  Rufe  eines  Wüstenlandes  steht,  kennt  oer-^
  «n«  Landstrecken,  die  nur  auf  Anbau  warten,  io
C  fernen,  Hed!chas.  Assyrien  und  die  fruchtbaren
d°t  Redschad.  Ueber  die  Fruchtbarkeit  Mcsotz,^Mens.
  dieses  weitausgestrcckte  Land  zwilchen
hj,.ş  oi  und  Tigris,  ist  man  stch  ohnehin  klar.  Man
4} s ',  ^ 0t <  bebaubaren  Boden  in  einer  Ausdehnung
W  10  Millionen  Hektar  an.  Man  begreift  fetzt
^bì’  Ņrum  Frankreich  und  England  stch  «m  diese
streiten,  und  auch,  warum  die  Menschheit  nock
y.  ŞU  verhungern  brauchte,  wenn  sie  nicht  sich  selbst
*0  Unvernunft  treibt.

^îe  öeutschsn  Vertzandlrmsen

Der  Oberste  Rat  hat  sich  m  einer  feiner  letzten  Sitzungen ­
  abermals  mit  d-  n  verschiedenen  Punkten
der  legten  deutschen  Note  beschäftigt,  soweit  sie
nicht  Spezi  alfregen  berühren.  Die  Unteramsschüsie
haben  den  Auftrag  erhalten,  die  von  den  deutschen
Sachverständigen  gemachten  Angaben  nachzuprüfen
»nd  vor  ablem  die  Fvwze  zu  untersuchen,  ob  Deutschland ­
  in  der  Tat  nicht  in  der  Lag:  sei,  400  908  To.
Docks  aözuliefern  und  ob  d.Durch  da«  deutsch«
Wirtschaftsleben  schrvrr  geschädigt  werde.  Don
sranzöstscher  Seite  wird  betont,  datz  alle  Vorbereitungen ­
  getroffen  worden  sind,  damit  aus  allen  Gefangenenlagern ­
  Frankreichs  mn  Tage  nach  der  Ratifizierung ­
  mit  dem  Abtransport  der  deutschen
Kriegsgefangenen  begonnen  werden  kann.
Zur  Regelung  der  mit  Inkrafttreten  des  Friedens-Vertrages
  erforderlich  wervenden  technischen  Uebergangsbestimmungen
  hatte  die  Rote  Elemenceaus  vcx
3.  Nov,  die  Entsendung  von  deutschen  Bevollmächtigten ­
  nach  Parts  gefordert  Die  Kommission  ist  gebiloet
  worden.  Die  militärischen  Mitglieder  hüben  ihre
Abreise  bereit«  omgetreten.  Die  übrigen  verlassen
heute  Berlin.
Nach  dem  Matin  wird  eine  neu«  Sitzung  der
deutschen  und  alliierten  Sachverständigen  in  2  bi»
3  Tagen  stattfinden.  Offiziell  wird  mitgeteilt,  datz
diele  Unterbrechung  dadurch  veranlaßt  wird,  datz
gewisse  Zahlenangaben  der  deutschen  Delegierten
nachgeprüft  werden  müssen.  Ferner  besteht  nach
dem  Matin  ein  Meinungsunterfchied  innerhalb
der  französtfchen  Delegation.  Die  Ansicht  des  französischen ­
  Marînemmîsters  sei  nicht  di«  Ansicht  de«
Wirtschaftsministers  Loucheur.  Di«  französisrche
Marine  will  die  deutschen  leichten  Kreuzer  sofort
haben,  die  die  deutschen  Delegierten  als  Errfatz
anbieten.  Diese  Vorschläge  scheint  Loucheur  annehmen ­
  zu  wollen.  Inzwischen  hat  der  Fünfervat
an  die  deutschen  Vertreter  2  Fragen  gerichte>t.  einmal ­
  über  di«  Docks  in  Danzig  und  denn  die  Zeit,
innerhalb  der  die  deutschen  Wersten  Ersatz  für  die
5  leichten  Kreuzer  und  die  Schwimmbads  hauen
können.  Heute  soll  die  Entscheidung  falle«.

Dîê  rrsNslutisn  in  Spanien.
MTB.  Madrid.  29.  Dez.  fEig.  Drahtbericht.)
In  Svanien  dau  rn  Aufstände  und  Unruhen  f^rt.
Die  Geschäfte  Madrids  find  gefKlsffen.  di«  Fabriken ­
  stehen  still.  Keine  Eî'enbabņ  und  keine  Post
verkehrt.  Grobe  Trunnenanfgebote  dnrchzihen
die  Straßen.  In  den  Arbeitervierteln  kam  es  zu
heftigen  Kämpfen,  wobei  es  Tete  und  Derwund'te
gab.  Die  eintioen  Blätter,  di«  erscheinen,  find  die
s»tialdemokrat!fchen.  die  her«şeben.  datz  die
Monarchie  unter  Alfons  dem  13.
sich  ibrem  Ende  nähere.  Zur  neuen  Kabinettsbildung ­
  finden  fich  keine  Männer,  die  die
Berentwortuno  übernehmen  wellen.
Die  Nachrichten  aus  Sran'en  werden  von  Tag
ru  Tag  bederklich-sr  Cs  scheint  so.  als  ab  auch  in
Sranien  die  Neaierung  nicht  mehr  die  Macht  und
"uch  nickt  den  M'llen  bat,  sick  der  Cntw'ckluna  zur
Republik  entgegenzriset-en.  die  natwendia  wär-n
wenn  die  La'ae  b-ut«  nack  gerettet  roerden  sollte
stir  das  Königtum.  Es  ist  möglich,  dast  man  nri*
schneller  Entwickung  zu  rechnen  bat,  nack>m  Madrid ­
  und  Barcelona,  diest  bestimmenden  Zentren
Spaniens,  von  der  Opposition  erobert  sind.

Zum  Aufbau  eures  öeuLschen
EluherLsstaaLes.
MTV.  Berlin.  29.  Dez.  lEig.  DrnhtLericht.)
Die  bayerische  Regierung  wandtt  fich  mit  der  dringenden ­
  Bitte  an  die  N  îchsrsgîernng.  sobald  wie
möglich  die  Negierungen  der  Länder  zur  Besprechung ­
  des  Antrages  der  preuhischen  Landcsver»
sammlung  aus  Errichtung  des  deutschen  Einbeitssta>ates
  zusamemnzvrufen.  In  der  gleichen  Angelegenheit ­
  gaiben  die  Parteien  Des  bayerischen  Landtages ­
  Erklärungen  ach.  vuvch  die  sich  die  baqrr'sche
Bolksxartef  und  der  Ba  lernbund  dagegen,  dir  Demokraten ­
  und  Mittelpartcien  bevingungswstse  dafür ­
  und  die  sozialdemokratischen  Parteien  ohne
Vorbehalt  dwfiir  erklärten.
Ueber  die  Auffassung  und  die  Opposition  in  Bayern ­
  verlautet:

Das  Hauptblatt  der  bürgerlichen  Demokratie  in
Bayern,  die  „Münchener  Neuesten  Nachrichten",  stimmen ­
  prinzipiell  dem  Vorschlag  zu  unler  der  selbstverständlichen ­
  Bedingung,  daß  den  einzelnen  Ländern
vollstes  Eelbstverweltungsrecht  gewährt  werde.  Im
übrigen  schlagen  sie  eine  Kcnferenz  zwischen  den  Vertretern ­
  der  Landesregierungen  und  den  Vertretern  der
Rcichsregierung  und  der  Rattonalver'ammlung  andererseits ­
  zur  Lösung  der  Frage  vor.  Aber  schon  das  offiziöse ­

  Organ,  di«  „Süddeutsche  demokratische  Korrespondenz" ­
  ruft:  Hände  weg!  Den  Anhängern  des  Einheitsstaates ­
  müssen  wir  entgegenhalten,  daß  sie  im
Weiterverfolg  ihres  Planes  das  Grab  des  deutschen
Ncrches  schaukeln.  Wir  denken,  datz  man  in  Berlin
hinreichend  unterrichtet  ist  über  die  Bewegung,  die  sich
in  Bayern  bemerkbar  macht.  Es  ist  durchaus  kein
Märchen,  daß  es  Kreise  gibt,  die  einer  zeitweise«
Trennung  Bayerns  vom  Reiche  das  Wort  rcQsn.  um
der  Unifizierung  und  Zentralisierung,  das  heißt,  der
„Verpreutzung"  zu  entgehen.  Der  Ernbeitestaat  würde
nur  «in«  Verschärfung  und  Beschleunigung  dieses  Anfangsvorganges
  bedeuten.  Er  würde  den  Widerstand
aufs  Höchste  steigern.  Der  „Bayerische  Kurier"  siehl
in  dem  Antrag  das  Fortschreiten  innerer  Zersetzung
des  Reiches.  Der  deutsche  Einheitsstaat  würd«  auch
das  wirtschaftliche  Ende  bedeuten.  Jetzt  sei  in  Preußen
auch  die  letzte  Rücksicht  kallen  gelasien  Man  verlange
die  Abstimmung  des  gesamten  bayerischen  Volles  darüber, ­
  ob  es  gewillt  Tei.  weitere  Rechte  preiszugeben.
Aus  den  zitierten  Aeußerungen  geht  deutlich  hervor,
daß  dir  Erfahr  der  Ablösung  des  katholischen  Südenr
ein  Umstand  ist.  den  man  nicht  außer  Acht  lassen  darf.
Das  letztere  wäre  eine  Entwickelung,  wie  sie  von
Frankreich  gewünscht  und  auch  unterstützt  wird.

Nergsblîchss  Bemühen
CLemeneeaus.
WTB.  Lugano.  20.  Dez.  fCIg.  Drcthtberrcht.)
Der  Seeolo  versichert,  die  Londoner  Besprechungen
hätten  keinerlei  gpeisļwre  Ergebnisse  gehabt.  England ­
  sei  keinerlei  Verpflichtungen  eingegangen,
weder  auf  ein  VerteidiFunge-bündnis  mit  Belgien,
noch  für  eine  stärkere  Sicherung  Frankreichs  gegen
Deutschland  oder  die  Regelung  des  Abkommens
über  Syrien.  Auch  nicht  über  dis  Regelung  des
fwnzöstschen  Wechselkurses  fei  man  einig  geworden.

Erne  neue  Arbeiterpartei
in  Italien.
WTB.  Lugano.  29.  Dez.  fEig.  Dra-Wericht.)
Nctch  Blättermeldungen  aus  Rom  ist  dort  eine
neue  Arbeiterpartei  gegründet  worden,  die  ohne
Rücksicht  auf  die  politische  Gesinnung  ihrer  Mitglieder ­
  es  sich  zur  Aufgabe  gemacht  hat,  den  Sldel
der  Arbeit  wieder  zu  heb  n  und  alle  ïchcşenden
Teile  zu  einem  wirtschipftlichen  Körper  zufammen»
zusassen.  Irgend  welche  politischen  Ziele  verfolgt
die  neue  Partei  nicht.  Der  Beitritt  dcyzu  bedingt
andererseits  aber,  datz  ihre  Mitglieder  ihre  politische ­
  Betätigung,  gleichviel  welche,  Richtung,  ausgeben ­
  müssen.

Die  BerhünöLrrngen  über  öie  Ve-Lerlignng
  der  Arbeiter  an
der  Leitung.
Kopenhagen.  19.  Dez.  Pclitiken  zufolge  ersuchte ­
  gestern  Ministerprästdent  Zahle  die  Arbe!-terverbände
  und  Arbeitgebervereinigungrn  rn  eincm
  Schreiben  darum  Verhandlungen  einzuleiten
zum  Abschlug  eine-  freiwilligen  Abkommens,  wonach ­
  den  Arbeitern  die  Beteiligung  an  der  Leitung ­
  und  den  Besitz  der  Betriebe,  worin  sie  bcsŞtigt
  sind,  zugesichert  wird  Zahle  schlägt  für  die
vorläufigen  Verhandlungen  vor.  datz  von  jeder
Seite  3  Vertreter  gcrc-ählt  werdcn.

Der  Streik  dsr  G«ftwirte
in  Berlin.
WTB.  Berlin.  29.  D:z.  sEig.  Drahtbericht.)
Der  Streik  ver  Gastwirte  dauert  an.  Wie  mit
geteilt  wird,  sieht  sich  das  Reichswîrtschaftsminî
fterium  außerstande,  den  Forderungen  der  Gastwirte ­
  nachzugeben.
Es  wird  über  die  Lage  in  Berlin  geschrieben:  Die
großen  Berliner  Ho'els  Unter  den  Linden^  am  Bot.
damer  Platz,  am  Baünhof  Fnedrichstraße  ulw  befolgen
den  Streikbcichluß  auf  das  peinlichste  Küchen  und
Keller  sind  überall  geschlossen.  Den  Hotelgästen  *
heute  morgen  nicht  einmal  der  Morgenkaffee  überreicht
worden.  M«  vom  Hctel  Bristol  mitgeteilt  wird,  sind
vie  Hotelgäste,  io  weit  ste  sich  selbst  im  Hotel  verpflegen
wollen,  «ruf  „Warm  Wasser"  gefetzt.  Naturgemäß  gab
es  unter  den  Gästen  einige,  die  sich  mit  dem  Verzicht
auf  das  Frühstück  durchaus  nicht  abfinden  woll,en;  andere ­
  versuchten  dagegen  der  sehr  eigenartigen  Situation
a-uch  eine  humoristische  Seite  abzugewinnen.  Eine  Anzahl ­
  von  Gästen  sieht  man  in  den  Hallen  der  Hotels
als  „Ersatzfrühstück"  Tchokol  k.e  essen  und  Zigaretten
rauchen.  Ein  Teil  der  Gäste  hat  sich  schon  gestern,  so
gut  es  möglich  war,  mit  Lebensmitteln  versorgt,  die

nun  heute  und  morgen  ihre  alleinige  Nahrung  bilden.
Heute  konn'e  man  nur  kleinere  Mengen  von  Lebensmitteln ­
  in  den  Geschäften  erwerben,  und  zwar  zu
Kutz«ordentlich  hohen  Preisen.  Man  erlebt  also  die
merkwürdige  Tatsache,  daß  der  Streik  der  Gastwirte
gegen  die  Schleichhandels-  und  Wuchervrrordnung
zunächst  einmal  in  vielen  Fällen  eine  Erhöhung  der
an  stch  schon  wucherischen  Preise  im  Gefolge  hat.  In
den  anderen  großen  Hotels  geht  es  ähnlich  zu.  Ueberall
  dasselbe  Bild.  unzufriedene  Gäste,  denen  der  Ausfall ­
  des  Frühstücks  anscheinend  die  Laune  für  de«  ganzen ­
  Tag  verdorben  hat.  !
W-e  die  kleinsten  -  »Franz.  Billard,  Warnw
Speisen  °ßu  jeder  Tageszeit"  —  ihre  Türen  geschlossen
hielten,  so  geschlossen  blieben  auch  die  größten  Betriebe,
die  Wein-  und  Vierpaläst«,  die  Konditoreien,  die  Teestuben, ­
  die  „Dielen"  —  geschlossen.  Das  Einzige,  was
an  einem  Dutzend  Stellen  Erotz-Berlins  bescheidene
Gcsthaussrcuden  vortäuschte,,  waren  die  auf  Kaffeeunü
  Kuchenberrieb  umgestellten  „Eissalons".

AbLLêfeLlîêîg§prämîen  für  Brotgstrerde
  und  Aarlsffeln.
Berlin,  19.  Dez.  Der  Volkswirtschaftsausfchutz  der
Nationalversammlung  nahm,  wie  wir  gestern  meldeten,
die  Regierungsvorlage  über  Zahlung  von  Ablieferungsprämien
  kür  Brotgetreide,  Gerste  und  Kartoffel»
sowie  einen  Antrag  der  Sozialdemokraten,  wonach  eine
Kommission  zur  Prüfung  der  landwirtschaftlichen  Produktionskosten ­
  eingesetzt  werden  soll.  Ferner  wurde  die
Verordnung  zur  Förderung  der  Zuckeierzeugung  und
des  Zuckerrübenbaues  angenommen.
Mit  der  Einführung  neuer  Ablieferungsprämie»
für  Brotgetreide.  Gerste  und  Kartoffeln  sind  neue
Maßnahmen  zur  Sicherung  der  Ernährung  getroffen
worden.  Beim  Brotgetreide  setzt  die  Prämie  mit  Erfüllung
  von  7g  Prozent  des  Mindcstablicfeiungsfolls
ein.  Es  wird  auch  die  bereits  erfolgte  Lieferung  nach,
bezaksst.  Die  Prämie  beträgt  bei  Erfüllung  von  70
Prozent  dos  Ablieferungs-Solls  2  «4t  Hir  den  Zentner
Getreide,  bei  8g  Proz.nt  4  M,  bis  90  Prozent  6  JĻ
b.s  95  Prozent  8  M,  bis  100  Prozent  10  4t,  bis  103
Prozent  12  M.  bis  110  Prozent  15  4C.
Die  Kartoffel-Slblioferungsprämie  beginnt  schon
bei  50  Prozent  des  Ablieferungs-Solls  und  ist  dann
gestaffelt  von  10  zu  10  Proz.  bis  4  M  für  feden  mehr
gelieferten  Zentner  und  8  für  feden  über  100  Proz.
abgelieferten  Zentner.  Die  Zuschläge  für  die  Lieferung ­
  über  50  Prozent  werden  auch  den  Landwirte«
gezahlt,  die  bei  Erlaß  der  Verordnung  50  Prozent  des
Kartcffel-Ablieferungs-Solls  geliefert  haben,  Di«
Uebernahme  der  Prämicnkosten  auf  das  Reich  oder  di»
Kommunen  war  unmöglich.  Man  hat  stch  den  großen
Bedenken,  die  gegen  Preiserhöhungen  auf  wichtige  Lebensmittel ­
  sprechen,  gewiß  nicht  verschlossen,  die  Mehrbelastung ­
  muß  sedoch  getragen  werden,  wenn  verhindert ­
  weiden  soll,  daß  gegen  Ende  des  Wirtschaftsjahre»
nur  noch  Auslandswaie  zu  Preisen  vorhanden  ist,  die
für  die  breit«  Masse  des  Volkes  unerträglich  fein
würde.
Der  Ausschuß  hat  folgende  Entschließung  ange.
nommen:  Dir  Rationalveriammlung  wolle  beschließen,
durch  die  Beschlüsse  dieser  Prämien  für  landwirtschaftliche ­
  Erzeugnisse  ist  eine  nich:  unerhebliche  Steigerung
der  Haushaltskosten  eingetreten.  Um  einen  Ausgleich
gegenüber  diesen  Mehrausgaben  zu  erreichen  und  erneute ­
  Beunruhigung  des  wirtschaftlichen  Lebens  zu
vermeiden,  erachtet  es  der  Ausschuß  für  notwendig,
daß  auch  die  Löhne  und  Gehälter  der  Arbeiter, ­
  Angestellten  und  Beamten  sowie  die-  Renten,
soweit  sie  stch  aus  der  sozial-n  Gesetzgebung  ergeben,
der  Verteuerung  der  Lebensmittel  angepaßt  werden.
Die  Reichsregierung  wird  ersucht,  auf  die  Landesregierungen, ­
  Gemeindeverwaltungen  und  Arbeirgebersrganisationen
  in  diesem  Sinne  einzuwirken.

AĶàîoîrawerlKmmlzrng
Am  Regîerungsrische'  Schmidt,  Müller,  Nosck,
David,  Koch,  Im  Haufe  sind  nur  etwa  40  Abgeordnete
anwesend.
Vizepräsident  Loebe  eröffnete  die  Sitzung  um
10  Uhr  20  Minuten,
Auf  der  Tagesordnung  stehen^  zunächst  steine  Anklagen. ­
  ,  von  denen  mehrere  abge!eiit  werden  müssen,
da  die  Fragesteller  nickt  anwesend  sind.
Abg.  Kirnen  fU.  S.s  wesst  auf  eine  Aussage  im
Marloh'-Prozeß  hin,  wonach  die  Regierung  kurz  vor
dem  Versailler  Frieden  d^e  Harivilichr  ausgestellt  und
der  Re'chswehrminister  Noske  sich  dabei
über  die  Immunität  der  Abgeordneren  himveggefcht
habe.
Reichswehvminister  Noske:
Am  28.  Januar  habe  ich  an  ^  alle  Dienststellen
einen  Instrriktionserlaß  gerichict,  in  dem  es  heißt:
Für  den  Fall  eines  erneuten  Aufstandes  befehle  ich:
„Der  Aufstand  ist  mit  allen  zu  Gebote  stehenden  Mitteln ­
  so  schnell  wie  möglich  niederzuschlagen."  IÄ  habe
dann  weiter  angeordnet,  daß  während  der  Dauer  de»
            
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