Ur. 78
Zweites Visit
KeeîtķH
2. April Y
Schleswig-Holstein.
Weiler« provinzielle Nachrichten siede 1. Blatt S. Seit»
Uordschlsswigfahrl
der Kärntner MoLkshochfchMer
aus Aendsburg.
Wie im vergangenen Jahr so machte auch 1926
der Kieler akademische Grenzbund seine Nordschleswig-
wandevung, in der er durch das abgetrennte Gebiet
von Tondcrn bis zur Ostküste und an ihr heraus über
Asien bis Hadersloben zog. Diesmal beteiligten sich
»in« Woche lang die 7 Kärntner Bolksbochschüler aus
Rendsburg unter Führung von Dr. Laack an der Reise,
die im ganzen 2% Wochen dauerte und am 16. März
ihren Abschluß fand.
Die Fahrt hatte den Zweck, die Deutschen im ab-
setrenntBn Gebiet zu besuchen, ihnen zu zeigen, daß
das deutsche Volk und besonders der Schleswig-Hol
steiner südlich der Grenze, daß die Jugend sie wicht ver
gißt und sie nicht läßt: die Verbindung von hüben
Und drüben sollte enger von Mensch zu Mensch gezo
gen werden, wir wollten zeigen, wie wir leben und
arbeiten; die Grenz- und Ausländsdeutschen unter uns
(es waren außer den Kärntnern vor allem Sieben-
bürger Sachsen und Banaler Schwaben), sprachen von
ihren Nöten und Kämvien um ihr deutsches Volkstum
und stellten sie in Verbindung zu dem Ringen nördlich
der neuen dänischen Staatsgrenze. Wir alle wollten
>n Nordschleswig Land und Leute kennen lernen, sei
nen Grenzergeist spüren und von ihni befruchtet unsere
Arbeit im Reich und an seinen Grenzen leisten.
Und das kann im voraus schon gesagt werden:
wir haben einen starken Eindruck von dem herrlichen
Land und seinen Bewohnern, von ihrem Ringen um
die deutsche Seele erhalten. Die Fahrt hat in jedem
der Teilnehmer den Gedanken der kulturellen Perb-un-
denhsit des deutschen Volkes gestärkt und die Mahnung
nüiöe@®fi«n, tin zähen Ringen von Volkstum gegen
Ņolkstum, wie es in Nordschleswig der Fall ist, das
bffl des großdeutschen Dolksstaates nicht aus den Au-
8en m verlieren.
Kleber di« Schwierigkeit der Begehung dieses We-
ges allerdings konnte sich jeder tagtäglich im abgetrennt
ìen Gebiet klar werd sir. Wie in jedem aàren Grenz,
strict, st sind auch hier die deutschen Siedlungen viel
fach Streusiedlungen, umgeben von einer zähen dänt-
>cheu Bevölkerung, die in starker kultureller Verbun-
^Eeit im Kamvf steht; ein Bewahren des Deutsch-
jetzt deshalb große innere Festigkeit voraus und
Ģt. eine gute BerbtnduŞg zwischen den Deutschen
eY r, ‘ e Wiege unseres Volkstums in Sprache, Schule,
' , cn öur allerdings schweren Notwendigkeit. Aber
auch da. geschlossenes deutsches Gebiet ist, steht doch
' ."ļ. ihm ein dänischer Staat, der durch sein« vlan-
Wi^rg« Entdeutschangsarbeit auch innerlich dem deut-
scheu Volk rauben will, was er ihm äußerlich, obwohl
als erne unverdiente Frucht des Sieges der Entente,
durch di« Lamdabtrennung genommen hat. Deshalb
sollte auch der Deutsche südlich der Grenze mehr Anteil
an dem Schicksal der Deutschen in Nordschleswig neh
men und sie stütze», wo es nur geht. Besonders ist
das von der jungen Generation erwünscht, die eine an
dere. lebenskräftigere Anschauung von dieser Deutsch-
^umsarbeit hat, als es die im starren Staat der Vor-
^egszeit aufgewachsensn und geschulten Menschen ge
wöhnlich haben.
Und nun kam die Jugend zu den Jungen und zu
" e, t im Kamps jung gebliebenen Alten in RordschKs-
wig. Ez war sine große Freude auf beiden Seiten.
Derselbe Geist, der schon auf der im Februar gewesenen
'àgendbundtasung in der Volkshochschule Tinglest zu
'vüren war, dies« Erkenntnis: .Aast ich, st rost ich"
durchpulste auch die junge Schar, die wir in Graven-
şîein zuerst trafen, zeigte sich auch in den nordschles-
wsaschen Menschen, die wir dort oben kennen lernten.
alles gefiel uns an den Veranstaltungen, au
venen wir teilnahmen, mehr innerliche Kultur ver
fügten wir oft auf Helden Seiten, mehr junges
^ ^îpferbewuhtsein, nicht behagliches Ausruhen, aber
-s liegen hier ja auch Erziehungsanfgaben wie Lei
Mem deutschen Menschen vor, di« nicht gering einzu-
. ' al3en sind. Die Schwere der Aufgabe verlangt neue.
'»»erlich starke und jung« Menschen; die Zeit arbeitet
yrer fjjr uns.
(Fortsetzung folgt.)
^ TLLfsee-Nerwertungs-A.-G.
zukunftsreiche industrielle Anlage in Vüsum.
kunşt " "euer Industriezweig, dem eine große Zu-
im G verausgabt wird, ist im Nordseebad Büsum
d» ^stehen begriffen. Das Badeleben wird nicht
undNeuanlagen gestört, die zwischen Büsum
^ ^ Deichhaufen unmittelbar am Seedeich errichtet
vle die neue Fabrik sind große Landkom-
n, I? angekauft, die von der holländischen Firma
HÄ o I,Us u ' Go - finanziert wurden. Die geschäst-
eii^E Leitung für Deutschland liegt in den Händen
m;r j 5 deutschen Fachmannes, der mit seiner Fa-
d^-tş n in Ņûsum eingetroffen ist. Es Han
um v m ì>em neuen Unternehmen hauptsächlich
den J- 6 älwendung des sogenannten Beifanges,
könn şşĢier in der Regel schlecht verwenden
nen und der häufig wieder über Bord geht. In
Mşi^epen Fabrikanlage sollen Maschinen errichtet
run. en ’f" ^îesen Beifang der menschlichen Nah-
Anl^ Zufuhren. Sehr zustatten kommt der neuen
die Erfindung der Siemons-Schickert-
dew * aeuen Hartstahl fabrizieren, der trotz-
NZg.. .stisch ist. Der Fabrik gegenüber soll im
jil 1 ein großes Bassin errichtet werden, wo die
^er bei Flut direkt anlegen und den Beifana.
namentlich junge Aale, von denen die Nordsee
neuerdings wimmelt, direkt vom Schiff in das Bas
sin schaufeln. Drei große Elevatoren schaffen den
Beifang sofort nach einer Siebreinigung an die
Walzen. Infolge einer patentierten Vorrichtung
der Walzen erhalten hier die jungen Aale durch
das Pressen die Form von Schollen. Die Tiefsee-
Vevwertungs-A.-E. wird also imstande sein, künst
liche Schollen zu einem außerordentlich billigen
Preis« in den Handel zu bringen. Namhafte Fir
men in Heide haben sich zu einem Konsortium zu
sammengeschlossen, um den Versand gleich nach
allen Teilen der Provinz und den benachbarten
Großstädten aufzunehmen. Techniker sind beauf
tragt, eine elektrische Schwebebahn von Büsum
nach Heide zu errichten, bei starker Rentabilität
dieses Betriebes soll das Bahnnetz über die ganze
Provinz verbreitet werden.
Ansgsr-Feier in Schleswig.
KNS. Am 16. und 16. Mai soll in Schleswig
zum Andenken an die Einführung des Christen
tums vor 1100 Jahren eine Ansgar-Feier abgehal
ten werden. Im Sommer 826 kam Ansgar, den
die Kirchengefchichte den Apostel d. Nordens nennt,
von dem Kloster Corvey an der Weser als Beglei
ter des dänischen Fürsten Harald an die Schlei, fing
hier an zu predigen und gründete eine Schule. Sein
Werk, dem sein ganzes Leben galt, hat mit Wider
ständen und Schwierigkeiten, die ungeheuer
waren, zu kämpfen gehabt, es ist aber nicht unter
gegangen, sondern eine Saat geworden, die doch
Frucht gebracht hat. Wie im Jahr« 1826 das tau
sendjährige Gedächtnis an jenen Mann und seine
Zeit gefeiert ist, so soll es auch jetzt geschehen. Für
Sonnabend, den 16. Mai, sind Iugendgottesdienste
und ein Kirchenkonzert im Dom in Aussicht ge
nommen. Am Sonntag, dem 16. Mai, werden in
den Kirchen zu Schleswig und Haddeby um 9 Uhr
Festgottesdienfte gehalten, um 11 Uhr findet im
altehrwürdigen Dom die Haupt feier statt. Am
Nachmittag soll ei» Umzug die Festteilnehmer
durch d ieStadt führen, und tm Anschluß daran sol
len in einer oder mehreren Versammlungen An
sprachen gehalten werden. Für den Mend ist eine
Aufführung von „Glaube und Heimat" geplant.
*
Keine preußischen Staatsmittel für die deutschen
Schulen Nordschlcswigs.
kns. In der Press tauchten kürzlich Nach
richten darüber auf, daß im preußischen Etat Mit
tel für die deutschen Schulen im abgetretenen
Nordschleswig ausgeworfen feien. Nach an zu
ständiger Stelle eingezogenen Erkundigungen kann
mitgeteilt werden, daß in dem preußischen Staats
haushalt keinerlei Mittel für die deutschen Schu
len des an Dänemark abgetretenen Gebiets ein
gestellt sind.
*
* Helgoland, 1. April. Römer auf Helgo
land. In einem Aufsatz der „Gartenlaube", der
sich mit Helgoland, seiner Geschichte und seinen
Bewohnern befaßt, wird geschrieben, daß Drusus
auf einer Schiffsexpedition nach Helgoland ver
schlagen wurde. Von den Chauken, heißt es da,
einem Schiffahrt treibenden Küstenstamm an der
Weser, ließ er Schiffe bauen, um damit die See zu
durchqueren. Ob die rauhen Söhne dieser rauhen
Küste nicht höhnisch des stolzen Römers Unter
nehmen beobachteten? Sicher empfanden sie kein
Mitleid, als schon nach wenigen Tagen die Trüm
mer der ersten Nordseeflotte angespült wurden.
Drusus selbst berichtete nach Rom, daß er mit sei
nem Fahrzeug an einen wüsten Felsen verschlagen
wurde, an dessen Klippen er sein Unglück beklagte.
Es kann sich da nur um Helgoland handeln.
Altona, 31. März. Eine Osterspende für die
Altonaer Erwerbslosen. Magistrat und Mohl-
fahrtskommisston beschlossen, an die Erwerbslosen
nach individuellem Ermessen Lebensmittelgutscheine
auszugeben. Für diese Notstandsmaßnahme wer
den 30 000 Jl bereitgestellt.
Halstenbek» 31. März. Postraub. Von einer
Postkarre wurde ein Sack gestohlen, der einen gro
ßen Vriefbeutel mit verschiedenen Briefen und
Einschreibbriefen, sowie einen kleinen Briefbeutel
mit Einschreibpapieren (1800 Jl Inhalt) enthielt.
Elmshorn, 31. März. 3000 Jl Belohnung
für ermittelte Brandstifterin. Dem Oberlandjäger
Schwager in Ellerhop wurde die von der Landes-
brandkasie ausgesetzte Belohnung von 6000 Jl für
Ermittlung einer Brandstifterin ausgezahlt. Der
Beamte verhaftete im Herbst v. I. die Witwe D.
in Bevern unter dem dringenden Verdacht der
Brandstiftung an dem Gebäude des Kätners Wien-
ken in Bevern. Durch das Gericht wurde die
Witwe trotz ihres Leugnens der Tat überführt
und verurteilt.
fp. Heide, 31. März. Vorläufige Stillegung
des Bergwerks Hölle bei Heide? Der größte Teil
der Beamten, Angestellten und Arbeiter haben
eine Kündigung zum 1. Mai d. I. erhalten, da
nach wird das Werk, das feit längeren Jahren
vielen Leuten Beschäftigung und Verdienst gab,
einstweilen den Betrieb einstellen. Der Grund ist
nicht zu erfahren. Dem Vernehmen nach wird die
mit dem Werk verbundene Sandsteinfabrik, die sich
eines großen Absatzes erfreuen soll, weitergeführt,
so daß hier noch ein Teil der Arbeiter lohnenden
Verdienst findet.
Wyk auf Föhr, 31. März. Brennendes
Schiff. Das im Hafen liegende Schiff „Christa" des
Kapitäns Peter Nissen, mit Kalk und Holz an
Bord, geriet in Brand. Das Feuer konnte bald
gelöscht werden, doch ist die Holzladung schwer in
Mitleidenschaft gezogen worden.
mp. Niebüll-Deezbüll, 1. April. Eemeindevcr-
tretersitzung. In der gestern abgehaltenen Gemeinde
vertretersitzung wurde das Schulgeld für die Berufs
schule auf 80 M für jeden auswärtigen und auf 15 Jl
für jeden Niebüller Schüler festgesetzt. Dem Antrag
des Turnvereins auf Uebernahme der Stromkosten
für die Benutzung der Turnhalle der Friedrich-Paulfen-
Schule wurde von der Gemeinde zugestimmt. Für die
Reichsgesundheitswoche wurden 50 Jl bewilligt. Be
schlossen wurde feiner, über den Platz südlich des
Bahnhofshotels eine 7 Meter breite Fahrstraße mit
einem 2% Meier breiten Fußsteig an Leiden Seiten
zu bauen. Ausführlich berichtet wurde über di« letzte
Sitzung des Kleinbahnverbandes.
□ Flensburg, 31. März. Die städtischen Kol
legien brachten in einer Nachtfitzung die Beratung
des städtischen Haushaltsplanes für 1926 zu Ende.
Der Etat wies ein Defizit von über 1 Million
Mark auf, das durch Kürzung der Ausgaben be
seitigt werden konnte, 58 009 Jl, die eingespart
weiden konnten, werden je zur Hälfte der Ge
werbesteuer und Hauszinssteuer zugute kommen,
8000 Jl werden zur steuerlichen Erleichterung für
die Gastwirte verwendet. Die Gewerbesteuer be
trägt demnach 770 Proz., die Hauszinsstouer 90
Proz. — Vergiftet hat sich in seiner Wohnung der
Apotheker U.
X Schleswig, 31. März. Zn der städtischen
Kiesgrube im FriedrichsScrg verunglückt ist der
Arbeiter Stevers. Ein Stein war ins Rutschen
geraten und hatte größere Sandmassen in Bewe
gung gefetzt. Der Stein fiel dem Verunglückten
auf die Brust und verursachte innere Verletzungen.
+ Eckcrnsörde, 31. März. Ein Prozeß des
früheren Bürgermeisters gegen die Stadt. Der
frühere Bürgermeister von Eckernförde, Dr. Albert,
der seinerzeit wiegen politischer Verhältnisse aus
dem Amte scheiden mußte, hat jetzt gegen die Stadt
einen Prozeß angestrengt auf Nachzahlung seines
Gehaltes vom Jahve 1921 ab, Weiterzahlung des
Gehaltes bis zur Vollendung seines 65. Lebens
jahres und Zahlung des gesetzlichen Ruhegehaltes
von diesem Zeitpunkt an.
Eckernsörde, 31. März. Dir städtischen Kolle
gien setzten das Schulgeld für das Reformreal
gymnasium auf 200 Jl jährlich fest. Für Schüler,
die außerhalb des Kreises Eckernförde ihren Wohn
sitz haben, beträgt das Schulgeld 260 Jl. Für die
höhere Mädchenschule wurde das Schulgeld eben
falls erhöht, und zwar auf 150 Jl, für Auswärtige
186 JL Das Stadtverordnet en-Kollegium trat
dann zu einer Sitzung zusammen. Sein Amt als
Stadtverordnetenoorsteher hatte der Stadtverord
nete Hans Reimers niedergelegt. Zum Stadtver
ordnetenoorsteher wählte das Kollegium den Kaf
feehausbesitzer Hudemann, erster Stellvertreter
wurde Kaufmann Wulf. Reu geschaffen wurde
das Amt eines zweiten stellvertretenden Stadtver-
ordnetenvorftshers. Diese Wahl fiel auf den
Arbeiter Kemper.
wt. Eckernsörde. 1. April. Ein Heldengrab. Der
Gedenktag von Eckernförde, der sich am Ostermontag
(8. April) zum 77. Male jährt, weckt auch die Erinne
rung an den braven Fischer Wilhelm Georg Andreas
Föh auf Vogelfang, der gleich Theodor Preußer an je
nem denkwürdigen Tage seinen Tod bei dem Versuche
fand, Mannschaften von dem brennenden dänischen
Kriegsschiff „Christian VII!" zu retten. Auf dem Fried
hof des nahen Vorby hat der Brave sein Grab gefun
den. Die Inschrift berichtet: „W. E. A. Föh geb. den
20. Februar 1820, gest. den 5. April 1849. Dem An
deuten eines Mannes geweiht, der seinen Tod bei Ret
tung von Fcindesleben fand." Man wird auch in kom
menden Zeiten nicht dieses schlichten Keldengrabes
vergessen.
-st Damendorf, 31. März. Ein Zweifamilien
haus niedergebrannt. Das Zweiwohnungshaus
des Tischlermeisters Gustav Mahl in Glind,esmoor,
welches von dein Arbeiter I. Breihahn mitbewohnt
wird, brannte nachts total nieder. Bei Mohr ist
das Inventar größtenteils gerettet worden, da
gegen ist bei Breihahn alles verbrannt. Diese Fa
milie mußte ohne Kleidung das Haus verlassen.
x. Neumünster, 31. März. Die Sandestagung
der Berufsschulleherr Schleswig-Holsteins fand am
heutigen Mittwoch ihren Abschluß, nachdem im
Laufe des gestrigen Abends Oberregierungsrat
Prof, Taubner einen Vortrag gehalten hatte über
das Thema „Mitarbeit an der Bildung des Volks
geschmacks als wirtschaftliche und kulturelle Auf
gabe der Berufsschule". Im Mittelpunkt der Ver
anstaltungen des heutigen Mittwochs stand ein
Vortrag von Dr. Adolf Damaschke-Berlin über die
„Bedeutung der Bodenreform für Lehrerstand und
Lehrerarbeit". Der Vortrag war auch von hie
sigen Einwohnern stark besucht, die vor überfülltem
Saale gemachten Ausführungen des bekannten
Redners lösten langanhaltenden Beifall aus. Die
3tägige Landestagung fand ihren Abschluß durch
einen Vortrag des Syndikus des Deutschen Maler-
verbandes, Frincke-Hamburg über „Neue Wege in
der Lehrlingsausbildung". Nach gemeinfamer Be
sichtigung der Werk»Ausstellungen in mehreren
hiesigen Schulen verließen die Teilnehmer mit den
Abendzügen unsere Stadt. — Schüler als Ein
brecher. Seit Anfan,g Dezember v. I. wurde einem
Kaufmann am Mühlenhof fortgesetzt Schokolade
gestohlen, ohne daß der Polizei die Ermittelung
der Diebe gelang. Gestern endlich ertappte man
2 Schuljungens dabei, wie sie sich mit einem Diet
rich Eingang zum Laden verschaiii batten. Sie
gaben zu. in etwa 10 Fällen sich mittels Einbruch-
jedesmal durchschnittlich 8 Tafeln Schokolade ge»
stöhlen zu haben. " ,' Y
Kiel, 31. März. Taufe des Flettner-Rotor-
fchiffes Baden-Baden. Heute vormittag fand die
Taufe des nach Amerika gehenden Flettner-Rotor»
schiffes „Baden-Baden" statt. Auf der Germania-
werft hate sich eine kleine Zähl von geladenen
Gästen eingefunden. Anton Flettner begrüßte die
Gäste und gab einen kurzen Ueberblick über das
bisherige Schicksal seines Rotorschiffes, das jetzt
seine Reise nach Amerika antritt. Frau Flettner
taufte dann das Schiff, das bisher den Namen
„Buckau" führte, mit den Worten: „Ich taufe Dich
auf den Namen Baden-Baden". 1
ns. Friedrichstadt, 31. März. Zn der gestrigen
Stadtverordnetensitzung wurde der Antrag der beiden
Polizeiangestellteu Kruse und Greve auf Bewilligung
eines Kindergeldes von je 90 Jl abgelehnt, da sie
schon früher einen einmaligen Zuschuß von 100 Jl
erhalten haben. Der Haushaltungsplan für 1926
wurde in Einnahme auf 193 000 Mark, in Ausgabe
auf 230 000 Jl festgestellt. Der 37 000 M betragende
Fehlbetrag ist durch Grundvermögens- und Gewerbe
steuer zu decken. Da voraussichtlich der frühere Rat-
mann und Nachtwächter Mechaniker Franzen in den
Ruhestand tritt, soll vorläufig die Besetzung der zwei
ten Wächterstelle unterbleiben. Penfionsberechtigt
sind die Wächter nur hier und in der Stadt Wedel.
Beantragt war für den Bürgermeister für 1926 eine
Dienftaufwands-Entschädigung von 1200 Jl. Bewil
ligt wurde eine solche von 660 Jl. — Das Armenkolle-
gium hat für 10 Erwerbslose, falls sie durch Krank
heit mit der Familie in Rot geraten sind, je 20 Jl
bewilligt. An Stelle des verstorbenen Schäftefabrikan-
ten Friedr. Elaußen wurde der Inhaber der Eisen
waren- und Kohlenhandlung Peter Elaußen zum
Armenvorsteher gewählt.
x. Eroßcnaspe, 31. März. Wegen fortgesetzten
Torfdiebstahls verurteilte das Schöffengericht in
Neumünster den hiesigen Landmannssohn K. zu
5 Wochen Gefängnis. Nachdem das Gericht vor
kurzem vergeblich gegen ihn verhandelt hatte,
konnte er heute durch ein größeres Zeugenaufgebot
der Tat überführt werden. Bestohlen wurde die
Torswerks-A.-E. Hafenmoor.
s. SchLlldorf, 31. März. Wasiergenosienschast
zur Regulierung des Linnbektales in SchLlldorf. Am
Donnerstag, den 28. März, fand in der Struckschen
Gastwirtschaft hierselbst die vom Landrat einberufene
erste Generalversammlung der kürzlich gebildeten
Wasiergenosienschaft zur Regulierung des Linbektales
statt, zwecks Vornahme der Wahl des Vorstandes. Es
wurden gewählt: Zmn Verbandsvorsteher: Konsul
Entz-Rendsburg, zum Stellvertreter: Sandmann Claus
Slruck-Schülldorf, zu Beisitzern: Gemeindevorsteher
Ströh-Ohe, Gemeindevorsteher Harder-Haßmoor, Ge
meindevorsteher Joh. Struck-SchüWorf. Außerdem
wurden gewählt: Vier stellvertretende Beisitzer, je
zwei Schiedsgerichtsbeisitzer und Stellvertreter und 10
Ausschußmitglieder.
Kleine Provin^chronik.
Gestern wurde in aller Stille auf dem Kirch
hof in Bergenhusen ein Monarch der Landstraße
beerdigt. Der Mann wurde bei der Sandschleuse
in einem Wasiergraben ertrunken aufgefunden.
Ob Selbsttötung oder Unglücksfall vorliegt, ist un
bekannt. Die Leiche soll längere Zeit im Wasser
gelegen haben. Den Papieren nach soll er in Hu
sum geboren sein. — Beim Spielen fiel der Sohn
des Homöopathen Schröder in Flensburg in den
Mühlenstrom. Der Knabe schlug beim Fallen mit
dem Kopf auf einen Stein und mußte, nachdem er
erhebliche Kopfverletzungen davontrug, nach An
legung eines Notverbandes per Auto in die elter
liche Wohnung überführt werden. — Sein 50jäh-
riges Eefchäftsjubiläum feiert« gestern der in der
Umgegend Flensburgs sehr bekannte Dachdecker
Nielsen in Engelsby. — Der Privatier Detlef
Struve in Breiholz hat wegen feines Alters seinen
Posten als Schiedsmann niedergelegt. Dafür ist
vom Kreistag der Hufner Jacob Rohwer gewählt
worden. Struve hat das Amt 21 Jahre geführt,
in der Zeit 62 Termine abgehalten und zur Zu
friedenheit seiner Vorgesetzten gearbeitet.
Am heutigen Tage hat der Lehrer Jessen in
Westerrönfeld 25 Jahre im Volksschuldienst gestan
den und zwar alle Jahre im hiesigen Orte. Er
feiert also gleichzeitig Orts- und Dienstjubiläum.
— In Schlußdorf brannte das Wohnhaus des
Arbeiters Hemrich Gerten vollständig nieder. —
Seit einiger Zeit treiben wildernde Hunde in
Wohlde ihr Unwesen. So wurden dem Laàranu
Muhl vier Schafe von diesen Untieren zerrissen.
Auch anbete Landleute haben erhebliche Einbuße
unter ihrem Tierbestand erlitten. — Der vier
jährige Sohn des Landmannes Rich. Peterfen-Ost-
Bargum wurde von einem Schaf überrannt und
kam dabei so unglücklich zu fall, daß der herbeige
rufene Arzt einen Oberschenkelbruch feststellte. °—
Bei dem Hofbesitzer Peter Lorenzen in Wettrings
hof ist ein zweijähriger Ochse im Trinkbassin er
trunken.
Familienjubiläen.
Am 13. April können Tischlermeister Christian
Storm und Frau in Arnis das Fest der goldenen
Hochzeit begehen.
Das Fest der goldenen Hochzeit begingen im
Familienkreis der frühere Hofbesitzer N. Mangel-
sen und Frau in Flatzby. Während der Jubilar,
ein Mitkämpfer von 70/71, sich noch allgemeiner
Rüstigkeit erfreut, machen sich bei der Iubilari»
schon Spuren des Alters bemerkbar.
i: