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119. Jahrgang,
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Sonnavend, den 10. April
Zn französisch-parlamentarischen Kreisen ist man
der Ansicht, daß die Demission Malvys zu er-
,, heblichen Rückwirkungen auf die parlamenta
rische Lage führen wird.
Der französische Finanzminister wird heute dem
Kabinett über den Stand der französischen
' Schuldcnvcrhandlungen in Washington Be
tt richt erstatten. Dem „Echo de Paris" zufolge
soll ein prinzipielles Abkommen in etwa acht
Tagen zu erwarten sein.
Aus den Berlin-Münchener D-Zug wurde gestern
abend ein Anschlag verübt, der jedoch recht
zeitig entdeckt werden konnte.
* Frankreich unb die Anregungen Tschitscherins.
* Amerika, Völkerbund und Revision des Dawes-
abkommens.
Aor dem Arbeitsministerium in Warschau fanden
» heute große Erwcrbslosendemonstrationen
( statt. Die Fenster des Gebäudes wurden mit
Steinen eingeworfen. Der Polizei gelang es
erst nach längerem Kampf, die Ordnung wie
der herzustellen.
Die Sängerin Jurjewskaja wird am Freitagnach
mittag auf dem Friedhof in Andermatt dei-
' gesetzt werden.
* , *) Mit einem Sternchen versehene Nachrichten im
Siegel und ausführlicher im Textteil behandelt.
Mndenkurgs Dank.
T.-U. Berlin, 8. April. Das Büro des Reichs
präsidenten gibt bekannt: „Anläßlich seines 60jähr.
Militärjubiläums sind dem Herrn Reichspräsiden
ten aus allen Gebieten des Deutschen Reiches und
auch von zahlreichen Deutschen aus dem Auslande
Glückwünsche in überaus großer Fülle zugegangen.
Zu seinem Bedauern erlauben die Amtsgeschäfte
dem Herrn Reichspräsidenten nicht, die Zuschriften
und Telegramm« einzeln zu beantworten. Er bittet
deshalb alle, die an diesem Tage freundlich seiner
gàcht haben, seinen herzlichsten Dank auf diesem
Wegen entgegenzunehmen."
«■ *
Demission Malvys.
WTB. Paris. 8. April. (Eig. Drahtbericht.
Innenminister Malvy hat heute abend dem Mi-
nisterpräsidenten Briand seine Demission über
reicht. Die Gründ« für den Rücktritt sind nach Ha
vas nicht im Gesundheitszustand Malvys zu suchen.
Zn dem für morgen angesetzten Ministerrat wird
der Nachfolger Malvys bestimmt werden.
*
Mussolinis Abfahrt nach
Tripolis.
Berlin, 8. April. Musiolini hat heute an Bord
des Panzerschiffes „Eavour" die Reife nach Tripo
lis angetreten. Anläßlich der Abreise empfing der
Unterftaatssekretär im Auswärtigen, Grands,
heut« die auswärtigen Korrespondenten. Die Un
terhaltung ergab den Eiicdruck, daß Italien Wert
darauf legt, das Aussehen über die Tripolisfahrt
Musiolinis im Auslande zu dämpfen.
Die Bemerkungen des Unterstattssekretärs
stehen aber in gewissem Widerspruch zu der.Rede,
die Mussolini bei dem Empfang der faszistischen
Partei'ekretäre an Borb des „Eavour" hie-.. Er
erklärte diesen, er habe sie berufen, damit sie der
Marine, auf der die wesentlichsten Hoffnungen für
dir Zukunft beruhten, Ehre bezeugten und die Fas-
zisten bei der Rückkehr in die Heimat dafür sorgten,
daß das Bewußtsein von der Wichtigkeit der Ma
rine vollends erwache. Er fügte hinzu: Wir sind
Menschen des Mittelmeeres und unsere Zukunst —
ich will niemanden kopieren — hat immer auf dem
Wasser gelegen und wird immer auf dem Wasser
liegen.
*
Perhör der Mirssölini-
AtLentäterin.
T.-U. Rom. 8. April. Frau Gibson, die das
Attentat gegen Mussolini beging, erklärte nach der
Tat, daß sie nicht wisse, warum sie geschossen habe,
da sie Mussolini nicht kenne.
Lord Ashburne sandte aus Dublin ein Tele
gramm an Mussolini, in dem er sein Bedauern
Wer das frevelhafte Attentat seiner Schwester.
Miß Grbso n.Ansdruck gibt. Auch der irische Prä
sident Easgrave richtete im Namen der Regierung
des irischen Freistaates ein Telegramm an Musso
lini, in dem er Mussolini und das italienische Volk
zum Mißlingen des abscheulichen Anschlages be
glückwünschte, de» in Irland große Empörung ver
ursacht habe.
Am Mittelpunkt des öffentlichen Interesses
steht nach wie vor das mißlungene Attentat auf
Mussolini, „Tribun a" meldet, daß Miß Gibson
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^ie Porgänge in China und ihre
Zusammenhänge.
/ Der Kampf um Chinas Einheit und
nationalpolitische Zukunst.
_ II.
Man fragt sich in Deutschland oft, wie Feng
sstn Heer unterhalten könne; eine gleiche Frage
sst natürlich auch bezüglich der Truppen Wu's und
Dschang's berechtigt. Feng lebt in erster Linie aus
Lande selbst und aus Geldern, die ihm aus
wichtigen Handelswegen und Handelsplätzen,
«us dem sehr reichen Gebiet nordwestlich
^ekings zufließen. Es ist allerdings wahrfchein-
daß er zeitweilig russisch« Gelder empfangen
. v. ohne dabei den Russen politische Vorteile zu
Fähren. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei
beiden anderen Generalen, die ihrerseits Un-
şitzung durch Japan und England erfahren.
^ Die General Wu und Tschang verkörpern mehr
^7 alte China; sie richten sich scharf gegen modern«
^ 3an-isat!onen. Die Behauptung jedoch, daß man
^ dl« Weißgardisten des revolutionären Chinas
y?en könnt«, ist durchaus falsch und ein Be-
p t fj 5 dafür, daß der Europäer sich schlecht in chine-
Verhältnisse einfinden kann. Eine Unter-
monarchistischer Ideen wird man bei Wu
er? Dschang vergeblich suchen. Wie schon gesagt,
ļäkh ì stch General Wu der Unterstützung der Eng-
tzg-, îr. was äußerlich schon dadurch zu erkennen ist,
bis Reutermeldungen sich stets gegen di« bei-
i^rei^eren Generale für die Interessen des Ge»
ltjfj® 50« einsetzen. Das hängt in erster Linie
^ ņrit den englischen Interessen am Jangtse
öüur und mit den besonderen Interessen in
t 5l a ' nu > das bekanntlich vor dem Kriege stark un«
Einflüsse stand. General Tschang ist
ty! allen der tüchtigste Soldat. Seine Be-
^uussiing durch Japan ist bekannt, wenn auch
y "ņ bestrebt fst, die Abhängigkeit Tichangs von
bex spanischen Mandschurei stärker in den Dor-
md zu rücken, als sie tatsächlich ist. Es ver-
shy ""ņ selbst, daß Japan aus seiner De-
erst ^olle Vorteil« ziehen möchte, die natürlich
Ds^-eifbare Formen annehmen könnten, wenn
"ll die Oberhand in Nordchina erhält,
fa ģtocite Zentrum der Kämpfe in China
ìbr 'bj.J Kanton, also im Süden Chinas, während
®Ifo y erwähnten Generale das mittlere China,
,'Ug he., ^ongtf«gebiet und das nördliche um Pe-
?, îņ Anspruch nehmen. Kanton war be-
BebrcnS'
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und
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unter dem Einfluss« des Russen Borodin stand.
Immerhin sorgten die Führer für Ordnung und
richteten eine gute Ziviloerwaltung ein. Unter
dem Einflüsse der Russen wurde dann auch ein
ausgezeichneter Stamm für ein künftiges Heer ge
legt, das unter dem tüchtigen General Pankaischek
die Proving Kanton durchaus beherrscht. Im letz
ten Jahr« fand in Kanton ein Kongreß der Kuo«
mingtang statt, die man fälschlicln>rwei'e immer
als rein bosschewistisch hinstellt. Man könnte diese
Partes, di« über gang China verbreitet ist, besser
die National-Chinesisch« Nevolutionspartei nen
nen, da sie den Ausbau einer Republik auf moder
ner, nationaler Grundlage erstrebt. Wie wenig
die Russen in Kanton Einfluß auf die führenden
Stellen gewonnen haben, beweist, daß auf dem
Kongreß die gemäßigte Richtung der Kuomingtang
die Oberhand behielt. Borodin war gezwungen,
Kanton zu verlassen, nackKem General Pan ihm
angedeutet hatte, daß er nützliche Dienste geleistet
habe, daß man ihm aber politisch führende Stel
lungen nicht einräumen könne. Der russisch-bol
schewistische Einfluß im Süden Chinas kann als
gebrochen angesehen werden,
keine allgemeine Abnähn:e. Die Zerstörung ein
zelner Eisenbahnen, z. B. zwischen Peking und
Tientsin oder Peking und Nanking bedeutet für
das Räderwerk des chinesischen Handels nicht viel,
da Märkte und Warentransporte zum weitaus
größten Teil bisher immer noch von den bisher
sehr spärlichen Eisenbahnen unabhängig gewesen
sind und die Landstraßen und der Karientransport
ihre eigentliche Lebmsader darstellen. Was dis
Kämpfe, die dem europäischen Beschauer unent
wirrbar erscheinen, und die führenden Personen
im einzelnen angeht, so laufen sie doch alle in dem
einen Ziele zusammen: Schaffitng einer Zentral
gewalt über ein von fremden Einflüssen und Son
derrechten befreites China, Ausschaltung inter
nationaler Bestràngen, die sich besonders in den
Hafenstädten zusammendrängen, und Durchdrin
gung des Landes mit nattonalchinesischem Geist.
Mag dieses Ziel auch für den Außenstehenden ver
schwommen erscheinen, so deuten doch Anzeichen der
verschiedensten Art darauf hin, daß die nationa-
Engländern heute viel Geld und wird sich kaum listischen Tendenzen den fremden Staaten gegen
rentabel gestalten, so lange die Dinge den eben über von Tag zu Tag mehr an Nachdruck ge-
beZeichncten Weg gehen. Wie sich nun später die winneir.
nachdem er seine
Dienste int revolutionär-organisatorischer Hinsicht
geleistet hat. Die strafe Organisatton der Kanto-
neser Regierung konnte natürlich nicht ohne Ein
fluß auf den englischen Hafen Hongkong bleiben,
da Hongkong nun einmal ohne Kanton seine Be
deutung verlieren muß. Der Echworpunkt der
politischen und wirtschaftlichen Interessen ist ohne
Zweifel nach Kanton verlegt worden, so daß also
die Engländer hier einen erheblichen Prestigever-
lust zu verzeichnen haben. Hongkong kostet den
Börsen verboten. Die Sowjetregierung hat da
gegen protestiert und verlangt die Aufhebung des
finnischen Verbots, da es unbegründet ist. Moskau
droht im Falle der Weigerung Finnlands mit der
Absperrung der rujjijch-sinnischen Grenze.