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123. Jahrgang
123. Jahrgang,
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DrnKwärörgkMm.
Außerordentlich bezeichnend für einen tief
reichenden Mißmut über das überspitzte persön
liche Regime und Besonderheiten im Wesen Kaiser
Wilhelms II. sind Aufzeichnungen des Fürsten Vü-
low, die sich namentlich auf Briefe des Gesandte«
von Monts aus München stützen. Wir ent
nehmen diesen Aufzeichnungen, wieder nach der
„Vossischen Zeitung", das Nachstehende:
Die Schaden-Bilanz.
Wie groß die Schwierigkeit sein mußte, mit
dem ungewöhnlich begabten, aber mehr und mehr
eigenwilligen, hier und da ganz hemmungslosen
Regenten auszukommen, entnahm ich einem Brief
von Monts, der sich mit der sehr üblen Rede be
schäftigt, die Wilhelm II. am 26. Februar 1897 bei
einem Festmahl des Brandenburger Provinzial
landtages gehalten hatte und die alle früheren
oratorischen Leistungen Seiner Masestät an Takt
losigkeit übertraf. Rach einem schwülstigen Lob
seines Großvaters, der heilig gesprochen wor
den wäre, wenn er im Mittelalter gelebt hätte
und an dessen Gebeinen in jenen frommen Zeiten
Pilgerzüge aus allen Ländern Gebete verrichtet
hätten, gab Wilhelm II. zu, daß durch Gottes gnä
dige Fügung in der Nähe seines Herrn Großvaters
einige brave Ratgeber gewesen wären, welche die
Ehre gehabt hätten, die Gedanken ihres Souveräns,
dieses gewaltigen Mannes, dieses großen Herrn,
auszuführen. Mit ihm selbst verglichen, aber
wären diese Ratgeber nur Pygmäen gewesen,
Handlanger des allerhöchsten, erhabenen
Willens. Am Schluß seiner Rede hatte Wilhelm II.
zum Kampf gegen den Umsturz „mit allen Mit
teln" aufgerufen, der nicht „vor der geheiligten
Person des allerhöchsten Herrn" haltmache. Wer
diese Rede las und hörte, mußte sich bald dar
über wundern, daß derselbe Monarch, der einen
solchen Appell an seine Brandenburger richtete,
wenige Jahre vorher den stärksten Widersacher
aller Umsturzbewegungen, den Fürsten Bismarck,
fortgeschickt hatte.
Ueber den Eindruck, den diese Rede in
München machte, hatte mir am 2. März 1897
Monts zutreffend geschrieben: „Meine neulich ge-
Die Nachwirkung des ..Falles Treviranus
In den Wahlkreisen Hamburg (Nr. 34) und
Schleswig-Holstein (Nr. 13) liegen gültige Ver
bindungserklärungen für folgende Wahlvorfchläge
vor:
Hamburgisches Landvolk (Ehristlich-Nationa-
ls Dauern- und Landvolkpartei) einerseits, Bau
ern- und Landvolkpartei Schleswig-Holstein
(Christlich-Rationale Bauern- und Landvolkpar
tei) andererseits, sodann für die nachstehenden
gleichbetitelten Parteien: Sozialdemokratische
Partei, Deutschnationale Bolkspartei, Zentrums
partei, Kommunistische Partei, Deutsche Volks
partei. Deutsche Staatspartei, Reichspartei des
Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei), Na
tionalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitler-
bewegung), Treviranus (Konservative Volkspar
tei), Christlich-Sozialer Volksdienst (Evangelische
Bewegung), Unabhängige Sozialdemokratisch«
Partei, Menschheitspartei und Neue Gemeinschaft.
„Konterrevolutionäre", die Kulaken (Großbauern)
und „Saboteure" der Industrie und Landwirtschaft
erhöht werde. Jeder, der die Wiedererrichtung der
bürgerlichen Gesellschaftsordnung anstrebe, wie Kon-
drotjew und Grohmann (zwei Professoren, die von
der GPU. wegen angeblicher konterrevolutionärer
Bestrebungen verhaftet worden sind), müsse unbarm-
herzig unterdrückt werden.
Tie neuesten Massenverhaftnngen in Moskau.
denen eine angebliche Verschwörung gegen
das Sowjetregime zugrunde liegt, geschahen
vorwiegend unter russischen Gelehrten, die
bis zuletzt in der Sowjetwirtschaft und den
kommunistischen wissenschaftlichen Instituti
onen leitende Posten innehatten. Bisher war
es immer so, daß, wenn etwas in Sowjet-
rußland nicht stimmte, das Gerede von Ver
schwörungen ging. Der Gedanke liegt nahe,
das gleiche auch jetzt anzunehmen, da es mit
dem Fünfjahresplan so sehr hapert.
Neuer M§àu
Mt Ksàer Màà
Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die Sow
jetregierung bedeutende Summen für den Bau
eines neuen großen Zentralgebäudes für die E.
P. U. bewilligt. Das neue Gebäude wird aus
Eisenbeton bestehen und soll mit mehreren Wach
türmen ausgerüstet werden. Die Baukosten wer
den fünf bis neun Millionen Rubel betragen.
Mit dem Bau soll in den nächsten Tagen begon
nen werden.
Ein Mt WZ MgWle aus Mim
Das Reichsgericht in Leipzig verurteilte
den kommunisteschen Schriftleiter Otto Erich
Hoffmann von der „Hamburger Volkszei
tung", der wegen Vorbereitung zum Hochver
rat angeklagt war, zu 1 Jahr 6 Monaten
Festung, unter Anrechnung von 2 Monaten
Untersuchungshaft.
Amtlich wird mitgeteilt: Anläßlich der bevor
stehenden Abreise der deutschen Delegation zur
Genfer Völkerbundstagung fand unter Vorsitz des
Reichskanzlers Dr. Brüning eine Aussprache über
die auf der Genfer Tagung zur Erörterung kom
menden Fragen sowie die damit zusammenhängen
den außenpolitischen Probleme statt. Die einge
hende Aussprache im Ministerkreise führte zu
einer völligen Uebereinstimmung mit dem Vor
trage des Reichsministers des Auswärtigen, Dr.
Curtius. Der Reichskanzler stellte abschließend die
einmütige Zustimmung des Reichskabinetts zu
den Ausführungen in seiner Trierer Rede fest,
wonach Kanzler und Außenminister verfassungs
mäßig für die Führung der Außenpolitik allein
verantwortlich sind und Voraussetzung für Sta
bilität und Konsequenz einer erfolgreichen Außen
politik das Weiterschreiten auf der bisherigen
grundsätzlichen Linie bildet.
In einem privaten Berliner Kommentar
heißt es, die amtliche Mitteilung über die Führung
der Außenpolitik durch den Reichskanzler und den
Reichsaußenminister enthalte eine weithin sichtbare
Stellungnahme gegen die Erklärungen des Reichs
ministers Treviranus. Sie habe in politischen Krei
sen starke Beachtung gefunden, wäre nicht nur in
nenpolitisch notwendig, um eine Klarstellung der
Kompetenzen herbeizuführen, sondern habe auch
einen außenpolitischen Grund. Dieser dürfte nicht
Meßt in einer Versteifung der deutsch-französischen
Beziehungen zu suchen sein.
Was Deutschland in Genf besonders interessiert,
sind Danzig, die Minderheitenfragen, der Saar
schutz und dis Aussprache über das Problem
Europa. In der Frage der Bahnschutzkräfte im
Saargebiet ist der deutsche und der französische
Standpunkt dem Prinzip nach eigentlich gleich.
Frankreich hat immer den Standpunkt vertreten,
der auch noch in einer amtlichen französischen Mit
teilung nach der Räumung zum Ausdruck gekom-
men ist, daß der Vahnschutz die Aufgabe hatte,
die rückwärtige Verbindung der Besatzungsarmee
zu sichern. Diesen Standpunkt hat sich Deutschland
zu eigen gemacht, indem es verlangt, daß der
Bahnschutz nun aufgelöst werde. Der Einwand,
daß auch ein Schutz für die Regierungskommission
nötig sei, wird von Deutschland mit dem Hinweis
darauf entkräftet, daß dafür ja die Polizeitrup
pen des Saargebietes zur Verfügung stehen. D'.e
Besprechungen über das Problem Europa werden
gleich zu Beginn der Ratstagung einsetzen. Der
deutsche Standpunkt ist aus der Antwortnote hin
reichend bekannt. Man wird abwarten müssen, ob
der Völkerbund sich diesmal bereits mit 0cm
Briandschcn Plan beschäftigen wird. Von deut
scher Seite würde das begrüßt werden.
Am die 640 421 Mark.
Der Reichsinnenminister hat den Reichs-
finanzminister ersucht, den vom Reich an
Thüringen auf Polizeikvftenznschnsse über
zahlten Betrag von 646 421 RM. gegen die
aus Reichsstcnerüberwcisung auszuzahlenden
Summen zu verrechnen. Der thüringische
Staatsminister Baum hatte sich geweigert,
die für 1929 zu viel gezahlten Beträge au
das Reich zurückzuzahlen, da das Reichsmini-
sterium des Innern die Polizeizuschüsse ohne
rechtlichen Grund gesperrt habe und die Ent
scheidung des Staatsgerichtshofes noch nicht
gefallen sei.
Zm ZwWensall im Soest
Zu dem Fenergefccht zwischen italienischen
Grenzposten und Orjuna-Mitgliedern im
Karstgebiet melden die römischen Abendblät
ter ergänzend, daß es sich bei dem erschosse
nen Südslaven um den von der italienischen
Polizei seit langem gesuchten Bandenführer
Joseph Kukec handele.
£men AaņeuMkk
Opposition aus den Randgebieten.
Rach Mitteilung der Pressestelle der Bundes
führung der österreichischen Selbstschutzverbände,
haben Re bisherigen Bundesführer in einer in
Schladming abgehaltenen Vundesführersitzung
ihren Rücktritt erklärt, um den österreichischen
Heimwehren die volle Freiheit der Taktik zu
sichern und den anderen antimarxistischen Grup
pen ein Beispiel der uneigennützigen Voranstel
lung der Sache vor die Person zu geben. Zum
neuen alleinigen Vundesführer wurde der bishe
rige oberösterreichische Bundesleiter Fürst Ernst
Rüdiger von Starhemberg gewählt. Den zurück
getretenen Bundesführern Dr. Steidle und Dr.
Pfriemer wurde Dank für ihre Tätigkeit ausge
sprochen.
Der Rücktritt der beiden bisherigen Führer
Steidle und Pfriemer hat, wie aus Wien gemel
det wird, großes Aufsehen erregt. Die Abend
blätter berichten spaltenlang über die Vorgänge
und ergehen sich in Mutmaßungen über die künf
tige Taktik der Heimwehr unter Führung des erst
30jährigen Starhemberg. Die Tatsache, daß auch
die beiden Mitglieder der engeren Bundesfüh
rung, Staatsleiter Ranter und Ingenieur Ober
eggers, ihre Aemter zur Verfügung gestellt haben,
läßt erkennen, daß die neue Führung bei gewissen
Teilen der Bewegung auf Widerspruch stoßen
wird .Bei dem guten Verhältnis zwischen dem
Fürsten Starhemberg und Bundeskanzler Dr.
Schober rechnet man mit der Unterstützung der
Regierung bei den bevorstehenden Wahlen durch
die Heimwehren, Tatsache ist aber, daß die Wahl
die des Fürsten Starhemberg nicht einstimmig er-
Jn Felixstowe bei Southampton sind vier
Militär-Wasserslugzeuge zu einem Fluge nach der
Ostsee gestartet, der, wie Reuter berichtet, haupt
sächliche Uebungszwecken dient. Die erste Etappe
des Fluges ist irr dänische Hafen Eskjerg. Es
sollen alle wichtigen Ostseehäfen berührt werden.
RM., 2 Rohrsessel 630 RM. Dazu kamen
„kleinere" Sachen wie Silberzeug, Felle,
Glas, Porzellan.
In dem Beleidigungsprozcß gab der ge
wesene Reichsfinanzminister an, daß er er
hebliche Streichungen vorgenommen und
namhafte Summen erspart habe. Es wurde
gerichtsnotorisch festgestellt, daß ganze 8(H)
Mark bei 95 000 Mark gestrichen waren. Der
Herr Reichsfinanzminister ist mit Streichun
gen bei seinem Etat ebenso „sparsam" 'umge
gangen, wie es die Herren Reichsfinanzmi-
nister beim Staatsetat zu tun pflegen. In
folge dieser Art Sparsamkeit erhöhen sich be
kanntlich die öffentlichen Ausgaben im Reiche
um jährlich durchschnittlich 1 Milliarde. Ar
mes, deutsches Volk mit seinem Fleiß bei der
artiger öffentlicher Sparsamkeit!
Fürst Starhemberg,
der nunmehrige alleinige Bundesführer
der österreichischen Heimwehren.
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