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Montag.
Ķ.
Zum 22. März 1887.
v'CtC'o gvetfe Haupt, zumal lucrin es auf eine
ahe von vNthren zurückblicken kann, die weit über
a <3 tc ^ hinausgeht, ivelches der großen Menge
an Lebensjahren in der Regel von Gott gewährt
'lrd, in der Gegenstand der Achtung derer, die ihm
ö0 }H’ e ^ "der, wenn wir an ihm nicht die
- angel finden können, mit denen meist das hohe
ņîlinalter zu kämpfen hat, sondern wenn es
'e> knüpft fit mit körperlicher und geistiger Frische.
. "blicken in einem solchen hochbetagten Greise
etueit Menschen, über den Gottes Hand ersichtlich
gewaltet hat und deshalb ist es uns ein Gegenstand
ter Achtung. Mit Verehrung nahen tuir aber Den,,
in einem Alter stehend, welches nur selten
Menschen, und dann meist von jenen dem hohen
.lltei fast unzertrennlichen Gebrechen begleitet,
erreichen, noch in voller geistiger und körperlicher
Krrsche an der Spitze des deutschen Reichs steht,
unserem Kaiser Wilhelm. Die Stellung
n'elche er entnimmt, zeichnet sich ant deutlichsten da
durch ab, dag es nicht nur das deutsche Volk und
die deutschen Fürsten sind, ivelche sich zur gemein
samen Feier des 90. Geburtstags des Reichsober
hauptes verehrend um dasselbe schaaren, ans allen
Ländern der Welt eilen Abgesandte herbei, um mit
uns diesen Tag festlich zu begehen. Groß und ver-
ehrnngswürdig steht er da, der erste protestantische
Kaiser Deutschlands, groß als Herrscher, groß als
Feldherr, groß als Mensch. Groß steht er da als
Herrscher und Gesetzgeber, denn er war es, der ans
erzogen in den Änschaungen des alten strengen
Legitimitätsprinzips und erwachsen in den Begriffen
des absoluten Monarchenthums ans freien Stücken
»tit diesen alten Traditionen brach mid sich der
Erkenntniß nicht verschloß, daß eine Zeit gekommen,
me des Vaterlandes Wohl die gemeinsame Arbeit
von Fürst und Volk zu einem gedeihlichen Weiter
kommen forderte. Groß steht er da als Feldherr.
Leider muß in unseren Tagen noch oft „Blut und
Eisen" den Ansschlag in politischen Fragen geben,
aber die vom Kaiser Wilhelm geführten siegreichen
Kriege sind der ganzen Menschheit zu Gute ge
kommen, durch sie ist die Karte Europas derart n'm-
geändert und die Weltgeschichte in solche Bahnen
gelenkt worden, daß das früher von anderer Seite
fnvol ^gebrauchte Wort: „Das Kaiserreich ist der
iVrtebc" hier zur Wahrheit tvurde. Groß steht end
lich Kaiser Wilhelm da als Mensch. Denn wenn
ans irgend einen Menschen das erhabene Dichter-
ivort Anwendung finden kann: „Hülsreich sei der
Mensch, edel und gut", so ist es bei ihm. Und
darin liegt das Wesen seiner Popularität, er steht
seinen Unterthanen durch menschliche Tugenden
menschlich nahe! So möge denn dem greisen Kaiser
des deutschen Reichs dem großen Menschen noch
manches Jahr in ungetrübter Körperkraft und geistiger
Frische erblühen, ist es doch ein günstiges Omen,
daß der erste Kaiser des protestantischen Kaiserreichs
>veit über die Tage hinaus an dessen Spitze stehen
darf, die dem Sterblichen gewöhnlich zugetheilt sind.
Bon ihm wird aber dereinst das Wort gelten; „Es
wird die Spur von seinem Erdenleben nicht in
Aeonen untergehen"; noch nach Jahrhunderten kvird
er in der Geschichte dastehen groß und hehr:
Kaiser Wilhelm, der Siegreiche!
21. Uärz 1887.
Deutscher Reichstag.
Pst der 11. Plenarsitzung vom 18. März nahm der
Reichstag zunächst de» Vertrag an, der zwischen dem
Aeich und Serbien bez. gegenseitigen Schutzes der ae-
werbl. Muster und Modelle abgeschlossen worden ist. So
dann wurde der Gesetzentwurf betr. den Verkehr mit
ble,- und zinkhaltigen Gegenständen an > eine Commission
verwiesen;_ der Gesetzentwurf betr. Abänderung der Reichs
beamtengesetzes soll jedoch ohne Commissionsverweisung
direct im Plenum in 2. Berathung gelangen. Der Ge
setzentwurf betr. die unter Ausschluß der Oesfentlichkeit
abzuhaltenden Gerichtsverhandlungen ivurde nach lebhafter
Debatte an eine Commission verwiesen. Derselbe wurde
vom Centrum, Socialdemokraten und Freisinnigen hart
Wb^llŗiffeii. Abg. Klotz sd.-sr.s erblickt in ihm den ersten
schritt zu einer Beseitigung des öffentlichen und münd-
licheii Verfahrens. Auch den Nationalliberalen ist der
Gesetzeiitwurf nicht genehm, denn deren Generalredner
Meyer-^ena kaun nicht filibeg, daß die in der Begrün
ung angeführten Prozesse genügenden Grund zu Mafi-
regeln, wie sie das Gesetz wolle, geben können; zum Aus-
cl)Ui|)e der işentlichkeit, wenn nöthig, reiche die vor
handene Gesetzgebung vollständig aus. - Nächste Sitzung
Montag. Tages-Ordnung: Etat.
Roman von Karl Hartmann-Plön.
Sie fuhr fori, und zwar mit einer gewissen
Härte in ihrer Stimmen
„Warum Sie mir eigentlich die Aeußerungen
meines Bellers über mich hinterbracht haben,
Herr v.^ Flamming, ist mir nicht erfindlich.
Wenn Sie die Absicht hallen, mich gegen ihn
einzunehrsien, meine Freundschaft für ihn zu
verringern, so ist Ihnen das nicht gelungen.
Unsere Freundschusl ist zu fest begründet.
Wäre es Liebe, was uns verbindet, so hallen
Sie mir wehe gethan; die Freundschaft ist von
härterem Stahl und stell! sich nicht gleich in
den Winkel und schmollt. Und daß es nur
Freundschaft ist und keine Liebe, habe ich
Ihnen schon einmal erklärt."
Sie erhob sich, als wenn sie damit der
Unterhalîung über diesen Gegenstand ein Ende
wachen wollte. Auch Flamming stand auf.
Er war zweifelhaft, als ob das schöne Weib
eine Virtuosin in der Verstellung sei, ob sie
ihre Liebe zu Bela nur geschickt zu verbergen
wußte, oder ob der Letztere Recht mit seiner
Behauptung gehabt hatte, daß Gabriele eine
feiiwi /?. r Flamming habe. Trotz seiner
Glulh für Sie blieb er doch
Berstand^n^î'""^ Beobachter, dessen klarer
wurde Fn ^ine Gefühle beeinflußt
hm tefem Falle aber neigte er sich
die letztere Möglichkeit,
re*- w r V f e 'hn die Thatsache er-
regl, daß seine bisherige Annahme, Bela liebe
Z'°u v. Sonns grundlos sei. Dieser war
hl b^/^h-Nhnhier, mit dem er vergebens in
hie ©tafen getreten wäre, den er auf ge-
ohnltchkm Wege nicht hätte beseitigen können.
me hatte er so leidenschaftlich gefühlt,
ke tue diese Fra», und diese Frau war über-
Preußischer Landtag
Abgeordnetenhaus.
Das preuß. Abgeordnetenhaus nahm in der 30. Ple-
mrjchuug am 19. Marz den Gesetzentwurf betr. die Ver-
langerui.g des Gesetzes betr. Ergänzung der Bestiminun-
giti über die Ausjonderung des steuerartigen Theils aus
HHi.jtefjenbei! Gefällen in der Provinz Schleswig
.volstnn in dritter Lesnng an. Desgl den Gesetzentwms
bett. die durch ein Auseinandersetzungsverfahren be-
giundeten gememjchastlichen Angelegenheiten. Terner
wurde der Entwurf einer Kreisordnüng und der Geiek-
"ber dw Emiführung der Prcwmzialordnung vom
,)um IS to in der Rheinprovinz mit geringen Aender-
iutgen nad) der Regierungsvorlage angenommen. Beim
Cintntt in die Discujsion ivurde liberalerseits erklärt
daß man gegen den Entwurf der Kreisordnüng stimmen'
werde, da in derselben eine Vernichtung der Selbstver
waltung in der Rheinprovinz zu erblickeir sei. Amende
ments zu stellen enthalte man sich im Hinblick darauf
da,; die,eiben vergebens sein würden. Schluß 3'/ Uhr
Nächste Sitzung Montag. Tagesordn.: Kleine Vorlagen.
Petersburg. (B. T.) Im Zusammenhang mit
dem Attentatsversiich wurden viele Offiziere
der hiesigen Garnison verhaftet.
Petersburg, 17. März. Zahlreiche BerHaf
tungen werden fortgesetzt vorgenommen. Bissietzt
sind 40 Studenten und 20 Studentinnen der
Ftnnenlüisc, mehrere Zöglinge des Pawloiv'schen
Kadettenkorps und mehrere Offiziere, im Ganzen
etwa 140 Personen, verhaftet worden.
Petersburg. 19. März. (B. T.)' Die Haupt-
attentäter erklärten im Verhör höhnisch, eine even
tuelle Todesstrafe ließe sie kalt, es stände
eine genügende Anzahl Ersatzmänner
hinter ihnen. Alle drei Attentäter sollen an
geblich aus dem Süden sein, Kosakenfamilien ange
hören, und ein nnansehnliches Aenßere, zwei davon
geradezu abstoßende Physiognomien haben. Inter
essant ist, daß sie bereits Tags zuvor — sie führten
ihre Atttapmboniben mit— in verschiedenen 'i'raftirs
(Bolksrestanrants) auffielen, weil sie ihre Bûà"
übermäßig vorsorglich behandelten. Die Gcsckiosic
enthielten je sieben Pfund Dhnamit und ^00
kleme mit Strychnin vergiftete Knaeln
«„, s i m
Anzeiger zufolge hat der Rektor der hiesigen Uni-
vcrsttät gestern m der Aula vor den ahlreich an-
we enden Studenten ,n Gegenwart der borgesitzten
Behörden und des Prosessoren-Colleginms eine Än-
h!nt ^^rbin des reichen Baron v. Ranken-
Ì„ t ï tnn f >hm gelänge, sie als Weib
" wurde zugleich sein brennender
Wunsch erfüllt. ein unabhängiger Mensch zu
" abenteuerndes Ringen nach einer ge
sicherten Existenz ausgeben und alle Genüsse
des ^ebens sich verschaffen zu können. Seit-
àttl ihn vorher aufgeklärt, daß er diesen
gefährlichsten Gegner nicht mehr zu fürchten
habe, seit diesem Augenblick wallten seine
Wünsche mit verstärkter Kraft in ihm empor,
und mochlen auch seine kalt überlegenden
Gedanken ihn nie zur voreiligen Schlüssen
hinreißen, es erging ihn in diesem Augenblick
wie dem besten Sanguiniker, er glaubte an
das, was er so sehnlichst wünschte. Halle er
das Zucken Gabriele's vorhin für einen Stoß
ins Herz gehalten, so hielt er es jetzt schon
für einen bloßen Aerger über einen Mangel
an Bela's Vertrauen. Und liebte sie den
Letzteren nicht, uand kein Nebenbuhler ihm
şş Şeite, so konnte er jetzt ernstlicher mit
seiner Werbung hervortreten. Er kannte seine,
wenn auch langsam, aber doch sicher wirkender
ri Q r . Frauenherzen, warum sollte er
sich nicht einer ernsten Hoffnung hingeben
dürfen, und — warum nicht sogleich mit der
Werbung beginnen?
„Gnädige Frau", sagte er in einem eigen
thümlich tiefen ^.one, wobei er Gabriele mit
einem leidenschaftlich flammenden Blick ansah
„ich war bisher der Meinung, daß für einen
Dritten Hoffnungen und Wünsche ganz un
nütze Belästigungen seiner Seele wären.
Herr v. Bela liebt eine Andere, Sie hegen
für ihn nur Freundschaft, — gestatten Sie
diesem Dritten, daß er in Zukunft seine Hoff
nungen nicht mehr als eine schwere Last,
sondern als seine süßesten Gefühle betrachtet?"
Ein sonderbarer Gedanke entstand plötzlich
spräche gehalten, in welcher er seine Uebcrraschung
darüber ausdrückte, daß nach amtlicher Meldung 3
Sttidenten der St. Petersburger Universität ' im
Besitze von Sprengstoffen betroffen und verhaftet
worden, seien. Der Rektor sprach seinen tiefsten
Abscheu und sein Bedauern darüber ans. Gegen
über dieser Thatsache forderte er die Studenten auf,
ans das Energischste gegen die Unthat z» protestiren
und diesen Protest in einer einstimmigen Ergebcn-
heitsadresse an den Kaiser auszudrücken. Die Rede
des Rektors ivurde von anhaltenden, lauten Bei-
fallsbezeugmigen begleitet. Die Studenten stimmten
nach Schluß der Rede die Nationalhymne an und
brachten Hochrufe auf den Kaiser ans.
^ Petersburg, 21. März. Bereits wurden drei
Offiziere des Leibga rd e-Grena dier-Regi-
mcnts verhaftet, wegen Verdachtes, in den
engsten Beziehungen zu den verhafteten Mordgesellen
gestanden zu haben. Wie man erzählt, erklärte der
Regiments-Kommandeur in größter Aufregung dem
Gendarnierieches, General Orchewsky, es müsse
ein Irrthum obivalten, die Betreffenden seien drei
seiner besten Offiziere; allein der General verwarf
die Möglichkeit eines Irrthums, es sei nur allzn-
traurige Wahrheit. Diese drei verhafteten Offiziere
und ans Südrußland. Uebrigcns erhält sich die
. Nachricht, es seien nicht drei, sondern fünf mit
Oomben versehene Attentäter am Sonntag ans der
Otrapc verhaftet worden, von denen einer angeblich
ans dem Wosnessenski-Prospekt, auf dem Wege nach
d".".Bahnhof den Kaiser erwartet hätte. — Der
russisch-offiziöse „Nord" veröffentlicht eine offiziöse
Note, worin erklärt wird, der letzte Attentats-
Versuch werde Rußlands Politik nicht
andern. '
Ņààrg. 20: März. Die Ansicht, daß die
lussischc Regierung in Folge des Attentats-
versnchs m noch entschiedenerer Zurückhaltung geaen-
nbcr Bulgarien verharren werde als bisher, gewinnt
täglich mehr an Bestand. Bon hier schreibt der
„K. Z." deren Berichterstatter, daß dort auch in
hohem militärischen Kreisen ein geivaltiaer
llmschivnng der Anschauungen in Bezug aus die
Behandlung der bulgarischen Frage sich bemerk-
bar macht, der insbesondere bei den neuesten Putschen
Z" Şilistna lind Rnstschnk zu Tage getreten ist.
Wählend m diesen Kreisen früher fast allgemein ein
trästigeö Einschreiten Rußlands in Bulgarien gcfor-
dei ivordeu ist, höre man jetzt in denselben Kreisen
mcht selten die Ueberzengnng nussprechen, Rußland
möge nur die Dinge in Bulgarien ruhig gehen lassen
ÄS! à Rußland bereits so iäl mi Blltt
uu ( Ad gekostet, day weitere rnssischc Opfer bei
dmküch Undankbarkeit der Bulgaren, höchst be-
"Ş1 »nd kann, nützlich sein dürften.
Constantinopei 20 . ,
limfrfirn w ^Die Beziehungen
à Pforte und dem Cabinet von Peters-
m** stnnü milfZZ&mi „2“
^^ Antzland beabsichtigt, die Türkei zu einer Aktions'
zn drängen. Dem entgegen
bl !£ die Pfm-te den Botschafter' in
f' 1 i' e . te ^ f 6lu ' 9 ' Pascha, angciuiefeti habe,
dem Peterslnnger C alnnct zn erklären, daß die Türkei
nt ihrer lnshengen Haltung verbleiben wolle. Die
bei diesen Worten im Gehirn der Frau v
Sonns _ Er war nebelhaft ^ und halte noch
keine beslimmlen Umrisse. Sie wußte selbst
fJl tr gekommen. Sie mar davon
à^schl und schloß für einen Augenblick die
Ungen. Nur das Eine konnte Sie logisch
klar denke»; Der Biann da kann Dir noch
merT 11 ^h" n,eiben ' er das Mittel
“ ' b \ n Ģklteblen ganz zu gewinnen
f L ©T )1Cr [ !0Cten ih" Gedanken, ein
leichler Schauer burditiefelte sie — „ober —"
eie brach abstchlljch ben Gedanken ab, um
ihn illcht wciler zn neifolgen. Auch Das, was
sich möglicher Werse an dies „Oder" knüpfen
konnte war verschwommen und nahm keine
feste Gestalt an.
Als sie ungewöhnlich lange geschwiegen und
Flamming sie zögernd gefragt': „Haben Sie
mir auf meine Frage nichis zu erwidern?"
da schlug sie die großen, schönen Augen voll
aus, und Flamming mit einem bestrickenden
Blick ansehend, sagte sie mit leiser, hauchender
Stimme:
„Bin ich berechtigt, Hoffnungen zu zer
stören?"
„So darf ich mich ihnen hingeben?
Und als wenn in diesem Augenblick das
„Oder" greifbare Formen angenommen hätte,
so erwiderle sie etwas lauter:
^ „och werde Lie vielleicht noch einmal auf
eine große Probe stellen."
„Ich werde jede bestehen, fordern Sie, was
Sie wollen, ich werde Alles thun, was Sie
von nur verlangen, das schwöre ich Ihnen
mit einem heiligen Eid'"
„Alles?"
„Alles!"
„Sie schwören es?"
„och schwöre es! — So darf ich sernerbin
wünschen und hoffen?" } 1 Umljm
türkische Regierung wird nicht von dem Wege einer
friedlichen Lösung abweichen, und sie ivill die besten
Beziehungen mit sämmtlichen Mächten aufrecht
erhalten. Die Pforte bereitet jetzt eine Cirkularnote
an die Mächte über die letzten bulgarischen Vorgänge
vor. ^ In derselben fordert die Pforte die Mächte
ans , ihre Vertreter in Sofia anzuweisen, mit dent
türkischen Commissär gemeinschaftlich vorzugehen, nm
die bulgarische Frage rasch einer Lösung zuzuführen.
Sofia, 19. Mürz. (H. C.) Die Regentschaft
beabsichtigt, zur Stärkung ihrer Stellung durch die
demnächst zu einer kurzen Session zusammentretende
Sobrnnje dic definitive Bereinigung Bul
gariens und Ost-Rume liens proclamiren zn
lassen.
Wien, 18. März. Die „Politische Korrcsp."
meldet ans Konstantinopcl: Capitain Nabokow,
der Urheber des vorjährigen Aufstandes in Burgas,
sormirte in der Umgebung von Konstantinopel eine
iiiK' hundert Mann, meist Montenegrinern, bc-
stehcnde Bande, welche in Ostrumelien behufs Rnhc-
störnngen eindringen soll. Die türkischen Behörden
überwachen die Bande und insorniirten die Regie
rung in Sofia.
^ — Die Tripelallianz mit Italien hat nach
einer Wiener Meldung des „Bcrl. Tgbl. lediglich
einen defensiven Charakter. Die Lasts des Bünd
nisses sei die vollste Parität aller drei Theilnehmer;
der Vertrag sei ein schriftlicher und stipulire eine
gegenseitige^ Bürgschaft des Besitzstandes und der
Orostniachtstellnng; darüber jedoch, ivann im Krieqs-
loed ens eintritt, werde das
sttuigjie Stillschiveigen beobachtet
Laudon, .18. Mürz. Die „Times" berichtet
IS.şds. N. A.: „Die Loge in Europa
scheint sich einer Krisis zu nähern. Die russische
Regiening hat versucht, die Türkei zur Besetzung
^st-Rumeliens zn überreden. Die türkische 9îc-
sltevung hat es abgelehnt, in diese Falle zu gehen
^»'sichte von bent Vorschlage
Rußlands m Kenntmff zu setzen. Gleichzeitig ist
dm mropatschm Cabinetten bekannt getvorden, daß,
als dw Jnsnrrectionm in Rnstschnk und Silistria
ansbrachen, die französische stkegierung von Rußland
sondnl wurde,à obj'ic vorbereitet fei, zn irgend einer
"^kloņ- zu s-chrcitcm-,-im Falle Rußland plötz
lich Bulgarien besetzen sollte. Die ertheilte
àtwort lautete verneinend, aber während dreicr
Vage,hing es von jener Antwort ab, ob unver
züglich ein europäischer Krieg ansbrechen
sollte, oder nicht. Welche Action von Seiten
Frankreichs erwartet wurde, kann man errathen.
® tc °% c , Darstellung der Situation dürfte der
^vahiheit ziemlich nahe kommen. Frankreich war
iilcht fertig, und Rußland ist nicht im Stande, seine
Plmie im Orient ohne fremde Hülfe durchzuführen.
Brüffel, 11. März. (33. T.) Die gemeldeten
rlrbeltcrimrnhen in Soignies wurden, durch die
m 1111 ä V t f d) e î) eşetzüng b e v Steinbrüche
it ntcr drückt.
— Wenn das „B. T." recht berichtet ist, spielt
der Sultan von Sansibar seine zweifelhafte sicollc
gegenübcr Deutschland fort. Dem genannten Blattc
wird nämlich ans London dcpeschirt: „Im Laufe
der letzten Bconate hat Said Bargasch, wie hier
aus diplomatischer Quelle verlautet, nicht wcnigcr
nls sicbenzchn Beschwcrdcschriften gegen den General
„Fragen Sie jetzt nicht weiter, Herr von
Flamming, und verlassen Sie mich, ich bin
am Rande meiner Kraft, meine Kopfschmerzen
verschlimmern sich von Minute zu Minute,
gönnen Sie mir die Ruhe, deren ich bedarf."
„Und gestalten Sie mir, wiederzukommen?"
E „So oft Sie wollen, aber unter der Be
dingung, daß das heutige Gesprächtstheina
nicht eher zwischen uns berührl werde, als bis
ich selbst darauf zurückkomme."
„Ich erfülle jede Bedingung."
„So werden Sie mir willkommen sein."
Flamming ergriff stürmisch ihre Hand, führte
sie an seme Lippen und mit einem „Leben
Sie wohl!" entfernte er sich rasch aus dem
Zimmer.
rirau v. Sonns starrte lange Zeit wie
traumverloren auf die Thür, durch die er ae-
gangcn, dann hob sie die rechte Hand, gleich
sam als wollte sie einen Schwur leisten und
harrte in dieser Stellung secundenlang wie
em^ Bildsäule, darauf rief sie plötzlich laut
„Nein, nein, sonst giebt es ein Unalück ein
hn?»"ì!'î^.àglûck! Gott schütze mich'und
4r Porten: „Weicht von mir,
Ohr stnstern Machte!" eilte sie in ihr Schlaf-
c^-° °us ein Ruhebett warf,
um die schlagende Pulse ihrer Schläfen und
ore nicht mehr erdichleten, sondern wirklich
sich eingestellt habenden hefligen Kopfschmerzen
m der liegenden Stellung zu beschwichtigen. —
Ş^à^^^,Ģortsetzung folgt).
Kleine Gedankensplitter.
Fm Kampf mit Gefahr
Erhebt sich, ivie machtvoll zur Sonne der Ra» ,
Der Geist ans kerkernden Schranken
Zu Göttergedanken,
Matthisson-