Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

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tzr. 82 
ZWeites Blatt 
Schleswig-Holstein. 
Wettere Prsviņ»ļelle Nachricht«« siehe I. Blatt 2. Seite 
Hrettag, 
9. April 
Der Mensch und sein Sernf. 
Von Schulrat Lemvkert, Hohemvestedt. 
Der Beruf ist für den Menschen viel bedeutuugs- 
^ller, als gewöhnlich angenommen und eingesehen 
”*>*>. Man denkt in den meisten Fällen nur an eins: 
ņ die mehr oder weniger günstige Aussicht, für sich 
^ņd etwaige Angehörige den Lebensunterhalt sich zu 
^Verben. Gewiß ist dies richtig; aber solche materiel- 
^ Gedankengänge dürfen nicht herrschend sein. 
. Durch den Beruf wird der wesentlichste Lebens- 
^ņhalt gegeben. Der Mensch wird dadurch in Gedan- 
şSänge hineinge,schoben oder von solchen ferngehal- 
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wodurch sein Inneres mit der Zeit die entsvre> 
jWTfoc Gestaltung erfährt; seine Stellung zu Fragen 
Weltanschauung und der Religion im besonderen 
dadurch nicht unwesentlich beeinflußt. 
Lm klarsten labt sich dies bei Betrachtung des Ge- 
^ rtzes zwischen den sogenannten .Mistigen" und „kär 
glichen" Berufen nachweisen, wenn auch zu betonen 
'J’, daß es keine reine Scheidung gibt. Immer wird 
. î geistiger Arbeit auch Körverkraft und bei körver- 
'cher Arbeit auch Geisteskraft gebraucht. 
. Aber durch die »um Beruf fortwährend in Anspruch 
^doinmewe Kraftarbeit wird der Mensch geformt, und 
. !es wird umso leichter und freundlicher geschehen, je 
^ehx die Veranlagung diesem Prozeß entgegenkommt. 
7° ķommt es, daß ein „Arbeiter" mit der Zeit Wer- 
auvt einer reinen „Gefftesavbeit" nicht mehr fähig 
ļļ ' er fyat sogar die einmal beherrschten elementaren 
ertigkriten des Lesens und Schreibens fast ganz oder 
°°nz verlernt, und ähnlich, wenn auch in «gekehrter 
e^se, geht es den „Geistesarbeitern". 
Die durch den Beruf ausgeübte Formung des 
lá>eTt «st am deutlichsten in der äußeren Gestalt des- 
itìcf^ * U beobachten. Es gibt wohl keinen Beruf, der 
mit der Zeit bei den Menschen eine ganz typische 
^ perform, sei es in Körperhaltung, in Bewegung 
'a Ausbildung gewisser Muskel, hervorruft, und 
wir genaue Messungen machen könnten, so würde 
tz»? Behauptung dadurch nur bewiesen werden. Ee- 
E Berufe gehen hier so gEndlich vor, daß die For- 
'^deutlich mit den Augen zu erkennen ist. 
itt 6t ^iel bedeutender aber ist die Formung des in- 
Menschen durch seinen Beruf. Wer stündlich 
!%® aen mulß, wie verdiene ich möglichst viel und 
dtg ^ Geld, ohne ^dwbei die Gesetze der Sitte und 
Sei,. att3tt veinlich zu beachten, der muß mit der 
bļļ „^feiiatg werden gegenüber dem allen, was dem, 
'hit geistigen und sittlichen Fragen fortwährend 
beşşŞtigt, zum absoluten Gesetz seines Hän 
de, Und von dieser grundlegenden Formung 
sind die vielen anderen guten oder 
<$ļ.~ Ackerungen seiner Seele abhängig: ihre 
Unglück anderer, ihr Verhalten im 
Les, ^ OlUck oder Unglück, ihr vositioes oder nsgaitives 
in der Gemeinschaft, ihre Einordnung in die 
Ö mliche Welt etc. 
ieser so geformte Mensch aber wird die mit ihm 
Nn ,? wieder der Familie entsprechend beeinflus- 
ilgîņ ì feinem gangen Familienleben den eigenar- 
ttii^êhalt geben, der entweder kraß auf das Ma- 
istß / ^Errchtst fein kann oder stark unter dem Ein- 
sabjj. Sgg«. 
, JflrgcnSca 
kuriert, sowie 
Fr. Hansen, 
> Dräger. 
K diesen Ber« 
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Vorstand. 
s e!ï r ; t 'û Cr ideellen Auffassung des Lebens steht. Am 
şşten freilich wird eine Mischung beider Geistal- 
Es geht nun einmal ohne eine materielle 
des Lebens nicht; aber noch weniger ist ein 
ïlîu^ *%e ideelle Werte für einen tiefer denkenden 
hin, k h tragbar. Am glücklichsten wird der Mensch 
^tt^* «me gesunde Mischung in seinen Lebensäuße- 
^Ģellt, wenn auch eine Ungleichheit in der 
liesst, , beiden Einflußsphären wohl stets nachge- 
wià 
er Berufswahl liegt schon von vornherein 
'.'."Zeitiges, und gerade dann, wenn der junge 
î^Senh inneren und äußeren Voraussetzungen für 
e * 5>ter e Beruf recht vollkommen besitzt, und wenn 
^ller Ņ^Şewuht mit starkem Willen und mit kraft- 
^Donlichkeit zur Ausbildung und Reife bringt, 
B N&i Eird die Einseitigkeit am stärksten in 
; I; 0te tO j treten. Je stärker der Kamof und der 
ş'^^Nen ^efto ķbr muß die Einseitigkeit 
'^er ^ ‘ Şs scheint nur so, daß Rousieaus Wort: 
^ît t,^. , e * Ģ der wahre Mensch" auch noch für unsere 
h «all/ m . 8er ade sein Beruf am leichtesten und 
0TTtfrn ertifien die Gefahr der einseitigen Ein- 
^ vermeiden läßt. 
(Sk "^'Wicklung der Frage über die Bewertung 
^Kļt^Wnung der Berufe in die Gesamtheit der 
(J* hem , 'm engsten Zusammenhang gestanden 
m î < i enben Deist der einzelnen Epochen der 
-/şolgz. ,.. 8 - Bis weit in die Aufklärungszeit hinein 
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ft ~ih * ^uillmmenhang geitanöen 
Ut**««* j, enben Deist der einzelnen Epochen der 
v r ' OI 8te h;®' ® I5TOeit in die Aufklärungszeit hinein 
Q. Urt . -/«Wertung der einzelnen Berufsarbeit und 
ļ i fctimim, eîïT , et Berufe immer aus einem religiösen 
am ^àaus. Jeder Beruf fühlte sich mit- 
ņUndi^ "Reich Gottes", also stand er in einem 
T ®ttt ļ, e Sinnzusammenhang." 
?Şs« Aahtņ^^weltlichung des Lebens ist dieser re- 
lei? şànd er âer weniger fortgefallen; jàn- 
ņiit seinen im Bordergruitd. Der Beruf 
hj^îrlichen Me„s^^^°^«^ungen an den geistigen oder 
\ Aufgaben de- trat mehr in die 1. Reihe, und 
Beruf heraus ^'^«lnen Menschen ergaben sich aus 
C ^Herrschender “üf Ie , lnc,I,T cr dieser Herr wurde, 
si^ huch j ein ®ar seine Stellung und entsvre- 
«i„ ^Een dem ģ.?"àng. — Und doch entwickelte- 
ute-n Maßstab noch ein anderer: 
T„T 
V ļlatioer. 
bier grundleacx ?*** religiöse Bedingtheiten 
Lerneinheit. ha >o»d>ern es war das Leben der 
^îung à Einr°-^ 'N der Gemeinschaft, was die 
""äug der verschiedene,t Berufe 
vornahm. So wurde vom allgemeinen Gesichtspunkte 
aus die Bewertung vorgenommen und umgekehrt, vom 
Beruf aus Weltanschauungs- und Lebensfragen tief 
greifend bestimmt und gestaltet. 
So sollte die Berufsfrage nicht eng, einseitig und 
oberflächlich nur von der isolierten Kenntnis des Be 
rufs aus entschieden werden, sondern sie soll ausgehen 
von dem großen Zusammenh>ang, in dem wir das Le 
ben sehen, und dann endlich soll gewählt werden auf 
Grund der Struktur, die entsteht durch Zusammenschluß 
unserer Làns- und Weltanschauungsfragen, bezogen 
ans den zu erwählenden Beruf. Damit wird die Frage 
nach dem Beruf nicht mehr ins Gebiet des Wirtschaft 
lichen geschoben, soàrn sie liegt zwischen dem Ethi 
schen und Religiösen, und wir sehen damit die ganze 
Sachlage in einer viel breiteren Beleuchtung. 
Freilich müssen wir betonen, daß bei den Jugend- 
lich-en es an klarer Erkenntnis und an dem restlosen 
Schauen dieser Tàlbeziehungon noch schr mangelt; 
doch als Ziel muß uns erstrebenswert erscheinen: 
Allmählich das Sehen in großen Zusammenhängen 
und aus Totajlbeziehungen heraus zu Wen. 
* * 
* 
65. fchLeswig-hoLstsLnifcher 
Prsvinrialändtag. 
wk. Kiel, 7. April. Der Provinzial-Landtag trat 
ani Mittwoch-Nachmittag zu seiner zweiten diesjähri 
gen Tagung zusammen. Der Vorsitzende, Oberbürger 
meister Dr. Todsen-Flensüurg, teilte einleitend mit, 
daß Bankier Dr. Ahlmann-Kiel sein Amt als stellver 
tretendes Mitglied des Provinzial-Ausschufsts nieder 
gelegt hat, und daß für ihn Hofbesitzer Stamerjohann- 
Eichenhof getreten ist. Das Haus wählte darauf zu 
Mitgliedern des Staatsrates Graf zu Rantzau-Rastorf, 
Oberbürgermeister Dr. Todsen-Flensüurg und Ober 
bürgermeister Brauer-Altona, und zu Stellvertretern 
Dr. Ahlmann-Kiel, Landrat Reeder-Tönning und Par 
teisekretär Berdieck-Kiel. — Genehmigt wurde sodann 
die Umstellung der Unterstützungskasse für idiotische, 
epileptische und nicht vollsinnige, sowie für verkrüppelte 
Kinder in Schleswig-Holstein mit Ausnahme des Krei 
ses Herzogtum Lauenburg, in eine Unterstützungskasse 
für unvermögende tuberkulosekranke Personen. — In 
den Wasserbeirat für Schleswig-Holstein wurden ge 
wählt: Stadtbauinspektor Runge-Altona, Stadtbaurat 
Kruse-Kiel, Landrat Dr. Clasen-Husum und Rentner 
Tiedje-Rensing, und als Stellvertreter Stadtbaurat 
Hitzer-Flensburg, Ctadtrat Thode-Neumünster, Anits- 
vorsteher Doß-Wesselburen-Süderdeich und Hofbesitzer 
Eripp-Oeschebüttel. — Zustimmung fand die bean 
tragte Erhebung des Weges von Preetz über Grog- und 
Klein-Barkau nach Brügge zu einer Nebenlandstratze, 
sowie die Erhebung des Nebenweges Prooinzialstraße 
Itzehoe—Schenefeld—Hohenafpe—Ehristinental in die 
Klasse der Nebenlandstraßen. — Weiter stimmte das 
Haus einer Abänderung der Satzungen der Provinzial- 
Rnhegehaltskasse, sowie der Provinzial-Witwen- und 
Waisenkasse zu, und ebenfalls d>er Uebernahme der 
Kosten bei Dienstunfällen der Provinzial-Beamten und 
Angestellten. — Zur Förderung des Korbweidenan- 
baues wurde darauf die selbstschuldnepische Bürgschaft 
für die bereitzustellenden Staatsdarlehen übernommen. 
— Landeshauptmann Pahlke legte darauf den Haus 
haltsplan vor, über den am Donnerstag heraten wer 
den soll. Er führte aus, daß bei der Aufstellung des 
Planes mit Pflichtgefühl, Sinn für Ordnung und 
Sparsamkeit vorgegangen sei. So sei es denn auch 
gelungen, den Voranschlag von 22,5 Millionen Mark 
auf 17,8 herunter p drücken, was eine Ermäßigung der 
Promnzialsteuer von 23 auf 18 Proz. gebracht habe. 
Beträchtliche Mehrforderungen seien durch die gesetzlich 
vorgeschriebenen neuen Aufwendungen, insbesondere 
für die Wohlfahrtspflege entstanden, wie es überhaupt 
durchweg je nur Pflichtaufgaben seien, die die Provinz 
zu erfüllen habe. 
Betreffend die Zuschüsse zu dem Titel Luftverkehr 
verbreitete sich der Redner über die Notwendigkeit der 
Angliederung Schleswig-Holsteins an den kontinen 
talen Flugverkehr. — Ueber die Verwendung des 
Kieler Schlosses berichtete der Landeshauptmann, baß 
dieses vom Staate für einen Zeitraum von 100 Jah 
ren gepachtet sei. Für die weitere Verwendung der 
Räume müsse zunächst ein grundlegender Plan aufge 
stellt werden. Es müsse eine Stätte werden, an der 
alle großen Kulturaufgaben der Provinz zusammenge 
faßt werden. Es gehörten u. a. hierher die Landes 
bibliothek, das Thaulow-Museum, die Historische Lan 
deshalle, Heimat- und nordische Geschichte, niederdeut 
sche Sprache. 
Darauf wurde die Sitzung auf Donnerstagnach 
mittag 3 Uhr vertagt. In den Vormittagsstunden 
tagen die einzelnen Kommissionen. 
•* » 
□ Bramfcld. 30. März. Grobe Ausschreitun- 
gen. In der Sîacht vom Freitag auf Sonnabend 
wurden an vielen Stellen in Hellbrock die Earten- 
einfriodigungen besMdigl, Steinpfeiler umgewor 
fen und Gitter zerstört. Durch Steinwürfe wur 
den die Fensterscheiben an verschiedenen Stellen 
zertrümmert. Ein Haufe von 10 bis 12 Mann. 
begleitet von einem Radfahrer, fing beim neuen 
Schützenhof an^und setzte sein Zerstörungswerk bis 
zur. Wiesenstraße fort. Bei der Eemeindevertre- 
terin tir.au Rösch wurde durch einen Stein die 
Verandascheibe, durch einen anderen die Spiegel 
scheibe des Wohnzimmerfensters zerstört. Bei dem 
Eemeindevertreter Fröhlich wurde ein Stein vom 
Nachbargrundstück aus ins Schlafzimmer geworfen. 
Ein zweiter Stein im Gewicht von annähernd 35 
Pfund folgte. Nur einem Zufall ist es zu verdan 
ken, daß Frau Fröhlich nicht verletzt wurde. Bei 
den Tätern handelt es sich um Leute im Alter von 
25 bis 30 Jahren. Den Bemühungen des Land 
jägers ist es gelungen, die Täter festzustellen. 
Man nimmt an, daß es sich um die Folgen poli 
tischer Verhetzungen durch die Kommunilsten han 
delt, da in den letzten Eemeiüdevertretersitzungen 
von kommunistischer Seite auf solche Taten hin 
deutende Bemerkungen fielen. Einer der Täter 
hat zugegeben, daß er sich an dem Gemeindever- 
treter Fröhlich habe rächen wollen, weil er glaubte, 
daß er von ihm nach den Oktoberunrühen 1023 
angezeigt worden sei. Ob die Ausschreitungen 
tatsächlich auf politische Verhetzung zurückzuführen 
sind, wird die Untersuchung ergeben. 
Plön, 7. April. Tödlicher Unfall. Das ver 
hängnisvolle Kraftwaglenunglück, das sich vormit 
tags auf der Strecke Malente—Eutin ereignete, hat 
leider den Tod eines jungen Mannes in blühendem 
Alter gefordert. Der Kraftwagen wurde von 
Kaufmann Junghans jun.-Plön geleitet. Im Wa 
gen befanden sich ferner Kaufmann Adolf Remien 
jun.-Plön und Frl. Schmidt, Tochter des Oberland 
jägermeisters aus Plön. Der Wagen überschlug 
sich beim Bergabfahren und fuhr die Böschung hin 
ab. Der Führer des Wagens blieb unverletzt. Frl. 
Schmidt erlitt einen Schlüsselbeinbruch. Kauf 
mann Remien wurde gegen einen Baum geschleu 
dert und erlitt einen doppelten Schädelbruch. Der 
Schwerverletzte, der kaum beförderungsfähig war, 
wurde dem Pläner Krankenhaus zugeführt, wo er 
am Dienstagvormittag gşeftorben ist. 
Krempe, 7. April. Freie Bürgcrmeisterstelle. 
Bürgermeister Ruhe tritt wegen Erreichung der 
Altersgrenze noch in diesem Jahre in den Ruhe 
stand. Die Bürgermeisterstelle wurde zur Be 
werbung ausgeschrieben. Der neue Bürgermeister 
soll am 1. Oktober sein Amt antreten. 
O Tönning, 7. April. Der Kreisansschug be 
schloß die Uebernahme eines Stammkapitals der 
Höfek-ank von 5000 Mark nach dem Beschlüsse des 
Kreistages. Landrat Reeder teilte von seinen 
Bemühungen betr. die Eindeichung der Tümlauer 
Bucht und den Vahnbau Earding—St. Peter zur 
Linderung der Arbeitslosigkeit mit. Zur Förde 
rung der Nevbautätigteit sollen bei der Staats 
bank in Berlin 10 000 Mark angeliehen werden, 
die bis zum 5. Juli ans der Hauszinsstsuer zu 
tilgen sind. Bon dem ungedeckten Betrage der 
Volksküche in Tönning sollen 70 Prozent getragen 
werden. Für einen Archivbau werden 5000 Aiark 
bewilligt, im Kreissäuglingsheim wurde die 
Schwester Herta Cornils zum 15. d. Mts. ange 
stellt. Anna Andrefen, Koldcnbüttel, erhielt 15 
Mark und ein Diplom für 5jährige treue und un 
unterbrochene Dienste Lei derselben Herrschaft. Der 
Handwerkskammer in Flensburg sollen 5000 Mark 
als Darlehen gewährt werden, wenn sie zum 
Herbst 1926 verfügbar find. Für die Wandera-us- 
ausstellung der fchleswigfchen Pferdezuchtvereine 
wurden 200 Mark bereitgestellt. Die Transfor 
matorenstation des Kreiselektrizitätswerkes soll 
auf einemKreisgrundftück neu errichtet u. ein neuer 
Transformator angeschafft werden. Für die Ein 
richtung eines Töchterlehrganges an der landw. 
Schule in Earding wurden 2000 Mark bereit 
gestellt und der Brückenban im Nordfeebade St. 
Peter vom Strande bis zur Sandbank genehmigt: 
Der Kreistag findet am 19. d. Mts. statt. Eine 
Erhöhung der Kreissteuern tritt nicht ein. Die 
Zuschlüge zu den Steuer-Ueberweifungen und Re 
alsteuern wurden im Verhältnis wie 1 : 2 vorge 
sehen. 
-t- Mildstedt, 7. April. Kirchenblatt. Unter 
Schriftleitnng von Pastor Riewerts-Mildstedt er 
scheint seit Monat April wieder das Schleswig- 
Holsteinifche Kirchenblatt, das schon früher jahre 
lang von dem jetzigen Schriftleiter redigiert wur 
de und 1921 ein Opfer der Inflation wurde. Es 
will ähnlich wie früher alle Stimmen aus Pa 
storen und Lehrerkreifen und von kirchlich interes 
sierten Gemeindegliedern, die eine freiheitliche 
und volkstümliche Entwicklung unserer schleswig- 
holsteinischen Landeskirche ersehnen, mit Nachdruck 
Geltung verschaffen. Das Blatt erscheint zunächst 
halbmonatlich. 
Husum, 7. April. Selbst getötet hat sich in 
seiner Wohnung auf der Neustadt der Kataster- 
hilfstechniker Ernst Daniel Zik aus Bochum. Zik 
war gebürtig aus Ostpreußen und stand im 19. 
Lebensjahr. Der junge Mann hatte sich den 
Gasschlauch in den Münd gesteckt und so den Tod 
erwartet. Wiederbelebungsversuche waren erfolg 
los. 
Flensburg, 7. April. Freilegung des gefun 
denen Einbaums. Der auf dem Schausender Moor 
aufgefundene Einbaum wurde unter Leitung von 
Bothmann-Kiel freigelegt. Die gefundenen Stücke, 
die teilweie aus der Eiszeit stammen und die 
Mufcheabfallhaufen deuten darauf hin, daß bei 
Pugum eine alte Siedlung bestanden hat. 
r. Flensburg, 7. April. Die Zahl der Er 
werbslosen ging von 3405 auf 3432 zurück. — 
Ueberfall. Am Trollfee wuvden nachts 2 Perso 
nen aus Tarp überfallen und übel zugerichtet. — 
Waldbrand. Am Althufumer Weg entstand Feuer 
in einer Tannenfchonung, 2000 Meter Tannen 
bestand wuvden vernichtet. 
Flensburg, 7. April. Ein Straßcnbahnunfall 
ereignete sich hier am Dienstag. Aus dem Mllh- 
lengang kam ein schwer beladener Müllwagen, der 
kurz nachdem von einem Wagen der elektrischen 
Straßenbahn, von Norden kommend, gerammt 
w>urde. Der Zusammenstoß war so stark, daß der 
schwere Müllwagen auf eine anliegende Stein- 
treppe hoch hinaufgefchleudert wurde. Die Pferde 
gingen über ein Eisengeländer eines anliegenden 
Kellers, drückten dieses .ein und gingen, losgerissen, 
durch, konnten aber bald ergriffen werden. Der 
Kutscher wurde vom Bock geschleudert und erlitt 
Verletzungen. Dem Straßenbahnführer geschah 
nichts, doch wurde die Vorderseite des Wagen« 
eingedrückt und sämtliche Scheiben zerstört. 
Schleswig, 7. April. Ein Radler schwer ge 
stürzt. Ein auswärtiger Radfahrer, der die steil« 
Allee beim Reuwerk, die für Radfahrer gesperrt ist, 
hinunterfuhr, verlor bei der zweiten starken Bie. 
gung die Gewalt über sein Stahlroß. Er prallt^ 
mit dem Rad gegen eine Bank und flog in hohenr 
Vogen über sie durch einen Stacheldrahtverhau tfi 
einen Garten ant Thiessenweg. Mit nicht unerheh, 
lichen Verletzungen, zerrissenem Zeug und eincy 
verbogenen Rad hinkte er von dannen. — Erhängt. 
Seinem Leben durch Erhängen machte ein mehr als 
70 Jahre alter Mann ein Ende. Ein langjährt» 
ges Darmleiden und Nahrungssorgen haben de» 
Lebensmüden zu dieser Tat getrieben. 
kk. Schleswig, 8. April. Mit großem Trauer- 
gefolge wurde am gestrigen Tage der am Karfrei 
tag verstorbene Oberstudienrat Lorenz Hinrichsen, 
der fast 33 Jahre lang der hiesigen Domschule an 
gehörte, zur letzten Ruhe nach dem Domfriedhof 
geleitet. Eine Trauerfeier in der Aula der Dom 
schule war der Ueberführung nach dem Friedhof 
vorausgegangen. Hinrichsen übernahm als Nach 
folger seines Amtsvorgängers Wolff am 1. Oktober 
1909 den Direktorposten an der Domschule. Das 
Lehrerkollegium der Domfchule, die Vereinigung 
ehemaliger Lehrer und Schüler der Domfchule, der 
Synodalausschuß der Propftei Schleswig und noch 
andere Verbände haben dem Verstorbenen, der 
schon längere Zeit hindurch leidend war, aber bis 
zur letzten Pflichterfüllung auf seinem Posten aus 
geharrt, in herzlichsten Worten Abschiedsgrüße ge 
widmet. 
Rn. Hollingstedt, 5. April. Von der Jagd, 
Im hiesigen Jagdbezirk sind im vorigen Jahre 20 
junge Fasanen ausgesetzt. Diese hatte der hiesige 
Lehrer Arfsten bei zwei Gluckhennen großgezogen. 
Leider sind von diesen Jungfasanen die weitaus 
größte Mehrzahl Hähne. Run hat der hiesige 
Jagdverein in diesem Frühjahr 4 Fasanenheunen 
direkt von Ulm an der Donau kommen lassen und 
hat diese ebenfalls i-m Jagdbezirk ausgesetzt. Nicht 
nur der Feinheit dieses Geflügels wegen, sondern 
in jagdsportlicher Beziehung wäre es doch minde 
stens für die Nachbarjagdbezirke ein Ansporn, das 
selbe zu tun. Hierdurch würde nicht nur die Jagd 
belebter, sondern der Jagdfport erheblich'inter 
essanter. 
Voorde, 7. April. Von einem Kraftwagen 
überfahren wurde hier ein elfjähriges Akädchen. 
Das Kind erlitt einen schweren Schädelbruch und 
wurde in die Kieler Klinik gebracht. 
wk. Kiel, 7. April. Der Verband der schles- 
wig-holsteinijchen Baugenossenschaften hält seineit 
diesjährigen Verbandstag am 17. und 18. April in 
Kiel ab. Regierungsassessor Dr. Alnor-Schleswig 
wird über die Förderung des Wohnungsbaues 
durch den Staat sprechen, und Regierungsbau- 
meister Relle über farbige Baugestaltung. Dr. 
Beeth spricht über die Gemeinnützigkeit der Bau 
genossenschaften in Gesetzgebung und Rechts 
sprechung und Architekt Martini-Probfteierhagen 
wird einen Vortrag über die Seidenraupenzucht 
als wirtschaftliche Erwerbsquelle halten. 
-t- Neumünster, 7. April. Theologische Kon 
ferenz. Am Osterdienstag tagte hier der Malen 
ter Theologische Ferienkursus. Am Vormittag 
hielt Prof. v. Mulert-Kiel einen Vortrag über: 
„Kirche und Reich Gottes." In der lebhaften 
Aussprache wurden die Gedanken noch mannig 
fach ergänzt. Nachmittags wurde eingehend ge 
sprochen über den diesjährigen Herļstferienkurfus 
in Malentc. Eine Reihe namhafter Vertreter 
theologischer Wissenschaft und Praxis wird lei 
diesen Kursen stets zahlreichen Pastoren und Leh 
rern mit Vorträgen dienen. U. a. will man ge 
winnen Missionsdirektor Witte-Berlin, Prof. v. 
Otto-Marburg und Pastor Tonnefen-Rendsburg. 
Der alljährliche Kursus in Malente will unbe 
fangener theologischer Fortltldung und religiöser 
Vertiefung dienen. 
x. NeumüIlster, 7. April. Ein eigenartiger 
ttnglücksfall ereignete sich in der Bäckerei der 
Firma Piening hierselbst. Vermutlich infolge eines 
Fehlers in der elektrischen Leitung wurde ein eiser 
ner Backofen plötzlich mit Strom geladen. Als 
einer der Gesellen den Ofen berührte, wurde er 
durch einen starken elektrischen Schlag zu Boden 
geschleudert. Die rechte Hand, die die Ofentür be 
rührt hatte, wies derartig starke Brandwunden 
auf, daß der Verunglückte dem städtischen Kranken 
hause zugeführt werden mußte. — Unfall. In der 
Kösterschen Lederfabrik an der Gadelander Chaus 
see geriet ein dort beschäftigtes junges Mädchen in 
die Transmission und wurde schwer verletzt. Auch 
diese Verunglückte fand Aufnahme im städtischen 
Krankenhause. — Vierzig Zuchthäusler der Rsnds- 
burger Strafanstalt wurden ^ute morgen unter 
starkem Polizeiaufgebot zum hiesigen Zentral 
gefängnis geführt. Sie sollen in Lentföhrden mit 
Außenarbcit beschäftigt werden. — Diebstahl. Je 
einem Anwohner der Kieler Chaussee und der 
Bahnhofstraße wurden insgesamt 15 Hühner ge 
stohlen. 
au. Hohenwcstedt, 6. April. Lebensmüde. Die 
23jährige Tochter des Landmannes Rohwer-Mörel 
hat ihrem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. 
Man fand sie am 1. Ostertagmorgen tot auf dem 
Hausboden vor. Da sie feit längerer Zeit wegen 
Schwermut in ärztlicher Behandlung war, ist anzu 
nehmen, daß die Tat in geistiger Umnachtung be 
gangen ist. — Die Grippe tritt hier ļ Z. recht oft 
auf, der sich fast immer erMW 
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