Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

Ur. 78 
Zweites Visit 
KeeîtķH 
2. April Y 
Schleswig-Holstein. 
Weiler« provinzielle Nachrichten siede 1. Blatt S. Seit» 
Uordschlsswigfahrl 
der Kärntner MoLkshochfchMer 
aus Aendsburg. 
Wie im vergangenen Jahr so machte auch 1926 
der Kieler akademische Grenzbund seine Nordschleswig- 
wandevung, in der er durch das abgetrennte Gebiet 
von Tondcrn bis zur Ostküste und an ihr heraus über 
Asien bis Hadersloben zog. Diesmal beteiligten sich 
»in« Woche lang die 7 Kärntner Bolksbochschüler aus 
Rendsburg unter Führung von Dr. Laack an der Reise, 
die im ganzen 2% Wochen dauerte und am 16. März 
ihren Abschluß fand. 
Die Fahrt hatte den Zweck, die Deutschen im ab- 
setrenntBn Gebiet zu besuchen, ihnen zu zeigen, daß 
das deutsche Volk und besonders der Schleswig-Hol 
steiner südlich der Grenze, daß die Jugend sie wicht ver 
gißt und sie nicht läßt: die Verbindung von hüben 
Und drüben sollte enger von Mensch zu Mensch gezo 
gen werden, wir wollten zeigen, wie wir leben und 
arbeiten; die Grenz- und Ausländsdeutschen unter uns 
(es waren außer den Kärntnern vor allem Sieben- 
bürger Sachsen und Banaler Schwaben), sprachen von 
ihren Nöten und Kämvien um ihr deutsches Volkstum 
und stellten sie in Verbindung zu dem Ringen nördlich 
der neuen dänischen Staatsgrenze. Wir alle wollten 
>n Nordschleswig Land und Leute kennen lernen, sei 
nen Grenzergeist spüren und von ihni befruchtet unsere 
Arbeit im Reich und an seinen Grenzen leisten. 
Und das kann im voraus schon gesagt werden: 
wir haben einen starken Eindruck von dem herrlichen 
Land und seinen Bewohnern, von ihrem Ringen um 
die deutsche Seele erhalten. Die Fahrt hat in jedem 
der Teilnehmer den Gedanken der kulturellen Perb-un- 
denhsit des deutschen Volkes gestärkt und die Mahnung 
nüiöe@®fi«n, tin zähen Ringen von Volkstum gegen 
Ņolkstum, wie es in Nordschleswig der Fall ist, das 
bffl des großdeutschen Dolksstaates nicht aus den Au- 
8en m verlieren. 
Kleber di« Schwierigkeit der Begehung dieses We- 
ges allerdings konnte sich jeder tagtäglich im abgetrennt 
ìen Gebiet klar werd sir. Wie in jedem aàren Grenz, 
strict, st sind auch hier die deutschen Siedlungen viel 
fach Streusiedlungen, umgeben von einer zähen dänt- 
>cheu Bevölkerung, die in starker kultureller Verbun- 
^Eeit im Kamvf steht; ein Bewahren des Deutsch- 
jetzt deshalb große innere Festigkeit voraus und 
Ģt. eine gute BerbtnduŞg zwischen den Deutschen 
eY r, ‘ e Wiege unseres Volkstums in Sprache, Schule, 
' , cn öur allerdings schweren Notwendigkeit. Aber 
auch da. geschlossenes deutsches Gebiet ist, steht doch 
' ."ļ. ihm ein dänischer Staat, der durch sein« vlan- 
Wi^rg« Entdeutschangsarbeit auch innerlich dem deut- 
scheu Volk rauben will, was er ihm äußerlich, obwohl 
als erne unverdiente Frucht des Sieges der Entente, 
durch di« Lamdabtrennung genommen hat. Deshalb 
sollte auch der Deutsche südlich der Grenze mehr Anteil 
an dem Schicksal der Deutschen in Nordschleswig neh 
men und sie stütze», wo es nur geht. Besonders ist 
das von der jungen Generation erwünscht, die eine an 
dere. lebenskräftigere Anschauung von dieser Deutsch- 
^umsarbeit hat, als es die im starren Staat der Vor- 
^egszeit aufgewachsensn und geschulten Menschen ge 
wöhnlich haben. 
Und nun kam die Jugend zu den Jungen und zu 
" e, t im Kamps jung gebliebenen Alten in RordschKs- 
wig. Ez war sine große Freude auf beiden Seiten. 
Derselbe Geist, der schon auf der im Februar gewesenen 
'àgendbundtasung in der Volkshochschule Tinglest zu 
'vüren war, dies« Erkenntnis: .Aast ich, st rost ich" 
durchpulste auch die junge Schar, die wir in Graven- 
şîein zuerst trafen, zeigte sich auch in den nordschles- 
wsaschen Menschen, die wir dort oben kennen lernten. 
alles gefiel uns an den Veranstaltungen, au 
venen wir teilnahmen, mehr innerliche Kultur ver 
fügten wir oft auf Helden Seiten, mehr junges 
^ ^îpferbewuhtsein, nicht behagliches Ausruhen, aber 
-s liegen hier ja auch Erziehungsanfgaben wie Lei 
Mem deutschen Menschen vor, di« nicht gering einzu- 
. ' al3en sind. Die Schwere der Aufgabe verlangt neue. 
'»»erlich starke und jung« Menschen; die Zeit arbeitet 
yrer fjjr uns. 
(Fortsetzung folgt.) 
^ TLLfsee-Nerwertungs-A.-G. 
zukunftsreiche industrielle Anlage in Vüsum. 
kunşt " "euer Industriezweig, dem eine große Zu- 
im G verausgabt wird, ist im Nordseebad Büsum 
d» ^stehen begriffen. Das Badeleben wird nicht 
undNeuanlagen gestört, die zwischen Büsum 
^ ^ Deichhaufen unmittelbar am Seedeich errichtet 
vle die neue Fabrik sind große Landkom- 
n, I? angekauft, die von der holländischen Firma 
HÄ o I,Us u ' Go - finanziert wurden. Die geschäst- 
eii^E Leitung für Deutschland liegt in den Händen 
m;r j 5 deutschen Fachmannes, der mit seiner Fa- 
d^-tş n in Ņûsum eingetroffen ist. Es Han 
um v m ì>em neuen Unternehmen hauptsächlich 
den J- 6 älwendung des sogenannten Beifanges, 
könn şşĢier in der Regel schlecht verwenden 
nen und der häufig wieder über Bord geht. In 
Mşi^epen Fabrikanlage sollen Maschinen errichtet 
run. en ’f" ^îesen Beifang der menschlichen Nah- 
Anl^ Zufuhren. Sehr zustatten kommt der neuen 
die Erfindung der Siemons-Schickert- 
dew * aeuen Hartstahl fabrizieren, der trotz- 
NZg.. .stisch ist. Der Fabrik gegenüber soll im 
jil 1 ein großes Bassin errichtet werden, wo die 
^er bei Flut direkt anlegen und den Beifana. 
namentlich junge Aale, von denen die Nordsee 
neuerdings wimmelt, direkt vom Schiff in das Bas 
sin schaufeln. Drei große Elevatoren schaffen den 
Beifang sofort nach einer Siebreinigung an die 
Walzen. Infolge einer patentierten Vorrichtung 
der Walzen erhalten hier die jungen Aale durch 
das Pressen die Form von Schollen. Die Tiefsee- 
Vevwertungs-A.-E. wird also imstande sein, künst 
liche Schollen zu einem außerordentlich billigen 
Preis« in den Handel zu bringen. Namhafte Fir 
men in Heide haben sich zu einem Konsortium zu 
sammengeschlossen, um den Versand gleich nach 
allen Teilen der Provinz und den benachbarten 
Großstädten aufzunehmen. Techniker sind beauf 
tragt, eine elektrische Schwebebahn von Büsum 
nach Heide zu errichten, bei starker Rentabilität 
dieses Betriebes soll das Bahnnetz über die ganze 
Provinz verbreitet werden. 
Ansgsr-Feier in Schleswig. 
KNS. Am 16. und 16. Mai soll in Schleswig 
zum Andenken an die Einführung des Christen 
tums vor 1100 Jahren eine Ansgar-Feier abgehal 
ten werden. Im Sommer 826 kam Ansgar, den 
die Kirchengefchichte den Apostel d. Nordens nennt, 
von dem Kloster Corvey an der Weser als Beglei 
ter des dänischen Fürsten Harald an die Schlei, fing 
hier an zu predigen und gründete eine Schule. Sein 
Werk, dem sein ganzes Leben galt, hat mit Wider 
ständen und Schwierigkeiten, die ungeheuer 
waren, zu kämpfen gehabt, es ist aber nicht unter 
gegangen, sondern eine Saat geworden, die doch 
Frucht gebracht hat. Wie im Jahr« 1826 das tau 
sendjährige Gedächtnis an jenen Mann und seine 
Zeit gefeiert ist, so soll es auch jetzt geschehen. Für 
Sonnabend, den 16. Mai, sind Iugendgottesdienste 
und ein Kirchenkonzert im Dom in Aussicht ge 
nommen. Am Sonntag, dem 16. Mai, werden in 
den Kirchen zu Schleswig und Haddeby um 9 Uhr 
Festgottesdienfte gehalten, um 11 Uhr findet im 
altehrwürdigen Dom die Haupt feier statt. Am 
Nachmittag soll ei» Umzug die Festteilnehmer 
durch d ieStadt führen, und tm Anschluß daran sol 
len in einer oder mehreren Versammlungen An 
sprachen gehalten werden. Für den Mend ist eine 
Aufführung von „Glaube und Heimat" geplant. 
* 
Keine preußischen Staatsmittel für die deutschen 
Schulen Nordschlcswigs. 
kns. In der Press tauchten kürzlich Nach 
richten darüber auf, daß im preußischen Etat Mit 
tel für die deutschen Schulen im abgetretenen 
Nordschleswig ausgeworfen feien. Nach an zu 
ständiger Stelle eingezogenen Erkundigungen kann 
mitgeteilt werden, daß in dem preußischen Staats 
haushalt keinerlei Mittel für die deutschen Schu 
len des an Dänemark abgetretenen Gebiets ein 
gestellt sind. 
* 
* Helgoland, 1. April. Römer auf Helgo 
land. In einem Aufsatz der „Gartenlaube", der 
sich mit Helgoland, seiner Geschichte und seinen 
Bewohnern befaßt, wird geschrieben, daß Drusus 
auf einer Schiffsexpedition nach Helgoland ver 
schlagen wurde. Von den Chauken, heißt es da, 
einem Schiffahrt treibenden Küstenstamm an der 
Weser, ließ er Schiffe bauen, um damit die See zu 
durchqueren. Ob die rauhen Söhne dieser rauhen 
Küste nicht höhnisch des stolzen Römers Unter 
nehmen beobachteten? Sicher empfanden sie kein 
Mitleid, als schon nach wenigen Tagen die Trüm 
mer der ersten Nordseeflotte angespült wurden. 
Drusus selbst berichtete nach Rom, daß er mit sei 
nem Fahrzeug an einen wüsten Felsen verschlagen 
wurde, an dessen Klippen er sein Unglück beklagte. 
Es kann sich da nur um Helgoland handeln. 
Altona, 31. März. Eine Osterspende für die 
Altonaer Erwerbslosen. Magistrat und Mohl- 
fahrtskommisston beschlossen, an die Erwerbslosen 
nach individuellem Ermessen Lebensmittelgutscheine 
auszugeben. Für diese Notstandsmaßnahme wer 
den 30 000 Jl bereitgestellt. 
Halstenbek» 31. März. Postraub. Von einer 
Postkarre wurde ein Sack gestohlen, der einen gro 
ßen Vriefbeutel mit verschiedenen Briefen und 
Einschreibbriefen, sowie einen kleinen Briefbeutel 
mit Einschreibpapieren (1800 Jl Inhalt) enthielt. 
Elmshorn, 31. März. 3000 Jl Belohnung 
für ermittelte Brandstifterin. Dem Oberlandjäger 
Schwager in Ellerhop wurde die von der Landes- 
brandkasie ausgesetzte Belohnung von 6000 Jl für 
Ermittlung einer Brandstifterin ausgezahlt. Der 
Beamte verhaftete im Herbst v. I. die Witwe D. 
in Bevern unter dem dringenden Verdacht der 
Brandstiftung an dem Gebäude des Kätners Wien- 
ken in Bevern. Durch das Gericht wurde die 
Witwe trotz ihres Leugnens der Tat überführt 
und verurteilt. 
fp. Heide, 31. März. Vorläufige Stillegung 
des Bergwerks Hölle bei Heide? Der größte Teil 
der Beamten, Angestellten und Arbeiter haben 
eine Kündigung zum 1. Mai d. I. erhalten, da 
nach wird das Werk, das feit längeren Jahren 
vielen Leuten Beschäftigung und Verdienst gab, 
einstweilen den Betrieb einstellen. Der Grund ist 
nicht zu erfahren. Dem Vernehmen nach wird die 
mit dem Werk verbundene Sandsteinfabrik, die sich 
eines großen Absatzes erfreuen soll, weitergeführt, 
so daß hier noch ein Teil der Arbeiter lohnenden 
Verdienst findet. 
Wyk auf Föhr, 31. März. Brennendes 
Schiff. Das im Hafen liegende Schiff „Christa" des 
Kapitäns Peter Nissen, mit Kalk und Holz an 
Bord, geriet in Brand. Das Feuer konnte bald 
gelöscht werden, doch ist die Holzladung schwer in 
Mitleidenschaft gezogen worden. 
mp. Niebüll-Deezbüll, 1. April. Eemeindevcr- 
tretersitzung. In der gestern abgehaltenen Gemeinde 
vertretersitzung wurde das Schulgeld für die Berufs 
schule auf 80 M für jeden auswärtigen und auf 15 Jl 
für jeden Niebüller Schüler festgesetzt. Dem Antrag 
des Turnvereins auf Uebernahme der Stromkosten 
für die Benutzung der Turnhalle der Friedrich-Paulfen- 
Schule wurde von der Gemeinde zugestimmt. Für die 
Reichsgesundheitswoche wurden 50 Jl bewilligt. Be 
schlossen wurde feiner, über den Platz südlich des 
Bahnhofshotels eine 7 Meter breite Fahrstraße mit 
einem 2% Meier breiten Fußsteig an Leiden Seiten 
zu bauen. Ausführlich berichtet wurde über di« letzte 
Sitzung des Kleinbahnverbandes. 
□ Flensburg, 31. März. Die städtischen Kol 
legien brachten in einer Nachtfitzung die Beratung 
des städtischen Haushaltsplanes für 1926 zu Ende. 
Der Etat wies ein Defizit von über 1 Million 
Mark auf, das durch Kürzung der Ausgaben be 
seitigt werden konnte, 58 009 Jl, die eingespart 
weiden konnten, werden je zur Hälfte der Ge 
werbesteuer und Hauszinssteuer zugute kommen, 
8000 Jl werden zur steuerlichen Erleichterung für 
die Gastwirte verwendet. Die Gewerbesteuer be 
trägt demnach 770 Proz., die Hauszinsstouer 90 
Proz. — Vergiftet hat sich in seiner Wohnung der 
Apotheker U. 
X Schleswig, 31. März. Zn der städtischen 
Kiesgrube im FriedrichsScrg verunglückt ist der 
Arbeiter Stevers. Ein Stein war ins Rutschen 
geraten und hatte größere Sandmassen in Bewe 
gung gefetzt. Der Stein fiel dem Verunglückten 
auf die Brust und verursachte innere Verletzungen. 
+ Eckcrnsörde, 31. März. Ein Prozeß des 
früheren Bürgermeisters gegen die Stadt. Der 
frühere Bürgermeister von Eckernförde, Dr. Albert, 
der seinerzeit wiegen politischer Verhältnisse aus 
dem Amte scheiden mußte, hat jetzt gegen die Stadt 
einen Prozeß angestrengt auf Nachzahlung seines 
Gehaltes vom Jahve 1921 ab, Weiterzahlung des 
Gehaltes bis zur Vollendung seines 65. Lebens 
jahres und Zahlung des gesetzlichen Ruhegehaltes 
von diesem Zeitpunkt an. 
Eckernsörde, 31. März. Dir städtischen Kolle 
gien setzten das Schulgeld für das Reformreal 
gymnasium auf 200 Jl jährlich fest. Für Schüler, 
die außerhalb des Kreises Eckernförde ihren Wohn 
sitz haben, beträgt das Schulgeld 260 Jl. Für die 
höhere Mädchenschule wurde das Schulgeld eben 
falls erhöht, und zwar auf 150 Jl, für Auswärtige 
186 JL Das Stadtverordnet en-Kollegium trat 
dann zu einer Sitzung zusammen. Sein Amt als 
Stadtverordnetenoorsteher hatte der Stadtverord 
nete Hans Reimers niedergelegt. Zum Stadtver 
ordnetenoorsteher wählte das Kollegium den Kaf 
feehausbesitzer Hudemann, erster Stellvertreter 
wurde Kaufmann Wulf. Reu geschaffen wurde 
das Amt eines zweiten stellvertretenden Stadtver- 
ordnetenvorftshers. Diese Wahl fiel auf den 
Arbeiter Kemper. 
wt. Eckernsörde. 1. April. Ein Heldengrab. Der 
Gedenktag von Eckernförde, der sich am Ostermontag 
(8. April) zum 77. Male jährt, weckt auch die Erinne 
rung an den braven Fischer Wilhelm Georg Andreas 
Föh auf Vogelfang, der gleich Theodor Preußer an je 
nem denkwürdigen Tage seinen Tod bei dem Versuche 
fand, Mannschaften von dem brennenden dänischen 
Kriegsschiff „Christian VII!" zu retten. Auf dem Fried 
hof des nahen Vorby hat der Brave sein Grab gefun 
den. Die Inschrift berichtet: „W. E. A. Föh geb. den 
20. Februar 1820, gest. den 5. April 1849. Dem An 
deuten eines Mannes geweiht, der seinen Tod bei Ret 
tung von Fcindesleben fand." Man wird auch in kom 
menden Zeiten nicht dieses schlichten Keldengrabes 
vergessen. 
-st Damendorf, 31. März. Ein Zweifamilien 
haus niedergebrannt. Das Zweiwohnungshaus 
des Tischlermeisters Gustav Mahl in Glind,esmoor, 
welches von dein Arbeiter I. Breihahn mitbewohnt 
wird, brannte nachts total nieder. Bei Mohr ist 
das Inventar größtenteils gerettet worden, da 
gegen ist bei Breihahn alles verbrannt. Diese Fa 
milie mußte ohne Kleidung das Haus verlassen. 
x. Neumünster, 31. März. Die Sandestagung 
der Berufsschulleherr Schleswig-Holsteins fand am 
heutigen Mittwoch ihren Abschluß, nachdem im 
Laufe des gestrigen Abends Oberregierungsrat 
Prof, Taubner einen Vortrag gehalten hatte über 
das Thema „Mitarbeit an der Bildung des Volks 
geschmacks als wirtschaftliche und kulturelle Auf 
gabe der Berufsschule". Im Mittelpunkt der Ver 
anstaltungen des heutigen Mittwochs stand ein 
Vortrag von Dr. Adolf Damaschke-Berlin über die 
„Bedeutung der Bodenreform für Lehrerstand und 
Lehrerarbeit". Der Vortrag war auch von hie 
sigen Einwohnern stark besucht, die vor überfülltem 
Saale gemachten Ausführungen des bekannten 
Redners lösten langanhaltenden Beifall aus. Die 
3tägige Landestagung fand ihren Abschluß durch 
einen Vortrag des Syndikus des Deutschen Maler- 
verbandes, Frincke-Hamburg über „Neue Wege in 
der Lehrlingsausbildung". Nach gemeinfamer Be 
sichtigung der Werk»Ausstellungen in mehreren 
hiesigen Schulen verließen die Teilnehmer mit den 
Abendzügen unsere Stadt. — Schüler als Ein 
brecher. Seit Anfan,g Dezember v. I. wurde einem 
Kaufmann am Mühlenhof fortgesetzt Schokolade 
gestohlen, ohne daß der Polizei die Ermittelung 
der Diebe gelang. Gestern endlich ertappte man 
2 Schuljungens dabei, wie sie sich mit einem Diet 
rich Eingang zum Laden verschaiii batten. Sie 
gaben zu. in etwa 10 Fällen sich mittels Einbruch- 
jedesmal durchschnittlich 8 Tafeln Schokolade ge» 
stöhlen zu haben. " ,' Y 
Kiel, 31. März. Taufe des Flettner-Rotor- 
fchiffes Baden-Baden. Heute vormittag fand die 
Taufe des nach Amerika gehenden Flettner-Rotor» 
schiffes „Baden-Baden" statt. Auf der Germania- 
werft hate sich eine kleine Zähl von geladenen 
Gästen eingefunden. Anton Flettner begrüßte die 
Gäste und gab einen kurzen Ueberblick über das 
bisherige Schicksal seines Rotorschiffes, das jetzt 
seine Reise nach Amerika antritt. Frau Flettner 
taufte dann das Schiff, das bisher den Namen 
„Buckau" führte, mit den Worten: „Ich taufe Dich 
auf den Namen Baden-Baden". 1 
ns. Friedrichstadt, 31. März. Zn der gestrigen 
Stadtverordnetensitzung wurde der Antrag der beiden 
Polizeiangestellteu Kruse und Greve auf Bewilligung 
eines Kindergeldes von je 90 Jl abgelehnt, da sie 
schon früher einen einmaligen Zuschuß von 100 Jl 
erhalten haben. Der Haushaltungsplan für 1926 
wurde in Einnahme auf 193 000 Mark, in Ausgabe 
auf 230 000 Jl festgestellt. Der 37 000 M betragende 
Fehlbetrag ist durch Grundvermögens- und Gewerbe 
steuer zu decken. Da voraussichtlich der frühere Rat- 
mann und Nachtwächter Mechaniker Franzen in den 
Ruhestand tritt, soll vorläufig die Besetzung der zwei 
ten Wächterstelle unterbleiben. Penfionsberechtigt 
sind die Wächter nur hier und in der Stadt Wedel. 
Beantragt war für den Bürgermeister für 1926 eine 
Dienftaufwands-Entschädigung von 1200 Jl. Bewil 
ligt wurde eine solche von 660 Jl. — Das Armenkolle- 
gium hat für 10 Erwerbslose, falls sie durch Krank 
heit mit der Familie in Rot geraten sind, je 20 Jl 
bewilligt. An Stelle des verstorbenen Schäftefabrikan- 
ten Friedr. Elaußen wurde der Inhaber der Eisen 
waren- und Kohlenhandlung Peter Elaußen zum 
Armenvorsteher gewählt. 
x. Eroßcnaspe, 31. März. Wegen fortgesetzten 
Torfdiebstahls verurteilte das Schöffengericht in 
Neumünster den hiesigen Landmannssohn K. zu 
5 Wochen Gefängnis. Nachdem das Gericht vor 
kurzem vergeblich gegen ihn verhandelt hatte, 
konnte er heute durch ein größeres Zeugenaufgebot 
der Tat überführt werden. Bestohlen wurde die 
Torswerks-A.-E. Hafenmoor. 
s. SchLlldorf, 31. März. Wasiergenosienschast 
zur Regulierung des Linnbektales in SchLlldorf. Am 
Donnerstag, den 28. März, fand in der Struckschen 
Gastwirtschaft hierselbst die vom Landrat einberufene 
erste Generalversammlung der kürzlich gebildeten 
Wasiergenosienschaft zur Regulierung des Linbektales 
statt, zwecks Vornahme der Wahl des Vorstandes. Es 
wurden gewählt: Zmn Verbandsvorsteher: Konsul 
Entz-Rendsburg, zum Stellvertreter: Sandmann Claus 
Slruck-Schülldorf, zu Beisitzern: Gemeindevorsteher 
Ströh-Ohe, Gemeindevorsteher Harder-Haßmoor, Ge 
meindevorsteher Joh. Struck-SchüWorf. Außerdem 
wurden gewählt: Vier stellvertretende Beisitzer, je 
zwei Schiedsgerichtsbeisitzer und Stellvertreter und 10 
Ausschußmitglieder. 
Kleine Provin^chronik. 
Gestern wurde in aller Stille auf dem Kirch 
hof in Bergenhusen ein Monarch der Landstraße 
beerdigt. Der Mann wurde bei der Sandschleuse 
in einem Wasiergraben ertrunken aufgefunden. 
Ob Selbsttötung oder Unglücksfall vorliegt, ist un 
bekannt. Die Leiche soll längere Zeit im Wasser 
gelegen haben. Den Papieren nach soll er in Hu 
sum geboren sein. — Beim Spielen fiel der Sohn 
des Homöopathen Schröder in Flensburg in den 
Mühlenstrom. Der Knabe schlug beim Fallen mit 
dem Kopf auf einen Stein und mußte, nachdem er 
erhebliche Kopfverletzungen davontrug, nach An 
legung eines Notverbandes per Auto in die elter 
liche Wohnung überführt werden. — Sein 50jäh- 
riges Eefchäftsjubiläum feiert« gestern der in der 
Umgegend Flensburgs sehr bekannte Dachdecker 
Nielsen in Engelsby. — Der Privatier Detlef 
Struve in Breiholz hat wegen feines Alters seinen 
Posten als Schiedsmann niedergelegt. Dafür ist 
vom Kreistag der Hufner Jacob Rohwer gewählt 
worden. Struve hat das Amt 21 Jahre geführt, 
in der Zeit 62 Termine abgehalten und zur Zu 
friedenheit seiner Vorgesetzten gearbeitet. 
Am heutigen Tage hat der Lehrer Jessen in 
Westerrönfeld 25 Jahre im Volksschuldienst gestan 
den und zwar alle Jahre im hiesigen Orte. Er 
feiert also gleichzeitig Orts- und Dienstjubiläum. 
— In Schlußdorf brannte das Wohnhaus des 
Arbeiters Hemrich Gerten vollständig nieder. — 
Seit einiger Zeit treiben wildernde Hunde in 
Wohlde ihr Unwesen. So wurden dem Laàranu 
Muhl vier Schafe von diesen Untieren zerrissen. 
Auch anbete Landleute haben erhebliche Einbuße 
unter ihrem Tierbestand erlitten. — Der vier 
jährige Sohn des Landmannes Rich. Peterfen-Ost- 
Bargum wurde von einem Schaf überrannt und 
kam dabei so unglücklich zu fall, daß der herbeige 
rufene Arzt einen Oberschenkelbruch feststellte. °— 
Bei dem Hofbesitzer Peter Lorenzen in Wettrings 
hof ist ein zweijähriger Ochse im Trinkbassin er 
trunken. 
Familienjubiläen. 
Am 13. April können Tischlermeister Christian 
Storm und Frau in Arnis das Fest der goldenen 
Hochzeit begehen. 
Das Fest der goldenen Hochzeit begingen im 
Familienkreis der frühere Hofbesitzer N. Mangel- 
sen und Frau in Flatzby. Während der Jubilar, 
ein Mitkämpfer von 70/71, sich noch allgemeiner 
Rüstigkeit erfreut, machen sich bei der Iubilari» 
schon Spuren des Alters bemerkbar. 
i:
	        
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