©ben: Die Ermordung eines deutschen Polizisten durch Separatisten ©den: Französischer Tank vor dem Essener ļsauptbahnhof.
... m Mächen. Unten: Das Gefängnis in Trier, in dem die verhafteten Deutschen
Unten: Ausrufung der separatistischen Republik in Koblenz. gefangen gehalten wurden.
Befreiungs-Brief,narken.
vom 30. Juni ab werden diese 8- und
tS-Osennia-Briefmarken mit dem schwarzen
Aufdruck „30. Juni 1950" ausgegeben.
Eine Befreiungs-Denkmünze,
die von demBildhauerFahrner-Freuden-
stadt geschaffen wurde. Die Rückseite trägt
die Verse:
-Hört, was die Glocke am Rheine spricht —
Rinder und Enkel, vergeht es nicht!
was wir in zwölf bitteren Jahren,
Da mancher am Leide zerbrach,
Im rheinischen Lande erlitten
An weißer und schwarzer Schmach,
Das sei uns heil'ges Vermächtnis,
Mit Blut und mit Tränen geweiht,
wir waren, wir sind und wir bleiben
Deutsch bis in Ewigkeit!«
J* Willen waren. Gesetz und Vorschriften? Die
diktierten sie drüben im Hauptquartier in Mainz.
„Die Zivilamte?" Den Landrat hatten sie bei
Nacht und Nebel über den Rhein gesagt. Und
dle Ruhe? Die herrschte nur im Offizierskasino
und in den Kasernen, während die Separatisten
die Stadt terrorisierten.
Theodor Glöckner stand in seinem Wohnzim
mer. Um ihn sahen Männer, denen das Schick
sals von Stadt und Land am Herzen lag, die ihr
Bestes zu geben bereit waren, um ihre Lands
leute vor dem Mob unter der grünweihroten Se
paratistenflagge zu schützen. „Entschlossenes Vor
gehen der Heimattreuen ist die Rettung", sagte
- Theodor Glöckner. „Wir müssen die Polizei, so
weit sie heute nicht entwaffnet wurde, unterstützen,
das Rathaus gegen einen Angriff verteidigen.
An zertrümmerten Ladenfenstern, zerschlage
nen Laternen, roten Anschlägen der „Rheinischen
Repuolik" vorbei zogen Arbeiter und Bürger zum
Rathaus. Ein halbes Dutzend Wachtmeister unter
ihrem Inspektor, Rathaus-diener und Feuerwehr-
leute hielten es schwach besetzt. Sie begrüßten die
Helfer dankbar: „Nun können wir wenigstens je
des Fenster verteidigen, wenn auch nur mit Stök-
ken und Steinen."
Unheimlich ruhig war die Nacht nach dem
Aufruhr des Tages. Nur ein Regiezug rollte
polternd und Krachend mit zu schnell gezogenen
Bremsen draußen in den Bahnhof ein. Beim Licht
des dämmernden Herbstmorgens sah Glöckner von
einem Fenster der Rathausvorhalle aus die Fracht
die er gebracht hatte, bewaffnete Separatisten
I-eder trug das Gewehr auf der Schulter, das
anständigen Deutschen im Kamps um ihre Heima-
verboten war. Dem Rathaus gegenüber famnnll
ten sie sich. Ihre Kolben erzwangen ihnen
Eingang in die Häuser dort. Die Schreie er
ängstigter Frauen übertönten das Fluchen d>
Horde. Die Fenster drüben wurden aufgeristei
und die Gewehrläufe auf das Rathaus gerichte:
— In einer Seitengasse hielt, unbeteiligt und un
beweglich, eine Schwadron französischer Kürassier
hinter ihrem Rittmeister.
„Die Putschisten werden unter dem Schn
des Eewehrfeuers von dort drüben stürmen", sagt
Theodor Glöckner zum Polizeiinspektor. ’ „W
müßten . . .“ Da packte er mitten im Satz d-
Beamten am Arm: „Sehen Sie!" Ein Wach
Meister stand dort unten neben den Reitern! E
trug kein Koppel, keine Waffe. Ein Versprengte'
aus dem Kampf am Abend vorher. Ein Pflich
treuer, der seinen Kameraden helfen wollte. Ei
Unvorsichtiger. Vielleicht auch einer, der die Sc
paratisten für ehrliche Feinde hielt, der auf der
Schutz der Reiter in seinem Rücken baute!
Ein Unglücklicher! Er ging auf das Rathaus
portal zu. Er stand kaum zwanzig Schritt vo
dem Rittmeister. Da fiel aus einem Hauseingän'
ein Rudel über ihn her. Ein Kolbenhieb auf d
Schulter warf ihn in die Knie. Er raffte sich er
lief, hielt den unverwundeten Arm schützend ü'
den Kops. Fünf Schritte vor dem Rathaus fäll:
ihn ein zweiter Schlag. — Der Rittmeister zün
dete sich die Zigarette an.
Da flogen die Riegel hinter der Rathaustür
zurück. Der Inspektor hob die Pistole. Seine Ku
gel warf dem Separatisten, der den Kolben zum
dritten Schlage hob, das Gewehr aus der Hand.
Theodor Glöckners Stock fuhr dem zweiten über
den Arm. Die beiden andern flohen. Die Salve
äug den Fenstern drüben durchlöcherte die Tür,
als sie sich hinter den Rettern und dem verwun
deten Wachtmeister schloß.
Der Sturm begann. Der Hilferuf des Rat-
hausglöckchens verschallte ungehört. Die Fenster
rahmen splitterten unter den Kugeln. Die ersten
Verwundeten lagen hinter den Fenstern. In der
Vorhalle wehrte sich Glöckner mit den Wacht
meistern g-egen die Horde, die das Portal zu neh
men suchte. Stöcke und ein paar Pistolen kämpf
ten gegen Kolben, Gewehre und Seitengewehre.
Sie hielten aus, bis die Landesverräter ein Fen
ster stürmten und ihnen in den Rücken fielen. Sie
wehrten sich noch auf der Treppe, dann erlagen sie
der Uebermacht. Das Rathaus war gefallen. Das
Feuer verstummte.
Da ratterte draußen auf dem Platz ein
Panzerwagen. Ein französischer Stabsoffizier ent
stieg ihm und wandte sich an den unbeweglichen
Rittmeister: „Ein unangenehmer Auftrag, Kapi
tän. Sperren Sie den Platz ab und besetzen Sie
das Rathaus! Wir haben den Befehl, diese bra
ven Rheinlandbündler zu entwaffnen. Wahrschein
lich fürchtet man sich in Mainz vor dem Ausland."
Zwei Stunden später zogen die ortsfremdem
Landesverräter waffenlos und über das Verhalten
ihrer bisherigen Bundesgenossen ergrimmt aus
der Stadt.
Erlebnisse aus der Eeparatistenzeit.
Von G u st a v Becker.
Elmaren schwere Zeiten für die Rheinpfalz
und Rheinhessen, als der Separatismus Recht
und Ordnung aufgelöst hatte. Noch heute weiß
jedes Dorf, jede Stadt von diesen Schreckenszeiten
zu erzählen, in denen Gewalt und Mord an der
Tagesordnung waren. Der Pusferstaatged-an-s
h-atte selbst Männer begeistert, die sonst als über
legende Köpfe und Führer galten. Man erhoffte
von der Lostrennung eine Befreiung von den
steuerlichen und Kriegslasten des Reiches. Ge
schickt hatten es die Franzosen verstanden, sich an
fänglich im Hintergründe zu halten. Als die Be
völkerung aber merkte, daß der ganze Separatis
mus nur eine französische Mache, mit französi
schem Geld in Szene gesetzt und auf die Annek-
tion des ganzen linken Rheinufers abgestellt war,
da wandte man sich mit Abscheu von solchem Va
terlandsverrat. Zu spät, denn schon saßen auf
den Standesämtern, Kreishäusern, in allen
Reichsbehördenstellen Separatisten, dunkle Ele
mente mit der Separatisten-Armbinde als Hoheits
zeichen. requirierten, tyrannisierten und praßten.
Anbequeme Männer verschwanden . . . Die Wut
f"r einheimischen Bevölkerung stieg und stieg,
' 'lie von außen kam nicht. Die Spitzen der Reichs-
Fhörden saßen machtlos als Gefangene im eigenen
staus, bewacht von schwerbewaffneten Separati
on, undşş ihre Ernährung bestand aus den Ab-
ill-en dessen, was die Separatistenprasserei ihnen
'brig ließ. Die Unsicherheit auf den Straßen
vuchs, nach Dunkelwerden getraute sich niemand
ne-hr vor die Tür. Wer wollte all die Greuel
wer Zeit aufzählen!
Im Rheingchu, ganz nahe am Rhein, liegt
n reizendes Kreisstädtchen auf wein-bestandener
Höhe, von der eine Burg weit ins Land hinein
lugt. Eine Stunde rheina-bwärts kommt man
durch einen nicht minder berühmten Weinort, der
zu diesem Kreis gehört. Französische Besatzung
bewachte Tag und Nacht den Bahnübergang, Se
paratisten machten die Gegend unsicher. Nur den
Arzt schreckte nicht die Gefahr, als ihn der Kran
ke zur Pflichterfüllung rief. Ebenso gewissenhaft
war auch der Kreisarzt, seine Frau konnte ihn
nicht hindern, wenn nachts ein Bauer ihn um
Hilfe bat. So auch in jener Nacht. „Bleib hier,
Mann!" sagte die Frau, „Du kannst doch morgen
früh fahren." Aber er hatte das Auto bereits
angekurbelt. Schweigend reichte er ihr -die Hand
zum Abschied und stieg ein. Sie weinte. — „In
einer Stunde bin ich wieder da", rief er ihr im
Fortfahren zu, dann umfing ihn die dunkle Nacht
der Landstraße. Keine Menschenseele weit und
breit, vorüberhuschende Bäume glotzten gespenstig
her-cin, die Umriis-e der jenseitigen Hügelkette
grüßten herüber, und dem einsamen Fahrer zuck
te die Sehnsucht durch die Seele: Wäre der
Rhein, un-ser Rhein erst frei. — Da zersprang
klirrend die Autoscheibe. Grüne Flecke tanzten
vor den Augen des Kreisarztes. Der Fuß
rutschte vom Gashebel, den er eben andrücken
wollte, der schwere Oberkörper rollte vom Steuer
zur Seite. Das Auto lief kurz aus, eine sterbende
Hand stellte instinktiv den Motor ab . . . Toten
stille ringsum . . .
Die Nachbarn am Bahnübergang fuhren er
schreckt aus dem nachmitternäch-tlichen Schlaf,
drückten zitternd die Köpfe gegen die Glasscheiben
und wagten nicht die Fenster zu öffnen, geschweige
denn das Haus zu verlassen.
Am anderen Morgen fand man den Kreis
arzt mit einem Kopfschuß tot im Auto.
Zu Hause hatte die ganze Nacht ein einsames
Licht gebrannt: „In einer Stunde bin ich wieder
da!" —
„ Vier Nächte später. Vom Kirchturm des
Dörfl-eins holte lang ein müder Schlag aus: ein
Uhr! Graues Gewölk schob sich vor der schmalen
Mondsichel hin. Der Posten am Bahnübergang
hielt sich mühsam wach. Langsam pendelte er
auf und ab. Da, was schlich dort durch die Wein
berge? Ein Dieb? Nein, was -sollte der hier
stehlen wollen. Der Franzose drehte sich um.
Sprung auf, marsch marsch, nieder! Es sind noch
kaum 60 Meter bis zum Posten. Jetzt, wenn er
zurückkommt, sind es nur noch dreißig. Langsam
hebt sich ein Lauf — man kann ni-cht sehen, ob
es ein Gewehr oder eine Pistole ist. Keinen Mil
limeter zuckt die Mündung. Jetzt ist der Posten
ganz nahe . . . jetzt ... ein zweimaliger Knall . . .
ein dumpfer Fall . . . Totenstille! Nein, hörst
du ein leises Rascheln? Dort drüben springt ei
lig eine geduckte Gestalt durch die Weinberge /. . .
Aufruhr im Ort, Unruhe und Hast, Angst und
Bangen. Und richtig, gegen Abend huscht ein
eiliger Reiterzug über die Anhöhe. Weiße Män
tel wehen im Winde, reichen herab bis z-um Steig
bügel, über die Schulter hängt das Gewehr. Klei
ne flinke Pferdchen traben jetzt den Abhang her
unter: Spahis, aus einem der vier französischen
Kavallerie-Regimenter, die für den Dienst in
Algerien und Tunis aus Eingeborenen in der
orientalischen Tracht gebildet sind. Sie besetzen
das Dorf und das Kreisstädtchen und verhängen
den Belagerungszustand. Wer nach 9 Uhr abends
auf der Straße gesehen wird, im Feld, auf der
Landstraße, wird eingefangen, mit einem Seil
um die Hüfte gefesselt und muß im Trab der
Pferde zum Revier mitlaufen. Bricht er zusam
men, so hilft der Prügel nach. Die Gitter warten
‘ßssen\
Â-e/èJd
4JI T
'K
77und
Paderborn
—«
^ Siìņznļ
JL ii£ Giessen
f • Cobfenz
I ü
^ > Ş ’\w/w«WOT/i-v '
\ 1 h
j % f
** nK w«**i
\
Dàrnîstadt
0 \ ~‘ ?SAņ'\fàisers/aut. I
PFALZ .ŗjfHeiGelbg*,—•
tetz /
jsKarlsruhej
““ * —» Grenze der enfmi!itansierien2one
Grenzen der Besefzungs-2bmn
Karte des gesamten Besatzungsgebietes
einschließlich der während des Ruhr-
kamxfes besetzten Gebiete.
seiner für eine Nacht, dann wird er, falls er eine
Ordnungsstrafe zahlen kann, entlassen. Drei
Woch-en dauerte diese „Sühne". Daneben herrschte
das Blutregime der Separatisten weiter.
Doch deren Tage waren gezählt. Die unge-
fühnten Schandtaten, der Terror und die Morde
schrien zum Himmel. Die Erbitterung der Be
völkerung hatte ihren Höhepunkt erreicht, sie griff
zur Selbsthilfe, so daß auch auch die Franzosen
einsahen, daß ihr Plan scheitern äßte, weil sie
einer deutsch fühlenden Bevölkerung gegenüber
standen, die sie nicht hatten überlisten können.
Sie zogen also ihre schützende Hand von den Sepa
ratisten. Bier Rädelsführer — ihre Namen gehen
heute noch durch aller Mund — berieten die neu
geschaffene Lage. In Speyer war 's. Nahe dem
Rhein hatten sich die vier in einem Schlupfwinkel
bei Nacht getroffen. Sie wußten, das Damokles
schwert hing über ihnen, und sie hatten ihren
Plan gefaßt . . . Durch verhängte Fenster drang
nur ein winziger Lichtschimmer auf einen Hof
hinaus. „Es lebe der Separatismus!" schrien sie,
sekttrunken. Noch wähnten sie sich in Sicherheit.
Schwankenden Schrittes torkelte eine der Gestalten
aus dem Beratungszimmer. Es war feine Ret-
iung. Keiner hatte die vermummten Gestalten
bemerkt, die vom jenseitigen Rheinufer heimlich
in- jener Nacht herübergekommen waren. Jetzt!
stummes Zeichen, und die vermummten" Ge
stalten drangen in das Haus. Wenige Augenblicke
später erlosch das Licht. Ein Fußtritt stieß die
Tür auf, und ehe die Separatisteirführer Zeit
fanden, zu ihren Waffen zu greifen, krachten die
Schüsse und töteten drei Menschen, die es nicht
mehr verdient hatten, Deut!sche zu heißen. Blitz
schnell war das alles geschehen, und ebenso rasch
wie sie gekommen, verschwanden die Rächer deut
scher Ehre.
Der vierte Rädelsführer entkam. Noch heute
sitzt er in der Schweiz und darf es nicht wagen,
sich im Rheingau blicken zu lassen.
Aus den trübsten Eaqen des Rheinlands.