Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 2)

Ein Mites AmWeLen. 
Das Fußball-Länderspiel Oesterreich gegen 
England ebenfalls unentschieden. 
TU. Berlin, 14. Mai. Das Fußball-Län 
derspiel Oesterreich gegen England ging auf 
der Hohen Warte vor über 60 000 Zuschauern 
vonstatten und endete torlos 8 : 0, Die Eng» 
lander beendeten den Kampf wiederum mit 
nur 10 Mann, da Watson 10 Minuten vor 
Schluß verletzt ausscheiden mußte. 
Deutschlarrdflust des „G 33". 
Das Junkers-Flugzeug „©. 38" hatte an» 
Mittwoch einen längeren Werkstättenflug an 
getreten. An Bord befanden sich 20 Personen. 
Das Flugzeug flog mit einer Durchschnitts- 
geschwindigkeit non 13V Stundenkilometern. 
Bon den Flugteilnehmern wurde gesagt, daß 
man in dem Riesenflugzeug noch besser sitze, 
als im D-Zug. Man spüre lediglich das Vi 
brieren der Flugmaschine, während das Ge« 
räusch der sausenden Motoren kaum stärker 
sei, als in einem Auto. Im Tempelhofer 
Flughafen fand der Flug sein Ende. Es wur 
den insgesamt 1308 Kilometer zurückgelegt, 
also etwa die Strecke Berlin—Moskau. 
Ein Kleinlustschiff überquert die Ostsee. 
WTB. Malmö, 14. Mai. Das für die Stock 
holmer Ausstellung gebaute Seddiner Klein 
luftschiff traf heute nachmittag um 18 Uhr auf 
dem hiesigen Flugplatz ein. Die Fahrt ging 
von Stolp über Rügen der schwedischen Küste 
zu. Wie der Führer, Major von Stelling, 
mitteilt, ist die Fahrt zur 'vollen Zufrieden» 
heit verlaufen. Die Weiterfahrt nach Stock 
holm findet am Donnerstag statt. 
, Kurze WM. 
In einer italienischen Sprengstosfabrik 
ereignete sich eine Explosion von 600 Kg. Dy 
namit, bei der zwei Arbeiter getötet wurden. 
Auf der Landstraße von Urmitz nach Koblenz 
ist ein Personenkraftwagen gegen einen Baum ge- 1 
rannt. Eine Frau wurde auf der Stelle getötet. 
Ein Mann und ein Kind wurden schwer verletzt. 
Am 15. Mai wird der Nachtflugverkehr auf 
der Strecke Stockholm—Kopenhagen eröffnet wer 
den. Die Strecke wird mit Fahrzeugen der Fin 
nischen Luftfahrt-Aero 0./Y. beflogen werden. 
In den letzten 48 Stunden haben zwölf 
Ozeandampfer mit 14 OOO Passagieren Neu pork 
verlassen, um sich nach Europa zu begeben. 
Auf einer Gemäldeversteigerung in Lon 
don wurde ein Bild von Rembrandt für 
370 000 Mark verkauft. 
Belobte Ģnmà 
Musikverein. Auf das heute, Donnerstagabend, 
8 Uhr in der Aula der Aufbauschule stattfindende 
volkstümliche Konzert des Kantatenchors des Ver 
eins fei nochmals empfehlend hingewiesen. Es kom 
men Bolkslisderchöre zu Gehör, außerdem wird 
Studienrat Schubert einige Arien u. Lieder singen. 
Die Preise sind volkstümlich niedrig gehalten und 
betragen 0,50 R-lt und 1,— R°A, für Schüler und 
Lehrlinge 0,30 R-K. 
„Sie müssen bedenken, daß dieser Herr Reirr- 
hagen ein großer Sammler ist. Nicht nur so einer- 
'der aufstapelt. Er gilt als feiner Kenner, als Wis 
senschaftler. Dieser Geist muß şdem Ganzen ausge 
prägt werden." 
„Ich verstehe. Darum trennen Sie Wohnung 
und Sammlung?" 
Er war begeistert über ihr rasches Verstehe». 
„Ich habe lange geschwankt", gestand er. 
„Nein", sie fiel ihm ins Wort. „Sie müssen ge- 
trennt fein. Dieter Herr wird doch auch Familie 
haben. Er wird Gäste und Freunde bei sich empfan 
gen, die nicht nur gelehrte Sachen sprechen, die viel 
leicht nur plaudern und lachen wollen. Wenn man 
solche Sammlung toter Dinge in der Wohnung läßt, 
wird sie wie ein Gespenst sein." 
„Am hellen Tage sind Gespenster aber kaum zu 
fürchten." 
Sie trommelte nervös auf den Papieren. „Ich 
könnte mir denken, daß dies Gespenst allem Leben 
den den Atem nimmt. Denken Sie: eine ferne Ver 
gangenheit, die beständig in das Heute hinein- 
grinst!" 
„Sie reden sehr sagte er mit ehrlicher 
Bewunderung. Nie hatte er sich träumen lassen, 
daß man mit einer Frau über diese Dinge so reden 
konnte. 
„Also, es bleibt dabei", entschied sie sachlich. 
„Der Anbau muß einen anderen Charakter tragen, 
und darum muß der Grundriß hier geändert wer 
den." ^ 
Ihr Ciser steckte ihn an. Er blätterte die Pa 
piere durch. „Gedacht habe ich auch schon daran. Ist 
das nicht merkwürdig? Sehen Sie hier. Es ist nur 
eine Skizze, aber Sie werden es schon begreifen. Ein 
großer, ovaler Raum mit zwei Stockwerken, die Zwi- 
schendecke durchbrochen, so daß eine innere Einheit 
hergestellt ist." 
„Ich würde als Verbindung Wendeltreppen 
nehmen." 
„Ausgezeichnet. Sie nehmen wenig Platz fort." 
Er zeichnete in die Ecke ein paar Striche. „Da hätten 
wir die Wendeltreppe", meinte er lachend. 
Sie stimmte ein. „Wir bauen schnell und so 
lide." 
(Fortsetzung folgt.) 
Südbayern unter Hgchwaffergssshr 
Berlin, 14. Mai. In Südbayern ist durch die 
ununterbrochenen Rcgenfälle der legten Tage und 
die dadurch hervorgerufene neue Schneeschmelze im 
Gebirge Hochwassergefahr für Süd-Bay-rn einge 
treten. Nach der letzten Nacht liegen bereits von 
folgenden Flüssen Hochwassermeldungen vor: Bon 
der Iller bei Sonthofen und Kempten, vom Lech bei 
Lechbrück, von der Ammer bei Oberammergau, von 
der Loisach bei Garmiich. von der Iser bei Mitten- 
wald, Lengries und Tölz. 
Hochwasser am Ammerfee^ 
Schondorf a. Ammerfee, 14. Mai. Infolge der 
fortdauernden Regengüsse ist der Wasserspiegel des 
Ammerfees stark gestiegen. Seit Mittwoch ist Eching 
und dos Nordufer des Sees bedroht. In Eching 
haben die Wasiermaffen der ebenfalls Hochwasser 
führenden Windach schon den Eingang in die Häu 
ser gefunden, teilweise dringen sie bereits bei den 
Fenstern ein. Von den Zäunen blicken nur die 
Spitzen hervor. Die Scheunen aus Holz und Ziegeln 
geben langsam ihren Widerstand gegen die Gewalt 
des Wassers auf und werden davongetragen. Die 
Bevölkerung hat feit 20 Jahren keine derartige Ue- 
berflutung erlebt. 
Felssturz im Glarner Hausstock. 
Glarus, 14. Mai. Das ununterbrochene Regen 
wetter setzte den Kilchenftock tm Hausstock-Maffiv. 
von dem bereits im November 1928 Felspartien 
abstürzten, wieder in Bewegung. Ein größerer Ab 
sturz sperrte das rückwärtige Tal, so daß sich ein 
Stausee bildete. Ein Militäraufgebot wird zur 
Hilfeleistung erwartet. 
Wolkenbruch im südlichen Schwarzwald. 
Waldkirch (Baden), 14. Mai. Im Simonsrväl- 
der-Tal und dem anschließenden Elz-Tal ging heute 
nachmittag ein heftiger einstündiger Wolkenbruch 
nieder, dem ein mehrstündiger Dauerregen folgte. 
Die Elz führt infolgedessen riesige Wassermengen, 
die das etwa einen Kilometer breite Tal vollkommen 
unter Wasser gesetzt haben. Teilweise steht das Was 
ser über einen Meter hoch. Die Felder und Wiesen 
sind vollkommen verwüstet. Zahlreiche Bäume sind 
entwurzelt. Viele Häuser haben Schaden erlitten. 
Kleine Gebäude sind eingestürzt. Die Elztol-Bahn 
kann nur bis Waldkirch verkehren. 
Zwischen zwei Dammrutschstellen wurde der 
Pcrsonenzug eingeschlossen, 
der Freiburg um 4,13 Uhr verlassen hatte. Die Pas 
sagiere können nicht weiter befördert werden, da 
auf den überschwemmten Landstraßen kein Verkehr 
möglich ist. 
Hochwassergefahr auch iu der Schweiz. 
TU. Bafel, 15. Mai. (Eig. Funkmeldung.) 
Die Hochwassergefahr in der Schweiz hat wei 
ter zugenommen. An den Kulturen wurde be 
reits großer Schaden angerichtet. Im Gebiete 
des Thnner Sees ist die Beatenbergstraße 
und die Straße im Habkerntal unterbrochen. 
Die Lage in Blumenstein-Thun ist durch die 
Ueberschwemmung des Fallbaches und die 
starke Geschiebeznfuhr sehr bedrohlich. Auch 
aus dem Berner Oberland werden Verschüt 
tungen gemeldet, wo bei Lütschental die Bahn 
linie unterbrochen ist. 
Regenfälle und Ueberschwemmung 
iu Argentinie«. 
Buenos Aires, 14. Mai. Heftige Regen 
fälle in der Provinz Entre Rios haben weite 
Landstreckeu unter Wasser gesetzt und große 
Schäden angerichtet. Die Stadt Concordia ist 
isoliert. Viele Häuser sind schwer beschädigt 
und große Viehbestände ertrunken. Der Fluß 
Uruguay stieg an einem einzigen Tage um 
4 Meter und zwang die Anwohner, ihre Häu 
ser zu verlassen. An vielen Stellen sind die 
Eiseubahndämme zerstört und die telegraphi 
schen Verbindungen unterbrochen. Der Zug 
verkehr ist größtenteils lahmgelegt,- unter an 
derem wurde auch der Zug, in dem die frühere 
deutsche KrouNriuzefsin Cecilie von einem 
Ausflug zurückkehrte, wegen unterwaschener 
Gleise aufgehalten. 
Neue lotèfàî in Hofftet. 
Ratibor, den 14. Mai. Noch haben sich die 
Gemüter über die letzten Mordtaten im Kreise 
Ratibor nicht beruhigt, als schon wieder eine neue 
Mordtat bekannt wird. Der Auszügler Sedlatzek 
aus Silberkops (Kreis Ratibor) wurde heute früh 
durch den Gemeindevorsteher von Silberkopft auf 
dem Wege nach Mosurau im Straßengraben unter 
einer Karre Heu blutüberströmt tot aufgefunden. 
Blutspuren auf der Straße lassen vermuten, daß 
Sedlatzek, der am Dienstag abend mit einer Karre 
Heu sich zu feinem Schwiegersohn auf den Weg 
gemacht hatte, erschlagen und dann in den Stra 
ßengraben geworfen und mit Heu zugedeckt wor 
den ist. Die Rabiborer Kriminalpolizei und die 
Mordkommission begaben sich am frühen Morgen 
an den Tatort. Ein Arzt stellte fest, daß der Tod 
infolge Schädelbruchs eingetreten ist. 
WTB. Ratibor, 14. Mai. Auf Grund der 
polizeilichen Ermittlungen im Mordfall Sed 
latzek find die Brüder Nzodetzko unter drin 
gendem Tatverdacht festgenommen worden. 
Die beiden Brüder hatten von dem Getöteten 
vor mehreren Jahren das Haus samt Wirt 
schaft gekauft und wohnten mit ihm unter 
einem Dach. Ueber die Sedlatzek geschuldeten 
größeren Beträge in bar und Naturalien kam 
es wiederholt zu Streitigkeiten und schließlich 
zu offener Feindschaft zwischen den Parteien. 
Mit den Morden in Ratibor selbst hat die 
neue Bluttat anscheinend nichts zu tun. 
Rückblick auf das Leben Fridtjof Nansens. 
' Der Nordpolforscher, der Friedensfreund, der Gelehrte. 
Oben links: Von der Nordpolarexpedition 1895: Die „Fram" im Eisgürtel. Unten links: 
Nansen im Gespräch mit Lord Robert Cecil, dem früheren englischen Völkerbundsdelegier 
ten und Pazifisten, rechts: Im Gespräch mit Eckener bei der Vorbereitung des Nordpol- 
flugs des „Graf Zeppelin". Unten im Kreise: Eine Aufnahme Nansens nach der Rückkehr 
von seiner Expedition. Daneben feine Unterschrift. (Die Expeditionsbilder stammen aus 
dem Werk „In Nacht und Eis", Verlag Vrockhaus, Leipzig.) 
Paul Enderling 
§!f! »All, Mkl Hi 
Copyright 1929 by Karl Köhler u. Eo., 
Berlin-Zehlendorf, Machnower Sir. 24. 
6) (Nachdruck verboten.) 
„Unfall ist kaum das richtige. Es gab so eine 
kleine Störung, besser gesagt, eine Spannung. Und 
das Ganze verschafft einem doch einen Rausch, den 
man mit keinem anderen vertauschen möchte." 
„Nicht wahr?" fiel sie eifrig ein. „Es ist wie 
ein Schwung in die Lüfte." 
Er mußte lächeln. „Sie sprechen so begeistert. 
Sind Sie schon gefahren?" 
Sie blickte beiseite, als sie antwortete: „Hin 
und wieder." 
Es gab eine kleine Verlegenheitspause und 
dann kam ihre Frage: „Was sind Sie? Ich meine, 
wo arbeiten Sie?" 
„Wer sogt Ihnen denn, daß ich arbeite?" er 
widerte er vergnügt. „Am Ende lebe ich von mei 
nen Renten, von Spekulationen, von meinem Erbe? 
Vielleicht gehören mir die Häuser am Rand dieser 
grünen Insel, die einst ein Tiergarten war? Viel 
leicht faulenze ich auch?" 
„Nein", sagte sie bestimmt. „Sie arbeiten. 
Aber wo?" 
„Raten Sie, Fräulein Reichert." 
„Sie sind Architekt", antwortete sie. Als sie fein 
Erstaunen sah, fuhr sie fort: „Habe ich richtig ge 
raten? Es war nicht schwer. Sie haben doch Bau 
pläne in Ihrer Rolle oder nicht?" 
„Sie haben recht geraten. Meine Situation ist 
nicht ühr romantisch. Ich arbeite halbtags bei Archi 
tekt Vordeck — Sie werden ihn vielleicht kennen. 
Die Zeitungen sprechen ja oft genug von seinen 
Vorträgen. Und von morgen ab spiele ich ein biß 
chen in einer Bar. Ja. auch das müssen Sie wissen. 
Sind Sie nun sehr enttäuscht?" 
„Nein", sagte sie lächelnd. „Wie sollte ich?" 
„Glaàn Sie mir denn auch?" 
Sie iah ihn fest an. „Ich glaube Ihnen und ich 
wußte auch vorher, daß Sie mich nicht belügen wür 
den." 
Er verr'ünschte die Leute ringsum, dieie auf 
geputzten Damen, diese Spreewäldevinnen, die aus 
sahen, als kämen sie von einem verspäteten Mas 
kenball, diese lärmenden, ungezogenen Bälge, die 
diese Stunde mrt ihrem Geschrei und Gequäk erfüll 
ten. Und nun nahm noch gar ein älterer Herr, dem 
man den pensionierten Beamten schon an der Nase 
ansah, auf ihrer Bank Platz. 
Man konnte ja aufstehen und ln eine dieser 
stilleren Partien gehen. Aber er wagte nicht, den 
Vorschlag zu machen. Er schien ihm irgendwie nicht 
zu Johanna Reichert zu passen. 
Sie sah sich unruhig um, scheu, so, als fürchte 
sie, hier mit ihm, mit einem jungen Mann gesehen 
zu werden. Melleicht war es für ihre Stellung 
nicht gut, wenn man sie in solcher Situation sah. 
Armer Kerl! dachte er bekümmert. 
Seinem Vorschlag, ein Kaffee aufzusuchen, 
stimmte sie schnell und, wie es schien, dankbar zu. 
Iosty? Nein, da saß man zu sehr zur Schau. End 
lich entschlossen sie sich zu einem großen Kaffeehaus 
in der Leipziger Straße. 
Während sie schweigend den Weg zurückgingen, 
den sie gekommen waren, dachte Dollingen an ihr 
erstes Zusammentreffen. Es war merkwürdig genug 
gewesen. In einem nicht ganz salonfähigen Garten 
varietee des Nordens, das eben eröffnet hatte. 
Johanna Reichert, die allein an einem Seiten 
tische gesessen hatte, war von einem Kerl belästigt 
worden. Mitten in den Gesang einer abgetakelten 
Soubrette hatten ihre wohlgezielten Ohrfeigen hin 
eingeklatscht. Der Verblüffte hatte sich mit einem 
Witzwort zurückziehen wollen, war aber durch auf 
munternde Zurufe wieder in aggressive Stimmung 
geraten. Das Bewußtsein seiner verletzten Mannes 
ehre war erweckt worden, und die Lage für das 
Mädchen nicht angenehm, da hier keiner für sie Par 
tei nahm. 
Da hatte sich er, Georg Dollingen, zwischen sie 
und den frecher werdenden Kerl gedrängt, und ein 
Blick auf seme imponierende Erscheinung hatte ge 
nügt, ihn zu verscheuchen. 
„Kommen Sie, Fräulein, das ist hier nichts für 
Sie." 
„Man muß doch auch so was kennen lernen —" 
Das waren die ersten Worte, die sie miteinander 
gewechselt hatten ... 
In dem bunten Durcheinander des Cafes siel 
niemand auf. Kaum, daß ein Herr einen Augen 
blick überrascht die Zeitung sinken ließ, um seine Be 
gleiterin mit einem anerkennenden Blick zu streifen. 
Es fiel hier auch nicht auf, daß er seine Rolle öffnete 
und ihr halb zaghaft, halb selbstbewußt, seine Ar 
beit zeigte. Wie oft hatte Malwine sie staunend be 
trachtet und ihr Klagelied angestimmt:. Wenn du 
doch bauen könntest! Alle würden sehen, was du 
kannst. . ." 
Er war so froh, daß sie gleich nach den Papieren 
griff und sie sich erklären ließ. „Eine Villa?" fragte 
sie erstaunst 
„Mein Chef, dieser berühmte Vorbeck, hat sich 
lange mit einem Villenneubau beschäftigt, hat dann 
die Sache aber aufgegeben. Es ist auch nichts Durch 
schnittliches. Der Besitzer des Hauses hat eine phä 
nomenale Sammlung. Da draußen in Dahlem." 
„In Dahlem? Wie heißt er denn?" 
„Reinhagen. Er hat nicht einmal einen Titel." 
Ein jähes Rot schoß in ihr Gesicht, als sie den 
Namen wiederholte. Aber er war so mit dem Aus 
breiten der widerspenstigen Blätter beschäftigt, daß 
er es gar nicht bemerkte. 
„Ja, Reinhagen. Er ist den Berlinern wohl 
bekannt. Ich hatte bis dahin keine Ahnung von 
ihm, aber ich bin hier ja auch nur hineingeschneit. 
Vorbeck hat also kein Glück mit seinen Vorschlägen 
und nun habe ich die Sache für mich persönlich 
Durchgearbeitet. Damit man nicht so ganz aus der 
Uebung, aus der schöpferischen Tätigkeit kommt, ver 
stehen Sie." 
„Ich verstehe Sie vollkommen." 
Er erläuterte und sie lauschte aufmerksam. 
„Platz und Flächenraum kannte ich ja, auch den Ko 
stenanschlag. Darauf habe ich's durchgeknetet, ob 
gleich die Aussichten jo nicht gerade groß sind." 
„Das kann ich nicht beurteilen", meinte sie be 
scheiden. 
Natürlich, wie sollte sie das beurteilen können. 
Aber er war so froh über ihre Anteilnahme, daß er 
scherzte: „Das brauchen Sie auch nicht. Sie brauchen 
bloß zu bewundern." 
Das Kaffeegeschirr wurde auf die freien Stühle 
gestellt und so Platz für die Zeichnungen geschaffen. 
„Dies ist der Grundriß, verstehen Sie? Darauf 
kommt alles an. Dies ist der Wohnbau und dies 
der Anbau für die Sammlungen. Aber interessiert 
Sie das auch?" 
Johanna Reichert beugte sich über die Arbeit. 
Ihre Wangen glühten, wohl von der Hitze des Lo 
kals. „Sehr. Erklären Sie nur weiter."
	        
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