Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

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falls vermutet man, daß neben Schmidt-Rosen 
garten noch mehrere Bauunternehmer in Frage 
kommen, und daß vielleicht in den nächsten Tagen 
zur Verhaftung weiterer Beamten der Reichs 
bahndirektion geschritten wird. Es handelt sich 
bei den Vahnhofsbauten in Reu-Bentfchen um 
insgesamt 12 Millionen Mark: eine Schädigung 
der Reichsbahn kann nur einen Bruchteil dieser 
Summe ausmachen. 
Ausland. 
WWW klkl LW M ZllKMW. 
Die 
führenden 
Bälle I 
Andermatt. 4. April. Der Leichnam der Sän 
gerin Zinaida Zurjewskaja, die am 3. Dezember 
v. Is. Plötzlich in Andermatt verschwand, ist 
gestern nachmittag 1 Kilometer unterhalb der 
Teufelsbrücke von Wachsoldaten des Forts Ander 
matt aufgefunden und geborgen worden. Außer 
einer Schnittwunde am linken Handgelenk, die 
offenbar mit dem seinerzeit aufgefundenen Rasier 
messer ausgeführt ist, und Quetschungen an der 
linken Kopfseite, die offenbar auf das Aufschlagen 
nach dem Sprung von der Teufelsbrücke zurückzu 
führen sind, weist der Körper keine Verletzungen 
auf. Die Annahme, daß Selbstmord vorliegt, be 
stätigt sich somit. Der Leichnam war vermutlich 
bisher im Eise eingefroren und ist nun durch ein 
tretendes Tauwetter freigeworden. 
Ein Pastor, der weih, was er will. In Malmö 
hat der Hilfsgeistliche der Karoli-Gemeinde eine vier 
zehnjährige Konfirmandin von der weiteren Teil 
nahme am Konfirmandenunterlicht ausgeschlossen und 
ihr die Konfirmation verweigert, wenn sie nicht wäh 
rend des Konfirmandenunterrichts das kurzgeschnittene 
Haar wachsen lasse. Bereits beim Beginn des Konfir- 
mandenunterrichts hatte der Geistliche den Konfirman 
dinnen erklärt, dag er „nicht wünsche. Bubiköpfe un 
ter seinen Konfirmandinnen zu haben, und daß die 
jenigen, die das Haar früher geschnitten hatten, dieses 
während des KonfirnianLenunteriichls in jedem Falle 
wachsen zu lassen haben." Da die Eltern jedoch er 
klärten, daß dies durchaus unmöglich fei, weil die 
Frisur des Mädchens vollkommen verwildern würde, 
hat der Geistliche jetzt den Ausschluß des Mädchens 
vom Konfirmandenunterricht verfügt, wobei er er 
klärte, es spiele bei einer Konfirmandin keine Rolle, 
wenn deren Frisur durch das natürliche Wachsen des 
Haares unordentlich werde und verwildere, in jedem 
Falle hätte den Eltern sein klar ausgesprochener 
Wunsch höher stehen müssen als das Aussehen ihrer 
Tochter. Das Vorgehen des Geistlichen hat in Mal 
mö und ganz Schweden großes Aufsehen erregt. 
Warschau, 5. April. Ein Amerikaner im Zug 
Krakau—Warschau vergiftet. Im Eisen-bahnzug 
auf der Strecke Krakau—Warschau wurde ein 
Raubmord verübt. Das Opfer war ein Amerika 
ner, der feine Verwandten in Polen besuchen 
wollte. Er wurde vergiftet im Eisenbahnabteil 
gefunden. Bisher ist es nicht gelungen, den Tä 
tern auf die Spur zu kommen. — Um die gleiche 
Zeit haben drei maskierte Banditen im Abend 
zug, der von Danzig kommt, kurz vor Zyrardow 
auf Reisende zweiter Klasse einen Raubüberfall 
verübt und ihnen das Geld und andere Wertsachen 
abgenommen. Dann brachten sie den Zug durch 
Ziehen der Notbremse zum Halten und sind im 
Schutze der inzwischen eingetretenen Dunkelheit 
entkommen. 
Ein 1v3jj»hriger Bubikopf. Der interessanteste 
Bubikopf ist in dem kleinen Ort Auxil le Chateau 
(Departement Pas de Calais) zu sehen. Die 
Dame, die zu dem Kopf gehört, heißt Augustine 
Restitilde Touzet und ist — 103 Jahre alt! Fräu 
lein Touzet, die sich erst vor kurzem die Haare ab 
schneiden und den Nacken ausrasieren ließ, ist 
auch sonst eine muntere Weltbürgerin. Sie hört 
und sieht noch gut, spielt Karten und sang den 
Reportern, die sie besuchten, ein Lied vor. Als 
die Dame aus dem Jahre 1823 gefragt wurde, wie 
sic darauf gekommen, sich in immerhin „reiferem 
Alter" die Haare kurz schneiden zm lassen, gab sie 
die Antwort: „Man muß doch mit der Zeit mit 
gehen." 
Wien, 2. April. Ein weiblicher Räuberhaupt 
mann. In Wiener-Neustadt wurde eine zehn- 
köpfige Einbrecherbande verhaftet, die in der dor 
tigen Gegend seit sieben Jahren gehaust hat, und 
der auch eine Frau als Anführerin angehört. Die 
Verhafteten haben ein Geständnis abgelegt. Bis 
jetzt sind ihnen 70 Einbrüche und Diebstähle sowie 
fünf Brandstiftungen nachgewiesen worden, außer 
dem zwei Mordversuche. Die Verbrecher waren 
stets bis an die Zähne bewaffnet und machten von 
der Schußwaffe Gebrauch. Außer ihnen ist gegen 
25 Personen Anzeige wegen Teilnahme an den 
Diebstählen erstattet worden. 
London, 3. April. Einsturzkatastrophe in ei 
nem mexikanischen Kino. In Mexico-Ciiy stürzte 
gestern abend in einem voll besetzten Kino infolge 
übergroßer Belastung die Galerie in den Theater 
raum. Es wurden 5 Personen getötet und 92 
şerketzt. —— . , 
Inland. 
August Thyssen gestorben. 
TU. Mühlheim, 5. April. August Thyssen 
ist am Ostersonntagmorgen gestorben. Die Werke 
des Thyssenkonzerns haben halbmast geflaggt. Der 
fast 84jährige Mann hatte sich Mitte März einer 
schweren Operation unterziehen müssen, die den 
Verlust eines Auges zur Folge hatte. Thyssen 
hatte die Operation gut überstanden, doch war 
sein Zustand seit etwa Monatsfrist so ernst, daß 
stets mit seinem Ableben gerechnet werden mußte. 
Mit August Thyssen ist der Senior der rhei 
nisch-westfälischen Montanindustrie dahinge 
gangen. 
Das MliLärşirdilàm 
Kindsnbnrgs. 
Berlin, 3. April. Aus Anlaß des 60jährigen 
Militärjubiläums, das Hindenburg am 7. April 
begeht, sind folgende militärische Veranstaltungen 
vorgesehen: 
Um 9 Uhr 30 morgens bringt die Kapelle des 
9. Infanterie-Regiments dem Reichspräsidenten 
im Garten seines Hauses eine Morgenmusik dar. 
Um 11 Uhr 45 Minuten werden durch die Fahnen- 
kampanie des Wachtrsgiments Berlin mit Musik 
die Fahnen der Regimenter des Generalfeldmar- 
schalls, nämlich des 3. Garde-Regiments zu Fuß, 
des Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91 
und des Infanterie-Regiments Esnerrlfeldmar- 
schall v. Hindenburg (2. Masurisches) Nr. 147, 
durch die Wilhelmstraße nach dem Hanse des 
Reichspräsidenten gebracht. 
Um 12 Uhr findet im großen Saale des Prä 
sidentenhauses eine militärische Feier statt, an der 
Abordnungen von Offizieren, Unteroffizieren und 
Mannschaften der Traditionotruppenteile der ge 
nannten Regimenter, die Chefs der Heeres- und 
der Marineleitung, Vertreter der Reichswehr und 
der Reichsimarine und der Reichswehrminister teil 
nehmen werden. Auch der Reichskanzler wird die 
ser Feier beiwohnen. Der Reichswehrminister 
wird hierbei die Glückwünsche der Wehrmacht dar 
bringen. Rach dieser Feier werden die Fahnen 
im Arbeitszimmer des Reichspräsidenten aufge 
stellt, von Ipo sie am nächsten Tage, mittags 12 
Uhr, von der Fahnenkompanie zur Kaserne des 
Wachtregiments gebracht werden. 
* * ' -m 
Eine èraurîge Statistik. 
Dem Preußischen Landtage ist eine Uebersicht 
über die Zahl der stellenlosen Schulamtsbewerber 
und -Bewerberinnen in Preußen nach dem Stande 
vom 15. Mai 1926 zugegangen. Danach gibt es in 
Preußen insgesamt 111807 Lehrer und Lehrerin- 
nen-Stellen. Die Zahl der Bewerber und Be 
werberinnen beträgt 39 256, so daß auf 100 Stel 
len 35,1 Bewerber und Bewerberinnen kommen. 
Mit Vertretung im Schuldienst beschäftigt sind 
10 199 Bewerber. Ohne Beschäftigung im Schul 
dienst sind 29 057. 
Liebenwerda, 3. April. Ein Veamtenheim 
niedergebrannt. Einem gewaltigen Feuer fiel ein 
Beamtenheim der Linke-Hofmann-Hütte in Lauch 
hammer zum Opfer. Das 50 Zimmer umfassende 
Gebäude ist vollständig vernichtet. Hab und Gut 
von 14 Familien und 6 Ledigen ist größtenteils 
verbrannt. 
Das Urteil im kleinen Barmatprozeß. Im 
kleinen Barmatprozeß wurde am Sonnabend fol 
gendes Urteil verkündet: Die Angeklagten wer 
den unter Freisprechung von der Verleitung zur 
Untreue bezw. von der Untreue selbst verurteilt, 
und zwar Feld wegen aktiver Bestechung in zwei 
Fällen zu 8 Monaten Gefängnis, Blodow wegen 
passiver Bestechung in fünf Fällen zu 1 Jahr 4 
Monaten Gefängnis, Kerstan wegen passiver Be 
stechung in sechs Fällen zu 1 Jahr 8 Monaten Ge 
fängnis, Jost wegen passiver Bestechung in vier 
Fällen zu 9 Monaten Gefängnis und Neitzel we 
gen passiver Bestechung in 3 Fällen zu 6 Monaten 
Gefängnis. Die erlittene Untersuchungshaft wird 
bei Feld mit 4 Monaten, bei Blodow mit 4 Mo 
naten 4 Wochen und bei Kerstan mit 5 Monaten 
in Anrechnung gebracht. Blodow. Kerstan und 
Jost wird auf die Dauer von je 3 Jahren die 
Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter ab 
gesprochen. Die Bcstechungsgelder und Gegen 
stände werden eingezogen und die Kosten des Ver 
fahrens den Angeklagten auferlegt. 
Meineidsverfahren. Wie aus Weimar gemel 
det wird, ist gegen Oberstaatsanwalt Frieders, der 
im Zusammenhang mit dem Meineidsprozeß gegen 
den früheren Staatsbankpräsidenten Loeb seines 
Dienstes enthoben und in den Wartestand versetzt 
worden war, ein Untersuchungsverfahren wegen 
Meineids eingeleitet worden. Der Meineid wird 
erblickt in einer Zengenaussage, die Dr. Friedens 
im Prozeß gegen das sozialdemokratische „Volk" in 
Jena, dem Beleidigung ber thüringischen Regie 
rung zum Vorwurf gemacht wurde, abgegeben hat. 
Verhaftete Brandstifter. Der Gutsbesitzer 
Radtke aus Lindenhof und sein Sohn sind verhaf 
tet worden. Am 25. Februar brannten auf dem 
Gute Lindenhof bei Platow, das dem Gutsbesitzer 
Radtke gehört, ein Tagelöhnerhans, der Biehstall 
und der Geräteschuppen nieder. In den Flammen 
kamen 9 Ferkel, 17 Rinder und der gesamte Schaf- 
vestand um. 
Vier Personen unter Mordverdacht verhaftet. 
In Gutengermendorf bei Löwenberg in der Mark 
war das Dienstmädchen des Ehepaares Schröder 
erschlagen ausgefunden worden. Unter dem Ver 
dacht, das Mädchen ermordet zu haben, wurde der 
Adoptivsohn des Ehepaares verhaftet. Er legte 
ein Geständnis ab und bezichtigte seine Adoptiv- 
elt-rrn and seinen Bruder der Mitwisserschaft. Die 
drei Verdächtigen wurden ebenfalls in Hast ge 
nommen. 
MTB. Hirschberg, 6. April. Herzschlag auf 
der Wanderung. Auf einer Fußwanderung brach 
am Karfreitag stn Riesengebirge, in der Nähe der 
Martinsbaude, der Rechtsanwalt Wilhelm Pau- 
kert aus Berlin plötzlich tot zusammen. Ein durch 
Ueberanstrengung hervorgerufener Herzschlag 
hatte seinem Leben plötzlich ein Ende bereitet. Die 
Leiche wurde nach Schreiberhau gebracht. 
WTV. Berlin. 3. April. Zn geistiger Um 
nachtung stieg heute mittag eine 79 Jahre alte 
Frau von der Dachwohnung ihrer Tochter in der 
Auguststraße auf das Dach und lief auf dem Ge 
sims entlang über drei Häuser hinweg. Von dem 
letzten Hause stürzte sie ab und blieb auf dem 
Bürgersteig mit schweren Verletzungen liegen, an 
denen sie auf dem Transport zum Krankenhause 
starb. 
Neueste Nachrîchken. 
T-U. London, 5. April. Wie aus Kairo ge 
meldet wird, sind hier bei einem großen Schaden 
feuer 32 Personen ums Leben gekommen. 612 
Gebäude wurden zerstört. 4009 Menschen find ob 
dachlos. 
Mord an einem Patienten. 
TU. Köln, 6. April. (Eig. Funkmeldung.) 
Wie die Kölnische Voltszeitung meldet, lieferte vor 
3 Wochen der praktische Arzt Dr. Josef Pröcher 
einen Patienten Oberreuter in das St. Marien- 
Hofpital ein, wo er in einem Einzelzimmer Auf 
nahme fand. Dr. Pröcher, der mit der Familie 
des Patienten freundschaftliche Beziehungen un 
terhielt, habe ihn mehrfach besucht »nd ihm ohne 
Wissen der Anstaltsärzte eine sehr starke Quccksil- 
bereinspritzung gegeben, die am Karfreitagabend 
den Tod des Patienten herbeiführte. Es bestehen 
keine Zweifel, daß hier ein Mord an einem Pa 
tienten vorliegt. Fahrlässigkeit käme nicht in 
Frage, da die Dosis der Einspritzung so stark ge 
wesen sei, daß sie tötjrch wirken mußte. Die Be 
weggründe zu dieser entsetzlichen Tat seien noch 
nicht aufgeklärt. Dr. Pröcher sei flüchtig. 
Gin deutscher Schoner gekentert. 
WTV. Kopenhagen, 6. April. (Eig. Draht- 
bericht.) Am Ostersonntag kenterte vor Falsterbo 
der deutsche Schoner „Wohlfahrt" aus Barth, der 
mit leeren Säureflafchen von Stettin nach Kopen 
hagen unterwegs war. Die Besatzung klammerte 
sich an das Wrack. Der Kapitän Wacht konnte sich 
NUT eine Stunde über Wasser halten, dann versank 
er. Die übrigen 3 Mann, darunter der Sohn des 
Kapitäns, wurden 3 Stunden nach dem Kentern 
von der Bornholmer Ealiasse „Anna" gerettet. 
InflnenMepidemie in Glasgow. 
WTB. London, 3. April. Glasgow wird au 
genblicklich von einer außergewöhnlichen Jn- 
flucnzaepidcmie heimgesucht. 146 Polizisten und 
290 Streßenbahnbeamte sind erkrankt. 
Dis Ordnung in KaLkutta 
wievertzergLftrUt. 
T-U. London, 6. April. Zn Kalkutta ist die 
Ordnung wiederhergestellt. Bei den Unruhen 
wurden 45 Personen getötet, 500 schwer verletzt 
und 300 verhaftet. Die anr Montag in einigen 
Blättern verbreitete Nachricht, daß in Kalkutta 
der Belagerungszustand verhängt worden sei, ist 
unrichtig. Nach einem Reuter-Telegramm erwar 
tet man die Ausnahme des normalen Lebens mit 
Beendigung der Feiertage. 
Dis Katholiken MfsH-§sLH- 
rmZens gegen die französische 
Scholgesstzgekung. 
T-U. Paris, 6. April. (Erg. Funkmeldung.) 
Zu dem Kongreß der Katholiken Elsaß-Lothrin 
gens, der gestern in Nancy stattfand, waren etwa 
69 080 Teilnehmer erschienen. Zn einer Entschlie 
ßung ' werden die elfaß-lothringischen Katholiken 
aufgefordert, gegen die Laiengesetzgebung, gegen 
die bestehende französische Schulgesetzgebung und 
die Trennung von Kirche und Staat zu kämpfen. 
Der religiöse Unterricht in den.Volksschulen dürfe 
niemals in einer anderen Sprache erteilt werden, 
als sie die Kinder verständen. 
Wisigeschîlk eines Wnifchsn 
Tokis-Megers. 
4- London, 5. April. Einer der zwei däni 
schen Tokio-Flieger, H e r s ch e n d , hatte aus dem 
Fluge von Kalkutta narb Rangoon (in Hinter- 
indien) Mißgeschick. Weil der Motor aussetzte, 
mußte er 28 englische Meilen von Rangoon ent 
fernt landen. Kühler. Propeller und Untergestell 
gingen in Trümmer. Hcrschend blieb unver 
letzt und fuhr im Automobil nach Rangoon. Der 
andere Flieger, B o t v a d , ist mit dem Flugzeug 
in Rangoon angekommen. Herschend muß das 
Weiterfliegen vorläufig aufgeben. 
Letzte AMMZen vom Dmäß-Markt 
Mehl, (amtlich) Hamburg, 6. April: 
Mara 
f 
Weizenmehl hiesiger Mühlen 
Bäckermetzl „ „ 
Roggemnehl „ ,, 
Roggengrobm. „ „ 
Getreide, (Freiverke 
47.00 
40 50 
27.50-29.75 
22.75-23.50 
hr) Hamburg. 
per 100 Kg 
„ 100 „ 
„ 100 .. 
* 100 „ 
6. April: 
Mark 
Weizen, inländischer 
Roggen, neu, „ 
Haier, 
Gerste, ausl., frei Kaiwaggon 
Mais, toko, „ „ 
Tendenz fest. 
276.00—286.00 
>76 00-180.00 
183.00—198.00 
166.00—169 00 
172.00-176.00 
per 1000 Kg 
.. 1000 „ 
„ 10:0 .. 
.. 1000 „ 
.. Ş „ 
Schleswig-Holstein. 
wk. Kiel, 6. April. Eine eigenartige Ostev 
Überraschung bereitete der in der Boninstraße woh» 
nende Kaufmann Sch. seiner Familie. Er war am 
Sonnabendabend mit seiner Frau in einen Wort» 
Wechsel geraten, in dessen Verlauf er sehr erregt 
wurde. Er verließ dann plötzlich die Wohnung, be« 
gab sich auf den Hof, und schoß sich dort eine Kugel 
in Kopf. Der Tod trat nach wenigen Minuten ein, 
so daß ärztliche Hilfe zu spät kam. — Schwer ver 
unglückt ist ■ am Sonntagnachmittag am Düstern- 
brooker Weg ein Motorradfahrer. Er muß plötz 
lich die Steuerung verloren haben, denn das Rad 
lief gegen einen Baum, und der Fahrer stürzte so 
unglücklich, daß er einen komplizierten Beinbruch 
und eine schwere Schädelverletzung erlitt. Das 
Bein muß jedenfalls abgenommen werden. — Ein 
Zusammenstoß, dem vier Personenautos zum Opfer 
sielen, ereignete stch am Sonntagmorgen am Knoo4 
per Weg bei der Jungmannstraße. Ein aus der 
letzteren kommendes Auto stieß mit pxt sich am 
Knoopei Weg entgegenkommenden Autos zusam 
men, und alle drei wurden beschädigt. Der eins 
Ehauffeuer erlitt durch Glasscherben eine Ver 
letzung der Pulsader, ein viertes Auto, das die Un- 
fallstelle passierte, zerschnitt sich an Glassplittern 
die Reisen. 
2lus der Stadt» 
Rendsburg, den 6. April 1926. 
Das Osterfest 
liegt hinter uns. Ostern 1926 ist zu seinen Vorgängern 
hinabgestiegen in das Meer der Vergangenheit. 
Wenn Feste, namentlich Frühjahrs- und Sommerfeste, 
richtig gefeiert werden sollen, so spielt dabei das 
Wetter immer eine Hauptrolle. Da hat uns nun 
heuer zu Ostern der Himmel ein so freundliches Ge 
sicht gezeigt, wie es kaum schöner gewünscht werden 
konnte. Wenn nicht das Grün der Bäume und Sträu 
cher noch fehlte, so hätte man schon denken können, 
das letzte der drei hohen kirchlichen Feste, Pfingsten, 
wäre da. 
Freilich, am Ostermorgen wehte ein scharfer Wind 
aus östlicher Richtung. Nach einem weit verbreiteten 
Glauben soll die Windrichtung vom Ostermorgen 
wochenlang die vorherrschende sein. Für das niedrige 
moorige Land und für die Moore selbst können wir 
den trocknenden Ostwind gebrauchen. Die Arbeiten 
auf diesen Böden können dann rasch gefördert werden, 
und der Torf trocknet rasch. 
Schon früh strahlte die Sonne warm hernieder aus 
die jetzt endgültig aus dem Winterschlaf erwachende 
Mutter Erde. Bald belebten sich auch die Spazier 
wege und Landstraßen. Die Osterglocken tönten über 
das Land und verkündeten den alten frohen Oster 
gruß: „Christ ist erstanden, freue dich, o Christenheit!" 
und in den Kirchen ertönten die feierlichen Gesänge 
der Kirchgäste. — Auf den Landstraßen zeigte sich schon 
am Bormittag ein reger Autoverkehr und die Motor 
räder ratterten. 
Am Nachmittag legte sich der Wind fast ganz, 
und die Lust wurde viel milder, als man am Vor 
mittag zu hoffen gewagt hatte. Der Ueberrock wurde 
schon lästig. Er wurde über den Arm genommen, die 
Damen legten Mantel und Pelzkragen ab und zeig 
ten sich vielfach schon in neuer Frühlingskleidung, 
bei der die weithin leuchtenden bunten Farben beliebt 
sind. 
Bunt färbt sich auch der Wald-, der Acker- und 
der Wiesenboden. Im Walde überzieht sich der Bo 
den mit Anemonen und Milchstern, auch Oxalis kommt 
schon zum Vorschein und der schön duftende Wald 
meister. Lieblich blüht, in der Hecke verborgen, das 
Veilchen, während das Marienblümchen Acker u^ 
Wiese schmückt. Daneben sehen wir an manchen Stdst 
len die gelbe Blüte des Huflattichs. Die großen Blai- 
tcr, deren Huffarm der Pflanze den Namen gaben, 
kommen erst später zum Borschein. Sie sind in der 
Kräuterheilkunde bekannt und wurden in der harten 
Kriegszeit als Ersatzmittel für Tabak gepriesen. Man 
sah sie damals in manchen Orten in Mengen aufge 
stapelt in den Schaufenstern. Von den Vlütenfträn- 
chern schimmert ans goldglänzend die Jorsitha ent 
gegen, rotleuchtend die rotblühende Johannisbeere. 
Gleich dem ersten brachte auch der zweite Osteriag 
herrliches Wetter. 
Auch das ^.'.erleben ist zu neuem Leben erwacht- 
Das Bienlein sucht nach Kätzchen, um aus ihnen sein^ 
erste Nahrung zu holen. Der Zitronenfalter gaukelt 
durch die Luft und selten trifft man auch schon i-cn 
unter dem Namen „Fuchs" bekannten Schmetterling- 
Eifrig sind die gefiederten Sänger dabei, sich das Nest 
zu bauen. Nicht am wenigsten fleißig ist unser Freui^ 
Spatz. Ein großes Lager aller möglichen Sache" 
schleppt er sich zusammen. An Zäunen und Stei^ 
wällen schlüpft die flinke Eidechse aus den Ritzel 
hervor und inacht Jagd auf Insekten. Neben de" 
Echsen zeigt sich die Ringelnatter und leider auch öi c 
giftige Kreuzotter, zur Vorsicht mahnend. Im klare" 
Wasser kann man den Hecht beobachten, wie er stķ 
denlang schier unbeweglich dasteht. Ihm wird ) £ ^ 
eifrig nachgestellt. In flachen Gewässern setzen 
Frösche ihren Laich ab und bald können wir wiêd^ 
die Kaulquappen in ihrer interessanten Entwickeln^ 
beobachten. 
Für Landwirt und Gärtner beginnt nun nach de" 
Tagen des Festes die arbeitsreiche Zeit. Jetzt gilt 
den Boden zu bearbeiten und zu besäen, um spat^ 
ernten zu können. > 
Und für unsere 6jährigen Kinderchen ist se * 
Schultag da. «• 
Regierungsrat Dr. Zohannsen ist auf Ant^ 
bis Anfang Mai weiter beurlaubt worden. 
empfiehlt sich, die persönliche Anschrift in die" 
lichen Angelegenheiten zu vermeiden, da 
durch unnötige Verzögerungen entstehen, ^
	        
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