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falls vermutet man, daß neben Schmidt-Rosen
garten noch mehrere Bauunternehmer in Frage
kommen, und daß vielleicht in den nächsten Tagen
zur Verhaftung weiterer Beamten der Reichs
bahndirektion geschritten wird. Es handelt sich
bei den Vahnhofsbauten in Reu-Bentfchen um
insgesamt 12 Millionen Mark: eine Schädigung
der Reichsbahn kann nur einen Bruchteil dieser
Summe ausmachen.
Ausland.
WWW klkl LW M ZllKMW.
Die
führenden
Bälle I
Andermatt. 4. April. Der Leichnam der Sän
gerin Zinaida Zurjewskaja, die am 3. Dezember
v. Is. Plötzlich in Andermatt verschwand, ist
gestern nachmittag 1 Kilometer unterhalb der
Teufelsbrücke von Wachsoldaten des Forts Ander
matt aufgefunden und geborgen worden. Außer
einer Schnittwunde am linken Handgelenk, die
offenbar mit dem seinerzeit aufgefundenen Rasier
messer ausgeführt ist, und Quetschungen an der
linken Kopfseite, die offenbar auf das Aufschlagen
nach dem Sprung von der Teufelsbrücke zurückzu
führen sind, weist der Körper keine Verletzungen
auf. Die Annahme, daß Selbstmord vorliegt, be
stätigt sich somit. Der Leichnam war vermutlich
bisher im Eise eingefroren und ist nun durch ein
tretendes Tauwetter freigeworden.
Ein Pastor, der weih, was er will. In Malmö
hat der Hilfsgeistliche der Karoli-Gemeinde eine vier
zehnjährige Konfirmandin von der weiteren Teil
nahme am Konfirmandenunterlicht ausgeschlossen und
ihr die Konfirmation verweigert, wenn sie nicht wäh
rend des Konfirmandenunterrichts das kurzgeschnittene
Haar wachsen lasse. Bereits beim Beginn des Konfir-
mandenunterrichts hatte der Geistliche den Konfirman
dinnen erklärt, dag er „nicht wünsche. Bubiköpfe un
ter seinen Konfirmandinnen zu haben, und daß die
jenigen, die das Haar früher geschnitten hatten, dieses
während des KonfirnianLenunteriichls in jedem Falle
wachsen zu lassen haben." Da die Eltern jedoch er
klärten, daß dies durchaus unmöglich fei, weil die
Frisur des Mädchens vollkommen verwildern würde,
hat der Geistliche jetzt den Ausschluß des Mädchens
vom Konfirmandenunterricht verfügt, wobei er er
klärte, es spiele bei einer Konfirmandin keine Rolle,
wenn deren Frisur durch das natürliche Wachsen des
Haares unordentlich werde und verwildere, in jedem
Falle hätte den Eltern sein klar ausgesprochener
Wunsch höher stehen müssen als das Aussehen ihrer
Tochter. Das Vorgehen des Geistlichen hat in Mal
mö und ganz Schweden großes Aufsehen erregt.
Warschau, 5. April. Ein Amerikaner im Zug
Krakau—Warschau vergiftet. Im Eisen-bahnzug
auf der Strecke Krakau—Warschau wurde ein
Raubmord verübt. Das Opfer war ein Amerika
ner, der feine Verwandten in Polen besuchen
wollte. Er wurde vergiftet im Eisenbahnabteil
gefunden. Bisher ist es nicht gelungen, den Tä
tern auf die Spur zu kommen. — Um die gleiche
Zeit haben drei maskierte Banditen im Abend
zug, der von Danzig kommt, kurz vor Zyrardow
auf Reisende zweiter Klasse einen Raubüberfall
verübt und ihnen das Geld und andere Wertsachen
abgenommen. Dann brachten sie den Zug durch
Ziehen der Notbremse zum Halten und sind im
Schutze der inzwischen eingetretenen Dunkelheit
entkommen.
Ein 1v3jj»hriger Bubikopf. Der interessanteste
Bubikopf ist in dem kleinen Ort Auxil le Chateau
(Departement Pas de Calais) zu sehen. Die
Dame, die zu dem Kopf gehört, heißt Augustine
Restitilde Touzet und ist — 103 Jahre alt! Fräu
lein Touzet, die sich erst vor kurzem die Haare ab
schneiden und den Nacken ausrasieren ließ, ist
auch sonst eine muntere Weltbürgerin. Sie hört
und sieht noch gut, spielt Karten und sang den
Reportern, die sie besuchten, ein Lied vor. Als
die Dame aus dem Jahre 1823 gefragt wurde, wie
sic darauf gekommen, sich in immerhin „reiferem
Alter" die Haare kurz schneiden zm lassen, gab sie
die Antwort: „Man muß doch mit der Zeit mit
gehen."
Wien, 2. April. Ein weiblicher Räuberhaupt
mann. In Wiener-Neustadt wurde eine zehn-
köpfige Einbrecherbande verhaftet, die in der dor
tigen Gegend seit sieben Jahren gehaust hat, und
der auch eine Frau als Anführerin angehört. Die
Verhafteten haben ein Geständnis abgelegt. Bis
jetzt sind ihnen 70 Einbrüche und Diebstähle sowie
fünf Brandstiftungen nachgewiesen worden, außer
dem zwei Mordversuche. Die Verbrecher waren
stets bis an die Zähne bewaffnet und machten von
der Schußwaffe Gebrauch. Außer ihnen ist gegen
25 Personen Anzeige wegen Teilnahme an den
Diebstählen erstattet worden.
London, 3. April. Einsturzkatastrophe in ei
nem mexikanischen Kino. In Mexico-Ciiy stürzte
gestern abend in einem voll besetzten Kino infolge
übergroßer Belastung die Galerie in den Theater
raum. Es wurden 5 Personen getötet und 92
şerketzt. —— . ,
Inland.
August Thyssen gestorben.
TU. Mühlheim, 5. April. August Thyssen
ist am Ostersonntagmorgen gestorben. Die Werke
des Thyssenkonzerns haben halbmast geflaggt. Der
fast 84jährige Mann hatte sich Mitte März einer
schweren Operation unterziehen müssen, die den
Verlust eines Auges zur Folge hatte. Thyssen
hatte die Operation gut überstanden, doch war
sein Zustand seit etwa Monatsfrist so ernst, daß
stets mit seinem Ableben gerechnet werden mußte.
Mit August Thyssen ist der Senior der rhei
nisch-westfälischen Montanindustrie dahinge
gangen.
Das MliLärşirdilàm
Kindsnbnrgs.
Berlin, 3. April. Aus Anlaß des 60jährigen
Militärjubiläums, das Hindenburg am 7. April
begeht, sind folgende militärische Veranstaltungen
vorgesehen:
Um 9 Uhr 30 morgens bringt die Kapelle des
9. Infanterie-Regiments dem Reichspräsidenten
im Garten seines Hauses eine Morgenmusik dar.
Um 11 Uhr 45 Minuten werden durch die Fahnen-
kampanie des Wachtrsgiments Berlin mit Musik
die Fahnen der Regimenter des Generalfeldmar-
schalls, nämlich des 3. Garde-Regiments zu Fuß,
des Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91
und des Infanterie-Regiments Esnerrlfeldmar-
schall v. Hindenburg (2. Masurisches) Nr. 147,
durch die Wilhelmstraße nach dem Hanse des
Reichspräsidenten gebracht.
Um 12 Uhr findet im großen Saale des Prä
sidentenhauses eine militärische Feier statt, an der
Abordnungen von Offizieren, Unteroffizieren und
Mannschaften der Traditionotruppenteile der ge
nannten Regimenter, die Chefs der Heeres- und
der Marineleitung, Vertreter der Reichswehr und
der Reichsimarine und der Reichswehrminister teil
nehmen werden. Auch der Reichskanzler wird die
ser Feier beiwohnen. Der Reichswehrminister
wird hierbei die Glückwünsche der Wehrmacht dar
bringen. Rach dieser Feier werden die Fahnen
im Arbeitszimmer des Reichspräsidenten aufge
stellt, von Ipo sie am nächsten Tage, mittags 12
Uhr, von der Fahnenkompanie zur Kaserne des
Wachtregiments gebracht werden.
* * ' -m
Eine èraurîge Statistik.
Dem Preußischen Landtage ist eine Uebersicht
über die Zahl der stellenlosen Schulamtsbewerber
und -Bewerberinnen in Preußen nach dem Stande
vom 15. Mai 1926 zugegangen. Danach gibt es in
Preußen insgesamt 111807 Lehrer und Lehrerin-
nen-Stellen. Die Zahl der Bewerber und Be
werberinnen beträgt 39 256, so daß auf 100 Stel
len 35,1 Bewerber und Bewerberinnen kommen.
Mit Vertretung im Schuldienst beschäftigt sind
10 199 Bewerber. Ohne Beschäftigung im Schul
dienst sind 29 057.
Liebenwerda, 3. April. Ein Veamtenheim
niedergebrannt. Einem gewaltigen Feuer fiel ein
Beamtenheim der Linke-Hofmann-Hütte in Lauch
hammer zum Opfer. Das 50 Zimmer umfassende
Gebäude ist vollständig vernichtet. Hab und Gut
von 14 Familien und 6 Ledigen ist größtenteils
verbrannt.
Das Urteil im kleinen Barmatprozeß. Im
kleinen Barmatprozeß wurde am Sonnabend fol
gendes Urteil verkündet: Die Angeklagten wer
den unter Freisprechung von der Verleitung zur
Untreue bezw. von der Untreue selbst verurteilt,
und zwar Feld wegen aktiver Bestechung in zwei
Fällen zu 8 Monaten Gefängnis, Blodow wegen
passiver Bestechung in fünf Fällen zu 1 Jahr 4
Monaten Gefängnis, Kerstan wegen passiver Be
stechung in sechs Fällen zu 1 Jahr 8 Monaten Ge
fängnis, Jost wegen passiver Bestechung in vier
Fällen zu 9 Monaten Gefängnis und Neitzel we
gen passiver Bestechung in 3 Fällen zu 6 Monaten
Gefängnis. Die erlittene Untersuchungshaft wird
bei Feld mit 4 Monaten, bei Blodow mit 4 Mo
naten 4 Wochen und bei Kerstan mit 5 Monaten
in Anrechnung gebracht. Blodow. Kerstan und
Jost wird auf die Dauer von je 3 Jahren die
Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter ab
gesprochen. Die Bcstechungsgelder und Gegen
stände werden eingezogen und die Kosten des Ver
fahrens den Angeklagten auferlegt.
Meineidsverfahren. Wie aus Weimar gemel
det wird, ist gegen Oberstaatsanwalt Frieders, der
im Zusammenhang mit dem Meineidsprozeß gegen
den früheren Staatsbankpräsidenten Loeb seines
Dienstes enthoben und in den Wartestand versetzt
worden war, ein Untersuchungsverfahren wegen
Meineids eingeleitet worden. Der Meineid wird
erblickt in einer Zengenaussage, die Dr. Friedens
im Prozeß gegen das sozialdemokratische „Volk" in
Jena, dem Beleidigung ber thüringischen Regie
rung zum Vorwurf gemacht wurde, abgegeben hat.
Verhaftete Brandstifter. Der Gutsbesitzer
Radtke aus Lindenhof und sein Sohn sind verhaf
tet worden. Am 25. Februar brannten auf dem
Gute Lindenhof bei Platow, das dem Gutsbesitzer
Radtke gehört, ein Tagelöhnerhans, der Biehstall
und der Geräteschuppen nieder. In den Flammen
kamen 9 Ferkel, 17 Rinder und der gesamte Schaf-
vestand um.
Vier Personen unter Mordverdacht verhaftet.
In Gutengermendorf bei Löwenberg in der Mark
war das Dienstmädchen des Ehepaares Schröder
erschlagen ausgefunden worden. Unter dem Ver
dacht, das Mädchen ermordet zu haben, wurde der
Adoptivsohn des Ehepaares verhaftet. Er legte
ein Geständnis ab und bezichtigte seine Adoptiv-
elt-rrn and seinen Bruder der Mitwisserschaft. Die
drei Verdächtigen wurden ebenfalls in Hast ge
nommen.
MTB. Hirschberg, 6. April. Herzschlag auf
der Wanderung. Auf einer Fußwanderung brach
am Karfreitag stn Riesengebirge, in der Nähe der
Martinsbaude, der Rechtsanwalt Wilhelm Pau-
kert aus Berlin plötzlich tot zusammen. Ein durch
Ueberanstrengung hervorgerufener Herzschlag
hatte seinem Leben plötzlich ein Ende bereitet. Die
Leiche wurde nach Schreiberhau gebracht.
WTV. Berlin. 3. April. Zn geistiger Um
nachtung stieg heute mittag eine 79 Jahre alte
Frau von der Dachwohnung ihrer Tochter in der
Auguststraße auf das Dach und lief auf dem Ge
sims entlang über drei Häuser hinweg. Von dem
letzten Hause stürzte sie ab und blieb auf dem
Bürgersteig mit schweren Verletzungen liegen, an
denen sie auf dem Transport zum Krankenhause
starb.
Neueste Nachrîchken.
T-U. London, 5. April. Wie aus Kairo ge
meldet wird, sind hier bei einem großen Schaden
feuer 32 Personen ums Leben gekommen. 612
Gebäude wurden zerstört. 4009 Menschen find ob
dachlos.
Mord an einem Patienten.
TU. Köln, 6. April. (Eig. Funkmeldung.)
Wie die Kölnische Voltszeitung meldet, lieferte vor
3 Wochen der praktische Arzt Dr. Josef Pröcher
einen Patienten Oberreuter in das St. Marien-
Hofpital ein, wo er in einem Einzelzimmer Auf
nahme fand. Dr. Pröcher, der mit der Familie
des Patienten freundschaftliche Beziehungen un
terhielt, habe ihn mehrfach besucht »nd ihm ohne
Wissen der Anstaltsärzte eine sehr starke Quccksil-
bereinspritzung gegeben, die am Karfreitagabend
den Tod des Patienten herbeiführte. Es bestehen
keine Zweifel, daß hier ein Mord an einem Pa
tienten vorliegt. Fahrlässigkeit käme nicht in
Frage, da die Dosis der Einspritzung so stark ge
wesen sei, daß sie tötjrch wirken mußte. Die Be
weggründe zu dieser entsetzlichen Tat seien noch
nicht aufgeklärt. Dr. Pröcher sei flüchtig.
Gin deutscher Schoner gekentert.
WTV. Kopenhagen, 6. April. (Eig. Draht-
bericht.) Am Ostersonntag kenterte vor Falsterbo
der deutsche Schoner „Wohlfahrt" aus Barth, der
mit leeren Säureflafchen von Stettin nach Kopen
hagen unterwegs war. Die Besatzung klammerte
sich an das Wrack. Der Kapitän Wacht konnte sich
NUT eine Stunde über Wasser halten, dann versank
er. Die übrigen 3 Mann, darunter der Sohn des
Kapitäns, wurden 3 Stunden nach dem Kentern
von der Bornholmer Ealiasse „Anna" gerettet.
InflnenMepidemie in Glasgow.
WTB. London, 3. April. Glasgow wird au
genblicklich von einer außergewöhnlichen Jn-
flucnzaepidcmie heimgesucht. 146 Polizisten und
290 Streßenbahnbeamte sind erkrankt.
Dis Ordnung in KaLkutta
wievertzergLftrUt.
T-U. London, 6. April. Zn Kalkutta ist die
Ordnung wiederhergestellt. Bei den Unruhen
wurden 45 Personen getötet, 500 schwer verletzt
und 300 verhaftet. Die anr Montag in einigen
Blättern verbreitete Nachricht, daß in Kalkutta
der Belagerungszustand verhängt worden sei, ist
unrichtig. Nach einem Reuter-Telegramm erwar
tet man die Ausnahme des normalen Lebens mit
Beendigung der Feiertage.
Dis Katholiken MfsH-§sLH-
rmZens gegen die französische
Scholgesstzgekung.
T-U. Paris, 6. April. (Erg. Funkmeldung.)
Zu dem Kongreß der Katholiken Elsaß-Lothrin
gens, der gestern in Nancy stattfand, waren etwa
69 080 Teilnehmer erschienen. Zn einer Entschlie
ßung ' werden die elfaß-lothringischen Katholiken
aufgefordert, gegen die Laiengesetzgebung, gegen
die bestehende französische Schulgesetzgebung und
die Trennung von Kirche und Staat zu kämpfen.
Der religiöse Unterricht in den.Volksschulen dürfe
niemals in einer anderen Sprache erteilt werden,
als sie die Kinder verständen.
Wisigeschîlk eines Wnifchsn
Tokis-Megers.
4- London, 5. April. Einer der zwei däni
schen Tokio-Flieger, H e r s ch e n d , hatte aus dem
Fluge von Kalkutta narb Rangoon (in Hinter-
indien) Mißgeschick. Weil der Motor aussetzte,
mußte er 28 englische Meilen von Rangoon ent
fernt landen. Kühler. Propeller und Untergestell
gingen in Trümmer. Hcrschend blieb unver
letzt und fuhr im Automobil nach Rangoon. Der
andere Flieger, B o t v a d , ist mit dem Flugzeug
in Rangoon angekommen. Herschend muß das
Weiterfliegen vorläufig aufgeben.
Letzte AMMZen vom Dmäß-Markt
Mehl, (amtlich) Hamburg, 6. April:
Mara
f
Weizenmehl hiesiger Mühlen
Bäckermetzl „ „
Roggemnehl „ ,,
Roggengrobm. „ „
Getreide, (Freiverke
47.00
40 50
27.50-29.75
22.75-23.50
hr) Hamburg.
per 100 Kg
„ 100 „
„ 100 ..
* 100 „
6. April:
Mark
Weizen, inländischer
Roggen, neu, „
Haier,
Gerste, ausl., frei Kaiwaggon
Mais, toko, „ „
Tendenz fest.
276.00—286.00
>76 00-180.00
183.00—198.00
166.00—169 00
172.00-176.00
per 1000 Kg
.. 1000 „
„ 10:0 ..
.. 1000 „
.. Ş „
Schleswig-Holstein.
wk. Kiel, 6. April. Eine eigenartige Ostev
Überraschung bereitete der in der Boninstraße woh»
nende Kaufmann Sch. seiner Familie. Er war am
Sonnabendabend mit seiner Frau in einen Wort»
Wechsel geraten, in dessen Verlauf er sehr erregt
wurde. Er verließ dann plötzlich die Wohnung, be«
gab sich auf den Hof, und schoß sich dort eine Kugel
in Kopf. Der Tod trat nach wenigen Minuten ein,
so daß ärztliche Hilfe zu spät kam. — Schwer ver
unglückt ist ■ am Sonntagnachmittag am Düstern-
brooker Weg ein Motorradfahrer. Er muß plötz
lich die Steuerung verloren haben, denn das Rad
lief gegen einen Baum, und der Fahrer stürzte so
unglücklich, daß er einen komplizierten Beinbruch
und eine schwere Schädelverletzung erlitt. Das
Bein muß jedenfalls abgenommen werden. — Ein
Zusammenstoß, dem vier Personenautos zum Opfer
sielen, ereignete stch am Sonntagmorgen am Knoo4
per Weg bei der Jungmannstraße. Ein aus der
letzteren kommendes Auto stieß mit pxt sich am
Knoopei Weg entgegenkommenden Autos zusam
men, und alle drei wurden beschädigt. Der eins
Ehauffeuer erlitt durch Glasscherben eine Ver
letzung der Pulsader, ein viertes Auto, das die Un-
fallstelle passierte, zerschnitt sich an Glassplittern
die Reisen.
2lus der Stadt»
Rendsburg, den 6. April 1926.
Das Osterfest
liegt hinter uns. Ostern 1926 ist zu seinen Vorgängern
hinabgestiegen in das Meer der Vergangenheit.
Wenn Feste, namentlich Frühjahrs- und Sommerfeste,
richtig gefeiert werden sollen, so spielt dabei das
Wetter immer eine Hauptrolle. Da hat uns nun
heuer zu Ostern der Himmel ein so freundliches Ge
sicht gezeigt, wie es kaum schöner gewünscht werden
konnte. Wenn nicht das Grün der Bäume und Sträu
cher noch fehlte, so hätte man schon denken können,
das letzte der drei hohen kirchlichen Feste, Pfingsten,
wäre da.
Freilich, am Ostermorgen wehte ein scharfer Wind
aus östlicher Richtung. Nach einem weit verbreiteten
Glauben soll die Windrichtung vom Ostermorgen
wochenlang die vorherrschende sein. Für das niedrige
moorige Land und für die Moore selbst können wir
den trocknenden Ostwind gebrauchen. Die Arbeiten
auf diesen Böden können dann rasch gefördert werden,
und der Torf trocknet rasch.
Schon früh strahlte die Sonne warm hernieder aus
die jetzt endgültig aus dem Winterschlaf erwachende
Mutter Erde. Bald belebten sich auch die Spazier
wege und Landstraßen. Die Osterglocken tönten über
das Land und verkündeten den alten frohen Oster
gruß: „Christ ist erstanden, freue dich, o Christenheit!"
und in den Kirchen ertönten die feierlichen Gesänge
der Kirchgäste. — Auf den Landstraßen zeigte sich schon
am Bormittag ein reger Autoverkehr und die Motor
räder ratterten.
Am Nachmittag legte sich der Wind fast ganz,
und die Lust wurde viel milder, als man am Vor
mittag zu hoffen gewagt hatte. Der Ueberrock wurde
schon lästig. Er wurde über den Arm genommen, die
Damen legten Mantel und Pelzkragen ab und zeig
ten sich vielfach schon in neuer Frühlingskleidung,
bei der die weithin leuchtenden bunten Farben beliebt
sind.
Bunt färbt sich auch der Wald-, der Acker- und
der Wiesenboden. Im Walde überzieht sich der Bo
den mit Anemonen und Milchstern, auch Oxalis kommt
schon zum Vorschein und der schön duftende Wald
meister. Lieblich blüht, in der Hecke verborgen, das
Veilchen, während das Marienblümchen Acker u^
Wiese schmückt. Daneben sehen wir an manchen Stdst
len die gelbe Blüte des Huflattichs. Die großen Blai-
tcr, deren Huffarm der Pflanze den Namen gaben,
kommen erst später zum Borschein. Sie sind in der
Kräuterheilkunde bekannt und wurden in der harten
Kriegszeit als Ersatzmittel für Tabak gepriesen. Man
sah sie damals in manchen Orten in Mengen aufge
stapelt in den Schaufenstern. Von den Vlütenfträn-
chern schimmert ans goldglänzend die Jorsitha ent
gegen, rotleuchtend die rotblühende Johannisbeere.
Gleich dem ersten brachte auch der zweite Osteriag
herrliches Wetter.
Auch das ^.'.erleben ist zu neuem Leben erwacht-
Das Bienlein sucht nach Kätzchen, um aus ihnen sein^
erste Nahrung zu holen. Der Zitronenfalter gaukelt
durch die Luft und selten trifft man auch schon i-cn
unter dem Namen „Fuchs" bekannten Schmetterling-
Eifrig sind die gefiederten Sänger dabei, sich das Nest
zu bauen. Nicht am wenigsten fleißig ist unser Freui^
Spatz. Ein großes Lager aller möglichen Sache"
schleppt er sich zusammen. An Zäunen und Stei^
wällen schlüpft die flinke Eidechse aus den Ritzel
hervor und inacht Jagd auf Insekten. Neben de"
Echsen zeigt sich die Ringelnatter und leider auch öi c
giftige Kreuzotter, zur Vorsicht mahnend. Im klare"
Wasser kann man den Hecht beobachten, wie er stķ
denlang schier unbeweglich dasteht. Ihm wird ) £ ^
eifrig nachgestellt. In flachen Gewässern setzen
Frösche ihren Laich ab und bald können wir wiêd^
die Kaulquappen in ihrer interessanten Entwickeln^
beobachten.
Für Landwirt und Gärtner beginnt nun nach de"
Tagen des Festes die arbeitsreiche Zeit. Jetzt gilt
den Boden zu bearbeiten und zu besäen, um spat^
ernten zu können. >
Und für unsere 6jährigen Kinderchen ist se *
Schultag da. «•
Regierungsrat Dr. Zohannsen ist auf Ant^
bis Anfang Mai weiter beurlaubt worden.
empfiehlt sich, die persönliche Anschrift in die"
lichen Angelegenheiten zu vermeiden, da
durch unnötige Verzögerungen entstehen, ^