Was fünft noch
Sicölungs- unö Kolonial-
Politik.
Hauptversammlung des Deutschen Kolomal-
veretns.
In Cuxhaven fand die 26. Hauptversammlung
des Deutschen Kolonialvereins statt, zu der u. a. der
Cuxhavener Festuugskommandant, Graf v. Schwei
nitz, Grüße des Reichswehrmimsteriums ausrichtete.
Einige Vorträge galten der Frage „Wie kann
Deutschland heute noch Kolonialpolitik treiben?"
Dr. Ponfieck, Mitglied des preußischen Landtages,
führte aus, Deutschland sei ein übervölkertes Land,
ein Volk ohne Raum und gleichzeitig nicht mehr
Herr im ohnehin sehr visl schwächer bewohnten
agrarischen Osten. Deutschlands Bevölkerung nehme
mehr und mehr ab, es drohe ein Raum ohne Volk,
jedenfalls ohne deutsches Volk. Schuld daran sei
unsere falsche Wirtschaftspolitik, insbesondere seit
der Revolution, die die Landwirtschaft vernachläs
sige und erdrossele. Wir müßten aber, schon um
unser Volk innerlich gesund zu erhalten, jede Auf
stiegsmöglichkeit. wahrnehmen, sonst kämen wir in
die Enge. Damit sei die These gegeben, die der
Deutsche Kolcmialverein seit Jahren als fein Ziel
verkündet habe: Richt äußere Kolonisation allein,
nicht innere Kolonisation allein, Heimatpolitik und
Ueberseepolitik 'seien das Ziel. Wir müßten unsere
Kolonien über See wieder haben, nicht nur weil
der Raub eine Lüge und ein Unrecht war, nicht
nur weil wir billige Rohstoffe brauchen, sondern
zum Auslaus für unsere industrielle und kaufmän
nische Jugend, darüber hinaus ein koloniales und
wirtschaftliches Expansionsgebiet für Siedler. Aber
das Material für diese Siedlung könne nur ein
gesunder europäischer Volkskövper bieten. Direkte
Besiedlung schaffe Arbeits- und Absatzgelegenheit
automatisch in den kleineren Städten, die bisher
vielleicht noch mehr als «das Platte Land an Ver
ödung zu leiden hätten. Eine stärkere Dezentra
lisation der bisher fast gewaltsam in Großstädten
konzentrierten Industrie würde den Heilungsprozeß
beichleunigen und gleichzeitig durch Näherrücken der
Absatzmärkte die Rentabilität der besonders leiden
den ostdeutschen, absatzfernen Landwirtschaft bessern.
Erst wenn die Gefahr der drohenden Bevölkerungs
abnahme in Deutschland behoben, sei wieder ohne
Schaden für <btc alte Heimat Kraft und Raum frei
sür überseeische Ausdehnung und nicht zuletzt auch
für das Herausströmen deutscher Kraft im binnen
ländischen Europa hinweg über Palisaden des Ver
sailler Vertrages und der heutigen Dolksgrenzen.
Rur auf zwei Pfeilern könne Deutschlands Volks-
und Staatskraft gesichert stehen: auf innerer und
äußerer Kolonisation.
Ş Kurt Woermann-Hamlmrg sagte: Kolonial-
politik ist Raumpolitik. Zur Raumpolitik zwingt
uns die unmittelbare Rot der Gegenwart. Die
Roumpalitik hat einen doppelten Inhalt: bessere
Ausnutzung vorhandenen Raumes und Wiederge
winnung nud ebenso planmäßige Ausnutzung ver
lorenen Raumes. Die Aufstellung eines Arbeits
heeres und die Jnongri ff nah ine der Ostsisdlung
kurbeln die Wirtschaft an und führen zum Nach
lassen der Arbeitslosigkeit. Hierdurch treten auf
innerpolitischsm, finanziellem und wirtschaftlichem
Gebiet Beruhigung, Gesundheit und Stärke ein, die
zur Durchsetzung der Revision des Youngplanes
und des Versailler Vertrages, insbesondere auch zur
Durchsetzung unserer kolonialen Ansprüche nötig
sind. Im Verlaufe dieser Entwicklung findet ins
besondere auch eine Stärkung der deutschen Posi
tion im Osten statt. Kolonialpolitik ist die not
wendige Ergänzung zu jeder deutschen Revisions
politik. Den deutschen Osten sichert man nicht durch
Geldhilfe, sondern durch Manschen. Die nötige
Widerstandskraft gegen den Druck unserer Feinde
gewinnen wir nicht durch ein feiges Geschehenlassen.
,'ondern dadurch, daß wir nichts durch die brach
liegende Dolkskraşt zur Verteidigung von deutschem
Gut und Boden aufbieten. So betrachtet, ist Sied-
lungs- und Kolonialpolitik neben Finanz- und
Reichsreform das Kernstück deutscher Freiheits
politik.
Zn Entschließungen
kommt die Notwendigkeit der äußeren und inneren
Kolonisation für Deutschland zum Ausdruck. U. a.
wird an die Reichsregierung, die Parteien des
Reichstages und die einzelnen kolonialfreundlichen
Verbände das Ersuchen gestellt, unbedingt das
Recht auf alle ehemaligen deutschen Schutzgebiete
zu fordern. Die Tagung fand am Sonntag auf
Helgoland mit der Grundsteinlegung des Denk
mals für den Afrikaforscher Karl Peters ihren
Abschluß. Am Sonnabend hat eine Hauptver
sammlung der Kolonialen Frauenhilfe stattgefun
den. — Das Peters-Denkmal, eine Schöpfung des
Bildhauers Möbius, sollte 1914 ln Daressalam
aufgestellt werden, doch verhinderte der Ausbruch
des Krieges die Ueberführung nach Ostafrika: seit
her ruhte die Statue, in Kisten verpackt, in einem
Hamburger Kaischuppen.
Zer ne« Kurs in Br»sŞ«eig.
Tr. Franzcn-Kiel Ministerkandidat.
Ersparnismatzrrahmen. —Nationalsozialistische
Hoffnungen.
Die Verhandlungen zwischen den braun
schweigischen Landtagsfraktionen des Bürger
blocks und der NSDAP, über die Regierungs
bildung haben zur Einigung geführt. Das
bisher aus drei Mitgliedern bestehende Kabi-
in der Politik?
nett soll fortan nur noch zwei Minister vm-
saften, und zwar wird von bürgerlicher Seite
der frühere Finanzminister Küchenthal prä
sentiert, während die Nationalsozialisten auf
Anordnung Hitlers den Landgerichtsrat Dr.
Anton Franzen in Kiel als Innenminister
in Vorschlag bringen. Das von den neuen
Regierungsparteien aufgestellte Programm
enthält eine Anzahl grundsätzlicher Erspar
nisforderungen. Der Bürgerblock fordert eine
genaue Nachprüfung der Frage, ob das Land
Braunschweig noch als lebensfähig angesehen
werden könne, sowie die Herabsetzung sämt
licher Gehälter der Gruppe „Einzelgehälter"
mit Einschluß der Ministergehälter um 10 v.
H. Nebenbezüge der Staatsbeamten sollen in
Wegfall kommen. Das Ministerpensionsgesetz
soll aufgehoben werden. Gemaßregelte oder
nicht berücksichtigte Beamte, die den Regie
rungsparteien nahestehen, sollen bevorzugt
werden. Die Aufwandsentschädigung für
Landtagsabgeordnete soll um ein Drittel her
abgesetzt werden. Auch sonst sind Ersparnis
maßnahmen vorgesehen. Die National
sozialisten geben bekannt, daß sie die Ver
bannung des marxistischen Geistes aus Unter
richt und Erziehung und die Weckung eines
kraftvollen deutschen Selbstbehauptungswil
lens erstrebten. Die Regierung soll sich mit
allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln
für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein
setzen. Zwei weitere Punkte des national
sozialistischen Programmes besagen: „Die
politische Einstellung unö die Wirtschaftsfüh
rung der Regierung gewähren die weitere
Selbständigkeit des Landes Braunschweig. Die
braunschweigische Regierung setzt sich beson
ders durch ihren Vertreter im Reichstag
energisch für eine Außenpolitik ein, die eine
Beseitigung der für das deutsche Volk un
tragbaren Tributlasten zum Ziele hat, Be
kämpfung der Kriegsschuldlüge und aller auf
ihr beruhenden Verträge."
Die Nationalsozialisten
stecken nach den Erfolgen im Reich und in
Braunschweig ihre Ziele weiter. In ihrer
Presse ist zu lesen, auf Thüringen und
Braunschweig werde Sachsen in den nächsten
Tagen oder Wochen folgen, denn die Vertre
ter des Bürgertums würden sich nach dem
Erfolge in Sachsen, wo die Nationalsozialisten
in den Hauptstädten ihre Stimmenzahl seit
der erst einige Monate vorher stattgefundenen
Landtagswahl nahezu hätten verdoppeln kön
nen, überlegen, noch länger ans ihrer ur
sprünglichen Weigerung mit der Besetzung
des sächsischen Innenministeriums durch Gre
gor Straßer zu beharren. Auf verfassungs
mäßigem Wege werde man eine Machtposition
nach der anderen erobern. In Kürze stehe
der „mitteldeutsche Freiheitsblock", und eine
wichtige Etappe sei erreicht.
* . *
te Arleil nach der Schießerei.
In dem Berliner Schwurgerichtsprozeß
gegen Meier und Genossen, die sich wegen der
Schießerei in der Nangarderstraße zu verant
worten hatten, wurde Sonnabendnachmittag
das Urteil verkündet. Die angeklagten Natio
nalsozialisten Meier, Prüfte und Dömpke
wurden wegen Raufhandels und Vergehens
gegen das Schußwaffengesetz zu zwei Jahren
Gefängnis verurteilt. Das angeklagte Mit
glied des Fußballklubs „Germania", Berns
dorff, erhielt wegen Raufhandels sechs Mo
nate Gefängnis. Der Nationalsozialist Rauh
wurde ans Kosten der Staatskasse freigespro
chen. In der Begründung des Urteils heißt
es, die größere Schuld liege bei den drei
Nationalsozialisten. Bernsdorff wurde Be
währungsfrist zugebilligt. Gegen das Urteil
hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt.
Der Vorsitzende erklärte, politische Momente
seien erst in den Prozeß hineingebracht wor
den, während nach Ansicht des Gerichts politi
sche Motive den Zusammenstoß nicht herbei
geführt haben.
* * *
KopknhlMlm Mizei als süßer Mel.
Der dänische König wurde aus Anlaß sei
nes 60. Geburtstages in Dänemark recht ge
feiert. Nach der Cour in Schloß Amalienborg
zu Kopenhagen erschien der König auf dem
Balkon des Schlosses und hielt eine An
sprache, in der er seinem Dank für die Be
weise der Anhänglichkeit Ausdruck gab, die
ihm entgegengeströmt seien. Er schloß mit
einem Hoch auf Dänemark. Auf dem Ama
lienborgplatz gingen im Gedränge zahlreiche
Kinder verloren. Die Polizei nahm sich ihrer
an und bewirtete sie in bereitstehenden Poli
zeiautomobilen mit Schokolade und Kuchen.
Als dies andere Kinder hörten, gaben sie sich
auch als verloren aus und wurden ebenfalls
bewirtet. Noch nie hat die Kopenhagener
Polizei so viele „vermißte Kinder" aufgelesen
als bei dieser Gelegenheit. !
Von Vertretern amtlicher deutscher Stellen
wurden in der dänischen Gesandtschaft in
Berlin Karten abgegeben. '
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