Full text: Newspaper volume (1926, Bd. 2)

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ìîe Unterbringung der Leiter und Lehrer bisher 
taatllchsr Lehrerbildungsanstalten eine unanfecht 
bare rechtliche Grundlage bietet, die Lehrerbild- 
ìîr nötigenfalls auch ohne ihr Einverständnis in 
stellen des nichtstaatlichen öffentlichen Schul- 
tienstes einzuweisen. 
, Es muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, 
daß die Gültigkeit des Gesetzes im Prozeßwege be 
ritten und feine Anwendung dadurch um Mo 
nate verzögert wird. Da aber mit Rücksicht auf 
Jc n bevorstehenden Beginn eines neuen Schuljah 
rs mit seinen besonders zahlreichen Neubefetzun- 
erledigter Schulstellen auf unverzügliche Durch 
führung des Gesetzes der größte Wert gelegt wer 
den mutz, so hält das Staatsministerium in diesem 
Hall die Anwendung des § 8 Abf. 2 der Wartegeld- 
derordnung vom 26. Februar 1919 für erforder 
lich, um die Lehrerbilder durch Staatsministerial-- 
befchlutz zur Annahme von Stellen im nichtstaat 
lichen Schuldienst zu verpflichten. 
* * * • 
*+ Der Verein ehem. 84er in Rendsburg hielt 
ton 10. d. M. feine Monatsversammlung ab. Als 
stimmberechtigte Abgeordnete für die Tagungen 
des Kreiskriegerverbandes am 15. und 16. Mai in 
Tchülldorf wurden die Kameraden Knoop und 
Holzheu gewählt. Außerdem werden sich an den 
Veranstaltungen in Schülldorf viele Kameraden 
des Vereins mit der Fahne beteiligen. Von einem 
Kameraden ist für die Teilnehmer ein Fuhrwerk 
in kameradschaftlicher Weise unentgeltlich zur Ver 
fügung gestellt worden. Zur Unterstützung des 
Denkmalsfonds soll eine Zeichnungsliste den Mit 
gliedern durch den Vereinsboten vorgelegt wer 
ben. Von Nichtmitgliedern aus dem Kreise wird 
der Kassenführer Holzheu, Grüne Straße 1, wei 
tere Spenden entgegennehmen. An der am 10. 
und 11. Juli d. I. in Schleswig stattfindenden 
Denkmalsweihe zu Ehren der Gefallenen des Jnf.- 
Neg. von Manstein, Schleswigfches Nr. 84, ver 
bunden mit einem zweiten Regimentsappell, wird 
der Verein ebenfalls recht stark mit seiner Fahne 
ieilnehmen. 
* Warnung vor Annahme beschädigter Nenten- 
bankscheine. Der Nachrichtendienst der Deutschen Ren- 
'»nbank teilt mit: „Seit einiger Zeit kommen in 
Berlin echte Rentenbankfcheine zu 8 Rentenmark vor, 
^ie durch Abschneiden oder Herausschneiden senkrechter 
streifen beschädigt und durch angeklebte oder überge 
klebte Papierstreifen ergänzt worden sind. Vielfach 
u>ird dazu schwarzes, leinenartiges Papier (Kaliko) 
verwendet. Das Publikum wird ersucht, die Annahme 
sicher zu Fälichungszwecken beschädigten Scheine zu 
verweigern und von ihrem Vorkommen die nächste 
^vlizeidienststelle zu benachrichtigen." 
* Neugestaltung der deutschen Münzen? Eine 
vollständige neue Reihe der heutigen deutschen Münzen 
die staatliche Porzellanmanusaktur auf Grund 
^'er reichen Erfahrungen auf dem Gebiete der Münz- 
şşstìaltung geschaffen. Die Handelskammern führen 
in einer Eingabe an das Wirtschaftsministerium 
a , Us > daß hier der Versuch gemacht worden sei, mit 
^iner einheitlichen künstlerischen Durchbildung der 
eutschen Münzreihe Ernst zu machen. Das Mini'ste- 
r>.-m wird gebeten, sich dafür einzusetzen, daß die 
^ntwürie einer Neugestaltung unserer Münzen zu» 
Srunde gelegt werden. Es ist oft darüber geklagt 
worden, daß unsere Münzen und Banknoten häßlich 
Md ohne künstlerischen Geschmack wären. Hoffentlich 
bi hier nun wirklich etwas Wertvolles geschafsen 
worden. 
*8 Volksbühne. In Kiel wird flkr den Monat 
Juni ein deutjch-jchwedifches Muistkfest vorbereitet, das 
soll heißen: Schleswig-Holstein, als Völkerbrücke zum 
Norden, erstrebt. nicht nur wirtschaftliche, sondern auch 
geistige Anknüpfung mit den stammverwandten skan- 
dinavifchen Völkern. Da wird es besonders begrüßt 
werden, daß unsere Volksbühne einen der größten 
schwedischen Künstler, Sven Scholander, den Freund 
Sven Hedins, für Rendsburg gewonnen hat. Durch 
die geringen Eintrittspreise ist auch unserer Jugend 
der Besuch der Veranstaltung ermöglicht. Das „Acht- 
Uhr-Abendblatt" schrieb über Scholander: „Seine 
schöne und klare Stimme und die im Ernsten und 
Heiteren gleich eindringliche Art seines Vortrages 
gewannen auch diesmal die Herzen im Sturm. Es 
war ein genußreicher Abend und des Jubelns kein 
Ende." — „Nationaltidente" in Kopenhagen urteilte: 
„Seine künstlerische Energie ist so unverändert, daß er 
im Scherz wie im Ernst während des ganzen Abends 
die Stimmung fest und die Sinne gefangen hält. 
Zum Schluß Jubel und Begeisterung." 
*A Frische Milch in den Vahnwirtschaften. 
Auf Veranlassung der Hauptverwaltung der Deut 
schen Reichsbahngesellschaft wird den Bahnwirten 
jetzt die Bereithaltung frischer Milch zum Ver 
kauf an Reisende zur Pflicht gemacht. Demgemäß 
wird § 18 der Allgemeinen Bedingungen für die 
Verpachtung der Bahnwirtschaften dahin abgeän 
dert, daß darin hinter Teee noch „frische Milch" als 
alkoholfreies Getränk besonders aufzuführen ist. 
*4- Vom Lyzeum. An. Stelle von Frl. Stu 
dienassessor Cremer-Kiel ist Frl. Studienassessor 
Hedwig Gerling-Elmshorn an das hiesige städtische 
Lyzeum berufen. * 
Billige Sonderzüge nach Düsseldorf zum Ve 
such der „Eefolei". Die Reichsbahnverwaltung 
wird Mr die Besucher der vom Mai bis Oktober 
stattfindenden Großen Ausstellung Düsseldorf 1926 
(Gesolei) eine Reihe von Sonderzügen mit 331- 
Proz. Fahrpreisermäßigung verkehren taffen. Sol 
che billigen Sonderzüge sind zunächst von folgen 
den Städten vorgesehen: Berlin, Breslau, Dres 
den, Frankfurt a. M„ Hamburg, Hannover, Kö 
nigsberg i. P., Karlsruhe, Kassel, Leipzig, Magde 
burg, München, Nürnberg, Oldenburg und Trier. 
Der Zeitpunkt des Verkehrs wird noch bekannt ge 
geben. Bei vorhandenem Bedürfnis und unter 
der Bedingung, daß sich mindestens 400 Fahrtteil 
nehmer melden, können Sonderzüge mit Fahr 
Preisermäßigung auch von jedem anderen beliebi- 
gen Ort veranstaltet werden. 
Besondere Hinwerfe. 
Diese Rubrik dient zur Unterstützung von Anzeigen 
Die 77 mm breue Reklamezeile wird zum ermäßigten 
Preise von 40 berechnet. * 
(Ohne Verantwortung der Redaktion.) 
^ Klavierabend in Rendsburg. Am kommenden 
Freitag (16. April) gibt der in Rendsburg bereits 
bekannte Pianist Herr Willy Krüger in der Aula des 
Seminars einen Klavierabend. Der Künstler, dem 
ein guter Ruf voraufgeht, wird in diesem Konzen 
besonders feine Kunst im Improvisieren zeigen. Kar-, 
ten à M 1.— sind bei Alüers, Barlach und im Musik 
haus Rumohr zu haben. 
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Zerschneiden Sie bitte eine 
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und hauchen Sie recht warm auf den in die hohle 
Hand geschütteten Tabak. Dann wird sich der milde 
Duft entwickeln, der die Marke Sascha für Dauer 
raucher besonders geeignet macht 
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Federn gefüllt à Gebe» 
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mit 2 Kiffen «. 16 Pfd. 
besseren gr. Federn ge 
füllt M. S3.-. 
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grau per Pfd. M.0.90 
und bessere 1.50, graue 
Haîbdamr.n oder gr. 
geschlißenr Federn P d. 
8.25, weiße Federn 4.50, 
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pte Frau 
von Dr. med. Paull 
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Abbild. Der Jnbalt 
klärt viele Fragen 
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leben, Schwangerfch., 
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und Porto. 
Richard Oschmann, 
Äsnstan, Nr. S31. 
Witterungsübcrsicht. 
Das von Südwesteuropa vorgestoßene Hochdruck 
gebiet hat sich über Mitteleuropa gelegt, wo nun 
ziemlich gleichmäßiger Luftdruck von 762 bis 768 Mm. 
herrscht. Infolgedessen ist die Luftbewegung hier 
überall schwach, die Zufuhr kalter Luft aus Norden 
und Nordwesten ist allmählich schwächer geworden, 
so daß die Sonneneinstrahlung uns bald Erwärmung 
bringen dürfte. 
Vorhersage: Schwache Luftbewegung, etwas 
wärmer, wolkig bis heiter, keine oder geringe Regen- 
fälle. 
Hamburg, den 12. April 1926. 
Deutsche Seewarte. 
Küchertifch. 
Mit dem 4. Band von Vrockhaus' Konversations 
lexikon ist der Ring von A bis Z geschloffen, und der 
Zauberstach hak seine volle Kraft gewonnen. Ange- 
lsgenhsrt eines loden Deutschen ist es, dom neuen 
Blockhaus in seinem Heim einen Ehrenplatz einzuräu 
men. Es ist auch wieder ein Genuß, durch Len Sval- 
tenwald des 4. Bandes fvas-iercnzugeben. Kunstvolle 
Tafeln, bunte und schwarze, ausführliche Karten und 
eine reiche Zahl trefflicher Uebersichten und Tabellen 
kesseln neben dem reich mit Bildern und Karlen aus 
gestatteten Text. Sport, Turnen und Tam sind, um 
aus der Fülle nur etwas su nennen, mit Tafeln sehr 
gut vertreten; such eine famose Uebersicht der Welt 
rekorde schürt zu dieser Gruppe. Jeder findet Beleh 
rung und Anregung, von welcher Seile, mit welcher 
Frage er auch kommen mag. Preis jedes Brockha-us- 
Bandes in Halibleinen geb. lg M, in Halbvergament 
geb. 26 M. 
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne. 
Rendsburg. Mühlenstr. 18. 
Berlagsleilung: Ru d o lf M ö l I er. 
Chefredaktion: Ferd. Möller. 
Verantwortlich für Leitartikel sowie Politik: F e r o. 
Möller, für Feuilleton sowie allgemeinen 
Teil: Adolf Eregori: für den wirtschaft 
lichen Teil: Dr. I o h a n n G osch ; für den pro 
vinziellen, örtlichen und sportlichen Teil: Karl 
Müller, alle in Rendsburg 
Traum. 
Heute nacht lag ich im Norden, 
Unb ein grauer Tag verschwand, 
Und, zum schönsten Traum geworden, 
Dehnte sich mein Heimatland. 
Und ich sah die Segel gleiten 
Auf dem abendlichen Strom, 
Und in halb verhüllten Weiten 
Lag die Stadt mit ihrem Dom. 
O wie da die Wälder sangen, 
Die ich längst nicht mehr vernahm, 
Und die alten Glocken klangen 
Wie im Märchen wundersam. 
Und das Wehr kam aus der Ferne, 
Und es dämmerte das Feld, 
Und die ersten, großen Sterns 
Zogen leuchtend durch die Welt . . . 
Hans Bethge. 
Berliner KrlÄerÄogeu. I 
Von Marie Harder, 
àfşchen dem Brandenburger Tor und der 
in iwyr^ en Botschaft steht ein blutjunges Ding 
àhenn * 7 0rm der Heilsarmee. Jedem Vorüber- 
^irt sie das gleiche Lied entgegen, das 
„ der Mitmenschen erzählt. Und die 
ftehnnw rührend zart, daß selbst die Eilig- 
i umhin können, eine Münze in die blanke 
Utzh s, êu tun. Ich stehe in einiger Entfernung 
e ’ daß tatsächlich die wenigsten ohne 
°iese à? vorübereilen. Was ist das? Vermag 
n Kinderstimme die Menschen weicher zu 
^ i Q der zehnmal belebteren Friedrich- 
rös ih:b en , .ņran demgegenüber beobachten, daß die 
a nb Steil» Verkrüppelten, die bettelnden Mütter 
’;? ,e uran sie kaum.zehn Schritte von- 
t m %n, en» r-l rn i ^gereiht findet, lange warten 
r lunge »/ch. ihnen eine Hand auftut. Und die- 
y? Büchs» ^Uşchenkind hier kann bald mit gefüll- 
./ahlen der Die mattgoldenen Licht- 
z ^staben de?°ņne brechen sich i n den gestickten 
r).8 e nen *oten Bandes um den erdwärts ge- 
^iĢlstrahipņ ; Hailsarmeemädchens. Diese 
a . sie überfluten die ganze Breite 
des lebendigen Pariser Platzes. Und plötzlich ist 
die Kombination die einfachste der Welt: die 
Großstadt feiert Frühlingsanfang. So etwas öff 
net aber nicht nur die Herzen, sondern sichtlich 
auch die Taschen der Menschen. 
4- 
Am Oranienburger Tor geben die Akenschen 
Fünfzigpfennigstücke hin, um Jolly, den Hunger 
künstler, bestaunen ju können, der sich seit Ende 
Februar von Zigaretten und Selterwasser nährt. 
Die vierundvierzig Tage, die er sich zu hungern 
vorgenommen hatte, gehen ihrem Ende entgegen. 
Eine Zeitung weiß, daß er 30 vom Eintritts 
geld bekommt und schon fünfziglausend Mark ver 
dient hat mit. . . . Hungern. Und die ärmsten 
Großstädter, die auch nicht gerade gut ernährt aus 
sehen und durch Jahre das Hungern kennen, sie 
staunen den Mann im Glaskasten an, als sei der 
Teufel „Hunger" ein unbekannres Phänomen. Und 
seit Jolly haben es vier oder fünf Menschen ver 
sucht, in Berlin durch Hungern ihr Brot zu ver 
dienen. Dann endlich har die Polizei „das Hun 
gern" verboten. 
•fr 
Wenn an den Wochentagen nach sieben Uhr 
die Lampen der Geschäfte nacheinander verlöschen 
und es in den Straßen stiller wird, stiller und 
dunkler, dann sieht man im Norden der Stadt um 
einen Torbogen Glühbirnen in allen Farben, wie 
sie ein großes Plakat umkränzen. Unwillkürlich 
bleibt man stehen und liest: „Heute großer Wit- 
weuball! Aeltere Jugend! Nur Rundtänze! 
Rauschende Ballmustk! Stimmung von Anfang 
bis zum Schluß! Jeder amüsiert sich wie noch nie 
in seinem Leben." 
Dieses Schild ist jeden Sonnabend nicht nur, 
sondern dreimal in der Woche erleuchtet. Dreimal 
in d. Woche vergnügt sich hier die Berliner „älte 
re Jugend". Und der Zustrom ist nicht gering, wie 
man feststellen kann, wenn man sich die Zeit läßt, 
hier zwanzig Minuten zu stehen. Frauen und 
Männer in gleicher Zahl gehen durch den Torbogen 
auf den im Garten liegenden Tanzsaal zu, aus dem 
es beim Oeffnen der Türe bis auf die Straße 
dringt: „Die Mädchen von Java, die sagen nie 
mals nein . . 
Dem Schloß gegenüber fällt einem Menschen 
der Stack aus der Hand. Scheinbar kann er sich 
nicht bücken; denn er streckt wie hilflos die Arme 
von sich, während ihm der Kops imn auch seitwärts 
fällt und die Akütze neben den Stock zu liegen 
kommt. Ehe noch jemand zupackt, liegt der Mann 
auf dem Boden, krampst die Hände zusammen wie 
in der Epilepsie und hat schnell eine Monschenschar 
um sich. Ein Jüngling kommt schon mit einem 
Glas Waffer, andere tragen den Kranken ein Stück 
zur Seite und legen die Mütze und den Stock neben 
ihn. Nun kommt er schnell W sich, richtet sich gegen 
die nächste Hauswand halb hoch und hält bittend 
seine Mütze hin. Niemand hat bemerkt, daß es sich 
um einen besonders geschickten Simulanten han 
delt, der im Handumdrehen etliche Silberstücke in 
seiner Mütze hatte, sich fünf Minuten besinnt und 
dann weiter marschiert, um seine Komödie eine 
Straße weiter neu zu inszenieren. Der Kassen 
erfolg wird derselbe gewesen sein. 
* 
„Ich, der ehemalige Staatsförfter Jeczawitz, 
früher in Försterei Tiedmannsdors-Ostpreußen, 
war 30 Monate unschuldig im Gefängnis! Ein 
vierfacher Fehlspruch der Strafkammer in Brauns 
berg!" So verkaufte im Herbst v. I. ein Mann in 
der Uniform eines Forftbeamten eine Zeitung. 
20 4 kostete sie. Jeder kaufte. Und man konnte 
durch ein vierseitiges Blatt die Geschichte eines 
Försters lesen, der verurteilt wurde, weil er aus 
staatlichen Wäldern Holz für eigene Rechnung ver 
kaufte. Man gewann bei dem Studium seiner 
Ausführungen, in denen er immer wieder feine 
Unschuld beteuerte, durchaus nicht den Eindruck, 
daß er wirklich unschuldig sei. Es wäre allerdings 
nicht das erste Mal, daß ein Unschuldiger verur 
teilt wurde. Aber es gibt auch Schuldige, die sich 
unschuldig nennen. Jedenfalls: der Mann wurde 
damals seine Blätter reißend los. 
Run sah ich ihn wieder in den Berliner Stra 
ßen mit seinem Protestblatt. Und wieder ging es 
reißend weg. Wohl fünfzehn Minuten habe ich 
das beobachtet und dabei geschätzt, daß der Mann 
in der Stunde an die hundert Blätter verkauft. 
Macht an einem Tage ... in einer Woche . . . 
in einem Monat . . . 
Wie gesagt, im Herbst sah ich ihn zuerst. Wie 
lange er damals schon sein Blatt verkaufte, läßt 
sich nicht ohne weiteres feststellen. Jedenfalls 
wird der Mann eine gute Existenz durch diesen 
Blätterverkauf haben . . . Entlassener Gefange 
ner zu sein, ist immer eine Tragödie, an die zu 
wenig Menschen Lenken. Dieser aber ist arf- einen 
Ausweg gekommen, von dem man nicht recht weiß, 
ob man ihn robust oder tugendhaft neuncit soll. 
Auf jeden Fall aber ist so etwas nur in Ber 
lin möglich. 
Die Königin von England gegen die 
kurzen Röcke. 
Nachdem sich erst vor kurzem die Königin von 
Spanien als Modemoralistin betätigt hat, ist nun 
mehr auch die Königin von England diesem Bei 
spiel gefolgt und hat sich für ihre Frühjahrs- 
empfänge den Besuch von Damen mit kurzen 
Röcken verbeten. Um keine Mißverständnisse über 
diesen dehnbaren Begriff aufkommen zu lassen, hat 
sie verfügt, daß zwischen Rocksaum und Böden nur 
ein Abstand von 12 Zentimetern bestehen dürfe, 
während es bisher in der Eesellfchaft üblich war, 
diesen auf 45 Zentimeter auszudehnen. Die Lon 
doner Damenschneider haben sich die größte Mühe 
gegeben, ein Kompromiß zu erzielen, iàm sie 
zehn Zentimeter geschenkt haben wollten. Aber 
die Königin hat sich nicht erweichen lassen; sie ist 
der Ansicht, daß man der Mode schon genug Zu 
geständnisse gemacht habe. 
Besondere Hinweise. 
* 
Aus einem Liebesbrief. 
Für die Wurst, die Du mir gcfchickr 
hast, sage ich Dir meinen besten Dank. Zu meiner 
großen Freude stand unter dem Roman, worin 
Du dieselbe eingepackt hattest, „Fortsetzung folgt". 
In dieser Hoffnung verbleibe ich Dir Deiir treuer 
Max." 
Aus einem SWleransfatz. 
„Wie Darus die Germanen bedrückte." . . . . 
Varus nahm immer mehr, als er nötig hatte. Wenn 
er vierzig Zentner Roggen brauchte, dann forderte 
er von den Leuten achtzig. Die übrigen vierzig 
steckte er in seine Tasche. Mit Vieh machte er er 
àso. jjJ 
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