Bezahlung örr Milch.
Von vr. Hans Dibbern, Kiel.
In Deutschland sind Vezahlungsarten üblich:
1. Bezahlung der Milch nach Literzahl
2. Bezahlung der Milch nach Fettgehalt
3. Bezahlung der Milch nach Butteranteilen
4. Bezahlung der Milch nach Grundpreis und
Fettgehalt.
1. Bezahlung der Milch nach Literzahl.
Diese Bezahlungsart ist vorwiegend in Pri
vatbetrieben Schleswig-Holsteins üblich. Als Ba
sis dient gewöhnlich der Butterpreis, der auf der
Hamburger Butterauktion festgestellt wird.
Die Vezahlungsart nach Literzahl ist wohl
einfach, doch wird sie sich wegen ihrer Ungerechtig
keit nicht lange halten können. Es ist eine Un
billigkeit, daß ein Lieferant mit fettarmer Milch
denselben Preis bekommt wie der mit fettreicher
Milch: Liefert A. beispielsweise 100 Liter Milch
mit 3 Proz. Fett und B. 100 Liter Milch mit 4
Prozent Fett, so können aus der Milch von A. bei
normaler Arbeitsweise 6,7 Pfund Butter, aus der
Milch von B. 9 Pfund Butter gewonnen werden.
Die Kraft, die aufgewendet werden mutz, ist in
beiden Fällen dieselbe. In beiden Fällen gewin
nen wir bei Ibprozentiger Rahmabnahme 83 Kg.
Magermilch (Och Proz.) mit der gleichen Fett-
menge., Der Entrahmungsgrad, d. h. die von der
Milch in den Rahm übergegangene Fettnienge, ist
bei der Milch des Lieferanten B. (mit 4 Proz.)
höher als bei der Milch des Lieferanten A. Der
Fettgehalt des Rahmes würde in diesem Falle bei
der Milch (B.) mit 4 Proz. 26,1 Proz., bei der
Milch (A.) mit 3 Proz. 19,4 Proz. betragen. Wohl
sind die absoluten Verarbeitungskosten in beiden
Fällen die gleichen, doch stellt sich die Verarbei
tung der fettärmeren Milch, auf den Nutzeffekt
-bezogen, relativ teurer. Hinzu kommt noch, daß
die Milchmengen der Kühe mit fettarmer Milch
höher sind als die der Kühe mit fettreicher Milch.
Da das Fett aber der wertvollste Bestandteil der
Milch ist, so ist es ganz natürlich, datz die Entwick
lung nach der Bezahlungsweife nach dem Fettge
halt drängte.
2. Bezahl» î: nach dem Fettgehalt.
Dieser Bezahlungsmodus kommt hauptsächlich
für Genossenschaftsbetriebe mit freier Magermilch-
rücklieferung in Betracht. Es ist dies wohl die
verbreiteste Art der Bezahlung und ihre Zweck-
matz igkeit klar.
Wer soll aber die zahlreichen Fettuntersu
chungen ausführen? Können sie von einem An
gestellten der Meierei ausgeführt werden? In
den meisten Fällen ist diese Frage zu verneinen.
Der Betriebsleiter ist häufig wegen Arbeitsüber
lastung nicht in der Lage, die Untersuchungen
auszuführen. ° Auch kann ein ausgebildeter Meie
rist vielfach schlecht dem Betrieb entzogen werden.
Führt der Betriebsleiter aber die Untersuchungen
aus, so machen ihn vielfach die Lieferanten fett
armer Milch für das Resultat verantwortlich.
Sie fangen an zu nörgeln, verdächtigen den Be
triebsleiter wohl gar, kurz, in den ehemals so ru
higen Betrieb wird Uneinigkeit und Unstimmig
keit hineingebracht. Hinzu kommt noch, datz zwei
Vertrauensleute die Probeentnahme vornehmen
müssen, meistens wollen diese ehrenamtlich ange
stellten Genossen diese Mehrarbeit nicht leisten.
Es empfiehlt sich deshalb, zu diesen Untersuchungen
entweder einen Kontrollbeamten aus dem Kon
trollverein oder ein milchwirtschaftliches Institut,
z. B. die Forschungsanstalt in Kiel heranzuziehen.
Auf keinen Fall darf die Kontrolle ausgeführt
werden von einem Beamten, dessen Anstellung
durch die Meierei selbst erfolgt.
Die Ausbezahlung nach Fettgehalt veranlatzt
die Lieferanten, Milch mit möglichst hohem Fett
gehalt anzufahren.
Wesentlich für den Erfolg der Bezahlung der
Milch nach Fettgehalt ist aber das harmonische
Zusammenarbeiten der Kontrollbeamten mit den
Molkereien. Stimmen die Untersuchungsergcb-
nifse der Kontrollbeamten mit denen der Molke
reien überein, so wird das Mißtrauen der Bau
ern der Molkerei gegenüber allmählich schwinden.
Unterscheiden sich die Resultate voneinander, so
empfiehlt es sich, datz die Meiere, die Untersuchung
zur Beruhigung der Gemüter in einem milchwirt
schaftlichen Laboratorium ausführen läßt. Die
Untersuchung einer Milchprobe kostet in der For-
fchungsanstalt 0,30 Jl. Es genügt, wenn im Mo
nat 3—4 mal Probe von je 10 ccm genommen und
die zusammen in ein Probegläschen pipettierte
Milch einmal im Monat zur Untersuchung in die
Anstalt geschickt wird. Sie bekommen präparierte
Gläser und Kisten von der Anstalt gegen Leih
gebühr gestellt. Selbstverständlich kann das chemi
sche Institut nur für die Richtigkeit der Milch auf
kommen, die eingeschickt wird. Für Flaschenver
wechselungen in der Meierei ist die Anstalt nicht
haftbar zu machen.
Kommen Differenzen in den Analysenergeb
nissen zwischen der Meierei und dem Kontroll
beamten bezw. dem Laboratorium vor, so miß
trauen sie niemandem, sondern suchen sie die Ur
sache in aller Ruhe zu erforschen.
3. Eine dritte Bczahlungsweise ist die nach But-
terantcilen.
Unter Butteranteile versteht man den in Kg.
oder Pfund ausgedrückten Teil der insgesamt er
zeugten Butter einer Molkerei, der aus der an-
gcliefertenMilchmenge einesLieferanten gewonnen
ist. Auch hierbei erfolgt meistens eine restlose
Rückgabe der Rückstände (Buttermilch und Ma
germilch).
Vor allen Dingen verdient die Bezahlung
nach Butteranteilen deshalb den Vorzug, weil
man genau feststellen mutz, welche Buttermengen
ein jeder Genosse eingeliefert hat. Die Meierei
hat durch Addition dieser Summen eine vorzüg
liche Kontrolle in der Hand, ob der Vuttermeier
gut gearbeitet hat, ob die praktischeButterausbeute
sich mit dieser errechneten deckt.
4. Die richtigste Bezahlungsart dürfte wohl, ob
gleich noch nicht so verbreitet, die nach „Fettgehalt
und Grundpreis" sein. Diese Auszahlungsweise
ist dann angebracht, wenn die Magermilch nicht
restlos zurückgeliefert wird, sondern ein gewisser
Prozentsatz durch die Molkerei verarbeitet wird.
In Frage kommt wohl neben dem Frischmilch
vertrieb in erster Linie der angeschlossene Käserei-
betrieb. Zn letzterem Falle wird von der Molke
rei nicht nur das Fett in der Milch, sondern auch
die Stoffe verwertet, die in der Magermilch vor
handen sind. Man verfährt in diesem Falle am
besten so, datz man sich zunächst die Verwertung
eines Liters Magermilch errechnet und diesen
Wert als Grundpreis einsetzt. Zu diesem Grund
preis legt man den errechneten Wert der Fett-
prozente.
Schwierigkeiten werden Ihnen wohl in der
ersten Zeit dis Bestimmungen des Magermilch
preises, des Grundpreises bereiten. Deshalb möch
te ich Sie mit einigen Errechnungsarten des
Grundpreises bekannt machen.
Verwertung der Magermilch
1. zur Ouarkbereitung:
100 Liter Magermilch liefern 18 Pfund Quark
a 13 Pfg. - 2,70 Jl,
1 Liter Magermilch kostet demnach 270/100
= 2,7 Pfg.
2. zur Herstellung von Magerkäse:
100 Liter Magermilch liefern 14 Pfd. Ma
gerkäse a 28 Pfg. — 3,92 Jl,
1 Liter Magermilch kostet demnach 3,92 Pfg.
3. zur Herstellung eines halbfetten Romadurs
packreif:
100 Liier Kesselmilch von 0,9 Proz. liefern
20 Pfund Käse a 23 Pfg. - 10,40 Jl,
davon gehen ab: 100 . 0,9 — 90 FE : 44 =
rund 2 Pfund Butter a 2,— Jl — 4,— Jl,
abzüglich von 10,40 Jl — 6,40 Jl.
1 Liter Magermilch kostet demnach 6,4 Pfg.
Aus diesen Beispielen geht deutlich hervor, datz
die Festsetzung des Grundpreises, des Magermilch-
preises, nicht willkürlich ist, sondern von Fall zu
Fall berechnet werden mutz. Bei Verarbeitung
von % fetten oder vollfetten Käsen ist die Be
rechnungsweise analog.
NRrsMMßÄMkMM-
ilWWlķî»!! isi Den Mktà
Die Zeit des Milchtransportkanneneinküufs
ist wieder da, wo jede Molkerei sich für die kom
mende Saison mit Kannen eindecken mutz und
solche einläuft. Da dürfte es angebracht fein, auf
einen großen Ikebelstand bei den Transportkan-
'önen hinzuweisen, nämlich die so verschiedenen
'Halsweiten der Kannen seitens der verschiedenen
'Fabriken. Welche Unzuträglichkeilen diese ver
schiedenen Kannendeckelgrötzen mit sich bring'
wird jeder Betriebsleiter schon empfunden haben
Die Deckel werden verwechselt, einige liegen lose
auf den Kannen, andere müssen wieder mit Ge
walt in die Kannen geschlagen werden, wodurch
sie natürlich sehr schwer wieder zu lösen sind und
sehr schnell verbraucht werden, die Folge ist in
vielen Fällen eine unangenehme Auseinander
setzung mit den Lieferanten.
Eine Molkerei kann 100 verschiedene Kannen
deckel auf Lager halten, benötigt sie aber mal ei
nen neuen Deckel, ist kein passender dazwischen.
Schutz gegen das Vertauschen der Deckel bietet al
lerdings ein Befestigen derselben an die Kannen
mittels einer Kette, doch sind derartige Befesti
gungen manchmal auch nur von kurzer Dauer
und der frühere Zustand ist wieder hergestellt.
Eine Feststellung der Halsweiten der verschiedenen
Kannen ergab eine Weite von 157 bis 170 Mm.
Für die Molkereien ist es unmöglich, Reservedeckel
aller Matze auf Lager zu halten, um im Falle ei
nes Unbrauchbarwerdens eines Deckels diesen so
fort ersetzen zu können, handelt es sich doch um
Matzabstände bei den vielen verschiedenen Kan
nen um Yi 3U l A Mm.
Ein kleiner Schutz gegen die verschiedenen
Matze der Halsweiten der Milchkannen bietet der
Bezug bezw. der Einkauf von nur einer Fabrik,
doch die Genossen und Lieferanten kaufen nicht im
mer ihre Kannen von der Molkerei, sondern sehr
viele werden bei Kaufleuten und Klempnern ge
kauft und gerade diese handeln mit den seltsamsten
Modellen.
Mein Vorschlag geht nun dahin, und ich möch
te alle Interessenten darum bitten, darauf hinzu
wirken, datz für die Halsweiten der Milchtrans-
portlannen nur 4 Matze in Frage kommen, einer
lei, welches Modell und welcher Typ es sei, näm
lich 156, 160, 165 und 170 Mm. im Lichien. Durch
diesen großen Unterschied ist den verschiedensten
Wünschen der Interessenten, welche enge oder
weite Kannenöffnungen wünschen, ein großer
Spielraum gelassen. Jede Molkerei ist dann in
der Lage, einige Reservedeckel auf Lager zu halten,
um im Falle Fehlens eines Deckels sofort Ersatz
dafür zu geben.
Den Milchkannenfabriken und Geschäften, die
mit Milchtransportkannen Handel treiben, feien
vorstehende Ausführungen zur gefl. Beachtung
besonders empfohlen. F. C. M. in A.
verderben. Gerade zur 'jetzigen Jahreszeit ist
Gefahr groß, weil die schmelzende Wirkung ^
Sonnenlichtes noch nicht gefürchtet wird, währ^
die chemisch zersetzende Wirkung jetzt oftmals stà^
ker ist als zu anderen Jahreszeiten. Burter
hört nicht in das Schaufenster oder an helle Or^>
sondern mutz im Dunkeln aufbewahrt' werdet
Mer durch unsachgemäße Aufbewahrung verdös
bene Butter feilhält, setzt sich der Bestrafung <7
Kleine Mitteilungen.
Butter gehört nicht in das Schaufenster!
Die Nahrungsmitteluntersuchungsstelle an
der Technischen Hochschule in Braunschweig sieht
sich zu folgender Warnung veranlatzt, die allge
mein beherzigt werden sollte: „Kaum fängt die
liebe Sonne etwas mehr an zu scheinen, so kommt
auch wieder Butter zur Untersuchung, die ver
dorben ist, weil sie in den Verkaufsstellen der Son
ne oder dem hellen Tageslicht ausgesetzt war. Di
rektes Sonnenlicht vermag den Geschmack von But
ter in weniger als einer Viertelstunde total zu
Grund der Nahrungsmittelgesetze aus, ganz $ '
gesehen davon, daß er sich an seinen Mitmciķ"
versündigt, wenn er ein so wertvolles Nahruķ'
mittel verderben läßt."
Zu kaltes Trinkwaffer für die Kühe oerursaķ
häufig Verdauungsbeschwerden und Pcrweķ
Auch die Milchproduktion wird stark beeinträchtig
Wissenschaftliche Versuche haben ergeben, datz
mals Wasser unter 10 Grad den Tieren oeşş
reicht werden darf.
Das Kälbersterben in den ersten Tagen
der Geburt ist in vielen Füllen auf schlechte ^
nährung zurückzuführen. In den ersten 8-^f:
Tagen kommt für das Kalb nur die Mutterrşş
in Frage.
àsàĶftm.
Kann eine Milch von 4,5—5 Proz. nach ^
Fettgehalte bezahlt werden oder hat die 3W lt
das Recht, Abstriche von den Fettprozenten zu
chen? H. O. in
In dieser oder jener Gegend, z. in einst
Meiereien Angelns, ist tatsächlich ein Hochsisettg
halt von 4,5 Proz. festgesetzt worden. Fettproze»
über 4,5 hinaus finden bei der Auszahlung kci
Berücksichtigung, da man annimmt: ^
1. datz eine so fettreiche Milch nnr von altmiķ
den Kühen stammen kann, deren Milch zälşş
siger ist, und im allgemeinen das Fett in klş
ren Tröpfchen enthält. Je größer aber die A
zahl der kleinen Fettkügelchen ist, desto mş
Fett wird in der Magermilch zurückbleibe»'.^
h. die kleinen Fettkügelchen werden niĢ ^
dem Matze von der Zentrifuge erfaßt als
größeren und gehen infolgedessen nicht in r
Matze mit in den Rahm über wie bei **
Milch einer anderen Laktationsperiode.
2. daß der Rahm einer solchen Milch altmsi^,
der Kühe aus dem unter 1 angegebenen
de nicht so gut ausbuttert, also etwas »
Fett in der Buttermilch zurückbleibt. Dk.
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