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„Der Landwirt" .
(Zeitschrift für die politischen und sozialen Interessen der Landwirtschaft) !
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Kreise Wendsburg
Attestes und getesenstes Wtatt im
105* Jahrgang
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ArnMche Wekcrnntrncrchungen sänrtl'icher Hiesiger und nieber auswärtiger "WeHörden
iehmarkt.
1912
als selbstverständlich annehmen, er würde dadurch
ja nur etwas anderes als freunbfd)‘aftlic£)e Vorstel
lungen herausfordern. Möglich aber ist ech daß Kö
nig Nikita eben die Geister, die er heraufbeschwor,
nicht wieder los werden kann, und daß das mon
tenegrinische Volk die Gefahr, mit der es bisher
gespielt hat, zu einer großen Gefahr für ganz Eu
ropa macht. Um so bedenklicher ist die Lage, als
ob das offizielle Serbien sich, jetzt um die erste
Stelle unter dm Friedensstörern zu bewerben scheint,
eine friedliche Auseinandersetzung zu fördern:
Belgrad, 27. Aug. Die Regierung hat
den serbischen Gesandten in Konstantinopel beauf
tragt, bei der Pforte wegen des Serbenmassakers in
Sienitza energische Schritte zu unterneh-
nien und gleichzeitig Schutz der Serben im ganzen
Sandschak gegen jedweden Angriff zu verlangen.
Die Regierung hat einen Grenzkommissar nach Sie
nitza entsandt zur ausführlichen Berichterstattung
über das Gemetzel.
Die Stimmung in Bulgarien scheint
immer bedrohlicher zu werden. Der ant
tierende Bischof forderte bei der religiösen Gedenk
feier der Schlacht von Schipka das' christliche bul
garische Volk und die Regierung zum Kriege
gegen d i e T ü r k e i zur endgültigen Befrei
ung der mazedonischen Glaubcnsbrüder auf. Die
bulgarische Presse ergeht sich in heftigen Schmäh
ungen gegen Rumänien, dem sie ihr Einverständnis
mit der Türkei vorwirft. Es ist fraglich, ob die
Regierung König Ferdinands, trotz allem guten
Willen, noch lange imstande sein wird, die Volks-
stimmung im Zaum zu halten. — Angesichts dieser
Umstände wäre es verständlich, wenn nunmehr auch
Rumänien auf eine Sicherung gegenüber dem
immer drohender werdenden. Brande an seinen Gren
zen bedacht, wäre. Vielleicht läßt das nachfolgende
Telegramm auf etwas derartiges schließen: Das
rumänische Kriegsministerium hat eine außerordent
liche Truppenschau für die ersten Septembertage an
geordnet. Die Reservistenübungen wurden um vier
Wochen früher gelegt.
Ein Teil der Presse wird nicht müde, ihren
Lesern fortwährend Sand in die Augen zu streu
en und ihnen ungeheuere Vieh rei chtüm er
und Fleisch Vorräte im Ausland e^vorzu-
schwindeln, wo man nur zuzugreifen brauche. Ei
nen besonderen Trick wendet sie in letzter Zeit
wieder an, indem sie einige unbekannte kleine
Orte in Holland und in der Schweiz, uuJ die
Fleischpreise wegen besonderer lokaler Verhält
nisse zufällig niedrig stehen, als verlockende Bei
spiele anführt. Sie verschweigt dabei, das; das
kleine Holland mit seiner geringen landwirtschaft
lichen Bevölkerung für die Fleischversorgung
Deutschlands gar keine ausschlaggebende Bedeu
tung haben kann. Sie verschweigt, datz die Preise
bei Oeffnung der Grenzen gleich steigen würden.
Sie verschweigt, daß dort die Löhne viel nie
driger stehen als bei uns. Sie verschweigt, datz
die Schweiz infolge ihrer freihändlerischen Po
litik ihre Landwirtschaft ruiniert hat, datz dort
heute etwa 90 Prozent des Getreides und 25
Prozent des Fleisches von: Auslande bezogen wer
den müssen. Sie verschweigt, datz Rutzland und
Oesterreich seit 1902 ein .Kontingent von Schwei
nen nach Deutschland einführen dürfen, datz die
ses 'Kontingent aber bisher von diesen beiden
Staaten wegen eigenen Viehmangels n o ch n i ch t
ausgenutzt wurde. Sie verschweigt, datz
Frankreich und Oesterreich wegen ihres eigenen
Viehmangels schon wiederholt ein Viehausfuhr
verbot geplant haben, welches schon längst zur
Durchführung gekommen wäre, wenn handels
vertragliche Schwierigkeiten dem nicht im Wege
gestanden hätten.
Warum verschweigt man das alles— ?
Warum berichtet man nichts von dem letzten
Deutschen Fleischerverbandstag zu Trier, wo fach
männische Urteile über den ausländischen Vieh
bezug abgegeben wurden? Die Fleischer befin
den sich doch gewiß nicht in „agrarischer Befan
genheit", sie sind ja selbst für die Oeffnung
der Grenzen. Warum berichtet man nichts von
dem bemerkenswerten Referat des fortschrittli
chen Reichstagsabgeordneten Leube auf dem
Trierer Fleischertag? Er hat sich doch als Sach
verständiger klar und deutlich über die aus
ländischen Verhältnisse ausgesprochen. Nach dem
Bericht der Trierischen Landeszeitung vom 20.
Juni führte er dort aus:
In Paris kostet das Vieh 80 bis 85 Pfg.
per Pfund Schlachtgewicht. In Holland steht es
85 Pfg. per Pfund Schlachtgewicht. Holland
kommt als Einfuhrland für uns heute nicht mehr
in Betracht. Belgien ist selbst Einfuhrland.
Die Schweiz importiert von Norden her. 2n
Rutzland herrscht selbst Viehknappheit. Nor
wegen importiert aus Schweden. Schwe
den ist kaum in der Lage, die Woche 100
Stück Vieh abzugeben. Von Dänenstark be
ziehen wir seit Jahren alles, was es übrig hat.
Aus europäischen Ländern haben wir
daher keine Aussicht auf Vieh einfuhr.
Es können mithin nur überseeische Länder tn Be
tracht kommen. Man nannte Kanada das Land
der Zukunft. Kanada führt hauptsächlich nach
England aus, und auch nur mehr ein Fünftel
von der Quantität wie vor fünf Jahren. Die Be
völkerung der Vereinigten Staaten ist
stärker .gestiegen als die Fleischproduktion. Das
Vieh kostet dort 42 bis 44 Mk. pro Zentner Le
bendgewicht. In Amsterdam werden infolge der
hohen Fleischpreise gegenwärtig wöchentlich 300
Rinder weniger geschlachtet wie früher. Es be
steht deshalb die Absicht, aus Dampfern Kühl
kammern einzurichten und Fleisch direkt aus
Argentinien einzuführen. Die Oeffnung
der Grenzen hätte demnach eine verschwindende
Wirkung. .
Es ist eine wichtige Pflicht, schreibt die Köln.
Volksztg., der Presse und der Politiker, auf
derartige Verhältnisse das Augenmerk zu rich
ten weil ohne Kenntnis dieser Verhältnisse keine
sachgemäße Aufklärung und keine ordentliche Po
litik möglich ist.
ust 1912.
mnovcr -
Berlin, 28. Aug. Das Befinden des
alfers. Die Nachrichten, die aus Kassel an
unterrichteter Stelle in Berlin eingetroffen sind,
neuen fest, das; die erfreuliche Besserung im Be-
Nl.Den des Kaisers anhält und fortschreitet. Jns-
vejondere sind die örtlichen Schmerzen am Nacken
ziemlich geschwunden, und das Allgemeinbefinden
des Kaisers läßt nichts zu wünschen übrig, so
dag er heute bereits euren längeren Spaziergang
unternehmen konnte.
Verim. 28. Aug. Des Kaisers Wün
sche zum Regierungsjubiläum. In vie
len Kreisen der Bevölkerung ist die Absicht ge
äußert worden, anlätzlich des bevorstehenden 25-
lährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers der
Verehrung für den Monarchen und der Freude
Uber stas Fest durch Geschenke und Darbietungen
verschiedenster Art auszudrücken. Durch mehr-
mche Anfragen kamen die Wünsche auch zur per-
mnlichen Kenntnis des Kaisers. Wie die Berliner
Korrespondenz hört, möchte indessen der Kaiser
aller Anerkennung der hierin ausgedrückten
Gesinnung sich hie Annahme von persönlichen
Geschenken aus dem erwähnten Anlaß versagen,
dagegen würde es einem Allerhöchsten Wunsche
entsprechen, wenn die hierfür etwa in Aussicht
genommenen Mittel wohltätigen gemeinnützigen
ödest patriotischen Zwecken unter besonderer Be
rücksichtigung der Bedürfnisse der betreffenden Be-
^dìļŞngskreise zugewendet werden.
. . ^Berlin, 28. Aug. Der K aiserb esu ch in
® e „ r Schweiz gesichert. Die schweizerische
Geiandtjchaft in Berlin ist heute mittag amtlich
9 ^^Eständigt worden, daß der Kaiser am
D ^Şber die Reise nach der Schweiz antre-
len wird X.K schweizer Regierung ist sofort tele
graphisch von der glücklichen Wendung im B->-
finden des Kaisers verständigt worden. Der Auf
enthalt des Kaisers in der Schweiz wird zwar
eine teilweise Kürzung erfahren, die wichtigsten
Punkte des Programms bleiben aber bestehen.
Merseburg, 28. Aug. Der Kron
prinz ist heute vormittag 11.40 Uhr im Son
derzuge zu den Manöverfestlichkeiten nach Dres
den abgefahren. Im Zuge befindet sich auch Prinz
Eitel Friedrich, der um 11.30 Uhr, von Halle
kommend, in Merseburg eingetroffen war. _
München, 29. Aug. Bei der gestri
gen Beratung des Militär-Etats im
Vbgeordnetenhause gab der Kriegsnsinister Frei
herr Kretz von Kressenstein die Erklärung ab,
vatz in der bayerischen Armee der mosaische
i-nt-• îem prinzipielles Hindernis sei, das die
--Mperskarricre verschließe. Dies beweise wohl
.îşache, datz die bayerische Armee 88 Offi-
b"ns zäble 193 ^Sanitätsoffiziere jüdischen ©lau*
Tt*? a r :? sben ’ 28. Aug. Manöverfest-
utr* ; 1 o on irr, 2)61 Ģrotzherzog von Baden ist
1 Ş.ş dem hiesigen Hauptbahnhof
T n> ^ck) der König »zur Begrüßung
hatte. — Der Kronprinz trifft um
o^./hr nachmittags in Begleitung des Prin-
■ftör miethe!'
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Das schwere Unwecker, das gestern Westdeutsch
land heimsuchte, hat im Fernsprechverkehr zwischen
Berlin und Westdeutschland erhebliche Störungen
zur Folge gehabt. Heute vormittag waren die Lei
tungen nach den rheinischen Industriegebieten zum
größten Teil unbrauchbar. Der Verkehr mit Köln
war vollständig unterbrochen, die direkte Leitung
nach.Paris gleichfalls, und der Verkehr konnte nur
sehr erschwert über große Umleitungen aufrecht er
halten werden.
Aus allen Teilen Deutschlands gehen Meldun
gen über Unwetterverheerungen und andauernde Re-
gcnfülle ein. Werra, Fulda, Saale, Unstrut, Eder,
Diemel, Ruhr und Lippe führen seit Montag nach
mittag Hochwasser. Eine allgemeine Uleberschwemm-
ung wird befürchtet.
Aus Alfeld (Leine) wird berichtet: Das Hoch
wasser der Leine ist auch am heutigen Tage wieder
ziemlich erheblich gestiegen. Weite Strecken der Zie-
gelmasch sind bereits unter Wasser gesetzt. Steigt
das Wasser noch weiter, so muß sämtliches Vieh
von der Weide hereingeholt werden.
Aus Duderstadt lief folgende Meldung ein: Ein
furchtbares Hagelwetter ging auf dem
Untereichsfelde und dem Gartetale nieder. An den
Hafer und besonders an den Tabakfeldcrn ist gro
ßer Schaden angerichtet worden.
J>m Bezirk Köln fielen zahllose Bäume und
ganze Obstplantagcn dem orkanartigen Sturm zum
Opfer. Ein großer Teil der Fernsprechverbindungen
ist gestört. Mehrere Seitentäler des Rheins und das
Emser Tal stehen gänzlich unter W a s s e r.
In Essen hat der Sturm, der mehrere Stun
den lang im ganzen Jndustriebezirk tobte, in den
Gärten, Parks und auf den Straßen viele Hunder
te starke Bäume entwurzelt. Die Chaussee nach Stee
le war längere Zeit wegen der umgerissenen Bäķ
me für Fuhrwerke unpassierbar. An verschiedenen
Orten wurden große Schaufenster eingedrückt. In
Dortmund wurden zwei Damen von den auf die
Straße fliegenden Glasstücken erheblich ver
letzt. Der Telephon- und Telegraphenverkehr .er
litt große Störungen.
Orkanartige Stürme tobtenMontag und Diens
tag in ganz Süddeutschland. Insbesondere im Bo
denseegebiet ivar der Sturm von außergewöhnlicher
Stärke. Die Windstärke in der Höhe von etwa 3000
Metern betrug nach den Messungen des Drachen-
schiffs 20 Sekundenmeter, die Windstärke über dem
Erdboden 12 Sekundenmeter. Auch aus der bayeri
schen Hochebene wüten heftige Windstürme, die gro
ßen Schaden und Verkehrsstörungen verursachen.
Ter Main führt Hochwasser. Die Stadt Kulmbach
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Die Türkei hat nun zu alten bisherigen Schwie
rigkeiten noch neue im asiatischen Teil ihres Rei
ches — im Libanon — erhalten. Aus Beirut wird
darüber berichtet:
Im Libanonorte Ain Sosar kam es Montag
zu blutigen Tumulten. .Viele Hunderte aus ihren
Bergdörfern herbeigeeilte Trusen griffen die christ
lichen Miliffoldaten an, die ihrerseits von der christ
lichen Bevölkerung unterstützt wurden. Auf beiden
Seiten gab es zahlreiche Tote und Verwundete.
Das von Europäern und Aegyptern besuchte größte
Hotel in Ain Sosar mürbe von den Drusen be
schossen. Alle Fremden sind geflüchtet. Der blutige
Zusammenstoß im Libanon ist ein neuer Ausbruch
des alten Haffes, wie er,schon immer zwischen der
christlichen Und der muhammedanischen Bevölkerung
des Libanon, den Maroniten und den moslemiti-
schen^ Drusen, bestanden hat. Die Reibereien hätten
im Jahre 1860 zu einer so blutigen Erhebung ge-
sühri, daß die Franzosen Syrien eine Zeitlang be
setzt hielten und erst wieder abzogen, nachdem ge
gen die Wiederkehr' gleicher Ereignisse Büvgschwckm
geschaffen ivaren. Die Drusen zählen etwa 100 000
Seelen, während die christlichen Marouiten 300 C<D
Köpfe stark sinh, von denen 200 060 im Libanon
wohnen.
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tu verml-i
Ausland.
Frankreich.
— Der belagerte Stsuerverweigerer. Ein un
bequemer Steuerzahler ist der Hausbesitzer Louis
Bidault in Rambouillet; er liebt den Fiskus nicht
und zahlt in jedem Jahre seine Steuern erst, wenn
seine Möbel versteigert werden sollen. Im vori
gen Jahre jagte er den Eerichtsvollzieher mit der
Haben l die Vorstellungen der Mächte in Cetin-
je nachdrückliche Wirkung gehabt? Ilnkontrollicrbir
re Gerüchte melden von einem Erlaß König Niki
tas, der ade waffenfähigen Männer auffordert, sich
unter die Fahne zu scharen, um das Vaterland zu
verteidigen — aber mau darf wohl, annehnien, daß
selbst der Fürst der Schwarzen Berge es nicht wa
gen würde, eine derartige Antwort auf „freund
schaftliche Vorstellungen" zu geben; man darf wohl