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Zweites BLaLt
Freilag,
4. fcil
von dieser Steuer neuerdings betroffenen Be
rufe, so meinte humoristisch der Redner, zur
schnellen Beseitigung der Gewerbesteuer bei.
In der Sozialpolitik sei es ein Fehler des
Bürgertums, daß es sich die Kontrolle über
dieses Gebiet habe entwinden lassen. Eine völ
lige Beseitigung der Sozialpolitik komme nicht
in Frage, doch müßten die Auswüchse beseitigt
werden. Die Arbeitslosenversicherung sei das
Schmerzenskind der Sozialpolitik. Statt der
bei der Schaffung deS Gesetzes angenommenen
Höchstzahl von 780 00V Erwerbslosen, sei man
zu einem Durchschnitt von 1,3 Millionen Er
werbslosen gekommen. In der inneren Ver
waltung der Arbeitslosenversicherung seien
sicher manche Ersparungen zu machen, denn
die Verwaltung habe im letzten Jahr 29 Milli
onen Mark mehr beansprucht, als im Etat
vorgesehen war. Es sei notwendig, die Dar-
lehnspslicht des Reiches zu beseitigen und die
Arbeitslosenversicherung selbständig zu ma
chen. Auch müsse man. ebenso wie man Er
satzkrankenkassen eingeführt habe, auch Ersatz
kassen für die Arbeitslosenversicherung schas
sen. Eine weitere dringend notwendige Re
form, über die schon viel gesprochen und ge
schrieben worden sei. iei die Staats- und
ReichSrcsorm. Sie werde aber nicht zu lösen
sein mit dem heutigen Parteigefüge. Tie
mittleren Parteien müßten sich zusammen
schließen und eine große deutsche Staatspartei
schassen, die praktische Arbeit leisten könne
und als Faktor neben der Sozialdemokratie
und dem Zentrum stehe. Bor der Schaffung
neuer Parteien sei zu warnen. Nur durch
Mitarbeit am Staate seien die Schaden zu be
seitigen, die das Staatsgebäude aufweise. — In
der Aussprache nahm Direktor Storck das
Wort und mahnte das Bürgertum zur Mit
arbeit und Opferfreudigkeit. Aus eine Frage
aus dem Zuhörerkreis bezüglich der Einfüh
rung des Arbeitssahres äußerte sich der Vor
tragende noch kurz. Er wies darauf hin, daß
durch das Aufhören der allgemeinen Wehr
pflicht allein eine Zahl von 900 000 Erwerbs
losen zu erklären sei. Wenn man ein Arbcits-
sahr einführe, so dürften rncht solche Arbeiten
ausgeführt werden, durch die in die Belange
der Wirtschaft eingegriffen werde. — Die gut
besuchte Versammlung wurde von dem Vor
sitzenden der Ortsgruppe, Ingenieur Balke,
geleitet.
* Die Freiwillige Sanitätskolonne von.
Roten Kreuz Rendsburg hat ihren Tätigkeits
bericht für das verflossene Fahr vom 1. April
1929 bis 31. März 1930 erstattet, dem wir fol
gendes entnehmen: Das Fahr 1929 kann wie
der als ein arbeitsreiches Fahr bezeichnet wer
den. Ter Krankenkraftwagen wurde viel in
Anspruch genommen. Tie ärztliche Tätigkeit
lag in den Händen des Kolonnenarztcs Me
dizinalrat Dr. Stölting, die Führung der Ko
lonne hatte der Kolonncnsührcr Blum. Tie
Kolonne, die- aus 40 aktiven Mitgliedern be
steht. sowie deren Einrichtungen, wurden 4477
mal in Anspruch genommen. Darin sind 977
Krankentransporte, 836 für die Stadt und 391
für den Kreis, enthalten. Fn 3.800 Fällen
wurde die erste Hilfe geleistet. Etz wurden 428
Verbände angelegt. 1.8mal wurde Hilfe gelei
stet bei Verbrennungen, 32mal bei Ohnmachts-
ansälken. 4 Sauerstoffbehandlungen wurden
mit Erfolg, 1 ohne Erfolg durchgeführt, 43
Massagen wurden ausgeführt. Tie Kolonne
wurde ferner zu Hilfe gerufen bei 4 Selbst
mordversuchen, 4 epileptischen Anfällen, 7
Krampfanfällen und 79 Nnglückssällcn. Sie
leistete 2.8mal Hilfe bei Geisteskranken, legte
346 kleinere Wundverbände an, nahm 1012
Umbcttnngen vor, stellte 27 Nachtwachen. Tie
Kolonne hielt 1l Uebungen im Gelände, 19
Uebungen im Ucbungslokal, davon 1 Nacht
übung und 1 Schwimmübung, ab. Alarmiert
wurde die Kolonne einmal durch den Kolon-
nenftthrer und einmal gemeinsam mit der
Feuerwehr. Die Kolonne besitzt an TranM-
vortmittcln 2 Krankenkrastwagen, von denen
der eine erst im Dezember 1929 in Dienst ge
stellt wurde, ferner einen pserdebesvannten
Krankenwagen. 2 fahrbare und 19 Handtragen,
1 Wiedcrbelebungsapparat und 1 neubcschasf-
ten Sauerstoffapparat. Tie Sanitätswache ist
am Tage mit 2 Mann, in der Nacht mit 1
Mann besetzt. Ferner sind 19 Unfallmelde-
stellen vorhanden. An Lehrgängen wurden
abgehalten 1 für die Mitglieder der Kolonne,
1 für die Betriebshelfer, an dem 20 Mann
teilnahmen. Der Kolonne ist eine Fngend-
grnppe angeschlossen, die aus 20 Mitaliedern
besteht. Fn 18 Fällen wurde non der Fn-
gendabteilung erste Hilfe geleistet. Die Jn-
gendabteilung kann aus das 6. Fahr ihres
Bestehens zurückblicken. Ans diesem Bericht
ist zu ersehen, wie segensreich die Arbeit der
Kolonne im Dienste des Roten Kreuzes ist.
*□ Strafsitzling des hiesigen Amtsgerichts
vom 3. April. In der heutigen Sitzung vor
dem Einzelrichtcr standen folgende Sachen
zur Verhandlung: Ein Arbeiter und ein
Händler lVater und Sohns ans Kiel hatten
sich wegen Diebstahls zu verantworten. Die
Angeklagten haben im Gehege der Gutsver-
waltung Kronsburg von bereits gefüllten
Blaufichten Spitzen und Zweige abgeschnitten,
um sie zu Kränzen zu verwenden. Sie wur
den dabei überrascht und festgenommen. Nach
Rendsburg, den 4. Aprrl 1930.
Altona. Nach der Annahme des Aoungplancs,
mit dem die Bereinigung der Westfragen dem
Ende entgegen geführt werden, so führte der
Redner aus. sei man an einem Wendepunkt
der Politik angelangt. Trotz vieler Bedenken
habe die Bolkspartei dem Aoungplan zuge
stimmt, weil er die Möglichkeit gebe, daß sich
die Außenpolitik nunmehr den Ostfragen zu
wenden könne. Eine starke Belastung seien
die Liquidationsabkommen, vor allem das Ab
kommen mit Polen, das die Landwirtschaft be
laste. Diesem Abkommen sei aus dem Gesichts
punkt zugestimmt worden, die Deutschen in
den Grenzgebieten zu erhalten. Nach dem Ab
schluß der Westfragen werde sich die Politik
nach dem Osten hin politische Ziele setzen und
zur inneren Liquidation des Krieges kommen.
Im Osten seien mancherlei Fragen zu lösen,
so bezüglich Ostpreußens, des Korridors,
Oberschlcsiens, des Anschlusses an Ocstcreich
n. a. m. In der Innenpolitik seien Reformen
nötig, vor allem wirtschaftlicher Art, finanz
politischer und steuerlicher Art, sozialpoliti
sche Reformen sowie staatsrechtliche und par
teipolitische Reformen. Die wirtschaftsyoli-
tische Lage sei trostlos und werde vor allem
gekennzeichnet durch die große Arbeitslosig
keit, von der etwa 10 Millionen Menschen be
troffen werden, und die Lage der Landwirt
schaft. Durch Sie mangelnde Kaufkraft der
Landwirtschaft werde daS ganze Wirtschafts
leben in Mitleidenschaft gezogen. Die Land
wirtschaft sehe in dem Polenabkommen eine
große Gefahr. Er halte diese Gefahr nicht für
w groß. In der Steuer- und Finanzpolitik
seien statt der von Hilferding versprochenen
Steuersenkung von 700 Millionen Mark nach
Annahme des Aoungplanes 700 Millionen
Mark neue.Steuern notwendig geworden. Nur
durch Drosselung der Ausgaben, auch der ge
setzlich festgelegten, könne man eine Aenderung
herbeiführen. Nach seiner Meinung sei es not
wendig, die indirekten Steuern in eine ge
wisse Relation zu den direkten Steuern zu
bringen, damit die Bemilligungsfreudigkeit ge
hemmt werde. Die Gewerbesteuer habe früher
eine gewisse Berechtigung gehabt, sei aber heu
te eine Sondersteuer, die man, anstatt sie abzu-
I bauen, auch aus die freien Berufe ausdehnen
wolle. Vielleicht trage die Beredsamkeit der
Großreinemachen.
Dst Lenzwnne flattert mit festfrohen Ņ'mpeln
llber Flur und Hain. Jubelnde Bogelsümmen sind
ihr Geleit. Mit ungezählten unsichtbaren Fäden
wirkt und webt und wundert es an Husch und Bach,
«n Daum uns Blatt. Neues Leben strebt aus win
terlicher Starre nach dem wärmenden Licht. De
dunkle Erde schmückt sich mit einem frischgrünen
Ģ^wand, und aus altersgenarbten Stämmen schie
nn junge Triebe, die die Baumkronen mit einem
wattgoldenen Filigranschleier überkuppeln. Es 'st.
Ps ob überall im All ein Eitelkeitstrieb erwacht
iH. als ob in der Natur ein Großreinemachen be
gonnen habe, das die lebten schmutzigen Schlacken
des W'nters wegfegen toll.
Auch 'n die sonst io stille Häuslichkeit ist dîeşe
Berjüngungswelle hereingeflutct. Wenn die Hellen
Sonnenstrahlen, die durch die Fenster lachen, eine
jugendhafte Freude daran hatten, mit vorwitzigen
Blicken in olle Winkeln und Ecken zu spähen und
dort nach Staub und Spinnweben zu schnüffeln
So dünkt es wenigstens die Hausfrau. Und dann
gkhi eines Morgens der Generalangriff auf alle
Uw'auberkeitsbazillen los. Nicht ein Stück ble-b-
on seiner Stelle. Alles wird verrückt, als ob Für
stenempfang zu erwarten wäre. Eme Welle von
Wasser und Seife spült die Schlacken des Winters
hinweg.
Angesichts des neuen Lebensmutes, den man
überall sehen und ffihlen kann, tut auch ein inner-
jsch<s^Großreinemachen not. Jeder von uns hat t,
ren W'nkeln keiner Gedankenaänae und Anichau-
ungen Verstaubtes und Muffiges liegen, das 'hn
wonchmal hemmt und unfrei macht. Dem will die
Frühlingslonne. deren reinigender Odem jetzt die
Ģrde überhaucht, zurufen: „Mick um dich nur mit
klaren, frohen Augen, dann macht auch dir die Welt
frohes Gesicht." Hab Sonne im Herzen, dann
. "n kommen, was auch kommen mag. du wirst nie
^ verzagen können, daß du an der Zukunft ver
zweifelst. Geh an ein Großreinemachen deines eig
nen IchZ, mirs zwecklosen Ballast über Bord und
d'r von der Wunderkraft der Lenffonne den
Stauben an dich und dein Tun einflößen.
* a »
die Archen- und Innenpolitik der
sn n 1 s ™ Bolkspartei nach Annahme deS
n^.ņgplanes sprach am Mittwochabend in
s» Hotel der Landcsvorsitzcnde der Deut-
àkR Volksvartei. Amtsrichter Dr. RŞe-
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