Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

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ReichrfiMMiŞ Rkiņhsld 
8èer die MchsstWe Lege. 
WTB. Bresben, S. April. Unter der Ueberschrift 
„Das Ende der Vertrauenskrise" veröffentlicht Reichs- 
finanzminister Reinhold in den „Dresdner Neuesten 
Nachrichten" einen bemerkenswerten Artikel über die 
wirtschaftliche Lage deg Deutschen Reiches. In dem 
Artikel heißt es: 
Wenn nicht alle Anzeichen trügen, hat die schwere 
Krise der deutschen Wirtschaft, die im Sommer vorigen 
Jahres einsetzte und die in den letzten Wochen zu der 
erschreckenden Zahl von über zwei Millionen unter 
stützungsberechtigter Erwerbsloser führte, ihren tiefsten 
Punkt erreicht. Noch zeigt das Barometer der Wirt 
schaft keineswegs gutes Wetter; kein Einsichtiger ist 
auch im Unklaren, daß der Wiederaufstieg schwer und 
langsam sein wird und daß wir ähnlich wie England 
noch lange Zeit mit sehr hoher Erwerbslosenzahl rech 
nen müssen. Aber der lähmende Druck, der bisher auf 
unserem Wirtschaftsleben lag, ist doch im Schwinden 
und auf manchen Gebieten des geschäftlichen Lebens 
zeigt sich neue Unternehmungslust. Der Minister weist 
weiter darauf hin, daß die deutsche Wirtschaft zwar 
noch eine längere Erholungszeit notwendig haben 
werde I aber die psychologischen Grundlagen für eine 
Konjunkturbesserung feien gegeben. Der Finanzmi 
nister geht auf die Frage rin, ob diese Stimmung für 
«ine Besserung berechtigt sei und bejaht diese Frage 
rückhaltlos. „Der deutsche Markt", heißt es wörtlich, 
ist zweifellos innerlich gefestigt. Wer sich durch die 
Not der letzten Monate hindurchgerettet hat, hat im 
großen und ganzen die Feuerprobe bestanden, wenn 
auch noch einige Nachzügler auf der Strecke bleiben 
werden. Die ungesunden Verhältnisse, worunter unser 
Wirtschaftsleben im letzten Jahre so schwer litt, sind 
jetzt zum großen Teile beseitigt." 
Wenn auch viele Industriezweige noch schwer dar- 
niederliegen, zeigt sich in anderen doch eine unverkenn 
bare Belebung und ich glaube, daß das wiedererwachte 
Vertrauen, zu dem nach allgemeiner Ueberzeugung ja 
auch die von der Reichsregierung vorgenommenen 
Steuererleichterungen beigetragen haben, den deutschen 
Arbeitswillen, der auch in der schwersten Zeit unge 
brochen geblieben ist, neu gestärkt hat. Zusammen 
fassend möchte ich meiner Ueberzeugung dahin Aus 
druck geben, daß wir, wenn keine unerwarteten inner- 
oder außenpolitischen Störungen dazwischen kommen, 
der Entwicklung der nächsten Monate mit Zuversicht 
entgegensehen können. 
Auf die Frage: Wie beurteilen Sie die Wirkung 
der Herabsetzung der Vermögenssteuer? antwortete der 
Minister: Der Ausfall des Zahlungstermins vom 15. 
Mai für alle Vermögen wird eine fühlbare Erleich 
terung schaffen, da durch diese Maßregel vermieden 
wird, daß die Zahlungstermine für die Vermögens 
steuer sich in diesem Jahre besonders häufen. Dazu 
kommt als besonders erfreuliche Maßregel, daß für alle 
kleinen Vermögen — insbesondere für unsere so schwer 
geprüften Kleinrentner, für den gewerblichen Mittel 
stand und die deutsche Bauernschaft — eine dauernde 
Herabsetzung der Vermögenssteuer, zum Teil bis auf 
die Hälfte des bisherigen Betrages, stattfindet, eine 
Maßregel, die mir sowohl aus sozialen, wie aus wirt 
schaftlichen Gründen sehr berechtigt erscheint. 
Ratifizierung des deutsch-türkischen vorläufigen 
Handelsabkommens. 
Das im Dezember 1925 in Angora durch No 
tenwechsel vereinbarte vorläufige Handelsabkom 
men zwischen dem Deutschen Reich und der Türki 
schen Republik ist ratifiziert worden. 
Der durchschnittliche Berliner Vörsen-Noggenpreis 
für 50 Kg. betrug in der Woche vom 15. bis 20. 
März ab märkischer Station 7,86 Rm. 
Neueste MîrtschKftSnaĢîchèerî. 
Aufhebung der Hersteller- und Kleinhandelssteuer 
und Ermäßigung der Umsatzsteuer. 
T-U. Berlin, 1. April. Durch das Gesetz über 
Stsueimilderuugen zur Erleichterung der Wirt 
schaftslage vom 31. März 1926 ist der Satz der 
allgemeinen Umsatzsteuer für die Umsätze vom 1. 
April 1926 an von eins vom Hundert auf 7 X A vom 
Tausend ermäßigt und die Hersteller- und Klein 
handelssteuer aufgehoben worden. Darüber, ob 
ein Umsatz vor oder nach dem 1. April 1926 liegt, 
entscheidet nach den in Kürze ergehenden Ueber- 
gangsbestimmungen bei der Versteigerung nach den 
vereinnahmten Entgelten (Jsteinnahme) der Zeit 
punkt der Vereinnahmung, bei der Versteuerung 
nach den Leistungen und Lieferungen (Sollein 
nahme) der Zeitpunkt der bewirkten Leistungen. 
Die Steuerpflichtigen, die zu monatlichen Voraus 
zahlungen der allgemeinen Umsatzsteuer verpflich 
tet sind, haben daher erstmals im Mai 1926 für 
die Umsätze im April, die Steuerpflichtigen, die zu 
vierteljährlichen Vorauszahlungen der allgemei 
nen Umsatzsteuer verpflichtet sind, erstmals im Juli 
1926 für die Umsätze vom April bis Juni 1926 die 
Umsatzsteuer in Höhe von 7 A vom Tausend, zu 
entrichten. Dagegen haben sowohl die Monats- 
als auch die Vierteljahrszahler bei der Voraus 
zahlung der allgemeinen Umsatzsteuer im April 
1926, die sich auf die Umsätze vor dem 1. April 
1926 bezieht, noch eins vom Hundert zu zahlen. 
Soweit Hersteller- und Kleinhandelssteuerpflich- 
tige nach vereinnahmten Entgelten versteuern, ha 
ben sie für. alle vvr dem 1. April 1926 ausgeführ 
ten Lieferungen und nur für diese noch 7 A vom 
Hundert zu zahlen. 
O Mtlen-Eesellschaft der Hollerschcn Carks- 
hütte bei Rendsburg. In gemeinschaftlicher Sitz 
ung des Aufsichtsrates und des Vorstandes wurde 
beschlossen, für das Jahr 1925 den Aktionären in 
der zum 22. April 1926 einberufenen General 
versammlung 10 Proz. Dividende und eine Son 
dervergütung von 60 Reichsmark pro Aktie von 
1000 Reichsmark (im Vorjahre 5 Proz. Dividende) 
vorzuschlagen. 
Die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts- 
Eescllfchaft 
hat bei der Werft von Vlohm und Voß in Ham 
burg den in der Generalversammlung beschlossenen 
Bau eines Schnelldampfers vom Typ des Dam 
pfers „Cap Polonio" in Auftrag gegeben. Der 
Dampfer wird den Namen „Cap Arcona" erhalten. 
Er wird voraussichtlich im Frühjahr 1928 in die 
Linie Hamburg-Südamerika eingestellt werden, 
auf der „Cap Polonio", „Cap Norte" und „An 
tonio Delsino" regelmäßig verkehren. 
36prozentige Erhöhung der französischen Zölle. 
Paris, 8. April. In der Kammer erklärte 
Handelsminister Daniel-Vincent die Erhöhung der 
Zölle für notwendig, um die Handelsvertragsver 
handlungen mit Deutschland zu einem guten Ende 
zu führen. Die Regierung müsse eine starke, wider 
standsfähige Stellung und ein Austauschobjekt 
haben. 
Kredithilfe für das nasfamsche Handwerk. 
T-N. Wiesbaden, 3. April. Auf Anregung 
des Eewerbevereins für Nassau, hat sich die Nas 
sauische Landesbank bereiterklärt, etwa eine Mil 
lion Rentenmark für Kredite an das Handwerk 
zur Verfügung zu stellen. Die Kredite, die im 
Einzelfall 1000 Jl betragen sollen, werden gegen 
Wechsel gegeben. Der Zinssatz beträgt 9 Proz. 
Weiteres Sinken der Berliner Arüeitlofenziffer. 
In der abgelaufenen Woche ist die Zahl der 
Arbeitslosen in Berlin um 1322 zurückgegangen 
und beträgt nunmehr 244152 Personen. 
Aus dem Handwerk. 
kk. Schleswig, 2. April. Kreishandwerkerbnnd. 
In der Ortsgruppenversammlung des Kreishand 
werkerbundes wurde hier kürzlich Bericht erstattet 
über die Vertretung des Handwerkerstandes in den 
öffentlichen Körperschaften. Das Handwerk hat 
sieben Vertreter im Pvovinz'iallan'dtag. In den 
neuen Kreistag sind vier Vertreter hineingewählt 
worden und der Kveisodermeister ist Kreisaus 
schußmitglied geworden. Auch in der Stadtvertre 
tung werden die Handwerkerinteressen gewahrt 
durch mehrere Skandespersonen. In der am 22. 
d. Mts. hier abermals stattgefundenen Zusam 
menkunft der Ortsgruppenvertreter wurde end 
gültig bestimmt, daß der Kreishandwerkertag am 
5. und 6. Juni in Eatrup stattfinden soll. In der 
Haupttagung am Sonntag, dem 6. Juni, werden 
verschiedene Vorträge gehalten werden, u. a. vom 
Syndikus des Landesverbandes, Dr. Köhler-Kiel.! 
Der Leiter des Finanzamtes, Regierungsrat Dr.l 
Dehning, hielt, nachdem die Beratungen über das 
abzuhaltende Handwerkerfest beendet waren, einen 
aufklärenden Vortrag über die schwierige Früh« 
jahrssteuerveranlagung. Seitens der Handwerker- 
vertreter ist nach Schluß der Versammlung noch 
mit Vertretern der Handolskveise der Stadt ver 
handelt worden über ein gleichmäßiges Vorgehet» 
in der Bildung von Steuereinschätzungskommij« 
stonen. 
Marktberichte. 
rt. Tarp, 3. April. Auf dem heutigen Ferkelmarkt 
waren 48 Tiere, gegen 75 in der Vorwoche. Die Preist 
stellten sich auf M 1.30—1.50 für das Pfund Lebend 
gewicht. Bei langsamem Handel wurde der Markt 
geräumt. 
fp Heide, 8. April. Im Viehhandel kosteten au!» 
Milchkühe 400—500 Jl, Fehrkühe 360—450 Jl. Kalb, 
kühe 440—560 M, Kalbquien 380—440 Jl, IjährigS 
Ochsen 100—130 Jl, 1 ^jährige Ochsen 130—200 Jl, 2- 
jährige Ochsen 220—300 M, Kälber 30—40 Jl bct9 
Stück. 
fp. Heide. 8. April. Die Produktenbörse notierst 
folgende Preise: Weizen 13. Roggen 8. Gerste 8,25, 
Hafer 8.60, Buchweizen 11, Ackerbohnen 11.50, Weizen- 
und Roggenstroh 1,80, Dauerweitzkohl (Amager) 4.50, 
Rotkohl 5, Steckrüben 0,70, Wirsingkohl 5. rote Möh 
ren 5, Runkelrüben 0,70, Häcksel 3, Kartoffelflocken 8,75 
Rm. pro Zentner, Preßtorf zu Ballen ab Station 
Heide 2.65 Rm. Eier kosteten 9—11 F das Stück- 
Butter 2,10—2,20 Rm. das Pfund. 
Pferdemarkt in Kropp. l 
Der Provinzialrat hat genehmigt, daß in 
Kropp am 24. April jeden Jahres ein Pferdeinarkt 
abgehalten wird. i 
Berliner Viehmarkt vom 3. April. . 
Wie nicht anders zu erwarten, war der Auftrieb 
an Schlachtvieh zum heutigen Viehmarkt sehr gering, 
und zwar waren aufgetrieben: 521 Rinder, 870 Käl 
ber, 1225 Schafe, 1822 Schweine, 7 Ziegen, 35 Aus^ 
landsfchiveine. Das Geschäft verlief langsam, und 
Kommission nahm infolge des geringen Auftriebes vo4 
einer Notierung Abstand. Im allgemeinen wurden 
etwa letzte Preise erzielt. Der näckş.e Markt findet 
am Mittwoch, den 7. April. statt. 
DutLermarkte. 
Hamburg, l. April. Notierung der Hamburger 
Butternotierungs - Kommission (Großhandels - Abreche 
nungspreis, ab Meiereistation, ohne Fässer, pr. 50 Kg- 
netto, reine Tara ohne Decort). 1. Oualität Rm. 177 
bis 179 2. Qualität Rm. 170—175, Bauernbutter 
Verlegte Butterauktion. Infolge des Osterfeste^ 
findet die dieswöchentliche Butterauktion erst am 
nerstag, 8. April, statt. 
Bom Kartoffelmarkt. 
Die Marktlage ist im allgemeinen etwas festes 
Die Nachfrage nach Speise» wie Saaikartosfeln war 
ziemlich rege, und die Preise konnten vereinzelt etwa? 
anziehen. Die Frachtsätze ab 1. April haben eine Er 
höhung erfahren, da der Nottarif mit seiner 20proze: 
tigert Ermäßigung für Saat- und Epetsekartoffeln 
ab 1. April aufgehoben ist. 
3m Mischfutterfrage. 
Ein Bericht der Pressestelle der Landwirtschastskammer und die 
Entgegnung des Landtagsadgeordneten Bundtzen. 
In dem in Niebüll unter Vorsitz von Amts- 
vorfteher Jessen, Tinningstedt, am 31. März d. I. 
tagenden landwirtschaftlichen Krcisverein kam 
auch die Mischfutterfrage und die Beteiligung der 
Landwirtschaftskammer an den Vereinigten Meie- 
reioerdünden zur Sprache. Der anwesende Direk 
tor der Landwirtschaftskammer gab Aufklärung, 
daß der Gedanke der Mischfutterverwendung über 
haupt sich grundsätzlich durchgesetzt habe. Die große 
Praxis verlange nach einem fertigen Futter. Alle 
großen Futterversorgungsstellen, z. B. auch die 
Deutsche Landwirtschasts-Gesellschaft, hie Haupt- 
genosseuschaft, die Bauerngenossenschaften und 
zahlreiche Privatfirmen stellten jetzt Mischfutter 
her. Die praktischen Erfolge seien bei guter Misch 
ung durchaus zufriedenstellend. Insofern habe die 
Stellungnahme des Vorstandes der Landwirt 
schaftskammer, der sich im vorigen Sommer als 
erste amtliche Stelle grundsätzlich für Zulassung 
des Mischfutters ausgesprochen habe, aus der prak 
tischen Erfahrung heraus volle Rechtfertigung er 
fahren. Die Angriffe gegen die Kammer in dieser 
Sache wendeten sich jetzt hauptsächlich gegen die 
Beteiligung der Kammer an den Vereinigten 
■ Meiereiverbänden, G. m. b. H. zu Kiel. Die Land 
wirtschastskammer habe selber für sich kein beson 
deres Interesse an dieser Beteiligung. Man könne 
der Meinung sein, daß es auch für die Gesellschaft 
vorteilhafter sei, von der Verbindung mit der 
Kammer loszukommen, um so größere Bewegungs 
freiheit zu gewinnen. Völlig illoyal fei es aber, 
wenn der Abgeordnete Bundtzen, der selber zu 
gleich Mitglied der Landwirtschaftskammer fei, 
mit feiner „Kleinen Anfrage" im Landtag den 
Schutz der Regierung für die Landwirtschaft in der 
Mischfutterfrage gegen die Landwirtschastskammer 
anrufen zu sollen glaube, ohne vorher von der 
Kammer irgend eine Auskunft verlangt oder sich 
auch nur mit seinem Fraktionskollegen und Kam 
mervorstandsmitglied, Abgeordneten Milberg, in 
Verbindung gesetzt zu haben. Hinzu komme, daß 
die „Kleine Anfrage" sich ausdrücklich auf bloße 
Zeitungsnachrichten berufe und sachlich von völlig 
falschen Voraussetzungen ausgehe. Die Agrikul 
turchemische Versuchsstation zu Kiel werde dem 
nächst einen ausführlichen Bericht hierzu veröffent 
lichen. 
Eine EĢMW 
des LkĶtkgsÄgesrhņetm BuMen. 
Wir haben Herrn Landtagsabgeordneien 
Bundtzen, der in dem vorstehenden Bericht der 
Pressestelle der Landwirtschaftskammer persönlich 
sehr scharf angegriffen wird, den Bericht zur 
Stellungnahme zugesandt. Herr Bundtzen äußert 
sich wie folgt: Ich habe volles Verständnis dafür, 
daß meine Berufsgenossen in Südländern Aufklä 
rungen wünschen über die Mischfutterangelegenheit 
der Meierewerbände. Ich habe weiter volles Ver 
ständnis dafür, daß das bisherige Mitglied des 
Aufsichtsrates der Gesellschaft, Herr Dr. Asmis, 
zur Aufklärung sich verpflichtet fühlte. Ich habe 
aber kein Verständnis dafür, daß die Aufklärung 
in einer Meise erfolgte, wie sie in dem vorstehenden 
von der Landwirtschastskammer versandten Pres 
sebericht vorliegt. Herr Dr. Asmis hat, wenn der 
Pressebericht seine Ausführungen richtig wieder 
gibt, um den Kernpunkt der Sachs herumgeredet. 
Uns Landwirte interessiert in erster Linie das, 
was in den Mittelpunkt der von dem Abgeordne 
ten Jöns-Wohlde und mir im Preußischen Land 
tag eingebrachten Anfrage gestellt ist, nämlich die 
Frage: „Sind in dem Mischfuttex „Gelbe Fahne" 
die laut Prospekt vorgesehenen Sesamkuchen tat 
sächlich durch billige Sonnenblumenkuchen ersetzt 
worden?" Hier gibt es für uns Landwirte nur ein 
Ja oder Rein, sowohl für Herrn Dr. Asmis als 
für alle sonstigen Stellen. Alle Landwirte in 
Schleswig-Holstein wären unzweifelhaft dem Herrn 
Dr. Asmis'sehr dankbar gewesen, wenn er schon in 
Niebüll hierüber eine klare eindeutige Antwort 
gegeben hätte. Wenn er statt dessen unbegründet 
mir vorwirft, „völlig illoyal" gehandelt zu haben, 
so tritt doch hier zu klar seine Absicht hervor, die 
Landwirte von der Sache abzulenken. Auf diesem 
Wege werde ich dem bisherigen Aufsichtsratsmit 
glied Herrn Dr. Asmis nicht folgen. 
Ueber den Beamten der Lanvwirtschaftskam- 
mer, Herrn Dr. Asmis, wird an anderer Stelle zu 
sprechen sein. 
Ije leatflje LmMrtsW in 
MWsts-ÄMte-AMuß. 
Die deutsche Landwirtschaft hat viele Vertre 
tungen im deutschen Reiche und in den einzelnen 
Landern. Cs gibt behördliche, halbbehördliche und 
freie berufsständische Vertretungen, abgesehen von 
den Parteien, die zeitweise, besonders zu Wahl 
zeiten, sich erinnern, daß es eine deutsche Land 
wirtschaft gibt. Im Reiche haben wir das Reichs- 
ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 
in Preußen das Preußische Landwirtschaftsmini 
sterium, und in den übrigen Ländern die Land 
wirtschaftsministerten. In Berlin befindet sich 
ebenfalls die Preußische Hauptlandwirtschaftskam- 
mer, der Reichsausschutz der deutschen Landwirt 
schaft, der deutsche Landwirtschaftsrat, die Reichs 
zentralen der landwirtschaftlichen Arbeitgeber- 
und Arbeitnehmerverbände, die Spitzenorganisa 
tionen der Landbünde, der Bauernvereine, der 
Klein- und Mittelbauern, die genossenschaftlichen 
Reichszentralen usw., in allen Provinzen Land- 
lvirtschaftskammern mit Millionenetats. Also 
Vertretungen genug. Und doch keine genügende 
Vertretung dort, wo die Wirtschaft „gemacht 
wird. Wir haben das gesehen bei den letzten 
Handelsvertragsverhandlungen, wir sahen es bei 
der Zusammsetzung der Weltwirtschaftskonpwenz 
und wir sehen es wieder bei der Benennung der 
Mitglieder des Reichstages für den W-nichafts- 
Enquete-Ausschuß. Der deutsche Bauer lese fol 
gende Liste der benannten Mitglieder: 
Von der Sozialdeinokratstchen Partei: Dr. 
med. Hilserding, Schriftsteller, Stellv. R. Schmidt, 
Berlin; Dr. Bade, Landwirt, Stellv. Dr. Naphtali. 
Von der Deutschnationalen Volkspartei; von 
Dewitz, Major a. D., Stellv. Leopold, Bergwerks 
direktor; Dr. Wienbeck, Handwerkskammersyndi 
kus, Stellv. Koch, Verbandssekretär. 
Vom Zentrum: Lammers, Rechtsanwalt, Ber 
lin, Stellv. Stegerwald, Vorsitzender d. deutsch. Ee- 
werkschaftsbundes. 
Deutsche Volkspartei: v. Raumer, Reichsschatz 
minister a. D., Stellv. Hepp, Landwirt. 
Kommunistische Partei: Koenen, Redakteur, 
Stellv. Neubauer, Lehrer. 
Deutsch-Demokratische Partei: Dr. Hummel, 
Staatspräsident a. D. 
Wirtschaftliche Bereinigung: Drewitz, Bäcker 
meister, Stellv. Mollath, Kaufmann. 
Bayerische Volkspartei; Rauch, Diplom 
ingenieur. Stellv. Diernreiter, Landwirt. 
Deutschvölkische Freiheitspartei: g. Sow&ij*, 
Reg!.-Assessor a. D., Stellv. Henning, Major a. D 
Der einzige Landwirt, der ordentliches M"' 
glied ist, wurde von der Sozialdemokratischen Pa^ 
tei ernannt. 
Arme Landwirtschaft! So heißt es in ein^ 
Zuschrift. Ja, arme Landwirtschaft! 
Fördsrung der bäuerlichen Wirt 
schaftsberatung. 
Der Preußische Minister für Landwirtschaft 
Domänen und Forsten veröffentlicht für die so* 
Wendung öffentlichen Mittel zur Forderung - 
bäuerlichen Wirtschaftsderatung Grundsätze, dene" 
entnommen sei: 
Unter dem Begriff Wirtschaftsberatung şall^ 
alle Maßnahmen, die geeignet erscheinen, ^ 
bäuerliche Betriebsführung nach neuzeitlichen ft 
fahrungen und mit Hilfe wissenschaftlicher Fft 
schungsergebnifse allgemein so umzugestalten, ft" 
möglichst hohe Roh- und Reinerträge sowie # 
umfassende Prodnktionssteigcrung zur Deckung 't 
Nahrungs- und Futtermittelbedarfs auf hcimifft 
Scholle erzielt werden. In die Wirtîchaftsbft 
tung sind also alle Gebiete der landwirtschaftliE 
Erzeugung und alle Zweige des landwirtsckşş 
lichen Betriebes einzubeziehen. 
Die Mittel, die zur Verfügung gestellt werft 
sind demgemäß nicht einseitig für Maßnahmen K 
Förderung des Ackerbaus bestimmt, sondern sie ft 
len gleichmäßig auch der Förderung aller andft 
die Ertragsfähigkeit des landwirtschaftlichen ft 
triebes beeinflussenden Maßnahmen nutzbar 
macht werden, wobei als bäuerlich im Sinne diftş 
Grundsätze Betriebe bis zu 100 Hekt. Größe gelft, 
Je nach Lage der örtlichen Verhältnisse und ft 
dürfnisse wird sich deshalb eine große Mannigft 
tigkeit in der Wahl der einzuschlagenden Dftft 
und Wege ergeben; daher erscheint es zweckinftj 
und notwendig, in der Verwendungsmöglichft 
der Mittel zur Förderung der bäuerlichen ftftļ 
schaftsberatung größtmögliche Bewegungsfre'" 
zu belassen. 
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burger : 
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Şchlub! 
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Angriff 
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Die näheren Einzelheiten der ErundsäN» { «i 
sich auf die Maßnahmen zur Erzielung g"ft jji 
Beweglichkeit der Wirtschaftsberater sowie aü '^t 
Gewährung von Beihilfen erstrecken, sind auS ( 
13 des „Ministerialblatts der Preußischen Del 
tung für Landwirtschaft, Doinänen und S° rl 
zu ersehen. , —
	        
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