Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

Ur. 77. 
Zweites Blstt 
DonnerstaK- 
1. April i 
Schleswig-Holstein. 
Weitere sravinzieKe S»achrichte« siebe 1. Blatt s. Seit« 
EröffttllgZ der MMkrhrOmg 
MMW—Ml—§MMrg—Bkà 
Schleswig - Holstein, den 30. März. Am 
6. April wird die Flugverbindung von Kiel nach 
Hamburg, Berlin und Flensburg aufgenommen 
werden. Um 6,20 Uhr abends treffen in Kiel die 
Flugzeuge aus Berlin und Hamburg ein und geben 
zehn Minuten später nach Flensburg weiter, wo 
sie um 7 Uhr ankommen. Morgens verlassen die 
Flugzeuge 7,30 Uhr Flensburg, 8,16 Uhr Kiel und 
kommen 9,06 Uhr in Hamburg und 11,20 Uhr in 
Berlin an. In Berlin und Hainburg bestehen 
viele Anschlußmöglichkeiten. 
Pinneberg, 30. März. Eine Entschließung zu 
dem Kreiskrankenhausneubau. In einer von der 
Sozialdemokratischen Fraktion in Pinneberg ein 
berufenen öffentlichen Versammlung wurde zu der 
Frage des Krankenhausneubaus folgende Ent 
schließung einstimmig angenommen: „Die im 
Dahnhofshotel versammelten Personen aus allen 
Teilen des Kreises billigen es, wenn die durch die 
Kreisverwaltung angesammelten Gelder baldigst 
z neinem Krantenhausneubau in Pinneberg Ver 
wendung finden, jedoch sind die den Kreis schädi 
genden Klauseln des Vertrages zu beseitigen." 
rg. Bargteheide, 30. März. Zahlreiche Dieb 
stähle sind in der letzten Zeit in der weiteren Um 
gegend unseres Ortes verübt worden. Auf dem 
Kreisbahnhof Lütjensee gingen die Diebe vom 
Warteraum aus durch die Wand in den Dienst- 
raum. Die Beute war nur gering. Ebenso wur 
den Einbrüche verübt auf der Station Vorburg- 
Trittau und in Hoisdorf. In Siek wurde bei einem 
Gastwirt Heldt ein Einbruch bewerkstelligt. Die 
Diebe entwendeten zur Hauptsache Luxuswaren, 
än Sülfeld hatten die Diebe mehr Erfolg. Eine 
große Portion Rauchwaren fiel ihnen in die 
Hände. 
rg. Ahrensburg, 30. März. Der heilige Büro 
kratius lebt noch immer. Sollten da die Beamten 
einer hiesigen Behörde ihre Personalien auf einem 
Fragebogen angeben. Ein 21jähriger junger 
Mann bekam den Bogen zurück mit der Aufsorde- 
ņnrg, anzugeben, wann er während der Kriegszeit 
Eingezogen fei, welche Schlachten er mitgemacht, 
und welche Orden und Ehrenzeichen er erworben 
habe. und dabei war der betreffende junge Mann 
ver Beendigung des Krieges 13 Jahre alt! 
rg. Ahrensburg. 29. März. Unfall. Ein Post 
schaffner, der auf dem hiesigen Bahnhof mit dem 
Ein- und Ausladen von Paketen beschäftigt war, 
wurde von Wagen, die abgehängt wurden, erfaßt 
und eine ganze Strecke mitgeschleift, der Verun 
glückte wurde besinnungslos und erlitt nicht un 
erhebliche Verletzungen. 
Leezen, 30. März. Eine Zigeunrrfchlacht. Zu 
dem in Bad Oldesloe stattfindenden Pferdemarkt 
hatte sich eine Menge Zigeuner aus allen Him 
melsrichtungen eingefunden. Bei dem Gute Tra 
lau gab es zwischen verschiedenen Zigeunertrupps 
erregte Auseinandersetzungen, die schließlich den 
Charakter einer förmlichen Schlacht annahmen. 
Es gab zahlreiche Verletzte; einer der Beteiligten 
wurde derart zugerichtet, daß an seinem Aufkom 
men gezweifelt wird. 
fz. Leezen, 31. März. Von einem tollwütigen 
Hund gebissen. Die Tollwut der Hunde, die vor 
einigen Tagen in Oldesloe ausbrach, hat auf dem 
Gute Nütschau ein weiteres Opfer gefordert, indeni 
der 5jährige Sohn des dortigen Försters gebissen 
wurde. Der Förster erschoß den Hund sofort. Das 
Kind wurde zwecks Impfung nach dem Eppendor- 
fer Krankenhaus in Hamburg gebracht. Der 
Sperrbezirk ist demzufolge erweitert worden und 
ein Abschußkommando errichtet, das am 1. April 
m Tätigkeit tritt. — Kindesmord. Ein Dienstmäd 
chen in Barg seid hatte heimlich ein Kind geboren 
und dieses gleich nach der Geburt getötet. Das 
Dienstmädchen wurde ins Krankenhaus geschafft, 
wo es gestern gestorben ist. — Attentat. Auf den 
Förster Bebcnsee auf dem Gute Tralau wurden 
mehrere Schüsse von Wilddieben abgefeuert, die 
zum Glück ihr Ziel versohlten. Man ist den Leuten 
auf der Spur. 
fp. Heide, 29. März. Hcider Volksvank. Die 
Leider Volksbank e. 05. m. b. H. hielt eine ordent- 
.'.che Generalversammlung im Stadttheater ab, 
^ von 54 Mitgliedern besucht war. Nach dem 
Kftcht des Vorstandes hat sich die Volksbank, was 
Spareinlagen und Geschäftsguthaben anbetrifft, 
Günstig weiter entwickelt. Das Eeschäftsguthaben, 
" ns ßm 31. Dezember 1924 Rm. 98 305,— betrug, 
^Ģhte sich im Berichtsjahre auf Rm. 130 056,—. 
Ebenfalls weist das Spareinlagenkonto eine we 
sentliche Steigerung auf und zwar von 96162.67 
"w 31. Dezember 1924 auf 263 267.09 am 31. 
Dezember 1925. Die Zahl der Mitglieder der Ee- 
ņŞnschaft ist im verflossenen Jahre von 3020 auf 
r?’ 5 zurückgegangen. Der hohe Abgang war die 
-rolge einer gründlichen Ileberholung des Mit 
gliederbestandes. Es handelt sich zum großen Teil 
um Mitglieder, die seit Jahren aus der hiesigen 
"egend verzogen waren und daher kein Interesse 
dem Weiterbestehen der Mitgliedschaft hatten, 
er Reingewinn beträgt nach Begleichung der Ge- 
^Şer, Steuern und sonstigen Unkosten und einer 
3i . ei bung von 8000 M auf das Bankgebäude 
'' 493,68 di. — Die Bilanz wurde genehmigt und 
Vorstand und Aussichtsrat Entlastung erteilt. 
Beschlossen wurde die Verteilung einer Dividende 
von 15 Proz. 
aw. Neuenkirchen, 29. März. Wiedergefunden. 
Als der Tischlermeister Alfred Jöhnk im vorigen 
Herbst mit Gartenarbeiten beschäftigt war, verlor 
er seinen Trauring. Gelegentlich der Entleerung 
einer Kartoffelmiete fand er ihn nun wieder. — 
Gerichtlich versteigert wurde im „Gasthof zur Post" 
das gesamte Gewese des Mühlenbesitzers Rudolf 
Wrage-Blankeninoor, bestehend aus einer Wind 
mühle mit Motorbetrieb, Wohnhaus, Stallung, 
Nebenhaus und 38 Scheffel Ländereien, für ins 
gesamt 22 200 Reichsmark. — Eingebrochen wurde 
in das Haus des Arbeiters Frenz Andves-Blanken- 
moor. Die Eheleute befanden sich außerhalb ihrer 
Wohnung. Erbeutet wurden Kleidungsstücke und 
eine -Taschenuhr. Der Dieb hatte die Kommode 
aufgebrochen, sämtliche Sachen durchwühlt und es 
wohl auf Geld abgesehen. 
X Husum, 30. März. Die städtischen Kolle 
gien setzten den Haushaltsplan für 1926 in Ein 
nahme und Ausgabe auf 1468 900 di fest. An 
SteuerzuschläWN sollen erhoben wenden 300 v. 
H. Eewerbeertrwgssteuer, 600 v. H. Gewerbekapi- 
talsteuer, 360 bezw. 729 v. H. Zweigstellensteuer. 
250 v. H. Grundvermögenssteuer. Angenommen 
wurde die neue Fassung des Ortsstatuts über das 
Abfuhrwesen. Die Herstellung von Notunterkünf 
ten für Obdachlose, die durch gerichtliches Urteil 
aus ihren Wohnräumen gesetzt werden, wurde be 
schlossen, und zwar sollen 10 Holzbaracken, die je 
1200 dl kosten, gebaut werden. Da der Zuhörer 
raum für die Kollegrensitzungen räumlich zu be 
schränkt ist, soll jedes Kollegienmitglied eine Ein 
trittskarte zwecks Weitergabe erhalten. Geneh 
migung fand die Vereinbarung mit der Gemeinde 
Mildstedt und der Ortschaft Rödemis über die 
Eingemeindung der großen Rödemisser Hallig. 
□ Sillerup, 30. März. Mergeloeànd 611= 
lerup. Anfang März ging durch einen Teil der 
Provinzpresse die Mitteilung, daß zwischen dem 
Mergelverband Sillerup und Umgegend und der 
Firma I. Brandt in Rendsburg Meinungsver 
schiedenheiten beständen, weil letztere eine Forde 
rung von 50 000 dl gestellt habe, während durch 
eine vorläufige Prüfung festgestellt worden sei, daß 
der Verband 150 000 di zu fordern habe. Es war 
auch zu lesen, bttf} ein Schiedsspruch über diese Mei 
nungsverschiedenheiten zu erwarten sei. Der er 
wartete Schiedsspruch ist, wie uns die Firma 
Jürgen Brandt, Rendsburg, mitteilt, am 27. ds. 
Mts. gefällt worden. Zum Schiedsgericht hatte 
jede Partei zwei Sachverständige ernannt. Der 
Schiedsspruch wurde von den vier Sachverständigen 
(je 2 Juristen und höhere Techniker) einstimmig 
dahin lautend abgefaßt, daß ein Anspruch des Mer- 
gelverbandes Sillerup und Umgegend gegen die 
Firma Jürgen Braudt in Rendsburg auf Rück 
zahlung eines Betrages nicht besteht. Der Schieds 
spruch enthält sodann die Feststellung, daß die von 
der Firma Jürgen Brandt bei der Preisbildung 
angewandte Rechnungsart richtig ist. 
jahr-es gegenüber, mit insgesamt rund 300 Er 
werbslosen eine gewaltige Steigerung. Die beiden 
Lederfabriken am Orte beschäftigen mit etwa 30 
Arbeitern nur noch den zehnten Teil ihres frühe 
ren Arbeiter-standes. Voll aufgenommen hat den 
Betrieb seit acht Tagen die Dachpappenfabrik von 
Erichsen und Menge. 
-/ Bordesholm, 29. März. Grober Unfug, 
wurde in der Nacht zum Sonnabend hier in der 
Holstcnstraßs verübt. Bisher unerkannte Täter 
hakten an verschiedenen Stellen die Pforten aus 
und verschleppten sie, streuten Dünger auf die 
Straße, warfen Ziegelsteinhaufen um und durch 
schnitten an einem Laden die Zugbänder der 
Außenvorünge. — Die Belegung der Hamburg- 
Kieler Chausssee mit Kleinpflaster auf der Strecke 
von Boorde bis Einfeld wird, nachdem bereits 
das meiste Material angefahren ist, Mitte April 
ihren Anfang nehmen. Vorgesehen ist eine ge 
pflasterte Fahrbahn von 4,50 Meter Breite. 
r. Flensburg, 30. März. Der Kreuzer „Ber 
lin" traf Sonntagabend vor Mürwik ein. Er 
wird die Marinestation Dien stag ab end wieder 
verlassen. — An Blutvergiftung verstarb hier 
eine 13jährige Schülerin, die bei ihrem Onkel, dem 
Gärtner Kleinschmidt, in Pflege war. Das Kind 
war mit seinem Fahrrad gestürzt u. hatte sich eine 
Schramme am Arm zugezogen. Trotzd-em bald 
ärztlicher Rat eingeholt wurde, war eine Rettung 
des Mädchens nicht mehr möglich. — Vor dem 
Seeamt stand der Zusammenstoß des schwedischen 
Dampfers „Rarva" mit dem Tankleichter „Oder" 
aus Hamburg am 10. Januar d. I. im Binnen 
hafen von Holtenau zur Verhandlung. Der D. 
„Rarva" wollte in die Nordschleuse einlaufen, 
nachdem ihm das Signal „Grün" gezeigt worden 
war. Es herrschte leichter Nebel. Beim Näher 
kommen stchtete man das rote Licht des entgegen 
kommenden Schleppers „Oder" und stellte die Ma 
fchine auf volle Fahrt rückwärts. Der Kapitän 
der „Rarva" glaubte dann freizukommen und ließ 
die Maschinen wieder voraus laufen. Der Zu 
sammenstoß war aber nicht mehr zu vermeiden 
und erfolgte, nachdem die Schraube des Dampfers 
wieder rückwärts arbeitete. Der Leichter, der sich 
im Schlepp des Dampfers „Adolf" befand, rannte 
gegen den Bug der „Rarva", durchstieß ihm zwei 
Platten und verbog ihm den Steven, Der Spruch 
des Seeamts ging dahin, daß der Dampfer „Nar 
va" infolge zeitlich nicht richtig gegebener Ein 
fahrtssignale der Annahme fein mußte, daß die 
Nordschleuse für die Einfahrt frei sei. Den Füh 
rern beider Schiffe sei ein Verschulden nicht bei 
zumessen. 
Schleswig, 30. März. Städtctag der Provinz 
Schleswig-Holstein. Am 24. und 25. Juli wird 
hier der diesjährige Städtetag der Provinz Schles 
wig-Holstein abgehalten werden. Die nächste 
Vorstandssitzung des Vereins wird in Meldorf 
stattfinden. 
kk. Schleswig, 30. März. Steigende ErrverSs- 
lofcnziffer. Rach der Ausführung von Notstands 
arbeiten im Straßenbau zur Ausschließung neuen 
Baugeländes, und bie Entlassung der auf etliche 
Wochen hierbei beschäftigten Arbeiter, hat sich 
die schon seit langem steigende Arbeitslosenzahl 
eine weitere Erhöhung erfahren. Zur Zeit sind 
im Stadtbezirk fast vierhundert Arbeitsuchende 
vorhanden und im ganzen Kreise fast die doppelte 
Anzahl. Dies bedeutet, derselben Zeit de« Vor- 
x. Neumünster, 29. März. Mit der Festsetzung 
des Haushaltsplans 1926 beschäftigten sich heute 
die städtischen Kollegien. Oberbürgermeister 
Schmidt erläuterte den Etat, dessen Aufstellung 
mit der allergrößten Zurückhaltung erfolgt ist, so 
daß di-e reine Planfumme um 470 524 di auf 
4 324 000 di verringert werden konnte. In der 
Vermögensverwaltung sind zur Förderung des 
Wohnungsbaues 310 000 di eingesetzt worden. Der 
gesamte Schuldendienst (einschl. der Aufwertung) 
erfordert 165 000 dl. Die sehr wichtige Frage der 
Kläranlage für Gerbereiabwässer ist noch ungelöst 
und wird noch erhebliche Kosten verursachen. Ter 
Zuschuß zur Wohlfahrts- und Jugendpflege be 
trägt in diesem Jahre 624 OOO di gegenüber 
510 000 JL im Vorjahre. Die Hauszinssteuer um 
faßt mit 410 000 di den Bauanteil von 310 000 dl 
und den Finanzteil von 100 000 dl. Die Erfül 
lung der Zukunftsaufgaben der Stadt wird in die 
sem Jahr besonders schwierig sein, da das Jahr 
192-5 mit einem noch nicht zu nennenden Fehl 
betrag abschließen wird. Nach mehrstündiger Be 
ratung, bei der zahlreiche Wünsche vorgetragen 
wurden, genehmigten die Kollegien den Haus 
haltplan 1926 und stimmten auch der Deckungs- 
oorl-ags zu. Es wurde dem Antrage des Magi 
strats gemäß beschlossen, die Hebung der Gewer 
besteuer nach Ertrag und Lohnsumme zu bewirken, 
die Zuschläge für di-e Gewerbesteuer festzusetzen 
für die Ertragssteuer auf 500 v. H., für die Lohn 
summensteuer auf 1200 v. H. und für die Zweig 
stellen und Schankbetriebe auf 600 bezw. 1440 
v. H.. Die Zuschläge für di-e Grundvermögens 
steuer wurden auf 200 v. H. festgesetzt. — Zur Blut 
tat in der Christianstraße ist noch mitzuteilen, daß 
die Frau Lentfern, obwohl sie 3 Schüsse in der 
Brust, im Oberarm und im Kopf erhalten hat, mit 
dem Leben davonkommt. Der Arbeiter Gustav 
Schneider, der mit der Schwester der L. und ihrem 
Bräutigam in der Wohnung Christianstraße 100 
geweilt und sich kurz nach der Tat bereits mit dem 
Paar auf dem Wege zum Bahnhof befunden hatte, 
machte auf h-albsm Wege unter irgend einem Vor 
wand Kehrt, drang unter Anwendung eines Nach 
schlüssels in Frau L.'s Wohnung ein und schoß 
sie nieder. Di-e Schwerverletzte konnte sich jedoch 
noch in die Wohnung des unter ihr wohnenden 
Viz-ewirts flüchten. Währenddessen tötete sich 
Schneider durch einen Schuß -in die Schläfe. Er 
hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Die Tat 
beging er, weil die L. das Liebesverhältnis mit 
ihm lösen wollte. 
einen Steckschuß in den Kopf, Nacken und Unter 
leib erhalten, so daß an ihrem Aufkommen gezwei, 
felt wird. 
Felde, 30. März. In einer Jauchegrube er 
trunken. Das 1% Jahre alte Töchterchen Lisa des 
Landwirts Hans Passig ist in eine Jauchegrube 
gefallen und ertrunken. Die zweistündigen Wie 
derbelebungsversuche eines Arztes waren erfolglos. 
rk. Veringstedt, 31. März. Funde ans der Vor 
zeit. Durch die Abtragungen der Erdmassen zur Pla 
nierung der Chaussee Veringstedt—Puls wurde ein 
Teil eines heidnischen Opferpl-atzes aus der Steinzeit, 
sowie Teile eines Grabes aus der Bronzezeit und 
Schmelzgruben zur Anfertigung von Waffen aus der 
Eisenzeit bloßgelegt. Es wurden 11 Opfergruben fest 
gestellt ohne jegliche Spuren von Holzkohle, mit stark 
verbrannten Steinen. In der Grube Nr. 8 wurde in 
der Asche ein starker Tierknochen gefunden-. Ferner 
wurde ein Bronzegrab, welches früher bereits aufge 
deckt war, als Häuplingsgrab bestimmt. Damals fand 
man einen Dolch mit goldenem Griff und später das 
x. Neumünster, 30. März. Eine Protestkund 
gebung im Stadtparlamcnt wurde gestern abend 
hervorgerufen durch einen von der Schleswig-Hol 
steinischen Land-wirtschaftskammer veröffentlichten 
Zeitungsartikel über die Stör-Verunreinigung 
durch die Gerberei-abwässer N-eumünsters. Die von 
der Kammer ausgestellten. Behauptungen wurden 
als stark übertrieben erklärt. In einem Satz des 
Artikels, in welchem bei nicht baldiger Herstellung 
einer Kläranlage den Neumünfterschen Lederfabri 
ken- mit ihren Zehnt-ausenden von Arbeitern die 
Existenzberechtigung abgesprochen wird. wurde als 
eine feindselige Polemik gegen die Stadt Reum-ün- 
ster empfunden, zumal dte hiesige Verwaltung alles 
getan hat, um das äußerst schwierige Kläranlagcn- 
Projekt für Gerbereiabwässer zu lösen, dessen Ent 
wurf schon im Rov. v. I. der Regierung zugegan 
gen ist und für dessen Ausführung bereits 860 000 
Mark in den Haushaltsplan 1926 eingestellt wur 
den. Die Zahl der angeblich durch Milzbrand ver 
endeten 1300 Rinder wirke irreführend, weil sie 
sich auf mindestens 30 Jahre verteile. Eine ge 
harnischte Protestkundgebung, deren Wortlaut vom 
Stadtverordneten-Vorsteher verlesen wurde, fand 
die einmütige Zustimmung der städtischen Kolle 
gien. — Zu der Jahresversammlung des Vereins 
für das Berufsschulwesen in Schleswig-Holstein, 
die am 30. und 31. März hier stattfindet, hatten 
sich bereits am gestrigen Montag zahlreiche Ver- 
tr-eter aus allen Gegenden der Provinz eingefun- 
den. An den Tagungen nehmen auch teil die 
Mitglieder des Zwei-gvereins Schleswig-Holstein 
im Landesverein der Preuß. Gewerbe- und Han 
delslehrerschaft in Verbindung mit einer Arbeits 
gemeinschaft der Leiter und Lehrer an Berufs 
schulen. Den Auftakt bildete die Zusammenkunft 
der Preuß. Gewerbe- und Handelslehrerschaft 
(Zweigvere-in Schlesw.-Holst.). Heute morgen be 
gannen die gemeinsamen Tagungen beider Ver 
eine, in deren Verlauf mehrere Vorträge gehalten 
wurden. Nachmittags vereinigten sich die Vertre 
ter zur Besichtigung einer Wirkwarenfabrik, n- 
Das Befinden der durch 4 Revolverschüsse schwer 
verletzten Frau Lcntfer ist sehr ernst. Sie hat je 
Sattelzeug -des Pferdes mit Birkenreistgspuren verdeckt. 
Hier wurden jetzt noch zwei sehr alte zerdrückte Urnen 
mit Knochenresten aufgefunden./ In der einen Urne 
lag oben auf noch ein Teil eines Haaramulels oder 
Haarringes mit kleinen Haken. Ein Teil war bereits 
bei den Erdarbeiten zerstört. Ferner wurde noch eine 
kleine Steinsetzung gefunden mit zerdrückten Knochen 
resten, jedenfalls vom Hunde der Häuptlinge her 
rührend. Weiter südlich wurden noch 9 Brandgruben 
gefunden aus der Eisenzeit, teils mit Asche, Holzkohle 
und Eisenschlacken, sowie ungeschmolzenem Raseneisen 
stein, wie er hier noch gefunden wird, angefüllt. In 
der letzten Grube wurde ein Bruchstück vom Eisen 
schmelztiegel gefunden, ferner noch eine Urne aus der 
Eisenzeit, ohne Knochenreste mit etwas Holzkohle. 
ms. Kirchspiel Süderstapcl, 30. März. Grün 
dung eines Gesangvereins. Unter der Leitung des 
Lehrers Jwers ist in Drage ein Gesangverein ge 
gründet wovden, dem sofort 16 aktive Sänger 
beitraten,, um auch dort wieder einmal in der 
Woche das deutsche Lied zu pflegen. Zum Vor 
sitzenden wurde Gemeindevorsteher Schulz und 
zum Kassierer und Schriftführer Wilhelm Kindt 
gewählt. 
r. Ersde, 30. März. Leichensund. In der 
Nähe der Sandschleuse fanden Passanten eine schon 
in Verwesung befindliche Leiche in einem Graben 
liegen. Nach den Papieren zu urteilen, handelt 
es sich um einen 50jährigen Mann. Die Leiche 
wurde nach Vergenhusen überführt. 
Kleine Prammchromk. 
Am 1. April hat der Rektor Moritz in Erfdr 
als Lehrer 40 Jahre im Volksschuldienst gestan 
den, darunter. 331/2 Jahre als Kantor in Erfde. — 
Die städtische Hilfsschule in der Stuhrsall-ee in 
Flensburg besteht am 1. April 25 Jahre. Gleich 
zeitig kann die Schuldienerin Witwe Fischer aus 
eine 25jährige Tätigkeit in der Schule zurückblicken. 
— Der Düroangestellte Otto Blaase geb. am 6. 
Sepr. 1899 in Kiel hat am 14. Januar 1924 den 
Bootsmannsmaaten Alfred Fiedler, wohnhaft in 
Kiel, vom Tode des Ertrinkens gerettet. Vom Re 
gierungspräsidenten wurde ihm aus diesem Anlaß 
eine öffentliche Belobigung ausgesprochen. 
Jürgen Stolley in Kl.-Bennebek feiert am 1. 
April sein 25jähriges Jubiläum als Chausseewär 
ter. Stolley ist seit 1901 auf der Chaussee Kropp- 
Alt-Vennebek und nach dem Kriege von Kl.-Ben- 
nebek bis Sand-schleuse tätig. — Die Pferde von 
Hans Rissen in Klein-Bennebek scheuten u-nd 
rasten davon. Der Knecht ,Joh. Schlegel - kam 
unter den Wagen und brach den linken Oberarm. 
— Gestern beging die Witwe Sophie Rönnau, geb. 
Soll, in Kiel, ihren 98. Geburtstag. Die Hoch- 
betagte ist noch rüstig und guten Humors. — Wäh 
rend des Düngerfahrens bei dem Landmann Cor- 
nils in Friedrichstadt würbe der Arbeiter Hans 
Matthiessen bei dem Besteigen des Wagens von 
einem Pferde gegen das Bein geschlagen, so daß 
der Unterschenkel brach. — Eingebrochen wurde 
nachts bei dem Kaufmann Ehr. Hamdorf in Itz 
stedt. Der Dieb stieg durch das Ladenfenster und 
entwendete zwei HerrenaiMge, Zigaretten und 
Zigarren. Wahrscheinlich ist der Täter aber bei 
seiner Arbeit gestört worden. 
In Bargum geriet der Lehrling des Mühlen-- 
kesitzers C. Sönkfen mit der rechten Hand in die 
Kreissäge. Die Hand wird wahrscheinlich erhalten 
bleiben. — Ein junges, lebensmüdes Mädchen 
war bei der Quarantäne in Flensburg ins Wasser 
gesprungen, schrie aber dann um Hilfe und konnte 
an Land gezogen werden. 
Vom Kreisausschuß Schleswig wurde dem 
Vierfahrer Herm. Lemster, der in der Brauerei in 
Friedrichstadt 25 Jahre als solcher tätig ist, ein auf 
50 Mark lautendes Sparkassenbuch überreicht. — 
Don wildernden Hunden wurden dem Landmann 
Hg. Muhl in Wohlde 4 Schafe zerrissen. 
Mitrsrungsüberftcht. 
Nord-westdeutschland hatte ln den letzten 34 Stun 
den bei schwacher Lustbewegung heiteres 'bis wolkiges, 
ziemlich warmes und i-m allgemeinen trockenes Wetter. 
In den frühen Morgenstunden trat stellenweise Nebel 
und leichter Niederschlag ein. Die gestrigen Höchst 
temperaturen stiegen bis 15 Grad, die tiefsten -der letz 
ten Nacht sanken nicht unter 5 -Grad Wörme. 
Das Hochdruckgebiet, das gestern früh von Spanien 
und der Biskaya-See her nordwärts vordrang, hat sich 
weiter gekräftigt und hat weiter ostwärts 'an Aus 
dehnung gewonnen. Es -wird zunächst für unser Wei 
ter ausschlaggebend sein. Ausläufer der westlich der 
südnorwegischen Küste liegenden Depression werden 
unser Wetter zunächst noch nicht beeinflussen. 
Vorhersage: Schwachwindi-g, heiter bis wolkig/ 
Ziemlich kühl, meist trocken. 1 
Hamburg, den 30. März 1926. . ģ 
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