Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

Cļjypmaìi 
CmZpfen 
Wirkung frappantf 
tritt in China eine neue Wendung der Dinge ein. 
Die Isolierung von Tschang nimmt damit greif 
bare Formen an. Da hinter Tschang Japan und 
hinter Wupeifu englischer Einfluß steht, bedeutet 
die Wendung in China somit zugleich ein gewisses 
Auscinandergehen dieser beiden an Ostasien inter 
essierten Großmächte. Anscheinend will England 
durch die Annäherung an Feng bezw. die National 
armee den russischen Einfluß völlig ausschalten und 
den japanischen abdämmen. Japan ist als asiati 
sche Kontinentalmacht für England ein zu unsiche 
rer und zu gefährlicher Verbündeter, um ihn nicht 
zur rechten Zeit in China nicht zu mächtig werden 
zu lassen. Japans Liebäugeln mit Rußland hat 
die Nerven Englands denn doch zu sehr angespannt, 
um vergessen zu lassen, welche Wälle Japan in Ost 
asien spielen kann, wenn es so weit ist. Wir kom 
men auf die Eesamtoorgänge in China noch ein 
gehender zurück. şD 
Rußland sucht MerMndrgimg 
mit Amsrika. 
Teilweise Anerkennung der Schulden. 
TU. Moskau, 6. April. Die Sowjetregierung 
hat beschlossen, ein neues Memorandum über das 
Verhältnis der Vereinigten Staaten zu der Sow 
jetunion zu versassen. Es soll darin festgestellt 
werden, dag die Sowjetregierung die Aufnahme 
der Besprechungen unter der Bedingung der Zu- 
rückersiattllng der Hälfte der russischen Schulden 
an Amerika erstrebe. Die Sowjetregierung wird 
ferner die Rückgabe des persönlichen Besitzes des 
letzten Zaren, der in amerikanischen Banken depo 
niert ist, verlangen. Das Memorandum wird 
von Tschitscherin und Rykow unterzeichnet sein. 
. Dor russtscho Gmrgrantsn- 
Kongrsfî rmd MKslKjmmLfch. 
TU. Paris, 7. April. (Eig. Drahtmeldung). 
Der Kongreß der russischen Emigranten richtete ein 
Schreiben an den Großfürsten Nicolaus Nikola- 
jewitsch, in dem es heißt, der Kongreß erblicke in 
der Person des Großfürsten den Vertreter der na 
tionalen Idee und den Verteidiger des Vaterlan 
des. Tie Russen seien seines Rufes gewärtig, das 
Vaterland zu verteidigen. Der Großfürst antwor 
tete, die Unterdrückung des russischen Volkes könne 
nicht länger ertragen werden. Die jetzigen Ent 
schlüsse dürsten aber nicht die künftigen Geschicke 
Rußlands regeln. Das russische Volk, das jetzt 
aller Freiheit beraubt sei, müsse sein staatliches 
Schicksal selbst bestimmen. 
Politische Forderungen 
der englischen unuvtzangiSen 
Arbeiterpartei. 
WTB. London, 6. April. Auf der heutigen 
Schlußsitzung der Konferenz der Unabhängigen Ar 
beiterpartei wurde vom Nationalrat eine Ent 
schließung eingebracht, die für die Revision des 
Versailler Vertrages, Zurückziehung der Repara 
tionsforderungen an Deutschland, gegenseitige 
Streichung der Kriegsschulden und volle Handels 
und politische Beziehungen mit Rußland eintritt. 
Teilnahme deutscher Lehrer 
an einer englischen Fehrer- 
konferen;. 
WTB. Portomouth, 7. April. (Eig. Draht 
bericht). An der gegenwärtig hier tagenden Kon 
ferenz des Nationalen Verbandes der englischen 
Lehrer nahmen zum ersten Male nach dem Kriege 
auch deutsche Delegierte wieder teil. Der deutsche 
Vertreter dankte in einer Rede für die Einladung 
zur Teilnahme an der Konferenz, die er als einen 
Beweis des Wunsches, die frühere freundschaftliche 
Beziehung wieder aufzunehmen, bezeichnete und er 
klärte weiter, die deutschen Lehrer wünschten, 
Schulter an Schulter mit den englischen Lehrern zu 
arbeiten. 
Ausland. 
Die Wildnis Nordalaskas im 
Flugzeug bezwungen. 
f Ein Radio-Sieg. 
Fairbanks (Alaska), 6. April. Kapitän Wilkins 
und fein Chefpilot Carl Nielson, die ihren 690-Meilen- 
slug von Fairbanks nach Point Narrow glücklich voll 
endeten, und deren Aufenthaltsort tagelang in ein 
Geheimnis gehüllt war, traten mit der zivilisierten 
Welt zuerst wieder durch den Rundfunk in Berührung. 
Kapitän Wilkins, der mit einem kleinen Flugzeug- 
radioapparat arbeitete, konnte sich durch schwache, 
aber zu entziffernde Zeichen vom nördlichsten Punkt 
Alaskas, 560 Meilen nördlich von Fairbanks, ver 
ständlich machen. Die von ihm 1 gesandte Botschaft 
lautete: „Wir sind zwischen 2 und 3 Uhr am Mitt 
woch (voriger Woche) glücklich angekommen." 
Das ist das erste Mal, daß ein Flugzeug quer 
über die Wildnisse Alaskas mit einem kleinen Radio 
apparat und einer an einer Tragfläche des Flugzeuges 
angebrachten Hilfsantenne geflogen ist, und das bedeu 
tet eine neue Phase in der Geschichte des Rundfunks. 
Das Sendegerät wiegt nur 58 Pfund. Wilkins be- 
-Mtzte einen Hilisaşiumulator. um di« nötige Kraft 
erzeugen. Die Hilfsexpedition, die den Lanvweg 
nahm und während ihrer Reise manche Unbilden zu 
erleiden hatte, gab ebenfalls mit ihrem Fnnkgerät 
Zeichen, als sie sich in einem Lager in der Nähe des 
Anatu-vuk-Flusies, 15V Meilen südwestlich von Barrow, 
befand. Der Radiooperateur Robert Wasley. der auf 
nahm, erhielt gleichfalls Capitain Wilkins' Meldung, 
die die glückliche Ankunft in Point Barrow anzeigte. 
Waskey arbeitete mit einem Radio-Apparat und einer 
Antenne, die inmitten der Wildnis Alaskas an einem 
Baum befestigt war. 
Die Strecke von Fairbanks nach Barrow wurde 
in 6 A Stunden zurückgelegt, während das Hundege 
spann der Expedition K Wochen brauchte, um sie zu 
bewältigcr Das von Wilkins benutzte Flugzeug ist 
ein Fokkeraxparat. 
MTB. London, 6. April. Die Osterfeiertage 
dieses Jahres waren die wärmsten, die England 
seit 50 Jahren erlebt hat. Während im allge 
meinen das Wetter sehr schön war, ist es verschie 
dentlich zu örtlichen Eewitterbildungen gekommen. 
□ Egcrsund (Norwegen), 7. April. Bei ei 
nem Brand im 2. Stockwerk des Erandhotels, der 
sich mit außerordentlicher Schnelligkeit verbreitete, 
kam ein Handelsreisender aus Stavanger in den 
Flammen um. Die übrigen Hotelbewohner ret 
teten sich im letzten Augenblick durch einen Sprung 
aus den Fenstern. Mehrere Frauen erlitten so 
ernste Brandverlctzungen, daß sie ins Krankenhaus 
gebracht werden mußten. 
A Kopenhagen, 7. April. Die dänischen Tokio- 
Flieger. Premierleutnant Dotveld ist auf seinem 
Flugzeug in Bangkok angekommen. Wahrscheinlich 
wird das beschädigte Flugzeug des Leutnants Her- 
schend auf dem Seewege nach Bangkok geschafft 
werden, damit es dort repariert wird. Herfchend 
dürfte in Bangkok bis zur Rückkehr Botvelds 
bleiben. 
Peking, 6. April. Die Braut getötet. Bei 
den Bombenabwürfen durch Truppen Tfchangtso- 
lins wurde auch ein chinesischer Hochzeitszug in 
Mitleidenschaft gezogen. Die Braut wurde durch 
Bombensplitter getötet. 
Ueberlaufene Standesämter. Zu Ostern hat 
ten die Standesämter von London wahre Rekord 
ziffern hinsichtlich ihrer Inanspruchnahme zu ver 
zeichnen. Selbst die ältesten Beamten erinnern sich 
nicht, im Lauf ihrer langjährigen Tätigkeit einen 
solchen Ansturm erlebt zu haben. Sämtliche Büros 
waren überlaufen, ein junges Paar gab dem an 
dern dis Tür in die Hand, und der Betrieb dau 
erte den ganzen Tag über ohne dis kürzeste Unter 
brechung. Alle zehn Minuten wurde eine Ehe ge 
schlossen, und da trotz dem summarischsten Verfah 
ren nicht alle Ehelustige abgefertigt werden konn 
ten, wurden in aller Eile Hilfskräfte eingestellt. 
Inland. 
Aus dem Lebenslauf v. Hindenburgs 
verzeichnen wir die folgenden Daten: Hindenbur-g 
trat am 7. April 1866 als Secondeleutnant in das 3. 
Garderegiment zu Fug ein. Im Krieg gegen Oester 
reich wurde er am 3. Juli 1868 bei Königgrätz ver 
wundet. Mit seinem Regiment nahm er dann im 
Krieg >gegen Frankreich als Bataillons- und später 
Regiments-Adjutant an den Schlachten von Erave- 
lotte, St. Privat und Sedan teil, und an der Belage 
rung von Paris. Am 13. April 1872 wurde er zum 
Oberleutnant befördert und als solcher am 15. Mai 
1877 zur Kriegsakademie kommandiert. Am 18. April 
1879 wurde er als Hauptmann in den großen General- 
stab versetzt. Am 15. April 1884 wurde er Kompagnie 
chef im Jnf.-Regt. Nr. 58 und kehrte bereits ein Jahr 
später am 15. Juli 1885 in den Eeneralstab zurück. Am 
12. November 1885 zum Major befördert, wurde er am 
25. November 1899 Abteilungschef im Krie-gsministe- 
iium. Am 14. Februar 1891 wurde er zum Oberst 
leutnant und am 17. März 1894 zum Oberst befördert. 
In den Jahren 1893 bis 1896 war er Kommandeur 
des Jnf.-Regts. Nr. 91 in Oldenburg. Am 22. März 
1897 wurde er zum Generalmajor befördert. Bis 1999 
war er Chef des Eeneralstabs des 8. Armeekorps in 
Koblenz. Am 9. Juli 1990 wurde er Generalleutnant 
und Kommandeur der 28. Jnf.-Div. in Karlsruhe. Am 
18. Mai 1903 wurde er kommandierender General des 
4. Armeekorps in Magdeburg und am 22. Juli 1995 
zum General der Infanterie befördert. Mm 14. De 
zember 1908 à la suite des 3. Garderegiments zu Fuß 
gestellt, nahm er am 13. März 1911 seinen Abschied 
und siedelte nach Hannover über. Als der Weltkrieg 
ausbrach und die Russen schneller als man erwartet 
hatte, in Preußen einfielen, versagte die Führung, der 
deutschen Truppen in Ostpreußen. Da erging der Ruf 
des Kaisers an den alten General in Hannöver. Als 
Chef des Stabes wurde ihm der damalige Oberst Lu 
dendorff beigegeben. Als Generaloberst übernahm 
Hindenburg das Kommando und wenige Tage darauf, 
am 21. August 1914, wurde die Schlacht bei Tannen 
berg geschlagen. Es folgte am 12. September 1914 der 
Masurensieg. Am 1. November 1914 zum Oberbefehls 
haber des Armeekommandos Ost ernannt, wurde er 
am 27. November 1914 Keneralfeldmarschall und am 
29. August 1916 Chef des Eeneralstabs des Feldheeres. 
Am 3. Juli 1919 nahm der Eeneralfeldmarschall seinen 
Abschied. 
Gpfer der Berge. 
Am Ostermontag stürzte eine Dame vom Jlsen- 
stein im Harz etwa 69 Meter in die Tiefe. Ein 
Reichswehrsoldat kletterte ihr nach, kam aber dabei 
selbst in Lebensgefahr. Die Feuerwehr von Jlsen- 
burg befreite den Soldaten, der nur geringe Verletzun 
gen davontrug, während die Dame in schwer verletztem 
Zustand in das Wernigeroder Krankenhaus gebracht 
wurde. 
Der Wiener Bankbeamte Motz stürzte von der 
Vräunerwand und erlag bald darauf seinen Ver 
letzungen. Ferner stürzte der Wiener Skifahrer 
Pawlik über eine Eletschcrwand und starb kurz nach 
seiner Bergung. 
Vor einigen Tagen unternahmen zwei Münchener 
Touristen, Hauser und Appl, eine Skitour auf den 
Olperer in den Zillertalalpen. Da sie nicht rechtzeitig 
zurückkehrten, wurde eine Rettungsexpedition ausge 
sandt,' diese fand die Leichen beider am Fuße des 
Olperer-Gletfchers. Die Touristen sind anscheinend 
am Ostersonntag tödlich abgestürzt. 
Auf dem Wege van Oberstdorf !m Allgäu nach 
Tiesenbach fand ein Arzt einen Knaben blutüber 
strömt liegen. Er leistete ihm Hilfe, doch starb der 
Knabe, der 11 Jahre alte Schüler Gerhard Fichtner 
aus Leipzig, bald nach dem Auffinden. Er hatte mit 
mehreren anderen Schülern aus Leipzig, die in einem 
Erholungsheim untergebracht sind, einen Spaziergang 
gemacht, hatte unbemerkt, um Blumen zu pflücken, eine 
Felswand erstiegen und stürzte dabei ab. Ein zweiter 
Knabe wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich auf 
dieselbe Weise verletzt. 
MsWUm Im OsWeMr m Verlm. 
WTB. Berlin, 6. April. Am 1. Ostertage sind 
1.6 Millionen Fahrgäste aus der Stadt-, Ring- und 
Vorortbahn befördert worden. Der 2. Ostertag 
weist noch eine, Steigerung um etwa 25 Proz. die 
ser Riesenzahl auf. Dian hat den Ostermontag 
über zwei Millionen Fahrgäste im Berliner Stadt- 
und Vorortverkehr gezählt. Der Fernverkehr zum 
Osterfest hat sich auf der Höhe des Vorjahres ge 
halten. Die Straßenbahn hat während der fünf 
Osterfeiertage vom Gründonnerstag bis zum zwei 
ten Osterfeiertag rund 11 Millionen Fahrgäste 
befördert. 
DnşiMmenfchLM dsr Gifön- 
vahnersrganisütionsn. 
Es soll ein Zusammenschluß der Eroßeisenbah- 
nerorganisativnen zu einer gemeinsamen Kampf 
front gegen die Reichsbahngesellschaft geplant sein. 
Ein Vertragsentwurf steht die Schaffung eines 
Kartellverhältnisses vor, durch dessen Annahme sich 
die Organisationen bei voller Aufrechterhaltung 
ihrer sonstigen Selbständigkeit dazu verpflichten 
würden, daß alle Handlungen und Maßnahmen, 
die im Interesse der Eisenbahner notwendig sind, 
von allen Organisationen gemeinschaftlich durchge 
führt werden. 
Bem§rksKvwL§ts amerikanische 
Stimmen Mm Tode Sļpşşens. 
Ncrvyork, 6. Aprl. Die gesamte Presse bespricht 
eingehend das Ableben August Thyssens und be 
tont die Bedeutung, die der Tote für das deutsche 
Wirtschaftsleben des letzten halben Jahrhunderts 
gehabt hat. Allgemein wird Thyssens Rolle in der 
deutschen Industrie mit der Hugo Stinnes' vergli 
chen, den Thyssen weit überragt habe. 
Die „Newyork Sun" widmet dem Verstorbenen 
einen warmen Nachruf, in dem das organische Wer 
den, seine Gradlinigkeit und die Solidität der 
Thyssenschen Unternehmungen betont wird. 
Die konservative Wallstreet-Sun vergleicht 
das Lebenswerk des Toten mit einer auf breiten 
Fundamenten ruhenden Pyramide, die aus Eisen 
und Stahl herausgewachsen, selbst zu Eisen und 
Stahl geworden sei, während der Stinnes-Trust 
einer auf den Kopf gestellten Pyramide geglichen 
hätte, dis unter dem Uebergewicht schließlich zu 
sammengebrochen sei. 
WTB. Berlin, 7. April. Großer EinSruchs- 
diebstahl. Einen Einbruch von großem Umfang 
verübten in den Feiertagen Einbrecher in der Kö 
nigstraße in der im Zentrum der Stadt gelegenen 
Wohnung eines Kaufmanns, der stch mit seiner 
Gattin auf der Osterreise befand. Die Einbrecher 
erbrachen die mit 2 schweren Kunstschlössern ge 
sicherte Wohnung und erbeuteten einen großen 
Barbetrag in ausländischen Banknoten, kostbare 
Schmuckstücke, wertvolle Silber- und Porzellan- 
sachen, zahlreiche Kleidungsstücke, Wäsche und Tep 
piche. Die Einbrecher waren während der Feier 
tage in der Wohnung verblieben, hatten sich aus 
den vorgefundenen Eßvorräten verpflegt und in 
den Betten der Wohnungsinhaber geschlafen. — 
Auf die Wiederbeschaffung der gestohlenen Sachen 
ist eine Belohnung von 15 000 JC sowie 25 Proz. 
des gestohlenen Bargelds ausgesetzt worden. 
Schwerin, 6. April. Verhaftung eines wei 
teren angeblichen Fememörders. Ein gewisser Os 
kar Thomsen aus Faulfch, der vom Berliner Polt 
zeipräsidium wegen Teilnahme an einem Feme 
mord steckbrieflich verfolgt wurde, ist jetzt in Meck, 
lenburg verhaftet worden. Thomsen, der in der 
Gegend von Erevesmühlen Beschäftigung gefunden 
hatte, ist durch einen Eendarmeriekommissar auf 
dem Gute Börtzow ermittelt und dem Amtsgericht 
Erevesmühlen zugeführt worden. 
KrrrM Tagesrundfchau. 
Berlin, 7. April. Heute nachmittag entstand 
der Nachtausgabe zufolge, auf dem Tegeler Schieß 
platz ein Feuer, das schnell größere Ausdehnung 
annahm. Zur Zeit befinden sich etwa 30 000 Qua 
dratmeter Grasnarbe in Flammen. Da man ein 
llebergreifen auf den angrenzenden Wald vermu 
tet, sind außer der Feuerwehr etwa 200 Mann 
Polizei zur Hilfeleistung herangezogen worden. 
„Onkel Christian' Buddenbrook« gestorben. 
Der frühere Kaufmann Friedrich Mann in Lübeck, 
ein geborener Lübecker, der in den „Buddenbrooks" 
als „Onkel Christian Buddenbrook" weltbekannt 
geworden ist und der jahrzehntelang in der Heil 
anstalt Strecknitz untergebracht war, ist jetzt ge 
starben. 
Tödlicher Sturz vom Fahrrad. Ein Radfah- 
rer^kam bei Harburg auf einer abschüssigen Strecke 
zu Fall und stürzte in einen gepflasterten Graben. 
Er trug so schwere Verletzungen davon, daß er 
wenige Stunden nachher starb. 
Auf der Stadt- und Vorortbahn Hamburgs 
wurden am 1. Osterfeiertage 337 184 Personen 
und .150 000 Zeitkarteninhaber befördert, am 
zweiten Ostertage 331449 Personen und 150 000 
Zeitkarteninhaber. Der Eesamtverkehr an den 
beiden Feiertagen beläuft sich demnach auf 
968 683 Personen, gegenüber 890 700 Personen 
im Vorjahre. 
• Attona. den 7 
beim Grünen Jäger 18 
«èem«dķki-tL.'NL"L 
(Ohne Gewähr.) 
Es wurde gezahlt für st, kg Lebendgen 
. April 1926. 
iftskammer für 
term.-Holstein 
ucht: 
0,65—0,72 . 
0,45-0,60 „ 
0,25-0,40 „ 
1. LuaUtät Kälber 
2. „ w 
3. 
4. „ » t 
Zufuhr 1217 Kälber. 
Handel ruhig. 
Letzie Noļietllnger! 
M « h l, (amtlich) 
üchterne . . . 
mm MtWH'MM 
Hamburg. 7. April: 
Mar« 
Weizenmehl hiesiger Mühlen 
Bäckermehl „ „ 
Roggenmehl , , 
Rogģengrodm. . , 
Getreide, (Freiverke 
47.00 
40 50 
28.25-30.50 
23.75-24.25 
hr) Hamburg. 
per 100 Kg 
, 100 . 
. 100 „ 
100 „ 
7„Apri!: ^ 
Mark 
Weizen, inländischer 
Roggen, neu, „ 
Hafer, „ 
Gerste, au-l.,sreiKc,iwaggon 
Mai,, loko, „ „ 
Tendenz befestigt. 
277.00— 282.00 
180.00—184.00 
192.00-204.00 
>72.00-174 00 
176.00-178.00 
per 1000 Kg 
„ 1000 ff 
ff 10 0 „ 
ff 1000 ff 
„ loco ff 
— - Altona, den 7. April 1926. 
beim Grünen Läger 18. 
SchîķàMMêriHt"" 
der Prov. Schlcsw.-Holsiein. 
(Ohne Gewähr.) 
Er wurde gezahlt iür '/, kg Lebendgewicht: 
Fett sch wei ne über 300 Psd. 
aolistetschige Schweine über 260 Psd. 
Schweine von 200—260 . 
Schweine unter 200 Pfü. 
Schwere Sauen Psd 
Zufuhr 3974 Schweine. 
»anbet sehr flau. 
0,75 A 
0,73-0,74 
0,70—0,72 „ 
0,62—0,68 „ 
0,60-0,68 „ 
Aus der Şļadk» 
Rendsburg, den 7. April 1926. 
April. 
Neuer Frühling ist gekommen. 
Neues Laub und Sonnenschein, 
Jedes Ohr. hat ihn vernommen, 
Jedes Auge saugt ihn ein: 
Und das ist ein Blühen und Sprießen, , 
Waldesüuften, Quellenftießen, 
Und die Brust wird wieder weit — 
Frühling, Frühling, gold'ne Zeit. 
(Otto Roquette.) 
Der sehnlich erwartete Frühling ist eingezog«"' 
die goldene Sonne hat den letzten Schnee hinter de» 
Knickwällen hinweggeküßt und rasch ist die ganze 
tnr siegreich zu neuem Leben erwacht. Wenig sonä 
Tage, laue Luft und warmer Frühlingsregen pflege" 
Wunder zu wirken. Der Frost weicht aus der Erde 
die Wurzeln der Kräuter und Sträucher saugen d" 
mit mannigfachen Salzen gesättigte Feuchtigkeit fl«* 
bem Boden auf, die Nährstoffe in den Zellen werķ 
gelöst und der Saft beginnt seinen Kreislauf. 
Für den sinnigen Naturfreund zählen die 
men, freundlichen Apriltage zu den schönsten des fşş 
res, er öffnet nicht nur die Fenster, die würzige Frşş 
lingslust in feine Lungen aufzunehmen, er eilt ^ 
aus in Flur und Wald, um sich des überall aufkeime"' 
den jungen Lebens zu freuen. Jedes Kräutchen, jedf ’ 
Baum lohnt jetzt eingehende Beachtung. Nur we"ķ ş 
Mauzen finden wir, di« noch schàbar schlummert 
ruhen; fast all« haben die ersten warmen Sonn"' 
blicke zu sichtbarem Leben erweckt. Die Knospen ^ 
Baum und Strauch schwellen mehr und mehr, die I 
fest umschließenden Schuppenhüllen lockern stch 11 
fallen zu Boden, und frei treten uns nun die erste 
Blättchen und Blutenknospen entgegen. 
Wie bei den Bäumen, so schmücken stch aua, bei de 
Sträuchern erst di« unscheinbarsten mit Blüte ^ 
Kornelkirsche, Mispel und Buchsbaum haben den Ä"' 
fang gemacht, Stachelbeer- und Johannisbeersträuche- 
folgen, und lang« wird es nicht dauern, dann prangt 
Hunderte der herrlichsten Sträucher in vielgestaltige"' 
bunten Schmuck. Die Düfte des Flieders und Holl""^ 
ders, der Traubenkirsche und Magnolie mischen P® 
begierig saugen wir sie ein und unser Herz füllt F 
mit freudigem Hoffen. , 
Mehr noch als Bäume und Sträucher fallen jşŞ ' 
die Kräuter durch ihre Blumen auf; über 200 o.t 
schieden« blühende Arten vermag der kundige Sanll 
ler schon in Feld und Wald zu finden, aber der Dur" 
schnittswanderer geht gedankenlos über die meist® 
hinweg, denn das Veilchen ist lange noch nicht 
unscheinbarste dieser Frühlingsherolde. 
Sobald sich Wald und Wiese wieder mit Dlrş 
schmücken, mag auch der Gartenfreund das Vorgill' 
chen nicht mehr blumenleer sehen. Daher kommt ^ 
daß die Frühblüher die beliebtesten Zierpflanzen jL 
worden sind. Was sich von schönen heimischen Fr" 
lingsblühern zur Gartenkultur eignet, ist auch in 
V, ' - • ■ ' . 
edutschen Gärten zu finden, freilich nicht mehr rn u A 
ursprünglichen Bescheidenheit. Durch sorgsame ÄM* . 
und Zuchtwahl und durch Kreuzbefruchtung heimisch 
Pflanzen mit ihren aus fremden Ländern eingefA.I 
ten Verwandten sind dankbare Blllher entstanden, 
an Schönheit die Urformen weit übertreffen. M""; 
Art, deren Stammeltern an Schutthaufen und 
rändern wuchern, ist heute in vielen Sorten und 
Dutzenden von Spielarten in den Gärten vertre 
i» 
Den unscheinbaren Blumen im Felde setzt der 
freund ihre 
, ..... stolzeren Nachkommen im Garten - 
gegen; je besser er sie pflegt, desto üppiger entşi^ 
sie sich. Jeder freut sich der ersten selbftgezşş^ 
Blumen und hält das eigene Gärtchen für ein kl"' 
Paradies. 
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