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Der unartige Knabe.
kleines Engelskind, war aber bleich vor Käͤlte und zitterte
über den ganzen Körper. In der Hand trug er einen herr⸗
lichen Bogen, aber der war vom Regen völlig verdorben; alle
Farben auf den schönen Pfeilen liefen vor Nässe ineinander.
Der alte Dichter setzte sich an den Ofen, nahm den klei⸗
nen Knaben auf seinen Schooß, drückte das Wasser aus seinen
Locken, wärmte dessen Hände in den seinen nnd machte ihm
süßen Glühwein; da erholte er sich, bekam rothe Wangen,
sprang auf den Fußboden und tanzte rings um den alten
Dichter herum.
„Du bist ein lustiger Knabe!“ sagte der Alte. „Wie
heißt Du?“
„Ich heiße Amor!“ erwiederte er. „Kennst Du mich nicht?
Dort liegt mein Bogen! Glaube mir, damit schieße ich! Sieh,
nun wird das Wetter draußen wieder gut, der Mond scheint.“
Aber Dein Bogen ist verdorben!“ sagte der alte Dichter.
Das wäre schlimm!“ sagte der kleiue Knabe, nahm ihn
auf und besah ihn. „C, der ist völlig trocken und hat gar
keinen Schaden gelitten; die Sehne sitzt ganz straff; ich werde
ihn probiren!“ Dann spannte er ihn, legte einen Pfeil darauf,
zielte und schoß den guten alten Dichter grade in das Herz.
„Siehst Du wohl, daß mein Bogen nicht verdorben war?“
sagte er, lachte ganz laut und lief davon. Der unartige Knabe,
so den alten Dichter zu schießen, der ihn in die warme Stube
hereingenommen hatte, so gut gegen ihn gewesen war und
ihm den schoͤnsten Wein und den besten Apfel gab!
Der gute Dichter lag auf dem Fußboden und weinte; er
war wirklich gerade in das Herz geschossen. „Pfui!“ rief er,