Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

hungert anschließen, wenn die nötige Vorsicht 
Unterlassen wird. 
au. Hohenwestedt, 6. April. Der Kampfgenos 
sen- und Kricgerverein für Hohenwestedt u. Umg. 
Hielt am Ostermontag seine Generalversammlung 
ab. Sterbefälle hatte der Verein im verflossenen 
Vierteljahr nicht zu verzeichnen. An einige Ka 
meraden wurden Kriegsdenkmünzen überreicht. Es 
wurde beschlossen, die Fahne des Kampfgenossenver 
eins v. 1848-51 dem Wunsche der alten Veteranen 
gemäß in Zukunft in der Kirche bei der Gedenktafel 
für die Gefallenen aufzubewahren. Die Fahne, soll 
renoviert, werden und am Erhebungstage, dem 24. 
3. 1927 auf ihren neuen Platz in der Kirche ge 
bracht werden. Zwecks Teilnahme am Kreisver 
bandstag wurden 6 Delegierte gewählt. Zum 
Provinzialkriegrverbandstag, verbunden mit Ap 
pell der Kampfgenossen v. 1870-71, in Pinneberg 
sollen 2 Kampfgenossen von 1870-71 entsandt wer 
den. Das Sommervergnügen des Vereins soll am 
27. Juni d. I. in Sitzen abgehalten werden. 
r. Flensburg, 8. April. Bet einer Schlägerei 
getötet. Am 4. d. M. wurde auf der Straße in der 
Nähe einer Gastwirtschaft ein Reichswehr-Angehö 
riger besinnungslos aufgefunden. Er wurde in 
das Marinelazarett Mürwik überführt, wo man 
einen Schädelbruch feststellte. Ter Verletzte ist am 
6. d. M. verstorben. Es handelt sich um den 23 
Jahre alten Unteroffizier Greulich vom hiesigen 
Reichswehr-Bataillon. Wie verlautet, soll er wegen 
eines Mädchens in eine Schlägerei verwickelt ge 
wesen sein. Die Untersuchung der Angelegenheit 
ist noch im Gange. 
Kleine Mrovirrzchronik. 
Im hohen Alter von 87 Jahren verstarb in 
Wöhrden der frühere Schmiedemister Wilhelm 
Warneke, ein Veteran von 1864. — Landmann 
Sievert Lassen in Dörpstedt wurde zum Gemeinde 
vorsteher von Dörpstedt gewählt, nachdem der bis 
herige Gemeindevorsteher, der das Amt 23 Jahre 
verwaltet hatte, zurückgetreten war. — Dem Va 
terländischen Frauenverein in Hamdorf wurden 
von der Landesversicherungsanstalt in Kiel als 
Beihilfe für die beschaffte Margarethenspende 150 
Mk. gewährt. — Der Lehrer Sophus Elend aus 
Meezen, der die Preuß. Hochschule für Leibes 
übungen in Spandau besuchte, bestand jetzt die 
Prüfung als Turn- und Sportlehrer mit dem Prä 
dikat gut bis sehr gut. — Der Verband der Bäcker 
des Nordens hält seinen Verbandstag in Eckern» 
förds vom 16. bis 17. Mai ab. — Eine Gartenbau- 
Ausstellung will der Eärtnerverein des Kreises 
zum Herbst im Kurhotel Seegarten in Eckernförde 
veranstalten. — Die beiden Lehrlinge des Tischler 
meisters Johs. Struwe in Breiholz, Ernst Pahl- 
Jevenstedt und Hans Struve-Büdelsdorf, bestan 
den vor der Prüfungskommission ihre Gesellen 
prüfung mit dem Prädikat sehr gut in praktischer 
Arbeit. — Auf dem Gelände des Arbeiter-Bau 
vereins Ellerbek werden 12 000 Stecklinge von 
Maulbeerbäumen angepflanzt werden. 10 000 
weitere Stecklinge sind unterwegs. 
Gerichtliches. 
ns. Stapelholm, 7. April. Ein unredlicher 
Arbeitskollege. Dem Arbeiter Backens in Süder- 
stapel wurde, als er von der Insel Trieschen zu 
rückkehrte, in Friedrichskoog sein auf Trieschen 
verdienter Lohn von 50 M. gestohlen. Der Arbei 
ter Glaus D. aus Dielen wurde Werflchrt, feinen 
Arbeitskollegen bestohlen zu haben. Er wurde des 
halb vom Amtsgericht Friedrichstadt zu drei Mo 
naten Gefängnis verurteilt. — Wichtige Entschei 
dung. Der Landmann St. in Drage hatte ebenso 
wie eine größere Anzahl Landleute in Stapelholm 
eine Strafverfügung erhalten, weil er es unterlas 
sen hatte, seine Wage nacheichen zu lassen. Da ihm 
seine Behauptung, daß die Wage lediglich zum Ab 
wiegen von Viehfutter bestimmt sei und daß in 
seinem Betriebe Gegenstände, die mit der Wage 
abgewogen würden, nicht verkauft würden, nicht 
widerlegt werden konnte, wurde er von dem Hie 
gen Amtsgericht Friedrichstadt freigesprochen. Die 
gegen dieses Urteil von der Staatsanwaltschaft ein 
gelegten Revision wurde von dem Strafsenat des 
Oberlandesgerichts in Kiel zurückgewiesen. 
r. Flensburg, 7. April. Wegen fortgesetzter 
Einbrüche in das unbewohnte Kurhaus Elücksburg 
hatte sich der Sattlermeister Wilhelm Sülau in 
Elücksburg, sowie wegen Hehlerei und Begünsti 
gung der Gärtner A. Winter und dessen Ehefrau 
vor Gericht zu verantworten. Ein Flensburger 
Möbelgeschäft hatte dem S. Auftag auf Lieferung 
von Krollhaaren erteilt. S. verschaffte sich diese 
dadurch, daß er aus den Matratzen des Kurhau 
ses, in das er einbrach, nach und nach reichlich 800 
Pfund Krollhaare herausholte, die er für 1 Jl das 
Pfund verkaufte. Ferner entwendete er aus dem 
Kurhause 60 vollständige Betten, für die er 30 
bis 40 M das Stück bekam. Insgesamt hat er das 
Kurhaus um etwa 5000 Ji geschädigt. W. und 
dessen Frau haben sich an der Fortschaffung des 
Diebesguts bezw. durch Heraustrennen des Na 
mens aus der Bettwäsche beteiligt. Das Gewicht 
verurteilte Sülau und Winter zu je 10 Monaten 
Gefängnis, die Ehefrau W. zu 50 M Geldstrafe. 
wk. Kiel, 7. April. Zuchthaus für Diebstahl. 
Von Hamburg aus hatte der erwerbslose Hafen 
arbeiter Wilhelm Kay verschiedentlich Diebesfahr 
ten nach Schleswig-Holstein unternommen, und 
u. a. in Diekenbusch und Emkendorf, sowie in Gle 
schendorf Einbrüche mit einem Gefährten verübt. 
Sie stahlen hauptsächlich Schinken, Würste, Gänse, 
Enten usw., sowie einmal auch ein Schwein.' K. 
erhielt 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus zuerkannt. 
Familienjubiläen. 
Goldene Hochzeit können der Rentner War- 
ringholz und Frau, „Unterm Kleve in Burg i. D., 
am 8. April feiern. — Ihr 65jähriges Ehejubiläum 
begehen am 14. April Privatier Martin Hermann- 
sen und Frau, Flensburg, Christinenstr. 12. Beide, 
im 90. Lebensjahre stehend, sind noch sehr geistes- 
ftisch, dazu gesund und rüstig. 83 Jahre ihres 
Lebens verbrachten sie in ihrer Geburtsstadt Ton- 
dern, wo H., in weiten Kreisen bekannt und ge 
schätzt, Landwirt und Viehgräser war. 
Seuchen-Machrrchten. 
Zum Schutze gegen die unter den Viehbestän 
den des Gutes Westensee und des Landmannes 
Heinrich Selk in Ostenfeld ausgebrochene Maul 
und Klauenseuche ist amtlich angeordnet, daß das 
Gut Westensee und die Ortschaft Ostenfeld je einen 
Sperrbezirk bilden. — Unter dem Viehbestände des 
Hofbesitzers Heinrich Wollatz-Hedwigenkoog ist die 
Maul- und Klauenseuche amtstierärztlich fest 
gestellt worden. Das verseuchte Gehöft bildet 
àen Sperrbezirk. — Die zur Zeit in voller Wolle 
befindlichen Mutterschafe, welche in den nächsten 
Wochen geschoren werden sollen, sind vielfach mit 
der Räude behaftet, infolgedessen verlieren sie die 
Wolle und werden ganz kahl. Hierunter leiden 
nicht allein die Schafe, sondern auch die kleinen 
Lämmer wesentlich. 
PerfsrrEen. 
Am 1. April hat Lehrer Nissen Meldorf ver 
lassen: er ist an die Mittelschule in Albersdorf 
berufen. Zu seinem Nachfolger ist Lehrer Thaysen 
aus Epemvöhrden bestimmt. Nach Epenwöhrden 
versetzt wurde Lehrer Ziese-Elpersbüttel. Der Leh 
rer und Organist Brodersen aus Vnsenwurth wur 
de an die 3k!assige Schule in Leezen bei Segeberg 
berufen. 
Anklage rechtfertigen könnte. Die Kosten des Dett 
fahrsns wurden der Staatskasse auferlegt. 
Das Urteil iM fächşşchen DolkS- 
opferproreH. 
T.-U. Dresden, 7. April. Das Urteil im sächşi' 
fchen Volksopferprozeß wurde heute abend in det 
neunten Stunde verkündet. Der Angeklagte Dr- 
Meißner wurde zu 4 Jahren Gefängnis und zu^ 
Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer 
von 5 Jahren verurteilt, Hauptmann a. D. Loefst 
le zu 2 Jahren Gefängnis und zu 3 Jahren Ehv 
vertust. Der Buchhalter Gründel wurde wegen 
Beihilfe zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt, die 
Angeklagte Kontoristin Langguth zu 70 Ji Geld 
strafe. Bei Meißner und Loeffler gelten 5 Monate 
der erlittenen Untersuchungshaft als verbüß 
Meißner und Loeffler logten sofort Berufung 8* 
gen das Urteil eim 
Inland. 
Der Kölner Grreckftlbermord. 
Liebesverhältnis des Arztes mit der Frau 
des Ermordeten. 
Köln, 7. April. Der Fall des Kölner Architekten 
Oberreuter, der durch den praktischen Arzt Dr. 
Bröscher ums Leben gebracht worden ist, erregt 
großes Aufsehen, und nach u. nach werden Einzel 
heiten über ihn bekannt. Oberreuter stand im 45. 
Lebensjahre und war mit einer sehr begüterten 
Frau verheiratet. Bröscher, der Junggeselle ist 
und viel im Hause Oberreuter verkehrte, ist 35 I. 
alt. Vor einigen Wochen erlitt Oberrouter einen 
Herzkr-ampf, und Bröscher empfahl die Aufnahme 
in das Marinehospital. Hier besuchte Brisscher den 
Kranken wiederholt, ohne ihn aber zu behandeln. 
Es haàlte sich zunächst lediglich um Freund 
schaftsbesuche. In der vergangenen Woche wurde 
der Zustand Oberreuters bedenklich, und die Un 
tersuchung ergab, daß Oberreuter von Bröscher eine 
Quecksilbereinspritzung erhalten hatte, die 15 Mal 
über das zulässige Maß hinausging. Oberreuter 
starb am Karsonnabend im Hospital. Gleich nach 
dem Tode traf ein Brief von Bröscher ein, aus dem 
hervorging, daß er außerhalb des Landes war. 
Die kriminalpolizeilichen Maßnahmen wurden so 
fort eingeleitet. Die Vermutung, daß Dr. Bröscher 
zu Frau Oberreuter in näheren Beziehungen ge 
standen und Frau Oberreuter von der Tat gewußt 
hat, scheint zuzutreffen,- denn wie die Kriminal» 
Polizei mitteilt, sind beide bereits im Ausland. 
Die Ehe Oberreuters soll nicht glücklich gewesen 
sein. Frau Oberreuter soll sich im Hospital viel 
fach abfällig über die angeblich brutale Behand- 
lung ihres Gatten geäußert haben. Oberreuter 
hatte sich auf dem Wege der Besserung befunden 
und sollte entlasten werden. 
Kurze Tagesrundfchau. 
Stade, 5. April. Mit 93 Jahren noch aül 
dem Acker. Die Eheleute Altenteiler Johann 
Willens in Deinste feiern am 7. d. Mts. Eisernt 
Hochzeit. Willens verrichtet trotz seiner 93 Iahst 
noch sämtliche landwirtschaftlichen Arbeiten. Dü 
Frau ist 87 Jahre alt und ebenfalls noch geistîS 
und körperlich frisch. 
Der Eefechtsmast der „Emden" muß umgebaut 
werden. Bei den Probefahrten des Kreuzers 
„Emden" in der Ostsee hat sich herausgestellt, 
der Eefechtsmast, den der Kreuzer als erstes 
Schiff der Reichsmarine erhalten hat, zu hoch 0 
und bei schwerem Wetter die Stabilität des ohn^ 
hin schmalen Schiffes beeinträchtigt Es soll daher 
erwogen werden, den Eefechtsmast um niedrer 
Meter zu verkürzen, eine Arbeit, die nicht seh 
schwer auszuführen ist. Ä „ 
Esten. 6. April. Bombenwurf in ein Oster 
feuer. Beim Abbrennen eines Ostsrfeuers 
Bottropp (Westfalen) wurde durch Exploşş 
eines von unbekannter Hand in das trennend 
i Wie 
Ņausza 
Ņstssteu 
Ministers 
oben 
^ausza! 
^onfrift 
5 Bestin 
Freisprechung im Prozeß Knoll- 
KufZmann. 
Berlin, 7. April. Im Prozeß gegen den Staats 
anwaltsassessor Kußmann und den Major a. D. 
Knoll, die im Zusammenhang mit der Barmat- 
Affäre wegen Beiseitefchaffung von Urkunden an 
geklagt waren, erfolgte in der heutigen Hauptver. 
Handlung Freisprechung beider Angeblasen mit 
der Begründung, daß nichts erbracht fei, was dis 
, Nach L 
^ Finanz 
'?“■ b-. 
* J* 1 ®» 
2 kn - D 
^ heraus. 
viel Glauben geschenkt. Er ist gesund und sş 
zufrieden, das muß mir genügen. Doch { 
zurück zu deinen Dingen, — war der Mister, ^ 
jetzt vermißt wird, damals mit in dem Tempel, 
hat das Auge meines Sohnes auf ihm S^rum- ^ 
„Ja, Kaihanfu. er war mit, und dein 6oP“ 
sogar mit ihm gesprochen: denn er sagte zu 
— fuhr Christa zögernd fort, undein şeişş - 
trat in ihre Wangen, „er sagte zu ihm, daß , { 
„Fahre fort. Missis, zögere nicht, mir W 
meines Sohnes zu bringen, wenn sie auch m 
mich bestimmt sind!" drängt- der Alte rn Chr 
Er iaate zu Herrn Bcedow, daß er ihn U 
- ia daß er ihn um mich beneide." vollendete şi 
leise und verlogen- Der Alte sah 
an' strich ihr mit seiner feinen, gelben Hand u" 
den Arm und sagte leise vor sich hin: 
„Armer Sohn! Aber nun weiß 
warum er meine Hilfe für dich will, wenngleich , 
ja nicht ahnen konnte, daß du sie wirklich in. * 
sprach nehmen würdest. — Also mein » 
hat mit Mister Bredow gesprochen, und da 
es diese Schurken, die ich schon lange im Aug^^st 
ihn in Gefahr und Gefangenschaft zu bii^v „ 
Erregt ging er in dem Raum auf und nieder, ^ 
schlug er in einem plötzlichen Ģntşchluşi ^ 
großen Gong, so daß der metallene Ton darcy 
ganze Haus klang. Dem eintretenden Diener 
" "“ÄS« - ê mit 9M1& 
pflichà für («ite àd (i-ri-r 
daß mir keiner fehlt! Ich wurde ihn sonst zu ^ 
wissen," setzte er kalt hinzu. „Frauen sollen n 
fit n, mit die Männer!" Der Kuli eilt- 
Amor auf Schleichwegen. 
Ein heiterer Roman von Friede Birkner. 
56) Nachdruck verboten. 
Nachdem der Wagen sich ein Stück von der 
Villa entfernt hatte, ließ Christa halten. Sie stieg 
aus und verhandelte mit dem Chauffeur, dem sie 
den Zettel Hutuchtus zeigte, und sagte: 
„Fahre mich zu dieser Adresse! Kannst du 
lesen, wohin du mich fahren sollst?" 
Der Chinese las den Namen auf dem Zettel, 
u-nd im selben Augenblick sah er aber Christa auch 
schon groß und erstaunt an, so daß diese ihn hastig 
und erregt fragte: 
„Kennst du diesen Namen, weißt du, wer es 
Nach einer halbstündigen Fahrt hielt das 
Auto vor einem langgestreckten, von bescheidenem 
Wohlstand zeugendem Hause, das in einem liebe 
voll gepflegten Garten lag. 
„Missis, das ist das Haus Kaihanfus! Soll ich 
dich melden im Haufe?" 
„Es wird nicht nötig fein, denn dort kommt 
schon ein alter Diener. Frage ihn, ob sein Herr 
für mich zu sprechen ist. Nenne ihm meinen Na 
men und sage, daß es eine sehr wichtige Angelegen 
heit sei!" 
Der Chauffeur und der alte Diener verhan 
delten eine Weile, indes Christa Lafufa befahl, 
hier im Wagen auf sie zu warten, bis sie wieder 
käme. 
Langsam ging Christa in den Garten hinein, 
dem voraneilenden Diener nach. Vor dem wie tot 
daliegenden Haufe stand sie still und wartete ge 
duldig, ob Kaihanfu sie empfangen würde. Sie sah 
sich in dem wohlgepflegten Garten um und freute 
sich an den farbenprächtigen Blumenbeeten, denen 
man die liebevolle Hand des Gärtners wohl an 
merkte. 
Christa war fo in ihre Gedanken eingesponnen, 
daß sie gar nicht spürte, wie ein alter, von den 
Jahren gebeugter Greis neben ihr stand, der ein 
fach, aber kostbar gekleidet war und an dessen lin 
ker Hand sich unbeschreiblich lange Nägel der letzten 
zwei Finger befanden, die wie ein Zopf geflochten 
waren. Erst als er sie in tadellosem Englisch an 
sprach, bemerkte sie seine Anwesenheit. 
„Du wünschest mich zu sprechen, Missis," 
fragte der-Greis mit ruhiger Stimme und sah 
Christa forschend an. Auch sie sah den Alten prü 
fend an und suchte aus seinem gelben Gesicht zu 
ergründen, ob sie bei ihm Rat und Hilfe finden 
würde. 
„Wenn du Kaihanfu bist, der Vater des Hu- 
tuchtu, dann möchte ich dich um eine Unterredung 
bitten. Sieh' dir., bitte, diesen Zettel an, der mir 
durch die Güte deines Sohnes übermittelt wurde." 
Christa reichte dem Alten den Zettel, und dieser 
neigte sich tief vor Christa, nachdem er den Zettel 
gelesen hatte. 
„Tritt ein in. mein Haus und nenne mir deine 
Wünsche! Was in meiner Macht steht, sie zu er 
füllen, soll geschehen!" Er geleitete Christa in das 
Haus und in einen Raum, in dem nur schöne Tep 
piche am Boden lagen und außer herrlichen Vasen 
und einer Art Hocker keine Möbel waren, und nö- 
er selbst sich auf den Boden setzte. „So, Missis, nun 
sprich! Kein anderes menschliches Ohr wird ver 
nehmen, was du mir zu sagen hast." 
Tief, tief holte Christa Atom und sah don alten 
Mann noch einmal prüfend an; dann aber faßte sie 
Mut und erklärte ihm den Fall, der sie herge- 
fübrt hatte. Aufmerksam hörte ihr der Alte zu, 
und nachdem sie geendet hatte, war es einen Au 
genblick still zwischen den beiden, bis der Alte sich 
aus seiner nachdenklichen Stellung aufrichtete und 
ruhig und langsam, wie es so die Art älterer Leute 
ist, sagte: 
„Wenn dein Geliebter, denn das ist doch der 
Mann, für den du den Weg zu mir gewagt hast, 
noch am Leben ist, sollst du ihn in spätestens drei 
Tagen wiederhaben." So ruhig und bestimmt 
klangen die Worte Kaihanfus, daß in Christas 
Herz eine starke Hoffnung Platz faßte. Sie trat 
neben den Alten und reichte ihm die Hand. 
,Mie soll ich dir danken?" 
„Danke erst, Missis, wenn ich gehalten habe, 
was ich versprach! Vis jetzt stehe ich noch in deiner 
Schuld, Missis, denn du hast meinem Sohne eine 
Wohltat ermtefen.“. 
„Davon weiß ich nichts, Kaihanfu, denn ich 
habe deinen Sohn nur einmal im Tempel gesehen. 
„Das mußt du mir erzählen, Missis^ Ich selbst 
habe meinen Sohn seit fünf Jahren nicht gesehen. 
Aber aus dem Zettel hier, der den verabredeten 
Wortlaut trägt für Menschen, die meinem Sohn 
lieb geworden sind, und die er mir dadurch emp 
fiehlt ersehe ich, daß er für dich gern Großes ge 
tan hätte. Was fein alter Vater tun kann,''um 
feine Dankesschuld abzutragen, soll geschehen, des 
fei gewiß! Und nun berichte mir von meinem 
Sohn, wie es ihm geht, wie er aussieht. Ist er 
glücklich? Lebt er zufrieden?" 
„Ja, Missis, diesen Mann kennt man, wenn 
man ein Gläubiger ist, denn es ist der Vater des 
heiligen Hutuchtu", antwortete der Chinese mit 
ehrfürchtiger Stimme. Christa schloß bei seiner 
Antwort vor Erregung die Augen und hielt sich an 
der Autotür fest, denn die Knie drohten, ihr den 
Dienst zu versagen. 
„Der Vater Hutuchtus? Bist du deiner Sache 
sicher?" 
„Gang sicher, Missis, Kaihanfu ist der Vater 
aller Armen und Hungernden in Schanghai, er 
gibt all seinen großen Reichtum nur für die Armen 
und Unglücklichen hin, und keiner fleht vergeblich 
an seiner Tür. Und weil alle, denen er geholfen 
hat, sich zu seinen Diensten halten müssen, wenn er 
sie ruft, fo ist er der mächtigste Mann in Schang 
hai, mächtiger als die Polizei." Der Chinese hatte 
mit einer in Ehrfurcht zitternden Stimme gespro 
chen. 
„Auch ich gehöre zu den Seinen und muß ge 
horchen, wenn er mich ruft." 
„Fahre mich schnell zu diesem Mann!" 
„Der Weg ist weit, Missis, denn Kaihanfu hat 
fein Haus weit draußen vor der Stadt, in der 
Nähe der Rennbahn." 
„Schnell, fahre zu! Fahre die höchste Ge 
schwindigkeit, wenn du aus dem Innern der Stadt 
heraus bist!" Und nun fauste der lange Mercedes- 
wagen durch die Straßen de: Stadt. 
Christa lag, in die Polster zurückgelehnt, unld 
war ein Opfer widerstreitender Gedanken, Wün 
sche und Hoffnungen. Ueber allen stand nur der 
heiße, sehnsüchtige Wunsch, dem Geliebten zu hel 
fen und ihn prtt««. — —> —> I 
schont das Herz, 
anregend, nîe su» 
tigte sie zum Sitzen auf einem der Sessel, während bar, denn den Berichten der Priester hübe ich n,e
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.