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ReichrfiMMiŞ Rkiņhsld
8èer die MchsstWe Lege.
WTB. Bresben, S. April. Unter der Ueberschrift
„Das Ende der Vertrauenskrise" veröffentlicht Reichs-
finanzminister Reinhold in den „Dresdner Neuesten
Nachrichten" einen bemerkenswerten Artikel über die
wirtschaftliche Lage deg Deutschen Reiches. In dem
Artikel heißt es:
Wenn nicht alle Anzeichen trügen, hat die schwere
Krise der deutschen Wirtschaft, die im Sommer vorigen
Jahres einsetzte und die in den letzten Wochen zu der
erschreckenden Zahl von über zwei Millionen unter
stützungsberechtigter Erwerbsloser führte, ihren tiefsten
Punkt erreicht. Noch zeigt das Barometer der Wirt
schaft keineswegs gutes Wetter; kein Einsichtiger ist
auch im Unklaren, daß der Wiederaufstieg schwer und
langsam sein wird und daß wir ähnlich wie England
noch lange Zeit mit sehr hoher Erwerbslosenzahl rech
nen müssen. Aber der lähmende Druck, der bisher auf
unserem Wirtschaftsleben lag, ist doch im Schwinden
und auf manchen Gebieten des geschäftlichen Lebens
zeigt sich neue Unternehmungslust. Der Minister weist
weiter darauf hin, daß die deutsche Wirtschaft zwar
noch eine längere Erholungszeit notwendig haben
werde I aber die psychologischen Grundlagen für eine
Konjunkturbesserung feien gegeben. Der Finanzmi
nister geht auf die Frage rin, ob diese Stimmung für
«ine Besserung berechtigt sei und bejaht diese Frage
rückhaltlos. „Der deutsche Markt", heißt es wörtlich,
ist zweifellos innerlich gefestigt. Wer sich durch die
Not der letzten Monate hindurchgerettet hat, hat im
großen und ganzen die Feuerprobe bestanden, wenn
auch noch einige Nachzügler auf der Strecke bleiben
werden. Die ungesunden Verhältnisse, worunter unser
Wirtschaftsleben im letzten Jahre so schwer litt, sind
jetzt zum großen Teile beseitigt."
Wenn auch viele Industriezweige noch schwer dar-
niederliegen, zeigt sich in anderen doch eine unverkenn
bare Belebung und ich glaube, daß das wiedererwachte
Vertrauen, zu dem nach allgemeiner Ueberzeugung ja
auch die von der Reichsregierung vorgenommenen
Steuererleichterungen beigetragen haben, den deutschen
Arbeitswillen, der auch in der schwersten Zeit unge
brochen geblieben ist, neu gestärkt hat. Zusammen
fassend möchte ich meiner Ueberzeugung dahin Aus
druck geben, daß wir, wenn keine unerwarteten inner-
oder außenpolitischen Störungen dazwischen kommen,
der Entwicklung der nächsten Monate mit Zuversicht
entgegensehen können.
Auf die Frage: Wie beurteilen Sie die Wirkung
der Herabsetzung der Vermögenssteuer? antwortete der
Minister: Der Ausfall des Zahlungstermins vom 15.
Mai für alle Vermögen wird eine fühlbare Erleich
terung schaffen, da durch diese Maßregel vermieden
wird, daß die Zahlungstermine für die Vermögens
steuer sich in diesem Jahre besonders häufen. Dazu
kommt als besonders erfreuliche Maßregel, daß für alle
kleinen Vermögen — insbesondere für unsere so schwer
geprüften Kleinrentner, für den gewerblichen Mittel
stand und die deutsche Bauernschaft — eine dauernde
Herabsetzung der Vermögenssteuer, zum Teil bis auf
die Hälfte des bisherigen Betrages, stattfindet, eine
Maßregel, die mir sowohl aus sozialen, wie aus wirt
schaftlichen Gründen sehr berechtigt erscheint.
Ratifizierung des deutsch-türkischen vorläufigen
Handelsabkommens.
Das im Dezember 1925 in Angora durch No
tenwechsel vereinbarte vorläufige Handelsabkom
men zwischen dem Deutschen Reich und der Türki
schen Republik ist ratifiziert worden.
Der durchschnittliche Berliner Vörsen-Noggenpreis
für 50 Kg. betrug in der Woche vom 15. bis 20.
März ab märkischer Station 7,86 Rm.
Neueste MîrtschKftSnaĢîchèerî.
Aufhebung der Hersteller- und Kleinhandelssteuer
und Ermäßigung der Umsatzsteuer.
T-U. Berlin, 1. April. Durch das Gesetz über
Stsueimilderuugen zur Erleichterung der Wirt
schaftslage vom 31. März 1926 ist der Satz der
allgemeinen Umsatzsteuer für die Umsätze vom 1.
April 1926 an von eins vom Hundert auf 7 X A vom
Tausend ermäßigt und die Hersteller- und Klein
handelssteuer aufgehoben worden. Darüber, ob
ein Umsatz vor oder nach dem 1. April 1926 liegt,
entscheidet nach den in Kürze ergehenden Ueber-
gangsbestimmungen bei der Versteigerung nach den
vereinnahmten Entgelten (Jsteinnahme) der Zeit
punkt der Vereinnahmung, bei der Versteuerung
nach den Leistungen und Lieferungen (Sollein
nahme) der Zeitpunkt der bewirkten Leistungen.
Die Steuerpflichtigen, die zu monatlichen Voraus
zahlungen der allgemeinen Umsatzsteuer verpflich
tet sind, haben daher erstmals im Mai 1926 für
die Umsätze im April, die Steuerpflichtigen, die zu
vierteljährlichen Vorauszahlungen der allgemei
nen Umsatzsteuer verpflichtet sind, erstmals im Juli
1926 für die Umsätze vom April bis Juni 1926 die
Umsatzsteuer in Höhe von 7 A vom Tausend, zu
entrichten. Dagegen haben sowohl die Monats-
als auch die Vierteljahrszahler bei der Voraus
zahlung der allgemeinen Umsatzsteuer im April
1926, die sich auf die Umsätze vor dem 1. April
1926 bezieht, noch eins vom Hundert zu zahlen.
Soweit Hersteller- und Kleinhandelssteuerpflich-
tige nach vereinnahmten Entgelten versteuern, ha
ben sie für. alle vvr dem 1. April 1926 ausgeführ
ten Lieferungen und nur für diese noch 7 A vom
Hundert zu zahlen.
O Mtlen-Eesellschaft der Hollerschcn Carks-
hütte bei Rendsburg. In gemeinschaftlicher Sitz
ung des Aufsichtsrates und des Vorstandes wurde
beschlossen, für das Jahr 1925 den Aktionären in
der zum 22. April 1926 einberufenen General
versammlung 10 Proz. Dividende und eine Son
dervergütung von 60 Reichsmark pro Aktie von
1000 Reichsmark (im Vorjahre 5 Proz. Dividende)
vorzuschlagen.
Die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-
Eescllfchaft
hat bei der Werft von Vlohm und Voß in Ham
burg den in der Generalversammlung beschlossenen
Bau eines Schnelldampfers vom Typ des Dam
pfers „Cap Polonio" in Auftrag gegeben. Der
Dampfer wird den Namen „Cap Arcona" erhalten.
Er wird voraussichtlich im Frühjahr 1928 in die
Linie Hamburg-Südamerika eingestellt werden,
auf der „Cap Polonio", „Cap Norte" und „An
tonio Delsino" regelmäßig verkehren.
36prozentige Erhöhung der französischen Zölle.
Paris, 8. April. In der Kammer erklärte
Handelsminister Daniel-Vincent die Erhöhung der
Zölle für notwendig, um die Handelsvertragsver
handlungen mit Deutschland zu einem guten Ende
zu führen. Die Regierung müsse eine starke, wider
standsfähige Stellung und ein Austauschobjekt
haben.
Kredithilfe für das nasfamsche Handwerk.
T-N. Wiesbaden, 3. April. Auf Anregung
des Eewerbevereins für Nassau, hat sich die Nas
sauische Landesbank bereiterklärt, etwa eine Mil
lion Rentenmark für Kredite an das Handwerk
zur Verfügung zu stellen. Die Kredite, die im
Einzelfall 1000 Jl betragen sollen, werden gegen
Wechsel gegeben. Der Zinssatz beträgt 9 Proz.
Weiteres Sinken der Berliner Arüeitlofenziffer.
In der abgelaufenen Woche ist die Zahl der
Arbeitslosen in Berlin um 1322 zurückgegangen
und beträgt nunmehr 244152 Personen.
Aus dem Handwerk.
kk. Schleswig, 2. April. Kreishandwerkerbnnd.
In der Ortsgruppenversammlung des Kreishand
werkerbundes wurde hier kürzlich Bericht erstattet
über die Vertretung des Handwerkerstandes in den
öffentlichen Körperschaften. Das Handwerk hat
sieben Vertreter im Pvovinz'iallan'dtag. In den
neuen Kreistag sind vier Vertreter hineingewählt
worden und der Kveisodermeister ist Kreisaus
schußmitglied geworden. Auch in der Stadtvertre
tung werden die Handwerkerinteressen gewahrt
durch mehrere Skandespersonen. In der am 22.
d. Mts. hier abermals stattgefundenen Zusam
menkunft der Ortsgruppenvertreter wurde end
gültig bestimmt, daß der Kreishandwerkertag am
5. und 6. Juni in Eatrup stattfinden soll. In der
Haupttagung am Sonntag, dem 6. Juni, werden
verschiedene Vorträge gehalten werden, u. a. vom
Syndikus des Landesverbandes, Dr. Köhler-Kiel.!
Der Leiter des Finanzamtes, Regierungsrat Dr.l
Dehning, hielt, nachdem die Beratungen über das
abzuhaltende Handwerkerfest beendet waren, einen
aufklärenden Vortrag über die schwierige Früh«
jahrssteuerveranlagung. Seitens der Handwerker-
vertreter ist nach Schluß der Versammlung noch
mit Vertretern der Handolskveise der Stadt ver
handelt worden über ein gleichmäßiges Vorgehet»
in der Bildung von Steuereinschätzungskommij«
stonen.
Marktberichte.
rt. Tarp, 3. April. Auf dem heutigen Ferkelmarkt
waren 48 Tiere, gegen 75 in der Vorwoche. Die Preist
stellten sich auf M 1.30—1.50 für das Pfund Lebend
gewicht. Bei langsamem Handel wurde der Markt
geräumt.
fp Heide, 8. April. Im Viehhandel kosteten au!»
Milchkühe 400—500 Jl, Fehrkühe 360—450 Jl. Kalb,
kühe 440—560 M, Kalbquien 380—440 Jl, IjährigS
Ochsen 100—130 Jl, 1 ^jährige Ochsen 130—200 Jl, 2-
jährige Ochsen 220—300 M, Kälber 30—40 Jl bct9
Stück.
fp. Heide. 8. April. Die Produktenbörse notierst
folgende Preise: Weizen 13. Roggen 8. Gerste 8,25,
Hafer 8.60, Buchweizen 11, Ackerbohnen 11.50, Weizen-
und Roggenstroh 1,80, Dauerweitzkohl (Amager) 4.50,
Rotkohl 5, Steckrüben 0,70, Wirsingkohl 5. rote Möh
ren 5, Runkelrüben 0,70, Häcksel 3, Kartoffelflocken 8,75
Rm. pro Zentner, Preßtorf zu Ballen ab Station
Heide 2.65 Rm. Eier kosteten 9—11 F das Stück-
Butter 2,10—2,20 Rm. das Pfund.
Pferdemarkt in Kropp. l
Der Provinzialrat hat genehmigt, daß in
Kropp am 24. April jeden Jahres ein Pferdeinarkt
abgehalten wird. i
Berliner Viehmarkt vom 3. April. .
Wie nicht anders zu erwarten, war der Auftrieb
an Schlachtvieh zum heutigen Viehmarkt sehr gering,
und zwar waren aufgetrieben: 521 Rinder, 870 Käl
ber, 1225 Schafe, 1822 Schweine, 7 Ziegen, 35 Aus^
landsfchiveine. Das Geschäft verlief langsam, und
Kommission nahm infolge des geringen Auftriebes vo4
einer Notierung Abstand. Im allgemeinen wurden
etwa letzte Preise erzielt. Der näckş.e Markt findet
am Mittwoch, den 7. April. statt.
DutLermarkte.
Hamburg, l. April. Notierung der Hamburger
Butternotierungs - Kommission (Großhandels - Abreche
nungspreis, ab Meiereistation, ohne Fässer, pr. 50 Kg-
netto, reine Tara ohne Decort). 1. Oualität Rm. 177
bis 179 2. Qualität Rm. 170—175, Bauernbutter
Verlegte Butterauktion. Infolge des Osterfeste^
findet die dieswöchentliche Butterauktion erst am
nerstag, 8. April, statt.
Bom Kartoffelmarkt.
Die Marktlage ist im allgemeinen etwas festes
Die Nachfrage nach Speise» wie Saaikartosfeln war
ziemlich rege, und die Preise konnten vereinzelt etwa?
anziehen. Die Frachtsätze ab 1. April haben eine Er
höhung erfahren, da der Nottarif mit seiner 20proze:
tigert Ermäßigung für Saat- und Epetsekartoffeln
ab 1. April aufgehoben ist.
3m Mischfutterfrage.
Ein Bericht der Pressestelle der Landwirtschastskammer und die
Entgegnung des Landtagsadgeordneten Bundtzen.
In dem in Niebüll unter Vorsitz von Amts-
vorfteher Jessen, Tinningstedt, am 31. März d. I.
tagenden landwirtschaftlichen Krcisverein kam
auch die Mischfutterfrage und die Beteiligung der
Landwirtschaftskammer an den Vereinigten Meie-
reioerdünden zur Sprache. Der anwesende Direk
tor der Landwirtschaftskammer gab Aufklärung,
daß der Gedanke der Mischfutterverwendung über
haupt sich grundsätzlich durchgesetzt habe. Die große
Praxis verlange nach einem fertigen Futter. Alle
großen Futterversorgungsstellen, z. B. auch die
Deutsche Landwirtschasts-Gesellschaft, hie Haupt-
genosseuschaft, die Bauerngenossenschaften und
zahlreiche Privatfirmen stellten jetzt Mischfutter
her. Die praktischen Erfolge seien bei guter Misch
ung durchaus zufriedenstellend. Insofern habe die
Stellungnahme des Vorstandes der Landwirt
schaftskammer, der sich im vorigen Sommer als
erste amtliche Stelle grundsätzlich für Zulassung
des Mischfutters ausgesprochen habe, aus der prak
tischen Erfahrung heraus volle Rechtfertigung er
fahren. Die Angriffe gegen die Kammer in dieser
Sache wendeten sich jetzt hauptsächlich gegen die
Beteiligung der Kammer an den Vereinigten
■ Meiereiverbänden, G. m. b. H. zu Kiel. Die Land
wirtschastskammer habe selber für sich kein beson
deres Interesse an dieser Beteiligung. Man könne
der Meinung sein, daß es auch für die Gesellschaft
vorteilhafter sei, von der Verbindung mit der
Kammer loszukommen, um so größere Bewegungs
freiheit zu gewinnen. Völlig illoyal fei es aber,
wenn der Abgeordnete Bundtzen, der selber zu
gleich Mitglied der Landwirtschaftskammer fei,
mit feiner „Kleinen Anfrage" im Landtag den
Schutz der Regierung für die Landwirtschaft in der
Mischfutterfrage gegen die Landwirtschastskammer
anrufen zu sollen glaube, ohne vorher von der
Kammer irgend eine Auskunft verlangt oder sich
auch nur mit seinem Fraktionskollegen und Kam
mervorstandsmitglied, Abgeordneten Milberg, in
Verbindung gesetzt zu haben. Hinzu komme, daß
die „Kleine Anfrage" sich ausdrücklich auf bloße
Zeitungsnachrichten berufe und sachlich von völlig
falschen Voraussetzungen ausgehe. Die Agrikul
turchemische Versuchsstation zu Kiel werde dem
nächst einen ausführlichen Bericht hierzu veröffent
lichen.
Eine EĢMW
des LkĶtkgsÄgesrhņetm BuMen.
Wir haben Herrn Landtagsabgeordneien
Bundtzen, der in dem vorstehenden Bericht der
Pressestelle der Landwirtschaftskammer persönlich
sehr scharf angegriffen wird, den Bericht zur
Stellungnahme zugesandt. Herr Bundtzen äußert
sich wie folgt: Ich habe volles Verständnis dafür,
daß meine Berufsgenossen in Südländern Aufklä
rungen wünschen über die Mischfutterangelegenheit
der Meierewerbände. Ich habe weiter volles Ver
ständnis dafür, daß das bisherige Mitglied des
Aufsichtsrates der Gesellschaft, Herr Dr. Asmis,
zur Aufklärung sich verpflichtet fühlte. Ich habe
aber kein Verständnis dafür, daß die Aufklärung
in einer Meise erfolgte, wie sie in dem vorstehenden
von der Landwirtschastskammer versandten Pres
sebericht vorliegt. Herr Dr. Asmis hat, wenn der
Pressebericht seine Ausführungen richtig wieder
gibt, um den Kernpunkt der Sachs herumgeredet.
Uns Landwirte interessiert in erster Linie das,
was in den Mittelpunkt der von dem Abgeordne
ten Jöns-Wohlde und mir im Preußischen Land
tag eingebrachten Anfrage gestellt ist, nämlich die
Frage: „Sind in dem Mischfuttex „Gelbe Fahne"
die laut Prospekt vorgesehenen Sesamkuchen tat
sächlich durch billige Sonnenblumenkuchen ersetzt
worden?" Hier gibt es für uns Landwirte nur ein
Ja oder Rein, sowohl für Herrn Dr. Asmis als
für alle sonstigen Stellen. Alle Landwirte in
Schleswig-Holstein wären unzweifelhaft dem Herrn
Dr. Asmis'sehr dankbar gewesen, wenn er schon in
Niebüll hierüber eine klare eindeutige Antwort
gegeben hätte. Wenn er statt dessen unbegründet
mir vorwirft, „völlig illoyal" gehandelt zu haben,
so tritt doch hier zu klar seine Absicht hervor, die
Landwirte von der Sache abzulenken. Auf diesem
Wege werde ich dem bisherigen Aufsichtsratsmit
glied Herrn Dr. Asmis nicht folgen.
Ueber den Beamten der Lanvwirtschaftskam-
mer, Herrn Dr. Asmis, wird an anderer Stelle zu
sprechen sein.
Ije leatflje LmMrtsW in
MWsts-ÄMte-AMuß.
Die deutsche Landwirtschaft hat viele Vertre
tungen im deutschen Reiche und in den einzelnen
Landern. Cs gibt behördliche, halbbehördliche und
freie berufsständische Vertretungen, abgesehen von
den Parteien, die zeitweise, besonders zu Wahl
zeiten, sich erinnern, daß es eine deutsche Land
wirtschaft gibt. Im Reiche haben wir das Reichs-
ministerium für Ernährung und Landwirtschaft,
in Preußen das Preußische Landwirtschaftsmini
sterium, und in den übrigen Ländern die Land
wirtschaftsministerten. In Berlin befindet sich
ebenfalls die Preußische Hauptlandwirtschaftskam-
mer, der Reichsausschutz der deutschen Landwirt
schaft, der deutsche Landwirtschaftsrat, die Reichs
zentralen der landwirtschaftlichen Arbeitgeber-
und Arbeitnehmerverbände, die Spitzenorganisa
tionen der Landbünde, der Bauernvereine, der
Klein- und Mittelbauern, die genossenschaftlichen
Reichszentralen usw., in allen Provinzen Land-
lvirtschaftskammern mit Millionenetats. Also
Vertretungen genug. Und doch keine genügende
Vertretung dort, wo die Wirtschaft „gemacht
wird. Wir haben das gesehen bei den letzten
Handelsvertragsverhandlungen, wir sahen es bei
der Zusammsetzung der Weltwirtschaftskonpwenz
und wir sehen es wieder bei der Benennung der
Mitglieder des Reichstages für den W-nichafts-
Enquete-Ausschuß. Der deutsche Bauer lese fol
gende Liste der benannten Mitglieder:
Von der Sozialdeinokratstchen Partei: Dr.
med. Hilserding, Schriftsteller, Stellv. R. Schmidt,
Berlin; Dr. Bade, Landwirt, Stellv. Dr. Naphtali.
Von der Deutschnationalen Volkspartei; von
Dewitz, Major a. D., Stellv. Leopold, Bergwerks
direktor; Dr. Wienbeck, Handwerkskammersyndi
kus, Stellv. Koch, Verbandssekretär.
Vom Zentrum: Lammers, Rechtsanwalt, Ber
lin, Stellv. Stegerwald, Vorsitzender d. deutsch. Ee-
werkschaftsbundes.
Deutsche Volkspartei: v. Raumer, Reichsschatz
minister a. D., Stellv. Hepp, Landwirt.
Kommunistische Partei: Koenen, Redakteur,
Stellv. Neubauer, Lehrer.
Deutsch-Demokratische Partei: Dr. Hummel,
Staatspräsident a. D.
Wirtschaftliche Bereinigung: Drewitz, Bäcker
meister, Stellv. Mollath, Kaufmann.
Bayerische Volkspartei; Rauch, Diplom
ingenieur. Stellv. Diernreiter, Landwirt.
Deutschvölkische Freiheitspartei: g. Sow&ij*,
Reg!.-Assessor a. D., Stellv. Henning, Major a. D
Der einzige Landwirt, der ordentliches M"'
glied ist, wurde von der Sozialdemokratischen Pa^
tei ernannt.
Arme Landwirtschaft! So heißt es in ein^
Zuschrift. Ja, arme Landwirtschaft!
Fördsrung der bäuerlichen Wirt
schaftsberatung.
Der Preußische Minister für Landwirtschaft
Domänen und Forsten veröffentlicht für die so*
Wendung öffentlichen Mittel zur Forderung -
bäuerlichen Wirtschaftsderatung Grundsätze, dene"
entnommen sei:
Unter dem Begriff Wirtschaftsberatung şall^
alle Maßnahmen, die geeignet erscheinen, ^
bäuerliche Betriebsführung nach neuzeitlichen ft
fahrungen und mit Hilfe wissenschaftlicher Fft
schungsergebnifse allgemein so umzugestalten, ft"
möglichst hohe Roh- und Reinerträge sowie #
umfassende Prodnktionssteigcrung zur Deckung 't
Nahrungs- und Futtermittelbedarfs auf hcimifft
Scholle erzielt werden. In die Wirtîchaftsbft
tung sind also alle Gebiete der landwirtschaftliE
Erzeugung und alle Zweige des landwirtsckşş
lichen Betriebes einzubeziehen.
Die Mittel, die zur Verfügung gestellt werft
sind demgemäß nicht einseitig für Maßnahmen K
Förderung des Ackerbaus bestimmt, sondern sie ft
len gleichmäßig auch der Förderung aller andft
die Ertragsfähigkeit des landwirtschaftlichen ft
triebes beeinflussenden Maßnahmen nutzbar
macht werden, wobei als bäuerlich im Sinne diftş
Grundsätze Betriebe bis zu 100 Hekt. Größe gelft,
Je nach Lage der örtlichen Verhältnisse und ft
dürfnisse wird sich deshalb eine große Mannigft
tigkeit in der Wahl der einzuschlagenden Dftft
und Wege ergeben; daher erscheint es zweckinftj
und notwendig, in der Verwendungsmöglichft
der Mittel zur Förderung der bäuerlichen ftftļ
schaftsberatung größtmögliche Bewegungsfre'"
zu belassen.
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Angriff
Br.:
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Die näheren Einzelheiten der ErundsäN» { «i
sich auf die Maßnahmen zur Erzielung g"ft jji
Beweglichkeit der Wirtschaftsberater sowie aü '^t
Gewährung von Beihilfen erstrecken, sind auS (
13 des „Ministerialblatts der Preußischen Del
tung für Landwirtschaft, Doinänen und S° rl
zu ersehen. , —