Full text: H. C. Andersen's ausgewählte Märchen

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über Berge und Seen, da kann man leicht das Leben verlieren, 
und das hat er verloren. Er kommt nicht mehr zurück, und mich 
darf meine Schwester nicht nach ihm fragen.“ 
Dann scharrte er mit dem Fuße verdorrte Blätter über die 
lockere Erde und ging wieder in der dunkeln Nacht nach Hause. 
Aber er ging nicht allein, wie er glaubte; der kleine Elf bekleidete 
ihn, er saß in einem vertrockneten, aufgerollten Lindenblatte, welches 
dem bösen Manne, als er grub, in die Haare gefallen war. Der 
Hut war nun darauf gesetzt, es war dunkel darin, und der Elf 
zitterte vor Schreck und Zorn über die schlechte That. 
In der Morgenstunde kam der böse Mann nach Hause; er 
nahm seinen Hut ab und ging in der Schwester Schlafstube 
hinein. Da lag das schöne, blühende Mädchen und träuimte von 
ihm, dem sie so gut war und von dem sie nun glaubte, daß er 
iüber Berge und durch Wälder gehe; der böse Bruder neigte sich 
über sie und lachte häßlich, wie nur ein Teufel lachen kann, da 
fiel das trockene Blatt aus seinem Haare auf die Beitdecke nieder, 
aber er bemerkte es nicht und ging hinaus, um in der Morgen⸗ 
stunde selbst ein wenig zu schlafen. Äber der Elf schlüpfte aus dem 
derdorrten Blatte, setzte sich in das Ohr des schlafenden Mäd— 
hens und erzählte ihr, wie in einem Traum, den schrecklichen 
Mord, beschrieb ihr den Ort, wo der Bruder ihn erschlagen und 
seine Leiche verscharrt hatte, erzählte von dem blühenden Linden— 
baume dicht dabei und sagte: „Damit Du nicht glaubst, daß es 
nur ein Traum sei, was ich Dir erzählt habe, so wirst Du auf 
Deinem Bette ein verdorrtes Blatt finden!“ Und das fand sie, 
als sie erwachte. 
O, welche bittere Thränen weinte sie und durfte doch Nie— 
mand ihren Schmerz anvertrauen! Das Fenster stand den ganzen 
Tag offen, der kleine Elf konnte leicht zu den Rosen und all' den 
übrigen Blumen nach dem Garten hinaus gelangen, aber er 
wagte es nicht, die Betrübte zu verlassen. Im Fenster stand ein 
Strauch mit Monatsrosen, in eine der Blumen setzte er sich und 
betrachtete das arme Mädchen. Ihr Bruder kam oft in die Kammer 
hinein, und war heiter trotz seiner Schlechtigkeit, aber sie durfte 
kein Wort über ihren Herzenskummer sagen. 
Sobald es dunkel wurde, schlich sie sich aus dem Hause, 
ging im Walde nach der Stelle, wo der Lindenbaum staud,
	        
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