Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

Nr. 83 
Zweites Blatt 
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U Schleswig-Holstein. 
Weilers provinzielle Nachricht«» siehe 1. Blatt r. Seite 
. ö§.. Zchierwig.şiolstelnlschèi' Propinzfallattdtag. 
Bericht der EtaLkoMmissisn. — Dis GeneraldsLaLLs. — Die Groß- 
f. HamLurg-Feage. >- Dis MirrderhsrLerrfrags. 
' w;. Kiel, 8. April. Die zweite Sitzung wurde 
^Mittags 3% Uhr durch den Vorsitzenden, Ober- 
^rgermeister Dr. Todsen-Flensburg eröffnet. 
'. Nach einigen Mitteilungen trat das Haus 
Weich in die Beratung des Jahresberichts für 
der Haushaltungspläne für 1926 und den da- 
^ gehörigen Vorlagen und Anträgen. Der Be- 
?Şerstatter der Etattommission, Landrat Dr. 
ņkacht-Heide führte dazu aus, daß die Befürchtung, 
fs werde für das laufende Jahr eine Steuer- 
î^ohung eintreten müssen, sich zwar nicht erfülle, 
aber falsch, zu glauben, daß die Finanzlage 
^Provinz sich gebessert habe, denn das Wegebau- 
à das Fürforgewesen stelle erhöhte Anforderun- 
Wenn die Steuer-Ansprüche sich nicht gestei- 
pl hätten, so liege dies auch daran, daß es ge 
igen sei, größere Ausgaben auf den außerordent- 
îhen ^tat zu verschieben. Die Schuldenlast sei 
Erdings auf 7 Millionen Mark gestiegen, und 
àsîênftehende würden sich vielleicht wundern, daß 
^ 3 Monaten eine Nachtragsumlage erhoben fei, 
Md nun ein Ueberschuß auf der Bildsläche er= 
Meine. Der Ueberschuß stamme aber aus dem 
öahre 1924. Dies komme daher, daß es erst vor 
Mzem gelungen sei, die damals vorgesehenen An- 
Aen unterzubringen. Seitdem der Ueberschuß 
^şektîo geworden, habe er eigentlich nur die Rolle 
Betriebsfonds übernommen, und es fei wohl 
I^lcht zu leugnen, daß ein solcher dringend nötig 
'îi. Wenn es mit einem Steuersatz von 16 Proz. 
solle, so müsse man hoffen, daß es gelingen 
^rde, die Dotation vom Staat in der vorjährigen 
böhe zu erhalten, vor allem auch aus der Reichs- 
Mtfahrzeugsteuer. Aus der Einkommen- und 
^?rperschaftsstsuer fei mit höheren Einnahmen 
11% 3n rechnen. Die Erhebung einer Nachtrags- 
Ņsîlage werde sich aber wohl vermeiden lassen. 
v' e Auswirkungen der Wirtschaftskrise seien in 
Provinz wir anderswo noch nicht überwun- 
îìì und nur langsam keime die Besserung. Da- 
habe man auch mancherlei Anforderungen 
Umstellen müssen. Die Kommission sei eben der 
??%, daß das Fürforgewesen durch Ausbau 
J Heiligenstedten gefördert werden müsse. Auch 
to' dem Gebiete der Kulturpslege seien die Mit- 
J ^schnitten, doch empfehle die Kommission, 
e Drittel für den Kulturfonds weiter zu bewilli 
gn 
v>eitş 
um die Kulturarbeiten in der Nordmark 
erzuführen. Ebenso empfehle sie die Vewilli« 
Wg von. 25 000 dl zur Erledigung der Vorarbei' 
eu für die Umwandlung des vom Staat Lber- 
e'umenen Kieler Schlosses zu einem Kultur- 
Tpìitelpunkt der Provinz. Was den außerordent- 
%en Etat betreffe, so stimme die Kommission 
^a. den Kleinbahnaàgen zu, und ebenso der 
.^Währung eines Darlehens an die Deichgenosten- 
Mst Neufelderkoog, weil man sehen müsse, für 
ņ 5 im Norden verlorene Land neues zu gewin- 
y.ņ. Start und Kreis müßten in diesem Falle 
jļJ* helfen, und das Reich niüfse Mittel für 
r. aere Landgewinnung gewähren. Bezgll Er- 
der Stammemlage bei der Heimstätte 
tzì ^viq-Holstcin von 260 000 auf 560 000 R-.lt 
'Einigung in der Etatstommissian nicht 
ģ man sei dafür, statt 300 000 Rstl 200 000 
tfjļļ Su bewilligen. Nach einigen weiteren Aus- 
Et^itgen empfahl Dr. Kracht die Annahme des 
ts mit den vorgeschlagenen Aenderungen. — 
w Leiter Berichterstatter der Eiatkommission 
leitete sich Landrat Niendorf-Pinncberg im 
^ über die LandesarSeitsanstalt in 
Er führte aus, daß für jeden der 150 
leimige ein täglicher Zuschuß von 2,40 R-K ge- 
fchx- î werden müsse, was unerträglich hoch er- 
Er sei desbalb von der aroßen Etatkom- 
noch SuirS' ! jA und 
sung. 
u er weite. 
, Sievcrs,. 
nebene f> tl 
»ohn. 
de-Z-tt.'"; 
Origi"^' 
S. 
iLSklk 
MNk:"' Er sei deshalb von der großen Etatkom- 
Oxj beauftragt worden, die Verhältnisse an 
tzxf^ ņd Stelle zu untersuchen, doch habe er nichts 
tzà' was abzuändern fei. Die Zahl der 
w w Se Hi eben zu klein, um größere Erträge 
sun "^Zîu. Früher habe die Anstalt 600 Jn- 
din_ beherbergt. Versucht werden müsse aller- 
foi 7.' ^en Zuschuß, der erforderlich sei, möglichst 
^ltrî^^îņgern.-. — Rechtsanwalt Dr. Peterseu- 
îtì^ņa» der Führer der Arbeitsgemeinschaft, 
. ^en Ausführungen von Landrat Dr. 
hh D . im allgemeinen zu, erklärte aber, daß er 
Han;, ^'-àre Veieil'gung an der Heimstätte bean- 
îh«rau? ķûsse. Er werde bei der Einzelberatung 
baßZurückkommen. Anerkannt werden müsse, 
M, Etat mit besonderer Strenge aufgestellt 
î^êsseru^ ^ênn an den Beamten zahlreiche Auf- 
men ^îgefuche unter Hinweis auf die Einkom- 
l«en Ņ Erwerbsleben Stehenden eingegan- 
!® e t S8 eo ’ şiien diese Vergleiche nicht zutreffend. 
Erwerbü^o habe sein festes Einkommen, der im 
ņ^hme dp °în Stehende aber nicht. Die bleber- 
Düsse abi'r ^îeler Schlosses sei zu begrüßen. Es 
Áe P ļ ein Dauerbesitz werden und nicht nur 
^rg-FxDtung auf 100 Jahre. In der Groß-Ham- 
Mtim,n?n nu '1 es letzt zu besorgniserregenden 
gekomm Wandsbek, Harburg und Mlhelms- 
r^^isse und es mache sich allgemein eine 
Audinna ' d^ņgslosigkeit bemerkbar. Die Be- 
^erden Hamburg ^inen Nachbarn zuteil 
Zündle es'fi’j' 1 ķeine freundliche, und anscheinend 
iS* richte besfiore l'. ne œo ^ beabsichtigte Politik. 
Bitte an die Staatsregie- 
' DandlunLen mit Hamburg zu be 
schleunigen, die technische Frage in den Vorder 
grund zu stellen und die Oefsentlichkei möglichst 
über den Verlauf zu unterrichten. Andernfalls 
werde größte Beunruhigung in weiteste Kreise 
getragen. — Parteisekretär Verdieö-Kiel (Soz.j 
wies darauf hin, daß in der Provinz Schleswig- 
Holstein und auch in seiner Vertretung, dem Pro- 
vinzial-Landtage, die verschiedensten Stände und 
Berufe vertreten seien, und da könne es nach der 
Meinung seiner Fraktion nicht angehen, daß der 
Landeshauptmann sich da, wo gegensätzliche Mei 
nungen in Frage kämen, sich einseitig einstelle. 
Es gebe in Schleswig-Holstein Leute, die der An 
sicht seien, die Eesamtvertreter der ganzen Be 
völkerung Zu sein oder die wenigstens den An 
schein erwecken möchten. Diese kleine Gruppe 
lehne er ab. Was den Etat betreffe, so sei das 
Resultat der Siebung der Ausgaben für die 
Finanzverwaltung ein schwerer Schlag, denn wenn 
es möglich geworden sei, die Provinzialsteuer von 
23 auf 16 Proz. zu senken, dann sei bei der Auf 
stellung nicht mit der nötigen Vorsicht vorgegan 
gen. Er vertrete weiter die Ansicht, daß der 
Etat stille Reserven enthalte, denn die Dotation 
vom Staat, wie auch die Ueberweisuugen aus der 
Reichseinkommensteuer mürd-en höher ausfallen, 
wie veranschlagt. Der Provinzial-Ausschuß werde 
hiermit nicht kritisiert, denn es könne ein Haus- 
haltchilan nicht beraten werden, wenn die Unter 
lagen ntzht rechtzeitig zur Stelle seien. (Zuruf 
des Kommunisten Schlichting: Das ist so eine Art 
Buschklepperpolitik. Heiterkeit.) Im übrigen ha 
ben wir nicht die Absicht, bei den Ausgaben Strei 
chungen zu beantragen, doch werden wir auf Ein 
zelheiten bei der weiteren Beratung eingehen. 
In der Eroß-Hamburg-Frage hatten wir bis vor 
kurzem eine Einheitsfront; sie wird jetzt aber wohl 
in die Brüche gehen. Der Redner schloß mit der 
Erklärung, daß er dem Haushaltsplan nicht in 
allen Fragen beistimmen könne, und nach den 
Vorkommnissen in der letzten Zeit sei er nicht in 
der Lage, der Verwaltung volles Vertrauen aus 
zusprechen. — Landesinspektor Rhode-Kiel (Dem.) 
erklärte die Zustimmung seiner Fraktion zum Etat 
und gab erneut dem Wunsche nach einer öfteren 
Einberufung des Provinzial-Landtages Ausdruck. 
Wie nötig sie sei, zeige die Eroß-Hamburg-Frage. 
Auf alle Fälle müsse der Prooinzîal-Landtag, ehe 
sie entschieden werde, noch Stellung zu ihr nehmen. 
Was die Regelung der Minderheiien-Frage in 
Nordschleswig betreffe, so halte er es auch für 
glücklicher und bester, wenn die Staatsregierung 
sich nicht auf einen kleinen Kreis verlassen, son 
dern den Provinzial-Landtag gehört haben würde. 
Rur dieser sei die einzige Plattform, wo entschei 
dende Stellung genommen werden könne. In der 
Rheinprovinz habe es sich z. B. bei der Ruhrbe- 
setzung gezeigt, wie wirkungsvoll ein Provinzial- 
Landtag Stellung nehmen könne. 
Abg. Dr. Ahlmann-Kiel bezeichnete die Ver 
teilung der Provinzialabgaben auf die Städte 
nach der Quote des Reichseinkommensteueraufkom 
mens als ungerecht. 
Der kommunistische Abg. Druhn-Heide wollte 
zur Herabminderung der Arbeitslosigkeit die pro 
jektierte Pflasterung von 54 Klm. Provinzial- 
chaustee mit Kleinsteinen auf 140 Klm. herauf 
setzen. Mit den aus dem vorjährigen Etat über 
gesparten Reserven wünschte er die Arbeiten am 
Meldorfer und Elmshorner Hafen zu erledigen. 
Die Korrektionsanstalt in Elückstadt müßte auf 
gehoben werden. Die Ausgaben für Seelsorge in 
den Anstalten könnten gespart werden, diePastoren 
müßten diese Tätigkeit ehrenamtlich leisten. 
Oberbürgermeister Brauer-Altona bedauerte 
es, daß in den subtilsten Fragen der Provinz in 
den letzten Monaten die Einigkeit sehr gelitten 
habe. Wenn die Parteien in ihren Meinungen 
auseinandergingen, sei dazu wenig zu sagen. Im 
übrigen müsse aber eine gerade Linie gegangen 
werden, sonst würde noch mehr zerschlagen, als es 
in der letzten Zeit geschehen sei zum Schaden der 
Provinz. Zn dem Eroß-Hamburg-Problem könne 
dadurch leicht der alte Zustand wieder eintreten, 
daß in' Altona aufs neue die Stimmung aufkom 
me, sich Hamburg anzuschließen. Unmöglich sei 
auch auf die Dauer der Schwebezustand in dem 
Verhältnis Kreis Herzogtum Lauenburg zur Pro 
vinz. Wenn Kiel größere Abgaben an die Provinz 
leisten müsse als Altona, so könne Kiel sich dazu 
freuen, da es ein Zeichen dafür sei, daß Kiel er 
heblich größere Reichseinkommensteuerüberweisun- 
gen vom Reich erhalte. Erhöhtes Augenmerk fei 
auf die Dotationen zu richten, die von Jahr zu 
Jahr geringer geworden seien und eines Tages 
ganz aufhören würden, wenn nicht Vorsorge ge 
troffen werde. 
Damit war man am Ende der Generaldebatte 
über den Etat angelangt, und man trat in die 
Einzelderatrmg ein. Dabei kam es bei der Be 
ratung des Titels Kunst, Wissenschaft und Heimat 
pflege zu einer 
Debatte über die Minderheitenfrage. 
Die Debatte entstand infolge Angriffe der sozial 
demokratischen Fraktion auf den Schleswigholstei- 
nerbund in Verbindung mit der Mîàrheitetl- 
ļŗagķ, A . , V/bA,, 
Sprecher war Stadtrat Haberlandt-Flens- 
burg, der dem Schleswigholsteinerbund keine Zu 
wendungen in dem vorliegenden Etat machen 
wollte und bei der Gelegenheit wieder den Ge 
danken der kulturellen Autonomie, für den nun 
einmal die sozialdemokratische Partei nicht das 
wünschenswerte Verständnis aufzubringen vermag, 
bekämpfte. Weiter führte Haberlandt aus, feine 
Fraktion habe nicht mehr das Vertrauen in den 
Schleswighalsteinerbund, daß er in derselben neu 
tralen und kulturfördernden Art weiterarbeiten 
werde, wie er cs bisher getan habe. In den letzten 
Monaten hätte man gesehen, daß sich der Bund auf 
das Gebiet der Parteipalitik habe leiten lasten. 
Die Lösung der Minderheitenfrage, wie sie die 
Staatsregierung durch ihren Erlaß getroffen habe, 
fei geeignet, Ruhe und Frieden in die Grenzmark 
zu bringen. Wenn der Schleswigholsteinerbund 
Leute wie den Landtagsabg. Milberg, der zur Sa 
botage des preußischen Erlasses aufgefordert habe, 
nicht abschütteln würde, habe man kein Zutrauen 
zum Bund. Eine ähnliche Einstellung habe man 
bei Landrat Rogge wahrgenommen. Gleichfalls 
kritisierte der Redner, daß Prof. Dr. Scheel in 
Deutschland umherreise, um „parteipolitische" Re 
den zu halten, worunter die wissenschaftliche Ob 
jektivität leide, die ihn für den speziellen Lehrstuhl 
auszeichnen müsse. Durch ein Zurückverlangen der 
Königsaugrenze reize man den ständig kampfbe 
reiten dänischen Chauvinismus, den man nur zum 
Schweigen bringen könne, wenn man ihm keine 
Angriffsfläche biete. 
Oberbürgermeister Dr. Todfen wies die An 
griffe zurück, indem er entschieden ablehnte, daß 
sich der Bund parteipolitisch betätigt habe. Die 
Verfechter der Kulturautonomie stammten gerade 
aus dem Kreise des ehemaligen Friedensvereins, 
dem man wahrlich keine Verbindung mit den 
Dentschnationalen nachsagen könne. Er erklärte 
das Wesen der kulturellen Autonomie und betonte, 
daß sie in keiner Beziehung eine parteipolitische 
Frage sei, sondern eher eine Zweckmüßigkeitsfrage. 
Uebrigens habe man sich in den meisten Minder 
heiten rings in Europa für die Kulturautonomie 
entschieden. Man müsse bedenken, daß wir im Ab 
wehrkampf stehen gegen ein Dänentum, das mit 
einem enormen Aufwand von reichsdänischen Mit 
teln gehalten wird. 
Abg. Dr. Petersen-Altona bezeichnete die Kul 
turautonomie als das freiheitliche Prinzip in dem 
Minderheitenproblem. Wenn jetzt Parteipolitik 
hineingetragen sei, so habe die Linke viel Schuld, 
weil sie sich — verständlicherweise — vor die Män 
ner der Regierung stellen müsse, die die staatliche 
Regelung getroffen hätten. 
^ Abg. Dr. Rasmuß-Kiel bemerkte, die Deutsch 
nationale Vslkspartei habe garnichts mit dem 
Schleswigholsteinerbund zu tuil.' Seine Partei be 
kämpfe dre derzeitige Grenze als einen unmöglichen 
Zustand für ein ungedeeltes Schleswig-Holstein. 
Nachdem noch einige Redner zu dem Thema 
gesprochen, aber keine neuen Momente hineinge 
bracht hatten, verließ man Liesen Punkt. Die 
Sitzung wurde damit geschlossen und auf Freitag- 
vormittag 10 Uhr vertagt. 
* * * 
Siedlung Lockstedter Lager. 
Lockstedter Lager, 8. April. Die Reichsfinanz 
verwaltung und das Preußische Landwirtschafts 
ministerium werden, Anregungen des Reichstags- 
abgeordneten Thomfen-Struckum und des Bevoll 
mächtigten des Reichsrats Dr. Schifferer folgend, 
sich demnächst mit der Siedlungsangelegenheit 
Lockstedter Lager besassen. Es handelt sich zunächst 
um die Uebernahme der Siedlung vom Reich durch 
Preußen. Preußen ist bereit, 40 v. H. der ihm 
zustehenden Erundschuldwerte zu zahlen. Die da 
durch ersparten sechzig Proz. sollen dazu dienen, 
den Siedlern zu helfen. Es wird weiter über die 
Frage einer einmaligen Unterstützung der BaltiM- 
mer in der gleichen Weise, wie dies durch Preußen 
für die Ostsiedler geschehen ist, verhandelt. Rach 
Mitteilung eines Regierungsvertreters im Sied- 
lungsausschuß des Preußischen Landtages stehen 
die Verhandlungen unmittelbar vor dem Abschluß. 
* * * 
Die Ölbohrungen im Kreise Plön. 
Plön, 8. April. Der Kreisausschuß für den 
Kreis Plön ermächtigte den Landrat zum Abschluß 
eines Mantelvertrages mit der Frau Pastor be 
treffend die Förderung von Oel und Erdgas. Den 
Grundeigentümern, die Verträge abschließen wol 
len, wird empfohlen, diese Verträge nur in der 
Fassung zu schließen, wie sie dem Kreisausschuß 
vorgelegt wurde. 
PinneSerg, 8. April* Zur' Teilnahme an dem 
Kriegertag in Pinneberg am 20. Juni werden 
sämtliche Altveteranen Schleswig-Holsteins und 
Hamburgs aus den Kriegen von 1848-51, 1864, 
1866 und 1870-71. aufgerufen. Sie werden zu 
Wagen an dem historischen Feftzug teilnehmen. 
Oldenburg i. H., 8. April. Z« der Stadtkolle- 
giensitzung am Mittwoch teilte der Vorsitzende mit, 
daß die Rotstandsarbeiten im letzten Rechnungs 
jahr im allgeminen beendet sind. Für die Auf 
nahme neuer Notstandsarbeiten ist bei der Re 
gierung eine weitere Beihilfe für 500 Tagewerke 
beantragt worden. Der Realschul-Zweckverband 
hat den geplanten Ausbau zur Vollanstalt vorläu 
fig zurückgestellt. Es wurde beschlossen, falls der 
Kreis die hiesige Realschule übernimmt, ein Vier 
tel des Unterschusses, zurzeit etw 9500 Jl jährlich, 
als Vorschußbelastung auf die Stadt zu überneh- 
nien. Der Haushaltsplan für das Jahr 1926 
wurde nach kurzer Beratung abgelehnt. Dis Koi- 
SonnabenVtz 
10. AprtK 
legien erkannten die Notwendigkeit der ErfüllvM 
der Ausgaben an, hielten die vorgeschlagE 
Steuerbelastung aber für untragbar. Im ähä 
chen Sinne haben sich auch die Vertreter der Ä8o, 
rufsverbände ausgesprochen. Wenn nicht nsH- 
andere Wege gefunden werden, ist damit zu reHk 
nen, daß die Regierung die ZwangsetatisterurH 
vornimmt. Ter Magistrat wird noch ermächtig^ 
die Steuern in der bisherigen Höhe vorläufig weî« 
tsr zu erheben, und die Ausgaben im RahmcK 
des bisherigen Haushaltsplans zu leisten. 
Glashütte, 8. April. Als Leiche anfgefundcS 
worden ist der vor ungefähr fünf Wochen im £#* 
nachbartrn Duvenstedt verschwundene ArbeitsS 
Vvrnemann. Ruderer bemerkten ihn im Wasssr 
treibend bei der Schleuse in Wohldorf. B., des 
etwa 60 Jahre alt und unverheiratet ist, dürjw 
in einem Anfalle von Schwermut den Tod in de« 
Alster gesucht haben. 
yu. Aumühle in Lanenburg, 7. April. Rlu» 
tiger Kampf mit einem Einbrecher. Zn der letz» 
ten Nacht drang ein Einbrecher in die Villa eines 
hiesigen Rechtsanwalts und erbeutete zwei wert 
volle Fahrräder. Als der Dieb von dem Gemein» 
debeamten in Wohltorf verhaftet werden sollt«, 
warf ersterer die Räder vor die Füße des Beaşş 
ten, so daß dieser zu Fall kam. Jetzt wurde deß 
Verbrecher von dem großen Polizeihund des Wäch» 
ters gepackt, der dem treuen Tier die Kehle durch 
schnitt und die Flucht ergriff. Hierauf feuerte dee 
Beamte auf den Dieb, der durch Brust- und Dein» 
schuß schwer verwundet wurde und dein Hafen« 
krankenhaus zugeführt werden mußte. Derselbe 
ist wegen Einbruchsdiebstahl bereits wiederholt 
mit Zuchthaus vorbestraft. 
Kirchbarkau, 8. April. Unfall. Am Mitt» 
wochnachmittag ging das Fuhrwerk des Landman 
nes Muxfeldt aus Fiefhusen bei Kirchbarkau in 
der Nähe der Ziegelei Moorsee durch. Die das 
Fuhrwerk führende Ehefrau Mupfeldt verlor die 
Gewalt über das Pferd, stürzte vom Wagen und 
zog sich einen Doppelknöchelbruch des rechten Beines 
zu. Der stark beschädigte Wagen fand sich. in 
Schlüsbek an, während das rasende Pferd später 
in Fiefhusen aufgehalten wurde. 
n. Heide, 8. April. Zwangsinnung für das 
DamenfchneidcrgewerSe. Nachdem die Mehrheit 
der beteiligten Gewerbetreibenden sich für die Ein 
führung des Beitttttszwangs erklärt hat, hat der 
Regierungspräsident die Errichtung einer Zwangs« 
innuna für das Damenschneidergewerbe für den 
Kreis Norderdithmarfchen mit dem Sitze in Heide 
angeordnet, dem alle Damenschneider des Bezirks 
angehören. 
fp. Heide, 8. April. Denkmalsweihe. Dem 
am 10. April in Heide verstorbenen Schulrat Röß 
ler stiftete die norderdithmarscher Lehrerschaft ein 
Denkmal mit pasfeàr Inschrift. Unter großer 
Beteiligung der Lehrerschaft erfuhr das Denkmal 
seine Weihe. — Heidrbrand. Riesige Rauchwolken 
im Süden wiesen auf einen Wald- und Heide 
brand hin, der zwischen St. Michaelisdonn und 
Dingerdonn wütete. Die Entstehung wird auf 
Funkenflug einer Lokomotive zurückgeführt. Der 
Sachschaden soll bedeutend sein. 
gx. Rorderheistedt (Kr. N.-Dithm.), 7. April. 
Unfall. Einen schweren Unfall erlitt vor einigen 
Tagen der Landmann Friedrich Rahn. Derselbe 
war beim Düngerfahren und hielt mit den Pfer 
den in der Düngergrube. Die Pferde wollten 
nicht anziehen und drängelten hin und her. Hier 
bei kam N. zwischen Düngerhaufen und Fuhrwerk 
und zog sich einen schweren Knochcnbruch der linken 
Schulter zu. 
rg. Ticbcnsee, 8. April. Beinahe ertrunken 
wäre der fast zweijährige Sohn eines hiesigen 
Gastwirtes, wenn nicht ein Bahnbeamter das 
klägliche Schreien des Kindes vernommen hätte.! 
Das Kind war in einem unbewachten Augenblick 
den Enten ins Wasser nachgelaufen.! 
Itzehoe, 8. April. Der Ausbau der Kaiser- 
Karl-Schule. Die letzte Kollegiensitzung beschäf 
tigte sich mit der Frage der Uebernahme einer Ver 
pflichtung bezüglich des Ausbaues der Kaiser-Karl- 
Schule. Die Verhandlungen mit dem Provinzial- 
schulkollogium und dem Ministerium sind noch nicht 
abgeschlossen worden. Die Kollegien beschlossen, 
eine Kommission zu ernennen, die sich aus dem 
Bürgermeister, dem Beigeordneten und Studien 
direktor Mähl stadtfeits zufammetrgesetzt, zu der 
noch der Kreis Vertreter stellt. Die Kommission soll 
mit den in Frage kommenden Schulbehörden ver 
handeln und die Vorschläge der Stadt unterbrei 
ten. Die Kommission soll zunächst in Schleswig 
und später in Berlin verhandeln und zwar mit dem 
festen Angebot der Tragung der Einrichtungs 
kosten und der zur Neüeinstellung im Lehrkörper 
der Schule durch die Stadt erforderlichen Mittel, 
sowie dem Aufwertungsvorschlag. 
wu. Umgegend Vredstedt, 7. April. Schweren 
Schaden. Dem Landmann Peter Volquardsen in 
Büttjebüll verendete, gleich nachdem sie ein Füllen 
zur Welt gebracht hate, eine fünfjährige Elite- 
Stute. Dieselbe war im vorigen Jahre der Aus 
stellung der Deutschen Landwirtschafts-Gefell- 
schaft in Stuttgart zugeführt und wurde dort auch 
mit einem Preise ausgezeichnet. Volquardsen ist 
also durch das Verenden des prächtigen unversi 
cherten Tiere ein ganz erheblicher Schaden erwach 
sen. .— Arbeiterentlassnngen. In diesen Tagen 
wurden im Mergelschacht bei Dörpum 30 größten 
teils hiesige Arbeiter entlassen, so daß die Zahl 
der Erwerbslosen sich daurch wieder etwas erhöht 
Taöketten 
In allen Apotheken u. 
Drogerien Mk. 1,— 
ff
	        
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