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Landsszsîtung
123. Jahrgang,
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Aîtmļag. den 29. September
577 J. d. R., daruîà 77 Kommunisten
Infolge Zugangs von Stimmen bei der
Feststellung des endgültigen Ergebnisses in
den Wahlkreisen hat sich die Zahl der gültigen
Stimmen auf 34 986 723 erhöht, darunter
4 390 079 für die Wahlvorschläge der Kommu
nistischen Partei. Diese Partei wird daher mit
77 Abgeordneten (nicht 76) im neuen Reichs
tag vertreten sein. Für die übrigen Parteien
bedeutet der Zuwachs an
fļtimUn wie;n spät?
Zahlen des Jahres 1928.
, ķ Es dauert immer einige Zeit, bis man genaue
Ziffern über Dinge, die das ganze Reich betreffen,
erhält, und so kommt es, daß man jetzt erst weiß,
wie die Heiratszahlen in Deutschland aus dem
Jahre 4928 aussehen. Von den rund 543 000
Ehen, die in diesem Jahre geschlossen wurden,
fielen 62 000 auf den Monat Mai. Das ist nicht
verwunderlich, wird man denken, aber der Mai
ist erst seit einigen Jahren derjenige, in welchem
die meisten Ehen zustande kommen. Vor dem
Kriege war der Oktober der garantierte Wonne
mond für die jungen Paare, und der Oktober hat
sich mit 49 000 Eheschließungen auch wieder den
zweiten Platz erobert. Neuerdings wird im Herbst
und im Winter viel öfter geheiratet als im Früh,
ling und im Sommer. In anderen Ländern ist es
natürlich anders.
Das Durchschnittsalter der Männer, die in
den Stand der Ehe treten, ist bei uns 29 Jahre
und 3 Monate, das der Frauen 26 Jahre. Wer
die Verhältnisse vor dem Kriege kannte, wird wis
sen, daß heutzutage also beide Geschlechter viel
später heiraten, als damals. Das kommt daher,
daß die Männer sehr spät erst genug verdienen,
um eine Familie unterhalten zu können, und daß
viele Mädchen frühzeitig einen Beruf ergreifen,
Geld verdienen und lieber eine Zeitlang warten,
bis der Richtige kommt, ehe sie zu früh den Fal
schen nehmen. Immerhin heiraten auch heute
losenverstcherung im neuen Etatsjahr. — Gestaffelte Kürzung der Beamten
gehälter (5 bis TU Prozent) von 2000 Mark ab. — Verquickung der Real
steuer-Senkungsabsicht mit einer Entnahme aus der Hauszinssteuer.
Die Beratungen des Reichskabinetts über ein zwischen Angebot und Nachfrage wiederhergestellt
Gesamiprogramm wurden am Sonnabend zu Ende °"
geführt. Die mehrtägigen Verhandlungen unter
Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning und unter
Stimmen keinen
Manöatsgewinn. Die Gesamtzahl -er Abge
ordneten beträgt nunmehr 677.
. In den Beratungen, an denen, wie gesagt,
Reichsbankpräsident Dr. Luther teilgenommen hat,
scheint ein „Ueberbrückungskredit" eine wichtige
Rolls gespielt zu haben, den das Reich in Anspruch
zu nehmen beabsichtigt zwecks Deckung von etwa
908 Millionen Mark, die fehlen durch Steueraus
fall im Betrage von 688 Millionen und durch Zu
schüsse von 300 Millionen für die Arbeitslosenver
sicherung.
Halbamtlich heißt es zu diesen Mitteilungen,
man werde guttun, die offizielle Veröffentlichung
des Regierungsprogramms abzuwarten, da sich
erst dann ein abgerundetes Bild der Maßnahmen
gewinnen lasse, mit denen die Reichsregierung die
gegenwärtige Notlage bekämpfen wolle.
Amerika and die Sriegsfchsldläze.
Der amerikanische Kriegshistoriker Page
veröffentlicht in -er Zeitschrift „The World
To-Morrow" das Ergebnis einer Rundfrage
über die Kriegsschuldfrage. Hundert der be
kanntesten amerikanischen Geschichtsforscher,
darunter Harry Elmar Barnes, der Chefredak
teur der Wochenschrift „Nation", und Charles
Beard, der führende Historiker Amerikas, ha
ben geantwortet. 98 von ihnen sprachen die
Ueberzeugung aus, daß Deutschland nicht allein
schuldig am Kriege sei. Weitere 429 Antrvorten
sandten in der Hauptsache Professoren, Rekto
ren, Redakteure und Pfarrer. Auch in diesen
Antworten sieht man nicht in Deutschland den
Alleinschnldigen am Weltkriege. Ein Teil von
ihnen hält in der Hauptsache Oesterreich für-
schuldig.
migen Entschließungen. Die amtliche Veröffent
lichung der Programmeinzelheiten soll am Diens
tag erfolgen. Doch verlautet schon heute über den
Inhalt der Vorlagen, welche das Kabinett Mitte
, das
Oktober dem neuen Reichstag unterbreitet.
Nachstehende:
Es läßt sich jetzt ungefähr übersehen, wie die
schaftlichen Depression ergeben. Der Neichsyaus-
t)ah für 1931 wird auf der Ausgabenseite erheb
lich niedrigere Zahlen aufweisen als der für 1930
r- ” - • -- ■ — - -
160 Millionen Mark gemacht worden, es werden
Jahre die Deckung aufgebracht werden mußte. Vom
Es sind nicht nur erneute Abstriche in Höhe von
auch andere Ausgaben'fortfallen, für die in diesem
Jahre die Deckung aufgebracht werden mußte. Vom
Beginn des neuen Etatsjabres an, also dem 1.
April 1931, werden die Zuschüsse für Erwervslosen-
versicherung völlig in Wegsall kommen, d. h. die
Arbeitslosenversicherung wird ausschließlich aus
den Beiträgen, dis sie von den Arbeitgebern und
Arbeitnehmern erhält, bestritten werden müssen.
Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit einer
spmngyaften Erhöhung der Beiträge von 4K auf
61/ - Die Entfernung der Zuschüsse aus dem
Etat m eine radikale Maßnahme, die der Reichs
finanzminister damit begründet, daß ihm die Auf
stellung eines sicheren Etats unmöglich wäre, wenn
dieser Unsicherheitsfaktor bliebe. Auch die Krifen-
' 1 und mit der städtischen
in Verbindung gebracht wer-
Jm Ali-Höhler-Prozetz haben die Verur
teilten durch ihre Verteidiger Revision beim
Reichsgericht eingelegt.
Immerhin heiraten auch heute
noch die meisten Mädchen im Alter von 22 die
Männer im Alter von 25 Jahren. Allein 5769
Ehen wurden von Partnern geschlossen, die 23
bezw. 25 Jahre alt waren! Manchmal sind sogar
die reinen Kinder zum Altar gegangen. Richt nur
haben 463 Männer unter 19 Jahren und 39 Mäd
chen unter 16 Jahren geheiratet, eine Ehe kam
auch zustande, bei welcher das Mädchen 15, der
Mann 18 Lenze zählte. Aber auch nach oben gibt
es fast keine Grenze. In Paris wurde auf dem
Montmatre soeben eine Ehe geschlossen, bei welcher
der Mann 96, die Frau 104 Jahre alt war. So
weit haben wir es allerdings noch nicht gebracht,
doch haben bei uns im Jahre 1928 immerhin noch
6142 Männer und 1063 Frauen geheiratet, die das
60. Lebensjahr bereits hinter sich hatten. Von
den Männern waren 5100 bereits geschieden, 432
aber waren noch Junggesellen und versuchten die
Ehe zum erstenmal. 800 der 1063 Frauen heirate
ten Männer, die älter waren als sie selbst, nur
eine von 64 Jahren nahm sich einen jungen Mann
von 28 Jahren. Einen noch größeren Sprung un
ternahm ein Mann von 63 Jahren, der sich einer
16jährigen antrauen ließ. Der Duribschnitt ist
natürlich anders gelagert, denn meist sind die
Männer nicht nur älter, sondern sogar viel älter
als die Frauen, die sie nehmen. Die Zeiten der
gleichaltrigen Ehen, die in den Jahren 1919 bis
1923 jn großer Zahl geschlossen wurden, scheinen
endgültig vorüber zu seinf jedenfalls nehmen diese
Ehen an Zahl immer mehr ab. Während die
Männer nur einen einzigen Kulminationspunkt
haben, das heißt, während die Kurve der heirats
lustigen Männer bis zum Alter von 25 Jahren
aufsteigt, um dann immer mehr abzufallen, haben
die Frauen zwei Höhepunkte. Der erste liegt bei
22. der zweite bei 40 Jahren. Es ist erstaunlich,
wie viele Frauen um die Vierzig heiraten (1928
waren es 7865), doch muß man berücksichtigen,
daß die weitaus meisten von ihnen bereits vorher
schon einmal verheiratet waren. 68 000 Männer
und 36 000 Frauen heirateten zum zweitenmal in
dem angegebenen Jahre. Von den Frauen waren
19 000 Witwen und 18 000 geschieden, von den
Die Sonntagsbkätter des Hearstkonzerns
veröffentlichen in sehr großer Aufmachung
einen Artikel Adolf Hitlers, der mit den Wor
ten beginnt: „Möge die Welt sich nicht täuschen.
Entweder wird Deutschland wieder eine freie
Nation, oder es verzweifelt an der Zukunft
und wird in die lockenden Armee des Bolsche-
Drohung, keine Prophezeiung, sondern
Feststellung von Tatsachen." Die Verantwor-
Staaten, die Deutschland unmögliche^Friedens-
bedingungen und untragbare Lasten abge
zwungen hätten. Das Ergebnis der Reichs-
tagswahl sei ein Signal für die nahende Em
pörung der deutschen Seele. Deutschland befin
de sich in einem Fieberznstande. und das Fie
ber werde zwangsläufig steigen. Der Versailler
Vertrag stelle eine plumpe und ungeschickte
Operation an einem Patienten dar, der über
hastet zusammengeflickt worden sei und nun-
fürsorge soll reformiert
Wohlfahrtsfürsovge
den.
Eine Steigerung der Einnahmen ist in keiner
Form möglich.
Die Frage lautete also von vornherein, welche
Ausgaben verringert werden können. Die Regie
rung sieht sie in einer Kürzung der Beamtenge»
Halter bei Wegfall des Notopfers, das bis zum 31.
März 1931 befristet war. Aus den bisherigen
Mitteilungen ist zu entnehmen, daß als unterste
Grenze ein Jahreseinkommen von etwa 2000 Mark
vorgesehen ist, und daß von hier ab eine gestaffelte
Kürzung von 5 bis 7y 2 Proz., bei den höchsten Ge
hältern etwas mehr, erfolgen soll. Ersparungs-
moglrchkeiten, die 'sich allerdings erst allmählich
auswirken können, aber einige Hundert Millionen
ausmachen würden, ergeben sich auch aus der end
lichen Durchführung der Pläne einer Steuerver-
ein'achung, etwa in dem Sinne, daß bis zu einer
bestimmten Einkommensgrenze, dis bei 8000 Mark
liegen konnte, eine einheitliche Steuer erhoben
wird. z. B. erne Landwirtschaftssteuer oder Ge
werbesteuer, unter Wegfall aller anderen Steuer
arten. Eine ungeheure Verwaltungsarbeit könnte
dadurch überflüssig werden.
An dem Plan, die Rcalsteuern zu senken, wird
offenbar festgehalten, weil ihre Höhe als produk
tionshemmend angesehen wird. Die Möglichkeit
wurde >rch ergeben, wenn aus der Hauszinssteuer
rund 400 Millionen dazu verwendet werden, die
damit allerdings ihrem eigentlichen Zweck,' der
Förderung des Wohnungsbaues, entzogen würden.
Es scheint, daß gleichzeitig mit dieser Verwendung
der Hauszinssteuer die Absicht eines
völligen Abbaues der Wohnungszwangswirt
schaft innerhalb eines Fünfjahrcsplanes
erwogen wird, so daß während der ersten Jahre
allmählich auch die Zwangsbewirtschaftung der
kleineren Wohnungen aufgegeben, in den weiteren
Jahren die Feststellung der Miete immer mehr der
freien Vereinbarung zwischen Hausbesitzern und
Mietern überlassen wird und nach fünf Jahren
nur noch ein gewisser Wohnungsschutz aufrecht
erhalten bleibt, bis das natürliche Verhältnis
wismus getrieben. Das ist keine Phrase, keine
Drohung, keine Prophezeiung, sondern eine
Feststellung von Tatsachen." Die Verantwor
tung hierfür,^ heißt es weiter, liege bei den
bedingungcn und ^untragbare" Lasten" anfge-
tagswahl sei ein Signal für die nahendeEm-
möglich." Ueber seine Stellung zur Südtirol
frage befragt, erklärte Hitler: „Ich habe immer
den Standpunkt vertreten, daß das Schicksal
unserer Süötiroler Brüder, so sehr es uns auch
am Herzen liegen kann, uns nicht mehr am
Herzen liegt als das der vielen Millionen
Deutscher, die die Verträge dazu verdammt
haben, unter polnischer, südslawischer, tschechi
scher und belgischer Herrschaft zu leben. Die
Freundschaft einer großen Nation wie Italien
kann nicht durch Sndtirol getrübt werden.
Ohne Zweifel werden die deutschen Untertanen
Italiens besser von einem Italien behandelt
werden, das mit uns befreundet ist, als von
einem Italien, das nur unser indifferenter
Nachbar ist. Italien sind wir besonders dank
bar, daß es den Grundsatz gegeben hat, den jede
Nation zu befolgen hat, die es retten will: den
faschistischen Grundsatz des starken und natio
nalen Staates, außerhalb dessen nichts anderes
ist als das bolschewistische Chaos."
MttelMserreise kt russischen Flotte.
Wie die Telegraphen-Agentur der Sow
jet-Union meldet, wird das Schwarzcmeer-Gc-
schwaöer, bestehend aus dem Kreuzer „Tschcr-
wona Ukrakna" und zwei Torpedobooten, in
den nächsten Tagen eine Schulfahrt nach dem
Mittelländischen Meer antreten und auf dieser
Reise Konstantinopel, Messina und den Pi
räus besuchen.