Full text: Newspaper volume (1887)

Rilmņrmeņtêpŗķiķ: 
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Montag. 
Ķ. 
Zum 22. März 1887. 
v'CtC'o gvetfe Haupt, zumal lucrin es auf eine 
ahe von vNthren zurückblicken kann, die weit über 
a <3 tc ^ hinausgeht, ivelches der großen Menge 
an Lebensjahren in der Regel von Gott gewährt 
'lrd, in der Gegenstand der Achtung derer, die ihm 
ö0 }H’ e ^ "der, wenn wir an ihm nicht die 
- angel finden können, mit denen meist das hohe 
ņîlinalter zu kämpfen hat, sondern wenn es 
'e> knüpft fit mit körperlicher und geistiger Frische. 
. "blicken in einem solchen hochbetagten Greise 
etueit Menschen, über den Gottes Hand ersichtlich 
gewaltet hat und deshalb ist es uns ein Gegenstand 
ter Achtung. Mit Verehrung nahen tuir aber Den,, 
in einem Alter stehend, welches nur selten 
Menschen, und dann meist von jenen dem hohen 
.lltei fast unzertrennlichen Gebrechen begleitet, 
erreichen, noch in voller geistiger und körperlicher 
Krrsche an der Spitze des deutschen Reichs steht, 
unserem Kaiser Wilhelm. Die Stellung 
n'elche er entnimmt, zeichnet sich ant deutlichsten da 
durch ab, dag es nicht nur das deutsche Volk und 
die deutschen Fürsten sind, ivelche sich zur gemein 
samen Feier des 90. Geburtstags des Reichsober 
hauptes verehrend um dasselbe schaaren, ans allen 
Ländern der Welt eilen Abgesandte herbei, um mit 
uns diesen Tag festlich zu begehen. Groß und ver- 
ehrnngswürdig steht er da, der erste protestantische 
Kaiser Deutschlands, groß als Herrscher, groß als 
Feldherr, groß als Mensch. Groß steht er da als 
Herrscher und Gesetzgeber, denn er war es, der ans 
erzogen in den Änschaungen des alten strengen 
Legitimitätsprinzips und erwachsen in den Begriffen 
des absoluten Monarchenthums ans freien Stücken 
»tit diesen alten Traditionen brach mid sich der 
Erkenntniß nicht verschloß, daß eine Zeit gekommen, 
me des Vaterlandes Wohl die gemeinsame Arbeit 
von Fürst und Volk zu einem gedeihlichen Weiter 
kommen forderte. Groß steht er da als Feldherr. 
Leider muß in unseren Tagen noch oft „Blut und 
Eisen" den Ansschlag in politischen Fragen geben, 
aber die vom Kaiser Wilhelm geführten siegreichen 
Kriege sind der ganzen Menschheit zu Gute ge 
kommen, durch sie ist die Karte Europas derart n'm- 
geändert und die Weltgeschichte in solche Bahnen 
gelenkt worden, daß das früher von anderer Seite 
fnvol ^gebrauchte Wort: „Das Kaiserreich ist der 
iVrtebc" hier zur Wahrheit tvurde. Groß steht end 
lich Kaiser Wilhelm da als Mensch. Denn wenn 
ans irgend einen Menschen das erhabene Dichter- 
ivort Anwendung finden kann: „Hülsreich sei der 
Mensch, edel und gut", so ist es bei ihm. Und 
darin liegt das Wesen seiner Popularität, er steht 
seinen Unterthanen durch menschliche Tugenden 
menschlich nahe! So möge denn dem greisen Kaiser 
des deutschen Reichs dem großen Menschen noch 
manches Jahr in ungetrübter Körperkraft und geistiger 
Frische erblühen, ist es doch ein günstiges Omen, 
daß der erste Kaiser des protestantischen Kaiserreichs 
>veit über die Tage hinaus an dessen Spitze stehen 
darf, die dem Sterblichen gewöhnlich zugetheilt sind. 
Bon ihm wird aber dereinst das Wort gelten; „Es 
wird die Spur von seinem Erdenleben nicht in 
Aeonen untergehen"; noch nach Jahrhunderten kvird 
er in der Geschichte dastehen groß und hehr: 
Kaiser Wilhelm, der Siegreiche! 
21. Uärz 1887. 
Deutscher Reichstag. 
Pst der 11. Plenarsitzung vom 18. März nahm der 
Reichstag zunächst de» Vertrag an, der zwischen dem 
Aeich und Serbien bez. gegenseitigen Schutzes der ae- 
werbl. Muster und Modelle abgeschlossen worden ist. So 
dann wurde der Gesetzentwurf betr. den Verkehr mit 
ble,- und zinkhaltigen Gegenständen an > eine Commission 
verwiesen;_ der Gesetzentwurf betr. Abänderung der Reichs 
beamtengesetzes soll jedoch ohne Commissionsverweisung 
direct im Plenum in 2. Berathung gelangen. Der Ge 
setzentwurf betr. die unter Ausschluß der Oesfentlichkeit 
abzuhaltenden Gerichtsverhandlungen ivurde nach lebhafter 
Debatte an eine Commission verwiesen. Derselbe wurde 
vom Centrum, Socialdemokraten und Freisinnigen hart 
Wb^llŗiffeii. Abg. Klotz sd.-sr.s erblickt in ihm den ersten 
schritt zu einer Beseitigung des öffentlichen und münd- 
licheii Verfahrens. Auch den Nationalliberalen ist der 
Gesetzeiitwurf nicht genehm, denn deren Generalredner 
Meyer-^ena kaun nicht filibeg, daß die in der Begrün 
ung angeführten Prozesse genügenden Grund zu Mafi- 
regeln, wie sie das Gesetz wolle, geben können; zum Aus- 
cl)Ui|)e der işentlichkeit, wenn nöthig, reiche die vor 
handene Gesetzgebung vollständig aus. - Nächste Sitzung 
Montag. Tages-Ordnung: Etat. 
Roman von Karl Hartmann-Plön. 
Sie fuhr fori, und zwar mit einer gewissen 
Härte in ihrer Stimmen 
„Warum Sie mir eigentlich die Aeußerungen 
meines Bellers über mich hinterbracht haben, 
Herr v.^ Flamming, ist mir nicht erfindlich. 
Wenn Sie die Absicht hallen, mich gegen ihn 
einzunehrsien, meine Freundschaft für ihn zu 
verringern, so ist Ihnen das nicht gelungen. 
Unsere Freundschusl ist zu fest begründet. 
Wäre es Liebe, was uns verbindet, so hallen 
Sie mir wehe gethan; die Freundschaft ist von 
härterem Stahl und stell! sich nicht gleich in 
den Winkel und schmollt. Und daß es nur 
Freundschaft ist und keine Liebe, habe ich 
Ihnen schon einmal erklärt." 
Sie erhob sich, als wenn sie damit der 
Unterhalîung über diesen Gegenstand ein Ende 
wachen wollte. Auch Flamming stand auf. 
Er war zweifelhaft, als ob das schöne Weib 
eine Virtuosin in der Verstellung sei, ob sie 
ihre Liebe zu Bela nur geschickt zu verbergen 
wußte, oder ob der Letztere Recht mit seiner 
Behauptung gehabt hatte, daß Gabriele eine 
feiiwi /?. r Flamming habe. Trotz seiner 
Glulh für Sie blieb er doch 
Berstand^n^î'""^ Beobachter, dessen klarer 
wurde Fn ^ine Gefühle beeinflußt 
hm tefem Falle aber neigte er sich 
die letztere Möglichkeit, 
re*- w r V f e 'hn die Thatsache er- 
regl, daß seine bisherige Annahme, Bela liebe 
Z'°u v. Sonns grundlos sei. Dieser war 
hl b^/^h-Nhnhier, mit dem er vergebens in 
hie ©tafen getreten wäre, den er auf ge- 
ohnltchkm Wege nicht hätte beseitigen können. 
me hatte er so leidenschaftlich gefühlt, 
ke tue diese Fra», und diese Frau war über- 
Preußischer Landtag 
Abgeordnetenhaus. 
Das preuß. Abgeordnetenhaus nahm in der 30. Ple- 
mrjchuug am 19. Marz den Gesetzentwurf betr. die Ver- 
langerui.g des Gesetzes betr. Ergänzung der Bestiminun- 
giti über die Ausjonderung des steuerartigen Theils aus 
HHi.jtefjenbei! Gefällen in der Provinz Schleswig 
.volstnn in dritter Lesnng an. Desgl den Gesetzentwms 
bett. die durch ein Auseinandersetzungsverfahren be- 
giundeten gememjchastlichen Angelegenheiten. Terner 
wurde der Entwurf einer Kreisordnüng und der Geiek- 
"ber dw Emiführung der Prcwmzialordnung vom 
,)um IS to in der Rheinprovinz mit geringen Aender- 
iutgen nad) der Regierungsvorlage angenommen. Beim 
Cintntt in die Discujsion ivurde liberalerseits erklärt 
daß man gegen den Entwurf der Kreisordnüng stimmen' 
werde, da in derselben eine Vernichtung der Selbstver 
waltung in der Rheinprovinz zu erblickeir sei. Amende 
ments zu stellen enthalte man sich im Hinblick darauf 
da,; die,eiben vergebens sein würden. Schluß 3'/ Uhr 
Nächste Sitzung Montag. Tagesordn.: Kleine Vorlagen. 
Petersburg. (B. T.) Im Zusammenhang mit 
dem Attentatsversiich wurden viele Offiziere 
der hiesigen Garnison verhaftet. 
Petersburg, 17. März. Zahlreiche BerHaf 
tungen werden fortgesetzt vorgenommen. Bissietzt 
sind 40 Studenten und 20 Studentinnen der 
Ftnnenlüisc, mehrere Zöglinge des Pawloiv'schen 
Kadettenkorps und mehrere Offiziere, im Ganzen 
etwa 140 Personen, verhaftet worden. 
Petersburg. 19. März. (B. T.)' Die Haupt- 
attentäter erklärten im Verhör höhnisch, eine even 
tuelle Todesstrafe ließe sie kalt, es stände 
eine genügende Anzahl Ersatzmänner 
hinter ihnen. Alle drei Attentäter sollen an 
geblich aus dem Süden sein, Kosakenfamilien ange 
hören, und ein nnansehnliches Aenßere, zwei davon 
geradezu abstoßende Physiognomien haben. Inter 
essant ist, daß sie bereits Tags zuvor — sie führten 
ihre Atttapmboniben mit— in verschiedenen 'i'raftirs 
(Bolksrestanrants) auffielen, weil sie ihre Bûà" 
übermäßig vorsorglich behandelten. Die Gcsckiosic 
enthielten je sieben Pfund Dhnamit und ^00 
kleme mit Strychnin vergiftete Knaeln 
«„, s i m 
Anzeiger zufolge hat der Rektor der hiesigen Uni- 
vcrsttät gestern m der Aula vor den ahlreich an- 
we enden Studenten ,n Gegenwart der borgesitzten 
Behörden und des Prosessoren-Colleginms eine Än- 
h!nt ^^rbin des reichen Baron v. Ranken- 
Ì„ t ï tnn f >hm gelänge, sie als Weib 
" wurde zugleich sein brennender 
Wunsch erfüllt. ein unabhängiger Mensch zu 
" abenteuerndes Ringen nach einer ge 
sicherten Existenz ausgeben und alle Genüsse 
des ^ebens sich verschaffen zu können. Seit- 
àttl ihn vorher aufgeklärt, daß er diesen 
gefährlichsten Gegner nicht mehr zu fürchten 
habe, seit diesem Augenblick wallten seine 
Wünsche mit verstärkter Kraft in ihm empor, 
und mochlen auch seine kalt überlegenden 
Gedanken ihn nie zur voreiligen Schlüssen 
hinreißen, es erging ihn in diesem Augenblick 
wie dem besten Sanguiniker, er glaubte an 
das, was er so sehnlichst wünschte. Halle er 
das Zucken Gabriele's vorhin für einen Stoß 
ins Herz gehalten, so hielt er es jetzt schon 
für einen bloßen Aerger über einen Mangel 
an Bela's Vertrauen. Und liebte sie den 
Letzteren nicht, uand kein Nebenbuhler ihm 
şş Şeite, so konnte er jetzt ernstlicher mit 
seiner Werbung hervortreten. Er kannte seine, 
wenn auch langsam, aber doch sicher wirkender 
ri Q r . Frauenherzen, warum sollte er 
sich nicht einer ernsten Hoffnung hingeben 
dürfen, und — warum nicht sogleich mit der 
Werbung beginnen? 
„Gnädige Frau", sagte er in einem eigen 
thümlich tiefen ^.one, wobei er Gabriele mit 
einem leidenschaftlich flammenden Blick ansah 
„ich war bisher der Meinung, daß für einen 
Dritten Hoffnungen und Wünsche ganz un 
nütze Belästigungen seiner Seele wären. 
Herr v. Bela liebt eine Andere, Sie hegen 
für ihn nur Freundschaft, — gestatten Sie 
diesem Dritten, daß er in Zukunft seine Hoff 
nungen nicht mehr als eine schwere Last, 
sondern als seine süßesten Gefühle betrachtet?" 
Ein sonderbarer Gedanke entstand plötzlich 
spräche gehalten, in welcher er seine Uebcrraschung 
darüber ausdrückte, daß nach amtlicher Meldung 3 
Sttidenten der St. Petersburger Universität ' im 
Besitze von Sprengstoffen betroffen und verhaftet 
worden, seien. Der Rektor sprach seinen tiefsten 
Abscheu und sein Bedauern darüber ans. Gegen 
über dieser Thatsache forderte er die Studenten auf, 
ans das Energischste gegen die Unthat z» protestiren 
und diesen Protest in einer einstimmigen Ergebcn- 
heitsadresse an den Kaiser auszudrücken. Die Rede 
des Rektors ivurde von anhaltenden, lauten Bei- 
fallsbezeugmigen begleitet. Die Studenten stimmten 
nach Schluß der Rede die Nationalhymne an und 
brachten Hochrufe auf den Kaiser ans. 
^ Petersburg, 21. März. Bereits wurden drei 
Offiziere des Leibga rd e-Grena dier-Regi- 
mcnts verhaftet, wegen Verdachtes, in den 
engsten Beziehungen zu den verhafteten Mordgesellen 
gestanden zu haben. Wie man erzählt, erklärte der 
Regiments-Kommandeur in größter Aufregung dem 
Gendarnierieches, General Orchewsky, es müsse 
ein Irrthum obivalten, die Betreffenden seien drei 
seiner besten Offiziere; allein der General verwarf 
die Möglichkeit eines Irrthums, es sei nur allzn- 
traurige Wahrheit. Diese drei verhafteten Offiziere 
und ans Südrußland. Uebrigcns erhält sich die 
. Nachricht, es seien nicht drei, sondern fünf mit 
Oomben versehene Attentäter am Sonntag ans der 
Otrapc verhaftet worden, von denen einer angeblich 
ans dem Wosnessenski-Prospekt, auf dem Wege nach 
d".".Bahnhof den Kaiser erwartet hätte. — Der 
russisch-offiziöse „Nord" veröffentlicht eine offiziöse 
Note, worin erklärt wird, der letzte Attentats- 
Versuch werde Rußlands Politik nicht 
andern. ' 
Ņààrg. 20: März. Die Ansicht, daß die 
lussischc Regierung in Folge des Attentats- 
versnchs m noch entschiedenerer Zurückhaltung geaen- 
nbcr Bulgarien verharren werde als bisher, gewinnt 
täglich mehr an Bestand. Bon hier schreibt der 
„K. Z." deren Berichterstatter, daß dort auch in 
hohem militärischen Kreisen ein geivaltiaer 
llmschivnng der Anschauungen in Bezug aus die 
Behandlung der bulgarischen Frage sich bemerk- 
bar macht, der insbesondere bei den neuesten Putschen 
Z" Şilistna lind Rnstschnk zu Tage getreten ist. 
Wählend m diesen Kreisen früher fast allgemein ein 
trästigeö Einschreiten Rußlands in Bulgarien gcfor- 
dei ivordeu ist, höre man jetzt in denselben Kreisen 
mcht selten die Ueberzengnng nussprechen, Rußland 
möge nur die Dinge in Bulgarien ruhig gehen lassen 
ÄS! à Rußland bereits so iäl mi Blltt 
uu ( Ad gekostet, day weitere rnssischc Opfer bei 
dmküch Undankbarkeit der Bulgaren, höchst be- 
"Ş1 »nd kann, nützlich sein dürften. 
Constantinopei 20 . , 
limfrfirn w ^Die Beziehungen 
à Pforte und dem Cabinet von Peters- 
m** stnnü milfZZ&mi „2“ 
^^ Antzland beabsichtigt, die Türkei zu einer Aktions' 
zn drängen. Dem entgegen 
bl !£ die Pfm-te den Botschafter' in 
f' 1 i' e . te ^ f 6lu ' 9 ' Pascha, angciuiefeti habe, 
dem Peterslnnger C alnnct zn erklären, daß die Türkei 
nt ihrer lnshengen Haltung verbleiben wolle. Die 
bei diesen Worten im Gehirn der Frau v 
Sonns _ Er war nebelhaft ^ und halte noch 
keine beslimmlen Umrisse. Sie wußte selbst 
fJl tr gekommen. Sie mar davon 
à^schl und schloß für einen Augenblick die 
Ungen. Nur das Eine konnte Sie logisch 
klar denke»; Der Biann da kann Dir noch 
merT 11 ^h" n,eiben ' er das Mittel 
“ ' b \ n Ģklteblen ganz zu gewinnen 
f L ©T )1Cr [ !0Cten ih" Gedanken, ein 
leichler Schauer burditiefelte sie — „ober —" 
eie brach abstchlljch ben Gedanken ab, um 
ihn illcht wciler zn neifolgen. Auch Das, was 
sich möglicher Werse an dies „Oder" knüpfen 
konnte war verschwommen und nahm keine 
feste Gestalt an. 
Als sie ungewöhnlich lange geschwiegen und 
Flamming sie zögernd gefragt': „Haben Sie 
mir auf meine Frage nichis zu erwidern?" 
da schlug sie die großen, schönen Augen voll 
aus, und Flamming mit einem bestrickenden 
Blick ansehend, sagte sie mit leiser, hauchender 
Stimme: 
„Bin ich berechtigt, Hoffnungen zu zer 
stören?" 
„So darf ich mich ihnen hingeben? 
Und als wenn in diesem Augenblick das 
„Oder" greifbare Formen angenommen hätte, 
so erwiderle sie etwas lauter: 
^ „och werde Lie vielleicht noch einmal auf 
eine große Probe stellen." 
„Ich werde jede bestehen, fordern Sie, was 
Sie wollen, ich werde Alles thun, was Sie 
von nur verlangen, das schwöre ich Ihnen 
mit einem heiligen Eid'" 
„Alles?" 
„Alles!" 
„Sie schwören es?" 
„och schwöre es! — So darf ich sernerbin 
wünschen und hoffen?" } 1 Umljm 
türkische Regierung wird nicht von dem Wege einer 
friedlichen Lösung abweichen, und sie ivill die besten 
Beziehungen mit sämmtlichen Mächten aufrecht 
erhalten. Die Pforte bereitet jetzt eine Cirkularnote 
an die Mächte über die letzten bulgarischen Vorgänge 
vor. ^ In derselben fordert die Pforte die Mächte 
ans , ihre Vertreter in Sofia anzuweisen, mit dent 
türkischen Commissär gemeinschaftlich vorzugehen, nm 
die bulgarische Frage rasch einer Lösung zuzuführen. 
Sofia, 19. Mürz. (H. C.) Die Regentschaft 
beabsichtigt, zur Stärkung ihrer Stellung durch die 
demnächst zu einer kurzen Session zusammentretende 
Sobrnnje dic definitive Bereinigung Bul 
gariens und Ost-Rume liens proclamiren zn 
lassen. 
Wien, 18. März. Die „Politische Korrcsp." 
meldet ans Konstantinopcl: Capitain Nabokow, 
der Urheber des vorjährigen Aufstandes in Burgas, 
sormirte in der Umgebung von Konstantinopel eine 
iiiK' hundert Mann, meist Montenegrinern, bc- 
stehcnde Bande, welche in Ostrumelien behufs Rnhc- 
störnngen eindringen soll. Die türkischen Behörden 
überwachen die Bande und insorniirten die Regie 
rung in Sofia. 
^ — Die Tripelallianz mit Italien hat nach 
einer Wiener Meldung des „Bcrl. Tgbl. lediglich 
einen defensiven Charakter. Die Lasts des Bünd 
nisses sei die vollste Parität aller drei Theilnehmer; 
der Vertrag sei ein schriftlicher und stipulire eine 
gegenseitige^ Bürgschaft des Besitzstandes und der 
Orostniachtstellnng; darüber jedoch, ivann im Krieqs- 
loed ens eintritt, werde das 
sttuigjie Stillschiveigen beobachtet 
Laudon, .18. Mürz. Die „Times" berichtet 
IS.şds. N. A.: „Die Loge in Europa 
scheint sich einer Krisis zu nähern. Die russische 
Regiening hat versucht, die Türkei zur Besetzung 
^st-Rumeliens zn überreden. Die türkische 9îc- 
sltevung hat es abgelehnt, in diese Falle zu gehen 
^»'sichte von bent Vorschlage 
Rußlands m Kenntmff zu setzen. Gleichzeitig ist 
dm mropatschm Cabinetten bekannt getvorden, daß, 
als dw Jnsnrrectionm in Rnstschnk und Silistria 
ansbrachen, die französische stkegierung von Rußland 
sondnl wurde,à obj'ic vorbereitet fei, zn irgend einer 
"^kloņ- zu s-chrcitcm-,-im Falle Rußland plötz 
lich Bulgarien besetzen sollte. Die ertheilte 
àtwort lautete verneinend, aber während dreicr 
Vage,hing es von jener Antwort ab, ob unver 
züglich ein europäischer Krieg ansbrechen 
sollte, oder nicht. Welche Action von Seiten 
Frankreichs erwartet wurde, kann man errathen. 
® tc °% c , Darstellung der Situation dürfte der 
^vahiheit ziemlich nahe kommen. Frankreich war 
iilcht fertig, und Rußland ist nicht im Stande, seine 
Plmie im Orient ohne fremde Hülfe durchzuführen. 
Brüffel, 11. März. (33. T.) Die gemeldeten 
rlrbeltcrimrnhen in Soignies wurden, durch die 
m 1111 ä V t f d) e î) eşetzüng b e v Steinbrüche 
it ntcr drückt. 
— Wenn das „B. T." recht berichtet ist, spielt 
der Sultan von Sansibar seine zweifelhafte sicollc 
gegenübcr Deutschland fort. Dem genannten Blattc 
wird nämlich ans London dcpeschirt: „Im Laufe 
der letzten Bconate hat Said Bargasch, wie hier 
aus diplomatischer Quelle verlautet, nicht wcnigcr 
nls sicbenzchn Beschwcrdcschriften gegen den General 
„Fragen Sie jetzt nicht weiter, Herr von 
Flamming, und verlassen Sie mich, ich bin 
am Rande meiner Kraft, meine Kopfschmerzen 
verschlimmern sich von Minute zu Minute, 
gönnen Sie mir die Ruhe, deren ich bedarf." 
„Und gestalten Sie mir, wiederzukommen?" 
E „So oft Sie wollen, aber unter der Be 
dingung, daß das heutige Gesprächtstheina 
nicht eher zwischen uns berührl werde, als bis 
ich selbst darauf zurückkomme." 
„Ich erfülle jede Bedingung." 
„So werden Sie mir willkommen sein." 
Flamming ergriff stürmisch ihre Hand, führte 
sie an seme Lippen und mit einem „Leben 
Sie wohl!" entfernte er sich rasch aus dem 
Zimmer. 
rirau v. Sonns starrte lange Zeit wie 
traumverloren auf die Thür, durch die er ae- 
gangcn, dann hob sie die rechte Hand, gleich 
sam als wollte sie einen Schwur leisten und 
harrte in dieser Stellung secundenlang wie 
em^ Bildsäule, darauf rief sie plötzlich laut 
„Nein, nein, sonst giebt es ein Unalück ein 
hn?»"ì!'î^.àglûck! Gott schütze mich'und 
4r Porten: „Weicht von mir, 
Ohr stnstern Machte!" eilte sie in ihr Schlaf- 
c^-° °us ein Ruhebett warf, 
um die schlagende Pulse ihrer Schläfen und 
ore nicht mehr erdichleten, sondern wirklich 
sich eingestellt habenden hefligen Kopfschmerzen 
m der liegenden Stellung zu beschwichtigen. — 
Ş^à^^^,Ģortsetzung folgt). 
Kleine Gedankensplitter. 
Fm Kampf mit Gefahr 
Erhebt sich, ivie machtvoll zur Sonne der Ra» , 
Der Geist ans kerkernden Schranken 
Zu Göttergedanken, 
Matthisson-
	        
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