Full text: Newspaper volume (1930, Bd. 3)

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kommen ist. Kunst und Wissenschaft. Kunst, weil 
jeder to hat, was er konnt hat, und Wissenschaft, 
weil jeder davo gwißt hat." 
Der Sachverständige. 
Ein braver Familienvater in Pfaffenhofen 
hatte sich ein Schwein angeschafft. Dem Metzger, 
der nebenan' wohnte, war aufgefallen, daß sein 
Nachbar das Schwein nur jeden zweiten Tag füt 
terte. Schließlich richtete er einmal die Frage an 
ihn, warum er denn Las mache. „Ja, Wissens", 
antwortete der Schweinebesitzer, „damit der Speck 
schön mager durchwachsen wird." 
Das bestandene Examen. 
Einöde: Deutsch-saarländische Grenze — fran- 
şşiche Zoll station: „'aben Sie nix zu verzollen?" 
— „Nein." — „Was in der Kiste?" — „Eine 
Ziehharmonika." — „Neu?" — „Nein." — „Dann 
müssen Sie können spilln . . . Spilln Sie!" Der 
Reisende nimmt seinen „Quetschbalg", und dann 
tönt es in mächtigen Akkorden durch die Zollhalle: 
„Deutschland, Deutschland über alles . . ." Der 
französische Zöllner konnte dem Reisenden nicht 
schnell genug versichern, daß er passieren dürfe. 
Bunte Welt. 
Eine liebenswürdige Absage. 
Die Direktion der Bernina-Bahn hatte durch 
ein Inserat in der „Frankfurter Zeitung" eine jour 
nalistisch erfahrene Dame gesucht, die während der 
Sommermonate dort für Propogandazwecke Auf 
nahmen machen und kleine Skizzen schreiben könnte. 
Wer die Schönheiten dieses.herrlichen Fleckchens 
Erd« kennt, wird sich vielleicht nicht allzusehr wun 
dern. daß sich nicht weniger als 400 Damen und 80 
Herren um diesen gewiß verlockenden Posten be 
worben haben, und alle diese 400 Damen und 80 
Herren erhielten den nachfolgenden reizenden Brief: 
„Wie sehr leid ist es uns, nur eines aus allen 
den vielen freundlichen und gut bis sehr gut qua 
lifizierten Angeboten berücksichtigen zu können! Am 
liebsten würden wir alle ca. 400 Bewerberinnen 
und 80 Bewerber engagieren, um alle mit Stift 
und Camera an unserer schönen Bahn nach Her 
zenslust schreiben und knipsen zu lassen. 
Aber das kann ja leider nicht sein. Und so 
müssen wir zu unserem Bedauern auch an Sie die 
Mitteilung ergehen lassen, daß die Wahl, welche 
mehr einer Verlosung glich, nicht auf Ihre geschützte 
Person gefallen ist. 
Es bewegt uns, Ihnen keinen Ihren Wünschen 
näher kommenden Bericht geben zu können und 
bleibt uns noch die Pflicht, für Ihre Mühewaltung 
angelegentlich zu danken." 
Macht hier nicht wirklich der Ton die Musik? 
Moderne Bettler. 
Das Neueste auf dem Gebiete der Bettelei lei 
sten sich jetzt zwei Männer und eine Frau, die auf 
einem Motorrad mit Beiwagen die Ortschaften der 
Umgegend von Berlin abklappern. Sie kamen die 
ser Tage nach Königswusterhausen. Vor einem bes 
seren Gasthof mochten sie Holt, bestellten sich Kaffee 
und verzehrten dabei in aller Gemütsruhe mehrere 
Butterbrote, welche die Frau aus einem Sack her 
vorholte. Darauf wurde die Stadt in Reviere 
eingeteilt, und eiligst machten sich die beiden Män 
ner auf den Weg, Trepp auf. Trepp ab. Nach 
etwa drei Stunden war die Arbeit getan; mit Eß- 
waren, Kleidungsstücken und Geld beladen, kamen 
di« „Kunden" in die Gastwirtschaft zurück. Dort 
vis AtlantiKmädels. 
Roman von G. Meerstedt. 
18) (Nachdruck verboten.) 
Oben aber in den Zimmern, wo Henry Smith 
artig nach einer kleinen Exkursion mit Herrn Best 
horn, die dem Hause an der Eppendorfer Landstraße 
gegolten hatte, auf seine Gattin wartete, sagte Frau 
Aida ironisch: „Der Junge scheint eine deutsche 
Liebschaft zu haben, die unseren Heiratsplänen nicht 
förderlich ist. Und Frau Aida begleitete das Wort 
deutsch mit einem besonderen Lächeln. 
Heinrich Schmidt aber stand noch unter der Be 
haglichkeit des Abends zwischen den beiden alten 
Schwestern, zu denen ihn Herr Besthorn nicht ohne 
Kriegslist geführt hatte. „Liebe Aida", sagte er, „:ch 
hatte mir Ellen Besthorn auch deutscher vorgestellt. 
Aber immerhin wäre Hal der Mann, der eine \ ;aa 
erziehen könnte. Ich werde morgen mit ihm reden." 
Da rauschte Frau Aida hinaus, als sei Hein 
rich Schmidt ein Läufer, über den sie hinwegschritre. 
Am nächsten Tage eröffnete der Zirkus Dia- 
belli, von Berlin kommend, in Hamburg seine Spiel 
zeit. Als Hauptattraktionen brachte er das Tänzer 
innenpaar Mary und Heia, moderne Grotesktänze, 
und Leopold Egg, den Schul- und Kunstreiter, m't. 
Und gleich am folgenden Tage setzte Mary das 
Warenhaus Goldtree in Nahrung und verband da 
mit verschiedene Zwecke. Emma! hatte sie Kitty, 
als fi: 'le ch rar rer Ankunft ihre Eltern be 
suchte, ruchl ich-:. .i.:nen, weil sie ja zu der Zeit, 
wo Kitty frei war, im Zirkus sein mußte. Dann 
wollte sie Hannelore die Hand drücken und sich nach 
ihrem Werftarbeiter erkundigen, den das Mädel 
in keinem Briefe zu erwähnen vergaß. Und dann 
gedachte sie sich auch in berechtigtem Stolze den 
anderen bei Goldtree, die sie kannten, zu repräsen 
tieren. Auch an Herrn Goldtrees Kontortür wollte 
sie klopfen, weil der sich so unglaublich anständig zu 
Kitty benahm. Er hatte chr am ersten Januar 
zwanzig Mark zugelegt, s > daß sie jetzt das fürst 
liche Gehalt von einhundert Reichsmark bezog. Und 
an Herrn Leiftgang, wenn es sich irgendwie machen 
ließ, gedachte sie auch nicht vorüberzugehen. Er 
war ja, seligen Angedenkens, auch meist nicht an chr 
wurde Kasse gemacht; das zusammengebettelte Geld 
wurde der Frau übergeben, die den 'Betrag in e:n 
Buch notierte. Nachdem die Zeche bezahlt worden 
war. bestiegen alle drei ihr Motorrad, und fort 
ging's in sausendem Tempo noch Mittenwalde, das 
in etwa 15 Minuten erreicht war. Nach kurzer Rast 
ging das Bettlertrio wieder an die Arbeit. Jeden 
falls schien die Frau dort gute Kundschaft zu haben 
— sie legt auch Karten —, denn hier arbeitete sie 
mit, und das Motorrad wurde unter Aufsicht eines 
der Männer zurückgelassen. Nach ein paar Stun 
den war auch dieses Städtchen abgegrast und das 
Trio konnte noch einen dritten Ort, den es mit dem 
Motorrad rasch erreichte, mit seinem Besuch „be 
ehren". 
Ein sonderbares Quartett. 
Vor dem Schwurgericht in Tours entrollte sich 
jüngst eine der tollsten Geschichten, die je die Ge 
müter dieses gesegneten Landstrichs beschäftigt ha 
ben. Der reiche, allgemein bekannte Gutsbesitzer 
Leon Bouchaud war des Mordversuchs an seiner 
Frau Rachel angeklagt. Keine außergewöhnliche 
Anklage mehr, da so etwas in Frankreich alle Tage 
vorkommt. Bouchaud zählt über 70 Lenze und Ra 
chel einige über 30. Auch das ist nicht ohne Beru 
fungsfälle. Was aber neu war an der Geschichte, 
wurde vor Gericht erst bekannt und bestand in einem 
regelrechten Vertrag zwischen Bouchaud und Ra 
chel, in dem der Mann seiner Frau in aller Form 
einen Freund erlaubte. Und dieser Freund wurde 
denn auch in dem Bauunternehmer Hette, einem 
stattlichen Vierziger, gefunden, der ebenfalls verhei 
ratet ist und, wie das Gericht feststellte, mit einer 
jungen, weit hübschern Frau als Rachel. Hette war 
von den Eheleuten darauf aufmerksam gemacht wor 
den, daß ihm auf Grund des zwischen ihnen abge 
schlossenen Vertrages aus dieser Geschichte keinerlei 
persönlicher Schade erwachsen könne. Als er gleich 
wohl nicht umhin konnte, Bedenken zu äußern, 
meinte der alte Bouchaud: „Was wollen Sie, so ist 
das Leben! Man muß mit seiner Zeit gehen." 
Wohl widersetzte sich Frau Hette im Anfang, in die 
sem merkwürdigen Viergespann mitzuwirken. Aber 
Vater Bouchaud sagte ihr, was er zu ihrem Gatten 
gesagt hatte: Seien wir modern! . . . 
Eine Zeitlang ging alles gut. Die beiden Paare 
lebten in der denkbar größten Einigkeit fröhlich in 
ihrer französischen Landschaft. „Um den Frieden 
bei mir zu haben", erklärte Bouchaud den Geschwo 
renen, „gab ich meinem bösen Hausdrachen einen 
jüngeren Mann und dachte, das wird sie beruhigen! 
Und weil bei ihr nur etwas „Geschriebenes" gilt, 
machte ich den Vertrag." Um ihm seinen Frieden 
ganz zu geben, reiste Rachel mit Hette eines Tages 
nach Paris. Bouchaud wußte sich aber zu helfen; 
er bestieg mit Frau Hette ebenfalls den Zug, um in 
der Hauptstadt die beiden Ausreißer wiederzufin 
den. Das gelang denn auch, und bei einem vor 
trefflichen Mahl wurde Versöhnung gefeiert. Und 
das Quartett gewann in Eintracht wieder die heimi 
schen Penaten. Nachts aber fiel dem Vater Bou 
chaud etwas ein: er begab sich an feinen Schreibtisch 
um sein Testament wieder einmal zu lesen. Es war 
nicht zu finden; desgleichen fehlten zwei wichtige 
Briefe. Rachel hatte die Schriftstücke entwandt. 
Da überkam Bouchaud der Zorn, er griff nach dem 
Revolver. „Mein Revolver", so erklärte er den 
Richtern, „war kein Glanzstück. Ich wußte gut ge 
nug, daß ich damit meine Frau nicht töten würde." 
Die Verwirrung der Geschworenen vor der Merk 
würdigkeit des Falles war so groß, daß sie rin 
vorübergegangen, ohne ihr einen Nasenstüber zu 
versetzen. 
Und Mary erledigte ihre Kommissionen prompt. 
Der erste, der der eleganten Dame im Pelz 
mantel entgegenkam, war Herr Leisegang. Er be 
grüßte Mary mit einer ttefen Verbeugung und er 
kundigte sich noch den Wünschen der Gnädigsten. Und 
dann, als er zwei spöttisch blitzenden Augen begeg 
nete, stutzte er: „Ja, aber den Vogel kenne ich doch. 
Darf ich meinen Augen trauen — Fräulein Mary?" 
„Jawohl, mein lieber Leisegang, das dürfen 
Sie —" Mary hält die Nase ziemlich hoch in die 
Luft — „und denken Sie mal, vor knapp fünf Mi 
nuten habe ich noch an Sie gedacht. Auf dem Rat 
he ,'smarkt pickte nämlich eine alte Krähe — rauf, 
runter — rauf, runter —. Das sah sehr drollig 
aus. Genau so, als wenn Sie komplimentieren, 
lieber Leisegang —" 
Leisegang schäumte. „Dr Chef zugegen, lie 
ber Leisegang? Nein? Verreist? Na, auch gut. 
Werde ein andermal wieder vorsprechen." 
Mary wandte sich der Abteilung Damen- 
strUmpfe zu, die sie jahrelang bedient hatte. „Kitty, 
Kleines, guten Tag!" 
„Ich muß aber sehr bitten, meine Dmen —“ 
Herr Leisegang war an den Verkaufstisch getreten 
— „Um ein Stück Kaugummi, Herr Leisegang? 
Kaugummi macht schweigsam. Und nun ein hal 
bes Dutzend Strümpfe, Kitty, Spezialmarke Gold 
tree. Lieber Leisegang, man wünscht Sie da ganz 
Mitten —" 
Und Kitty dankte — dankte — Mary für das 
warme Plätzchen. Und für all die Behaglichkeit — 
beinahe hätte sie sich auch noch für Mutter Barg 
mann bedankt —. „Und wie geht es Heini?" fragte 
Mary. „Dnk dir mal, Mary, er hat abgemustert 
und besucht schon jetzt die Seen.. :nsschule wegen 
des Käpitänpatents." 
„Und dann wird natürlich geheiratet. Kinder, 
wir Atlantik-Girls sind wie ein Topf mtt Erbsen 
gewesen, die ins Trudeln gekommen sind. Heut sind 
wir wohl kaum wieder zusammenzukriegen—" 
Um die Ecke schaute Hannelore. Blaß.. Traurig. 
„Ich habe gleich Mittag, Mary, begleitest du mich 
ein Stück?" 
Und Mary wartete draußen in der Mittags 
helle in ihrem wunderschönen Pelz mit der feschen 
Kappe. Ganz Star. Aber einer ohne Blasiertheit. 
Nichtschuldig aussprachen. Bouchaud. der im Ge 
fängnis überdies sich ein ansteckendes Leiden zuge 
zogen hatte, machte einen dermaßen bemitleidens 
werten Eindruck, daß man davon absah, chn nach 
Guyana zu schicken, und sich mit dem Bewußtsein 
begnügte, daß die allgemeine Lächerlichkeit, der er 
verfallen ist, eine hinlängliche Strafe sei. 
Zum Lächeln und Lüchen 
Anzüglich. 
Förster: „Sie glauben gar nicht, wie klug der 
Hund ist, er versteht jedes Wort, welches ich 
spreche." 
Bekannter: „Glaubt er Ihnen auch?" 
Ihre Rolle. 
Herr (zum Theaterdirektor): „Welche Rolle 
spielt denn Fräulein Rudolphs in dem n-uen 
Stück?" 
„Die Titelrolle soll sie nicht spielen, darum 
spielt sie die — Beleidigte." 
* 
Sport genug. 
„Kommen Sie morgen zu unserem Turnfest. 
Herr Pfeffersack?" 
„Nee, danke! Ich habe im Geschäft die ganze 
Woche über sowieso Turnübungen genug! 
Wenn ich morgens dis Mahnungen sehe, klet 
tere ich die Wände hoch, wenn mal durch Zufall 
'ne Bestellung eingeht, steht das ganze Kontor 
Kopf und schlägt Rad! Die Kunden springen ab, 
die Wechsel laufen und die Ware wird geschleu 
dert! Und überhaupt stehe ich mit dem ganzen 
Laden dauernd auf der Kippe!" 
Zweierlei. 
Na, alter Junge, dir geht es gut, wie? Viele 
Aufträge? 
O ja, Postaufträge! 
* 
Vorschlag zur Güte. 
Bräutigam: Sage mal, Liebling, würdest du 
gerne einen Alaun mit einem Auge heiraten? 
Braut: Wie kommst du zu dieser Frage?" 
Bräutigam: Dann laß mich deinen Schirm 
tragen! 
* 
Boshaft. 
Das Bad hat mich ungemein erfrischt; ich 
fühle, daß ich ein ganz anderer Mensch geworden 
bin! 
Na, das freut mich für Sie! 
* 
Ein höflicher Mann in der Badeanstalt. 
„Entschuldigen Sie, mein Herr, habe ich 
vielleicht schon einmal das Vergnügen gehabt, 
Ihre Bekanntschaft zu machen?" 
„Nicht, daß ich wüßte!" 
„Ich dachte nur, weil Sie gerade dabei 
sind, mein Hem anzuziehen!" 
* 
Schwaches Gedächtnis. 
Die jung verheiratete Frau wird häufig von 
ihren Freundinnen deswegen durchgehechelt, weil 
sie stets einen Schwanz von Verehrern an ihre 
Fersen fesselt. So beliebt sie bei den Männern ist, 
so böse Blicke erhält sie von ihrem eigenen Ge 
schlecht. Jüngst steht sie wieder einmal in einer 
Ihre Kolleginnen von früher gingen vorüber. Teils 
neidisch, teils neidlos. Alle können ja auch nicht 
aus dem gleichen Stoff fein. 
Und dann kam Hannelore. „Na, Kleines, knurrt 
deine Mutter wieder? Ist ihr der Schwiegersohn 
nicht vornehm genug?" 
„Ach, Mary —!" Und dann kam die Geschichte, 
über die Hannelore schon zwei Tage und zwei 
Nächte nachgedacht hatte. Was sie festhielt, war im 
mer nur das Bild. Dr Text dazu fehlte ihr. 
„Merkwürdig," sagte Mary, „solltest du dich 
da nicht doch vielleicht verguckt haben? Mit einem 
Mädel allein, das wollte ich noch glauben. Aber 
Privatauto. Zwei feudale Mütter offenbar —. Dis 
Geschichte weiß ich wirklich nicht hineinzukriegen —* 
„Mutter ist auf dem Kirchhof, Mary. Vater 
hat heute Geburtstag, da trägt sie ihm einen Blu 
mentopf hin. Ich bin jetzt so ungern allein in der 
Wohnung. Leiste mir für die eine Stunde Gesell 
schaft," bettelte Hannelore. 
Und Mary ging mit. 
Dicht bei dem Hause, in dem Hannelore wohnte, 
überholte sie ein Kraftwagen. Ein elegantes Ge 
fährt. An der kleinen Scheibe an der Rückwand des 
Wagens tanzte luftig zappelnd ein groteskes Nig 
gerlein von der Jazzband. 
„Ds Auto, Mary!" Hannelore preßte Marys 
Arm. 
D hielt der Wagen vor dem Haufe, in dem 
die Prätortuffens wohnten. 
„Schnell, Hannelore!" Mary hotte plötzlich 
das Gefühl, als ob sie sich sputen müßten. 
Als der Chauffeur die Tür öffnete, waren die 
Mädels auch am Haufe. Eine königlich Erschei 
nung schob sich heraus, die sofort ihr Lorgnon in 
Erscheinung treten ließ, und spöttisch die Hauswond 
maß. Von oben nach unten Und von unten nah 
oben. Die beiden anderen Dmen schloffen sich 
dieser Abschätzung an. Di« junge lachte hell und 
wie amüsiert. 
„Die drei Dmen", flüstert« Hannelore. D 
zog Mary sie schnell durch die Haustür auf die 
dunkle Treppe. 
D>e drei Dmen waren auch ins Haus getreten. 
Sie unterhielten sich nicht eben leise. 
„Das ist wirklich das Idyll, das ich Hal zu- 
ttaute," sagte die junge, anmaßende Stimme. Ich 
bin wirklich begierig, wie sich die Sache weiter eni- 
Eefellschaft in einem Kreise von Anbetern und 
zieht ein Spitzentaschentuch heraus, in dem sich ein 
Knoten befindet. „Was ist denn das?" Er sollte 
mich gewiß an etwas Wichtiges erinnern." Aber 
ihr kokettes Lächeln erstarrt, als sie hinter sich eins 
alte Dame sagen hört: „Der Knoten sollte Si« 
wahrscheinlich daran erinnern, daß Sie verheiratet 
sind!" 
Schach-Ecke. 
Geleitet von Schachmeister Brinckmann. 
Kiel. Holtenauerstraße 228. 
l'Amckr an d. Adresse.) 
Aufgabe Nr. 4. 
von Konrad-Erlin-Wien. 
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Weiß: Kb3, Dd3, Se8, Td5, Bb6, f6, g3, h4 (8) 
Schwarz: Ke6, Td7, Le8., Bb7, e5, f7, h5 (7) 
Matt in 2 Zügen. 
Partieteil. 
Eine wilde Jagd. 
Weiß: (Rohweder-Kiel) Kgl, Dd2, Tel und hl, Lb2, 
Sc3 und k3, Bc2, k2, g2, dh. 
Schwarz: (Herr X....) Kg8, Dc7, Tc8 und k8, La6 
und b4, Ba7, bö d5, e6, f5, g6, h7< 
Kürzlich in Kiel gespielt. 
1. TelXel Lb4Xc3 
2. Lb2Xc3 Dc7xc3 
3. Dd2Xd5 La6—c4 
Schwarz läßt getrost das Abzugsschach zu, weil 
er sich feisten Gewinn davon erhofft. Hätte er 
jedoch nur schimmerhaft geahnt, was ihm noch 
blüht, dann würde er wohl mit Tk7 allen Gefahren 
den Weg verrammelt haben. 
4. Te6Xg6-f- Kg8—h8 
5. Dd5—d7 h7Xg6 
6. Sf3—d4! Dc3—el + 
Nachöem er den Brocken auf g6 verschluckt hat, 
stürzt er sich jetzt mit Lust in einen Schach-Schach- 
Angriff. 
7. Kgl— h2 Del—e5+ 
8. f2—f4! De5Xf4-j- 
9. g2—g.3 Df4—f2-f 
10. Kh2—h3 Lc4—fl + 
Und die Hetzjagd, die nunmehr einsetzt, sollte 
der weiße König, ohne Schaden zu nehmen, über- 
stehen? 
11. Kh3— h4 g6 - g5+ 
12. Ķh4-h5 Lfl— e2-f 
13. Kh5—g6 
Mit einer ihrer Würbe nicht ganz entsprechen« 
den Eile ist die weiße Majestät flüchtend über's 
Brett gerannt. Nun aber, wo sie ihrem Antipode» 
von der schwarzen Partei Aug in Auge gegenüber 
steht, erwacht in ihr wieder das Gefühl ihrer 
Macht und Bedeutung. 
t3. — Tf8—g84- 
14. Dd7-g7+! Tg8+g7+ 
15. h6Xg7+ Kh8—g8 
16. Thl—h8. Matt. 
wickelt, wenn nur ohne Schädelbruch die Treppe 
pasjiert haben. Hal ist wirklich ein unglaubliche! 
Junge, Mrs. Smith. Ich glaube fast, daß wir uns 
auf eine Ueberrafchung gefaßt machen müssen — v 
„Sein deutscher Vater", sagte Mrs. Smith. 
Und ihre Stimme klang hart und lieblos. Beinahe 
wegwerfend. „Man wird den Jungen zur Ver 
nunft bringen müssen, wenn er sich etwa vergessen 
haben sollte." 
Hannelore zitterte an allen Gliedern. „Schnell 
den Schlüssel, Hannelore!" kommandierte Mary. 
Und als sie drin auf dem schmalen Flur standen: 
„Und jetzt bin ich du, Hannelore, und nicht gemuckst! 
Dn dreien, die die Treppe heraufkommen, bist du 
kleines Schaf doch nicht gewachsen." 
Ds w>ar ganz Mary, die beim Schopf packte, 
was ihr reformbedürftig schien. Und die drei schie 
nen ihr ganz danach angetan, als könne man sich 
ihnen nur in geschlossener Kolonne und mit dop 
peltem Berliner Mundwerk nahen. 
Die alte Türglocke schebberte und schüttelte sich 
„Halt, erst eine Anstandspause, ehe wir öffnen. 
Ds steht besser aus und verwöhnt nicht so." 
Mary drückte die Klinke herunter und schlug 
dir Tür zurück. 
„Hier wohnt Mr. Smith?!" Me Dame m't 
dem Lorgnon trat als Sprecherin auf. Sie sprach 
so, wie ihre Augen das Haus gemustert hatten. 
„Sie haben eine Bestellung an Herrn Smith zu 
machen, gnädige Frau?" Mary spricht ganz ruhig, 
aber sie „jammelt ihre Truppen zum Angriff." 
„E:ne Bestellung?" Das ist die helle, anmaßenor 
Stimme der Jungen. „Rein, Beste, wir wünsche» 
nur Mrs. Smiths Quartier zu sehen." 
Mary gibt Hannelore ein Zeichen, sich zurück- 
zuzieheu. 
„Und wie darf ich wissen, gädiges Fräulein, 
ob Sie von Mr. Smith ermächtigt sind, fein Zim 
mer zu besichtigen? Hamburg ist Großstadt, und 
es kommt so allerlei vor — Sie verzeihen — 1 
aber —" Mary lachte innerlich, Leute, die sich meh! 
einbilden, als sie sind, aufzuputschen, ist ihre Spe 
zialität —. 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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