auf vertraut waren, und so erklingen sie auch als
env altgewohnter Ton im Herzen Fausts. Aber
es sind nicht die altüberlieferten Lieder, sondern
Goethe hat sie. woraus Scherer zuerst hingewiesen,
mit selbständigem Inhalt erfüllt. Das Evangelium,
das ihn dem Leben wiedergewinnt, ist das Evan
gelium der Liebe. Diese Liebe, die ihm die Osterbot-
schaft predigt, ist cs die ihm Erlösung bringen
wird.
_ Goethes inniges Verhältnis zum Osterfest
äußert sich in zahlreichen traulichen Zügen seines
Lebens. Die großartige Feier in St. Peter zu
Rom, die er in seinen italienischen Briefen io be
geistert schildert, klang in ihm bei der Gestaltung
der Fausts.zene noch nach: aber auch die schlichten
und anmutigen Bräuche des deutschen Ostern
har er gepflegt. Man weiß, daß er die Sitte des
Eiersuchens nach Weimar brachte und bei diesem
Mühlingsfest gern eine Schar von Kindern bewir
tete. Die Freude, die in der Natur und im Men-
fchenherzen bei diesem Frühlingsfest erwacht, schuf
den Erundton für seine Osterstimmung, und so hat
er denn auch .im Faust die uralte Volkssitte des
.Osterspazierganges neu belebt, hat in den Szenen
,,Vor dem Tor" das heitere Treiben der festlich
gestimmten Menschen geschildert, und in dem wun--
dervollen Hymnus Fausts an die Natur erstehen
mit neuer Innerlichkeit die uralten Vorstellun
gen vom Sieg des Sommers über den Winter, von
der Befreiung der Lebenskräfte aus den Fesseln
der Kälte und der Finsternis.
Ģte'Zà, tu Vermögen kofîm
Den Luxus, der unter Napoleon III. in Paris
beim Lstereierichrnken üblich war, werden wir nicht
wieder erreichen, denn dazu sind die Zeiten zu
schlecht. Damals wetteiferte man geradezu in der
Kostbarkeit der Ostereier, und solche Gaben, deren
Inneres Schmucksachen im Werte bis zu 50 000
Francs barg, waren nichts Ungewöhnliches. Ein
reicher Vicomte überreichte der Dame seines Her
zens ein goldenes Ei, das ein eng zusammengepreß
tes Bündel von Banknoten im Werte von 100 000
Francs umschloß. Alle aber übertrumpft der Kai
ser selbst, indeni er Ostern 1802 seiner Gemahlin
Eugeiue ein. goldenes Ei schenkte, aus dein ihr Na
menszug in Brillanten erglänzte: darinnen befand
.sich ein herrliches Halsband aus den schönsten Per
len. das i-'rQ 000 Francs gekostet hatte. Vermögen
koste» auch die Ostereier, die sich als riesige Attrap
pen darstellen. To verehrte ein Kammerherr
Napoleons UI. einer Schauspielerin ein Osterei,
das damals größtes Aufsehen hervorrief. Es be
stand aus einem gewaltigen eiförmigen' .Kosfcrgc-
häiise auf dessen blauer Samtbekleidung unzählige
von Pfeilen durchbohrte Herzen in kunstvoller
Goldstickerei leuchteten Das riesige Paket wurde
von einer großen Anzahl Arbeiter behutsam in
den Hos des Hauses gerollte, in dem die Dame
wohnte, und als man es hier öffnete, sah die Be
schenkte zu ihrem Entzücken im Innern eine rei
zende, kleine Equipage mit zwei prächtig angeichirr
sten Ponys und einem Diener in voller Livree, der
majestätisch aus dcni Bock saß und der Befehle sei
ner Herrin harrte. Die Schauspielerin.brauchte
nur im Wagen Plag zu nehmen, um sogleich in die
ser hübschen Gabe des Osterhasen eine Osterspazier
fahrt zu machen.
Große Aufregung rief ein Osterei hervor, das
einmal dem Kaiser Franz Josef von Oesterreich
übersandt worden war. Man fürchtete zunächst,
daß cs eine Höllenmaschine enthalten könne, als
man aber piepende Töne darinnen hörte, wurde es
„abgepellt", und es zeigte sich ein reizender ver
goldeter Käfig in Enorm, in dem ein Star mit
lustigem Gesang das Licht begrüßte. Das Tierchen
war io abgerichtet, daß es eine ganze Reihe be
kannter Melodien flöten konnte, und ein beige
fügter Brief sprach die Hoffnung aus, der Vogel,
dessen Abrichtung ein ganzes Jahr gekostet habe,
möge dem Herrscher ein kleines Ostervergnügen
bereiten. Andere solche Attrappen mit lebendem
Inhalt, wie sie besonders in England von Ver
ehrern an ihre Schönen gesandt wurden, enthielten
niedliche Kaninchen oder weiße Mäuse. Eine wirk
lich süße Gabe brachte ein englischer Lord vor ei
nigen Jahren seiner Braut, der Tochter eines süd
afrikanischen Millionärs, dar. Dies Ungetüm von
Osterei, das I Meter Höhe und einen Durchmesser
von 1,50 Meter hatte, in dessen Höhlung ein
Mensch auf einem Sessel bequem Platz nehmen
.konnte, hatte eine Füllung von nicht weniger als
1000 Pfund Bonbons, und die Kosten des Trans
portes dieser zerbrechlichen Gabe von Southainton
nach Südafrika verschlangen allein ein Vermögen.
Den Vogel aber schoß der Millionär David Hart
ley ab, der seiner Tochter bei ihrer Rückkehr von
der Hochzeitsreise das größte Osterei der Welt be
scherte. Der Papa hatte den jungen Eheleuten ver
sprochen, sie würden bei der Heimkehr auf ihrem
Landgut Ellis-Connor eine Villa vorfinden. Als
sie an Ort und Stelle waren, fanden sie kein Haus;
dafür leuchtete ihnen die weiße Fläche eines rie
sigen Eies entgegen. Aus dem Riesenei war auf
der einen Seite die Inschrift angebracht: „Glück
liche Ostern!" und auf der anderen Seite stand
zu lesen: „Ein kleines Ei dem jungen Paare,"
Die Jung vermählte ir standen ziemlich ratlos vor
diesem „kleinen" Et, das einen Inhalt von etwa
20 000 Kubikmetern hatte. Da ertönte plötzlich aus
dem Innern Musik und Gesang. Die obere Hälfte
des Eies begann sich langsam in die Höhe zu he
be». Zugleich drehten sich die Seitenteile des Eies
um eine Achse, und allmählich kam ein entzückendes
kleines Haus zum Vorschein, in dem sich eine voll
ständige Einrichtung befand und an einer festlichen
Tafel eine fröhliche Gesellschaft saß. Der alte
Hartley, der an solchen Scherzen eine große Freude
hatte, war bei dem Geschenk ein Vermögen losge
worden. Die Eihülle allein hatte 31 000 Jt geko
stet und die Maschinerie, die das Häusàn ent
hüllte. 9000 oil.
$
Asterfmsr.
Von Lulu von St r a u ß und Dorne y.
Von allen Bergen zu Tale
Ist ein Leuchten erwacht.
Flamm e nde Frühl ingsfanv le
Durch die Ostcrnacht.
Von allen Türmen, zusammen
Läutet es landhineiu —
Herz, mit Glocken und Flammen
Bricht der Frühling ein.
Vurrte Wett.
Di- Uhr von Locarno.
Die Uhr im Sitzungssaal des Ecrichtsgebäu-
des von Locarno, der den Staatsmännern und
Diplomaten bei ihrer welthistorischen Zusammen
kunft als Versammlungsort gedient hat, ist nun
mehr auch zur Berühmtheit gelangt. Dieser Tage
wurde sie mit einer Plakette versehen, auf der ihre
historische Bedeutung gewürdigt ist. Es wird in
der Inschrift daraus hingewiesen, daß sie den Be
vollmächtigten der Großmächte, die sich in diesem
Saal zusammengefunden 'haben, um Europa den
Frieden zu geben, angezeigt habe, was jeweils die
Uhr geschlagen hatte. Unter dieser Inschrist sind
die Rwmenszüge der Minister eingraviert, die an
der Konferenz teilgenommen haben. Galanter
weise hat man auch die Unterschrift der Lady
Chamberlain beigefügt, die ihren Gatten während
der Konferenz besuchte.
Die Bronzehand als Chirurgendcnkmal.
Eine ungewöhnliche Feierlichkeit fand kürz
lich im Rahmen der Versammlung des Aerzte-
verbandes in Liverpool statt, als ^ dem ebenfalls
anwesenden berühmten Chirurgen E. T. Paul vom
Vorsitzenden ein Bronzeabguß seiner rechten Hand
überreicht wurde. Der Abguß ist bestimmt, in der
Klinik von Liverpool an hervorragender Stelle
seinen Platz zu finden. Bei der chirurgischen Ope
ration sind zwar, wie der Vorsitzende bei Ueber-
gabc des Geschenkes ausführte, die Hände nur das
Werkzeug des Willens, ben das Gehirn diktiert.
In diesem Fall aber ist die rechte Hand des Chi
rurgen, der, wie seine Kollegen und Patienten
einstimmig erklären, eine unvergleichlich leichte
Hand hat. solcher Auszeichnung würdig. Die in
Bronze ausgeführte Hand ist ein Werk des Bild
hauers Tison Smith, der sie nach einem Gipsab
guß modelliert hat.
Schlanktverdcn ist gefährlich.
Die Sehnsucht der Frau von heute ist jugend
liche Schlankheit und ihr Ideal die Gestalt eines
Jünglings. Wo die Natur diesen Wünschen eine
schmerzliche Enttäuschung bereitet, wird versucht,
mit künstlichen Mitteln nachzuhelfen. Besonders
beliebt sind die Entfettungskuren, die, wenn sie
mit Vernunft und Maß durchgeführt werden, .eine
Wohltat für den Körper bedeuten, die aber in ih
rer nur allzu häufigen Uebertreibung eine schwere
gesundheitliche Gefahr bedeuten. Das ist erst die
ser Tage wieder in einer Sitzung der neuen Aka-
domie für Medizin in Newyork von sachverständi
ger Seite festgestellt worden. Der Aerzteversamm-
lung lagen wohl 20 000 Briese von Leserinnen
einer Frauenzeitschrift vor, in der die Opfer der
gewaltsamen Entfettungskuren bewegte Klage über
ihre bösen Erfahrungen führten. Die Heraus
geberin der Zeitschrift erläutert diese Briefe dahin,
daß sich in der Mehrzahl der Fälle die üblen Fol
gen der Entfettungskur in einem Rervenzusrmm-
bruch, ja selbst in Tuberkulose und krebsartiger
Erkrankung gezeigt hätten. Diese Erscheinung
betreffe jedoch nur eine Minderheit; die Mehrzahl
der Opfer beklage sich darüber, daß, während sie
ihrer Figur ,zur Schlankheit verholfen hätten, ihr
Gesicht während der Kur rundlich und schlaff ge
worden sei, so daß sie um zwanzig Jahre älter
aussähen, als sie wirklich seien. Diese Bericht
gaben Professor Menas S. Gregory, dem Leite!
der Psychiatrischen Abteilung des bekannten New-
yorker Bellevue-Hospitals, Anlaß, die Frauen z»
warnen und ihnen dringend zu empfehlen. sich z«
einer Kur erst zu entschließen, wenn sie sich über«
zeugt hätten, daß ihr Gewicht den für die Ec<
sundheit normalen Stand überschritten habe. „M
behandelten in dem letzten Jahr." so führte Pro'
fessor Gregory aus, „allein 225 Fälle, in denen di
Entfettungskur zu einem Rerveirzusammenbru^
geführt hat. Tic Gewichtsverminderung war iit
hex Mehrzahl der Fälle nicht der ausschließlich!
Grund des Nervenzusammenbruchs; er. hatte allere
dings^ in jedem Fall wesentlich dazu beigetragen
den Zusammenbruch zu beschleunigen. In aller
Fällen zeigt es sich, daß die erkrankten Perfdneş
eine ererbte neurotische Veranlagung hatten. Be«
deutungsvoll erscheint in diesem Zusammenhang
besonders der Ilmstand, daß bei einer großen Zahl
von Mädchen, die sich vor ihrer Verheiratung einet
Entfettungskur unterzogen, als Folge der Kur
Unfruchtbarkeit zu verzeichnen ist. Viele sind
überhaupt unfähig, Kinder zu bekommen, und
wenn sie wirklich Nachkommen haben, so müssest
diese armen Geschöpfe für die Sünden der Mütter
büßen, ^edes junge Mädchen sollte bedenken, daß
re durch die Sucht, schlank zu bleiben, nicht nur ihr
eigenes Leben, sondern auch das ihrer Kinder ge
fährdet, ganz gleich, ob es sich um mechanische
Werkzeuge zur Erreichung dieses Zweckes, um Ent-
haltsainkeit von Speise und Trank, um Arzneimst"
tel oder übertriebenes Rauchen handelt; die Ģ
iahr bleibt immer dieselbe, schon aus dem einfachen
Grund, weil alle diese Mittel verhängnisvoll auf
den Appetit einwirken."
Zum Lächeln und Lachen
Ein Auge.
Dem Chefarzt des Krankenhauses fällt es; ei'
»es Tages auf, daß der Inhalt der großen Woft-
geistslafchs im Operationssaal stärker abgenommen
hat, als es dem chirurgischen Verbrauch -nkiorich:
Er stellt seine Diagnose auf „innere Anwendung"
durch Personal und hängt an die Flasche einen
Zottel mit der Aufschrift: Methylalkohol! Ge
fahr der Erblindung!
Am andern Morgen fehlt wieder etwas, doch
nur halb so viel wie beim ersten Mal. Auf dem
Zettel aber steht geschrieben: „Een Ooge riskier'
ick!" — —
Au!
Ein Reisender fahrt nach Earmisch. Auf Ļ
Bahnhof in Earmisch angelangt, fragt er den Zug
führer: „Wo ist bitte die Zugspitze?" — Worauf
der Beamte sachverständig erwidert: „Vorn an der
Lokomotive."
Ein intelligenter Schüler.
Lehrer: „Wenn du im Dunkeln eine Kşş
gegen den Strich streichelst, was springt dir da in
die Augen, Hans?"
Hans: „Die Katze, Herr Lehrer!"
Klavierivielen überflüssig.
„Klaoierstundo willst du haben? Blödsinn!
Wo's Radio jibt. braucht in der jansen Stadt bloß
'mmer eener Klavierspielen zu können."
Verantwortlich: Adolf Gregor i, Rendsburg.
Amor auf Schleichwegen.
Ein heiterer Roman von Friede B i r f» c r
03) Nachdruck verboten.
, Die Antwort:
^ „Mister Tie Hai! Es ist sehr schwer für mich,
dbnen den Auftrag noch einmal zu erklären. Der
bewußte Gegenstand muß aus dkr Welt geschafft
werden, denn sonst haben wir alle keinerlei Vor
teil. Es würde dann auch nichts nützen,wenn Sie
dort den beigelegten Scheck vorlegen, denn der Ge
genstand könnte ja jederzeit Nachforschungen ver
anlassen und würde die Spur zuerst aus Sie führen
und dann auch nach her. Also erst wenn der Ge
ge »stand ohne jede nachfolgende Schwierigkeit aus
der Welt geschafft ist. wenn ich hier die Nachricht
von ^hneil und eie meine Kabelantwort in Hän
den haben, dürfen Sie das Geld abheben. Alles
Weitere erledigt Kin Lung mit Ihnen, denn ich
will unmittelbar nichts mehr mit der Sache zu tun
haben. L. H."
..Die Temperatur hatte sich schon bedenklich ab
gekühlt, und es war dem chinesischen Thermometer
nach bereits „drei Rücke kalt". Die Rächte waren
logar Kf)oi,_ sehr unangenehm kalt, und in „Villa
Hartung saß man abends nach dem Esten meist
schon sehr gemütlich um den Kamin.
Um so schöner war es aber am Morgen, wenn
d:e Liirt noch klar und rein war. so ganz anders
als die Sommermorgen. in denen schon die kom
mende Glut des Tages lauerte.
Auf dringendes Raten und Bitten Christas
hatte Maria sich nun auch entschlossen, reiten zu
lernen,^ und war die vierte im Bunde geworden.
-i aisu sträubte sich, obwohl sie reiten konnte, mit
von der Partie zu sein, denn sie fand das frühe
Aufstehen mensche,nnordend. Mar konnte sich aus
Mangel an Zeit nicht den Reitkursus gestatten,
denn die Geschäfte in Schanghai hatten einen ganz
unerwarteten Umfang angenommen. Da Robert
sich, wo er cs nur eben mit einigem Anstand tun
konnte, von den Geschäften drückte, so lag die ganze
Last auf Max.
Da sich am Abend meist noch eine Plauder-
stundc mit Maria fand, so hatte er auch gern alle
Arbeitslast auf sich genommen und freute sich, daß
er endlich einmal eine Gelegenheit fand, um dem
freund ein wenig all die Wohltaten zu erwidern,
die Robert seit ihrer gemeinsamen Schulzeit aus
ihn gehäuft hatte.
Wieder einmal ein Reitausflug! Aber er
führte unsere Gesellschaft nicht in das Chinefen-
viertel, sondern.weit hinaus nach dem freien Ge
lände un, die Rennbahn herum, das am Morgen
menschenleer und totenstill war. Aber Totenstille
und Roy, das ware zwei Punkte, die nichts Ge
meinsames haben konnten. Und so tönte denn
auch bald durch die morgènfliedkiche Stille das La
chen und Rufen der vier judgen Menschen.
„Kinder, ich habe einen prächtigen Einfall!"
„Erst vorlegen, dann, bitte, cs uns überlasten,
ob er prächtig ist."
„Meine großartigen Pläne sind für euch Ba
nausen viel zu hoch."
»IG ja, das ist bekannt," warf Maria, nur
Ray verständlich, dazwischen. Roy wurde demzu
folge auch gleich ein wenig bescheidener und sagte:
„Na. schön, — also ich schlage vor, daß wir auf
der menschen- und tierleeren Bahn ein regelrechtes
Wettrennen veranstalten mit erstem, zweitem,
drittem und Trostpreis, Kinder und Soldaten zah
len die Hälfte."
Großartig!" jubelte Christa auf. die ja für
aus dem Rahmen fallende Sachen immer begeistert
war. „Aber erst die Preise bestimmen!"
„Gut, — dies zeugt von Umsicht und Selbst
vertrauen! Also erster Preis meine große Vase
aus dein kaiserlichen Palast!"
„Donnerwetter. Ray. sind Sie aber nobel!
Was soll ich armer Schreibmaschinenmaharadscha
denn da stiften? Halt, ich habe es! Zweiter Preis
ist meine goldene Zigarettendosc, die sich gleich gut
für einen Herrn wie eine Dame eignet."
„Maria, jetzt wird es aber für uns sehr
chwer!" Ehrist,a rieb nachdenklich das feine Ras
chen und klopfte ihrem rassigen Tier beruhigend
den schlanken Hals, denn die Tiere wurden durch
das lange Stillstehen etwas unruhig.
„Ich stifte als dritten Preis hier mein Arm
band," kam ihr Maria zuvor. „Sie sshen, es ist
ein naturgetreues Abbild eines Hufeisens in Gold.
Mein Bater hat es einmal als Rennpreis bekom
men."
„Aber von solch einem Andenken dürfen Sie
sich doch nicht trennen!"
„Ich hänge nicht in dein Maße an dem Schmuck,
wie Sie vielleicht annehmen, denn Papa hat es nie
getragen, und er hat es ja auch von ganz gleich
gültiger Hand erhalten."
„Gut, — also auch der Preis steht fest, nun
fehlt noch der Trostpreis. Christa, Sie sind wieder
mal sein raus!"
„Wieso das?"
„Na. Trostpreise glänzen doch immer durch
höchste Mäßigkeit!"
„Dann werden wir eben das Hergebrachte um
stürzen und den Trostpreis den anderen würdig
anreihen. Ich stifte meinen indischen Seidcnsarre,
der sich als Flügeldecke ebensogut verwenden läßt
wie als Balltoilette."
„Ich muß feststellen, daß wir uns alle vier sehr
freigebig gezeigt haben. Nun bleibt nur noch zu
bestimmen, daß natürlich keiner den von ihm selbst
gestifteten Preis bekommen darf."
„Natürlich ausgeschloffen!"
„Blieben also noch Bedingungen und Ziel fest
zustellen! Als Ziel nehmen wir dort hinten den
kleinen Baum am Ende der Bahn. Bedingungen
sind, daß keiner vom Pferde sollen, keiner ohne
Pferd am Ziele landen und keiner nur sein Pferd
zum Ziüle schicken darf."
„Gut, denn also los! Halt, noch eines! Die
Damen reiten in der Mitte, ich an der Innenseite
und Rex außen am Waldsaum."
Die vier nahmen den bestimmten Platz ein, sie
waren alle fröhlich erregt und achteten nicht auf
ihre Umgebung, sahen also nicht, daß in einiger
Entfernung am Waldessaum einige Kulis sich mit
irgend etwas zu schaffen machten.
„Also bereit?"
»Za!"
„Achtung, — fertig — los!"
Und wie ein Pferd sausten die vier gleichwer
tigen Tiere davon.
Jeder war so stark mit sich beschäftigt, daß er
für den anderen kein Auge hatte und nur dem
Ziele zustrebte. Nur so war es zu erklären, daß
Robert etwas zurückblieb, denn sein Pferd war
doch wohl nicht so auf der Höhe wie die anderen
Tiere.
Als Robert an dem dichtesten Gebüsch oor-
überkam, schnellte plötzlich ein Kuli aus dem Ge
büsch, warf dem Pferd, das nicht mehr in dem Eil
tempo raste, einen Strick um die Vorderbeine, so
daß es wie ein gefällter Baum in die' Vorderfüße
stürzte, sich aber mit der Hilfe seines Reiters wie-
der hochfand. Im selben Augenblick kamen aus dem
Gebüsch noch vier andere Kerle gestürzt. Zwei grif
fen von vorn in die Zügel, und indeni sich Robert
gege diese wehrte, wurde ihm von hinten eine
Maske auf das Gesicht gedrückt. Das letzte, was
Robert noch sah, waren die drei Retter, die, unbe
kümmert um die leichte Biegung der Bahn, jagten
und so seinen Blicken entschwanden. Dann vergin
gen ihm die Sinne, er fühlte nicht mehr, daß ec
vom Pferde gezogen wurde, sah nicht mehr, wi<
Tse Hai aus dem Gebüsch kam. das Pferd schnell st
den Busch zog und dann mit seinem Raub und Lest
Kulis sich vorsichtig nach der Richtung des Bahn
hofes entfernte.
Bald kam ihm ein Auto entgegen, in dem 2°
Lung saß, und dahinein wurde der völlig betäubte
Robert gelegt.
Totenstill lag die Rennbahn — nichts rührte
sich, nichts regte sich. Das mißtrauischste Auge
hätte keine Spur von einem Kampf, von dein Ver
brechen entdecken können. Totenstill! ,—
Nach langen Minuten kamen die drei Reiter
wieder zurück, noch erhitzt von dem Ritt, und
glaubten nun hinter der Biegung Robert zu fin
den. der ihrer Ansicht nach zp nachläffig gewesen
war, um das Rennen mitzureiten.
^ Doch ungläubig sahen sie die menschenleere
àhp entlang, nirgends eine Spur von Robert!
Roy lachte auf und rief:
„Hallo, Rex. kommen Sie hervor aus Ihren«
Versteck! Sie bekommen den Trostpreis. Als erste
ist Christa durchs Ziel!"
(Fortsetzung folgt.)
Halbjahrskurse beginnen:
Böffmsrstag, den Q m April
Fahrpreisermäßigung für auswärtige Scftiiier
Lehrpian kostenlos
'N alle,
weiß, v
skullt.
^ahliê
lbs
rasas
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