Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

auf vertraut waren, und so erklingen sie auch als 
env altgewohnter Ton im Herzen Fausts. Aber 
es sind nicht die altüberlieferten Lieder, sondern 
Goethe hat sie. woraus Scherer zuerst hingewiesen, 
mit selbständigem Inhalt erfüllt. Das Evangelium, 
das ihn dem Leben wiedergewinnt, ist das Evan 
gelium der Liebe. Diese Liebe, die ihm die Osterbot- 
schaft predigt, ist cs die ihm Erlösung bringen 
wird. 
_ Goethes inniges Verhältnis zum Osterfest 
äußert sich in zahlreichen traulichen Zügen seines 
Lebens. Die großartige Feier in St. Peter zu 
Rom, die er in seinen italienischen Briefen io be 
geistert schildert, klang in ihm bei der Gestaltung 
der Fausts.zene noch nach: aber auch die schlichten 
und anmutigen Bräuche des deutschen Ostern 
har er gepflegt. Man weiß, daß er die Sitte des 
Eiersuchens nach Weimar brachte und bei diesem 
Mühlingsfest gern eine Schar von Kindern bewir 
tete. Die Freude, die in der Natur und im Men- 
fchenherzen bei diesem Frühlingsfest erwacht, schuf 
den Erundton für seine Osterstimmung, und so hat 
er denn auch .im Faust die uralte Volkssitte des 
.Osterspazierganges neu belebt, hat in den Szenen 
,,Vor dem Tor" das heitere Treiben der festlich 
gestimmten Menschen geschildert, und in dem wun-- 
dervollen Hymnus Fausts an die Natur erstehen 
mit neuer Innerlichkeit die uralten Vorstellun 
gen vom Sieg des Sommers über den Winter, von 
der Befreiung der Lebenskräfte aus den Fesseln 
der Kälte und der Finsternis. 
Ģte'Zà, tu Vermögen kofîm 
Den Luxus, der unter Napoleon III. in Paris 
beim Lstereierichrnken üblich war, werden wir nicht 
wieder erreichen, denn dazu sind die Zeiten zu 
schlecht. Damals wetteiferte man geradezu in der 
Kostbarkeit der Ostereier, und solche Gaben, deren 
Inneres Schmucksachen im Werte bis zu 50 000 
Francs barg, waren nichts Ungewöhnliches. Ein 
reicher Vicomte überreichte der Dame seines Her 
zens ein goldenes Ei, das ein eng zusammengepreß 
tes Bündel von Banknoten im Werte von 100 000 
Francs umschloß. Alle aber übertrumpft der Kai 
ser selbst, indeni er Ostern 1802 seiner Gemahlin 
Eugeiue ein. goldenes Ei schenkte, aus dein ihr Na 
menszug in Brillanten erglänzte: darinnen befand 
.sich ein herrliches Halsband aus den schönsten Per 
len. das i-'rQ 000 Francs gekostet hatte. Vermögen 
koste» auch die Ostereier, die sich als riesige Attrap 
pen darstellen. To verehrte ein Kammerherr 
Napoleons UI. einer Schauspielerin ein Osterei, 
das damals größtes Aufsehen hervorrief. Es be 
stand aus einem gewaltigen eiförmigen' .Kosfcrgc- 
häiise auf dessen blauer Samtbekleidung unzählige 
von Pfeilen durchbohrte Herzen in kunstvoller 
Goldstickerei leuchteten Das riesige Paket wurde 
von einer großen Anzahl Arbeiter behutsam in 
den Hos des Hauses gerollte, in dem die Dame 
wohnte, und als man es hier öffnete, sah die Be 
schenkte zu ihrem Entzücken im Innern eine rei 
zende, kleine Equipage mit zwei prächtig angeichirr 
sten Ponys und einem Diener in voller Livree, der 
majestätisch aus dcni Bock saß und der Befehle sei 
ner Herrin harrte. Die Schauspielerin.brauchte 
nur im Wagen Plag zu nehmen, um sogleich in die 
ser hübschen Gabe des Osterhasen eine Osterspazier 
fahrt zu machen. 
Große Aufregung rief ein Osterei hervor, das 
einmal dem Kaiser Franz Josef von Oesterreich 
übersandt worden war. Man fürchtete zunächst, 
daß cs eine Höllenmaschine enthalten könne, als 
man aber piepende Töne darinnen hörte, wurde es 
„abgepellt", und es zeigte sich ein reizender ver 
goldeter Käfig in Enorm, in dem ein Star mit 
lustigem Gesang das Licht begrüßte. Das Tierchen 
war io abgerichtet, daß es eine ganze Reihe be 
kannter Melodien flöten konnte, und ein beige 
fügter Brief sprach die Hoffnung aus, der Vogel, 
dessen Abrichtung ein ganzes Jahr gekostet habe, 
möge dem Herrscher ein kleines Ostervergnügen 
bereiten. Andere solche Attrappen mit lebendem 
Inhalt, wie sie besonders in England von Ver 
ehrern an ihre Schönen gesandt wurden, enthielten 
niedliche Kaninchen oder weiße Mäuse. Eine wirk 
lich süße Gabe brachte ein englischer Lord vor ei 
nigen Jahren seiner Braut, der Tochter eines süd 
afrikanischen Millionärs, dar. Dies Ungetüm von 
Osterei, das I Meter Höhe und einen Durchmesser 
von 1,50 Meter hatte, in dessen Höhlung ein 
Mensch auf einem Sessel bequem Platz nehmen 
.konnte, hatte eine Füllung von nicht weniger als 
1000 Pfund Bonbons, und die Kosten des Trans 
portes dieser zerbrechlichen Gabe von Southainton 
nach Südafrika verschlangen allein ein Vermögen. 
Den Vogel aber schoß der Millionär David Hart 
ley ab, der seiner Tochter bei ihrer Rückkehr von 
der Hochzeitsreise das größte Osterei der Welt be 
scherte. Der Papa hatte den jungen Eheleuten ver 
sprochen, sie würden bei der Heimkehr auf ihrem 
Landgut Ellis-Connor eine Villa vorfinden. Als 
sie an Ort und Stelle waren, fanden sie kein Haus; 
dafür leuchtete ihnen die weiße Fläche eines rie 
sigen Eies entgegen. Aus dem Riesenei war auf 
der einen Seite die Inschrift angebracht: „Glück 
liche Ostern!" und auf der anderen Seite stand 
zu lesen: „Ein kleines Ei dem jungen Paare," 
Die Jung vermählte ir standen ziemlich ratlos vor 
diesem „kleinen" Et, das einen Inhalt von etwa 
20 000 Kubikmetern hatte. Da ertönte plötzlich aus 
dem Innern Musik und Gesang. Die obere Hälfte 
des Eies begann sich langsam in die Höhe zu he 
be». Zugleich drehten sich die Seitenteile des Eies 
um eine Achse, und allmählich kam ein entzückendes 
kleines Haus zum Vorschein, in dem sich eine voll 
ständige Einrichtung befand und an einer festlichen 
Tafel eine fröhliche Gesellschaft saß. Der alte 
Hartley, der an solchen Scherzen eine große Freude 
hatte, war bei dem Geschenk ein Vermögen losge 
worden. Die Eihülle allein hatte 31 000 Jt geko 
stet und die Maschinerie, die das Häusàn ent 
hüllte. 9000 oil. 
$ 
Asterfmsr. 
Von Lulu von St r a u ß und Dorne y. 
Von allen Bergen zu Tale 
Ist ein Leuchten erwacht. 
Flamm e nde Frühl ingsfanv le 
Durch die Ostcrnacht. 
Von allen Türmen, zusammen 
Läutet es landhineiu — 
Herz, mit Glocken und Flammen 
Bricht der Frühling ein. 
Vurrte Wett. 
Di- Uhr von Locarno. 
Die Uhr im Sitzungssaal des Ecrichtsgebäu- 
des von Locarno, der den Staatsmännern und 
Diplomaten bei ihrer welthistorischen Zusammen 
kunft als Versammlungsort gedient hat, ist nun 
mehr auch zur Berühmtheit gelangt. Dieser Tage 
wurde sie mit einer Plakette versehen, auf der ihre 
historische Bedeutung gewürdigt ist. Es wird in 
der Inschrift daraus hingewiesen, daß sie den Be 
vollmächtigten der Großmächte, die sich in diesem 
Saal zusammengefunden 'haben, um Europa den 
Frieden zu geben, angezeigt habe, was jeweils die 
Uhr geschlagen hatte. Unter dieser Inschrist sind 
die Rwmenszüge der Minister eingraviert, die an 
der Konferenz teilgenommen haben. Galanter 
weise hat man auch die Unterschrift der Lady 
Chamberlain beigefügt, die ihren Gatten während 
der Konferenz besuchte. 
Die Bronzehand als Chirurgendcnkmal. 
Eine ungewöhnliche Feierlichkeit fand kürz 
lich im Rahmen der Versammlung des Aerzte- 
verbandes in Liverpool statt, als ^ dem ebenfalls 
anwesenden berühmten Chirurgen E. T. Paul vom 
Vorsitzenden ein Bronzeabguß seiner rechten Hand 
überreicht wurde. Der Abguß ist bestimmt, in der 
Klinik von Liverpool an hervorragender Stelle 
seinen Platz zu finden. Bei der chirurgischen Ope 
ration sind zwar, wie der Vorsitzende bei Ueber- 
gabc des Geschenkes ausführte, die Hände nur das 
Werkzeug des Willens, ben das Gehirn diktiert. 
In diesem Fall aber ist die rechte Hand des Chi 
rurgen, der, wie seine Kollegen und Patienten 
einstimmig erklären, eine unvergleichlich leichte 
Hand hat. solcher Auszeichnung würdig. Die in 
Bronze ausgeführte Hand ist ein Werk des Bild 
hauers Tison Smith, der sie nach einem Gipsab 
guß modelliert hat. 
Schlanktverdcn ist gefährlich. 
Die Sehnsucht der Frau von heute ist jugend 
liche Schlankheit und ihr Ideal die Gestalt eines 
Jünglings. Wo die Natur diesen Wünschen eine 
schmerzliche Enttäuschung bereitet, wird versucht, 
mit künstlichen Mitteln nachzuhelfen. Besonders 
beliebt sind die Entfettungskuren, die, wenn sie 
mit Vernunft und Maß durchgeführt werden, .eine 
Wohltat für den Körper bedeuten, die aber in ih 
rer nur allzu häufigen Uebertreibung eine schwere 
gesundheitliche Gefahr bedeuten. Das ist erst die 
ser Tage wieder in einer Sitzung der neuen Aka- 
domie für Medizin in Newyork von sachverständi 
ger Seite festgestellt worden. Der Aerzteversamm- 
lung lagen wohl 20 000 Briese von Leserinnen 
einer Frauenzeitschrift vor, in der die Opfer der 
gewaltsamen Entfettungskuren bewegte Klage über 
ihre bösen Erfahrungen führten. Die Heraus 
geberin der Zeitschrift erläutert diese Briefe dahin, 
daß sich in der Mehrzahl der Fälle die üblen Fol 
gen der Entfettungskur in einem Rervenzusrmm- 
bruch, ja selbst in Tuberkulose und krebsartiger 
Erkrankung gezeigt hätten. Diese Erscheinung 
betreffe jedoch nur eine Minderheit; die Mehrzahl 
der Opfer beklage sich darüber, daß, während sie 
ihrer Figur ,zur Schlankheit verholfen hätten, ihr 
Gesicht während der Kur rundlich und schlaff ge 
worden sei, so daß sie um zwanzig Jahre älter 
aussähen, als sie wirklich seien. Diese Bericht 
gaben Professor Menas S. Gregory, dem Leite! 
der Psychiatrischen Abteilung des bekannten New- 
yorker Bellevue-Hospitals, Anlaß, die Frauen z» 
warnen und ihnen dringend zu empfehlen. sich z« 
einer Kur erst zu entschließen, wenn sie sich über« 
zeugt hätten, daß ihr Gewicht den für die Ec< 
sundheit normalen Stand überschritten habe. „M 
behandelten in dem letzten Jahr." so führte Pro' 
fessor Gregory aus, „allein 225 Fälle, in denen di 
Entfettungskur zu einem Rerveirzusammenbru^ 
geführt hat. Tic Gewichtsverminderung war iit 
hex Mehrzahl der Fälle nicht der ausschließlich! 
Grund des Nervenzusammenbruchs; er. hatte allere 
dings^ in jedem Fall wesentlich dazu beigetragen 
den Zusammenbruch zu beschleunigen. In aller 
Fällen zeigt es sich, daß die erkrankten Perfdneş 
eine ererbte neurotische Veranlagung hatten. Be« 
deutungsvoll erscheint in diesem Zusammenhang 
besonders der Ilmstand, daß bei einer großen Zahl 
von Mädchen, die sich vor ihrer Verheiratung einet 
Entfettungskur unterzogen, als Folge der Kur 
Unfruchtbarkeit zu verzeichnen ist. Viele sind 
überhaupt unfähig, Kinder zu bekommen, und 
wenn sie wirklich Nachkommen haben, so müssest 
diese armen Geschöpfe für die Sünden der Mütter 
büßen, ^edes junge Mädchen sollte bedenken, daß 
re durch die Sucht, schlank zu bleiben, nicht nur ihr 
eigenes Leben, sondern auch das ihrer Kinder ge 
fährdet, ganz gleich, ob es sich um mechanische 
Werkzeuge zur Erreichung dieses Zweckes, um Ent- 
haltsainkeit von Speise und Trank, um Arzneimst" 
tel oder übertriebenes Rauchen handelt; die Ģ 
iahr bleibt immer dieselbe, schon aus dem einfachen 
Grund, weil alle diese Mittel verhängnisvoll auf 
den Appetit einwirken." 
Zum Lächeln und Lachen 
Ein Auge. 
Dem Chefarzt des Krankenhauses fällt es; ei' 
»es Tages auf, daß der Inhalt der großen Woft- 
geistslafchs im Operationssaal stärker abgenommen 
hat, als es dem chirurgischen Verbrauch -nkiorich: 
Er stellt seine Diagnose auf „innere Anwendung" 
durch Personal und hängt an die Flasche einen 
Zottel mit der Aufschrift: Methylalkohol! Ge 
fahr der Erblindung! 
Am andern Morgen fehlt wieder etwas, doch 
nur halb so viel wie beim ersten Mal. Auf dem 
Zettel aber steht geschrieben: „Een Ooge riskier' 
ick!" — — 
Au! 
Ein Reisender fahrt nach Earmisch. Auf Ļ 
Bahnhof in Earmisch angelangt, fragt er den Zug 
führer: „Wo ist bitte die Zugspitze?" — Worauf 
der Beamte sachverständig erwidert: „Vorn an der 
Lokomotive." 
Ein intelligenter Schüler. 
Lehrer: „Wenn du im Dunkeln eine Kşş 
gegen den Strich streichelst, was springt dir da in 
die Augen, Hans?" 
Hans: „Die Katze, Herr Lehrer!" 
Klavierivielen überflüssig. 
„Klaoierstundo willst du haben? Blödsinn! 
Wo's Radio jibt. braucht in der jansen Stadt bloß 
'mmer eener Klavierspielen zu können." 
Verantwortlich: Adolf Gregor i, Rendsburg. 
Amor auf Schleichwegen. 
Ein heiterer Roman von Friede B i r f» c r 
03) Nachdruck verboten. 
, Die Antwort: 
^ „Mister Tie Hai! Es ist sehr schwer für mich, 
dbnen den Auftrag noch einmal zu erklären. Der 
bewußte Gegenstand muß aus dkr Welt geschafft 
werden, denn sonst haben wir alle keinerlei Vor 
teil. Es würde dann auch nichts nützen,wenn Sie 
dort den beigelegten Scheck vorlegen, denn der Ge 
genstand könnte ja jederzeit Nachforschungen ver 
anlassen und würde die Spur zuerst aus Sie führen 
und dann auch nach her. Also erst wenn der Ge 
ge »stand ohne jede nachfolgende Schwierigkeit aus 
der Welt geschafft ist. wenn ich hier die Nachricht 
von ^hneil und eie meine Kabelantwort in Hän 
den haben, dürfen Sie das Geld abheben. Alles 
Weitere erledigt Kin Lung mit Ihnen, denn ich 
will unmittelbar nichts mehr mit der Sache zu tun 
haben. L. H." 
..Die Temperatur hatte sich schon bedenklich ab 
gekühlt, und es war dem chinesischen Thermometer 
nach bereits „drei Rücke kalt". Die Rächte waren 
logar Kf)oi,_ sehr unangenehm kalt, und in „Villa 
Hartung saß man abends nach dem Esten meist 
schon sehr gemütlich um den Kamin. 
Um so schöner war es aber am Morgen, wenn 
d:e Liirt noch klar und rein war. so ganz anders 
als die Sommermorgen. in denen schon die kom 
mende Glut des Tages lauerte. 
Auf dringendes Raten und Bitten Christas 
hatte Maria sich nun auch entschlossen, reiten zu 
lernen,^ und war die vierte im Bunde geworden. 
-i aisu sträubte sich, obwohl sie reiten konnte, mit 
von der Partie zu sein, denn sie fand das frühe 
Aufstehen mensche,nnordend. Mar konnte sich aus 
Mangel an Zeit nicht den Reitkursus gestatten, 
denn die Geschäfte in Schanghai hatten einen ganz 
unerwarteten Umfang angenommen. Da Robert 
sich, wo er cs nur eben mit einigem Anstand tun 
konnte, von den Geschäften drückte, so lag die ganze 
Last auf Max. 
Da sich am Abend meist noch eine Plauder- 
stundc mit Maria fand, so hatte er auch gern alle 
Arbeitslast auf sich genommen und freute sich, daß 
er endlich einmal eine Gelegenheit fand, um dem 
freund ein wenig all die Wohltaten zu erwidern, 
die Robert seit ihrer gemeinsamen Schulzeit aus 
ihn gehäuft hatte. 
Wieder einmal ein Reitausflug! Aber er 
führte unsere Gesellschaft nicht in das Chinefen- 
viertel, sondern.weit hinaus nach dem freien Ge 
lände un, die Rennbahn herum, das am Morgen 
menschenleer und totenstill war. Aber Totenstille 
und Roy, das ware zwei Punkte, die nichts Ge 
meinsames haben konnten. Und so tönte denn 
auch bald durch die morgènfliedkiche Stille das La 
chen und Rufen der vier judgen Menschen. 
„Kinder, ich habe einen prächtigen Einfall!" 
„Erst vorlegen, dann, bitte, cs uns überlasten, 
ob er prächtig ist." 
„Meine großartigen Pläne sind für euch Ba 
nausen viel zu hoch." 
»IG ja, das ist bekannt," warf Maria, nur 
Ray verständlich, dazwischen. Roy wurde demzu 
folge auch gleich ein wenig bescheidener und sagte: 
„Na. schön, — also ich schlage vor, daß wir auf 
der menschen- und tierleeren Bahn ein regelrechtes 
Wettrennen veranstalten mit erstem, zweitem, 
drittem und Trostpreis, Kinder und Soldaten zah 
len die Hälfte." 
Großartig!" jubelte Christa auf. die ja für 
aus dem Rahmen fallende Sachen immer begeistert 
war. „Aber erst die Preise bestimmen!" 
„Gut, — dies zeugt von Umsicht und Selbst 
vertrauen! Also erster Preis meine große Vase 
aus dein kaiserlichen Palast!" 
„Donnerwetter. Ray. sind Sie aber nobel! 
Was soll ich armer Schreibmaschinenmaharadscha 
denn da stiften? Halt, ich habe es! Zweiter Preis 
ist meine goldene Zigarettendosc, die sich gleich gut 
für einen Herrn wie eine Dame eignet." 
„Maria, jetzt wird es aber für uns sehr 
chwer!" Ehrist,a rieb nachdenklich das feine Ras 
chen und klopfte ihrem rassigen Tier beruhigend 
den schlanken Hals, denn die Tiere wurden durch 
das lange Stillstehen etwas unruhig. 
„Ich stifte als dritten Preis hier mein Arm 
band," kam ihr Maria zuvor. „Sie sshen, es ist 
ein naturgetreues Abbild eines Hufeisens in Gold. 
Mein Bater hat es einmal als Rennpreis bekom 
men." 
„Aber von solch einem Andenken dürfen Sie 
sich doch nicht trennen!" 
„Ich hänge nicht in dein Maße an dem Schmuck, 
wie Sie vielleicht annehmen, denn Papa hat es nie 
getragen, und er hat es ja auch von ganz gleich 
gültiger Hand erhalten." 
„Gut, — also auch der Preis steht fest, nun 
fehlt noch der Trostpreis. Christa, Sie sind wieder 
mal sein raus!" 
„Wieso das?" 
„Na. Trostpreise glänzen doch immer durch 
höchste Mäßigkeit!" 
„Dann werden wir eben das Hergebrachte um 
stürzen und den Trostpreis den anderen würdig 
anreihen. Ich stifte meinen indischen Seidcnsarre, 
der sich als Flügeldecke ebensogut verwenden läßt 
wie als Balltoilette." 
„Ich muß feststellen, daß wir uns alle vier sehr 
freigebig gezeigt haben. Nun bleibt nur noch zu 
bestimmen, daß natürlich keiner den von ihm selbst 
gestifteten Preis bekommen darf." 
„Natürlich ausgeschloffen!" 
„Blieben also noch Bedingungen und Ziel fest 
zustellen! Als Ziel nehmen wir dort hinten den 
kleinen Baum am Ende der Bahn. Bedingungen 
sind, daß keiner vom Pferde sollen, keiner ohne 
Pferd am Ziele landen und keiner nur sein Pferd 
zum Ziüle schicken darf." 
„Gut, denn also los! Halt, noch eines! Die 
Damen reiten in der Mitte, ich an der Innenseite 
und Rex außen am Waldsaum." 
Die vier nahmen den bestimmten Platz ein, sie 
waren alle fröhlich erregt und achteten nicht auf 
ihre Umgebung, sahen also nicht, daß in einiger 
Entfernung am Waldessaum einige Kulis sich mit 
irgend etwas zu schaffen machten. 
„Also bereit?" 
»Za!" 
„Achtung, — fertig — los!" 
Und wie ein Pferd sausten die vier gleichwer 
tigen Tiere davon. 
Jeder war so stark mit sich beschäftigt, daß er 
für den anderen kein Auge hatte und nur dem 
Ziele zustrebte. Nur so war es zu erklären, daß 
Robert etwas zurückblieb, denn sein Pferd war 
doch wohl nicht so auf der Höhe wie die anderen 
Tiere. 
Als Robert an dem dichtesten Gebüsch oor- 
überkam, schnellte plötzlich ein Kuli aus dem Ge 
büsch, warf dem Pferd, das nicht mehr in dem Eil 
tempo raste, einen Strick um die Vorderbeine, so 
daß es wie ein gefällter Baum in die' Vorderfüße 
stürzte, sich aber mit der Hilfe seines Reiters wie- 
der hochfand. Im selben Augenblick kamen aus dem 
Gebüsch noch vier andere Kerle gestürzt. Zwei grif 
fen von vorn in die Zügel, und indeni sich Robert 
gege diese wehrte, wurde ihm von hinten eine 
Maske auf das Gesicht gedrückt. Das letzte, was 
Robert noch sah, waren die drei Retter, die, unbe 
kümmert um die leichte Biegung der Bahn, jagten 
und so seinen Blicken entschwanden. Dann vergin 
gen ihm die Sinne, er fühlte nicht mehr, daß ec 
vom Pferde gezogen wurde, sah nicht mehr, wi< 
Tse Hai aus dem Gebüsch kam. das Pferd schnell st 
den Busch zog und dann mit seinem Raub und Lest 
Kulis sich vorsichtig nach der Richtung des Bahn 
hofes entfernte. 
Bald kam ihm ein Auto entgegen, in dem 2° 
Lung saß, und dahinein wurde der völlig betäubte 
Robert gelegt. 
Totenstill lag die Rennbahn — nichts rührte 
sich, nichts regte sich. Das mißtrauischste Auge 
hätte keine Spur von einem Kampf, von dein Ver 
brechen entdecken können. Totenstill! ,— 
Nach langen Minuten kamen die drei Reiter 
wieder zurück, noch erhitzt von dem Ritt, und 
glaubten nun hinter der Biegung Robert zu fin 
den. der ihrer Ansicht nach zp nachläffig gewesen 
war, um das Rennen mitzureiten. 
^ Doch ungläubig sahen sie die menschenleere 
àhp entlang, nirgends eine Spur von Robert! 
Roy lachte auf und rief: 
„Hallo, Rex. kommen Sie hervor aus Ihren« 
Versteck! Sie bekommen den Trostpreis. Als erste 
ist Christa durchs Ziel!" 
(Fortsetzung folgt.) 
Halbjahrskurse beginnen: 
Böffmsrstag, den Q m April 
Fahrpreisermäßigung für auswärtige Scftiiier 
Lehrpian kostenlos 
'N alle, 
weiß, v 
skullt. 
^ahliê 
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