Ur. 78
Drittes Blatt
.chràg,
2. April
RarMàA.
Schwerer Tag in Schwarz und Schweigen,
Stumm sind Orgelwerk und Geigen.
Violette Schleier hangen
Ueber allem Sein voll Bangen.
Trüb durch bunte Kirchenfenster
Bricht der Tag, ein matterglänzter,
Wetzt auf Kreuz und stilles Bluten
Weiches Rot und gelbes Gluten.
Von den hohen Kirchenwänden
Rieselt Licht in matten Bränden
Auf die Beter, die in Bänken
Andachtsvoll die Wimper senken.
Still verlöschen Tages Härten —
Selig hebt nun in den Gärten
Ein Drossel an zu singen
Lieder, die ums Kreuz sich schlingen.
Werner Rieger.
4ÊMK Dsfis
Von Erich K. Schmidt (Berlin).
Früh beginnt sich der Himmel seltsam zu er
hellen: es ist, als wüchsen, von Osten her, ganz
sanfte Rosenfarben, die auf den Fittichen milde
Wärme tragen. Wo blieben die rauhen^ Winde,
die schmerzhaft an die Lider stießen? Wo die dicken
Wolken, die über der Stadt wie Federsäcke platzten
und Flocken abwärts warfen? Wir schwimmen im
Frühling. Die Tage wetten sich mit grüngoldener
Gnade füllen. *
Ich wandere durch hohle, hallende Straßen;
die Häuser liegen stumm verkettet: sie bleiben, grau
und böse, hinter mir. Ein Bahndamm schwingt
zur Linken hoch; zur Rechten liegen wüste Lauben
kolonien. Darüber, kommahaft gekrümmt, ein
lnüder Mond, der sanft verblaßt. Ueber den Zäu
nen lärmen Spatzen, noch ehe die Sonne ihr Ee-
fiefeer wärmt, sie hüpfen herab und wühlen im
Kot: sanguinische Gesellen.
Die hohen Fensterreihen ferner Häuser fun-
ķêln jäh in gelbem Glanz: die Strahlen des stei
genden Tagesgestirns entzünden totes Glas. Die
Firste flimmern bunt.
Der Frühling kommt, grüne Troddeln am
Hut. Anhebt ein buntes Jubilieren, damit der
Gram des Winters weiche. Auf daß die Seelen
şich zu sanftem Rausch verklären.
.. Ich marschiere schneller durch wachsendes Rot.
„ e Spatzen kreischen wieder frech. Der Morgen
gurtet sich tritt schrillen Tönen: aus dem Bahndamm
îuilsi schlangenschwarz, polternd, ein Zug entlang.
Rauch stößt geballt empor. Die Sonne wird, se
kundenlang, von satanischen Rädern zerrollt . . .
Man möchte sich, nach durchwachter Nacht, schla
fend in den Morgen hineindehnen, aber da prallt
jählings eine breite, gelbe Bahn, ins Zimmer:
man fährt empor. Das Fenster stößt auf: Sei mir
gegrüßt, märzmilder Tag, den die Sonne golden
beschäumt!
Durch die Straßen schwingt ein helles Schrei
ten: ja, es gibt noch Augen, dis die Sonne mild
entzündet; Nüstern, die im holden Atem erster
Frühlingsluft selig erzittern.
In den Laubenkolonien werden wacklige Zäune
gestützt; skurrile Gebäude von Unrat befreit. Der
Boden lockert sich, bereit, den neuen Samen zu eing
ingen. ,
Eine Glocke wellt sonore Töne in dre wer
kelnde Vormittagshast. Sie klingen, von Sonne
getragen, so feierlich, als läuten sie einen Festtag
ein.
Im Stadtpark, seht an, wurden über Nacht die
Zweige mit Knospen behängt:, reizende Smaragde,
die körnerklein, wollüstig flimmern. Es gibt auch
Bäume, daran schwermütig gelbe Raupen pendeln.
und Sträucher, die von mattem Silber funkeln.
Ja, die Zweige haben graue Pfötchen, die zatt den
Frühlingsmorgen streicheln.
In quietschenden Wagen liegen träge Säug
linge, die Wangen rot und rund; ste krähen be
glückt, und ihre winzigen Fäustchen zerstoßen zweck
los die weich andrängenden Lüste.
Der kleine Teich im Grunde des hügeligen
Parks wird von schwachen Windstößen zärtlich ge
kräuselt: Wie lange noch, und über seiner glitzern
den Fläche torkeln witter blaue Libellen im
Abendrot. Der Klang von Schlittschuhen versank
stumm auf den Grund.
Auf den Bänken ringsum, schwarz und zer
schäbt, hocken Verliebte, die keine Bodenkühle furch
ten: die Herzen schlagen in belebten Takten. Junge
Mädchen träumen von Wäldern, darin Eitarren-
töne klingen; und an melancholischen Ufern flü
stert das Schilf. Der Friede des Sommers wird
mit alten Melodien die Nächte entzünden.
So glimmt der frühlingshelle Tag, von Son
nengold und Blattgrün betupft, empor zum Zenit,
sinkt mählich und nähert sich kühl wallendem
Abenddunkel. Wo bleiben die Sterne, wo wan
dert der Mond?
Es stießen Wolken empor, die gierig die Wei
ten umklammern, die Nacht wälzt sich schwarz her
an und erstickt jegliches Gestirn. Regen schrillt
nieder, von Hagel durchwirkt. Der mürzmilde
Tag wird Trug und Legende . . .
Es kommen noch Stunden, die sich in kühlen
Schauern krümmen, ehe die Welt sich nraiensüß be
kränzt. Es kommen noch Nächte, da der Frost die
jungen Triebe überfällt, daß sie bleich und zage
hängen. Es kommen noch' Stürme, die böse am
Lichtgrün kindlicher Blätter zerren. Genießt, o
genießt die Gnade des Augenblicks! Schlürft dank
bar jede Dosis Frühling ins Herz. Wer weiß,
was die Nächte verbergen?
VZmtr Welt.
Das ideale Heim in der Vogelwelt.
Die Zeit fees Nesterbaues der Vögel naht
heran und die gefiederten Bewohner der Luft
entfalten einen erstaunlichen Eifer, Fleiß und Ge
schicklichkeit in der Anlegung ihrer Heime. Viele
von ihnen begnügen sich freilich damit, nur das
notwendige Anfnahmebshältms für die Eier und
die Jungen herzustellen. Aber es gibt auch so
manche Vögel unserer Zonen, die als tüchtige Bau
meister für ein« gewisse Behaglichkeit und Aus
schmückung sorgen und sich zum Schutz ihrer Woh
nungen besonders günstige Oertlichkeiten auswäh
len. Von diesen Vögel kann man wohl sagen,
daß sie die „idealen Heime" der Vogelwelt anle
gen. Eine allgemeine Regel beim Nesterban ist
es, daß die Einrichtungen umso sorgfältiger und
gemütlicher getroffen wetten, je länger die jun
gen Vögel im Neste bleiben. Ter Fasan, das
Rebhuhn, der Kiebitz und viele andere Arten, die
ihre Wohnungen auf dem Erdboden anlegen, ma
chen überhaupt keine richtigen Nester, und solche
Bauten sind ja auch nicht notwendig, weil das Nest
leer wird, sobald die Jungen ausgekrochen, sind.
Wenn aber die Nesthäkchen noch längere Zert im
Voaelhüuschen verbleiben, dann müssen di-e^ El
tern weiter ausschauende Vorkehrungen treffen.
Unter den Vögeln, die vollständige kleine Häuser
errichten, stehen die langschwänzige Meise, der
Zaunkönig und die Grasmücke obenan. Alle diese
sorgen für richtige Türen an der Seite; die Meise
legt ihre winzige Eingangspforte höher oben an,
zweifellos, um mehr Raum für ihre große Fa
milie zu gewinnen und die Wohnung gemütlicher
zu gestalten. Auch die Elster baut ein ganz ge
schloffenes Nest und sieht darauf, daß sie mit ihrem
langen Schwanz nicht an die Wandle anstößt. An
dere Vögel wieder achten besonders aus die ge-
Ipril imö
Kulturgeschichtliche Plauderei
von AlbertSchweitzer.
Am 1. April wiederholt sich stets eine gern
geübte und im Grunde harmlose Sitte, seinem
lieben Nächsten einen Possen zu spielen, und zwar
in der Form des „in-den-April-schickens".
Woher diese Absicht eigentlich stammt, ist bis
heute noch nicht wissenschaftlich geklärt worden, ob
wohl zahlreiche Vermutungen ausgesprochen wor-
**ii sind, von denen eine wenig glaubwürdige bis
°uf die Arche Noah zurückgreift. Ein Engländer
2* es. der im Jahre 1769 die älteste Wurzel dieser
iÄ^lnarrhttt entdeckt zu haben glaubte. Noah
şAļlķte, so lautet diese Erklärung, nach der großen
^isttflut seine berühmte Taube zu frühzeitig aus,
ais noch die Erde ringsum mit Wasser bedeckt war,
und daher stammt der Brauch, am 1. April einem
^Nichtgläubigen einen ■ unausführbaren Auftrag
M erteilen. — Rosegger erzählt in seinen anmuti-
Ķun Sittenbildern aus dem steirischen Volksleben:
''.Wer sich über ein „In-den-April-schicken" beleidigt
suhlt, dem sagt man, daß Christus, der Herr, selber
ê den April geschickt worden wäre, von Anas zu
^alphas, von Pontius zu Pilatus. (Die steirischen
auern machen nämlich aus dem römischen Land-
wleger Pontius Pilatus immer zwei Personen.)
Z^uer wird der erste April bald als Geburtstag,
u als Todestag Judas', des Verräters Christi,
""gesehen. Dieser „Lügengeist" und „Windmacher"
J r n die Predigtliteratur vom Mittelalter bis zu
raham a Santa Clara als den Inbegriff aller
^osheiten und Tücke hinstellt, konnte so recht als
^utzpatron eines Tages gelten, an dem man die
ņichm belog und hinters Licht führte." Aller
es ist diese Beziehung auf Judas und Christus
nur die christliche Verbrämung einer ursprünglich
heidnischen Sitte. Eine ebenfalls willkürliche Er
klärung ist die Lesart, wonach König Herodes der
erste Aprilnarr gewesen sein soll, der kurz vor dem
bethlchemittschen Kindermotte den neugeborenen
Heiland suchen ließ, — sich hin- und herschicken las
sen mußte und ihn schließlich doch nicht fand.
Man hat versucht, den Brauch des „In-d-rn-
April-schickens", überhaupt die Scherzfreiheiten des
1. April aus den alten Narrenfesten herzuleiten.
Hier sei besonders an die Q u i r i n a lia der
Römer erinnert, die in diese Zeit fielen, und vor
allem auch an den letzten Tag des indischen Huli-
Festes, ber am 31. März das ganze Fest mit dem
Privileg abschloß, alle Leute auf jede nur erdenk
liche Weise zu foppen und zu Huli-Narren zu
machen.
Es sind auch andere Erklärungen dieser Sit
ten aufgetaucht: man hat an den wetterwendischen,
die Menschen so oft zum Narren haltenden Cha
rakter des Aprilwetters erinnert, an seine Lau
nenhaftigkeit, von der das Sprichwort sagt: „Der
April macht, was er will." Anfang und Ende
des Monats sollten auf diese Neckereien des Wet
ters hinweisen, denn der Brauch wurde ja vielfach
auch am letzten April, dem Walpurgistag, geübt.
Der 1. April steht auch in England in hohem
Ansehen. Dieser Tag, an dem man den „Geist
in den April jagt", nennt man dort allgemein „all
fools day" — aller Narren Tag —, und eine auf
ihn gemünzte, weit verbreitete Redensart lautet:
On the first day of April
Hunt the gawk another mile
Im Monat April, am ersten Tage,
Den Gecken eine Meile weit jage.
In Italien schickt man an diesem Tage einen
Unkundigen und Harmlosen hin und her, ..man-
darc Aprile" —, oder läßt seinen kst-s--. uichts-
schützte Lage des Nestes, so z. B. die Hausschwalbe,
die ihre Wohnung unter dm Dächern anbringt.
Der Königsfischer und die Sandschwalbe bauen
ihre Nester in Tunneln, die ste in einer Sandbank
aushöhlen. Das Rotkehlchen benutzt eine Baum-
wurzel oder überhängendes Gesträuch, wenn es
nicht einen fortgeworfenen Blumentopf oder einen
alten Schuh findet. Die Eulen und Spechte, die
Holztauben und Spechtmeisen, die Weißschwänze
und manche Meisenarten spüren Löcher zur Anlage
ihrer Nester aus, aber nur Meister Specht geht so
weit, sich das Loch selbst zu zimmern, in dem er
sein „ideales Heim" anlegt.
Ein Arbeiter als literarischer Preisträger.
Sean O'Casey, ein Ire. der sich als Chauffee-
und Dockarbeiter ernährt, hat sich durch die Stücke,
die er in seinen freien Stunden geschrieben hat,
in England einen Namen gemacht und ist jetzt für
würdig befunden worden, mit dem Hawthornden-
Literaturpreis ausgezeichnet zu werden. Der Preis,
der seinem Inhaber 100 Pfund Sterling einbringt,
wird jährlich für das beste schöngeistige Werk ver
teilt, das von einem Autor unter vierzig Jahren
geschrieben wurde. Lord Oxford stellte persönlich
den preisgekrönten Arbeiter der Versammlung von
Literaten vor, die sich in der Londoner Aeolian-
Hall eingefunden hatte. O'Casey, der seinen ge
wöhnlichen Arbeitsanzug trug und darüber eine
wollene Jacke gezogen hatte, saß bei dem feier
lichen Akt neben Lord Oxford, an dessen Seite
auch Lady Gregory, die Gründerin des Abbey-The
aters in Dublin und Lady Oxfott Platz genommen
hatten. Lord Oxford führte in seiner Ansprache
aus, in der zeitgenössischen englischen Literatur sei
kein Feld so vernachlässigt, wie das der Bühnen
literatur. Deshalb sei ein Werk, das ein hoff
nungsvolles Talent verrate und neue Ausblicke
eröffne, mit ganz besonderer Genugtuung zu be
grüßen. Als ein solches Stück bezeichnete Lord
Oxfott das für den Preis gewählte O'Caseyfche
Stück „Juno and the Paycock", das er als das ein
druckvollste Drama bezeichnete, das man in Eng
land feit 20 Jahren gesehen habe. Das Stück ist
auch bereits mit Erfolg im Dubliner Abbey-The
ater ausgeführt worden. Der preisgekrönte Ar
beiter, der begeistert begrüßt wurde, stattete seinen
Dank für die Ehrung im gaelischen Dialekt seiner
irischen Heimat ab. Er sehe in dem Preis mehr
eine Ehrung der Schauspieler, die seinem Stück zum
Erfolg verhoksen hätten, als seiner Person. Dem
Berichterstatter eines Londoner Blattes erklärte
er, daß er vorerst nicht weiter auf der Straße und
auf den Docks arbeiten werden, um Zeit zu haben,
sich weiter schriftstellerisch zu betätigen. „Ich muß
offen gestehen", erklärte er, „daß meine Tagelöh
nerarbeit nicht entfernt soviel Schweiß gekostet
hat als die Ausarbeitung meiner beiden Bühnen
stücke."
Augengläser als Glücksbringer.
Die Chinesen bezeugen Augengläsern gegen
über eine abergläubische Verehrung, die sich auch
darin zeigt, daß der Untergebene, wenn er einen
Vorgesetzten unterwegs trifft, als höflicher Mann
nicht' versäumt, bei der Begrüßung seine Augen
gläser zu entfernen. Augengläser werden in China
nicht nur getragen, um Sehstörungen zu korrigie
ren, sondern gelten schlechthin als Glücksbringer,
die auch Leute tragen, die überhaupt keine Gläser
nötig haben. Das Gestell dieser Elücksbrillen ist
aus dem Schildpanzer heiliger Tiere angefertigt,
während die Gläser aus Elückssteinen hergestellt
werden, die in heiligen Bergen gefunden werden
und mit dem Sand geschlissen werden, der dem
Wasser heiliger Flüsse entnommen ist.
Die größten Platinlager der Welt.
Der Regierungsgeologe der Südafrikanischen
Union, Dr. Wagner, erklärt in Iohannnisburger
Blättern, daß Südafrika die unvergleichlich größten
ahnenden Nächten den vergeblichen Gang nach
dem Hallelujaschlüssel (la hiave della alleluja)
machen. In Frankreich nennt man diese April
scherze „Aprilfische" (poisson d'Avril); das „In-
den-April-schicken" nennt der Franzose .donner un
poisson d'Avril a quelqu'un". In allen Geschäf
ten, vom Blumenladen bis zur Delikatessenhand
lung, finden sich Aprilfische aus Blumen, Schoko
lade und Attrappen. — Der Däne und Schwede
„läuft April", während der Belgier den scherzhaf
ten französischen Ausdruck „poisson d'Avril" an
erkennt.
Ueber den geschichtlichen Ursprung der abson
derlichen französischen Sitte ist man bis heute im
Unklaren. Franz Wugk erzählt in einem Pariser
Briefe, daß ein lothringischer Fürst zur Zeit Lud
wigs XIII. in Nancy von französischen Soldaten
bewacht wurde. Am 1. April stürzte er in die
Meurthe und entfloh. Daraufhin sollen die Loth
ringer den Franzosen entgegengerufen haben:
„Ein schöner Fisch, den man den Franzosen ge
geben hat". Ob diese Geschichte wahr oder erfun
den ist, entbehrt jeden geschichtlichen Hintergrundes,
Tatsache ist, daß die „poisson d'Avril" schon im
Mittelalter bekannt waren und in manchen Ge
genden des alten Königtums Navarra und in den
südlichen Provinzen, in der Bretagne sehr beliebt
waren.
Bei uns in Deutschland ist die Sitte der Scherz-
freiheiten nicht nur in der Stadt, sondern auch bei
der ländlichen Bevölkerung üblich. Besonders
sind die unmöglichsten Aufträge beliebt, an denen
sich schon das altdeutsche Schelmenmärchen erfreute.
Wohl keine Bevölkerung ist an drastischen Namen
so reich wie die deutsche. Da schickt man die Leute
in die Apotheke um Mückenfett, Enten- oder Gänse-
milch, Krebsblut, Verstandessamen, rosagrüne
Tinte, Stecknadelsamen und Kieselsteinöl zu holen.
Liebeskranken Mädchen wird heilkräftiger Tee
Platinlager der Welt besitzt. Während Rußland
und Kolumbien jährlich 85 000 Unzen Platin ge
winnen, wird Südafrika bald in der Lage sein,
150 000 Unzen, also mehr als 4 200 Kg. dieses kost
barsten Metalls, auszuführen. Bergwerke, dis
imstande sind, 200 000 Unzen jährlich zu gewinnen,
wetten mit Beginn des nächsten Jahres ihre. Ar
beit aufnehmen. Die Vorräte an platinreichen
Erzen sind nach den Angaben Dr. Wagners unbe
grenzt. Die Platinlager sind bisher auf eine
Strecke von mehr als 400 Kilometer untersucht,
und der Ertrag der einzelnen Adern beläust sich
von etwa 2 Gramm bis za fast 500 Gramm pro
Tonne. Die Union wird daher, sagt Wagner, in
der Lage sein, die Welt zu fragen: „Wieviel und
zu welchem Preise wollt Ihr kaufen?"
Im Beisein seines Vaters hingerichtet.
Zu einem erschütternden Ereignis gestaltete
sich dieser Tage eine Hinrichtung, die in dem^ Ge
fängnis von Milledgeville im nordamerikanischen
Staat Georgien stattfand. Ein junger Mann na
mens Ted Coggershall, der unter der Anklage, ei
nen Professor Wright ermordet zu haben, zum
Tode verurteilt worden war, mußte aus dem elek
trischen Stuhl Platz nehmen. An dieser Exekution,
die übrigens schon von verschiedenen amerikanischen
Staaten abgeschafft worden ist» nahmen außer den
Eerichtspersonen auch — Bruder und Vater des
Verurteilten teil. Bevor er auf dem Todesstuhl
Platz nahm, schrie der junge Mensch verzweifelt:
„Ich bin unschuldig!", und er fügte hinzu: „Lebe
wohl, Vater, sei nicht traurig, wir werden uns nach
dem Tode wiedersehen!" — „Gewiß, mein Junge",
schluchzte der fassungslose Vater, „wir werden
uns wiedersehen, und dann werden wir witter
zusammen fischen und jagen gehen." Bei diesen
Worten, die mit tränenerstickter Stimme gespro
chen wurden, ergriff der Henker den Verurteilten
und schnallte ihn auf den elektrischen Stuhl fest.
Der Vater stöhnte: „Aber sehen Sie ihn doch an,
meine Herren, ich schwöre Ihnen, er ist unschuldig."
Aber es half nichts. Der junge Coggershall hatte
sich inzwischen gefaßt; er rauchte eine Zigarette
und rief seinem Vater noch ermutigende Worte
zu, bis der Henker den Todesstrom einschaltete und
der junge Mensch nach Sekunden fürchterlicher
Qual seinen Geist aufgab.
Am 1. April wird niemand geboren.
Als die Zeit der Geburt des späteren Herzogs
von Meiningen war — man erwartete sie im
März 1826 —, wurde Professor Siebold von Göt
tingen befohlen, bei der Niederkunft der Herzogin
anwesend zu sein. Er reiste mit seinem ersten
Assistenten ab, aber sie kamen einige Tage zu früh
und vertrieben sich die Langeweile so gut es ging.
So hatten sie auch in der Nacht zum 1. April
eine lustige Gesellschaft ins Hotel, in dem sie wohn
ten, eingeladen und tüchtig pokuliert. Da kam, es
war schon nach Mitternacht, ein Diener mit der
Meldung, sie sollten sogleich zur Herzogin kommen.
„Herr Kollege", sagte Professor Siebold zu
einem Assistenten, „gehen Sie. Ich bin nicht im
stande, jetzt ärztliche Hilfe zu leisten".
„Herr Eeheimrat", antwortet der Assistent,
„ich kann's noch viel weniger als Sie".
Was war zu tun?
Da dämmerte in seinem Weindunste eine Idee
im Professor auf, und er sagte dem Diener: „Gehen
Sie zu den Hoheiten und melden Sie, daß man
ruhig noch weiter warten könne, denn am 1. April
wird kein Mensch geboren."
Und richtig wurde der junge Prinz erst am
2. April geboren, wobei Professor Siebold hilfreich
tätig war. Da nahm der Herzog den Professor
beiseite und sagte lachend zu ihm: „Ist es also
wirklich erwiesen, daß am 1. April keine Geburt
stattfindet?"
Eiebold antwortete ebenfalls lachend: „Ho
heit baben's ia geşeben!" K. E. K.
„Owidumm" und „Ibidumm" empfohlen. In
Bayern läßt der Oberknecht den Stallknecht Duka
tensamen und Puckelblau besorgen; er darf sich
dann allerdings nicht wundern, wenn unerwartet
ein Stock auf seinen Rücken niederfällt. Wer den
Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Mem Meer! *)
Kommt dieses ferne Rauschen
Vom Meer — vom weiten Meer? —
All' meine Sinne lauschen
Ist es der Wogen Heer?
Und näher — näher dringet
Die eigne Melodie,
Die Herzens. Tor bezwinget
Und einstürmt siegend — frei! —
Da — Wunder übermächtig!
O, meine Augen, seht
Im Sonnensilber prächtig
Des Meeres Majestät!
Millionen Wellen blitzen
Und wiegen sich im Wind —
Gekrönt Nixen spritzen
Nach mir und flieh'n geschwind.
Und immer — immer wieder
Schlägt Well' auf Well' zum Straird.
Der Ewigkeiten Lieder
Spielt grüner Wogen Hand.
Und ohne Ende schäumet
Und braust die Brandung her —-
Bald jubelnd — bald verträumet
Grüß' ich mein Meer — mein Meer!
*) (Aus den „Ostseeliedern"
von R e i n h o l d R e u s e l, Kiel).