Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

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IweiLes MaLL 
Komnakendz' 
17. April 
Schleswig-Holstein. 
Weiter« vr«vinzie!le Nachricht«« siehe 1. Blatt S. Seile 
^um Flensburger Wettbewerb: 
Küdermarkt und Kahnhofs- 
îufutzrstraşşîe. 
Vvn Walter H. Dammaim, Flensburg. 
Flensburg tobt gegenwärtig ein wilder Kampf 
muß es wirklich allen Ernstes so nennen — 
. Eine Frage, in der alle Heimatliebenden und Sach- 
î"şîchtigen einig sein sollten — um die Frage, ob der 
§4 
Sei 
vermarkt, jene vorbildliche Leistung städtebaulichen 
Eilgefühls unserer Vorfahren, zerstört werden oder 
Thalien bleiben soll. Ein sehr fleißig bearbeitetes 
reîchbeschiļktes Preisausschreiben zeigt, wider al- 
E ^erhoffen, eine ausgezeichnete Möglichkeit, den 
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""markt nicht nur zu erhalten, sondern in seinem 
^baulichen Wert sogar zu steigern. Weder die 
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^gemein wichtige Südwand braucht zerrissen, noch 
,^cht die einheitlich-ruhige Marktfläche durch Ver- 
j. "slinten zerschnitten zu werden. Es wird die Mög- 
^keit gezeigt, mit zeitgemäß zunehmender Haushohe 
^ V die Platzfläche zunehmen zu lassen, wodurch also 
, 5 einzig schöne Raumverhältnis gewahrt bleibt. Es 
^ durch den Ausblick auf das Hauptkirchenportal 
fceii 
Kauze Stadtgegend um einen wertvollen Blickpunkt 
heu 
"chert. 
Die Kirche, die z. Zt. im profanen Stra- 
"verkehr steckt und, von unglücklichem Grünzeug 
gantet, auf schiefer Fläche ostwärts abrutscht, Je» 
“timt feste Sockelung und würdige Fassung, die ihr 
^Eihe und Größe sichert — und siehe: der Chor der 
gältet, dem merkwürdig oft das Ohr der Oeffentlich- 
" M erreichen Gelegenheit geboten wird, schwill 
faltig: Die Südwand soll und muß durchlöchert. 
Platzschönheit zerstört werden; es ist, als ob der 
derer, die vor Jahrzehnten nur ein Machtwort 
^ Legierung in letzter Minute hindern konnte, das 
"Edertor abzubrechen, immer noch lebendig wäre. 
- Die ganze Angelegenheit — der Südermarkt ist 
halbe — ist nun wirklich für Schleswig-Hol- 
ja für ganz Deutschland von großer Bedeutung. 
Şî le sich in dieser Grenzstadt der Eintritt des nördli- 
Auslandes ins Reich darstellt, das ist in der Tat 
J Deutschland eine Ehrenangelegenheit ersten Ran- 
ķ’ ^as sollte es auch für Flensburg fein. Um die 
Gestaltung des zukünftigen Bahnhofsviertels und 
116 Zuwegung zum alten Stadtinnern, die über den 
I,. ,"drarkt geschehen muß, handelt es sich in erster 
'■Daß, wenn diese Aufgabe sachgemäß behandelt 
i3 dadurch zugleich der ganze Fragenbereich auf- 
der sich mit der Entlastung des Stadtkernes, der 
^ ^stihrung des durchgehenden oder von weit kom 
men Ueberlandverkchres beschäftigt — das ist 
verständlich. 
Die Bedeutung der Sache rechtfertigt es, 
sie in 
tob 
^^Zsigen auch einer weiteren Oeffentlichkeit vor- 
°«eu. 
u t dem Südermarkt mündet von Norden ein 
tkî hrszug, der in Zukunft nach Süden weitcrgelei- 
muß, nennen wir ihn den Holmstrom. Er 
eben am Südermarkt, jetzt rechtwinkelig über- 
ijjk von einem westöstlichen Strom, der die Friest- 
ijx^ud Angelburgerstraße entlang flutet. Die Ein- 
in die Anaelburgerstraße ist eng und recht- 
... c-..,- r .... 
w‘“> Mithin schon heute so gefährlich, daß sie zur 
der einen Fahrtrichtung reif erscheint. Das 
istx>iLnde der Friesischen Straße ist zwischen engen, 
tzf- W V... mii.s. ru:r s.„c. 
nof s Mc ftt sperrenden Windungen so steil, daß sie nie- 
Durchgang-fahrstraße hätte existieren dürfen 
şidij/ 'si längst erkannt und hat zur Erbauung einer 
ausbuchtenden Umgehungsstraße geführt, die 
şŞrtîg ist — der Wettbewerb nennt sie die 
— und in naher Zukunft die Angelburger- 
Mitgehend, die untere Friesische ganz vom 
entlasten wird. Der Schnittpunkt dieser 
^°tku '"'t dem Holmstrom ist der zukünftige Verkehrs-- 
^şiegj ist eine verkehrstechnisch schon längst fest- 
^»kt à, Selbstverständlichkeit, daß ein solcher Knoten- 
gefahrlos wird, wenn man ihn nicht in 
. ibst^iiger, sondern in schräger lleberschneidung, 
^ņ^ļich unter Sichtfroihaltung der Zipfel 
E^vrt^' 6cr Fahrbahnen, ausbildet. Aber die Be- 
gradlinigen Holmverlängerung und des 
. i>v e "EEEchbruches haben ein neues städtebauliches 
Listen ^ deckt, das sie unter keinen Umständen ver 
geh „,_ n: den Verkehrsschutzmann. An der von 
^entbâ^ņşĢten Platzdurchbruchecke ist er freilich 
»I ‘»cfirTi * v 
jsich "0- Verlegt man den Verkehrsknoten weiter 
i?" Dop»' şîÈ^t man den Holmstrom in großer, sich- 
»Eidwesix,« "kurve um den Südermarkt herum bis zur 
ti^ ^opîcrrt Platzes, läßt ihn dort in die Rote- 
î, '"ļ ttefr 1 Eaße münden und die B-Straße tangen- 
ŗ Ņ^einuu ^.draucht man den Schutzmann nicht. Wer 
» 11 siädtenî man Städtebauaufgaben möglichst 
g/ņ lösen r^^en Mitteln, nicht mit Uniformträ- 
Auķ "igen şieht hier die zweite Schwäche der 
ißuuq ^ļmdurchfllhrung — die erste war die 
^che, dgş. ^ Platzwand. Die dritte liegt in der 
^ ^r ÜBett’j, Kie einfaches Stadtplanstudium zeigt 
dex^^aßenf „ ^ ^^rbausfall bestätigt, eine befriedigen- 
8rv»^°lmdulKs-^ üblich des Südermarktes bei gera° 
^«ruv. Ģruppoņ nut 6ei radikaler Beseitigung 
»Ux , Er auch p "dtischer und privater Gebäude — 
!e^ à" Sewaltiae °^rwurdigen Heiligengeistklosters — 
weitab"r Ņaukostcnaufwand und — vor al- 
ķostbare Überführung jetzigen Vaugrun- 
'si. 
S Man "traglose Straßenfläche möglich 
si»b '"Ermarļj u. '^"ļmstrom östlich und südlich um 
Sbu\ hi ^ UeS ” nb durch die Rotestraße, so 
àler u."°ş"en iV vermieden. Welches sind 
şistigeu Beienn ^îe Durchbruchfreuà zu 
'•j ung des Rolestraßengedankens 
i -i * 
veranlassen? so fragt man sich. Aber diese Frage 
harrt noch der — hoffentlich baldigen — Aufklärung. 
Denn alles, was gegen die bisher städtifcherfeiis 
vorgeschlagene Form des Rotestraßengedankens sprach, 
ist durch die dankenswerten, glücklichen Anregungen 
des Wettbewerbs überwunden. Gewiß; daß der Ver 
kehrsstrom hckrt an der Chorecke der Kirche vorbei in 
rücksichtsloser Diagonale über den Platz geführt wurde, 
diesen in unerträglicher Weise zerschneidend und zum 
Straßenbabuwagendepot erniedrigend — das konnte 
man nicht wünschen; ebensowenig die unglückliche Ein 
führung in die nach damaligem Plane viel zu enge 
und zcchnlückig ausgeweitete Rotestraßenmündung. 
Aber wir wissen nun, daß das alles unnötig ist. Daß 
der Südermarkt in seiner Schönheit erhalten bleiben 
kann; daß die, wie eine praktische Erwägung zeigt, 
verhältnismäßig wohlfeil durchzuführende Verschie 
bung der Westwand nach Westen nicht nur eine vor 
zügliche Verkehrsführung ermöglicht, nicht nur eine 
schöne und ganz neue Vlickrichtung auf das Kirchen 
portal freigibt, sondern vor allem dem Platz, dessen 
Umbauung unweigerlich in die Höhe wächst, seine alte 
Raumschönheit wiedergibt. Wir wisien, daß diese 
Straßenführung gestattet, das südliche Neuviertel so 
wohl hinsichtlich des Erhaltens wie vor allem hinsicht 
lich des Gestaltens einwandfrei durchzubilden — so 
kam es, daß das Preisgericht, dem nicht nur hervor 
ragende Fachleute, sondern auch eine Anzahl nicht 
fachmännisch eingestellter Flensburger Bürger ange 
hörte, erkannte und einstimmig aussprach, daß im 
Sinne des Rotenstratzengànkens die endgüliige Lö 
sung gefunden werden müsse. — Es ist zu hoffen, daß 
der bessere Gedanke sich durchsetze und zur Ausführung 
gelange. 
Wenn man freilich hört, wie selbst so klarer Sach 
lage gegenüber lauttönender Widerstand erhoben 
wird, so zweifelt man fast, ob es möglich fein wird, 
nun eine weitere Ausgabe zu lösen, die sich heran 
drängt. Glücklicherweise gehört fast das ganze für 
die Neubebauung bis zum Bahnhof hin in betracht 
kommende Gelände der Stadt. Daß sie es nicht wie 
der aus der Hand gibt, ist nach tzeutigen kommunal 
politischen Grundsätzen selbstverständlich. Das genügt 
aber nicht. Sondern, damit Flensburg dem doppelten 
Anspruch als „das schöne Flensburg" und als Emp 
fangsort an des Reiches Nordgrenze gerecht werde, 
wird erfordert, daß die Neubebauung, namentlich in 
unmittelbarer Bahnhofsnähe, sachgemäß durchgeführt 
werde: Zuschnitt und Zweckbestimmung der einzelnen 
Grundstücke; in zweiter Linie: einheitlich durchdachte 
und zeitgemäß durchgebildete Bebauung. Wir wissen, 
daß so etwas nur zu erreichen ist, wenn das gesamte 
Aufgabenfeld in einer Hand bleibt. Es erhebt sich 
hier der Gedanke einer „Gesellschaft" — Verzeihung: 
„Arbeitsgemeinschaft" — zur Auswertung und Be 
wirtschaftung eines möglichst umfassend zu begrenzen 
den „Bahnhofsviertels". In dieser Gesellschaft müß 
ten maßgeblich vertreten sein: die Stadt, das Kapi 
tal und ein möglichst großer Vevölkerungsteil; man 
könnte eine Reihe der großen Organisationen zu die 
ser dritten Gruppe zusammeuschließen. Die Eesamt- 
gesellschaft müßte ihre ausführenden Organe sorgfältig 
auswählen und sie dann in der Durchführung ihrer 
Ausgabe stützen und fördern; denn in diesen ausfüh 
renden Persönlichkeiten muß natürlich die Gewähr der 
durchdachten, im wahren Wortsinne großzügigen" 
Ausführung liegen. Es ist eine wahre Freude, sich 
vorzustellen, wie auf diese Weise selbst unter unseren 
heutigen, drückenden Verhältnissen eine große Eestal- 
tungsaufgabe groß und edel gelöst werden und ein 
neues Flensburg entstehen könnte, das des alten, wie 
es in feinen besten Tagen war, würdig wäre. 
Ein schwerer AuLounfall. 
Bier Personen schwer verletzt. 
Eidelstedt, 15. April. Ein furchtbares Auto 
unglück ereignete sich am Mittwoch auf der Pin- 
neberger Ghauffee. Dort fuhr ein mit fünf Per 
sonen besetzter Kraftwagen, als er vor einem Rad 
fahrer ausweichen wollte, der kurz vor dem Auto 
diese Chaussee kreuzte, gegen einen Baum. Der 
Kraftwagen überschlug sich infolge des heftigen 
Anpralls. Der Radfahrer trug erhebliche Ver 
letzungen davon. Eine im Kraftwagen sitzende 
Frau erlitt einen Schädelbasisbruch, der Manu 
trug einen Armbruch davon; außerdem ist ihm 
ein Arm ausgekugelt worden, ein Kind erlitt 
schwere Brustquetschungen. Der Autolenker flog 
in weitem Bogen auf einen nahe liegenden Acker, 
wo er unverletzt landete. Der Kraftwagen wurde 
vollständig zertrümmert. Die Unfallstätte bot ein 
schauriges Bild. Dr. Schwarzenberg aus Eidelstedt 
leistete den Schwerverletzten die erste Hilfe. Bald 
darauf trafen weitere drei Aerzte und Chirurgen 
aus Hamburg ein, die eine Ueberführung der Ver 
letzten nach Hambirrg anordneten. 
Altona, 15. April. Schließung der städtischen 
Büros in Altona am 1. Mai. Der preußische Mi 
nister des Innern hat auf die Anfrage Milberg 
(Dn.) und Schrötcr-Kiel (D. V. P.) nachstehende 
Antwort an den preußischen Landtag erteilt: 
„Schließung der städtischen Büros in Altona am 
1. Mai. Die Regelung der Dienstzeit in der städti 
schen Verwaltung ist eine Angelegenheit der 
Selbstverwaltung. Die Kommunalaufsichtsbehörde 
ist zu einem Eingriff nur dann berechtigt, wenn 
durch die Art der Regelung der geordnete Gang 
der Verwaltung gestört wird." 
Altona, 15. April. Große Unredlichkeiten hat 
sich der Altonaer Mittelschulrektor I. zuschulden 
kommen lassen. Z. war auf Vorschlag der Alto 
naer Lehrerschaft zum Leiter des Altonaer Schul- 
mufeums gemacht. Vom Schulmuseum wurden auf 
Bestellung der Rektoren für die einzelnen Schulen 
Lehrmittel geliefert. Die Bezahlung mußte von 
den Schulleitern an das Museum gemacht werden. 
Auch Schulbücher hat I. in größerem Umfange an 
Schulen geliefert. Gelegentlich einer Prüfung 
stellte das städtische Revisionsamt fest, daß die Ab 
rechnungen sehr in Unordnung seien und über eine 
Summe von etwa 28Ö0 Jl keine Belege vorhanden 
seien. I. wurde von der Schulbehörde aufgefor 
dert, sich dazu zu äußern. Er bestritt jede Unregel 
mäßigkeit und legte eine Rechnung über die als 
fehlend gemeldete Summe von einer Buchhandlung 
vor, auf der der Empfang der Summe bestätigt 
war. Diese Rechnung aber war, wie sofort vom 
Revisionsamt festgestellt wurde, gefälscht. I. hat 
diese Fälschung dann auch zugegeben. Einige Lo 
genbrüder des I. hinterlegten den Betrag bei der 
Stadt. Hinterher hat sich aber herausgestellt, daß 
der veruntreute Betrag höher ist. Bis jetzt sind 
rund 6600 Jl ermittelt. Es sind nicht nur Alto 
naer Schulen geschädigt, auch an Schulen in Nach 
barorten hat das Museum Lehrmittel geliefert, die 
bezahlt sind, jedoch hat I. die Beträge für sich 
verbucht. 
dl. Kreis Stormarn, 15. April. Der Bau des 
Reform-Realgymnasiums in Poppenbüttel soll von 
der preußischen Regierung hinausgeschoben wer 
den. Nachdem für die Vorarbeiten und Erd 
bewegungen zur Herrichtung des Platzes bereits 
die Summe von reichlich 70 000 Jl aufgewandt 
worden ist, wurden nun die im Februar d. I. be 
gonnenen Erdarbeiten am Baugrunde wieder ein 
gestellt. —Eingebrochen wurde in Lemfahl-Mel- 
lingstedt in der Nacht zum Donnerstag bei den 
Einwohnern Hubatfch und Katzenstein. In beiden 
Fällen wurden unter Mißachtung anderer Gegen 
stände nur mehrere Fahrräder gestohlen. Spuren 
der Diebe konnten in der Richtung auf Poppen 
büttel verfolgt werden. 
yu. Südliches Lauenburg, 1§. April. Schwerer 
EinSruchsdiebstahk. Von Einbrechern schwer heim 
gesucht wurde nachts der Landmann M. in Konkel- 
au, Amt Schwarzenbek, dem man aus dem Rauch 
fang zehn Schinken im Gewicht von 250 Pfd. und 
15 Pfund Mettwurst stahl. Trotzdem der Polizei 
hund aus Büchen sofort nach der Entdeckung des 
Einbruchs zur Stelle war, blieben die Täter, die 
mit den häuslichen Verhältnissen vertraut sein 
müssen, bisher noch unermittelt. 
Bad SrgeSerg, 15. April. Die Tollwut ist in 
Neversdorf bei einem Hunde amtstierärztlich fest 
gestellt worden. Infolgedessen ist vom Landrat die 
Hundesperre über das gefährdete Gebiet verhängt 
worden. 
ah. Lunden, 11. April. Selbsttötung. Seit 
einigen Tagen wurde der hier wohnhafte Dentist 
Walter Sch. vermißt. Da die Ehefrau des Sch. sich 
in Kiel aufhält, wurde angenommen, daß er sich 
dorthin begeben habe. Heute abend wurde die 
Wohnung durch die Landjägerei gewaltsam ge 
öffnet und Sch. in seinem Arbeitszimmer mit einer 
Schußwunde in der Schläfe tot aufgefunden. Aus 
einem hinterlassenen Brief geht hervor, daß Selbst 
tötung vorliegt. Die Gründe hierfür werden in 
der schlechten finanziellen Lage des Sch. zu suchen 
sein. 
gx. Hennstcdt (Kr. Norderdithmarschen), 15. 1. 
Unfall. Einen schweren Unfall erlitt am gestrigen 
Tage der Landmann und Gastwirt Johann Brühn 
Schmidt aus Oestermoor. Sch. fuhr mit Pfertz und 
Wagen auf der Chaussee von Hennstedt nach 
Oestermoor. Plötzlich scheuten die Pferde und Sch. 
fiel vom Wagen. Er erlitt einen Bruch des lin 
ken Schulterblattes, Quetschung des linken Knies, 
sowie einen Ripprnbruch. — Aus der Vogclmclt. 
An jedem Abend kommen taufende von Staren 
und fliegen stundenlang über unserm Dorf. Des 
Abends, wenn es dunkelt, nisten sie im hiesigen 
Gehölz. Eine Schande ist es, daß Kinder sie ein 
fangen und in Käfige sperren oder sogar mit 
Steinen totwerfen. 
Vüsum, 15. April. Ein schwerer Unfall er 
eignete sich gestern in der Moltkestraße. Ter Fuhr 
mann Jul. Steincke brachte dorthin eine Fuhre 
Holz. Dasselbe geriet ins Rutschen, wobei das 
Pferd plötzlich anzog und St. herabstürzte. Die 
Räder gingen ihm über den Brustkasten. Die Ver 
letzungen sollen ziemlich schwer sein. 
rg. Büsum, 15. April. Eine Omnibus-Gesell 
schaft hat sich hier gegründet, die drei Linien in 
Betrieb nehmen will, einmal di-: bestehende über 
Hedwigenkoog—Wesselburen nach Heide, eine 
andere über Neinsbüttel nach Heide und eine dritte 
auf der Geest. Die Gesellschaft will die kleinen 
Fordwagen benutzen. 
ns. Friedrichstadt, 15. April. Zigeuner durch 
Feuerwehr abtransportiert. Es hatten sich zu dem 
gestrigen Pferdemarkt bereits einige Tage vorher 
vier Wagen mit Zigeunern eingefunden, die bei 
der Rufsenkuhle in der Nähe der Eiderstraßen- 
brücke lagerten. Diesen 1 Wagen folgten noch 7, 
so daß im ganzen 11 Wagen mit Familien an 
Ort und Stelle waren. Da feite,:s der Polizei 
gegen die zahlreichen Zigeuner nichts auszurichten 
war, wurde gestern abend die Feuerwehr alar 
miert, welche die Gesellschaft über die Stadtgrenze 
nach Stapelholm brachte. Ein Teil zog nach 
Eiderstedt. 
nr. Westlich von Bredstcdt, 15. April. Vom 
Sönke-Nissrn-Koog. Die in früheren Jahren mit 
Tausenden von Schafen belebten gewaltigen grü 
nen Flächen des jetzigen Sönke-Nissen-Kooges ge 
währen jetzt einen ganz anderen Anblick. Schweift! 
der Blick über den alten Außendeich nach Westen,- 
jo sieht man jetzt, so weit das Auge reicht, fast nur 
eine graue Fläche, mit fleißigen Menschen belebt, 
die den fetten Boden für den Ackerbau herrichteu, 
mit zerstreut liegenden kleinen hölzernen Wohn 
lichkeiten. Große Parzellen sind bereits, begünstigt 
durch die Witterung, mit Hafer bestellt. Unter 
den zahlreichen verschiedenen Arbeitsmrschinen 
tritt besonders hervor der große Raupenschlepper, 
der eine Fräsmaschine, die den Boden vollständig 
zerkleinert und mürbe macht, in Tätigkeit setzt. 
nt. JüSek, 16. April. Verschwunden. Der vor 
ca. % Jahren hier zugezogene Landmann Otto 
Braatz ist vor einigen Tagen mit seiner Familie 
plötzlich verschwunden. Er hatte seinerzeit die 
Erich Erichsenfche Landstelle käuflich erworben und- 
sollte am 15. d. M. eine größere Summe an den 
den früheren Besitzer zahlen. Stattdessen ver 
kaufte er den gesamten Viehstapel, die Wagen, 
Geschirre und landwirtschaftlichen Geräte und Aia- 
schinen an einen Nachbarn, schaffte bei Nacht und, 
Nebel seine Hausstandssachen an die Bahn und 
„verreiste" nach Münster in Westfalen. Seine 
Flucht wurde erst bemerkt, als die Milch, die B. 
zur Meierei fuhr, nicht abgeholt wurde. 
A Dörpstedt, 15. April. Die Spar- und Dar- 
lehnskaffe für Dörpstedt und Umgegend hielt am 
11. April ihre ordentl. Generalversammlung ab. 
Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß 
die Genossenschaft sich unter der Leitung ihres 
bewährten Rendanten weiter gut entwickelt,hat. 
Es wurde ein Umsatz von 1116 562,66 Jl und ein 
Reingewinn von 1099,69 Jl erzielt. Auf 114 Spar 
konten waren 23 928 Ji Spareinlagen eingezahlt, 
ein Zeichen, daß der Sparsinn sich wieder regt. 
Im Vorjahre hatte die Kasse die alten Sparkon 
ten (soweit sie in der Lage war) aufgewertet, so- 
daß wieder ein Grundstock vorhanden war. Was 
das zu ļedeuten hat, sehen wir an der Höhe der 
Spareinlagen. Auch soll die Spartätigkeit durch 
Schulfparkassen und Heimsparkafsen, .wovon erst 
mal 100 Stück beschafft werden sollen, gefördert 
werden. Die Einlagen in lfd. Rechnung betrugen 
23214 Jl, die eingezahlten Eeschäftsguthaben der 
Mitglieder 25 430 JL Der Reingewinn wurde 
wie folgt verteilt: 300 Jl in besondere Rücklage, 
100 Jl als Bethülfe für Gründung einer Volks- 
bitliothek in der Dörpstedter Schule, die 3 anderen 
Schulen des Bezirks sollen auf Antrag in den näch 
sten Jahren für den gleichen Zweck dieselbe Bei 
hilfe haben, der Rest wird dem Reservefonds über 
wiesen. Für das ausscheidende Vorstandsmitglied 
Gemeindevorsteher Zoh. Sierts wurde Johann 
Siert-Dörpstedt gewählt. — Der landw. Dezugs- 
verein hatte einen Umsatz von 925 075 Jl; der 
Reingewinn bei diesem war: 416.92 Jl. An Dün 
gemitteln wurden bezogen: 19 093 Ztr., an Futter 
mitteln 1284 Ztr., an Sämereien 25 Ztr. und an 
Kohlen und Koks 1300 Ztr. 
ok. Kappeln, 14. April. Ein wertvolles Ge 
schenk in Gestalt des prachtvollen Bildes „Die San 
ta Maria des Christoph Columbus" wurde der 
Stadt von einem ihrer Bürger gemacht. Der un 
genannt sein wollende Spender hat das Bild zur 
Ausschmückung des Rathaussaales bestimmt. — 
Dis Eeneralpacht über einen größeren Teil der 
städtischen Kleingärten wird der hiesige Obst- ünd 
Gartenbauverein in nächster Zeit übernehmen. 
Der Entwurf des Pachtvertrages ist bereits von 
der Gartenkommisston durchberaten und gutgeheißen 
worden. Es steht nur noch die Genehmigung des 
Stadtverordnetenkollegiums aus. — Für die Er 
mittlung einer vorsätzlichen Brandstiftung, die 
zur Verurteilung der Täter führte, wurde dem 
Oberlandjäger Lausen im benachbarten Arrild ei 
ne Belohnung von 1242 RM. zuerkannt. Weiter 
wurden dem Oberlandjäger Rahn in Faulück und 
dem Tischler Truelsen in Schrepperie für die Auf 
deckung eines Versicherungsbetruges Belohnungen 
von je 300 RM. ausgezahlt. 
Eckernförde, 16. April. Differenzen zwischen 
Magistrat und Bürgermeister. In einer Eilsitzung 
der städtischen Kollegien, in der Beigeordneter 
Aeissen den Vorsitz führte, La der Bürgermeister 
sich krank gemeldet hat, wurde vom Vorsitzenden er 
klärt: Vor einiger Zeit sei ihm in amtlicher Eigen 
schaft zu Ohren gekommen, daß Bürgermeister 
Pönitzsch eine amtliche Urkunde unterzeichnet habe, 
die er nicht ohne Zustimmung des Magistrats, viel 
leicht auch der Kollegien hätte unterschreiben dür 
fen. Auf alle Fälle sei die Urkunde für die Stadt 
nicht verbindlich. Die Sache habe sich aber zu einer 
inneren Angelegenheit für den Magistrat ent 
wickelt. Schon bei früherer Gelegenheit sei der 
Bürgermeister darauf hingewiesen worden, daß er 
die Rechte der Magistratsmitglieder und der 
Stadtverordneten respektieren müsse. Die er 
neute Außerachtlassung der Befugnisse der von 
der Bürgerschaft gewählten und ihr gegenüber ver 
antwortlichen Stadtvertreter habe den Magistrat 
veranlaßt, zu erklären, daß er ohne scharfe Ab 
grenzung der gegenseitigen Befugnisse die Zusam 
menarbeit mit dem Bürgermeister ablehnen 
müsse. Vom Regierungspräsidenten sei ein Ver 
fahren eingeleitet worden, das die Angelegenheit 
klarstellen werde. Er betone, daß Geldinteressen 
der Stadt, nach allem was bekannt sei, nicht ge 
fährdet feien. Bürgermeister Pönitzsch habe mit 
geteilt, daß er durch Ueberänstrengung und infolge, 
der Maßnahmen des Magistrats gesundheitlich so 
angegriffen sei, daß er. seinem Dienst nicht nach- 
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