Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

Das Unici'fibc-Probîcm, Hamburg und Preussen. 
Die Notwendigkeit gemeinsamer Aufgabenlösung. 
G i&ei ten städtischen Haushaltsberatunzcn sprach 
de: Oberbürgermeister der hannoversch. Stadt Harburg, 
Dr. Dudet, über die Notwendigkeit der Wahrung der 
wirtschaftlichen Zuieresscn Harburgs gegenüber Ham 
burg und im Zusammenhang damit über die Grog- 
banbnrgfragc, in der ja nun, nach Erstattung des 
Gutachtens durch Sraatsmimstcr a. D. Drews und 
Reichsschatzsekretär a. D. Graf Rädern, die Aufnahme 
der offiziellen, einer Lösung zustrebenden Verhand 
lungen zwischen Preußen und Hamburg bevorstehen 
soll. 
Dr. Dudek führte aus: 
. „Der Magistrat ist mit mir überzeugt, das; das 
Wirtschafts-. Tiedlungs- und Perkehrsproblem Un 
terelbe sdic Grog-Hambnrg-Frage) nur gelöst wer 
den kann in der Zusammenarbeit zwischen Pre,then 
und Hamburg. Ich brauche nicht zu betonen, daß 
mir selbstverständlich weit davon entfernt sind, gegen 
Hamburg und seine volks- u. weltwirtschaftlich über 
ragend« Stellung irgendwie voreingenommen zu 
sein. Wir sind aber zunächst einmal vorzugsweise 
dazu berufen, die Interessen der Stadt Harburg 
wahrzunehmen, und diese widersprechen in vielen 
Punkten denen Hamburgs. Das Gutachten des 
Staatsministers a. D. Drews und des Reichsichatz- 
, sekrctärs a. D. Graf Rödern, Hamburg, ist uns in 
großen Umrissen bekannt. Es fordert die Abtretung 
! von Wilyelmsdurg mit allen Elbinseln, also Katt- 
wnk. Hohe-Schaar, Finkenwärder und Altenwerder 
am Hamburg und legt Hamburg dafür eine fort- 
lansend« Entschädigung zugunsten der benachbarten 
preußischen Städte auf. Gegen diese Regelung, be- 
ionders aber gegen das Abtreten von Wilhelms- 
burg, Kattwyk und Hohe-Schaar an Hamburg, müs 
sen wir im Interesse Harburgs auf das nachdrück- 
lichsie protestieren. Damit würde jede Weiterent-- 
wickelung Harburgs durch die überragende wirt 
schaftliche Stärke der in den genannten Gebieten 
dann von Hamburg entwickelten Hafen anlagen ein- 
■ fach unmöglich gemacht. Tollte der preußische Staat 
das tun, dann werden mir mit Nachdruck fordern, 
daß auch Harburg au Hamburg abgetreten wird. 
Wir haben keine Lust, ähnlich wie Wilhelmsburg, 
zu einem wirtfchaşilich ohnmächtigen Fabrikarbeiter- 
vorort von Hamburg herabzusinken. Preußen mutz 
als Staat sich darüber klar sein, ob es einen Hafen 
an der Elbe halten will oder nicht, der in seinem 
. eigenartig wirtschaftlichen Charakter durchaus keine 
Konkurrenz für Hamburg zu bedeuten braucht und 
trotzdem ein wichtiges Glied im Gesamtbild der 
deutschen Volkswirtschaft darstellt. Hält Preußen 
Dies für notwendig und zweckmäßig, dann muß es 
ober auch alles Unterlasten, was seiner Absicht 
widerspricht. Halbheiten wären hier überaus ver 
derblich. Abgesehen davon, würde ein« Gebiets 
abtretung in dem erwähnten Rahnen das Unter- 
elbc-Problem keineswegs lösen. Die Siedlnngs- 
und Verkehrsfrage, wie die Frage der Grundflächen 
und ihre systematische Unterhaltung im Gesami- 
wirtschastsgebiet der Unterelbe bleiben noch weiter 
hin ungelöst. Alles wäre Stückwerk, und spätere 
Generationen würden unsere Kurzsichtigkeit ver 
fluchen." 
Der Siadt Harburg brennt besonders eine etwaige 
Abtretung der Stadt Wilhelmsburg an Hamburg auf 
den Fingernägeln. Bekanntlich wünscht Wilhelmsburg, 
das, auf der Elbinsel gelegen, Hamburg vorgelagert 
ist, Anschluß an Hamburg.. Die Stadt Harburg aber, 
die sich durch Eingemeindung vergrößern und stärken 
will (ebenso wie die andern Städte im Gebiet des 
Unterelbeproblems: Hamburg, Altona und Wandsbek), 
wehrt sich mit Händen und Füßen gegen eine Eiirver- 
lcibung Wilhelmsburgs mit Inselumland in Ham 
burg, imd sie hat in dieser Hinsicht die Provinz Han 
nover hinter sich. 
Außer der Hervorkehrung speziell Harburger In 
teressen beruht eine Hauptberonnng in den Dudekschen 
Ausführungen unseres Erachtens darauf, daß das 
Problem der besten wirtschaftlichen Erschließung des 
Unierelaegebietes (Hafenanlagen, Industrie- und Ar 
beitersiedlung, Berkchrspolitik) nur gelöst wer 
den könne in der Zusammenarbeit zwischen Preußen 
und Hamburg. Wir wissen nicht, wie die endgültige 
Stellungnahme der preußischen Staatsregierung bei 
den setz! in die Wege geleiteten maßgebenden Ver 
handlungen zwischen Preußen und Hamburg sein wird. 
Wir glauben jedoch zu wissen, daß, wenn man sich den 
Standvunkt der an dein Problem Unterelbe unmittel 
bar beteiligten Provinze» Hannover und Schleswig- 
Holstein sowie der im Zusammenhang mit dem Unter 
elbeproblem vielgenannten Städte und Kreise (Al 
tona, Wandsbek, Harburg, Kreise Stormarn und Pin 
neberg) zueigen macht, man preutzilcherieits unbedingt 
grundsätzlich daran festbaltcn wird, daß eine Lösung 
des Problems in prenßisch-hambnrgischer Zusammen 
arbeit gefunden werden muß und unter dem Leitge 
danken, daß das deutsche Linfichrzcntrum an der 
Unterelbe, das wohl auch das wirtschaftlich aus 
sichtsreichste Gebiet ganz Deutschlands ist und in das 
sich territorial und wirtschaftlich Hamburg und 
Preußen teilen, unter gleichmäßiger Berücksichtigung 
der Interessen Hamburgs und Preußens sowie der 
beiden übergeordneten des Reiches gefördert werden 
soll. 
In den genannten Kreisen und Städten läßt man 
wobl mit sich reden über unabwendbare Gebietsab- 
rimdungen kleineren Umfanges. Dagegen nimmt man 
scharf Front -gegen größere Gebietsabtretungen, wie sie 
Hamburg offenbar genehm wären, und man vertritt 
den wohlbegründetcn Standpunkt, daß. da Hamburg 
dies eminent wichtige Problem der llnterelbe allein 
gar nicht lösen könne, eine Förderung der beiderseiti 
gen Interessen und der übergeordneten des Reiches ge 
sucht werden müsse in den Formen eines hamburgisch- 
vrenßischen Sicdlungsverbandes und einer Hafenbe 
triebsgemeinschaft für nouzusch affendes Häfen,gebiet. 
Preußen kann, wie mit gutem Grund geltend gemacht 
wird, auf größere Distrikte im Unterelbegebict nicht 
verzichten, weil cs den stärksten Handel in Deutschland 
hat und sich die immerhin interessante statistische Fest 
stellung ergeben hat, daß zwischen 70 und 80 Prozent 
der im Hamburger Hafen verfrachteten Waren nach 
Preußen gingen. Auch wird Hamburg angesichts seiner 
Gebietsvergrötzerungswünschc vorgehalten, daß große 
Flächen feines Safengeländes noch nicht ausgenutzt 
seien. 
Und aus alledem wird die Schlußfolgerung ge 
zogen, da« versucht werden müsse, mit Hamburg zu 
einem oerwaltungstechnischen Ausgleich zu kommen. 
Darüber kittäs gehen Anregungen, die verkshrsökano- 
mifch zweckmäßigsten Anschlüsse ins deutsche Binnen 
land ait die Unterelbehäsen und möglichstgiirnftfae Um 
schlags ta rife im Hamburger Hafen zu schaffen, own die 
Ware verbilligt an den Verbraucher bezw. das weiter 
ZU verarbeitende Produkt verbilligt an den Iitdn- 
Amor aus Schleichwegen. 
Ein heiterer ^on^^lt von Friede Birkn er. 
52) şş Nachdruck verboten. 
Maria schloß bei diese» in leichtem Ton ge 
sprochenen Worten die Augen, denn das Gefühl der 
namenlosen Angst, die sie um den Mann ihrer Lie 
be ausgestanden hatte, übermannte sie, und sie 
wollte die Gesellschaft nicht in die feuchten Augen 
sehen lassen. Aber Mar hatte doch mit einem tie 
fen Aufatmen des Glückes gespürt, was in Maria 
vorging. 
„So wäre also Roy zur höchsten Not gekom 
men?" fragte Christa. 
„Das kann man wohl mit Recht behaupten," 
erwiderte Max lachend. Christa stand auf und ging 
zu Roy, der sich eben andächtig mit seinem Schuh 
befaßte, der ihn drückte, und griff in Roys volles 
Haar, bog lachend feinen Kopf zurück und küßte ihn 
herzlich auf den Mund. 
„So, und nun müssen Maria und Daisy das 
gleiche tun, das ist unser Dank dafür, daß Sie Mi 
ster Bredow so prächtig aus der Mausefalle geholt 
haben." 
„Donnerwetter, gehr's mir aber heute gut! 
Das bin ich gar nicht gewöhnt, meine Damen!" 
Ader mit dein größten Genuß nahm er die Küsse 
entgegen und stichle Robert und Max höhnisch aus: 
„Actfch, meine Lieben, so gut geht's mir, so feiert 
inan den Sieger von Schanghai!" 
„Kommen Sie mal wieder runter von Ihrem 
Thron, junger Held, wenn ich nicht entführt wor 
den wär«, hätten Sie den Lorbeer des Erretters 
nicht einheimsen können, — folglich gebührt mir 
der Lohn, und ich wende mich an die Gerechtigkeit 
ber Damen und fordere meinen Lohn!" Max sah 
lachend eine der Damen nach der anderen an und 
harrte in erwartungsvoller Stellung. Christa legte 
den feinen Zeigefinger an das Rüschen und sagte 
tiefernst, doch mit verhaltenem Schalk in der 
Stimme: 
„Wenn er recht hat, soll er recht haben! Ge 
rechtigkeit erhöhet ein Volk, also — ich .zahle mei- 
aen Beitrag an die Gerechtigkeit." IInd mit einem 
keinen Erröten legte sie den Arm auf Maxens 
Schulter und bot ihm die weichen Lippen, die er 
zart küßte, um sich dann pit Dank über ihre Hand 
W neigen. „So. und nun die andere»! Damit 
keine Drängelei entsteht, schlage ich vor, daß wir 
des weiteren dem Alter nachgehen. Demzufolge 
käme jetzt Missis Daisy dran," fügte Christa hinzu. 
„O," rief Daisy lachend, „wenn das Kurtchen 
erfährt!" 
„Latz dir ja keine grauen Haare wachsen, 
Schwester-herz, Kurtchen nimmt solcherlei Dinge 
auch nicht so genau," beruhigte Roy seine Schwe 
ster, die dann auch mit lachendem Munde ihren 
De r pfl i chturige n na chka in. 
Als nun die Reihe an Maria kam, die vor in 
nerer Erregung blaß geworden war, suchte jeder 
der Anwesenden für seine Augen ein anderes Ziel, 
denn jeder ahnte, was dieser Kuß für Maria be 
deutete. und es erschien ihnen allen aufdringlich, 
diesem Kusse zuzusehen. 
Max sah Maria mit großen, voll Liebe strah 
lenden Augen entgegen, nahm ihre zitternden 
Hände fest in die seinen und küßte sie. ehe sie ihm 
die Wange bieten konnte, wie es ihre Absicht ge 
wesen war, innig und fest auf den bebenden Mund. 
Und leise, wie ein Hauch, flüsterte er dabei: 
„Ich hab' dich lieb, Maria!" 
Wie erwachend sah sie ihn an, und er drückte 
ihr noch einmal fest die Hand, zog sie an seine Lip 
pen und ging dann schnell mit einem Scherz über 
die Lage hinweg, um ihr Gelegenheit zu geben, sich 
wiederzufinden. 
„So. nun wäre ja der Fall auch zur allgemei 
nen Zufriedenheit erledigt," sagte Werner Hartung 
lachend. 
„Erlauben Sie mal. Mister Hartung, so allge 
mein, wie Sie annehmen, ist die Zufriedenheit nun 
denn doch iricht!" rief Robert lachend dazwischen. 
„Ich kann ja sehen, wo ich mit meinem neiderfüll 
ten Herzen bleibe!" 
„Bleiben Sie. ruhig, kleiner Schmerzensreich! 
Wenn Sie mal von den Chinesen geangelt werden, 
dann wird Ihnen auch diese fürstliche Belohnung," 
beruhigte ihn Roy großmütig. 
„Um aber noch einmal auf die notwendigen 
Vorfichtsnraßrogeln zu kamnren, die doch unbedingt 
angewendet werden müssen, wenn Sie aus dem mir 
unbegreiflichen Wunsche bestehen wollen, gegen 
diese Schurken nichts vorzunehmen, so müssen wir 
uns doch einen Plan zurechtlegen." 
„Das einzige, was zu tun ist und was wohl 
auch den gewünschten Erfolg haben wird, ist, daß 
flttellen HeranMvrmgen. In vtsser Bezkêng sek'auch 
an den projektierten sog. Hansakanal gedacht, der das 
Rubrgebiet mit dem Unterelbogsbiet verbinden soll. 
Hiibisfnrtrebel tut beide Teile ist selbstredend jenes 
Gerücht, daß Hamburg in Preußen M-fgeben solle. Das 
wird Hamburg nicht tun und Schleswig-Holstein nicht 
wollen. Schleswig-Holstein wird aber auch nicht etwa 
250 000 Menschen verlieren wollen, die das ursprünglich 
von Hamburg gewünschte Geibiet bewohnen. * 
Der Harburger Oberbürgermeister behauptet, das 
Gutachten von Drews und Gras Rödern enthalte die 
Forderung der Abtretung Wilhelmsburg? und nàrer 
Elbinşşeln an Hamburg. Wennschon ein solcher Kardi- 
nalpunkt des Gutachtens bekannt wird, dann wäre es 
angebracht, -daß das Gutachten bald vollständig an die 
Oeffentlichkeit herangebracht würde, damit man es 
dann im ganzen he-urteilen könnte. 
In der „Rbelnisch-WestlSlischen Zeitung" vom 30. 
März befindet sich ein bemerkenswerter Staffn«, betitelt 
„Die Groß - Hambu r g -Frage — ein Problem wirtschaft 
licher Kräfteverteilung", in welchem die Interessen 
der Industriehasenstadt Harburg gegenüber Hamburg 
wahrgenommen werden. Zusammenfassend heißt es 
am Schluß des Aussatzes: „Es gibt nur eine wahrhafte 
Lösung der Groß-Hamtburg-Frmge. Sie besteht darin, 
daß sich alle beteiligten Länder, Provinzen und Ge 
meindeverbände — zusammenfinden, um mit allseiti 
gem guten Willen die bestehenden Schwierigkeiten 
durch gemeinsame Arbeit zu überwinden. Schwierig 
keiten verursachen in erster Linie Städte-boA und Ver 
kehrswesen, und diese Schwierigkeiten wird man nie 
mals durch Gebietsabtretung ganz aufheben können. 
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist zu 
erwarten, daß Hamburgs neues Stadtkl-cid im Lause we 
niger Jahrzehnte wiederum zu klein geworden ist. Wie 
weit will man dann die Vergrößerung treiben? Es 
gibt nur eine wirkliche und dauerhafte Lösung, das ist 
die Zusammenfügung aller Beteiligten zu einer Ar 
beitsgemeinschaft. Welche Form, welchen Namen man 
ihr gibt, ist gsseichgültiig. Wer im Laufe der letzten 
1/3 Jähre hat sich bei all denen, die guten Willens sind, 
der Gedanke durchgesetzt, daß nur eine eriolgverspre- 
chende Fovm besteht: „der Siedlungsverband". Sein 
Vorbild im Ruhrkolllcnbezirk ist im Laufe weniger 
Jahre eine ebe-nso segenstiftende wie unentbehrliche 
Einrichtung geworden. Wenn der SiedlunssverLand 
ergänzt wird durch sine Safenbetriebsgemeinschaft, so 
werden die Voraussetzungen für eine reibungslose 
organische Entwicklung des Unt-erelbegsbiets zum Be 
sten seiner Bewohner vorhanden sein. Diese wahrhafte 
Lösung des Problems wird zu der so notwendigen Er 
sparnis und Rationalisierung beirrqx-en. und das ist 
wirkliche Oekonamie -der Kräfte." 
urom? imtmmm.'ìmammBmmmmmtmmmimmmmi 
Krrrze Tagesrundfchem. 
Eine dänisch-amerikanische Grönland-Expedition 
wird nächstens unter Leitung des bekannten dänischen 
Polarforschers Peter Frettchen ausgerüstet werden. 
Die Expedition hat sich die Erforschung von Westgrön 
land zur Aufgabe gestellt. Sie wird sich zweier 
Flugmaschinen bedienen, die auch bei der kartenmäßi- 
gen Festlegung^der zu erforschenden Gebiete zur An 
wendung kommen sollen. 
Die Nationalmnscums-Sammtang und Nord- 
schleswig. 
„Verlingske Tidende" teilt mit, in wie starkem 
Maße die einzelnen Landesteile zu der Sammlung 
für ein dänisches Nationalmuseum, die bekanntlich 
im ganzen 1800 000 Kronen erbracht hat, bei ge 
fragen haben. Aus Nordşchleswiz ist danach ein 
Betrag von 27 000 Kronen eingegangen, während 
auf der Insel Fünen 47 000 und auf Seeland 
97 000 Kronen gesammelt wurden, ^ : 
— Beim Rangieren getötet. Aus der kleinen 
dänischen Station Odder bei Horsens wurde der 
55jährige Rangierer Nielsen vom Zuge überfah 
ren, Wie sich das Unglück zugetragen hat, konnte 
nicht mehr festgestellt werden. Der Getötete hin 
terläßt cine Frau und zwei erwachsene Kinder. 
— Furchtbares Gasdrama in Veile. Der 
Kaufn rann Anders Jensen in Vejle hat in der 
Nacht auf Montag sich selbst, seine Frau und sein? 
beiden Knaben durch Gasvergiftung getötet. Man 
nimmt an. daß unglückliche wirtschaftliche Verhält 
nisse der Anlaß zu dieser Schreckenstat gewesen 
sind. 
— Auf See verbrannt. Der dänische Fisiher- 
kutter „E. 194 Oda" geriet westlich von Sylt in 
Brand. Das Feuer wurde durch Explosion einer 
Lampe verursacht. Die Besatzung konnte von er 
nem anderen Fischerkutter gerett-er werden. 
- Noch immer Eis in der Finnischen Bucht. 
Wie „Svenska Dagblädet" aus Helsingfors gemel 
det wird, ist der südliche Teil der Finnischen Bucht 
noch immer vereist. Ein estnischer Eisbrecher soll 
nicht imstande sein, die Fahrrinne nach der Stadt 
Reval freizuhalten. Die estnische Regierung hat 
daher Verhandlungen mit der finnischen Regie 
rung eingeleitet, um einen finnischen Eisbrecher zu 
Hilfe zu bekommen. 
London, 31. März. Wieder ein englisches 
Landschloh niedergebrannt. In dem 1100 Jahre 
alten Landschloß Closeshall brach gestern nacht 
Feuer aus, das großen Schaden anrichtete. Die 
Londoner Polizei hat einen Dienst eingerichtet, um 
die Ursache der vielen Schloßbräirde festzustellen. 
II it ndf un tt-P r o gram m. 
Freitag, 2. Slpril 1926: 9 Uhr: Margenfeier 
am Karfreitag. ■— 4 Uhr: Die Legende von der 
heiligen Elisabeth. Oratorium von F. Liszt. 
8 Uhr: Uebertragung aus der Mirsikhalle: Orgel- 
Konzert, Prof. Alfred Sittard. — 10 Uhr: Wei 
ter- und Sportbericht. 
Sonnabend. 3. April 1929: 3,45 Uhr: Frau 
enleben in früherer Zeit. Eine kulturhistorische 
Plauderei von Jacob Dadel-Elding. — 4,15 Uhr: 
Bremen: Volkstümliches Konzert. — 5 Uhr: Bre 
men: Der ernste Brahms. — 8 Uhr: Osterfreudsn. 
Konzert der Funkwerbung. — 7 Uhr: Rechtsfunk 
der Rorag: Rechtsbetrachtungen über Goethes 
Faust von Rechtsanwalt Dr. Zorn. — 7,30 Uhr: 
Schule der Sprachen: Englisch. — 8 Uhr: Dat> 
Osterspäl oun Redentin. Ut dat Middelnedder- 
dütsche öwersett un for de Späldeel torechtmakr. 
vun Fr. Lindemann. — 10 Uhr: Wetter- und 
Sportbericht. Die Theater der Woche. 
Sonntag. 4. April 1928: 9.15 Uhr: Ostern. 
— Esperanto. 11 Uhr: Parolado en Esperanto. 1 
11,30 Uhr: Unterrichtsvortrag. (Deutsch.) Spre 
cher: Karl Minor. — 12 Uhr: Dr. Funk, Inge 
nieur. — 12,30 Uhr: Funkstunde des Funkverban- 
des Niederdeutschland. — 1,45 Uhr: Festkonzert. 
— 2,30 Uhr: Schachschule für Anfänger. — 3,30 
Uhr: Funkheiirzelmann. — 4,15 Uhr: Hamburg: 
Indiskretionen. Hamburger Theaterplaudereien 
von Wilhelm Ehlers. — 4,30 Uhr: Die Geschichte 
der deutschen Oper. — 6 Uhr: Erinnerungen eines 
Weltkorsffpondenten. Von Philipp Berges, 4. 
Der große Ueberländer. — 7 Uhr: Faust. Der 
Tragödie erster Teil von Goethe. 
ich mich eben nicht mehr allein auf die Straßen 
wage, nicht mehr allein ausgehe," sagte Akax und 
wechselte einen Blick mit Roy. 
„Es ist überhaupt nicht gut, wenn hierzulande 
ein Europäer allein geht, man kann diesen verflix 
ten, gelben Kerlen nie über den Weg trauen," 
sagte Herr Hartung, „ich sehe es auch gar nicht 
gern, wenn Chvista mit Fräulein Holm allein aus 
geht, wenigstens Roy könntet ihr doch mitnehmen," 
fügte er. zu Christa gewendet, hinzu. 
„Hm, weil der liebe Roy auch so gar nichts zu 
tun hat, als mit kleinen Mädchen şpazîerenzugc- 
hen," brummte Roy. 
„Und ich bin der Airsicht," sagte jetzt Daisy, 
die schon seit einiger Zeit vergebliche Versuche an 
stellte, das Gähirsn zu unterdrücken, „daß wir nun 
alle ganz gern zu Bett gehen könnten, denn es ist 
bereits.eine Stunde nach Mitternacht." 
„Aber, Schwesterherz, du süßes, wer hindert 
dich denn daran, dies sofort zu tun?" Roy sah seine 
Schwester völlig ungerührt an und fühlte sich nicht 
im geringsten veranlaßt, seinen behaglichen Sitz in 
dein tiefen Klubsessel dem Rirhebedürfnis seiner 
Schwester zu opfern. 
„Ray, du bist ein Ekel, und ich muß doch Kurt 
bitten, wenn er wieder hier ist, daß er dich mal 
gründlich erzieht," lachte Daisy in ihrer schwester 
lichen Hilflosigkeit. 
„Kurtchen mich?! Du, das köirnte was Nettes 
werden! Umgekehrt würlde schon eher was draus." 
Roy wollte sich noch etwas bequemer setzen, als ihn 
Max. der wohl spürte, wie abgespannt und müde 
Maria nach den Aufregungen war, lairgsam, aber 
todsicher am Kragen hochzog, mit einer Kraft, die 
ihm wohl keiner zugetraut hätte. 
„Konnnen Sie, Sie famoser Kerl, schaffen wir 
uns einen guten Abgang, ehe wir hier aus diesem 
gastlichen Haus durch nicht erfolgtes Auffordern 
zum Verweilen sanft, aber nachdrücklich an die 
Luft fliegen. Ich glaube, wir sind alle müde, denn 
„dieser letzten Tage Qual war groß". Und den da 
zu gehörigen langen Schlaf gedenke ich auch zu 
tun." 
„Ra, schön, wenir Sie auch fahnenflüchtig wer 
den, denn muß' ich ja wohl! Und Sie, Rex?" 
„Auch müde, und die Danren haben alle drei 
schon ganz kleine Augen, also höchste Zeit zum Ee- 
„Wenn man mich für gänzlich ungastlich er 
klärt, meine Herren, — ich fordere Sie auch nicht 
zum Bleiben auf", erklärte Werner Hartung la 
chend. Und so wehrte es nicht mehr zehn Minuten, 
bis die drei Herren die „Villa Hartung" verließen. 
Zwei Kabeltelegramme. Das erste: 
.Vi 
tone 
Hartung, Deutschland, Duisburg: Genaue Angabe 
eines bestimmten Kennzeichens von Mister Bre 
dow sofort kabeln." 
Das zweite: „Lo Lung, Schanghai, Chinesen 
stadt, Honkongstraße: Brauner Fleck unter rechtem 
Auge, dasselbe neben linkem Ohr." 
Zwei Briefe. 
„Missis Hartung! Auftrag gemäß hatten 
wir versucht, bewußten Gegenstand an uns zu brin 
gen, doch wurde er uns-wieder entwendet. Mit 
Ihrer Zusicherung von zehn Prozent des ganzen 
Gewinnes können wir uns nicht zufrieden geben. 
Wir müsseil um eine Anweisung der bewußten 
Summe bei der hiesigen englischen Bank ersuchen. 
Wie sie dieselbe ausstellen, wird Ihnen schon Kin 
Lung sagen. Ehe diese Anweisung mit nochmaliger 
Auftragserteilung in klarer, nicht mißzuverstehen- 
der Form in unseren Händen ist, können wir nichts 
unternehmen, bitten aber zu bedenken, daß nicht 
mehr viel Zeit zu verlieren ist, da besagter Gegen 
stand bald wieder nach Deutschland zurückgebracht 
wird. Tse Hai." (Fortsetzung folgt). 
«feUPMÄNNiseHg PRmisemsi 
Hafbjahrskurse beginnen: 
Donnerstag, den 8. ÆoriS
	        
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