Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 2)

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Die Straße log verlassen. 
Es war Nacht, ein plötzlicher Regen setzte ein, 
und Dussel wurde pitschenaß. Noch zehn Minuten 
waren zur Stadt. Aber immer dichter strömte der 
Regen. Dussel schimpfte wie ein Rohrspatz. 
Da hupte es. Ein Auto kam ihm entgegen. 
Dussel sprang in die Mitte der Straße 
Der Chauffeur mußte bremsen. „Besetzt", 
brummte er. Aber schon war die Tür aufgemacht. 
„Wenn Sie wollen", sagte ein liebenswürdiger 
Herr, „trete ich Ihnen den Wagen ab. Ich wohne 
gleich in der Nähe und springe die paar Schritte 
jchon hinüber." , 
Dussel wollte. Er bedankte sich in tausend 
Worten, und als der höfliche Herr die bis dahin zu 
rückgelegte Strecke bezahlen wollte, lehnte Dussel 
dieses als gar nicht in Frage kommend glatt ab, was 
der Fremde sich gern gefallen ließ. Froh bestieg 
Dussel den Wagen. 
In knapp vier Minuten hielt er vor seinem 
Hause. 
„Was zahle ich?" fragte er den Chauffeur. 
„Neunundneunzig Mark fünfzig." 
„Bitte? Wieso?" 
„Ganz einfach — ich habe doch den anderen 
Herrn schon seit Mittag gefahren." 
Aber eine Minute später, zu Sullivans übli 
cher ^Aufstehstunde, rasselte der Wecker in der 
Tasche eines der Diebe. Da wurden die Be 
amten aufmerksam und gingen der Ursache 
des überraschenden Geräusches auf den 
Grund mit dem Ergebnis, daß die beiden 
verdutzten „Spaziergänger" festgenommen 
wurden. 
Btsirte Welt. 
Eine medizinische Entdeckung im Film. 
Wenn der Arzt zum Patienten sagt: 
„Machen Sie Len Mund ans und sagen Sie 
^Zl"", so ist das falsch. Ein kürzlich hier einer 
Bereinigung von Filmfachleuten vorgeführ- 
ter Film zeigt, daß sich beim „A" sagen eine 
bestimmte Höhlung völlig schließt, die der 
Arzt prüfen sollte, wenn er einen über Hals- 
beschwerden klagenden Patienten untersucht 
Statt dessen sollte der Arzt den Patienten „I" 
sagen lassen. Der Film, der diese medizinisch 
wichtige Feststellung ermöglichte, wurde von 
Dr. Oscar Russell von dem Institut für Laut 
forschung der Universität des Staates Ohio 
hergestellt. 
Das Jubiläum des Spciscwageus. 
Jeder, der heute eine längere Reise macht, 
empfindet es als eine Selbstverständlichkeit, 
daß er unterwegs Gelegenheit hat, sich, ohne 
ocn Zug verlassen zu müssen, erfrischen oder 
ganze Mahlzeiten einnehmen zu können. Da 
bei ist der Speisewagen, der ihm dies ermög 
licht, noch gar nicht so alt, gerade in diesem 
>zahre feiert er seinen 60. Geburtstag. Im 
Jahre 1880 ließ die Internationale Schlaf- 
wagengescllschaft — zunächst nur versuchs 
weise - auf einigen Strecken des reichsdeut- 
schen Eisenbahnnetzes drei Speisewagen lau 
fen, die durch Umbau aus bisherigen Schlaf 
wagen entstanden waren/ Sie besaßen noch 
reine eigene Küche, die Mahlzeiten wurden 
vielmehr unterwegs von einer Station be 
zogen. ^ Bald kannte man dann auch die Wa 
gen mit eigener Kochvorrichtung, aber sie hal 
ten noch den Nachteil, daß sie nur während 
eines Aufenthalts betreten oder verlassen 
werden konnten. Erst mit der Einführung der 
77ssoUge war der Sieg des Speisewagens ge- 
üchert. Anfangs nur ein Vorrecht der höhe- 
ren Klassen, wurde er später auch der dritten 
Klasse Zugänglich geinacht und gewann damit 
erst eigentlich seine Volkstümlichkeit und all 
gemeine Beliebtheit, deren sich der Jubilar 
heute mit Recht erfreut. 
gen gestellt wevden können. Man muß bei ihnen 
gegen das Rauschgift den Widerwillen wecken, den 
,ie heute gegen Spinnen und Giftpilze haben Wenn 
man weitesten Kreisen erst zum Bewußtsein bringen 
kann, daß jemand, der auf eine Klapperschlange 
tritt, nicht größere Gefahr läuft als ein anderer, 
der zu Rauschgiften leine Zuflucht nimmt, so wird 
dieie Belehrung unbedingt die Folae haben, daß die 
Zahl der Anhänger des Lasters auf ein Minimum 
sinkt. Es ist, alles in allem, ausschließlich eine Frage 
der Erziehung. Wenn man gelegentlich die Ansicht 
äußert, daß die Steigerung des Konfunis von 
Rauschgiften in Amerika eine Folge der Prohibition 
Eft io ņiacht man sich damit einer großen Ueber 
treibung schuldig. Nach dem Bericht des Gesund 
heitsamtes von Los Angeles hat man beispielsweise 
von 500 Verbrauchern von Rauschgiften, die in den 
amtlichen Listen geführt werden, nur bei 3 Personen 
nachweisen können, daß sie die üble Gewohnbeit erst 
nach Inkrafttreten des Prohibitronsaefetzes anqe- 
nommen hätten. " a 
sVimm h •? Dc Ņşchlicher Leiden und Luäiereicn sind di« 
Hämorrhoiden Ungefähr ein Drittel aller Menschen leidet 
Sáî'itn eS ļ^Şher möglich war, diese Krankheit mit 
Ä” Ģttolg zu bekämpfen. Man wußte nicht, daß die 
eigentlichen Hamorrhoidalcntzuiidungen durch die Darmbakte- 
len verursacht werden. Heute kann man Hämorrhoiden leicht 
beseitigen, wenn man sich diese neuesten Forschungserqcbnissl: 
şiĢ. macht und das Posterisan anwendet. Aufklärende 
Broschüre ist m allen Apotheken kostenlos erhältlich. — Ori- 
sä sr— «■*> -««?... 
Der Wecker bringt es an den Tag. 
Louis Sullivan in Chicago ist ein Früh 
aufsteher und pflegt seinen Wecker regel 
mäßig auf 4 Uhr 30 morgens zu stellen. Das 
mußten zwei Spitzbuben mit Gefängnis 
büßen. Sie waren um 4 Uhr 20 in Sullivans 
Wohnung eingebrochen und hatten neben an 
derem auch die Weckeruhr entführt. Um 4 Uhr 
29 begegneten sie auf der Straße zwei Schutz 
leuten, die zunächst keinen Verdacht schöpften. 
1 Million Rauschgiftsüchtige in II. S. A. 
Die Vereinigten Staaten verzeichnen -den stärk 
ten Konsum von Opiumderivaten mit einem Jah 
resverbrauch von 36 Gran auf den Kopf der Be 
völkerung. Demgegenüber entfallen, nach den Fest- 
teilungen des Ueberwachungsausfchusses des Völ 
kerbundes, auf Indien 27 Gran, Frankreich 4, Eng 
land 3, Deutschland und China je 2 und auf Italien 
1 Gran. „Allen Gesetzen gegen den Mißbrauch der 
Rauschgifte zum Trotz", schreibt eine amerikanische 
Zeitschrift, „hat Amerika eine Million Menschen, die 
dem Laster verfallen sind. Was wollen wir dagegen 
tun? Vorbeugen ist auch in diesem Falle besser als 
heilen. Wir müssen bei der Erziehung der Kinder 
beginnen, denen nchit eindringlich genug die furcht 
baren Folgen des Gebrauchs von Narkotika vor Au- 
mit Badder sien gähn kunn. He harr een 
lang Scholweg. Und fchlupperig wär datt 
mitünner bös. Denn wär em de Schiet 
mitünner bet baben an de Büx sprütt. Tor 
vör kunn em blos grote Stebekn retten. 
Datt Badder un Mudder bor nich lang an 
dacht harr'n, merkwürdig! 
Den annern Morgen schullt ja weller 
to Schol gähn. Sin Badder un Mudder 
warn all to Stadt mit den ersten Zug. 
Großmudder, de bi se op Hoff wahn, mak 
Hanne ferdig to Schol. He harr all gorkeen 
Ruh mehr. Während sin Großmudder em 
Brot schnied'n öä, gung he na Waschkök, dor 
stunn de groten Stebeln, nehm se UN drog 
se na buten. Stell se bi't Heck ünnert Um 
brett. Tenn gau weller rin. Wildeß harr 
Großmudder alles trech. Bvnöag trock 
Hanne Holtschoh an, — warum wull? — 
Na, Großmudder harr nix markt. He sä 
sin Großmudder nu gau adjüs, un weg 
wär he üm de Huseck, den Stiaeg dal. Bi't 
Heck ankam, hol he fick gan de Langschäfti- 
gen! De Holtschoh keemen ut un denn rin 
in de Stebeln. — Gut, datt he Söcken an 
harr,- de Stebeln wärn doch riekli grot. 
Ach watt — 't muß gahn,- denn he muß sick 
doch üben. Gewiß kreeg he welke to Ge- 
I'nrtsdag,' denn wat schulln Badder un 
Mudder sonst wull beid' in de Stadt wülln! 
Se wullil em lange Stebeln köpen, datt 
stunn fast bi Hanne. Na, he nehm de Holt 
schoh in de Hand, un denn gung datt los. 
Gut, dat sin Badder nich so schrecklich grot 
wär, sonst wärn se doch meist to grot wün. 
Doch btt an't Liew reckten se em so ock al. 
Aber wär viellicht ganz god so, nu kunn he 
ordentlich dörch de Schiet haun. Brnk fick 
garni in Acht to nehm, datt sin Büx schietcg 
wor. He tux los, een Been vört anner 
Ach, nu gnng datt al'n beten beter. So, 
ordentlich in datt Wader, datt back nich so. 
Junge, dor fust he rein so dörch. Schull he 
ock in Draff lopcn kön dormit? Mal ver- 
söken. Schwipp, schwapp, so klatschten de 
groten Stebeln as Uenne'rseebööt dörch de 
Matsch un Waterlöcker. Junge, dat bröch 
Spaß: doch wat wär dat: he wurr ja bös 
schweeten. Wär ja een sner Stück Arbeid. 
Un watt wärn de schön blanken Stebeln 
schiedig worn! Ach — lat man, ick mok er 
hüt miödag in Graben weller rein. He wär 
nu an de Chaussee kam. Trock de Stebeln 
weller nt un versteck se ünnert Siel, de an 
de recht Sied von Graben wär. 
So, nn de Holtschob an, un denn to 
Schol. Bon wieden seeg he sin Frnnd 
Krnschan stahn, de liter op em un wink. 
Hanne keep rasch hen na em. „Minsch, 
Hanne, watt schwects Du?" „Ja, datt wär 
ock Hitt, un denn de Schiet!" Aber Din 
Holtschoh sind jo gornich schietig." „Nää." 
Nun wurr Hanne erst recht hitt. He muß 
ja legen, un dat much he nich. Aber wat 
schull he maken, he wull Krüschan doch nich 
verstelln, datt he sin Badöers Stebeln an- 
hadd harr. 
In de Schol paß he vondag gornich op. 
As he bi't Recken 4X4 utreken schull, sä he 
„twee". Dach he doch weller an twee lange 
Stebeln, de ünnert Siel stecken. 
As de Schol ut wär, stürm he de Chaus 
see lang, na't Siel dal, un wull de Lang- 
schäftigen hernthaln. Aber watt wär datt!! 
Tor wärn jo keen Langschäftige mehr, — de 
— wärn weg. Datt wär, as harr he een 
vörn Kopp kreg'n. He much gornich weller 
hoch. Sin Hart klopp as wild, son Angst 
harr he in sick. Wo wärn de Stebeln, sin 
Badders Stebeln? He much ja gornich 
weller to Hus. Wo schulln de doch eenmal 
wän? De wärn stähln! Datt wär wiß! 
Harr he sc denn nich ordentlich wegpackt? 
He meen dat doch. So mit sick sülm un mit 
sin Not beschäftigt, harr he gornich markt, 
datt sin Badder lang den Weg kcem un nu 
al bi em stunn. „Na, min Hanne", sä he, 
watt makst Du dor?" Doch Hanne kunn 
gornich mit de Sprak rutkam, de groten 
Tranen poltern em man immer so über de 
Backen. Toletz schütt he sin Hart nt, datt 
holp ja doch nix, he muß datt doch ja weten. 
„Ja, min Hanne, datt harrst Du ja nich 
mußt. Sieh mal, wenn se een schlechten 
Minschen sunn harr, wärn se weg wän. 
Denn harr Badder ja keen Langschäftige 
mehr haöd. Mudder un ick kcem al mit den 
Middagszug, gung hier lang un seg'n een 
lüttje Eck von'n Stebel ünnert Siel rut- 
kieken. As mi neeger rangung'n, wärn datt 
min. Do hebbt wi se mitnahm. Müssen 
ja gorni, wie de hierher kcem." „Ja, Bad 
der, ick wull datt ja blos mal probeern; 
denn ick wünsch mi ja blos een Poor Lang 
schäftige." Datt wär all, watt he noch rut- 
kriegen kunn,- denn weller rollten em de 
Tran über de Backen. Do nehm sin Bad 
der em bi de Hand un gung mit em to 
Hus. Sä keen Wort de ganze Tied, datt 
Hanne towielen na em roppkeek un dach, 
wie schullt wull afflöpcn? Sin Badder 
wurr dat gewohr, datt Hanne so in Angst 
na em opkeek, un kunn dat rein nich länger 
mit ansehn. He dach bi fick sülm, de Jung 
mutt de Stebeln, de wi em mitbröcht hebbt, 
vondag glieks hemm. Liesen streck he 
Hanne öbern Kopp. Do wuß Hanne, Lull 
wär Badder nich dorüm. 
Bi't Hus ankam, gnng Badder gliek na 
de Stuv na Mudder, un Hanne putz von- 
DLrchsMPfLhZAKgeK. 
Max Brand: Die Unbezähmbaren. — Die Drei in der 
Ņş -; ®m siebente Mann. - Drei Romane, aus dem 
Ämerrkanlschen übertragen von Hellmuth Wedel. Berlaa s-r, 
Knaur Nachf.. Berlin W. 80. Die drei spannenden, abentcu«. 
reichen, abwechslungsvollen Romane Max Brands spielen im 
Westen der Vereinigten Staaten, zu jener Zeit, da ein Pferd 
wertvoller war als Menschenleben, da strenge Selbstjustiz 
fur Aufrechterhaltung einer gar leichtlich gefährdeten Ovd- 
nnng sorgen mußte, da sturmerprobte Männer lächelnden 
Mundes zu kämpfen und, wem,'s not tat, auch zu sterben 
® os ŅUUeu ist das übliche, wie es aus vielen Wild- 
West-Romanen bekannt ist, die Hauptfigur des Dan Berry 
ledoch, die allen drei Büchern gemeinsam ist, obwohl jeder 
Baird eine in sich geschlossene Handlung durchführt, erhebt sich 
weit über das gewohnte Schema als der wohlgclungenc Der- 
such, in überzeugender Darstellung zu beweisen, wie stark ani- 
malische Urinstlnkke in einem Menschen der Wildnis wieder 
zuim Durchbruch kommen können, wenn feine kindlich-naioe 
Borstellungswelt die ungchenimte Entwicklung des Trieblebens 
begünstigt. Ein Mann, ein Pferd und ein Hund bilden in 
dieser Roman-Trilogie einen seltsamen Bund: ein Mensch, der 
sich dem Tier näher verwandt fühlt als seinen Mitmenschen, 
der die Sprache der Tiere zu verstehen scheint und dem die 
^iere ergeben sind, als könnten sie feine Worte begreifen. 
Hineinverwoben in das wilde Leben des „pfeifenden Dan" ist 
di« anmutvolle Gestalt einer Frau, die dem Haltlosen opfert, 
was ein« Frau nur opfern ?dnn; aber mit aller Kraft zu 
verhindern sucht, daß auch ihr Kind mit den Trieben des Va- 
tcrs belastet wird; mit dem Mut der Verzweiflung kämpft 
sie um das Schicksal dieses Kindes; und das letzt« Buch 
schließt, den Alb von der Brust des Lesers nehmend, mit 
ihrem Sieg über die dunklen Mächte, die auch die Seele der 
kleinen Ivan schon gefährdet hatten. 
Gerhard Belburg: „Rumänische Etappe. Der Weltkrieg, 
wie ich ihn sah". Wilhelm Köhler, Verlag, Minden i. W. 
Ganzleinen R./k 6,—. Es sind die Erinnerungen eines deut 
schen Akademikers, der als ungedienter Landsturmmann der 
Besatzungsarmee in Rumänien angehörte. Ein Ausschnitt 
aus dem gewaltigen Geschehen des Weltkrieges, aber ein Aus- 
f0 , ist mit fremdartigem, halboricntali- 
-^ä°rleben, nut ernsten und heiteren, romantischen 
und idyllischen Szenen, daß man der fesselnden Tagebuchschil- 
dcruiig des Verfassers mit Spannung und Vergnügen folgt. 
Wilhelm Engelke: Theodor Obermeycr. Roman. Verlag 
Georg Wcstermann, Braunschweig. Dieser Roman ist ein 
großartiges wc.tangelegtes, genaue Sachkenntnis verwerten- 
des Bild der rheinisch-westfälischen Jndustrieentwicklung seit 
den neunziger Jahren. * ' 
œ * lnb bos freut rin' denn ja auch! Lustiges von Arnold 
Snsch Leinenband 4,20 9UL Hans Köhler, Verlag, Hamburg 
32. Lauter erprobte und zugkräftig befundene Vortragsstückc. 
Ģ'" Ņuch voll frischen, derben Humors, der die Sorgen des 
Alltags weg,cheucht. 
„Die Hilfe der Mutter Natur" von Frau Emmy Schu- 
mann. Einfache Augen- und Pendeldiagnose, mit Auqen- 
chlusscl und 24 Augeutafeln. Kommissionsverlag Lühe und 
Co. Leipzig E. 1. Ein Lehrbuch über einfache Aiigendiagnosc. 
Es ist allgemeinverständlich geschrieben und enthält 24 Äugen- 
tafeln und einem Augenschlüffel des sid-rischon Pendels. 
,àÄ'-sch' wie es der Engländer spricht. Lon P. Bcndhcim. 
vertag: P. Bendheim, Mannheim, Kaiserrinq 8. Preis 3 U 
SŞffel 1,20 Jl. Dieses Buch soll man vor vielen anderen 
willkommen heißen, denn cs gibt wohl kaum eines auf dem 
Gebiet, aus dem so kurzweilig zu lernen ist, wie gerade au; 
diesem. 
Humor des Auslands. 
„Welch schönes Kochbuch. Frühstück für zwei 
Personen: „Man nehme vier Eier.. ." 
(Nach „Jl Travaso".) 
dag so lang de Holtschoh 
Doch toletz muß he ja rin. 
in de Stuv ünncrn Disch 
op He Fotmatt. 
Aber wat stunn 
een Paar 
Langschäftige, für son Jung as Hanne. In 
een Hurra stört Hanne dor op los, kreeg se 
tofaten, keek denn sin Badder un Mudder 
an un frog: „Sind datt mien, schall ick de 
hemm?" As de Beiden em ganz vergnügt 
tonickten, full he sin Oellern um'n Hals un 
bedank sick. Aber nu muß he sin Stebeln 
ja probeern. Junge, de seeten as angaten. 
Un mat kunn he dor in gahn! Datt wär 
doch annern Kram as Badder sin groten! 
Bergeten wär all de Kummer. De Freud 
lüch em so ut de Logen. Un ock sin Badder 
freu sick mit em, dach he doch an sin Jungs- 
johrn. Em harrst ja nich beter gähn. K. S. 
1 
3)a& Tilädeia vom ZfCasefatcauch. 
Es war einmal vor vielen, vielen Jah 
ren an einem schönen Sommertag,- da schick 
ten die kleinen Singvöglein eine Abord 
nung zum Himmel. Die Abgesandten aber 
waren eine Nachtigall, ein Rotschwänzchen 
und ein Zeisig, und sie flogen geradewegs 
an Sankt Peter vorbei in den Himmel hin 
ein. Sankt Peter kam eilends hinterdrein- 
gekaufen, schalt auf das freche Vogelvolk und 
wollte sie fortjagen, aber der Herrgott 
winkte ihm mit der Hand, daß er ruhig fein 
solle, und sprach zu den kleinen Böglern: 
„Setzt euch auf meine Schulter und erzählt 
mir, weshalb ihr zu mir gekommen seid." 
Zuerst, wie Petrus so drohend angelau 
fen kam, wollte es den kleinen Vöglein angst 
und bange werden, als aber der liebe Gott 
mit ihnen sprach, wurden sie wieder mutig 
und setzten sich ganz zutraulich auf seine 
Schulter. Sie erzählten ihm nun, wie sie 
und die anderen kleinen Vöglein so sehr ver 
folgt würden. „Nicht nur von Raubvögeln 
und Wieseln, nein, sogar von Menschen 
werden wir getötet," sprachen sie. „Böse 
Knaben suchen unsere Nester auf und neh 
men die schön gesprenkelten Eier daraus. 
Ja, selbst unsere kleinen Vogelkinücr rau 
ben sie aus dem Nest und treiben allerlei 
Mutwillen damit, bis die armen Kleinen tot 
sind. O, hilf und schütze uns vor unseren 
Feinden!" 
Da nahm der liebe Gott die kleinen 
Vöglein in die Hand und streichelte sie und 
rief einen Engel,- dem befahl er, mit zur 
Erde hinabzufliegen. Da sollte er die Bäume 
und Sträucher fragen, welche Waffen sie ha 
ben wollten, daß sie hinfort die Nester der 
Vöglein besser schützen könnten. 
Der Engel nahm die drei auf die Schul 
ter, und hui! waren sic schon auf der Erde. 
Zuerst flogen sie zu einem milden Rosen- 
,rrauch, der voll lieblicher, rosaroter Mos 
lem war. Der Engel und die drei Voglern 
erzählten ihm, weshalb sie gekommen und 
was sie wollten. 
Da sprach der Rosenstrauch: „Ich weiß 
kein besseres Mittel, als daß ich eure Ver 
folgung mit Nadeln und Spitzen bedrohen 
könnte." 
Auf einmal wuchsen aus all seinen 
Zweigen die Dornen hervor, die jeden ste 
chen, der seine Hand nach den Vogelnestern 
ausstrecken will. 
Dann gingen sie zum Schlehenstrauch 
und dann zum Mehlbeerstrauch, und auch 
hier fanden sie keinen besseren Rat als bei 
der Rose. Da wuchsen lange, spitze Nadeln 
an allen Aestlein und Zweiglein, und van 
da an wurden diese Sträucher Schlehdorn, 
Schwarzdorn und Weißdorn genannt. 
Als sie nun zum Haselstrauch kamen 
und dem sagten, er solle sich auch mit Dor 
nen und Stacheln ausrüsten lassen, da 
wollte er nicht. Er meinte: „Ihr könnt doch 
nicht alle Blumen und Sträucher mit Dor 
nen ausrüsten, besonders aber nicht die 
Sträucher, die im Walde dicht zusammen 
wachsen. Es kann ja dann kein einziger 
Mensch mehr durch den Wald gehen. Denn 
es gibt doch nicht nur böse Mensch, sondern 
auch gute! Ich möchte lieber etwas haben, 
womit die guten Kinder belohnt werden 
können, und etwas anderes zum Bestrafen 
der bösen Buben." 
Und siehe da, auf seinen Zweigen er 
schienen überall kleine grüne Näpfchen, in 
denen saßen süße Kerne, und das waren die 
Nüsse. Da freute sich der Haselstrauch und 
sagte: „Die sind für die artigen, lieben Kin 
der, die an dem Gesang meiner gefiederten 
Gäste Freude haben." Dann aber schossen 
aus den Aesten und Wurzeln die Hasel- 
gerten in die Höhe, so gerade wie Pfeile 
und so biegsam wie Sehnen. „Hei," sagte 
der Haselstock, „wenn die auf dem Rücken 
der bösen Buben tanzen, soll denen schon 
die Lust vergehen, Nester auszuplttndetm." 
Von dem Tage an gibt es die s>a?-'t„üsse 
und die Haselstöcklein. 
tfCüfutecsialt 
Das stand fest, im Hühnerhof war 
etwas nicht in Ordnung. In kleinen Grup 
pen standen die Hühner umher und schra- 
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